[Illustration:
Phot. T. J. Alldridge.
Abb. 74. Ein Mendi mit dem für Männer üblichen Musikinstrument,
dem Sangbol, einer aus einem ausgehöhlten Baumwollbaume hergestellten
Trommel, die mit Haut überspannt ist und mit den Handflächen geschlagen
wird.]
Bei den tschisprechenden Völkern der Goldküste erhebt sich bereits,
ehe ein Familienoberhaupt seinen letzten Atemzug getan hat, lautes
Wehklagen, die Frauen stürzen schreiend aus dem Hause mit zerzaustem
Haar und in Unordnung geratenen Tüchern. Die Leiche wird gewaschen, in
kostbare Gewänder gekleidet und auch sonst ausgeputzt, darauf entweder
auf eine Bettstatt hingelegt oder auf einen Schemel gesetzt; in solcher
Paradestellung erhält sie den Besuch der Frauen, die sich zum Begräbnis
einfinden und den Toten schelten, daß er von dannen gehe. Angehörige
dagegen bereiten ihm seine Lieblingsgerichte und reden ihm dringlich
zu, noch einmal davon zu essen. Draußen sitzen die Männer zum Empfang
der Geschenke bereit, wie Gold, Schießpulver, berauschende Getränke,
Eßwaren und Tücher, die die Freunde mitbringen; ihre Ankunft wird
durch Gewehrschüsse und Trommelschlag angekündet. Vom Augenblick des
Verscheidens an nehmen die Verwandten des Toten und seine sonstigen
Hausgenossen, solange sie es nur aushalten können, keine Nahrung zu
sich; dafür trinken sie reichlich berauschende Getränke, so daß die
meisten von ihnen am Begräbnistage betrunken sind. Einen oder zwei
Tage nach dem Tode wird der Verstorbene durch ein besonders dazu
hergerichtetes Loch der Mauer aus dem Hause befördert und in ein Grab
gelegt; Hühner, Schafe oder auch Ochsen werden ihm geopfert, damit
deren Geister den seinigen in die nächste Welt begleiten können. Die
Familie des Verstorbenen verteilt außerdem reichlich Rum unter die
Trauergäste. Die Totenwache pflegte man früher so lange auszudehnen,
als die Angehörigen es durchhalten konnten; heutzutage sind die Leute
indessen sparsamer geworden und schränken die Festlichkeiten bei einem
Begräbnis sehr ein. Auch legen sie nicht mehr wie vordem Goldsachen
und andere Kostbarkeiten in die Särge. -- Wenn es nicht möglich ist,
die Leiche einzuholen, wird ein ganz kleiner Sarg angefertigt und mit
einem weißen Tuche bedeckt. War der Betreffende ertrunken, dann bringt
man diesen Sarg an den Strand und besprengt die Wellen mit ein wenig
Rum, ruft den Verstorbenen dreimal herbei, schüttet Sand und Seewasser
in den Sarg und begräbt ihn. Fand er seinen Tod aber in den Flammen,
so wird etwas von seiner Asche oder von der des Hauses, in dem er
umkam, oder auch etwas Erdboden aus dessen Umgebung in den Sarg getan.
Jedesmal rufen die Hinterbliebenen vor der Beisetzung laut aus, daß der
Verstorbene gesucht, aber nicht gefunden worden sei, damit sein Geist
nicht denke, seine Angehörigen wären gegen ihn gleichgültig gewesen,
und sie dafür bestrafe. -- Gegen Ende August wird ein allgemeines Fest
zur Erinnerung an die Toten abgehalten, die in den letzten zwei Jahren
gestorben sind. Vom frühen Morgen an erhebt sich ein lautes Gejammer
um sie. Eine jede Familie begibt sich zu dem Grabe ihres Angehörigen
und opfert hier Hühner, Eier, Rum und Palmwein, schmeichelt dem Toten
und ruft ihn um Schutz an. Darauf wird noch sieben Tage lang gegessen
und getrunken; am folgenden Tage werden die gewöhnlichen Geräte, die
während dieser Feste benutzt wurden, fortgeworfen und an ihrer Stelle
neue in Gebrauch genommen.
[Illustration:
Phot. P. Amaury Talbot.
Abb. 75. Ofergabe für die Geister (Nord-Ekong),
wie man sie am Eingang aller Ekoiortschaften zur Seite des Weges
aufstellt oder eingräbt, um die Geister günstig zu stimmen und
fernzuhalten.]
[Illustration:
Phot. The British Cotton Growing Association.
Abb. 76. Südnigerierin im Brautstaat.
Das Kleid ist im Lande selbst hergestellt, der Schmuck besteht aus
Korallen und Elfenbein.]
Bei den Aschanti wurden früher aus Anlaß des Begräbnisses eines Königs
Menschenopfer dargebracht. Es bestand bei diesem Volke nämlich die
Sitte, daß, sobald ein König auf den goldenen Thron gehoben war, man
zu seiner beständigen Bedienung eine Anzahl Jünglinge und Jungfrauen
auswählte. Die Mädchen hatten die Pflicht, jedes Gericht, das auf die
königliche Tafel kam, zu kosten, bevor es dem Herrscher vorgesetzt
wurde, und die Männer bildeten seine Leibwache. Diese „Seelen des
Königs“, wie sie hießen, genossen besondere Vorrechte, solange der
König am Leben war; bei seinem Tode aber wurden sie getötet und mit ihm
begraben, einmal, um in der anderen Welt ihn weiter zu bedienen, und
zum anderen, um zu zeigen, daß der Verstorbene in der Tat ein mächtiger
Fürst gewesen sei. Sie waren im übrigen mit diesem ihrem Schicksal
auch ganz einverstanden und machten gar nicht einmal den Versuch, ihm
zu entgehen, denn sie hielten es für selbstverständlich, daß sie im
Jenseits eine ähnliche Stellung einnehmen würden wie hier auf dieser
Welt. Immer, wenn der Todestag des Königs wiederkehrte, wurden neue
Diener abgeschickt, das heißt abgeschlachtet, um dem Verstorbenen zu
zeigen, daß er noch nicht vergessen sei, und auch, um den jenseitigen
Bewohnern einen weiteren Beweis seiner Größe zu liefern.
[Illustration:
Aus „Tremearne, The Tailed Head-Hunters of Nigeria“.
Abb. 77. Junge Frauen der Kajji, eines Kopfjägerstammes.
Nach der Hochzeit entfernt die Mutter der jungen Frau den
Keuschheitsgürtel, den sie bis dahin getragen hat, und legt ihr einen
schwanzähnlichen Anhänger aus Palmfasern um, der von einer Gürtelschnur
vorn und hinten herunterhängt.]
[Illustration:
Aus „Austral-African Notes and Anecdotes“.