Sie zeigen stets weibliche Formen.]

Die Mendi glauben im allgemeinen an ein +zukünftiges Dasein+. Das

Reich der Toten verlegen sie in einen Berg in der Nähe einer bestimmten

Stadt ihres Landes. Dorthin sollen sich die Toten begeben, nachdem sie

auf langer Reise zuvor einen Fluß überschritten haben. Die obenerwähnte

Zeremonie „Tewe-jama“ nimmt darauf Bezug, denn diese Bezeichnung heißt,

wörtlich übersetzt: „über das Wasser gehen“. Aus diesem Jenseits

will man in geheimnisvoller Entfernung Stimmen gehört haben, die auf

die Klagelaute der Hinterbliebenen antworteten und sie aufforderten,

nicht länger zu weinen, da der Verstorbene sein Ziel erreicht habe. Es

wird auch noch erzählt, daß man oft den Verstorbenen, den Kopf in das

weiße Leichentuch gehüllt, habe hinaufgehen sehen und vernommen habe,

daß ihm, sobald er den Blicken entschwunden war, zur Begrüßung laute

Willkommrufe entgegengerufen wurden.

[Illustration:

Phot. C. H. Firmin.

Abb. 64. Mendimädchen beim Tanz,

der, ebenso wie Musizieren und Singen, bei den Mendinegern sehr beliebt

ist. Als Musikwerkzeuge dienen Trommel und Segura.]

[Illustration:

Aus „Tremearne, The Tailed Head-Hunters of Nigeria“.

Abb. 65. Der Hängemattentanz in Sierra Leone.

Der „Tänzer“ führt seine Bewegungen in einer Hängematte aus, die in

zwanzig bis dreißig Fuß Höhe zwischen zwei Stangen ausgespannt ist.

Während der Vorführung, die stundenlang dauern kann, spielt Musik und

singt der Chor.]

Stirbt eine Angehörige des +Yassibundes+, dann tragen die Ordensfrauen

die in ein Tuch gehüllte Leiche auf einer Matte um das Haus, tanzen und

singen dabei zu dem Lärm der langen Holztrommeln und der Segura; die

Kambehmutter eröffnet, ein langes Schwert gezückt vor sich haltend,

den Reigen, eine andere Kambeh trägt in einem Horn die Yassimedizin.

Alle Frauen sind nur um die Hüften mit einer Anzahl Perlenschnüre

bekleidet, die infolge der Erschütterung beim Tanzen bald abfallen,

so daß sie schließlich ganz nackt erscheinen; die Kambehfrauen sind

außerdem auf der Stirn und an den Schultern fleckig geschminkt. Stets

muß eine Nacht zwischen dem Eintritt des Todes und der Bestattung

liegen. Diese verbringen die Yassifrauen mit Tanz und Gesang in dem

Medizinhaus. Nachdem der Tanz beendet ist, begeben sich die Teilnehmer

in das Haus. Ein paar der beteiligten Frauen müssen nun aus Blättern

und Wasser ein bestimmtes Gebräu, Saweh genannt, durch Zerquetschen

in einem Holznapfe herstellen. Darauf werden ein oder mehrere Hühner

geschlachtet und mit den Federn in diese „Medizin“ hineingetaucht; mit

den Flügeln der Tiere besprengt man jedes Haus in der Stadt und alle

Menschen, die nicht Angehörige des Yassibundes sind, damit der Geist

der Verstorbenen niemand belästige und auch eine schädliche Wirkung der

Yassimedizin, die die Kambehmutter trägt, vermieden werde. Sobald die

Frauen den geschilderten Obliegenheiten nachgekommen sind, wird die

Leiche bestimmten Poromännern übergeben, die die Leichenbesichtigung

vorzunehmen und festzustellen haben, ob die Verstorbene etwas mit

Hexerei zu tun gehabt habe. Zu diesem Zwecke wird sie aufgeschnitten,

ihre Lunge herausgenommen und in eine Schale mit Wasser gelegt;

schwimmt die Lunge oben, so ist dies ein untrügliches Zeichen für die

Unschuld der verstorbenen Person. Während der Leichenöffnung, die im

Porobusch vor sich geht, müssen alle Leute den Ort verlassen, dürfen

sich aber in der Nähe aufhalten. Stellt sich heraus, daß die Tote sich

keine Zauberei hat zuschulden kommen lassen, dann stößt ein Teufel des

Ordens, der Bahun, der zu dieser Zeit stets in der Nähe weilt, einen

sonderbaren Schrei aus, worauf die große Trommel geschlagen wird, um

den Bewohnern der Stadt anzukünden, daß die Verstorbene die Probe

glücklich überstanden habe. Daraufhin kehren alle sofort nach dem Orte

zurück; die Frauen heben ihre Wehklage an und tanzen und singen drei

Tage lang. Die Leiche der Verstorbenen hat Anspruch auf alle mögliche

Achtung, sie darf auch von den Angehörigen in der Stadt beigesetzt

werden. Die Bestattung erfolgt durch Männer, doch muß zuvor noch der

Rest der Sawehmedizin aus dem Napfe über die Tote gesprengt werden. Hat

sich indessen herausgestellt, daß die Verstorbene nicht unschuldig war,

weil ihre Lunge untersank, dann darf niemand sich erkühnen, zu jammern

und zu klagen, sondern überall muß tiefes Schweigen herrschen. Es darf

auch weder getanzt noch gesungen noch gespielt werden. Die Tatsache,

daß die Tote sich mit Hexerei befaßt hatte, gilt als eine Schande für

die Familie, und die Tote wird deshalb einfach unbekleidet im Busch

begraben.

[Illustration:

Aus „Tremearne, The Tailed Head-Hunters of Nigeria“.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 71 / 203 题