Zwei mit Nägeln beschlagene Fetische von der Loangoküste.]

Unter den +Spielen+ begegnen wir in Westafrika dem gleichen Brettspiel,

wie wir es bereits in Ostafrika kennen lernten. Bei den Mendi, wo

es die Bezeichnung „Warri“ führt, hat es die besondere Form eines

Kriegspieles angenommen. Es erfordert viel Überlegung und große

Geschicklichkeit. Man spielt es zwischen zwei Personen auf einem

kleinen Brett, das auf einem niederen Sockel steht und an seiner

Oberfläche an jedem Längsrande sechs Löcher besitzt, so tief und breit,

daß sie die Spitzen der ersten beiden Finger der rechten Hand aufnehmen

können. Diese Löcher heißen die „Städte“; jedes Loch oder jede Stadt

wird von vier Kriegsknechten, gewöhnlich in Gestalt von Bohnen, besetzt

gehalten. Nachdem die zwölf Städte mit ihrer Kriegsmannschaft belegt

worden sind, geht jede Partei darauf aus, die andere zu besiegen oder

„aufzuessen“, wie sie es nennen. Das Spiel wird so lange gespielt,

bis beide Armeen so weit geschwächt worden sind, daß weder auf der

einen noch auf der anderen Seite ein Mann übriggeblieben ist. Als

Sieger gilt derjenige, der die meisten Gefangenen gemacht hat. Jede

Stadt pflegt ihr Warribrett zu besitzen, und der Mendi ist so in sein

Spiel vernarrt, daß er, so oft sich Gelegenheit bietet, eine Partie

macht. -- Ein anderes volkstümliches Spiel desselben Volksstammes ist

das „Se“ (Abb. 82), an dem sich vier Personen beteiligen. Es besteht

darin, daß jeder Spieler einen kleinen aus Elfenbein geschnitzten

Kreisel auf einer Matte wirbelt und aufpaßt, ob dieser einen oder alle

Kreisel seiner Gegner verdrängt. Verlierer ist der, dessen Kreisel dem

des anderen weichen mußte. In früheren Zeiten bestand der Einsatz,

um den gespielt wurde, geradezu in Menschen. Ist dieses Spiel bis zu

einem gewissen Grade schon Hasardspiel, so trifft dies noch mehr für

das „Jiggi“ zu. Es wird mit vier Kaurimuscheln gespielt, deren konvexe

Oberfläche abgeschliffen ist. Ein Spieler nimmt die vier Muscheln in

die Hand und wirft sie mit einer geschickten Wendung in die Höhe. Je

nach dem Ausfall des Wurfes bedeutet er Gewinn oder Verlust; fallen

alle vier Muscheln mit der geschlossenen oder auch mit der offenen

Seite auf den Boden, so hat der Spieler verloren; liegen aber zwei

mit der geschlossenen und zwei mit der offenen auf dem Boden, so hat

er gewonnen. Als ein ernst-wissenschaftliches Spiel der Mendi ist

schließlich noch das „Ke“ zu nennen; man spielt es auf einem festen

Stück Holz, das in schwarze und weiße Vierecke eingeteilt ist, mit

kegelförmigen Figuren von zweierlei Größe, Männer und Frauen genannt.

Die Züge sind dieselben wie bei unserem Damspiel.

[Illustration:

Phot. P. Amaury Talbot.

Abb. 41. Ein Jujuträger des Ekoistammes.

Bei der Hochzeit gewichtiger Persönlichkeiten wird ein als Fetisch

dienender Schädel zu der Tür des Brautgemachs getragen und hier

niedergelegt, um bis zum Sonnenaufgang als Schildwache zu dienen. Dies

geschieht, um sich der Treue des Weibes zu versichern, denn, falls es

später den Versuch machen sollte, seinen Gatten zu verlassen, würde der

Schädel ihm folgen und es daran hindern.]

Die +schwangere+ Akkrafrau läßt deutlich auch nach außen hin ihren

Zustand erkennen, indem sie ihre Tracht ändert. Sie läßt ihr Haar

wachsen, stellt das Schminken ein und legt ihren Korallenschmuck

ab; dafür wird ihr von der Priesterin eine Art Manschetten aus Bast

im ersten Monat um die Handgelenke, dann um die Knie und in den

letzten Monaten in dicken Wülsten um die Knöchel geschlungen, von

denen überdies noch Knoten herabhängen, dies alles, um die Geburt zu

erleichtern. Je näher ihre schwere Stunde rückt, um so mehr wird sie

mit Amuletten behängt. In den letzten acht Tagen bestreicht ihr die

Priesterin den Kopf außerdem noch mit einer weichen Masse, die diesen

wie eine dicke Kappe bedeckt und erst nach der Geburt entfernt werden

darf. Wird die Negerin der Goldküste zum ersten Male schwanger, dann

treibt man sie unter Bewerfen mit Kot und unter Geschimpfe ins Meer,

wo sie untertauchen muß. Von dem Tage an, an dem eine Ekoifrau merkt,

daß sie Mutter werden wird, muß sie besondere Vorsichtsmaßregeln

beobachten, aus deren Unterlassung Unheil entstehen könnte. So darf

sie zum Beispiel nicht in die Nähe eines bestimmten Baumes gehen,

dessen Rinde beim Fischen Verwendung findet; sie darf weder die

Blätter des Kürbisses noch das Fleisch des Stachelschweines, des

Wasserbisams oder des Elefanten essen; ihr Gatte steht, was den

letztgenannten Leckerbissen anbelangt, unter dem gleichen Tabu. Ferner

muß die Schwangere ihrem Hausfetisch opfern; zu diesem Zwecke füllt

sie für gewöhnlich einen Topf oder auch eine Kalabasse mit Essen und

durchsticht das Ganze mit einem Speer. Auch die Ewenegerin bringt den

Fetischen der Geburt Opfer dar und wird von den Priestern mit allerlei

Amuletten am ganzen Körper behängt. Der Hilfsmittel, die die Geburt

erleichtern sollen, gibt es viele. Bei Agitome in Togo fanden sich

bei einer bevorstehenden Entbindung vor dem Dorfe kleine rohgeformte

Tonfiguren aufgestellt, die anscheinend den bösen Geistern den

Zutritt verwehren sollten. Die Malangefrauen tragen stets eine kleine

Kalabasse, die mit Erdnüssen und Palmöl gefüllt ist, bei sich, um eine

leichte Entbindung zu haben.

[Illustration:

Phot. T. J. Alldridge.

Abb. 42. Sabomedizin.

Im Vordergrunde steht eine Zwillingshütte, die von einer Frau errichtet

wurde, um die Hilfe der Sabomedizin für ihr krankes Kind zu erlangen.

Die Behandlung kann nur durch Zwillinge vorgenommen werden.]

Die +Geburt+ eines neuen Gemeindemitgliedes wird allgemein mit Freuden

nicht nur von den Eltern, sondern auch von den übrigen Dorfbewohnern

begrüßt, besonders in fruchtbaren Gegenden, wo kein Mangel an Nahrung

herrscht; denn ein Knabe bedeutet einen Zuwachs an Verteidigung, ein

Mädchen an Arbeitskraft. Kindsmord kommt daher im allgemeinen selten

vor und pflegt sich auf Zwillinge oder Mißgeburten zu beschränken.

Die Auffassung von +Zwillingsgeburten+ ist bei den einzelnen

Negerstämmen jedoch eine verschiedene. Von den einen werden sie für

eine gute Vorbedeutung angesehen -- bei den Haussa bedeuten auch

Drillinge Glück --, von anderen dagegen als ein Unglück. Die zweite

Auffassung ist die häufigere. Daher pflegt man Zwillinge meistens

unbarmherzig zu töten. In Altkalabar ist die Mutter gehalten, ihre

beiden Kinder in ein Gefäß zu packen und so zum Fraße der Ameisen

im Walde auszusetzen. Die Dahomeer warfen früher beide Kinder ins

Wasser, pfählten die Mutter und schnitten ihr die Brust auf. Die

Ibo vergiften die Zwillinge oder setzen sie in die Dschungel aus.

Auch anderwärts tötet man verschiedentlich die Mutter, weil man

Zwillinge für ein Zeichen begangener Untreue ansieht. Bei anderen

Stämmen läßt man wenigstens einen der Zwillinge am Leben. Die Bassari

begraben das schwächere der Kinder, wobei der Knabe den Vorrang

einnimmt, lebendig in einem Topfe und geben ihm die Hälfte eines

geopferten Huhnes mit hinein, dessen andere Hälfte in einem zweiten

Gefäß daneben beigesetzt wird. Mit diesem Opfer soll der Geist des

ausgesetzten Kindes versöhnt werden, damit er sich nicht an dem am

Leben bleibenden räche. Eweeltern, die mit Zwillingen beschenkt werden,

haben sich umfangreichen Förmlichkeiten zu unterwerfen, den sogenannten

Venovidzidziförmlichkeiten, bevor sie ihre Hütte verlassen dürfen, was

vor dem fünfundzwanzigsten Tage nicht erlaubt ist. Diese Gebräuche

dürfen nur solche Personen an ihnen ausführen, die selber einmal

Zwillinge hatten.

[Illustration:

Phot. P. Amaury Talbot.

Abb. 43. Ein Negermädchen bei der Bedienung eines Juju.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 65 / 203 题