Abb. 36. Fetischtrommel aus Togo (mit Menschenschädeln).]

Vorliebe für +Musik+ (Abb. 59), +Tanz+ (Abb. 62, 64 bis 67, 69) und

+Spiel+ (Abb. 72 und 79) ist den Negern gleichsam angeboren, wie

wir bereits an anderer Stelle hörten. Auch die westafrikanischen

Schwarzen neigen in hohem Grade dazu. Die Mendistämme schwärmen für

den Ton der Segura und des Sangboi; allenthalben kann man den Klängen

dieser beiden Musikinstrumente tagtäglich und selbst während der

Nacht begegnen. Die Segura, ein ausgehöhlter Kürbis mit klappernden

Steinchen, wird besonders von den Frauen gern und so geschickt

geschüttelt, daß dadurch ein bis zu einem gewissen Grade melodischer

Wohlklang erzeugt wird, der selbst den Beifall des Europäers findet,

wenn er sich einmal daran gewöhnt hat. Die Segura fehlt daher weder bei

einer der zahlreichen einheimischen Zeremonien noch bei den privaten

oder öffentlichen Festlichkeiten. Das Entzücken der Männer dagegen

bildet der Sangboi (Abb. 74) oder das Tamtam. Dieses Musikwerkzeug ist

weiter nichts als ein ausgehöhltes Stück Baumwollbaum, das wie eine

Trommel mit Haut überzogen ist und sich von einer solchen eigentlich

nur dadurch unterscheidet, daß es mit den Händen angeschlagen wird.

-- Im übrigen ist bei allen Negern als Musik- oder besser gesagt

Lärminstrument sehr beliebt die Trommel (Abb. 68). Sie besteht

meistens aus einem mehr oder weniger langen Holzzylinder (ausgehöhlten

Baumstamm), der bald an beiden Enden, bald nur an einem offen

ist und ein Trommelfell aus Fell oder Eidechsenhaut trägt; dieses

ist für gewöhnlich mit Holz- oder Metallstiften angenagelt, in

einzelnen Gebieten (Kamerun) aber auch durch Riemen angespannt. Eine

besondere Abart ist die Schlitztrommel, der wir besonders in Kamerun

begegnen. Sie ist gleichfalls aus einem runden Stück Hartholz in der

Weise hergestellt, daß man dieses der Länge nach mit einem Schlitz

versieht und von diesem aus nach innen das Ganze wie einen Futtertrog

aushöhlt; bei dieser Aushöhlung wird darauf geachtet, daß die eine

Wand dünner als die andere ausfällt, so daß sie, angeschlagen, einen

höheren Ton ergibt als diese. Diese Trommeln benutzt man nämlich

zur gegenseitigen Verständigung, zur +Trommelsprache+. Die Trommeln

werden mittels zweier Holzschlegel angeschlagen, in ähnlicher Weise,

wie man solche bei einem Xylophon handhabt. Die Trommelsprache,

die sich besonderer Ausbildung in Kamerun und Togo erfreut, dient

der schnellen Verbreitung von Nachrichten, weswegen der Neger das

dazu benutzte Instrument auch als „Mitteilungskiste“ bezeichnet.

Man trommelt auf weite Entfernungen hin, um zum Beispiel die Kunde

von einem wichtigen Ereignis, wie der Ankunft eines Fremden, dem

Nahen eines Feindes und so weiter, mitzuteilen, ja selbst um sich

gegenseitig mit Schimpfworten zu belegen, was zur Folge hat, daß der

davon Betroffene eine Erwiderung „zurücktelegraphiert“. Bei der den

Negern angeborenen Streitsucht beschimpfen sich die Dualaleute zum

Beispiel stundenlang bei Tag und bei Nacht bis zur Erschöpfung auf

diese Weise. Indessen ist nicht jedermann mit dieser Trommelsprache

vertraut, sondern es pflegen meistens nur einige wenige im Dorfe zu

sein, die sie beherrschen. Zu ihrer Erlernung gehört unendliche Geduld

und viel Zeit. Jeder Stamm hat seinen Sonderkodex von Trommelzeichen;

jedoch scheint auch ein gemeinsamer Kodex vorhanden zu sein, der von

allen Stämmen eines bestimmten Gebietes verstanden wird. Der Trommler

legt die „Nachrichtenkiste“ vor sich hin auf die ausgebreiteten Beine,

während er auf dem Boden sitzt, oder bei einer Fahrt im Kanu über die

Bordränder desselben; sind zwei (fellüberzogene) Trommeln in Gebrauch,

wie es in Togo der Fall zu sein pflegt, dann stellt der Trommler die

höher gestimmte, die die Ewe die männliche nennen, zu seiner Rechten,

die tiefer gestimmte, die weibliche, zu seiner Linken auf. In der

Trommelsprache werden feststehende Sätze gebraucht; sie ist also eine

Sentenzensprache, die auf den musikalischen und dynamischen Akzenten

der Silben beruht. Daher kann dazu nicht jede beliebige Redewendung

verwendet werden, sondern nur feststehende Sätze, die auf verschiedene

Ereignisse von Bedeutung Bezug nehmen.

[Illustration:

Phot. C. L. Temple.

Abb. 37. Ein Medizinmann aus Fika.

Er schneidet sich wiederholt mit einem Messer, ohne daß Blut fließt.

Diese und andere Eigentümlichkeiten schreibt man dem Tragen von Fellen

zu.]

[Illustration:

Phot. The Sudan United Mission.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 63 / 203 题