[Illustration:
Phot. P. Amaury Talbot.
Abb. 29. Häuser der Banana vom Stamme der Musgum.
Sie sind kegelförmig, etwa dreißig Fuß hoch und mit einem Rippenwerk
bekleidet, das gleichzeitig als Leiter dient.]
Nach Ablauf ihrer Probezeit werden die jungen Bundumädchen
„fortgerissen“ und medizinisch „gewaschen“, wie man es zu nennen
pflegt (Abb. 57). Dieser Austritt aus dem Busch endet für gewöhnlich
mit einer Feier, an der die ganze Bevölkerung des Ortes, zum mindesten
als Zuschauer, teilnimmt. Für solche, die vorher verlobt waren, pflegt
man mit dieser Austrittsfeier das Hochzeitsfest zu verbinden. Die
„Waschung“ wird mit großem Lärm und Umzug der Bunduteufel in ihrer
Ordenstracht durch die Stadt eingeleitet. Am nächsten Nachmittag
machen sich zahlreiche Frauen, die alle Äste oder Grasbüschel in den
Händen tragen, unter Vorantritt der Sowehs und der sie begleitenden
Bunduteufel nach der Ortschaft auf und durchziehen dieselbe unter
großem Lärm, zu dem das Schütteln der Seguras den Takt abgibt. Die
Teufel nehmen darauf, in völlig bewegungsloser Haltung verharrend,
die zahlreichen Geschenke entgegen, die die zukünftigen Gatten der
ausgewählten Bräute in Anbetracht der Sorge und Mühe, die sich der
Orden mit ihnen gegeben hat, darbringen. Dabei suchen die Bräutigame
einander oft in Freigebigkeit zu überbieten, indem sie immer neue
Geschenke hinzufügen. Am Tage des Waschens selbst werden alle Mädchen,
ob sie nun verlobt sind oder noch nicht, aus dem Bundubusch heraus mit
ihren Verwandten und den Teufeln im Zuge in der Stadt herumgeführt,
an der Spitze die oberste Medizinfrau oder Maschu (Abb. 61). Diese
Prozedur heißt Tiffeh nach den Blättern, die die folgenden Frauen
bei dieser Gelegenheit tragen. Nach solcher Schaustellung gehen die
Bewerberinnen nach einem anderen Teil des Busches zurück, wo sie ihren
Soboro oder die Teufelskappe in Empfang nehmen; diese besteht in
einer Bedeckung des Kopfes mit einer Menge schwarzen Schlammes, der
medizinisch zubereitet wurde. Sie müssen damit zur Wasserseite gehen
und sich die Teufelskappe abwaschen lassen. Jedoch erhalten nur die
Verlobten die Teufelsmütze und haben die damit verbundene Waschung
durchzumachen; den übrigen wird nur mit der Bundumedizin das Gesicht
gewaschen. Wenn ein ungewaschenes Mädchen sich später verlobt, muß
es zum Bundubusch zurückkehren, bekommt die Teufelskappe und wird
gewaschen. Mit dieser Handlung haben die Mädchen ihre Lehre im Bundu
beendet und sind Vollmitglieder des Ordens geworden. Bevor sie aber
ihre Freiheit wiedererlangen, müssen sie noch drei Nächte im Bari, dem
mit bunten Tüchern geschmückten Hinterhause des Häuptlings, das für
diesen Zweck besonders hergerichtet wurde, zubringen, gleichsam zur
Erholung von ihren Anstrengungen, denn sie pflegen dort behaglicher
Ruhe. Am Tage ist es ihnen erlaubt, bunt ausgeputzt in der Stadt
umherzugehen, ihre Freundinnen zu besuchen und Geschenke zu empfangen.
Man glaubt allgemein, daß, falls sich ein Mädchen nach seiner Rückkehr
aus dem Busch mit einem Manne unpassend betragen sollte, die bewußte
„Medizin“ dem Übeltäter eine Krankheit beibringen werde, die nur die
Sowehs zu heilen vermögen.
[Illustration:
Aus „Kolonie und Heimat“.