[Illustration:
Phot. H. S. W. Edwardes.
Abb. 27. Ein Mädchen der Filani,
eines nomadisierenden Hirtenstammes von ausgesprochen semitischem
Aussehen.]
Während ihrer Vorbereitungszeit (Abb. 53 und 54) werden die Zöglinge
im Bundubusch in den praktischen Aufgaben der Hausfrau, wie Kochen,
Nähen, Flechten, Spinnen, Färben der von den Männern gewebten Stoffe,
ferner in der Kenntnis der heilkräftigen Kräuter, in der Einübung von
Tänzen und der sie begleitenden Musik, im Erlernen von Spielen und
schließlich auch in der Praxis des Geschlechtslebens unterwiesen. Die
Aufsicht über die Mädchen und ihren Unterricht ist einer Anzahl älterer
Frauen übertragen, die ihrerseits wieder in einander untergeordnete
Grade eingeteilt sind. Wie für den Porobund bestehen auch hier drei
Grade. Der niedrigste ist der der Digbas, der zweite der der Normehs
oder Bunduteufel und der höchste der der Sowehs oder Leiterinnen (Abb.
57). Letzteren fällt die Aufgabe zu, die Oberaufsicht zu führen,
die Medizin zu bereiten und bei vorkommenden Krankheiten den Arzt
zu spielen. Auf letzterem Gebiet stehen sie auch sonst in großem
Ansehen, denn selbst impotente Männer und unfruchtbare Frauen nehmen
ihre Hilfe in Anspruch. Den Sowehs unterstellt sind die Normehs oder
eigentlichen Bunduteufel. Bei öffentlichen Aufzügen pflegen sie jene
in einer phantastischen Tracht (Abb. 56) zu begleiten; sie besteht in
einem schwarzgefärbten Gewande, das mit langen zottigen, gleichfalls
schwarzen Fasern besetzt ist und den ganzen Körper mit Ausnahme des
Kopfes umhüllt. Dieser trägt eine Maske (Abb. 55). In der Hand halten
die Normehs Rutenbündel, durch deren Bewegungen sie sich verständlich
zu machen suchen, da ihnen das Sprechen untersagt ist. Den untersten
Grad des Bunduordens bilden die Digbas oder Dienerinnen, die den
Normehs Handreichungen zu leisten haben, auch, da diese ja stumm sein
müssen, deren Wünsche oder Mitteilungen dem Volke kundgeben.
[Illustration:
Phot. Gebr. Haeckel.