Das +Bunduwesen+ wird mit noch mehr Heimlichkeit betrieben als
das Porowesen des männlichen Geschlechtes; so viel aber steht doch
fest, daß der Zweck jenes Ordens die Erziehung der jungen Mädchen und
ihre Vorbereitung auf ihren zukünftigen Beruf als Gattinnen und Mütter
ist. Jede Familie, die über die erforderlichen Mittel verfügt, hat das
Recht, ihre Töchter in den Bundubund gleichsam in Pension zu geben;
für schon Verlobte entrichtet der Bräutigam die Zahlung. Es besteht
kein Zwang, dem Bunde sich anzuschließen; doch tritt ihm ein großer
Teil der weiblichen Wesen bei, da die Mitgliedschaft eine bedeutende
gesellschaftliche Stellung mit entsprechenden Vorrechten verleiht. Die
Zeremonien des Bundubundes spielen sich ebenfalls an einer verborgenen
abgeholzten Stelle im Walde in der Nähe der Stadt ab, im „Bundubusch“.
Um den Unbeteiligten den Zutritt zu verwehren, sind die Pfade, die
zum Busch führen, durch Verbotszeichen kenntlich gemacht. Bei ihrem
Eintritt in den Bund, der bald im Alter von acht bis zehn Jahren, bald
auch später (sogar von seiten bereits verheirateter Frauen) erfolgt,
haben die jungen Mädchen eine Medizin zu genießen, die ihnen, wenn sie
die ihnen anvertrauten Geheimnisse bewahren, nichts antun kann, sie
aber, sobald sie sie verraten, töten wird; auch tragen sie dieselbe
in einem Antilopenhorn (Abb. 45) mit sich herum. Ja noch mehr: diese
Fetischmedizin wirkt auch in die Ferne auf Dritte, das heißt auf
einen jeden ein, der es wagen sollte, die Geheimnisse des Bundes zu
ergründen, sei es dadurch, daß er sich dem Busch nähert oder daß er
mit den Mädchen anzubandeln sucht. Diese vermeintliche Wirkung genügt
bereits, um Unberufene abzuhalten. Sollte sich dennoch einer vermessen,
in die Bundugeheimnisse einzudringen, so haben die Bunduteufel das
Recht, den Übeltäter mit einer Keule totzuschlagen oder ihn dem
Häuptling auszuliefern, der ihn als Sklaven verkaufen läßt.
[Illustration:
Phot. C. H. Firmin.
Abb. 25. Westafrikaner mit eigenartiger Haartracht.
Mit Hilfe von Pflanzenfasern sind die Haare an den Schläfen zu langen
Zöpfen ausgeflochten und in Schlingen gelegt. An der Seite der Stirn
sitzt zum Schutz gegen böse Einflüsse ein ledernes Amulett, das in
seinem Inneren Koransprüche birgt.]
Der Zusammentritt eines Bundu findet für gewöhnlich zur Zeit der
Reisreife statt. Zunächst erhält jedes Mädchen einen besonderen
Namen, den es fortan zu führen hat. In allen Bundugesellschaften
wiederholen sich die Namen nacheinander in derselben Reihenfolge.
Nummer eins heißt immer Kehma, Nummer zwei Toulome und so fort, zum
Beispiel Bandi, Jassa, Soko, Namo. Darauf wird jede Novize mit weißem
Ton beschmiert, erhält ein großes Tuch als Umhang (Abb. 52) und wird
beschnitten, sowie in der Nabelgegend tatauiert. In Liberia trägt jede
Beschnittene das abgeschnittene Stückchen ihres Kitzlers getrocknet
um den Hals gebunden als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit. Bei ihren
Ausgängen tragen die Mädchen eine besondere Tracht, sofern man darunter
die zahlreichen Amulette oder „Medizinen“ (Abb. 51 und 73) verstanden
wissen will, mit denen sie sich den mit weißem Ton kleidartig bemalten
Körper behängen. Sehr wichtig ist darunter das schon erwähnte Horn
einer kleinen Antilope, dessen „Medizin“ das Mädchen töten soll,
falls es etwa seine Geheimnisse preisgäbe; auch darf dieses Amulett
von keinem Manne berührt werden. Solange die Mädchen es tragen, ist
ihnen jeglicher geschlechtliche Verkehr aufs strengste untersagt, auch
den bereits Verheirateten mit ihrem Ehemann. Gelegentlich werden die
Mädchen auch in die Öffentlichkeit geführt und müssen dann vor ihren
Familienangehörigen und Freunden Tänze aufführen; dabei trägt jedes
Mädchen ein besonders mannigfaltig ausgestattetes Gewand. Sie tanzen
zierliche Schrittänze unter Begleitung der Segura, eines mit einem
Netz umsponnenen hohlen Flaschenkürbisses, an dem kleine getrocknete
Samenschalen hängen, bei deren Schütteln ein Ton entsteht. Die besten
Tänzerinnen finden Anerkennung; sie werden unter tosendem Beifall
von den älteren Frauen umarmt, beschenkt und mit Palmöl reichlich
eingeschmiert.
[Illustration:
Aus „Kolonie und Heimat“.
Abb. 26. Idyll aus dem Sokodebezirk.