Abb. 24. Sudanmädchen.]

Das +Bunduwesen+ wird mit noch mehr Heimlichkeit betrieben als

das Porowesen des männlichen Geschlechtes; so viel aber steht doch

fest, daß der Zweck jenes Ordens die Erziehung der jungen Mädchen und

ihre Vorbereitung auf ihren zukünftigen Beruf als Gattinnen und Mütter

ist. Jede Familie, die über die erforderlichen Mittel verfügt, hat das

Recht, ihre Töchter in den Bundubund gleichsam in Pension zu geben;

für schon Verlobte entrichtet der Bräutigam die Zahlung. Es besteht

kein Zwang, dem Bunde sich anzuschließen; doch tritt ihm ein großer

Teil der weiblichen Wesen bei, da die Mitgliedschaft eine bedeutende

gesellschaftliche Stellung mit entsprechenden Vorrechten verleiht. Die

Zeremonien des Bundubundes spielen sich ebenfalls an einer verborgenen

abgeholzten Stelle im Walde in der Nähe der Stadt ab, im „Bundubusch“.

Um den Unbeteiligten den Zutritt zu verwehren, sind die Pfade, die

zum Busch führen, durch Verbotszeichen kenntlich gemacht. Bei ihrem

Eintritt in den Bund, der bald im Alter von acht bis zehn Jahren, bald

auch später (sogar von seiten bereits verheirateter Frauen) erfolgt,

haben die jungen Mädchen eine Medizin zu genießen, die ihnen, wenn sie

die ihnen anvertrauten Geheimnisse bewahren, nichts antun kann, sie

aber, sobald sie sie verraten, töten wird; auch tragen sie dieselbe

in einem Antilopenhorn (Abb. 45) mit sich herum. Ja noch mehr: diese

Fetischmedizin wirkt auch in die Ferne auf Dritte, das heißt auf

einen jeden ein, der es wagen sollte, die Geheimnisse des Bundes zu

ergründen, sei es dadurch, daß er sich dem Busch nähert oder daß er

mit den Mädchen anzubandeln sucht. Diese vermeintliche Wirkung genügt

bereits, um Unberufene abzuhalten. Sollte sich dennoch einer vermessen,

in die Bundugeheimnisse einzudringen, so haben die Bunduteufel das

Recht, den Übeltäter mit einer Keule totzuschlagen oder ihn dem

Häuptling auszuliefern, der ihn als Sklaven verkaufen läßt.

[Illustration:

Phot. C. H. Firmin.

Abb. 25. Westafrikaner mit eigenartiger Haartracht.

Mit Hilfe von Pflanzenfasern sind die Haare an den Schläfen zu langen

Zöpfen ausgeflochten und in Schlingen gelegt. An der Seite der Stirn

sitzt zum Schutz gegen böse Einflüsse ein ledernes Amulett, das in

seinem Inneren Koransprüche birgt.]

Der Zusammentritt eines Bundu findet für gewöhnlich zur Zeit der

Reisreife statt. Zunächst erhält jedes Mädchen einen besonderen

Namen, den es fortan zu führen hat. In allen Bundugesellschaften

wiederholen sich die Namen nacheinander in derselben Reihenfolge.

Nummer eins heißt immer Kehma, Nummer zwei Toulome und so fort, zum

Beispiel Bandi, Jassa, Soko, Namo. Darauf wird jede Novize mit weißem

Ton beschmiert, erhält ein großes Tuch als Umhang (Abb. 52) und wird

beschnitten, sowie in der Nabelgegend tatauiert. In Liberia trägt jede

Beschnittene das abgeschnittene Stückchen ihres Kitzlers getrocknet

um den Hals gebunden als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit. Bei ihren

Ausgängen tragen die Mädchen eine besondere Tracht, sofern man darunter

die zahlreichen Amulette oder „Medizinen“ (Abb. 51 und 73) verstanden

wissen will, mit denen sie sich den mit weißem Ton kleidartig bemalten

Körper behängen. Sehr wichtig ist darunter das schon erwähnte Horn

einer kleinen Antilope, dessen „Medizin“ das Mädchen töten soll,

falls es etwa seine Geheimnisse preisgäbe; auch darf dieses Amulett

von keinem Manne berührt werden. Solange die Mädchen es tragen, ist

ihnen jeglicher geschlechtliche Verkehr aufs strengste untersagt, auch

den bereits Verheirateten mit ihrem Ehemann. Gelegentlich werden die

Mädchen auch in die Öffentlichkeit geführt und müssen dann vor ihren

Familienangehörigen und Freunden Tänze aufführen; dabei trägt jedes

Mädchen ein besonders mannigfaltig ausgestattetes Gewand. Sie tanzen

zierliche Schrittänze unter Begleitung der Segura, eines mit einem

Netz umsponnenen hohlen Flaschenkürbisses, an dem kleine getrocknete

Samenschalen hängen, bei deren Schütteln ein Ton entsteht. Die besten

Tänzerinnen finden Anerkennung; sie werden unter tosendem Beifall

von den älteren Frauen umarmt, beschenkt und mit Palmöl reichlich

eingeschmiert.

[Illustration:

Aus „Kolonie und Heimat“.

Abb. 26. Idyll aus dem Sokodebezirk.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 59 / 203 题