Abb. 19. Weib vom Croß-River mit eigenartiger Haartracht.]

Damit sind wir zu dem Kapitel der +Geheimbünde+ (Abb. 47 und 48)

gekommen, die sich gerade in Westafrika einer ungeheuren Verbreitung

erfreuen. Besonders Sierra Leone und Kamerun bilden gleichsam die

Mittelpunkte dieser Bünde, über deren Einrichtungen es äußerst schwer

hält Näheres zu erfahren, in Anbetracht der großen Verschwiegenheit,

die ihre Anhänger üben. So viel indessen ist über die Ziele dieser

Gesellschaften bekannt geworden, daß sie teils politische Absichten

verfolgen sollen, wie die in Kamerun, teils die Erziehung der Knaben

und Mädchen fördern sollen, teils auch mit dem Totenkult in Verbindung

stehen oder auch nur profanen Zwecken dienen, wie zum Beispiel Tänze

aus besonderem Anlaß aufzuführen, wie bei den Bakongo und Ukuku. Die

Einrichtung der Geheimbünde an der westafrikanischen Küste kann auf

ein hohes Alter zurückblicken, denn bereits 1668 erwähnt der Geograph

Dapper ähnliche Gebräuche für die Eingeborenen der Pfefferküste.

In Sierra Leone sind die beiden wichtigsten Geheimorden der Mendi der

Porobund für die Männer und Knaben und der Bundubund für die Frauen und

Mädchen. Es sind beides gleichsam vereidigte Brüder- beziehungsweise

Schwesterschaften, deren Geschäfte mit unbedingter Geheimhaltung von

seiten der Mitglieder geführt werden; aber gelegentlich treten diese

doch an die Öffentlichkeit, so daß es den Forschungsreisenden möglich

gewesen ist, sogar photographische Aufnahmen von ihnen zu machen.

[Illustration:

Phot. C. H. Firmin.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 55 / 203 题