V. Vierte Gruppe.

1. Die Rinde eines von Epiphyten überwucherten Baumes zeigt sich, vielfach

bis zu seiner Basis, von einem dichten Wurzelgeflecht umhüllt, welches von

den verschiedenartigsten Pflanzen herrührt. Die Wurzeln der doch so oft

stattliche Dimensionen erreichenden und so zahlreichen Bromeliaceen sind

in diesem Gewirr nicht vertreten; noch ragen sie, wie bei Anthurium

Hügelii und den anderen Arten der dritten Gruppe, als mächtige,

schwammartige Polster hervor. Sie bedecken, rings um die Anheftungsstelle,

ein Areal, das bei den stattlichsten Arten die Oberfläche der Hand nicht

übertrifft, und doch sind sie weder dick noch zahlreich. Diese dünnen und

häufig an der Oberfläche ganz glatter Rinde befestigten Wurzeln erscheinen

von vornherein nicht im Stande, die Pflanze zu ernähren, um so mehr als

sie zum grössten Theile abgestorben sind. Dagegen sind sie so fest und der

Rinde derart angekittet, dass die epiphytischen Bromeliaceen sich nur sehr

schwer von ihrem Substrat abreissen lassen; die Function der Befestigung

am Substrat wird von diesen Wurzeln vollkommen verrichtet.

Während die Wurzeln, auch bei üppig wachsenden Bromeliaceen, häufig auf

ganz glatter und trockener Rinde kriechen, bilden in der Mehrzahl der

Fälle die Blätter, ähnlich wie bei Anthurium Hügelii und Asplenium

serratum, einen mächtigen Trichter, der nicht nur wie bei diesen, Humus,

sondern auch, indem er an der Basis dicht schliesst, Wasser reichlich

ansammelt. Dieses Wasser, dessen Menge ein Liter häufig übertrifft,

liefert keineswegs, wie es manchmal beschrieben worden ist, dem durstigen

Reisenden ein köstliches Getränk, sondern stellt eine schmutzige,

stinkende Flüssigkeit dar, in welcher allerlei Thierchen ihr Dasein

fristen -- theilweise Arten gehörend, die an anderen Standorten nicht

vorkommen(15)). Die trockeneren, oberen Theile des Humushaufens sind

dagegen häufig von Ameisen bewohnt.

Im Gegensatz zu Anthurium Hügelii wird dieser Humus nicht von Wurzeln

ausgebeutet; solche fehlen zwischen den Blättern gänzlich. Es erschien

daher wahrscheinlich, dass die Blätter, und nicht die Wurzeln, bei diesen

Bromeliaceen die Function der Wasseraufnahme verrichten, und dass es sich

in der That so verhält, habe ich bereits in meiner ersten Mittheilung

eingehend dargestellt. Die diesbezüglichen Versuche müssen jedoch hier,

des Zusammenhangs halber, wieder beschrieben werden.

2. Die Versuche wurden auf den westindischen Inseln Dominica und Trinidad

im Jahre 1883 ausgeführt. Zur Verwendung wurden Caraguata lingulata,

Brocchinia Plumieri und eine Vriesea des Urwalds gewählt, weil diese

Pflanzen viel leichter welken als die Aechmea-Arten und die grauen

Tillandsien, die wochenlang bei gänzlichem Wassermangel turgescent

bleiben. Die erwahnten Versuchspflanzen welkten sämmtlich nach wenigen

Tagen, wurden aber nach wiederholtem Befeuchten der Blattbasen, bei

vollständigem Trockenbleiben der Wurzeln, in höchstens 24 Stunden wieder

frisch und straff, mit Ausnahme der äussersten Blätter, die meistens

gänzlich vertrockneten.

Noch instructivere Resultate ergaben vergleichende Culturen, bei welchen

die Pflanzen (ausser den genannten noch die schwer welkende Till.

fasciculata) theilweise gar nicht, theilweise nur auf den Blättern

befeuchtet wurden; um jede Mitwirkung der Wurzeln auszuschliessen, waren

dieselben abgeschnitten und der ganze wurzeltragende Theil mit

Canadabalsam überzogen. Die nicht begossenen Exemplare starben, je nach

der Art, nach wenigen Tagen oder erst einigen Wochen ab, während die

begossenen während der ganzen Dauer der Versuche (10 Wochen, z. Th. 3

Monate) frisch blieben und sich weiter entwickelten.

Entsprechend modificirte Versuche wurden mit denselben Pflanzenarten

angestellt, um die Wurzeln auf ihre Bedeutung als Ernährungsorgane zu

prüfen. Welke Pflanzen (Brocchinia, Guzmannia tricolor) wurden nicht

wieder frisch, wenn ihre Wurzeln allein befeuchtet wurden, und Begiessung

des Wurzelsystems frischer Pflanzen bei Trockenbleiben der Blätter

hinderte nicht, dass Welken bald eintrat. Durchschnittlich jedoch, wenn

auch nicht immer, welkten die Pflanzen mit begossenen Wurzeln etwas

langsamer als die gar nicht begossenen, sodass eine schwache

Wasseraufnahme durch die Wurzeln stattzufinden scheint.

Aus diesen Versuchen geht zur Genüge hervor, dass das im Blatttrichter

aufgespeicherte Wasser nicht nur benutzt wird, sondern unentbehrlich ist.

Dass den Wurzeln bei den epiphytischen Bromeliaceen nur die Function von

Haftorganen, den Blättern dagegen sämmtliche Functionen der Stoffaufnahme

zukommen, geht in auffallendster Weise aus dem Umstande hervor, dass

_Bromeliaceen, die mit anderen Haftvorrichtungen versehen sind, der

Wurzeln entbehren_.

Die häufigste der wurzellosen Bromeliaceen ist Tillandsia usneoides, deren

graue Schweife in den kühleren Waldlandschaften des tropischen und

subtropischen Amerika beinahe nie fehlen und vielfach das Laub ganz

verdecken (Taf. II). Jeder dieser Schweife, deren Lange bis gegen 3 m

erreichen kann, besteht aus zahlreichen, fadenförmigen, zweizeilig

beblätterten Sprossen, die dadurch, dass sie an ihrer Basis den stützenden

Ast umwinden, den nöthigen Halt bekommen. Den ersten Ursprung eines

Schweifes bildet in der Regel ein einzelner, durch den Wind abgerissener

Zweig, der, auf einen anderen Ast gefallen, denselben umwindet und

zahlreiche Seitensprosse entwickelt, die sich theilweise wie der

Mutterspross verhalten, zum grössten Theile jedoch ganz frei in die Luft

hängen. Wie auch die Vögel an der Verbreitung der Pflanze theilnehmen,

wurde vorher beschrieben.

3. Die Aufnahme der wässerigen Lösung findet nicht durch die ganze

Oberfläche, sondern nur durch die bekannten Schuppenhaare statt, die bei

denjenigen Bromeliaceen, die mit einem aufsammelnden Blatttrichter

versehen sind, vorwiegend, oft beinahe ausschliesslich, an der Blattbasis

vorkommen, die sie dicht überziehen, während sie bei denjenigen Arten,

die, wie Tillandsia usneoides, eines äusseren Wasserreservoirs entbehren,

die ganze Pflanze gleichmässig bedecken.

Das Schuppenhaar (Taf. III, Fig. 12--17) besteht aus einem in das Gewebe

eingesenkten stiel- oder trichterförmigen Stücke, das ringsum mit den

umgebenden Zellen zusammenhängt, und einem der Blattoberfläche flach

aufliegenden oder manchmal in der Mitte eingesenkten Schilde. Ersteres

besteht aus drei flachen, durch sehr dünne Wände getrennten, plasmareichen

Zellen und sitzt einer drei- oder viergliedrigen Gruppe kleiner Zellen

auf. Das Schild ist bei den meisten Tillandsien aus einem peripherischen,

membranösen, radial gerippten (Fig. 12), seltener aus radial geordneten,

luftführenden Zellen (Fig. 13) bestehenden Flügel und einer mittleren

Zellgruppe gebildet, die bei nicht benetzten Blättern nur Luft zu

enthalten scheint. Bei den übrigen Bromeliaceen ist die Differenzirung in

Flügel und Mitteltheil nur sehr wenig ausgesprochen (Fig. 14).

Befeuchtet man eine dicht mit Schuppen besetzte Art, etwa Till. usneoides,

T. recurvata oder T. Gardneri, so geht sofort die bisherige silbergraue

Farbe der Pflanze in Reingrün über. Ein kleiner Wassertropfen, auf ein

solches Blatt gelegt, verhält sich ganz ähnlich, wie auf Fliesspapier; er

verschwindet in einigen Sekunden und hinterlässt einen dunklen Fleck.

Diese Erscheinung zeigt uns, dass die Epidermis sehr benetzbar ist, sodass

die Luft zwischen den Haaren schnell verdrängt wird, eine Eigenschaft,

welche sonst stark behaarten Blättern nicht zukommt und den doch ganz

ähnlich beschuppten Blättern vieler nicht epiphytischer Bromeliaceen

vollständig fehlt.

Die ferneren Vorgänge können nur mit Hülfe des Mikroskopes verfolgt

werden. _Da zeigt sich, dass die Zellen des Schildes sich mit Wasser

füllen_, indem ihr gasförmiger Inhalt auf eine immer kleinere Blase

reducirt wird und binnen einigen Sekunden bis einer Minute gänzlich

schwindet.

Diese Erscheinungen machen es uns schon höchst wahrscheinlich, dass die

Schuppe das Aufnahmeorgan für die wässerigen Nährstoffe darstelle.

Verschiedene Versuche haben mir in der That gezeigt, _dass wässerige

Lösungen überhaupt nur durch Vermittelung der Schuppenhaare in die Gewebe

eindringen_. Wird ein Tropfen Kalilösung auf die Epidermis gelegt und nach

wenigen Sekunden wieder abgewischt, so zeigt die Untersuchung der mit dem

Reagens in Berührung gekommenen Stelle, dass rings um jede Schuppe der

vorher farblose Inhalt der Epidermis schön goldgelb gefärbt ist, während

derselbe in grösserer, je nach der Dauer des Versuchs wechselnder

Entfernung unverändert geblieben ist. Hat die Einwirkung des Kali etwa

eine halbe Minute gedauert, so sind in der Regel schon alle

Epidermiszellen gefärbt. Die Eigenschaft, mit Kali gefärbt zu werden,

kommt den Parenchymzellen nicht zu. Bei der in unseren Gewächshäusern

häufig kultivirten Vriesea psittacina sind ganz gewöhnlich einzelne

Epidermiszellen mit rothem Safte versehen; legt man auf die Epidermis

einen Tropfen verdünntes Ammoniak, so sieht man die rothe Farbe zunächst

in Blau, dann in Grün übergehen, und zwar um so schneller, als die Zelle

einer Schuppe näher liegt. Die um die Schuppen befindlichen Zellen

besitzen schon grasgrüne Farbe, während die entfernteren kaum einen Stich

ins Violette zeigen. Setzt man auf das Blatt von Vriesea psittacina,

Guzmannia tricolor, Brocchinia Plumieri oder anderer grüner, epiphytischer

Bromeliaceen einen Tropfen sehr verdünnter Kochsalzlösung, so sieht man

die Contraktion des Zellplasma zuerst rings um die Basis der Schuppen im

Parenchym eintreten; dieser Versuch ist besonders wichtig, indem er uns

das Eindringen der Flüssigkeit ohne Tödtung der Zellen zeigt. Eine

Aufnahme von Anilinfarben in die lebenden Zellen wurde dagegen von mir,

trotz wiederholter Versuche, nicht erzielt, was leicht erklärlich ist, da

ich bei den untersuchten Bromeliaceenblättern Gerbstoff nicht gefunden

habe.

Der anatomische Bau der Schuppenhaare steht mit der soeben nachgewiesenen

Function völlig in Einklang. _Während die das Haar umgebenden Zellen der

Epidermis und subepidermalen Schichten häufig sehr stark verdickt und

stets cutinreich sind, sind sämmtliche Zellwände, die das Wasser, um in

die tieferen Gewebe zu gelangen, zu passiren hat, ganz cutinfrei und in

ihrer ganzen Ausdehnung entweder sehr dünn (__Taf. III__, Fig. 15), oder

die unterste Zellwand des Haargebildes ist wohl etwas verdickt, aber sehr

stark getüpfelt_ (Fig. 15), während die umgebenden Zellwände weit dicker

und viel weniger getüpfelt sind.

Der Bau der Schuppenhaare zeigt, nach den verschiedenen Arten, manche

instructiven Unterschiede. Bei den längsdurchschnittenen Schuppen Fig. 13

und 15 fällt uns sofort die sehr ungleiche Entwickelung der obersten

Zellwände, des Deckels, wie ich dieselben der Kürze halber bezeichnen

will, auf. Dieser Deckel ist bei Arten mit eingesenkten Schuppenhaaren

(z. B. Ortgiesia) und solchen, die feuchte, schattige Standorte bewohnen

(z. B. Vriesea psittacina), dünn, bei Arten mit über die Oberfläche

hervorragenden Haaren (z. B. T. usneoides, recurvata, Gardneri, stricta

etc.) von bedeutender Dicke. Die Bedeutung des dicken Deckels wird uns bei

Vergleichung luftführender mit wasserhaltigen Schuppen sofort klar; im

ersteren Falle sind die dünnen Zellwände unter dem Deckel ganz

eingeknickt, letzterer liegt daher dem lebenden Stieltheile beinahe

unmittelbar auf; wird das Haar befeuchtet, so dehnen sich die bisher

luftführenden Zellen aus und heben den Deckel in die Höhe. _Der dicke

Deckel dient als Schutzmittel gegen Wasserverlust durch die unverkorkten

Zellen der Durchgangsstelle, verhindert aber, dank dem eben erwähnten

Blasebalgspiel, das Eindringen des Wassers nicht._ Wie vollkommen der Bau

des Haars dieser Doppelfunction entspricht, lehrt ein Blick auf die

Fig. 13, die keines Commentars bedarf. Da, wo die Haare eingesenkt, oder

wo in Folge der Lebensweise an feuchten, schattigen Standorten ein Schutz

gegen Wasserverlust nicht zu befürchten, ist der Deckel entsprechend

dünner (Fig. 15).

Die soeben besprochene Doppelfunction dürfte den Schildhaaren

epiphytischer Bromeliaceen überhaupt, wenigstens bei den Arten trockener

Standorte, zukommen; auch die bei letzteren stets sehr ausgebildeten

Flügel dürften wesentlich dazu beitragen, die Transpiration

herabzudrücken. Damit in Einklang stände das Vorkommen der Haare an der

ganzen Oberfläche bei der grossen Mehrzahl der Arten, die sonnige

Standorte bewohnen, während sie bei den Schatten liebenden Arten, wo sie

wesentlich nur die eine Function der Wasseraufnahme und sehr schmale

Flügel besitzen, auf die Blattbasen beschränkt sind; ferner spricht dafür

der Umstand, dass viele nicht epiphytische Bromeliaceen an ihrer

Blattunterseite mit ganz ähnlichen, aber unbenetzbaren, sehr breit

geflügelten Haaren dicht besetzt sind, während die Oberseite zuweilen

(Pitcairnia-Arten) einzelne, ganz ähnliche, aber wasseraufnehmende Haare

trägt.

Während jedoch die aufsaugende Function der Haare exact nachgewiesen

werden konnte, erschien mir die schützende Function der Flügel einer

experimentellen Beantwortung nicht fähig, indem ihre Entfernung kaum

möglich sein dürfte. Es kann daher diese Function nicht als _definitiv_

festgestellt betrachtet werden, so wahrscheinlich sie auch erscheint.

4. Mit voller Sicherheit haben wir festgestellt, dass die epiphytischen

Bromeliaceen ihre wässerige Nahrung wesentlich nur durch die Blätter

aufnehmen und dass sie sich dadurch ganz wesentlich von beinahe allen

anderen Luftpflanzen unterscheiden. Es kann keinem Zweifel unterliegen,

dass sich die epiphytischen Arten aus normal sich ernährenden Pflanzen

entwickelt haben, wie sie unter den terrestrischen Vertretern der Familie

bei weitem vorwiegen. _Es wird sich fragen, inwiefern die Aufnahme des

Wassers durch die Blätter modificirend auf die Structur der Pflanze

gewirkt hat._

Unsere Betrachtungen können nicht an die Gesammtheit der epiphytischen

Bromeliaceen gleichzeitig geknüpft werden; es müssen vielmehr die

rosettenbildenden Arten, die rasenartigen und diejenigen mit langen

Sprossen gesondert zur Behandlung kommen.

_Rosetten_ bildende Bromeliaceen kommen sowohl unter den terrestrischen,

wie unter den epiphytischen Arten vor und gehören systematisch zu den

verschiedenartigsten Gruppen. Die zungenförmigen, bis vier Fuss langen

Blätter entspringen einem meist kurzen und dicken, einfachen oder

verzweigten Stamme. Die Blattbasen sind bei den Epiphyten an der Basis

verbreitert und löffelartig ausgebaucht und bilden einen unten und

seitlich, bis zu einer wechselnden Höhe, vollkommen dicht schliessenden

Trichter, in welchem Regen- und Thauwasser sich aufsammelt. _Die Rosetten

epiphytischer Bromeliaceen sind stets zu solchen Wasserreservoirs

ausgebildet, während bei den terrestrischen __ die Blätter meist, ähnlich

wie bei den Liliaceen, bis zur Basis schmal und durch Zwischenräume

getrennt sind (Dyckia, Pitcairnia, Puya, Karatas, Bromelia e. p. etc.).

Nur wenige terrestrische Formen, wie die Ananas, verhalten sich in dieser

Hinsicht den Epiphyten gleich; in diesen Fällen sind aber auch bei

terrestrischen Bromeliaceen die Blattbasen dicht mit absorbirenden

Schuppen gepflastert, während, wo jene nicht zu einem dichten Trichter

zusammenschliessen, die absorbirenden Schuppen ganz fehlen oder nur in

sehr geringer Anzahl und ohne Bevorzugung der Basis auftreten._

An sonnigen Standorten wachsende kleinere Arten laufen die Gefahr, ihren

Wasservorrath durch Verdunstung zu verlieren. Alle durch ihre Lebensweise

einer solchen Gefahr ausgesetzten Arten sind mit entsprechenden

Schutzmitteln versehen, die entweder darin bestehen, dass die »Cisterne«

verdeckt oder beinahe ganz verschlossen wird, ohne dass der Zutritt des

Wassers verhindert werde, oder darin, dass das Wasser vorwiegend im Innern

des Blattes in einem mächtigen, durch dicke und verkorkte äussere

Zellschichten gegen Verdunstung geschützten Wassergewebe aufgespeichert

wird.

Der Schutz der Cisterne, der uns zunächst allein beschäftigen soll,

besteht im einfachsten Falle darin, dass die löffelartig ausgebauchten

Blattbasen sich über derselben biegen und eine Art Dach bilden (Catopsis,

Ortgiesia tillandsioides). Bei Tillandsia flexuosa, einem Bewohner sehr

trockener, sonniger Standorte, sind die Blattspitzen über dem

Wasserreservoir genähert und schraubenartig umeinander gewunden, sodass

letzteres dem direkten Sonnenlichte ganz entzogen und doch durch die

langen, gewundenen Canäle dem Regen und Thau zugänglich ist. Die

vollkommensten Schutzvorrichtungen finden wir aber bei der ebenfalls an

sonnigen Standorten wachsenden Tillandsia bulbosa, die auf unserer Tafel

IV abgebildet ist.

Die Blätter sind bei Tillandsia bulbosa an der scheidenartigen Basis

löffelartig, während die Spreite cylindrisch ist, und zwar entweder

rinnenartig mit engem Spalte oder rohrartig, indem die Blattränder bald

einander dicht genähert sind, bald übereinander greifen. Die Spreite ist

stets mehr oder weniger stark zurückgebogen und um ihre Axe gedreht. Die

Scheiden bilden ein beinahe überall dicht schliessendes, zwiebelähnliches

Gebilde, welches, da dieselben stark löffelartig ausgebaucht sind und

einander nur mit den Rändern berühren, sehr grosse Hohlräume enthält, die

sich nach oben in die Höhlung der rohrartigen Spreite fortsetzen und nur

eine ganz enge Oeffnung nach aussen, an der Uebergangsstelle zwischen

Scheide und Spreite, besitzen. Die peripherische Hälfte der rohrartigen

Spreite besteht aus chlorophyllführendem Parenchym und einer sehr dünnen

Lage Wassergewebes; die Innenseite hingegen ist ganz farblos und von

äusserst zahlreichen, sehr grossen Schuppen, welche einer dicken Lage

Wassergewebes eingesenkt sind, austapeziert. Die Scheide ist in der

Jugend, soweit sie von den übrigen Blättern bedeckt ist, chlorophyllfrei,

dünn, beiderseits von Schuppen bedeckt, welche an Grösse diejenigen der

meisten anderen Arten übertreffen und so dicht gedrängt sind, dass die

Epidermis auf schmale Streifen reducirt ist.

Die Pflanze entbehrt ganz des sonst bei den Rosetten epiphytischer

Bromeliaceen sehr starken negativen Geotropismus. Sie kommt bald an der

Ober-, bald an der Unterseite von Zweigen vor oder an senkrechten Stämmen

und wächst in aufrechter, horizontaler oder verkehrter Richtung, ohne je

die Spur einer geotropischen Krümmung zu zeigen. Die Zwiebeln enthalten in

ihren inneren Hohlräumen stets Wasser, sowie erdige Stoffe und todte,

kleine Insekten, während die äussersten wasserfrei sind und Ameisen

beherbergen. Dass der wässerige Inhalt, auch bei verkehrter Lage, nicht

herausfällt, bedarf keiner Erklärung, indem jede Kammer, mit Ausnahme der

kleinen oberen Oeffnung, ringsum dicht schliesst; dagegen bedarf die Art

und Weise, wie derselbe hineinkommt, einer kurzen Erläuterung. Lässt man

Wassertropfen auf die Ränder der Spreite fallen, mögen dieselben nun

einander decken oder nur genähert sein, so werden dieselben durch

Capillarattraction gierig aufgesogen. Das Gleiche geschieht an den Randern

der Scheiden und an der engen Oeffnung an der Basis der Spreite. Man kann

auf diese Weise die Hohlräume in kurzer Zeit füllen, und das Gleiche

findet in der Natur bei Regen und Thau statt. Hervorzuheben für die

etwaige Wiederholung dieser Versuche sei, dass der erste Tropfen weniger

schnell aufgenommen wird, wenn die Pflanze längere Zeit unbefeuchtet

geblieben ist; die ältesten Blätter sind überhaupt schwer benetzbar und

nehmen nur wenig Wasser auf. Auch bei verkehrter Lage gelangt nicht bloss

durch direktes Befeuchten der Zwiebeln Wasser in dieselben hinein,

vielmehr vermögen die, wie unser Bild zeigt, stark zurückgebogenen und um

ihre Axe gedrehten Spreiten, bei jeder Lage Wasser aufzunehmen und

eventuell bis in die Reservoirs der Zwiebel zu leiten. Die erdigen Stoffe,

die sich stets im Wasser befinden, rühren von den geringen Mengen fester

Stoffe her, welche durch den Regen von den Blättern und Zweigen des

Wirthbaums abgewischt werden; ihren Stickstoffbedarf bezieht die Pflanze

wohl auch aus den Leichen der Ameisen, die sich nicht damit begnügen, die

trockenen peripherischen Hohlraume zu bewohnen, sondern auch, wie der

Befund zeigt, verhängnissvolle Excursionen in die wasserhaltigen Raume

ausführen. Als Eingangspforte dient den Ameisen natürlich die enge

Oeffnung an der Basis der Spreite.

_Die Blattbasen der rosettenbildenden epiphytischen Bromeliaceen haben für

dieselben die physiologische Bedeutung von Wurzeln, während die

Blattspitze die Rolle gewöhnlicher Laubblätter übernimmt; dieser

ungleichen Bedeutung von Spitze und Basis entspricht ein sehr ungleicher

anatomischer Bau._

Die Epidermis ist an der Spitze meist arm an Schildhaaren (ausgenommen bei

Bewohnern sehr trockener Standorte) und mit zahlreichen Spaltöffnungen

versehen, während die Blattbasis mit grossen Schildhaaren dicht

gepflastert ist und der Spaltöffnungen ganz entbehrt. Die Ursachen dieser

Unterschiede bedürfen keiner Erläuterung.

Die innere Wand der Epidermis und die Wände der subepidermalen

Zellschichten sind häufig unten weit stärker verdickt als oben, derart,

dass die Blattbasis hart und steif, die Spitze dagegen biegsam ist (Taf.

III, Fig. 10 und 11). Bei relativ geringer Dicke so steife Blätter sind

mir von anderen Pflanzen nicht bekannt und fehlen auch, soweit ich sie

kenne, den nicht durch die Blätter sich ernährenden Bromeliaceen. Ein

auffallender Gegensatz in dieser Hinsicht zwischen Basis und Spitze, zu

Gunsten der ersteren, scheint bei ungestielten Blättern sonst nicht

vorzukommen, sodass wir wohl _die grosse Steifheit der Blattbasen als

Anpassung an den Ernährungsmodus betrachten müssen_. Solche Steifheit ist

den Wasserreservoirs offenbar nöthig, um die oft grosse Menge Wasser und

Humus festzuhalten.

Unter den verdickten subepidermalen Schichten befindet sich beiderseits

oder nur an der ventralen Seite, sowohl unten wie oben, Wassergewebe; ich

werde auf dasselbe nachher zurückkommen.

Das Mesophyll ist in der Blattspitze mit normalem Chlorophyllgehalt

versehen, während es in der Basis des Chlorophylls beinahe ganz entbehrt

und nur ein wenig grobkornige Stärke enthält. Im Mesophyll verlaufen meist

längs des ganzen Blattes Stränge sehr lückenreichen Schwammparenchyms

(Fig. 8 u. 9), die im Basaltheile des Blattes weit stärker entwickelt als

oben sind. Ja, bei Hoplophytum Lindeni sind sie überhaupt nur im ersteren

vorhanden (Fig. 10 u. 11). Ein Unterschied in dieser Hinsicht ist bei

normal sich ernährenden Bromeliaceen nicht vorhanden und geht auch

denjenigen mit wasserabsorbirenden Blättern ab, die äusserer

Wasserspeicherung entbehren. _Wir müssen die starke Entwickelung der

Luftlücken in der Blattbasis auf die aquatische Lebensweise __ der

letzteren zurück führen._ Bei einigen Arten sind die

Schwammparenchymstränge durch grosse Intercellulargänge ersetzt (Till.

Gardneri, Taf. III, Fig. 6 u. 7).

Auf die Gefässbündel werde ich nachher zurückkommen. Die im Parenchym

verlaufenden Faserstränge bieten nichts Erwähnenswerthes.

Die _rasenbildenden Bromeliaceen_ sind namentlich durch Till. recurvata

und ihre Verwandten (Untergattung Diaphoranthema) vertreten; in

biologischer Beziehung bilden manche zu anderen Untergattungen gehörende

Tillandsien eine Mittelstufe zwischen diesen und den Arten mit

wassersammelnden Trichtern, nämlich schmalblätterige Arten wie T. stricta,

deren Rosetten nur wenig Wasser zurückhalten können. Alle diese Formen

unterscheiden sich von den vorher besprochenen wesentlich dadurch, dass

sie mit Schuppenhaaren ganz bedeckt sind und ihr Wasser in einem stark

entwickelten Wassergewebe aufspeichern. Es sind sämmtlich Bewohner

trockener oder doch sehr freier Standorte; die Schmalblätterigkeit, das

Aufsammeln des Wassers im Innern stehen mit letzterem Umstande in

offenbarem Zusammenhang. Der Modus der Wasseraufnahme hat aber die äussere

Gestalt dieser Pflanzen weniger modificirt als in den bisher besprochenen

Fällen.

Die _langstengeligen __Bromeliaceen_ schliessen sich den rasenbildenden in

Bezug auf die Vertheilung der Schuppen an, zeichnen sich vor denselben

jedoch theilweise durch das Fehlen der Wurzeln aus, die in der ersten

Jugend zu Grunde gehen.

Alle Arten ohne äusseres Wasserreservoir, oder bei welchen dasselbe

schwach entwickelt ist (Till. stricta, Gardneri, bicolor, geminata etc.),

sind im Inneren mit zahlreichen Wasserzellen versehen, die entweder

zerstreut zwischen den grünen Zellen liegen (T. usneoides Fig. 16, Taf.

III, recurvata etc.) oder ein mächtiges, zusammenhängendes Gewebe bilden

(T. stricta, Gardneri Fig. 6 u. 7 etc.), das unten meist stärker

entwickelt ist als oben. Die Blätter und Stengel solcher Arten zeigen eine

andere, mit dem Modus der Wasseraufnahme zusammenhängende

Eigenthümlichkeit in der auffallenden Reduction ihres Gefässsystems,

während letzteres sonst gerade bei den Bewohnern trockener Standorte stark

entwickelt ist. Am ausgeprägtesten ist die Reduction bei Till. usneoides,

was um so auffallender ist, als bei langen Stengeln sonst gerade eine

mächtige Entwickelung der wasserleitenden Elemente vorhanden ist; der frei

in der Luft hängende Epiphyt verhält sich in dieser Hinsicht ganz wie eine

Wasserpflanze.

Diejenigen epiphytischen Bromeliaceen, die Wasser in ihren Blattbasen

aufsammeln, besitzen mehr normale Gefässstränge, und diese unterscheiden

sich bei den terrestrischen Arten, die sich durch die Wurzeln ernähren, in

keiner Weise von denjenigen anderer Monocotyledonen.

_Es kann demnach keinem Zweifel unterliegen, dass die Wasseraufnahme durch

die Blätter eine Reduction der Wasserleitungsbahnen bedingt hat, und zwar

namentlich bei den Arten, deren Blätter und Stengel absorbirende Schuppen

gleichmässig an ihrer ganzen Oberfläche tragen._

Die Siebtheile ganz beschuppter Arten sind offenbar als ebenfalls reducirt

zu bezeichnen, obwohl weit weniger als die Gefässtheile, die sie an Dicke

übertreffen. Diese Reduction ist, bei der über die Functionen des

Siebtheils noch herrschenden Unsicherheit, biologisch schwer zu erklären;

sollte letzterer bei der Leitung des Eiweisses oder anderer Assimilate

betheiligt sein, so wird man wohl die Erscheinung auf die Herabsetzung des

Stoffwechsels an sehr trockenen Standorten zurückführen müssen. Es ist das

indessen nur eine vorläufige Hypothese.

Die Schuppenhaare kommen, wie schon erwähnt, nicht bloss bei Arten mit

wasseraufnehmenden Blättern, sondern auch manchmal bei solchen, die sich

in normaler Weise ernähren, vor. Bei diesen sind aber die Schuppen

unbenetzbar und nur an der Rückenseite als dichter Ueberzug vorhanden. Die

mikroskopische Untersuchung zeigt, dass alle Theile der Schuppen, die in

den Arten mit abnormer Ernährung zur Aufnahme und Leitung des Wassers

dienen, also das Mittelstück und der Basaltheil, bei den unbenetzbaren

Schuppen kaum ausgebildet sind, während der Flügel mächtig entwickelt zu

sein pflegt (Pitcairnia, Karatas etc.).

Die Gattung Pitcairnia ist dadurch von besonderem Interesse, dass sie den

Uebergang zwischen normaler und abnormer Wasseraufnahme in mehreren Stufen

darstellt. Manche Arten sind an der Unterseite mit unbenetzbaren Schuppen

bedeckt, an der Oberfläche aber ganz unbehaart (P. undulata); bei anderen

treten an der Oberfläche einzelne bis ziemlich zahlreiche absorbirende

Schuppen auf (P. lepidota). _Die Localisirung der Schuppen an den

Blattbasen tritt aber nur da auf, wo letztere zusammenschliessen oder doch

stark löffelartig ausgebaucht sind._

_Letztere Erscheinung, sowie das Auftreten absorbirender Schuppen sind als

erste Anpassungen an die Wasseraufnahme durch die Blätter zu betrachten,

welche im Laufe der Zeit die Eigenschaften der verschiedenen Zellen des

Haares mehr oder weniger tief modificirte_, sodass aus den ursprünglich

ganz kleinen mittleren Zellen der complicirte Absorptionsapparat einer

Tillandsia recurvata oder Gardneri entstand.

Es geht aus dem Vorhergehenden zur Genüge hervor, welche tiefgreifende

Veränderungen die Anpassungen vieler Bromeliaceen an Wasseraufnahme durch

die Blatter in der Structur und Lebensweise des ganzen vegetativen

Apparats der Pflanze hervorgerufen haben. Diese Unterschiede springen in

grossen Sammlungen lebender Bromeliaceen, wie derjenigen des botanischen

Gartens zu Lüttich, sofort in die Augen. Diejenigen Arten, die sich normal

ernähren, besitzen einen sehr mannigfachen Bau; ihre meist sehr grossen

Blätter erinnern bald an diejenigen der Agaven, bald an diejenigen von

Yucca, bald an solche von Hemerocallis (Pitcairnia e. p.) mit

verschmalerter Basis, oder bestehen aus einer grossen Spreite an dünnem

langem Stiele (Pitc. undulata, Disteganthos) oder sind wirtelartig um

einen hohen Stengel geordnet (Pepinia). Die stattlichen oder doch

grossblätterigen Bromeliaceen, die ihr Wasser durch die Blätter aufnehmen,

sind hingegen sämmtlich mit einer dichtschliessenden, trichterartigen

Rosette versehen, die ihnen, trotzdem sie zu den verschiedenartigsten

Gruppen gehoren, einen sehr gleichartigen Habitus verleiht; die Blattbasen

innerhalb der Trichter zeigen sich stets mit aufnehmenden Schuppen dicht

gepflastert.

Grössere habituelle Unterschiede zeigen sich unter den Epiphyten nur bei

den kleinen Arten ohne äusseres Wasserreservoir, die, ganz mit

absorbirenden Schuppen bedeckt, das aufgenommene Wasser im Innern ihrer

Gewebe aufspeichern, um es vor Verdunstung zu schützen. Von der

Nothwendigkeit, dicht schliessende Rosetten zu bilden, befreit, liessen

sie anderen gestaltenden Einflüssen freien Spielraum. Die einen bilden

einen dichten, grasartigen Rasen (Tillandsia, sect. Diaphoranthema),

andere besitzen langgestreckte Sprosse (Till., sect. Anoplophytum); die

rosettenbildende Till. Gardneri scheint, ähnlich wie T. bulbosa, aber aus

anderem Grunde, des Geotropismus zu entbehren, und in Till. usneoides

würde man kaum eine nahe Verwandte so vieler rosettenbildender Pflanzen

vermuthen.

Der gestaltbildende Einfluss der Wasseraufnahme ist nicht auf die

epiphytische Lebensweise allein zurückzuführen, indem wir, wie gesagt, bei

terrestrischen Bromeliaceen alle möglichen Stufen zwischen den ersten

Andeutungen dieser Eigenschaft und schon ziemlich vollkommenen

Vorrichtungen zum Aufsammeln und Verwerthen des Wassers durch die Blätter

finden. Allerdings scheint allein die Ananas in ihrer Structur und

Lebensweise den epiphytisch lebenden Bromeliaceen nahe zu kommen.

_5. Die Anpassungen an Wasseraufnahme durch die Blätter sind demnach als

eine Ursache des Uebergangs vieler Bromeliaceen in die Genossenschaft der

__ Epiphyten, nicht als eine Wirkung epiphytischer Lebensweise zu

betrachten._ Letztere hat aber diese so überaus zweckmässige, wenn auch

nicht zu dem Zwecke erworbene Eigenschaft weiter ausgebildet, aus

derselben die verschiedensten, den jeweiligen Existenzbedingungen

entsprechenden Anpassungen entwickelt.

Der Versuch, genau ausführen zu wollen, was von den im Vorhergehenden

beschriebenen Anpassungen erst in Folge der epiphytischen Lebensweise

aufgetreten ist, würde alsbald in reine Phantasie ausarten. Zudem ist in

Betracht zu ziehen, dass viele epiphytisch lebende Bromeliaceen sich auch

an der Oberfläche von Felsen befestigen, die ihnen sehr ähnliche

Existenzbedingungen, wie die Baumrinde, bieten, sodass beide Standorte

gleichzeitig die Weiterausbildung der für solche Lebensweise nützlichen

Eigenschaften beeinflussen konnten. Als ganz specielle Anpassungen an

epiphytische Lebensweise können wir dagegen sicher das Verschwinden der

Wurzeln bei Tillandsia usneoides, die grosse Reduction derselben bei Till.

circinalis, die Vorrichtungen, durch welche diese und andere Arten sich an

Baumzweigen befestigen, betrachten. Dass noch andere specielle Anpassungen

an epiphytische Lebensweise, die aufzudecken ich nicht im Stande war,

existiren, geht aus dem Umstande hervor, dass viele Arten, namentlich

unter den Tillandsieen, auf Felsen nicht, oder in abweichenden Varietäten

(Till. recurvata var. saxicola HIER.) wachsen.

Dass der Antheil der epiphytischen Standorte an der Entwickelung der

Anpassungen an Wasseraufsammeln grösser gewesen sei als derjenige der

felsigen, geht mit Wahrscheinlichkeit daraus hervor, dass solche

Vorrichtungen sich nur bei denjenigen Gattungen ausgebildet haben, deren

Früchte oder Samen die zum Eintritt in die Genossenschaft der Epiphyten

nöthigen Eigenschaften besassen, während die schon deshalb aus letzterer

ausgeschlossenen Gattungen wohl meist in Felsspalten wachsen, wie Dyckia,

Pitcairnia u. s. w., der Wasserreservoirs aber ganz entbehren und

absorbirende Schuppen, wenn überhaupt, nur in geringer Anzahl besitzen;

solche Arten sind aus diesem Grunde auch nicht, im Gegensatz zu so vielen

ihrer Verwandten, im Stande, an der Oberfläche der Felsen, aus deren

Spalten sie entspringen, zu wachsen, von welcher sie der Bau ihrer Früchte

und Samen doch nicht, wie von den Bäumen, ausschliessen würde.

Ein vorwiegender Einfluss der epiphytischen Lebensweise auf die

Entwickelungen der Anpassungen an Wasseraufnahme durch die Blätter

erscheint auch aus dem Grunde nicht unwahrscheinlich, weil die

eigentlichen felsigen und steinigen Gebiete Amerikas entweder viel zu

regenarm sind, um oberirdische offene Wasserreservoirs zu ernähren, oder

zu kalt, um den Bromeliaceen überhaupt die Existenz zu gestatten; letztere

sind dementsprechend in den trockenen, steinigen Gebieten der Westküste

beinahe sämmtlich Arten mit normaler Ernährung (Puya, Hechtia, Greigia,

Pitcairnia etc.), und die wenigen, bei welchen auch dort die Blätter die

Function von Wurzeln verrichten, sind besonders resistente Einwanderer der

Waldgebiete, ohne oder nur mit sehr schwach entwickeltem äusseren

Wasserreservoir, aber mit reichlichem Wassergewebe. Die äusseren

Wasserbehälter zeigen sich dagegen bei Hunderten von Arten der feuchten

Waldgebiete, wo Regen und Thau, auch in der trockenen Jahreszeit, stets

hinreichend vorhanden sind, um dieselben zu ernähren; in diesen

Waldgebieten ist aber das oberflächliche Felsenareal im Vergleich zu

demjenigen der Baumrinde verschwindend klein.

Die epiphytische Vegetation Amerikas · 第 18 / 44 题