Eine Handvoll dieser Masse in eine Kalabas voll Wasser ausgedrückt, färbt

dieses mennigroth, macht es fett und angenehm säuerlich süss. Mit Zucker

vermischt, ist es wirklich ein köstlicher Trank, und ich ziehe ihn dann

selbst dem Cumu vor.

Das Völkchen schien im Ueberfluss zu leben; denn Cassavebrod war in Menge

vorhanden, und die Felder befanden sich im besten Zustand. Nur Schade,

dass dieses Wohlleben nur temporär ist und gar häufig Zeiten eintreten, in

welchen Awarra, Maripa und andere Waldfrüchte den hungrigen Magen stopfen

müssen, und zwar nur desshalb, weil die Leute zum Pflanzen zu faul

waren. Die Waraus besonders sind als Faullenzer bekannt; doch sind solche

Hungerzeiten bei den Caraiben ebenfalls nicht selten.

Ich habe hier eine merkwürdige Art von Begrüssung wahrgenommen, die ich,

wenn ich auch den Sinn der Worte nicht begriff, wenigstens doch sehr

zeitraubend fand. Der Neuangekommene wird gewöhnlich mit Essen oder einem

Tranke traktirt, und bedankt sich dann zuerst bei dem Oberhaupt der Hütte

in höchst weinerlichem Tone, worauf derselbe nichts anders als »Wan«

erwidert. Hierauf bedankt er sich bei jedem andern männlichen Bewohner

besonders, und bekommt ebenfalls nichts als »Wan« zur Antwort. Ist nun

Niemand mehr zu becomplimentiren, so bedankt man sich ganz auf dieselbe

Weise bei dem Fremden für seinen Besuch, der dann auch die bekannte Formel

gegen jeden gebraucht.

Die Caraiben sind bei weitem nicht so ceremoniös, und bedanken sich blos im

Allgemeinen und beim Empfang der Speisen mit Jo.

Im Hause meines Wirthes sah ich ein paar Frauen, die wohl hundert Jahre alt

seyn mochten. Sie spannen Baumwolle und sassen in ihren Hängematten,

die sie nie verliessen. Sie waren beinahe blind; desswegen musste das

Feuerchen, das unter ihren Hängematten brannte, von Kindern unterhalten

werden. Ihre Haare waren trotz ihres hohen Alters kohlschwarz und dicht.

Beinahe in jeder Hütte fand man Hunde, die bei unserer Ankunft immer

ein schreckliches Gebell erhoben, in welches Affen, Papageyen und andere

gezähmte Thiere miteinstimmten. Am auffallendsten sind die Hühner, die

beinahe noch einmal so gross als die gewöhnlichen, in Menge vorhanden,

und desshalb wohlfeil zu bekommen waren. Auf den Plantagen leben sie nicht

lange, geben auch keine ihnen gleiche Zucht.

Mit einem Affen, Hühnern und Ananassen reichlich versehen, trat ich die

Rückreise an, und war am achten Tag wieder auf meinem Posten.

Mein Kommandant hatte mir bei seiner Abreise das Versprechen gegeben, mich

so bald als möglich nach Paramaribo kommen zu lassen, weil er wusste,

dass ich auf Nickerie wenig Vergnügen hatte; denn der Umgang mit meinen

Kameraden hatte für mich wenig Angenehmes, und das Herumschwärmen nach

Insekten im Busch und Wald war hier unmöglich. Mit grosser Ungeduld sah ich

der Zeit meiner Abberufung entgegen. Ein Ereigniss aber, das ich kurz hier

anführe, um zu beweisen, wie listig manche Neger sind, und wie schwer

es hält, sie vor Desertion zu hüten, wenn sie sich dieselbe in den Kopf

gesetzt haben, verzögerte meine Abreise.

Mehrere Monate vorher, ehe ich den Posten verliess, kam ein

Gouvernementsbrief an den Landdrost, welcher die Nachricht enthielt, dass

ein berüchtigter Wegläufer sich in den Wäldern zwischen dem Ober- und

Niederdistrikt aufhalten müsse. Dieser war nämlich schon vor längerer Zeit

von einer Pflanzung an der Hoerhelena-Kreek in einem Corjaal entwischt

und hatte sich zur Nachtzeit nach Paramaribo begeben. Dort liess er sein

Fahrzeug wegtreiben und stahl in den Aeckern im Umkreise der Stadt seinen

Lebensunterhalt. Da er aber hier der Gefahr sich aussetzte, gefangen zu

werden, beschloss er, sich nach dem Niederdistrikt zu begeben, weil er dort

früher gearbeitet hatte und desshalb bekannt war. Zu diesem Zweck stahl er

in der Saramakka, wohin er sich zu Fuss begab, aufs Neue eine Corjaal,

fuhr blos bei dunkler Nacht diesen Strom abwärts, passirte so ungesehen die

Militärposten und das Wachtschiff und kam glücklich in die See. Während er

aber nahe am Oberdistrikt den Tag über seine Corjaal in einer kleinen Kreek

verbergen wollte, wurde er von Fischernegern einer nahegelegenen Pflanzung

entdeckt, gefangen genommen und nach dem Posten Coroni gebracht. Dort

wusste er sich unter den Augen einer Schildwache seiner Ketten zu

entledigen, und es gelang ihm, zu entkommen, ohne dass man ihn sogleich

vermisste. Ein altes Hemd und ein gesalzener Fisch wurden von ihm noch aus

der Küche der Soldaten mitgenommen.

Die Schildwache, unter deren Aufsicht er stand, wurde in Folge seiner

Flucht in Paramaribo zu fünf Jahren Festungsarbeit verurtheilt.

Fruchtlos wurden von uns Patrouillen nach ihm ausgesandt. Endlich

entdeckte man ihn hinter den Kostäckern der Pflanzung Nursery, wo er sich

verproviantirte. Er hatte im Walde ein kleines Hüttchen gebaut, das er

so lange zu bewohnen gedachte, bis sich eine günstige Gelegenheit zum

Entkommen nach der englischen Colonie zeigen würde. Mit Stricken und

Ketten gefesselt wurde er nach dem Posten gebracht, wo ihm die besten Eisen

angelegt wurden. Den Tag über wurde ihm eine Schildwache beigegeben,

unter deren Aufsicht er den Platz vom Grase säubern musste, und des Nachts

schloss man ihn in die Arrestkammer. Man wartete nun auf eine günstige

Gelegenheit, um ihn nach Paramaribo zu bringen.

Inzwischen wurde der Kerl krank und so schwach, dass man ihm die Ketten

abnehmen musste. Er stöhnte und jammerte so erbärmlich, dass man ihn seinem

Ende nahe glaubte, und bat daher den wachhabenden Corporal um Gotteswillen,

ihn doch aus der Arrestkammer, wo ohne Feuer die Mosquittos freies Spiel

hatten, zu nehmen und in der Wachtstube in den Block zu schliessen, was der

gutmüthige Corporal auch that. Scheinbar halb todt brachte man ihn aus dem

Arrest und schloss seine Füsse in den Block.

Kaum war es dunkel, so brach er mit einem alten Stück Eisen, das er in

seinem Kamis (Binde um den Leib) versteckt hatte, das Charnier des Blockes

auf und lief ganz still weg. Man schlug nun Allarm, und der ganze Posten

machte sich auf die Beine, um dem Entlaufenen, dessen Krankheit blos eine

geheuchelte war, nachzusetzen, aber ohne Erfolg.

Zwei Tage hernach kam meine Ablösung aus Paramaribo. Diese trat aber an

die Stelle des Corporals, dem der Neger entschlüpft war, und der nun nach

Paramaribo vor den Kriegsrath geschickt wurde. So musste ich denn zu meinem

grossen Aerger noch bleiben. Hiezu kam noch der angenehme Auftrag, auf

den Plantagen die abermalige Flucht des gefährlichen Kerls anzuzeigen, bei

welcher Gelegenheit ich gar manches bittere Wort über die Wachsamkeit von

60 Mann hören musste.

Sechs Wochen später wurde der Entlaufene beinahe auf demselben Flecke, wo

er zuerst gefangen ward, wieder arretirt und unter grossem Jubel nach

dem Posten gebracht. Dass man jetzt alle Vorsicht gebrauchte, lässt sich

denken. Geschlossen musste er unter der Gallerie des Wachthauses sitzen, wo

ihn die Schildwache beständig zu beobachten hatte.

Aber auch hier wäre er beinahe wieder entwischt; denn er benützte den

Augenblick, wo die Schildwache um das gegenüberliegende Hospital ging, um

in die Wachtstube zu kriechen, wo er aus der unverschlossenen Schublade den

Schlüssel seiner Fesseln holte.

Als die Schildwache von ihrer, kaum eine Minute dauernden Wanderung

zurückgekommen war, sass er wieder ruhig an seinem Platze. Kaum drehte ihm

diese von Neuem den Rücken, so schloss er behend seine Fesseln auf, legte

diese zum Spott auf den Tisch und lief weg. Glücklicherweise sah diess aber

die Schildwache, und er wurde bald wieder eingeholt, weil er einige Tage

krumm geschlossen gesessen hatte und in Folge davon nicht so schnell laufen

konnte.

Dass es nun neue Hiebe regnete, und die ganze Wachmannschaft ihre Wuth

an ihm ausliess, versteht sich von selbst. Der Landdrost aber, der des

gefährlichen Kerls sich gerne entledigt hätte, hatte im Sinn, ihn unter

meiner Aufsicht mit dem Tentboot auf der Nickerie und Saramacca nach der

Stadt zu schicken. Glücklicherweise kam aber zwei Tage später ein Schooner,

auf welchem ich mit zwei Soldaten und dem Gefangenen, nebst 26 Kühen,

welche der Kapitän des Schooners mitnahm, Nickerie verliess.

Wir kamen nach einer siebentägigen, stürmischen Fahrt, während welcher

fünf unserer vierfüssigen Reisegefährten starben, den 5. September 1839 in

Paramaribo an.

Es ging nun alles wieder seinen alten, maschinenmässigen Gang: Wache,

Exerciren und Compagniedienst wechselten wie früher; zuweilen fand ich auch

einen freien Tag, den ich zum Besuch der umliegenden Wälder benützte.

Zu Ende Octobers wurde ich abermals detachirt und kam nun an den

Seeposten Alsimo, der bei der Pflanzung gleichen Namens an der Mündung der

Warappakreek liegt.

Dieser Posten wurde von einem Sergeanten kommandirt, und die sechs Soldaten

hatten die leichtesten Dienste.

Lebensmittel gab es hier in Menge; nur musste man das Regenwasser

anderthalb Stunden weit herbeiholen, obgleich auf der Pflanzung in grossen

Wasserbehältern solches im Ueberfluss war. Das Detachement lebte aber

in grosser Feindschaft mit dem Director derselben, der sogar behauptete,

Sergeant und Soldaten seyen seinen Hühnerställen gefährlicher, als

Tigerkatzen und Awaris (Beutelratzen).

Diese Behauptung war freilich nicht ganz ungegründet; denn manche Ente und

mancher Truthahn, welche sich erfrechten, das herumliegende Welschkorn in

der Kaserne aufzupicken, kehrte nicht mehr nach der Plantage zurück.

Eine alte Negerin der Pflanzung, welche die Aufsicht über das Federvieh

hatte, bekam dann regelmässig eine Tracht Schläge. Der Director liess sogar

nach Federn im Umkreise der Kaserne suchen, um seine Anklagen beweisen zu

können; aber die Soldaten waren so klug, und sandten sie mit der Ebbe in

die See.

Nach sechs Wochen langweiligen Aufenthalts wurde ich zu meiner grossen

Freude wieder abgelöst und nach dem Hauptquartier versetzt.

Sechster Abschnitt.

Abreise nach der Marowyne. Seekrankheit. Haferey. Posten Prinz Willem

Frederik. Erste Beschäftigungen. Umgebung des Postens. Stranden der

Catharina Jakoba. Raubsucht der Matrosen. Ueberfluss auf dem Posten.

Interessante Soirée. Abholen der Güter von Bord. Brodtrunkenheit

der Soldaten und Matrosen. Ankunft des Kommandanten. Das Wrak. Ein

Possenreisser. Abfahrt der Soldaten nach Armina. Kriegsmatrosen und

Arowack-Indianer. Nachtbilder in der Bäckerei. Lebensweise, Sitten und

Gebräuche der Caraiben. Zurückkunft des Schooners. Die Haushälterin.

Wohlfeiler Tabak. Seeschildkröten. Mosquittosplage. Bremsen. Arbeiten

am Wrak. Reise nach Armina. Leben der Soldaten dort. Handel. Kauf des

Wraks. Fahrt nach dem Kloster Mana. Die Aebtissin. Das Etablissement

Mana. Bevölkerung. Reinlichkeitssinn. Bereitung des Tapioca. Weitere

Arbeiten am Wrack. Verkauf desselben. Besuch auf Mana. M's. Streit mit

der Aebtissin. Der Rokou oder Orleanbaum. Gefahr auf der Zurückreise.

Muschelfang. Die Seekuhkreek. Traurige Nachricht. M's. Abreise.

Die Chika oder Sandfloh. Der Mosquittoswurm. Vampyre. Schlangen.

Klapperschlange. Streit mit einem Indianer. Besuch der französischen

Leproserie. Bau neuer Häuser auf dem Posten. Der Geelbakker. Krankheit.

Die Pompaschlange. Zurückreise nach Paramaribo.

Ich hatte nun von 4 Dienstjahren 2½ Jahre auf Posten zugebracht und glaubte

desshalb, beim Anfang des Jahres 1840, wenn die Posten gewöhnlich abgelöst

werden, in Garnison bleiben zu dürfen.

Diess war aber nicht der Fall, denn ich wurde nach dem entlegenen Posten

Armina, dessen sämmtliche Wachmannschaft abgelöst wurde, beordert.

Unser Detachement bestand aus dem Kommandanten, einem zweiten Lieutenant

der Colonial-Guiden, einem Sergeanten, einem Korporal, 10 Jägern und 3

Kanonieren. Die Haushälterin des Sergeanten (eine Mulattin mit ihrem Kind)

vermehrte die Gesellschaft. Ausserdem waren noch 10 Matrosen von allen

Farben, sowie ein Kapitän, an Bord.

Es war der Schooner Beschermer, der früher auf Nickerie als Wachtschiff

gedient hatte und ganz besonders darin geschickt war, die zur Seekrankheit

geneigten Constitutionen so krank und elend, als möglich, zu machen.

Die für den Posten bestimmten Lebensmittel und das Gepäck der Offiziere

füllten den Raum des an sich schon kleinen Fahrzeuges so an, dass es

unmöglich war, einen Fuss auf das Verdeck zu setzen. Selbst für unsere

Kisten fand sich kein Platz mehr und sie mussten desshalb auf dem Verdeck

stehen bleiben.

Es war Ende Januars, als wir Paramaribo verliessen und noch war die Mündung

des Flusses noch nicht erreicht, als schon die meisten von uns, und ich

wohl am ärgsten, von der Seekrankheit befallen waren. Man hörte nichts als

Klagen und Stöhnen, und einer fiel über den andern. An Essen und Trinken

war bei mir wenigstens nicht zu denken und immerwährendes Erbrechen

schwächte mich so, dass selbst der Lieutenant, der sonst nicht viel weggab,

mir eine Tasse Kaffee anbot.

Glücklicherweise währte die Reise nicht lange; denn schon am Morgen des

vierten Tages lagen wir in der Mündung der Marowyne vor Anker.

Kaum hörte man das Brausen der Fluth an den vielen Sandbänken, welche

diesen Strom so gefährlich machen, als der Kapitän die Anker lichten liess

und unter beständigem Looden hineinsegelte.

Noch hatten wir drei Faden Wasser, als kaum eine Minute später der Schooner

mit solcher Gewalt an eine Bank stiess, dass wir Alle zu Boden stürzten.

Jetzt folgte Stoss auf Stoss, so dass das Steuerruder losriss und der lose

Kiel sich ablöste. Die Sache sah sehr gefährlich aus, denn es zeigte sich

ein bedeutender Leck. Anhaltend musste man pumpen; überhaupt wurden alle

erdenklichen Mittel angewendet, um das Fahrzeug wieder flott zu machen.

Obgleich die Sache weniger lebensgefährlich war, weil in den zwei Booten

des Schooners wir uns Alle leicht hätten retten können, so stand doch die

Ladung auf dem Spiel.

Der sonst so bedächtige Kapitän hatte den Kopf ganz verloren; doch wurde

das Fahrzeug bei aufsteigender Fluth wieder von selbst flott und unter

immerwährendem Pumpen erreichten wir glücklich den Posten Prinz Willem

Frederik, der von Ferne einem halbverfallenen Indianerdorfe nicht unähnlich

sah.

Abends 5 Uhr betraten wir mit unsern Habseligkeiten das Land, wo wir den

Kommandanten und den Doctor von Armina trafen. Sogleich traf man Anstalten,

um den Schooner auszuladen und wir waren beinahe die ganze Nacht damit

beschäftigt, Fleisch-, Mehl- und Salzfässer nach dem Posten zu rollen. An

Schlaf war bei der Unzahl von Mosquittos gar nicht zu denken.

Der Posten selbst war wirklich noch tausend Mal schlechter, als er, vom

Strande aus gesehen, schien; denn er bestand nur aus drei Hütten, von

welchen die erste, am Strome stehende, grossartig Kommandanten-Wohnung

genannt wurde. Eine andere hiess Kaserne, diese lehnte sich unter einem

Winkel von beinahe 40° an die Bäckerei an, welche eine entgegengesetzte

Richtung angenommen hatte. Alle drei waren aus Pallisaden gebaut, mit

Pinablättern gedeckt und so gut gegen Regen und Mosquittos verwahrt, dass,

wenn Thüren und Fenster geschlossen waren, die Ziegen durch die Lücken der

fehlenden Palissaden ins Haus kommen konnten. Beim Regen blieb kaum ein

Plätzchen übrig, um die Gewehre trocken zu halten, und bei heftigem Winde

flüchtete man aus guten Gründen ins Freie.

Ein weites Feld für einen wirksamen Geist, dachte ich, als der

kommandirende Korporal, den ich ablösen musste, mir einige Tage später

nebst dem Inventarium den Posten übergab und mit wichtiger Miene, als

gäbe er Juwelen weg, die alten Schaufeln, Rechen u. s. w. zustellte.

Die Geräthschaften waren überhaupt so alt und abgenutzt, dass man in der

Amsterdamer Judenbrenstrasse keine schlechteren finden wird.

Die Soldaten, welche zur Ablösung des Postens Armina bestimmt waren, wurden

gleich am Tage nach unserer Ankunft im grossen Boote des Postens dahin

abgeschickt, und wir mussten dem Kapitän des Beschermers bei der Reparation

seines unglücklichen Fahrzeuges helfen. Da der als trefflicher Segler

bekannte Schooner ungemein spitz und tief gebaut war, der Leck aber unten

am Kiel sich befand, so kostete es keine geringe Mühe, das Fahrzeug so hoch

ans Land zu schaffen, dass man dem Schaden abhelfen konnte. Endlich war er

wieder so weit in Stand gesetzt, dass man die kleine Reise nach Paramaribo

mit ihm wagen konnte.

In den letzten Tagen des Januar schiffte sich der abgehende Offizier mit

seinen Untergebenen ein, und ich dankte Gott für die Erlösung von einer

Truppe, für welche es bei den schlechten Lokalitäten noch an Platz fehlte.

Zum Unglück stiess der Beschermer in der Mündung des Stromes abermals auf

eine Bank, verlor das Ruder und bekam einen solchen Leck, dass es nur

unter anhaltendem Pumpen möglich war, die Stadt zu erreichen, wo seine

Ausbesserung über 2000 fl. kostete.

Einen Tag nach der Abreise des Detachements machten sich auch der

Lieutenant und der Doctor auf den Weg nach dem Hauptposten. Ersterer lud

so viel als möglich in seine zwei Boote und segelte unter meinem herzlichen

Glückwunsch einer glücklichen Reise davon.

Ich bezog nun die Kommandanten-Wohnung, welche ebenfalls aus Pallisaden

bestund, doch in einem etwas besseren Zustand, als die Kaserne sich befand.

Zum Glück war eine hinreichende Menge von Nägeln und neuen Pallisaden

vorräthig, so dass ich mit Hülfe meiner 5 Soldaten mein Haus nothdürftig

ausbessern und wenigstens so weit herrichten konnte, dass die Ziegen nicht

mehr herein konnten.

Mein Geschäft auf dem Posten war ein sehr einfaches und geringes und die

Besatzung, welche aus einem Korporal und 5 Soldaten bestand, unter welchen

ein Bäcker war, hatte nichts zu thun, als für ihren Unterhalt zu sorgen.

Sah man auf der See ein Schiff in der Richtung nach Westen, so zog man die

holländische Flagge auf, und nahm sie wieder weg, wenn dasselbe passirt

war.

Ausserdem mussten die Lebensmittel, welche alle drei Monate auf einem

Schooner von Paramaribo aus hieher geschickt wurden, so lange verwahrt

werden, bis sie nach und nach vom Hauptposten Armina abgeholt wurden.

Dieser lag etwa achtzehn Stunden weiter landeinwärts, diente zur

Vertheidigung gegen die Buschneger und war mit 1 Offizier, 1 Sergeanten,

13 weissen und 6 schwarzen Soldaten besetzt. Ueberdiess waren noch etwa

8 Neger zum Unterhalt des Postens und zum Transport der Lebensmittel

bestimmt. Ein Doctor und ein Krankenwärter besorgten das Hospital.

So wenig wir nun auch auf unserem Posten zu thun hatten, so ärmlich wäre

unser Leben gewesen, wenn uns nicht bei jeder Gelegenheit von Armina

her Bananen geschickt worden wären; denn der Posten selbst war auf einer

Sandritze und der unfruchtbare Boden brachte nur wenige Awarapalmen hervor,

die ein undurchdringliches Gesträuch bildeten.

Hinter dem Posten waren Sümpfe, die nur in den grossen Trockenzeiten

zugänglich waren und längs des aus Sand bestehenden Seestrandes, auf

welchem man zur Zeit der Ebbe fünf Stunden westlich gehen konnte, zog

sich ein Saum von Hochwald hin, worin Cokus-, Haiawa- und andere Bäume des

Hochlandes gefunden wurden, hinter welchem Süsswassersümpfe, bewachsen mit

Schilf und Gras, parallel mit der Küste liefen. Längs des Strandes fand

man stellenweise ganze Gruppen von Cactuspflanzen (Cactus sexagonus), die

manchmal 25' hoch und über und über mit Stacheln bedeckt waren. Eine rothe,

faustgrosse Feige wuchs in Menge an ihr, diese war zwar süss von Geschmack,

aber zäh und selbst von den Indianern wenig beachtet.

Meine erste Arbeit nach der Ausbesserung meines Hauses war die Reparation

meines Bettes.

Es befand sich nämlich in meiner Kammer eine aus alten Brettern

zusammengenagelte Bettstelle, deren vier verlängerte Pfosten da waren, um

mit Gardinen behangen zu werden. Diese waren aus alten Hosen und Hemden

meiner Vorgänger zusammengeflickt und hatten so viel Löcher und Risse, als

Tage im Jahr sind, daher die Mosquittos freien Eingang hatten. Nach zwei

Tagen, welche ich mit Schneiden und Nähen zubrachte, war die Bettlade im

besten Zustand und es fehlte nichts mehr, als eine Art Strohsack, wenn ich

nicht auf den harten Brettern liegen wollte. Doch zu einem solchen fehlte

es an Zeug und ich musste mich bequemen, auf getrocknetem Gras und Laub

meine Nächte zu durchträumen.

Vom Lieutenant hatte ich auf Credit mehrere Ziegen gekauft, die sein

Vorgänger ihm zurückgelassen hatte, und so konnte ich nun meinen Caffee mit

Milch trinken; überdiess hatte ich noch einige Hühner. Auch meine fünf Mann

liessen sich, wenn kein Dram zu bekommen war, zu Manchem gebrauchen, und so

war ich in meiner neuen Lage sehr wohl zufrieden.

Der ganze, bedeutende Strom war ausser den beiden Militärposten bloss

von Indianern und weiter landeinwärts vom Hauptstamme der Buschneger, den

Aukanern, bewohnt. Ein ziemlich bedeutendes Caraibendorf lag bloss eine

Viertelstunde vom Posten entfernt, und die Bewohner desselben besuchten

mich beinahe täglich. Die Lebensweise, Sitten und Gebräuche dieser Menschen

werde ich später weitläufig beschreiben, um jetzt an ein Ereigniss zu

kommen, das eine bedeutende Rolle während meines Aufenthaltes auf dem

Posten Prinz Willem Frederik spielte, und aus dem ich einen bedeutenden

Vortheil hätte ziehen können. Wenn ich auch hier, wo durch Zufall das Glück

mir lächelte, nur so schüchtern zugriff und nicht nach dem Beispiel meines

Kommandanten, der mehr Routine hatte, mich richtete, so war diess gerade

nicht Folge einer übertriebenen Ehrlichkeit, sondern ich fürchtete mich

theils vor der Strafe, theils regte sich der Wunsch in mir, mich in dieser

Sache vortheilhaft auszuzeichnen.

Ich war nämlich seit der Abreise des Offiziers kaum acht Tage frei und ohne

Zwang auf meinem Posten, als wir am frühen Morgen des 7. Septembers das

Boot eines grossen Schiffes, das seit zwei Tagen in der Mündung des Stromes

vor Anker zu liegen schien, auf unsern Posten zukommen sahen. In diesem

befand sich der Kapitän desselben mit der ganzen Equipage, nebst zwei

Passagieren. Sie hatten ihr reichbeladenes, nach Paramaribo bestimmtes

Schiff, ein grosses holländisches Backschiff, Catharina Jakoba, das auf

einer Bank des Stromes gestrandet war, verlassen. Sie hatten vorher die

Rettung des Schiffes vergeblich versucht und dabei beide Anker verloren.

Kapitän und Passagiere, die über den Verlust ihrer hoch versicherten

Ladung getröstet schienen, sahen bald ein, dass wir in Ermangelung eines

Fahrzeuges nichts zur Rettung des Schiffes beitragen konnten. Doch gab

mir Ersterer die Erlaubniss, an Bord gehen zu dürfen und auf Rechnung der

Assecuranz, welche doch den ganzen Plunder, der zu 45,000 fl. versichert

war, bezahlen musste, abzuholen, was ich für gut fände.

Es war diess das erstemal, dass ich in einen solchen Fall kam, der mich um

so mehr in Verlegenheit brachte, als in meinen Instruktionen, in denen es

keineswegs an kleinlichen Clauseln fehlte, kein Wort über einen solchen

Fall vorgemerkt war. Ich fragte desshalb den Kapitän um Rath, dieser

übergab mir das Handelsgesetzbuch und überliess es mir, die betreffenden

Stellen herauszufinden. Bald war ich darüber im Reinen und ich erklärte dem

Kapitän, dass ich mit Hülfe der Indianer so viel als möglich von der Ladung

ans Land schaffen, davon ein Inventarium aufsetzen und diess dem Gouverneur

übersenden wolle; überdiess werde ich den Vorfall dem Kommandanten auf

Armina per Expressen anzeigen und innerhalb zwei Tagen einen Extrarapport

durch Indianer über See dem Gouverneur zuschicken. Hierauf wurde ich vom

Kapitän mit dem Inhalt der Ladung bekannt gemacht, welche, ausser einer

Menge feiner und ordinärer Lebensmittel, in Manufakturwaaren und über

1200 Kisten Genever bestand. Wegen der Menge der verschiedensten Weine

und geistiger Getränke konnte ich auf den Beistand der Soldaten, welche

Erztrunkenbolde waren, nicht rechnen: denn die Gegenstände, welche ich von

Bord abzuholen gedachte, mussten wegen Mangels an Raum unter freiem Himmel

aufbewahrt werden und waren somit jedem Angriff blossgestellt.

Sechs Jahre in Surinam Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse · 第 12 / 23 段