Diese Niederlassungen befinden sich, wie schon gesagt wurde, im höher

liegenden Lande, wo keine Productpflanzungen mehr sind und der Urwald mit

seinen colossalen Bäumen vor den Palmen- und Mangowäldern des niederen

Landes vorherrscht. Sie enthalten meist nur wenige Sclaven (mit Ausnahme

von zwei, welche gegen 300 zählen), aber ein desto grösseres Territorium,

was natürlich bei dem langsamen Wachsthum der Bäume sich von selbst

versteht. Es gibt Pflanzungen, welche 12 holländische Meilen im Umkreise

haben, die jedoch noch keine 50 Sclaven zählen. Die Bearbeitung des Holzes

ist für dieselben die leichteste und angenehmste Arbeit, weil ihnen

diese festgesetzt ist, und sie im Stande sind, mit etwas Fleiss 1-2 Tage

wöchentlich für sich selbst zu erübrigen. Häufig sind die Arbeitsplätze

mehrere Stunden von der Pflanzung entfernt, und die Neger gehen jeden

Montag mit Lebensmitteln für die ganze Woche dahin. Gesunde und starke

Männer werden zum Sägen verwendet; andere jüngere Männer müssen den

gefallenen Baum auf ein Gerüst, das man Barbacot nennt, aufsetzen; zu

diesem nimmt man das Holz der Cumu-Palmen und anderer, leicht fällbarer

Bäume, oder man macht ein solches aus starken Sparren, die mit Lianen

dauerhaft zusammengebunden werden, und worauf nun drei oder mehr Männer, je

nach der Grösse des Blockes, denselben aufsetzen. Die zum Sägen bestimmten

Bäume werden im Neumond gefällt, weil man meint, dass das Holz alsdann

weniger reisse. Man nimmt an, dass zwei Neger täglich 60 lange und 1'

breite Bretter sägen, was auch für sie ganz leicht geht. Diese Bretter

werden von Weibern auf dem Kopfe nach dem Holzgrunde oder dahin gebracht,

wo eine Kreek oder ein Fluss den Weitertransport erleichtert. Viereckiges

Bauholz wird von Ochsen gezogen, was aber bei den schlechten Wegen und

überall hervorragenden Baumwurzeln sehr langsam von statten geht.

Die Holzetablissements, welche schon seit so vielen Jahren betrieben

werden, hieben natürlich dasjenige Holz, das in der Nähe der Flüsse oder

Kreeken stand, zuerst weg, und haben desshalb, je tiefer sie landeinwärts

dringen, um so schwierigeren Transport. Es denkt natürlich Niemand daran,

die ausgehauenen nützlichen Hölzer durch Stecklinge nachzupflanzen, was mit

wenig Mühe und Kosten geschehen könnte. Man denkt eben wie überall: =Après

moi le déluge= -- und das ist eben der Grund davon, dass die edlen, feinen

Holzarten so theuer und in grossen Dimensionen so mühsam zu bekommen sind.

Es können diese Etablissements durchaus nicht concurriren mit dem Verkaufe

des Holzes, das die Buschneger aus den noch nicht ausgegebenen Waldungen

des unbewohnten Landes bringen, und zu niedrigen Preisen verkaufen.

Ausserdem dass die Buschneger nicht die mindeste Abgabe an das Land

bezahlen, während die Eigenthümer der Holzgründe mit Kopf- und Ackergeldern

besteuert, und den Wechselfällen des Sklavenbesitzes ausgesetzt sind,

fällen jene ihr Holz noch an Stellen, wo es, so zu sagen, ins Wasser fällt,

so dass ihnen der Weitertransport keine Mühe macht. Es ist desshalb auch

zu begreifen, dass die Eigenthümer der Holzgründe ihre Rechnung bei diesem

Handel nicht finden; aber das Gesetz, dass die Neger nur mit ihrem

Willen von den Pflanzungen verkauft oder versetzt werden können, und die

Widerspenstigkeit, ein anderes Product anzupflanzen, das dem Eigenthümer

mehr Nutzen bringen, ihnen aber mehr Mühe verursachen würde, macht die

meisten Eigenthümer zu armen Leuten.

Die Neger dieser Pflanzungen haben vor allen das beste Leben; sie

gebrauchen die viele freie Zeit, welche sie erübrigen, zur Anpflanzung

von Erdfrüchten, die sie in Paramaribo verkaufen. Sie erhalten von ihren

Eigenthümern bloss sogenannte Switti Moffo, d. i. gesalzenes Fleisch oder

gesalzene Fische; es werden ihnen aber jährlich in der Trockenzeit eine

gewisse Anzahl Tage freigegeben, in denen sie Wald fällen, verbrennen und

den Boden reinigen, und Erdfrüchte, die meistens aus Mais, Reis, Toryers,

Cassave u. s. w. bestehen, pflanzen. Sie ziehen überdiess Schweine und

Federvieh und leben in mancher Hinsicht besser, als der von allen Sorgen

gedrückte und ärmere europäische Landmann.

Alle Pflanzungen stehen unter der Aufsicht und Leitung eines Directors, der

auf der Pflanzung wohnt und von den Eigenthümern oder Administratoren des

Effektes angestellt und diesen verantwortlich ist[6].

Die Einkünfte des Directors richten sich nach der Grösse des Effektes

und seiner Revenüen, und belaufen sich auf den grössten Zuckerpflanzungen

manchmal auf 3000 fl. Ausser der Besoldung, die im Durchschnitt auf

1200 fl. angeschlagen werden kann, haben viele noch sichere Procente von

Producten der Pflanzung, als: Zucker, Caffee, Cattun, Melassin und Dram;

sie ziehen auch eine Menge Schweine und Federvieh, die von den Bananen

der Pflanzung gefüttert werden. (Ich kenne Directoren, die über 1000 fl.

jährlich reinen Gewinn von ihren Schweinen haben.) Sie sind auch

unumschränkte Herren auf der Pflanzung. Verstehen sie nun, sich der Gunst

des Administrators zu versichern, und sind sie in ihrem Fache als tüchtige

Männer bekannt, so ist ein solcher Director wirklich eine beneidenswerthe

Person. Geräumige Gebäude sind ihre Wohnungen, eine Menge Dienstboten

führen die Haushaltung; ein Jäger, Fischer und Gärtner sorgen für die

Bedürfnisse der Tafel, und alle diese fliegen auf den Wink herbei. Die

Bequemlichkeit dieser Herren, besonders der farbigen Directoren, ist daher

manchmal eckelerregend, so z. B. wäre es eine grosse Erniedrigung, selbst

eine Pfeife anzuzünden, ein Glas Wasser einzuschenken oder die Schuhe

auszuziehen. Ich kannte mehrere dieser Herren, besonders auf Holzgründen,

die des Morgens um 6 Uhr aufstanden, dem Bastian der Neger ihre Befehle

ertheilten, dann Caffee tranken, bis 12 Uhr nichts thaten, gut assen,

nachher sogleich von den Beschwerden der Tafel in der Hängematte ausruhten,

und sich da von einem hübschen Negermädchen den Kopf kratzen liessen, bis

ihnen die Augen zufielen. Um 5 Uhr standen sie auf, wuschen sich, assen von

7-8 Uhr, legten sich um 9 Uhr mit ihren Concubinen in's Bett und verdienten

dabei 12-1500 fl. jährlich. Dieses ist nicht übertrieben; doch kenne ich

keinen Europäer, der es bis jetzt zu diesem Grade von Faulheit gebracht

hatte.

Ein Director, der seinen Pflichten nachkommen will, wird aber auch nie auf

solche Weise vegetiren. Die Behandlung der Neger erfordert, besonders in

der jetzigen Zeit, sehr viel Umsicht und kaltes Blut, sowie eine grosse

Erfahrung und eine, wenigstens auch nur oberflächliche, medicinische

Kenntniss, um ihre angeblichen Krankheiten, die sie manchmal vorschützen,

um sich der Arbeit zu entziehen, oder ihre wirklichen Krankheiten und

Gebrechen beurtheilen zu können. Ihre mannigfaltigen Betrügereien, ihr

Aberglauben und ihre Fetische können nicht immer auf eine Weise bestraft

werden, wie sie es verdienen; kurz, es gehört viel dazu, sie zum Vortheil

ihres Besitzers so zu behandeln, dass die Furcht, die doch hier nur den

Gehorsam bedingt, unter ihnen herrscht, und ihre Fehler doch mit Nachsicht

gerügt werden. Und es ist nicht allein Menschen- oder Negerkenntniss,

die dem Director nicht fehlen darf, sondern er muss auch in technischer

Beziehung eine gute Schule genossen haben; denn er muss seine Meinung

beim Zimmern von Gebäuden, beim Mauern von Oefen, beim Schmieden im

Maschinenwerk, kurz überall äussern können, weil Alles unter seiner Leitung

und Aufsicht geschieht. Die Bearbeitung seines Products ist ihm ganz allein

überlassen, und es liegt desshalb eine schwere Verantwortung auf ihm.

Das Leben auf der Pflanzung ist beinahe überall das gleiche.

Der Director steht um ½6 Uhr auf, kleidet sich in eine grobe leinene Hose

und ein Wamms, und kommt auf die Gallerie, die auf den meisten Pflanzungen

sich auf einer oder beiden Seiten des Hauses hinzieht. Bereits warten unter

derselben die schwarzen Aufseher der Sclaven, Bastians, die als Zeichen

ihres Ranges eine Peitsche führen. Es sind deren 2-4. Sie erstatten dem

Director Bericht über die Arbeiten des vorigen Tages, bezeichnen die Faulen

oder die, welche Strafe verdient haben, und vernehmen die Befehle für die

Arbeiten des Tages. Die, welche Prügel verdient haben, empfangen sie nun

vor der Thüre, während der Director seinen Caffee trinkt.

Sind die Arbeiten geregelt, so erscheinen die Kranken mit dem Dresneger

oder Doctor. Man sieht da allerlei jämmerliche Gesichter und hört manches

Aechzen, was man aber nicht immer für baare Münze annehmen darf. Die

wirklich Kranken kommen ins Krankenhaus, die andern werden weggejagt und

müssen an ihre Arbeit. Zu gleicher Zeit macht auch der Blank-Officier

oder weisse Aufseher, der seinen Caffee in seiner bescheidenen Kammer

eingeschluckt hat, seinen Rapport, erhält seine Befehle und geht in die

Aecker, die Arbeit der Neger anzusehen, oder in die Mühle, wenn da gemahlen

wird. Der Director geht nun, nachdem er die Befehle für seine Haushaltung

(denn nur wenige sind verheirathet) gegeben hat, mit seinem Jungen

(Voeteboy), der Tabak, Flinten, häufig auch eine Herzensstärkung tragen

muss, versehen mit einem langen, sogenannten Tasstocke, ins Feld, wo er

ebenfalls die Arbeiten besichtigt und untersucht. Der lange Stock dient

ihm dazu, um über die Gräben, welche die verschiedenen Beete und Aecker

absondern, zu springen. Ueber breite Gräben (Vaartrenzen), in welchen

man das Product in kleinen Ponten nach den Gebäuden führt, gehen Brücken.

Meistens dauert eine solche Promenade 1½-2 Stunden, von welcher man,

besonders während der Regenzeit, von unten bis oben beschmutzt nach Hause

kommt. Hat er sich umgekleidet, so wird ein Schnaps eingenommen, um den

Appetit zur Tafel zu reizen, der aber bei einem noch nicht recht kommen

will, und meistens durch mehrere aufeinander folgende geweckt werden muss.

Gegen eilf Uhr bringt die Creolen-Mamma, eine alte Negerin, welche die

Aufsicht über die Kinder der Pflanzung führt, dieselben vor die Thüre.

Mädchen und Knaben sind ganz nackt und kommen so eben aus dem Bade. Sie

stellen sich nach der Grösse: Bengels von 13-14 Jahren oben an, und ganz

kleine, mit dicken, vollgegessenen Bäuchen, unten.

Auf ein gegebenes Zeichen der Negerin strecken alle die Hände empor,

klatschen und rufen: =Odi Masra, Odi Missi, fai Masra dan, fai Missi dan!=

(Guten Tag Herr, guten Tag Frau! Wie gehts Herr? Wie gehts Frau?) und

dergleichen Narrheiten, die jeder Director nach seiner eigenen Phantasie

papageienartig sich vorplaudern lässt. Hierauf marschirt die Creolen-Mamma

mit ihrer Heerde ab.

Um zwölf Uhr wird gegessen, wobei der Blankofficier, wenn keine Gäste

da sind, allein mit dem Director isst. Es werden meistens mehrere Arten

Fleisch und Fische mit Erdfrüchten und scharfen Saucen, aber wenige Gemüse

aufgetragen.

Häufig findet man bei der Mittagstafel einen alten, russigen, irdenen

Topf, der mit Ueberbleibseln von Fleisch und Fischen, in einer fürchterlich

gepfefferten Sauce, auf einem weissen Teller den Liebhabern präsentirt

wird. Man nennt diese Töpfe Pfeffertöpfe[7]; sie waren besonders früher

sehr in der Mode. Nach dem Essen hält der Director eine Siesta bis gegen

4 Uhr. Ihn in dieser Ruhe zu stören, ist nur in besonders dringenden Fällen

erlaubt, sonst würde er ein sehr schiefes Gesicht dazu machen. Des Abends

6 Uhr kommen wieder die Bastians und Feldneger, welche dann einen Schnaps,

Dram, erhalten, vor die Thüre, und auch der Blankofficier macht mit dem

Hute in der Hand seine Aufwartung. Auch er erhält seinen Schluck Genever;

nachher zieht er sich, wenn ihn nicht der Director zum Gespräche zu sich

einladet, was aber sehr selten geschieht, in sein Kämmerlein zurück, bis

ihn gegen 8 Uhr der Voeteboy zum Abendessen abruft.

Ist der Director ein gebildeter Mann, so findet er in der vielen freien

Zeit Unterhaltung in der Lectüre; denn häufig leben die Directoren der

Nachbarschaft unter sich auf gespanntem Fusse, was wirklich zu verwundern

ist; denn sie sind desswegen meist allein und blos auf die Gesellschaft

ihrer Haushälterinnen beschränkt, die gerade nicht besonders unterhaltend

sind. Diese Einsamkeit und das Bedürfniss, die Zeit zu tödten, ist die

Hauptursache der unmässigen Consumtion von starken Getränken, und es

ist unglaublich, welche Quantitäten von Genever, Rum und Branntwein hier

jährlich verbraucht werden.

Die Gastfreundschaft auf den Pflanzungen ist sehr gross. Da keine Wege im

Lande sind, so reist man überall zu Wasser in geräumigen Barken, und zwar

die Flüsse aufwärts mit der Fluth, abwärts mit der Ebbe[8].

Wirthshäuser findet man nirgends. Erlaubt das Getey (Ebbe oder Fluth)

nicht, weiter zu fahren, oder will man ausruhen, so hält man an der

ersten besten Pflanzung und wird, sey man bekannt oder nicht, mit aller

Freundlichkeit empfangen. Man erhält Zimmer, übernachtet oder zieht weiter,

wie man es für gut findet. An Bezahlung ist natürlich nicht zu denken, und

Trinkgelder sind gar nicht Mode.

So ist also das Leben auf den Pflanzungen mehr oder weniger gesellig, je

nachdem Gäste kommen, oder die Directoren der Nachbarschaft sich gut mit

einander vertragen können.

Viele Bewohner der Stadt bringen die Trockenzeiten auf den Pflanzungen zu,

und mancher Pflastertreter sucht die eine oder andere heim.

Dass die Langeweile die Plantagenbewohner manchmal zu tausend Narrheiten

verleitet, lässt sich denken. Pasquillen und Scherze sind immer im Umlauf

und endigen manchmal auf kostspielige Weise, besonders wenn sich die Justiz

darein legen muss. Mancher Director hat sich schon ein hübsches Vermögen

erworben, und viele besitzen Häuser in Paramaribo; andere aber verbrauchen

ihren Gehalt mit feinen Speisen und Getränken, oder in Amours und sind,

wenn sie ihre Stelle verlieren, gar bemitleidenswerthe Geschöpfe. Sie leben

fast alle mit Haushälterinnen, die entweder Freie (Missi) sind, oder

die sie sich unter den hübschen Mädchen der Pflanzung aussuchen. Unter

letzteren Verhältnissen sind die Kinder Sclaven, es sey denn, dass sie von

ihrem Vater losgekauft werden, was manchmal mit vielen Schwierigkeiten und

Kosten verbunden ist.

Die zweite weisse Person auf der Pflanzung ist der Blankofficier, deren

grössere Effecte 2-3, kleinere nur einen haben. Ihr Gehalt ist gering und

beträgt selten über 250 fl. Es sind diess meist junge Leute, die aus Europa

kommen, um ihr Glück zu machen, und die, wenn sie Protection haben und sich

gut betragen, in 3-4 Jahren es ebenfalls zu einer Directorstelle bringen

können. Ihr Anfang ist aber schwer, denn sie werden von den meisten

Directoren wie eine Art niederer Geschöpfe behandelt und selten mit einem

Wort beehrt. Sie sind in ihren Freistunden ganz sich selbst überlassen und

bringen in manchmal erbärmlichen Wohnungen ihre Abende zu.

Man denke sich, wie es einem gebildeten, jungen Menschen zu Muthe seyn

muss, wenn er, unbekannt mit den Gebräuchen und der Negersprache, seine

Lehrzeit auf einer Pflanzung beginnt, wo ihn der Director kaum eines

Grusses würdigt, und ihm eine miserable Kammer angewiesen wird, in welcher

er keine andere Gesellschaft findet, als Millionen von Mosquittos, oder

Klumpen von Fledermäusen, die in den Dachsparren zwitschernd ihre Bemerkung

über ihn zu machen scheinen.

Ich komme nun zu den Sclaven der Pflanzungen, welche die Hauptbevölkerung

des Landes ausmachen.

Da seit 24 Jahren keine mehr aus Afrika eingeführt wurden, so besteht die

Mehrzahl derselben aus hier Gebornen oder Creolen. Diese letzteren, welche

von Jugend auf an das Effect und dessen Eigenthümer oder Verwalter gewöhnt

sind, werden den Afrikanern bei weitem vorgezogen; sie bilden auch meistens

grosse Familien, welche nie von der Pflanzung verkauft werden.

Man theilt die Plantagensclaven in vier Classen: 1) In Feldsclaven, die zur

Cultur bestimmt sind; 2) in Haussclaven, die das Hauswesen, Tafel, Küche

u. s. w. besorgen; 3) in Creolen: kleine Kinder, die noch keine Arbeit

verrichten können, und 4) in Malenkers: Alte und Kranke, die zu keiner

Arbeit mehr fähig sind. Wenn daher eine Pflanzung unter 200 Köpfen 75-80

Feldsclaven besitzt, so ist diess schon ein sehr vortheilhafter Staat. Die

Feldsclaven haben natürlich bei weitem die schwerere Arbeit, während die

Haussclaven, von denen z. B. zwei für die Küche, zwei für die Wäsche, einer

zum Nähen, einer und zwei Voeteboys zum Dienste eines einzelnen Mannes

angestellt sind, den grössten Theil des Tages unbeschäftigt herumliegen.

Ein Jäger, ein Fischer, sowie auf manchen Pflanzungen ein Gärtner, haben

mehr Arbeit.

Der Schweine- und Kühehirt, ein Weib, das für die Hühner zu sorgen hat,

und ein Wächter des Kostgrundes sind meistens alte Leute, welche zu keiner

andern Arbeit mehr gebraucht werden können[9].

Die Feldsclaven gehen des Morgens um 6 oder 7 Uhr in die Aecker an ihre

Arbeit, und kehren des Abends, oder wenn sie das, was ihnen auf den meisten

Pflanzungen vorgeschrieben wird, vollendet haben, nach Hause zurück. Des

Sonntags wird nichts gearbeitet, muss es aber geschehen, wie diess häufig

auf den Zuckerpflanzungen der Fall ist, so wird den Sclaven ein anderer Tag

für den Sonntag gegeben.

Die Negerhäuser sind ganz in der Nähe der Mühle oder der Fabrikgebäude,

und bilden, wenn die Pflanzung bedeutend ist, ganze Dörfer. Auf manchen

Pflanzungen sind sie von Brettern gebaut und mit Schindeln bedeckt, auf

den meisten aber mit den Latten der Pinapalme beschlagen und mit Blättern

dieser Palme bedeckt. Um die Häuser, welche regelmässige Strassen bilden,

pflanzen die Neger spanischen Pfeffer, Calebasbäume u. s. w.; dabei wimmelt

es von Federvieh und Schweinen.

Die Nahrung erhalten die Neger auf allen Pflanzungen, die Holzgründe

ausgenommen, vom Effekte selbst. Sie soll nach dem Gesetze in zwei Bündeln

Bananen und 3 Pfund gesalzenen Fischen wöchentlich bestehen. Erwachsene

Neger erhalten dazu noch Tabak, Pfeifen, und täglich einen Schnaps, Dram;

Weiber dagegen Melassin. Bananen werden auf den Pflanzungen jeden Sonntag

Morgen ausgetheilt; Fische u. s. w. aber viertel- oder halbjährlich. Es

ist aber kaum möglich, ihnen das Stehlen von Bananen in den Kostäckern,

von Zucker oder Melassin im Kochhause, von Producten aus den Caffee- oder

Cattunlogen dieser Effekte zu verwehren. Das Gestohlene verbrauchen sie

entweder selbst oder vertauschen es bei Sclaven anderer Pflanzungen, oder

bringen es gelegenheitlich nach Paramaribo, wo sich stets Liebhaber dafür

finden[10]. Kleidungsstücke und andere Bedürfnisse, als: Töpfe, Cassavo,

Platten, Messer, Scheeren u. s. w. werden zu bestimmten Zeiten von

den Eigenthümern der Pflanzungen aus Holland gesandt, oder mit deren

Genehmigung hier im Lande angekauft, und es werden diese Sachen durch den

Director, der für sich selbst eine Menge Küchen-, Tafelgeräthe u. s. w.

erhält, familienweise ausgetheilt. Der Werth der Sendung beträgt manchmal

bei 4000 fl.

Auf allen wohlgeordneten Pflanzungen ist für die Neger auf eine Weise

gesorgt, die dieser Menschenrace die Sclaverei sehr erträglich macht, und

ganz verschieden ist von den Vorstellungen, die man in Europa gewöhnlich

vom Zustande der Sclaven sich macht.

Ihre Arbeit ist nicht übertrieben und dauert, wenn der Neger fleissig

ist, nicht über neun Stunden täglich. Nahrung und Kleidung haben sie

hinlänglich, und im Alter werden sie auf den Pflanzungen unterhalten.

Wie ganz anders ist das Leben der ärmeren Taglöhner in Europa, die bei

beschwerlicherer Arbeit zufrieden sind, wenn sie die Bedürfnisse ihrer

Familie befriedigen können, und die bei Krankheit und Unglücksfällen keine

andere Zuflucht haben, als den Bettelstab!

Die Religion der Neger, wenn man ein Gemisch von Aberglauben und Unsinn so

nennen darf, ist die ihrer ursprünglichen Heimath, der Fetischismus.

Jedes einzelne Individuum hat, so zu sagen, seine eigene Gottheit, und

verpflichtet sich, dieser zu Ehren, von irgend einer Speise sich zu

enthalten. Schnüre, Corallen, geschnitzte Holzstückchen, oder was ihnen

gerade einfällt, werden um den Hals, Arm oder die Füsse getragen, und sind

Amulette, welche sie beschützen. Man nennt diese Narrheiten Obia's. Beinahe

alle Neger verehren den Seidewollenbaum und opfern demselben; schwer

verbotene Tänze stehen damit in Beziehung.

Es hat auf allen Pflanzungen sogenannte Bukumann's oder Zauberer, welche

die Zukunft vorher wissen, und in der Bereitung von inländischen Arzneien

oder als Giftmischer sich auszeichnen. Mancher verhasste Director hat schon

durch diese sein Leben eingebüsst, und man hat Beispiele, dass schon auf

Pflanzungen eine Menge Sclaven hinwegstarben, die vergiftet wurden, um

deren Eigenthümern Schaden zu bringen. Die Gifte sind alle aus Vegetabilien

gezogen, und lassen daher wenig Spur zurück.

Die Jugend wächst natürlich auf den Pflanzungen wie das liebe Vieh auf;

blos auf zwei oder drei derselben werden die Kinder unterrichtet. Beinahe

alle werden von den Herrnhutern[11], welche in Paramaribo eine bedeutende

Niederlassung haben, von Zeit zu Zeit besucht, und den Sclaven werden

alsdann einige Kapitel der Bibel in der neger-englischen Sprache vorgelesen

und ausgelegt. Will man aber, dass die Neger die Kirche besuchen sollen, so

muss die Arbeit des ganzen Tages nachgelassen werden, was für die Pflanzung

ein grosser Schaden ist. Die Predigten der guten Leute mögen aber nicht so

fasslich seyn, so dass der Nutzen in moralischer Beziehung nicht sehr gross

ist, besonders da blos alle paar Monate solche Vorlesungen gehalten werden,

bei welchen meistens die Hälfte gedankenlos zuhört, und so das Gehörte sehr

leicht vergisst.

Die Herrnhuter, die in Paramaribo als Schuster, Schneider, Bäcker,

Kaufleute u. s. w. sich nähren, verlassen tourweise ihre Arbeit und

besuchen in geräumigen Tentfahrzeugen zu obigem Zwecke die Pflanzungen,

auf welchen man sie überall mit der grössten Gastfreundschaft aufnimmt und

bewirthet, wiewohl die wenigsten Directoren, denen in der Regel die Arbeit

mehr am Herzen liegt, als das Seelenheil ihrer Sclaven, sie gerne sehen.

Haben sie die ihnen vorgeschriebene Anzahl von Pflanzungen besucht, so

fahren sie wieder zur Stadt zurück und versehen ihre Geschäfte.

Die grösste Glückseligkeit nach dem Nichtsthun ist für die Neger der Tanz.

Sie haben viele Tänze, die ich nicht namentlich kenne, und von welchen

wieder manche in genauem Verbande mit ihrem Fetischismus stehen und von

der Regierung strenge verboten sind. Es gibt häufig in den Negerhütten

der Pflanzungen Sonntags kleine Tanzparthien, die gewöhnlich noch vor

Mitternacht enden, und zu welchen sich blos einige Familien, jedoch nicht

ohne Erlaubniss des Directors versammeln. Die Musik besteht dann blos in

dem Schall einer Trommel (ein ausgehöhltes rundes Stück Holz, über welches

eine Schweins- oder Hirschhaut gespannt ist), und dem Klang aus einigen

alten Schaufeln oder dergleichen, auf die mit Eisenstücken taktmässig

geschlagen wird.

Mit viel mehr Feierlichkeit werden die Tänze begangen, welche man an

gewissen Jahrstagen zum Andenken an Verstorbene hält. Da werden Kuchen

gebacken, Schweine und Hühner geschlachtet, und dem Todten wird ebenfalls

ein guter Theil auf das Grab gebracht. Dabei kommen alle Kleidungsstücke,

die sie sonst nie gebrauchen, zum Vorschein, und man sieht dann besonders

unter den Männern groteske Gestalten. Die Haupttänze aber, zu welchen

den Sclaven mehrere Tage freigegeben werden, sind am Neujahr, und zwar

gewöhnlich im oder am Wohnhause des Directors, wobei die Männer mit Dram,

die Weiber aber mit Wein oder schlechtem Liqueur bewirthet werden.

Gewöhnlich hat der Director Gäste bei sich, und es werden da oft

Bacchanalien gehalten, dass es einem graust.

In Paramaribo finden um diese Zeit alle Abende solche Tanzparthien statt,

die meistens unter Zelten bei guter Beleuchtung abgehalten werden. Die

Eigenthümer von Sclaven lassen sich's um diese Zeit nicht wenig kosten,

ihren Sclaven Vergnügen zu machen; Backwerk, Wein und Liqueur findet man

bei diesen Parthien im Ueberfluss. Die Mädchen sind dabei nicht selten

mit den Kleidern und Schmucksachen ihrer Haushälterinnen bekleidet, und

es herrscht eine Pracht, dass man sich verwundert. Es haben aber auch die

Haussclaven selbst gute Kleidungsstücke, die blos an diesen Tagen gebraucht

werden. Es ist in der That ein prächtiger Anblick, diese in allen Farben

aufgeputzte, von ächtem und falschem Gold und Juwelen glänzende, singende

Masse in immerwährender Bewegung beim Scheine einer Menge Lampen, und beim

Lärmen einer abominabeln Musik zu sehen, und man glaubt sich ins Morgenland

versetzt. Die Tänze lassen sich freilich nicht mit unsern vergleichen, weil

bei den meisten gesungen wird; es sind die Verse, die einige Dutzendmale

im Chor wiederholt werden, und wegen ihres satyrischen Inhalts viel Lachen

erregen. Der Tänzer oder die Tänzerin, welche solche improvisiren, tanzen

um einander in immer kreisförmiger Bewegung, während der Chor sich nur auf

den Füssen wiegt und mit dem Oberleibe bewegt, dabei aber nach dem Takte

in die Hände klatscht oder mit Castagnetten die Musik begleitet.

(Diese Castagnetten sind dreieckige, holzichte Schalen oder Nüsse

einer Euphorbiacee). Häufig tanzt aber Alles, indem sich jedes einzelne

Individuum kreisförmig durch den ganzen Raum dreht, ohne an den andern

anzustossen. Der Anblick dieses Tanzes erregte mir stets Schwindel, und ich

konnte es nie lange dabei aushalten.

Sechs Jahre in Surinam Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse · 第 3 / 23 段