von dem man aber meistens wenig Gebrauch macht; diese Gärten sind mit
einander durch Hecken von Limonen verbunden. -- Küchen und Abtritte sind
vom Wohnhause abgesonderte Gebäude; meistens befinden sich auch noch Häuser
für Sclaven, sowie Magazine auf dem Hofe. Jedes Haus hat zwei Thüren an der
Strasse; die eigentliche Hausthüre ist für Weisse, die andere, Negerpoort,
an welche man durch den Hof gelangt, für Sclaven und ärmere Leute bestimmt.
Verschiedene Canäle, welche ihr Wasser aus dem Strom erhalten,
durchschneiden die Stadt. Zwei Vorstädte heissen Combé und die Freicolonie,
welche letztere meistens von freien Farbigen bewohnt wird, die, als sehr
faul, auch sehr ärmlich leben.
Oeffentliche Gebäude und Privathäuser zeichnen sich mehr durch Zierlichkeit
als durch imposante Bauart aus. Das Gouvernement liegt zwischen der Stadt
und dem Forte an einem grossen, mit Rasen bedeckten Platze »het plein«.
Es ist ein grosses, stattliches, von Holz aufgeführtes Gebäude, das eine
schöne Aussicht auf den Fluss gewährt. Sein früher verwahrloster Garten ist
jetzt (1850) sehr gut unterhalten und dient als Probeschule für tropische
Pflanzen. Eine herrliche, dreifache Allee von hohen Tamarindenbäumen zieht
sich längs desselben bis an den Wallgraben des Fortes hin. Ein
angenehmerer Spaziergang in der Hitze des Tages lässt sich nicht denken;
dessenungeachtet macht aber Niemand Gebrauch davon.
Nahe beim Gouvernement ist das, mit grossen Kosten aus Backsteinen
gebaute, im Jahr 1839 vollendete Controlgebäude, in welchem verschiedene
Verwaltungs-Bureaux sich befinden. Von seinem, mit einem Uhrwerk versehenen
Thurme geniesst man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt und die
umliegenden Pflanzungen. In zwei anderen Gebäuden, welche der Schreibekunst
gewidmet sind, befinden sich die Bureaux der Justiz und Waisenverwaltung.
Paramaribo hat eine lutherische und eine reformirte Kirche; beide sind
hübsch und einfach, werden aber, was die gefällige Bauart betrifft, von
der im Jahr 1838 vollendeten hochdeutschen Judensynagoge bei weitem
übertroffen. Die katholische Kirche ist klein, doch sehr zierlich; das
einfache Herrnhuter Bethaus ist mit Palmen und tropischen Gewächsen
umgeben. Zwei Freimaurerlogen, ein Komödienhaus, die portugiesische
Judensynagoge, das Hospital und das Zoll- oder Waaghaus mögen die Liste der
öffentlichen Gebäude beschliessen.
Das Innere der Privathäuser ist fast bei allen angesehenen Familien
auf gleiche Weise angeordnet. Grosse Spiegel, Kupferstiche, Hänge- und
Wandlampen, und unter den Möbeln ein mit Glas, Silber und Porzellan
überladenes Sideboart werden beinahe in jedem Hause angetroffen. In
jedem Schlafzimmer steht ein grosses, mit Gaze umhangenes, aus kostbarem,
inländischem Holze schön gedrechseltes Bett, Ledikant, auf dem Berge von
Kissen aufgestapelt sind. Dieses Bett ist blos ein Prunkstück, das wenig
benützt wird, weil man der Kühlung wegen auf Matten und Matrazen schläft,
die den Tag über verborgen werden. Häufig bedient man sich auch feiner,
baumwollener Hängematten.
Die Zimmer werden reinlich gehalten und häufig mit Orangensaft gewaschen,
was bei dem vielen Ungeziefer, das sich in den Ritzen verbirgt, auch sehr
nöthig ist.
Beinahe alle Häuser haben Brunnen, deren Wasser aber in den langen
Trockenzeiten zuweilen brack schmeckt; nur grössere Gebäude haben
Wasserbehälter.
Eigentliche Spaziergänge, oder für den öffentlichen Gebrauch eingerichtete
Gärten hat die Stadt nicht; doch bieten ihre Umgebungen, die unter den
schönsten Pflanzen einer tropischen Vegetation versteckten Landhäuser,
prächtige Partien dar. In der Stadt befinden sich zwei Kirchhöfe und sechs
ausserhalb derselben, also im Ganzen acht, die einer gleichen Anzahl
von Apotheken entsprechen, somit hinsichtlich der Bevölkerung kein
vortheilhaftes Zeugniss für die Gesundheit Paramaribos geben[2]. Der Markt
ist unter einer Reihe von Tamarindenbäumen an der Wasserseite, wo man
Fische, die an üblem Geruch mit den sie verkaufenden und schwitzenden
Negerinnen wetteifern, nebst allen inländischen Lebensmitteln zum Verkaufe
vorfindet. Lebensmittel und andere Waaren werden auch sonst noch an vielen
Plätzen der Stadt verkauft. Alles wird unter beständigem Geschnatter
feilgeboten, und der Fremdling sieht hier unter Anderem auch Leckereien,
die man im Vaterlande mit Abscheu zurückweisen würde.
Zwar mehr europäisch, doch nicht weniger interessant sind die Kaufläden,
deren Zahl besonders am Strome Legion ist. Da findet man kein Haus, in
welchem man nicht etwas feilbietet.
Man trifft in _einem_ Laden eine Auswahl der verschiedenartigsten Dinge,
welche man in Europa nur bei 100 Künstlern, Kaufleuten oder Handwerkern
bekommen könnte; denn man verkauft in demselben Laden Bücher, Schuhwichse,
Bijouterie, Schinken, Parfümerien, Thee, Ziegelsteine, Mehl, Schuhe,
Kleider und Uhren. Es gibt nichts, womit ein Kaufmann hier nicht handelte.
Die meisten Lebensmittel kommen gesalzen oder geräuchert aus Holland
und Nord-Amerika; Fleisch, Speck, Erdäpfel u. s. w. kauft man hier beim
Kaufmann, bei welchem man natürlich auf grosse Sachkenntniss nicht rechnen
darf. In Europa würde Niemand zum Kaufmann gehen, ohne von dessen Waaren
etwas zu bedürfen. Hier ist es ganz anders. Man kommt in den Laden, liest
die Zeitung, trinkt ein Gläschen Genever, das der Kaufmann präsentiren
lässt, und geht dann, ohne für einen Cent gekauft zu haben. Diess lässt
sich auch der Kaufmann gerne gefallen; denn diese viel besuchten Läden
ziehen die andern Käufer an. Man kauft meistens auf Credit; wer innerhalb
sechs Monaten bezahlt, ist ein guter Kunde. Die andern werden nach Verlauf
dieser Zeit erst mündlich, dann schriftlich an ihre Schuld erinnert,
endlich durch Läufer (meist Juden, welche die Taschen mit Rechnungen
vollgepropft, im Dienste der Kaufleute die ganze Stadt durchrennen),
dringend ersucht und wenn diess nichts hilft, verklagt.
Die letzteren Kunden sind die häufigsten; denn gar viele leben ohne zu
denken, und kaufen ohne bezahlen zu können.
Der Detailhandel wird durch Krämer, hier Vetwariers oder Schmuggler
genannt, getrieben; diese verkaufen im Kleinen an solche, welche keinen
ganzen Schinken, kein ganzes Fässchen Fleisch oder Butter kaufen können,
und also für jede Mahlzeit besonders sorgen müssen. Hier wird übrigens
nichts geborgt; die Zahl dieser Krämer ist ebenfalls bedeutend. Nur wer
die Gourmandise und den ungeheuren Luxus für die Tafel u. s. w. kennt, kann
einigermassen begreifen, dass sich diese Masse von sogenannten Kaufleuten
noch nicht unter einander aufgezehrt haben.
In den Maasen und Gewichten der Colonie herrscht grosse Unordnung. Artikel,
welche aus Nord-Amerika kommen, wie: gesalzenes Fleisch, Fische, Speck,
Saife, Lichter, Mehl u. s. w. werden nach amerikanischen Gewichten
verkauft; tannene Bretter ebenfalls daher, nach dem englischen Maase.
Holländische Erzeugnisse berechnet man nach dem alten Amsterdamer Pfunde,
dem Halb-Kilogramme, die Längenmaase nach dem rheinischen Fusse, und
Flüssigkeiten nach dem englischen Gallon.
Was nach Holland verschickt und verladen wird, geht nach dem neuen
holländischen Maas und Gewicht, in dem die Regierung ebenfalls ihre
Bedürfnisse ausschreibt. Es kommt auf diese Weise mancher Irrthum vor.
Jede grössere Haushaltung kauft ihren Bedarf an gesalzenen oder
geräucherten Lebensmitteln, an Saife, Lichter, Oel u. s. w. im Grossen,
d. h. in ganzen Fässern, Kisten und dergl., die in einem stereotypen
Gewicht in den Handel kommen, und daher nie nachgewogen werden. So enthält
ein Fässchen Butter 14 Pfund, Speck 40 Pfund, Fleisch 180 Pfund u. s. w.
und man verlässt sich dabei ganz auf die Aussage des Kaufmanns. Auf dem
Markte selbst wird blos nach dem Augenmaase gekauft; die Fische nach der
Frische, Grösse und Qualität; Reis, Mais, Bohnen u. s. w. in Calabasschalen
zu festbestimmten Preisen und nach sehr variablen Gewichten.
In Cayenne herrscht in dieser Beziehung viel mehr Ordnung; man hat dort
eine Fleisch- und Fischhalle. Alles wird nach französischem Maase und
Gewicht gekauft und mit französischem Gelde bezahlt.
In Surinam rechnet man nach dem französischen Münzfusse, mit Banknoten von
fl. 250.-- bis auf 10 niederländische Cents.
Als kleinere Scheidemünze circuliren eine Menge Cents. Das Papiergeld,
das manchmal 30% unter seinem Nominalwerth stand, ist im Jahr 1847 ganz
abgeschafft und durch holländisches Silbergeld ersetzt worden. Ausserdem
sind eine Menge mexikanischer Piaster, französische Fünffranken und
Doublonen im Umlauf.
Ehe ich es wage, meine Meinung über die weiteren Einwohner und deren
Lebensweise auszusprechen, will ich zuerst eine kleine Schilderung unseres
Soldatenlebens geben, wobei ich glaube Jedermann davon überzeugen zu
können, dass wir vom Luxus der übrigen Stände ausgeschlossen sind.
Des Lebens erstes Bedürfniss, die Nahrung, ist fürs heisse Clima klüglich
berechnet, d. h. wenig und mager. Ausser einem Pfunde guten, weissen Brodes
wird eine, aus 5/14 Pfund Reis und 3/7 Pfund gesalzenem Fleische bereitete
Suppe vorgesetzt, deren Einfluss auf die Körperkräfte man nur dann
beurtheilen kann, wenn man sie selbst gegessen hat.
Des Mittags sind Bananen, die vom Solde eingekauft und mit 1/14 Pfund
Speckfett übergossen werden, die Hauptkost. Ueberdiess wurde jeden Morgen
ein Schnaps ausgetheilt, welchen die Meisten allem Uebrigen vorzogen.
Der monatliche Sold des Soldaten bestand aus circa 10 Gulden, wovon aber
verschiedene Abzüge gemacht wurden, so dass wenig genug übrig blieb.
Die Dienstverrichtungen in der Garnison waren jedoch grösstentheils eben so
leicht und bequem eingerichtet, als Nahrung und Kleidung spärlich berechnet
waren. Die viele freie Zeit, welche der Soldat hatte, und der Mangel an
anständigen Vergnügungen trug nicht wenig zu seiner Demoralisation bei.
Mancher Ankömmling ergibt sich aus langer Weile oder durch schlechte
Gesellschaft verleitet, dem Trunke, den man zu grösserer Bequemlichkeit im
Forte haben konnte.
Leider ist die bei weitem grössere Hälfte des Corps diesem Laster ergeben,
und da der Preis des Genevers für die Bedürfnisse des Soldaten zu hoch ist,
so ersetzt der wohlfeile Zuckerbranntwein, hier Dram genannt, denselben.
Es ist merkwürdig, zu welcher Fertigkeit es Einzelne im Trinken gebracht
haben; denn es gibt Manche (auch der Civilstand hat solche Matadoren), bei
welchen zwei Flaschen täglich ihre Sinne noch nicht umnebeln. Diess ist die
Ursache, warum der Soldat bei allen Einwohnern der Colonie in Misscredit
steht, und ungeachtet seiner weissen Farbe selbst von Negern nicht geachtet
wird. Man muss zwar gestehen, dass dieses Laster nicht blos unter den
Soldaten herrscht, die freilich die Folgen ihrer Excesse nie so zu
verheimlichen im Stande sind, wie die Bewohner der Stadt oder der
Pflanzungen, die ihren Rausch in den Hängematten =à leur aise= ausschlafen
können; aber so viel ist sicher, dass die Hälfte der Truppen Trunkenbolde
sind, wenn man der täglichen Erfahrung trauen darf. Die meisten Militärs
haben Weiber; denn die Liebe und der Wein, der aber hier durch Dram ersetzt
wird, spielen im Militärleben die Hauptrolle. Weiber sind es freilich,
aber keine Frauen; denn man hält das Band der Ehe für zu drückend, und
die Gewohnheit des Landes, unverheirathet leben zu können, ist zu
verführerisch, als dass man diess für eine Schande halten würde. Sieben
Achtel der ganzen älteren männlichen Bevölkerung Surinams haben solche
Maitressen, und unter 25 Kindern ist kaum eines ehlich geboren. Man
begreift leicht, dass der Soldat das Geldstück nicht aus der Münze bekommt,
und eine surinamische Missin muss schon ziemlich abgenützt seyn, wenn
sie sich von den Abfällen des dürftigen Soldatentisches nähren muss; die
meisten dieser farbigen Damen sind aber schlechte Haushälterinnen.
Kinder aus solchen Verbindungen der niederen Volksklasse und der Soldaten
wachsen auf, wie die Lilien auf dem Felde, d. h. es bekümmert sich kein
Mensch um sie.
Bei allen obscönen Scenen gegenwärtig gilt hier von ihnen mit vollem
Rechte: =Il n'y a plus d'enfants=; sie erhalten wenig oder keinen
Unterricht, und herangewachsen bringen sie es selten zu einer ordentlichen
Existenz.
Von den Officieren waren viele in alten Zeiten auf diese surinamische Weise
verheirathet, und wurden von ihren =quasi= Frauen nach allen Posten
der Colonie begleitet, wo sie die Haushaltung ihrer Männer führten. Ein
Officier, obgleich sein Gehalt denjenigen seines Ranges in Holland um ein
Drittel übersteigt, kann bei den theuren Lebensbedürfnissen, so sparsam
er es auch anlegen mag, in Garnison wenig oder nichts für die Zukunft
erübrigen. Es ist desshalb für jeden vortheilhaft, nach den Militärposten
detachirt zu werden, wo man Gelegenheit hat, die Finanzen zu verbessern,
da die Lebensmittel meist wohlfeiler sind, Wald und Flüsse überflüssig Wild
und Fische liefern, und mancher erlaubte Vortheil sich darbietet.
Es bestand unsere ganze Macht aus einem halben Bataillon Jäger, von
ungefähr 500 Mann, einer Compagnie Artillerie und einer Compagnie schwarzer
Soldaten. Die Garnison zu Paramaribo betrug beinahe 250 Mann, während der
Rest auf den verschiedenen Posten im Lande oder an der Seeküste detachirt
war, um 45,000 Negersclaven, im Falle sie rebelliren würden, im Zaume
zu halten. Dass diess noch nicht geschah, ist ein Beweis von der guten
Gesinnung der Neger, und widerspricht der Meinung von der grausamen
Behandlung der Sclaven durch die Holländer gänzlich.
Die Einwohner der Stadt bestehen aus Europäern, weissen Eingebornen,
farbigen Freien, und einer bei weitem grösseren Anzahl Sclaven[3].
Die Reichen sind, wie meistens überall, die Angesehensten; bei ihnen wird
auch auf die Farbe so genau nicht gesehen, obschon die meisten bedeutenden
Aemter durch Europäer besetzt sind. Der Kastengeist, der in früheren Zeiten
so manchem mittelmässigen Kopfe, wenn er nur weiss war, Ehre und Reichthum
verschaffte, hat sich bedeutend vermindert, und das Interesse oder vielmehr
die nicht mehr so günstigen Zeiten haben dieses Vorurtheil so ziemlich auf
die Seite geschafft.
Eine grosse Anzahl von Juden, welche wohl die Hälfte der weissen
Bevölkerung ausmacht, und von denen viele im Besitze ansehnlicher
Pflanzungen sind, hat sich seit den frühesten Zeiten der Colonie hier
eingenistet und treiben meistens Handel.
Handwerke werden beinahe ausschliesslich durch die farbige Race betrieben;
Sclaven dienen dabei als Gesellen, und schlechte und langsame Arbeit muss
theuer bezahlt werden.
Ueber das Leben der höheren Stände kann ich aus Erfahrung nur wenig mich
aussprechen, da mir meine Verhältnisse als Militär den Zutritt nicht
gestatteten. Aber so viel ist gewiss, dass unter den höheren und reicheren
Ständen nicht immer grosse Bildung herrscht, und Lectüre, Literatur und
feinere gesellige Vergnügungen hier nicht überall zu Hause sind.
Nach den höchsten Beamten der Colonie stehen die Administratoren der
Pflanzungen in grossem Ansehen. Da die meisten Eigenthümer von Pflanzungen
sich in Europa aufhalten, so werden diese durch Administratoren verwaltet.
Diese wohnen in Paramaribo, und haben die Leitung von verschiedenen,
manchmal wohl 30 Pflanzungen unter sich. Weil ihnen nun von allen
Einkünften gewisse Procente zukommen, und erstere bei einer Pflanzung
manchmal mehr als 5000 fl. betragen, so muss man sich über ein solches
Einkommen wundern, dessen Erwerb immerhin ein Mittagsschläfchen von 2-3
Stunden erlaubt. Weil nun auch viele Leute von diesen Herren abhängig sind,
so stehen sie überall in der höchsten Achtung.
Die Lebensweise der Bewohner Paramaribo's bietet wenig Veränderung dar, und
beschränkt sich hauptsächlich auf eine gute Tafel und andere körperliche
Genüsse. Ausser der Tafel, welche mit allem Köstlichen aus Surinam, Holland
und Nord-Amerika besetzt ist, besteht der grösste Luxus in Sclaven; denn
je mehr man deren zur Bedienung im Hause hat, desto vornehmer ist die
Haushaltung; dabei ist es gleichgültig, ob dieses Gesinde arbeitet oder
nicht. Eine Familie, welche 2-3 Kinder hat, kann ohne 6-8 Dienstboten nicht
wohl leben, welche man für Küche, Wäsche und Bedienung als unumgänglich
nothwendig erachtet. Hat man Gärten oder Pferde, so ist natürlich noch ein
Gärtner und ein Stallknecht nöthig. Wenn man nun die Kost für all dieses
Gesindel kaufen muss (was aber bei Plantagenbesitzern oder Administratoren
nicht der Fall ist), so erfordert eine solche Haushaltung ein enormes
Einkommen, da die jährlichen Ausgaben sich bald auf 6000 fl. belaufen[4].
Wie ich bereits oben bemerkte, sind Heirathen nach europäischem Begriffe
hier eben nicht sehr in der Mode; denn freie Haushälterinnen oder
Concubinen ersetzen beinahe überall die Hausfrauen, was durchaus keine
Schande ist. Kinder aus diesen Verbindungen werden zwar nicht vor Gericht,
doch sonst wie rechtmässige behandelt, und führen den Namen der Mutter.
Sparsamkeit und Ordnung sucht man in diesen Haushaltungen meistens
vergeblich; denn wenn auch der Mann kein Verschwender ist, so weiss doch
seine Frau das Geld so anzuwenden, dass von Glück zu sagen ist, wenn die
Einkünfte die Ausgaben decken. Meistens essen diese Haushälterinnen allein
oder laden Freundinnen (Maatjes) ein. Bei den mittleren und niederen,
freien Ständen, die vom Handwerk oder Nichtsthun leben, ist natürlich
das Wohlleben in weit geringerem Grade zu finden, und gar viele wissen
am Abende nicht, wovon sie am Morgen leben sollen, obgleich die wenigen
Bedürfnisse mit ein paar Stunden Arbeit gar leicht zu bestreiten sind.
Aber es herrscht auch unter den Eingebornen eine wirklich diogenische
Genügsamkeit, wenn kein Kaufmann mehr borgen will.
Nach dem Vorbild der Eltern bildet sich die Jugend, und nirgends wird wohl
die Erziehung so vernachlässigt seyn, als hier unter den niederen Ständen.
Nicht, dass es keine Schulen gäbe oder Anstalten, um arme Kinder zu
unterrichten, -- für beides ist gesorgt, aber den meisten Eltern ist es
gleichgültig wie ihre Kinder mit der Zeit haushalten und bekümmern sich
weder um ihre Spiele noch sonstigen Beschäftigungen.
Besitzt nun auch die Jugend noch so viel Beweglichkeit, um keine
Mittagsruhe in den Hängematten zu halten, so wird doch die Zeit nicht
besser angewendet, als um Vögel zu fangen, oder mit der Flinte in den Wald
zu schlendern. Ernste und anstrengende Arbeiten sind den meisten Creolen
ein Gräuel. -- Da im täglichen Umgange unter den Eingebornen blos
neger-englisch gesprochen wird, und ausser der Schulzeit die Kinder sich
wenig mit Lesen und Schreiben beschäftigen, so findet man nur sehr Wenige,
welche correct holländisch schreiben oder richtig sprechen können. Die
Geographie _Hollands_ lernen Alle vollständig und sie kennen jeden Fluss
oder jeden noch so unbedeutenden Flecken dieses Landes, das die Wenigsten
unter ihnen je zu sehen bekommen, aber um die Kenntniss der Producte,
der Lage und sonstigen Verhältnisse ihres eigenen so reichen Vaterlandes
bekümmern sie sich nicht. Diess mag wohl auch eine der Ursachen seyn, dass
Landbau und Industrie so vernachlässigt sind.
Ehe ich nun zur Erzählung meines einförmigen Garnisonslebens und der
kleinen Vorfälle im Laufe meiner Dienstzeit zurückkehre, will ich, um
den Zusammenhang nicht zu unterbrechen, die Sitten und Gebräuche auf den
Pflanzungen, soweit ich sie während meines langjährigen Aufenthalts habe
kennen lernen, schildern[5].
Die Pflanzungen, welche den Reichthum des Landes hervorbringen, liegen alle
längs der vielen Flüsse und Kreeken, welche die Colonie in allen Richtungen
durchschneiden und den Transport der Producte erleichtern.
Da das Land, soweit die Pflanzungen reichen, überall nieder ist, und diese
manchmal unterm Niveau des höchsten Wassers stehen, so war bei der Anlage
derselben eine dauerhafte Eindämmung, Anlage von Schleussen u. s. w.
nöthig, lauter Arbeiten, deren Kostspieligkeit und Mühe sich wohl keine
anderen, als holländische Ansiedler unterzogen haben würden, und die auch
in der Folgezeit durch die ungeheure Fruchtbarkeit reichlich vergütet
wurden.
Das Hauptproduct war und ist jetzt noch Zucker. Die Pflanzungen hievon sind
desshalb hinsichtlich der Anzahl von Negern auch die bedeutendsten, denn
sie haben 100-400 Sclaven.
Ich übergehe die allgemein bekannte Anpflanzung dieses sowie der anderen
Producte, und füge blos bei, dass die Arbeiten auf einer Zuckerpflanzung
beschwerlicher für die Neger sind, als auf einer anderen, da besonders bei
den Wassermühlen die Sclaven Tag und Nacht arbeiten müssen, weil solche
Werke nur mit den Springfluthen des vollen und neuen Mondes in Gang
gebracht werden können.
Die Dampfmaschinen, welche immer mehr in Gebrauch kommen, erlauben zwar
den Negern ihre Nachtruhe, erfordern aber viele Mühe und Kosten, weil
zur Feuerung der Maschine eine Menge Holz oder Steinkohlen nöthig ist.
Erfahrene Directoren ziehen ein gutes Wasserwerk jeder Dampfmaschine vor.
Das andere Product, das aber immer mehr in Abnahme kommt, ist Caffee. Auf
diesen Pflanzungen sind 40-200 Sclaven, welche ein ungleich besseres Leben
als die auf den Zuckerpflanzungen führen, indem ihre tägliche Nahrung, die
in Bananen besteht, immer reichlich vorhanden ist.
Im Schatten dieser Bananen stehen die Caffeebäume; eine Caffeepflanzung
liefert meistens Bananen nach den Zuckerpflanzungen, auf welchen diese
nicht in hinreichender Menge angepflanzt werden, wesshalb das Fehlende für
die Sclaven angekauft werden muss.
Das dritte bedeutende Product ist Baumwolle, welche in den Ländereien,
die in der Nähe der See liegen, vortrefflich gedeiht. Auch hier hat man
Pflanzungen von 300 Sclaven.
Die Zubereitung dieses Products wurde in der letzten Zeit bedeutend
vervollkommnet, und das langweilige Geschäft, den Cattun von den Körnern
zu scheiden, wird jetzt auf mehreren Pflanzungen durch kleine Dampfmühlen
verrichtet, die im Stande sind, mit der Hülfe von fünf Personen täglich bei
2000 Pfund Baumwolle rein zu mahlen, eine Arbeit, die auf gewöhnlichem Wege
eine Menge Neger beschäftigen würde.
Cacao und Indigo sind von weniger Bedeutung, da blos noch kleine
Pflanzungen davon existiren.
In den höher liegenden Gegenden sind die Holzgründe, welche für den
inländischen Gebrauch Balken und Bretter liefern. Es sind davon etwa 25
im Lande, welche 2400 Neger beschäftigen. Da das Holz, welches auf diesen
Etablissements bearbeitet wird, nicht als Ausfuhrproduct betrachtet werden
kann, und diese desshalb weniger bekannt sind, so halte ich es für nöthig,
noch einige Details darüber beizufügen.