Aus ~Hatschek~ Fig. 2.]

2) Zellkörper, die in ihrem Protoplasma zahlreiche und verschiedene

Einschlüsse enthalten.

Bei Pflanzen und einzelligen Organismen schliesst das Protoplasma

sehr häufig Flüssigkeitstropfen ein, in denen Salze, Zucker und

Albuminate in gelöstem Zustand (circulirendes Eiweiss) enthalten sind.

Je mehr wir uns von den Vegetationspunkten einer Pflanze, wo die oben

beschriebenen kleinsten, rein protoplasmatischen Elementartheile

angehäuft sind, weiter entfernen (Fig. 12 _A_), um so mehr vergrössern

sich unter beträchtlicher Verdickung der Cellulosemembran die einzelnen

Zellkammern (_C_) und erreichen oft mehr als das 100fache ihrer

ursprünglichen Grösse. Dieses Wachsthum beruht indessen zum kleinsten

Theile auf einer erheblichen Vermehrung des Protoplasmakörpers. Nie

wird man den Raum einer so grossen Pflanzenzelle ausschliesslich

von körnig-schleimiger Substanz ausgefüllt sehen. Die Vergrösserung

der Zelle wird vielmehr hauptsächlich dadurch herbeigeführt, dass

der ursprünglich kleine Protoplasmakörper an der Vegetationsspitze

Flüssigkeit aufnimmt und als Zellsaft in seinem Innern in kleinen

Hohlräumen, den +Vacuolen+, abscheidet. Er gewinnt dadurch ein

schaumiges Aussehen (Fig. 12 _B_, _s_).

Von einer Protoplasmaanhäufung, in welcher der Kern liegt,

gehen dickere und feinere Protoplasmahäutchen aus, welche als

Scheidewände die einzelnen Safträume von einander trennen und

sich an der Oberfläche zu einer zusammenhängenden Wandschicht

(+Primordialschlauch+) verbinden, welche sich der Innenfläche

der vergrösserten und durch Wachsthum verdickten Cellulosemembran

(_h_) anschmiegt.

[Illustration: =Fig. 12. Parenchymzellen aus der mittleren Schicht der

Wurzelrinde von Fritillaria imperialis; Längsschnitte, nach 550maliger

Vergrösserung.= Nach ~Sachs~ (II. 33) Fig. 75. _A_ dicht über der

Wurzelspitze liegende, sehr junge Zellen, noch ohne Zellsaft; _B_ die

gleichnamigen Zellen etwa 2 Millimeter über der Wurzelspitze, der

Zellsaft _s_ bildet im Protoplasma _p_ einzelne Tropfen, zwischen

denen Protoplasmawände liegen; _C_ die gleichnamigen Zellen etwa 7–8

Millimeter über der Wurzelspitze; die beiden Zellen rechts unten sind

von der Vorderfläche gesehen, die grosse Zelle links unten im optischen

Durchschnitt gesehen; die Zelle rechts oben durch den Schnitt geöffnet;

der Zellkern lässt unter dem Einfluss des eindringenden Wassers eine

eigenthümliche Quellungserscheinung wahrnehmen (_x_ _y_). _k_ Kern.

_kk_ Kernkörper. _h_ Membran.]

Hiervon lassen sich zwei verschiedene Zustände ableiten, welche die

ausgewachsene Pflanzenzelle darbietet. Durch weitere Vermehrung des

Zellsaftes werden die Vacuolen vergrössert und die Scheidewände

verdünnt. Letztere reissen endlich theilweise ein, so dass die

einzelnen Safträume sich durch Oeffnungen in Verbindung setzen

und einen einzigen zusammenhängenden Saftraum bilden. Der

Protoplasmakörper hat sich mithin jetzt umgewandelt in eine ziemlich

dünne, der Cellulosemembran anliegende Schicht und mehr oder minder

zahlreiche Protoplasmabalken und Fäden, welche den einheitlichen

grossen Flüssigkeitsraum durchsetzen. (Fig. 12 _C_ rechts u.

Fig. 13.) In anderen Fällen endlich sind auch diese Protoplasmabalken

im Innern der Zelle geschwunden. Der Protoplasmakörper besteht dann

einzig und allein noch aus einem dünnen Schlauch, welcher die

Innenfläche des Kämmerchens, um einen Ausdruck von +Sachs+ (II.

33) zu gebrauchen, wie eine Tapete die Zimmerwand bedeckt und einen

einzigen grossen Saftraum einschliesst. (Fig. 12 _C_ links

untere Zelle u. Fig. 59.) In sehr grossen Zellen ist dieser Schlauch

zuweilen so dünn, dass man ihn, vom Zellkern abgesehen, selbst bei

starker Vergrösserung kaum wahrnimmt und dass man, um ihn klar zur

Anschauung zu bringen, besondere Untersuchungsmethoden anwenden muss.

Das sind die Elementartheile, an deren Studium sich die älteren

Forscher wie Treviranus, Schleiden und Schwann ihre Vorstellung vom

Wesen der Zelle gebildet hatten. Kein Wunder daher, wenn sie in der

Zellenmembran und dem Kern die wesentlichen Zellentheile erblickten,

die Bedeutung des Protoplasma aber ganz übersahen. Dass letzteres

auch in der Pflanzenzelle der eigentliche lebende Körper ist und ohne

Zusammenhang mit der Membran zu leben vermag, ist durch folgende

Beobachtung, die in der Geschichte der Zellentheorie eine grosse

Rolle gespielt hat (I. 7), über jeden Zweifel sicher zu stellen.

Bei vielen Algen (Oedogonium, Fig. 14) löst sich der gesammte

Protoplasmakörper zur Zeit der Fortpflanzung von der Cellulosewand

ab, zieht sich unter Auspressung von Flüssigkeit zu einem geringeren

Volumen zusammen, so dass er den Kammerraum nicht mehr ganz

ausfüllt, und bildet eine bald kugelig, bald oval gestaltete nackte

Schwärmspore (_A_). Diese sprengt nach einiger Zeit ihre alte

Hülle, schlüpft durch die entstandene Oeffnung ins Freie und bewegt

sich im Wasser mit Wimpern (_C_), die sie auf ihrer Oberfläche

hervorgetrieben hat, ziemlich geschwind fort, um nach einiger Zeit

zur Ruhe zu kommen (_D_) und auf ihrer Oberfläche eine neue

zarte Membran auszuscheiden. So hat die Natur selbst uns den besten

Beweis geliefert, dass der Protoplasmakörper an sich der eigentliche

lebendige Elementarorganismus ist.

[Illustration: Fig.13]

[Illustration: Fig. 14.]

=Fig. 13. Eine Zelle aus einem Staubfadenhaar von Tradescantia

virginica.= Vergr. 240. Nach ~Strasburger~, Botanisches Praktikum

Fig. 23.

=Fig. 14. Oedogonium in Zoosporenbildung.= Nach ~Sachs~. Aus ~R.

Hertwig~, Zoologie Fig. 110. _A_ ein Stück des Algenfadens mit

ausschlüpfendem Zellinhalt. _C_ aus dem Inhalt hervorgegangene

Zoospore. _D_ Zoospore festsitzend in Keimung.

Eine ebenso reiche Vacuolenbildung und Saftabscheidung, wie

sie sich in Pflanzenzellen findet, zeigt uns zuweilen auch das

hüllenlose Protoplasma niederer, einzelliger Organismen, namentlich

einzelner Rhizopoden und Radiolarien. So bietet uns der in Figur

15 dargestellte Körper eines Actinosphärium ein völlig schaumiges

Aussehen dar, ähnlich einem durch Schlagen hergestellten feinen

Eiweiss- oder Seifenschaum. Zahllose kleinere und grössere, mit

Flüssigkeit erfüllte Vacuolen durchsetzen den ganzen Körper und

sind nur durch feine, zuweilen kaum messbar dicke Scheidewände von

Protoplasma getrennt, das aus einer homogenen Grundsubstanz mit

eingebetteten Körnchen besteht.

[Illustration: =Fig. 15. Actinosphärium Eichhorni.= Nach ~R.

Hertwig~, Zoologie Fig. 117. _M_ Marksubstanz mit Kernen (_n_). _R_

Rindensubstanz mit contractilen Vacuolen (_ev_), _Na_ Nahrungskörper.]

Durch die Vacuolenbildung wird der Protoplasmakörper aufgelockert und

werden Flächen in ihm geschaffen, an denen die Protoplasmatheilchen

in unmittelbare Wechselwirkung zu der in den Vacuolen enthaltenen

Nährlösung treten können. Durch die ganze Einrichtung wird offenbar

die Stoffaufnahme und Abgabe ungemein erleichtert. Sie kann als

innere Oberflächenvergrösserung der äusseren Oberflächenvergrösserung

gegenübergestellt werden, welche sich uns in der Bildung

reichverzweigter Pseudopodien (Fig. 10) darbietet und wohl dem

gleichen Zwecke dient.

Im Gegensatz zu den pflanzlichen Zellen findet in den thierischen

Elementartheilen Vacuolenbildung und Saftausscheidung ausserordentlich

selten, wie z. B. in den Chordazellen, statt; dagegen werden hier

häufiger Einschlüsse gebildet, die einen gequollenen oder festen

Aggregatzustand darbieten, Glycogen- und Schleimtropfen, Fettkugeln,

Eiweissschollen etc. Wenn dieselben sehr reichlich und zahlreich

entwickelt sind, so kann im Zellkörper das Protoplasma auch zu einem

Schaumwerk, wie bei einem Actinosphärium (Fig. 15) oder einem Netzwerk,

wie in der Tradescantiazelle (Fig. 13) umgewandelt sein, nur dass die

Zwischenräume anstatt mit Saft mit dichteren Substanzen erfüllt sind.

Die schönsten Beispiele bieten uns manche Arten thierischer Eizellen.

Die ganz ausserordentliche Grösse, welche dieselben in manchen

Fällen erreichen, beruht weniger auf einer Zunahme von Protoplasma,

als vielmehr auf einer Ablagerung chemisch sehr verschiedenartiger,

bald geformter, bald ungeformter Reservestoffe, die für spätere

Verwerthung im Stoffwechsel der Zelle bestimmt sind. Oft scheint die

Eizelle fast ganz aus ihnen zu bestehen. Das Protoplasma füllt nur

die kleinen Lücken zwischen ihnen aus, wie der Mörtel zwischen den

Steinen eines Mauerwerks (Fig. 16); auf dem Durchschnitt durch ein

Ei erscheint es als ein zartes Netzwerk, in dessen kleineren und

grösseren Maschen die Reservestoffe liegen. Nur an der Oberfläche des

Eies und in der Umgebung des Keimbläschens findet sich Protoplasma

als eine dickere, zusammenhängende Schicht.

[Illustration: Fig. 16.]

[Illustration: Fig. 17.]

=Fig. 16. Eben befruchtetes Ei von Ascaris megalocephala.= Nach

~van Beneden~. Aus ~O. Hertwig~ Fig. 22. _sk_

Eingedrungener Samenkörper mit dem Samenkern. _f_ Fettglänzende

Substanz des Samenkörpers. _kb_ Keimbläschen.

=Fig. 17. Becherzelle aus dem Blasenepithel von Squatina vulgaris,

in Müller’scher Flüssigkeit erhärtet.= Nach ~List~ Taf. I,

Fig. 9.

Ein zweites Beispiel eines schönen, durch Stoffeinlagerung

hervorgerufenen, protoplasmatischen Gerüstwerks bieten uns die

Schleimzellen der Wirbelthiere (Fig. 17) und wirbellosen Thiere dar.

Sie lassen einen der Epitheloberfläche zugewandten, ausgeweiteten

und einen engeren, basalen Abschnitt unterscheiden. Der erstere

besteht hauptsächlich aus homogener, glänzender Secretmasse, der

mucigenen Substanz, die aus dem Becher durch eine kleine Oeffnung am

freien Ende desselben zeitweise entleert und in Schleim umgewandelt

wird. Das Protoplasma durchsetzt in feinen Fäden, die sich zu einem

weitmaschigen Netzwerk verbinden, die Secretmasse und bildet nur im

Fusstheil der Zelle einen compacteren Körper, in welchem dann auch

der Kern eingeschlossen ist.

II. Die chemisch-physikalischen und morphologischen Eigenschaften des

Zellenkerns. (Nucleus.)

Ebenso wichtig wie das Protoplasma ist für das Wesen der Zelle

der Zellenkern; derselbe wurde 1833 von Robert Brown (I. 5) in

Pflanzenzellen zuerst entdeckt; bald darauf machten ihn Schleiden

(I. 28) und Schwann (I. 31) zum Mittelpunkt ihrer Theorie der

Zellenbildung. Dann trat das Studium des Zellenkerns eine Zeit lang

in den Hintergrund, als man mit den interessanten Lebenserscheinungen

des Protoplasma näher bekannt wurde. Erst im Laufe der letzten 20

Jahre ist eine Entdeckung der andern auf dem Gebiet der Kernlehre

gefolgt und hat das vernachlässigte Gebilde dem Protoplasmakörper des

Elementarorganismus als gleichwerthig erscheinen lassen.

In der Geschichte des Zellenkerns lässt sich eine gewisse Analogie

mit der Geschichte der Zellentheorie nicht verkennen. Auch den

Zellenkern fasste man zuerst als ein Bläschen, ja geradezu als eine

kleinere Zelle in der grösseren Zelle auf. Wie man dann in der Zelle

das Protoplasma als die lebensthätige Substanz beurtheilen lernte, so

sah man später auch beim Kern ein, dass die Form des Bläschens etwas

Nebensächliches sei, dass die Lebensthätigkeit des Kerns vielmehr an

gewisse Substanzen gebunden ist, die im Kernraum enthalten sind und

uns in sehr verschiedener Anordnung im ruhenden und thätigen Zustand

entgegentreten können.

Richard Hertwig (II. 18) hat diesen Gesichtspunkt in einer kleinen

Abhandlung „Beiträge zu einer einheitlichen Auffassung der

verschiedenen Kernformen“ zuerst klar ausgesprochen in den Worten:

„Als den wichtigsten Punkt für eine einheitliche Beurtheilung

der verschiedenen Kernformen muss ich gleich am Anfang meiner

Betrachtungen hervorheben, dass sich bei allen Kernen eine gewisse

stoffliche Uebereinstimmung erkennen lässt. Ob wir nun Zellkerne von

Thieren, Pflanzen oder Protisten untersuchen mögen, stets finden wir,

dass sie mehr oder minder von einer Substanz gebildet werden, welche

ich im Anschluss an frühere Autoren als „Kernsubstanz“ (Nucleïn)

bezeichnen werde. Von der Charakteristik dieser Substanz müssen wir

ausgehen, ebenso wie derjenige, welcher das Wesentliche der Zelle

schildern will, zunächst mit der Zellsubstanz oder dem Protoplasma

beginnen muss.“

Wir definiren daher jetzt den Kern nicht mehr im Sinne von Schleiden

und Schwann als ein kleines Bläschen in der Zelle, sondern als

ein +vom Protoplasma unterschiedenes und in gewissem Grade

abgesondertes Quantum eigenthümlicher Kernsubstanzen, welche in sehr

verschiedenartigen Formzuständen sowohl im ruhenden, als auch im

activen Zustand bei der Theilung auftreten können+.

Wir betrachten nach einander die Form, die Grösse und die Zahl der

Kerne in einer Zelle, alsdann die im Kern enthaltenen Substanzen und

ihre verschiedenartige Anordnungsweise (die Kernstructur).

a) Form, Grösse und Zahl der Kerne.

Gewöhnlich erscheint uns der Kern in pflanzlichen und thierischen

Zellen als ein mitten in der Zelle gelegener, kugeliger oder ovaler

Körper (Fig. 1, 2, 6, 16). Da derselbe häufig reicher an Flüssigkeit

ist, als das Protoplasma, lässt er sich von letzterem auch in dem

lebenden Object als ein heller, matt contourirter Fleck, als ein

Bläschen oder als Vacuole unterscheiden. Das ist aber nicht immer

der Fall. An vielen Objecten, Lymphkörperchen, Zellen der Hornhaut,

Epithelzellen der Kiemenblättchen von Salamanderlarven ist der Kern

im lebenden Zustand nicht zu beobachten, wird aber sofort beim

Absterben der Zelle oder bei Zusatz von destillirtem Wasser oder von

verdünnten Säuren in Folge eintretender Gerinnung deutlich.

Bei manchen Zellarten und niederen Organismen bietet uns der Kern

sehr abweichende Formen dar. Bald bildet er ein Hufeisen (manche

Infusorien), bald einen langen, mehr oder minder gewundenen Strang

(Vorticellen), bald ist er ein reich verästelter Körper, der die

Zelle nach den verschiedensten Richtungen durchsetzt (Fig. 18 B u.

C). Letztere Kernform kommt namentlich in den grossen Drüsenzellen

vieler Insecten vor (in den Malpighi’schen Röhren, Spinn- und

Speicheldrüsen etc.), ebenso in Drüsenzellen von Phronima, einer

Crustacee.

[Illustration: =Fig. 18.= Nach ~Paul Mayer~. Aus

~Korschelt~ Fig. 12.

_A_ Ein Stück vom siebenten Bein einer jungen Phronima von 5 mm

Länge. Vergr. 90. _B_ Ein Stück des sechsten Beines einer halb

erwachsenen Phronimella. Vergr. 90. _C_ Eine Zellgruppe der

Drüse im sechsten Bein von Phronimella. Nur in zwei Zellen ist der

Kern eingezeichnet. Vergr. 90.]

Die +Grösse+, welche ein Kern erreicht, steht in der Regel

in einer gewissen Proportion zu der Grösse des ihn umhüllenden

Protoplasmakörpers. Je grösser dieser ist, um so grösser ist der

Kern. So finden sich in den grossen Ganglienzellen der Spinalknoten

auffallend grosse, bläschenförmige Kerne. Ganz riesige Dimensionen

aber erreichen dieselben in unreifen Eizellen und zwar in einem ihrer

Grösse entsprechenden Maassstabe. Aus unreifen Eiern von Fischen,

Amphibien und Reptilien lassen sich in Folge dessen die Kerne mit

Nadeln leicht herauspräpariren und vollständig isoliren, wobei sie

mit unbewaffnetem Auge als kleine Punkte erkennbar sind. Doch sind

Ausnahmen von der Regel hervorzuheben. Denn dieselben Eier, welche

im unreifen Zustand so ansehnliche Kerne beherbergen, enthalten im

reifen und im befruchteten Zustand einen so winzigen Kern, dass sein

Nachweis mit den allergrössten Schwierigkeiten verbunden ist.

Niederste Organismen besitzen, wenn sie von beträchtlicher Grösse

sind, häufig einen einzigen grossen Kern; derselbe erreicht ganz

riesige Dimensionen im Binnenbläschen vieler Radiolarien.

Was die +Zahlenverhältnisse+ endlich betrifft, so ist bei

Pflanzen und Thieren das gewöhnliche, dass in +jeder+ Zelle nur

+ein+ Kern vorhanden ist. Einzelne Elementartheile machen davon

eine Ausnahme. Leberzellen zeigen häufig 2 Kerne; bis 100 Kerne und

mehr sind in den Riesenzellen des Knochenmarks, in den Osteoklasten,

in Zellen mancher krankhafter Geschwülste eingeschlossen. Durch

+Vielkernigkeit+ zeichnen sich, wie Schmitz entdeckt hat,

die Zellen vieler Pilze und mancher niederer Pflanzen aus, der

Cladophoren (Fig. 19) und Siphoneen (Botrydium, Vaucheria, Caulerpa

etc.).

Vielkernig sind zahlreiche niederste Organismen, wie die Myxomyceten,

viele Mono- und Polythalamien, Radiolarien und Infusorien (Opalina

ranarum). Die Kerne sind hier häufig so klein und in so grosser

Anzahl im Protoplasma vertheilt, dass ihr Nachweis erst in jüngster

Zeit bei Anwendung der vervollkommneten Färbemethoden geglückt ist.

(Myxomyceten).

b) Die Kernsubstanzen.

In stofflicher Hinsicht ist der Zellenkern ein ziemlich

zusammengesetztes Gebilde. Stets lassen sich in ihm 2, sehr häufig

aber 3 bis 4 chemisch definirbare und mikroskopisch unterscheidbare

Proteinsubstanzen nachweisen. Die beiden stets wiederkehrenden

Substanzen sind: Nuclein oder Chromatin, und Paranuclein oder

Pyrenin; zu ihnen sind meist noch hinzugesellt: Linin, Kernsaft und

Amphipyrenin.

[Illustration: =Fig. 19. Cladophora glomerata. Eine Zelle

des Fadens nach einem Chromsäure-Carmin-Präparat.= Nach

~Strasburger~, Bot. Prakticum Fig. 121.

_n_ Zellkerne, _ch_ Chromatophoren, _p_ Amylumheerde,

_a_ Stärkekörnchen. Vergr. 540.]

Das +Nuclein+ oder +Chromatin+ ist die für den Kern am

meisten charakteristische und gewöhnlich an Masse überwiegende

Proteinsubstanz. In frischem Zustand ähnlich wie körnchenfreies

Protoplasma aussehend, unterscheidet es sich von demselben in

sehr prägnanter Weise namentlich durch sein Verhalten bestimmten

Farbstoffen gegenüber. Nachdem es durch Reagentien zur Gerinnung

gebracht ist, speichert es, wie zuerst durch +Gerlach+ entdeckt

worden ist, Farbstoffe aus zweckmässig hergestellten Lösungen

(Lösungen von Carmin, Haematoxylin, Anilinfarben) in sich auf. Mehr

noch als im ruhenden Zustand des Kerns ist dies in den Vorstadien

zu seiner Theilung und während der Theilung selbst der Fall. Ob es

sich hierbei um chemische oder um physikalische Vorgänge handelt,

ist zur Zeit noch nicht festgestellt. Die Kunst des Färbens oder

Tingirens ist jetzt schon so weit ausgebildet worden, dass es leicht

gelingt das Nuclein des Kerns allein durch irgend eine Färbung

scharf hervorzuheben, während der übrige Inhalt des Kerns und der

Protoplasmakörper entweder vollständig farblos bleiben oder nur

sehr wenig mitgefärbt sind. Auf diese Weise gelingt es, selbst

Nucleintheilchen, die nur die Grösse eines Bacteriums etwa besitzen,

in relativ grossen Protoplasmakörpern kenntlich zu machen, wie zum

Beispiel die winzigen Köpfe von Samenfäden oder die Chromosomen der

Richtungsspindel mitten im Körper grosser Eizellen.

Von grosser theoretischer Tragweite dürfte vielleicht einmal die

von Fol. (II. 13) betonte Thatsache werden, „dass die Kernfärbung

aus neutralen Farbstoffauflösungen stets diejenige Nüance aufweist,

welche die betreffende Farbe beim Zusatz geringer Mengen eines

basisch reagirenden Stoffes annimmt. So geht z. B. der rothe

Alauncarmin in die Lilafarbe über, wenn die Lösung schwach alkalisch

gemacht wird, das violette Böhmer’sche Haematoxylin wird blau, das

rothe Ribesin blaugrünlich, der rothe Farbstoff des Rothkohles

verwandelt sich in grün. Dementsprechend sehen wir denn auch, dass

in neutralen Auflösungen dieser Stoffe gefärbte Gewebskerne eine

mit der letzteren übereinstimmende Tinction aufweisen, also lila

in Alauncarmin, blau in Haematoxylin, hellblau in Ribesin, grün

im Rothkohlfarbstoff. +Der färbbare Theil des Zellenkerns (das

Nuclein) verhält sich im allgemeinen dem an ihn gebundenen Farbstoffe

gegenüber wie ein schwach alkalischer Körper.+“ (Fol.)

Auch sonst zeigt das Nuclein in chemischer Hinsicht charakteristische

Reactionen, die bei der Conservirung der Kernstructuren im Auge zu

behalten sind. (Schwarz II. 37, Zacharias II. 43–45.) Es quillt in

destillirtem Wasser, desgleichen auch in sehr verdünnten alkalischen

Lösungen sowie in zwei- und mehrprocentigen Lösungen von Kochsalz,

schwefelsaurer Magnesia, Monokaliumphosphat und Kalkwasser. Bei

Anwendung von 10 bis 20% Lösungen der genannten Salze geht es unter

Quellung allmählich ganz in Lösung über. Desgleichen wird es in

einem Gemisch von Ferrocyankalium + Essigsäure oder in concentrirter

Salzsäure, oder wenn es der Trypsinverdauung unterworfen wird,

vollständig aufgelöst. In Essigsäure in Concentrationen von 1–50%

wird es ziemlich unverändert zur Fällung gebracht, wobei es sich

durch stärkere Lichtbrechung und eigenartigen Glanz vom Protoplasma

mitunter sehr scharf abhebt. Im Kernraum tritt es uns (Fig. 20) bald

in Form isolirter Körnchen (_A_), oder als feines Netzwerk

(_B_ _C_) oder in Fäden (_D_) entgegen.

[Illustration: =Fig. 20.= _A_ Ruhender Kern einer

Ursamenzelle von Ascaris megalocephala bivalens. _B_ Kern einer

Samenmutterzelle aus dem Anfang der Wachsthumszone von Ascaris

megalocephala bivalens. _C_ Ruhender Kern einer Samenmutterzelle

aus der Wachsthumszone von Ascaris megalocephala bivalens.

_D_ Bläschenförmiger Kern einer Samenmutterzelle von Ascaris

megalocephala bivalens am Anfang der Theilzone in Vorbereitung zur

Theilung.]

Das Nuclein hat Miescher (II. 49) aus Eiterkörperchen und aus

thierischen Samenfäden, in deren Köpfen es enthalten ist,

rein darzustellen versucht. In seiner Zusammensetzung spielt

Phosphorsäure, die wenigstens zu 3% vertreten ist, eine wichtige

Rolle. Manches spricht dafür, dass das Nuclein des Kerns „eine

Vereinigung eines eiweissartigen Körpers mit einem organischen,

Phosphorsäure enthaltenden Atomcomplex darstellt“. (Kossel II. 35.)

Letzteren hat man als Nucleinsäure bezeichnet und Miescher hat für

dieselbe die Formel C₂₉H₄₉N₉P₃O₂₂ berechnet.

„Bei längerer Einwirkung von verdünnten Säuren oder Alkalien,

selbst schon beim Aufbewahren im feuchten Zustand werden die

Nucleine zerlegt unter Bildung von Eiweiss und stickstoffreichen

Basen, daneben spaltet sich Phosphorsäure ab. Die beiden letzteren

Spaltungsproducte bilden sich auch aus den Nucleinsäuren. Die Basen

sind: Adenin, Hypoxanthin, Guanin, Xanthin“.

Das +Paranuclein oder Pyrenin+ ist eine Proteinsubstanz,

welche wohl in keinem Kern fehlt, doch ist seine Rolle für die

Lebensprocesse des Kerns noch unklar und viel weniger gut als die des

Nucleins erkannt. Es kommt im Kern in der Form kleiner Kügelchen vor,

die als echte Nucleolen oder Kernkörperchen beschrieben werden (Fig.

20).

Allen Mitteln, in welchen die Nucleinsubstanzen quellen, destillirtem

Wasser, sehr dünnen alkalischen Lösungen, Lösungen aus Kochsalz,

schwefelsaurer Magnesia, Monokaliumphosphat, Kalkwasser, leisten

die Körperchen aus Paranuclein Widerstand. Während die aus Nuclein

bestehenden Structuren schwinden, sind in dem Kernraum, der ein

homogenes Aussehen gewonnen hat, die aus Paranuclein bestehenden

Gebilde oft mit grosser Deutlichkeit, stets besser als im lebenden

Kern, zu erkennen. Hieraus erklärt es sich, dass bereits den älteren

Histologen, Schleiden und Schwann, die gewöhnlich die Gewebe nach

Zusatz von Wasser untersuchten, die Kernkörperchen wohl bekannt waren.

Ein sehr brauchbares Mittel, um sie sichtbar zu machen, ist die

Osmiumsäure, durch welche sie besonders stark lichtbrechend werden,

während die Nucleinstructuren verblassen.

Bei Einwirkung von 1 bis 50% Essigsäure verhalten sich Paranuclein

und Nuclein gerade entgegengesetzt. Während letzteres zur Gerinnung

gebracht wird und einen starken Glanz erhält, quellen die Kernkörper

mehr oder minder bedeutend auf und können ganz durchsichtig werden,

ohne indessen in Lösung überzugehen; denn beim Auswaschen der

Essigsäure werden sie wieder unter Schrumpfungserscheinungen besser

sichtbar.

Hervorzuheben ist ferner im Gegensatz zum Nuclein die Unlöslichkeit

des Paranuclein in 20% Kochsalz, in gesättigten Lösungen

von schwefelsaurer Magnesia, 1% und 5% Monokaliumphosphat,

Ferrocyankalium plus Essigsäure, schwefelsaurem Kupfer; endlich ist

es in Trypsin sehr schwer verdaubar.

Auch bei Behandlung mit Farbstoffen zeigt sich zwischen Nuclein und

Paranuclein ein gewisses gegensätzliches Verhalten. Wie +Zacharias+

bemerkt und ich aus eigener Erfahrung im Allgemeinen bestätigen

kann, färben sich Nucleinkörper besonders scharf und intensiv in

saueren Farbstofflösungen (Essigcarmin, Methylessigsäure), während

die Paranucleinkörper fast farblos bleiben. Umgekehrt tingiren

sich letztere besser in ammoniakalischen Farbstofflösungen, wie

in Ammoniakcarmin etc. Manche Farbstoffe haben zum Paranuclein

eine grössere Verwandtschaft, wie Eosin, Säurefuchsin etc. Mit

Berücksichtigung dieses Umstandes ist es möglich, bei gleichzeitiger

Anwendung zweier Farbstoffe Doppelfärbung zu erzielen der Art,

dass die Nucleinkörper in einer anderen Farbe erscheinen, wie die

Paranucleinkörper (Fuchsin und Solidgrün, Haematoxylin und Eosin etc.,

Biondi’sches Gemisch); da indessen das Wesen des Färbungsprocesses

selbst uns noch wenig verständlich ist, ist es auf diesem Gebiet zur

Zeit nicht möglich, durchgreifende Regeln über die Tingirbarkeit der

beiden Kernsubstanzen aufzustellen.

+Nuclein und Paranuclein betrachte ich als die wesentlichen Substanzen

des Kerns+, auf deren Vorhandensein seine physiologischen Leistungen in

erster Linie beruhen. Beide scheinen mir in irgendwelchen Beziehungen

zu einander zu stehen. Flemming (II. 10) spricht die Vermuthung aus,

dass die Kernkörperchen besondere Reproductions- und Ansammlungsstellen

des Nucleins sind und vielleicht eine chemische Vorstufe desselben

darstellen. Zu einer Entscheidung dieser Fragen reicht das vorhandene

Beobachtungsmaterial nicht aus.

Von mehr nebensächlicher Bedeutung scheinen mir 3 andere im Kern

noch unterscheidbare Substanzen zu sein, welche vielleicht überhaupt

nicht stets vorhanden sind, das +Linin+, +der Kernsaft+, und +das

Amphipyrenin+.

Als +Linin+ bezeichnet +Schwarz+ (II. 37) den Stoff von Fäden, welche

in vielen Fällen in dem Kernraum ein Netz- oder Gerüstwerk bilden, sich

nicht in den gewöhnlichen Kernfärbungsmitteln tingiren lassen und sich

hierdurch sowie auch in ihren chemischen Reactionen wesentlich vom

Nuclein unterscheiden, das ihnen meist in Form von Körnchen und Brocken

aufgelagert ist. (Fig. 20 _A_ und _C_.) In mancher Hinsicht ähnelt

es dem Plastin des Zellkörpers, welchen Namen ihm denn auch geradezu

Zacharias gegeben hat.

Der +Kernsaft+ ist bald nur spärlich, bald reichlicher

vorhanden; er füllt die Lücken zwischen den aus Nuclein, Linin

und Paranuclein bestehenden Structuren aus. Er lässt sich dem in

einem vacuoligen Protoplasma enthaltenen Zellsaft vergleichen und

spielt wohl dieselbe Rolle für die Ernährung der Kernsubstanzen,

wie dieser für die Ernährung des Protoplasma. Bei Einwirkung von

manchen Reagentien, wie absolutem Alkohol, Chromsäure etc., treten

im Kernsaft feinkörnige Niederschläge auf, welche als Kunstproducte

nicht mit normalen Structuren zu verwechseln sind. Es müssen daher in

ihm verschiedenartige Stoffe, darunter vielleicht auch Albuminate,

gelöst sein, welche Zacharias mit einem wohl entbehrlichen Wort als

Paralinin zusammenfasst.

Unter +Amphipyrenin+ endlich versteht Zacharias die Substanz

der Membran, durch welche der Kernraum gegen das Protoplasma,

wie dieses durch die Zellhaut nach Aussen abgegrenzt ist. Das

Vorhandensein einer Kernmembran ist in vielen Fällen ebenso schwer

festzustellen, wie der Streit zu entscheiden ist, ob manche Zellen

von einer Membran umhüllt sind oder nicht. Am leichtesten ist sie

an den grossen Keimbläschen vieler Eier, wie z. B. von Amphibien

nachzuweisen, wo sie zugleich eine nicht unbeträchtliche Festigkeit

besitzt. In Folge dessen gelingt es leicht, aus unreifen Eiern das

Keimbläschen vollständig unversehrt mit der Nadel zu isoliren. Man

kann dann mit der Nadel auch die Kernmembran zerreissen und den von

ihr eingeschlossenen Inhalt zum Ausfliessen und zur Vertheilung in

der Untersuchungsflüssigkeit bringen. Ebenso sicher scheint mir

aber in anderen Fällen eine eigene Kernmembran zu fehlen, so dass

Kernsubstanz und Protoplasma unmittelbar an einander grenzen. So

wurde sie z. B. von Flemming (II. 10) in den Blutzellen von Amphibien

und ebenso von mir in den Kernen von Samenmutterzellen der Nematoden

auf einem bestimmten Stadium (Fig. 20 _B_) vermisst.

Wie für den Protoplasmakörper, hat +Altmann+ auch für den Kern

eine Zusammensetzung aus Granula mittelst einer eigenartigen Färbung

durch Cyanin nachzuweisen versucht. Es ist ihm hierdurch gelungen,

den Saft, welcher die Lücken im Kernnetz ausfüllt, intensiv zu färben

und so Körner darzustellen, während das Kernnetz ungefärbt bleibt

und als Intergranularsubstanz bezeichnet wird. Altmann hat auf diese

Weise den negativen Abdruck von der Kernstructur erhalten, wie sie

sich bei Anwendung der gebräuchlichen Kernfarbstoffe durch Färbung

des Kernnetzes ausprägt. Indem er die Granula als Hauptbestandtheil

des Kerns betrachtet, kommt er zu einer entgegengesetzten

Auffassung von der jetzt herrschenden Meinung von der Bedeutung

der Kernsubstanzen, nach welcher der Kernsaft als minderwerthig im

Vergleich zu dem Nuclein und Paranuclein erscheint.

c) Die Kernstructur. Beispiele für die verschiedene Beschaffenheit

derselben.

Die oben aufgeführten Substanzen, von denen wenigstens das Nuclein

und Paranuclein niemals fehlen, erscheinen in den Kernen der

verschiedensten pflanzlichen und thierischen Zellen unter sehr

mannigfachen Formzuständen; namentlich gilt dies von dem Nuclein,

das man bald in feinen Körnchen, bald in Fäden, bald in Form

grösserer Körper, bald als ein Gerüst, bald als Wabenwerk im Kernraum

verbreitet sieht. Dabei kann in verschiedenen Lebensphasen einer

Zelle die eine Structur in die andere übergehen.

Bei einer Definition des Kerns ist daher von der wechselnden Form

ganz abzusehen und es ist der Schwerpunkt, wie bei der Definition

der Zelle in das Protoplasma, so bei dem Kern in die in ihm

enthaltene wirksame Substanz zu legen. „Der Kern ist ein vom

Protoplasma unterschiedenes und in gewissem Grade abgesondertes

Quantum eigenthümlicher Kernsubstanzen.“ Deswegen sollte bei allen

Beschreibungen des Kerns auf die substanzielle Beschaffenheit seiner

Structurtheile mehr, als es häufig geschieht, geachtet werden.

Um eine Vorstellung von der Mannigfaltigkeit, welche die innere

Structur des ruhenden Kerns darbietet, zu geben, soll wieder eine

Auswahl einiger prägnanter Beispiele dienen.

[Illustration: =Fig. 21. Samenfaden von Salamandra maculata.=

_k_ Kopf. _m._ Mittelstück. _ef_ Endfaden. _sp._

Spitze. _u_ undulirende Membran.]

Unstreitig die +einfachste Structur+ -- wenn wir von den später

zu erörternden molekularen Verhältnissen absehen -- zeigen uns die

+Kerne der reifen Samenzellen+. Wenn die Samenzellen, wie

gewöhnlich, eine fadenförmige Gestalt, welche zum Einbohren in die

Eizelle am geeignetsten ist, angenommen haben, bilden die Kerne das

vorderste Ende des Fadens oder seinen Kopf. Bei Salamandra maculata

hat der Kopf die Form eines in eine scharfe Spitze auslaufenden

Schwertes (Fig. 21 _k_); er besteht aus dichtem Nuclein, das

auch bei stärkster Vergrösserung einen homogenen Eindruck macht.

An den Kopf grenzt ein kurzer cylindrischer, gleichfalls homogen

aussehender Körper, das sogenannte Mittelstück (_m_), welches

die Reaction des Paranucleins darbietet. Es ist daher wahrscheinlich

mit zum Kerntheil des Samenfadens hinzuzurechnen, was indessen durch

Verfolgung seiner Entwicklung erst noch festgestellt werden muss.

Auch in Samenelementen, welche die Form einer Zelle beibehalten

haben, erscheint der Kern als ein compacter, kugeliger Nucleinkörper;

so bei Ascaris megalocephala (Fig. 22), dessen Samenelemente im

unreifen Zustande die Form einer ziemlich grossen, runden Zelle

haben und später bei vollständiger Reife die Form eines Fingerhutes

annehmen.

[Illustration: =Fig. 22. Samenkörper von Ascaris megalocephala.= Nach

~van Beneden~. Aus ~O. Hertwig~, Entwgesch. Fig. 21.

_k_ Kern. _b_ Basis des Kegels, mit welchem die Anheftung am Ei

erfolgt. _f_ Fettglänzende Substanz.]

Der einfache Zustand, in welchem uns die Kerne der Samenzellen,

gewissermaassen nur aus activen Kernsubstanzen zusammengesetzt

und frei von anderen Beimischungen, entgegentreten, muss den

naturgemässen Ausgangspunkt für eine richtige Beurtheilung der

übrigen Kernformen abgeben. +Es lassen sich dann nämlich die

verschiedenen Structuren, die man bei pflanzlichen und thierischen

Kernen wahrnimmt, hauptsächlich auf das eine Moment zurückführen,

dass die activen Kernsubstanzen eine grosse Neigung haben,

Flüssigkeit und in dieser gelöste Stoffe in sich aufzunehmen und in

Lücken abzuscheiden+ meist in solchem Maasse, dass der ganze Kern

das Aussehen eines in Protoplasma eingeschlossenen Bläschens gewinnt.

Es tritt also bei ihnen im wesentlichen ein ähnlicher Vorgang

ein, wie beim Protoplasma, in welchem sich Zellsaft in Vacuolen

oder grossen Safträumen ansammelt. In beiden Fällen werden wohl

die Vorgänge die gleiche Bedeutung haben. Sie werden in Beziehung

zum Stoffwechsel der Zelle und des Kernes stehen, indem in der

Flüssigkeit Stoffe in Lösung enthalten sind, welche mit den activen

Substanzen in Folge der grösseren Oberflächenentwicklung derselben in

leichteren Austausch treten.

Der +Vorgang der Saftaufnahme+ lässt sich direct beobachten,

wenn nach der Befruchtung der Samenkern in der Eizelle in Function

tritt. In manchen Fällen beginnt er dann allmählich auf das

10–20fache seiner ursprünglichen Grösse anzuschwellen, und zwar

nicht durch Vermehrung seiner activen Substanz, deren Quantum genau

das gleiche bleibt, sondern einzig und allein durch Aufnahme von

flüssigen, gelösten Stoffen aus dem Dotter. In dem zu einem Bläschen

umgebildeten Samenkern ist das Nuclein in feinen Fäden zu einem Netz

ausgebreitet; ferner sind auch ein bis zwei Kügelchen aus Paranuclein

(Nucleolen) anzutreffen. Ein ähnlicher Vorgang wiederholt sich bei

jeder Kerntheilung während der Reconstruction der Tochterkerne.

Je nachdem nun der Kern eine geringere oder grössere Menge von

Kernsaft aufgenommen, haben sich seine festen Substanzen, die oben

als Linin und Nuclein chemisch näher charakterisirt wurden, +bald

zu einem feineren, bald gröberem Gerüstwerk+ angeordnet. Einen

Einblick in verschiedene Modifikationen desselben geben uns die Fig.

23–26.

Figur 23 zeigt uns den +Kern einer Cilioflagellate+. Er besteht

in ähnlicher Weise wie der Hauptkern der Infusorien aus einem

sehr engmaschigen Nucleingerüst. +Bütschli+ (II. 5) nennt seine

Structur eine feinwabige; er lässt den Kern zusammengesetzt sein

aus langgestreckten, drei- bis mehrseitigen Waben, die durch sehr

feine Scheidewände von Nuclein getrennt sind und den wenig färbbaren

Kernsaft umschliessen. Nach der Oberfläche zu sind die Waben gegen das

Protoplasma ebenfalls durch eine feine Nucleinschicht abgeschlossen,

während eine besondere Kernmembran fehlt. Die Kanten, in denen die

Wabenwände zusammenstossen, sind säulenartig verdickt. Je nach der

Seite, von der man den Kern erblickt, fällt in Folge der gestreckten

Form der parallel gestellten Waben das Bild verschieden aus, wie durch

Betrachtung der Figuren 23 _A_ u. _B_ leicht zu verstehen ist. Ein bis

zwei Nucleolen sind in der Lücke nachzuweisen.

[Illustration: Fig. 23.]

[Illustration: Fig. 24.]

=Fig. 23. Ein sehr deutlich feinwabiger Kern von Ceratium Tripos.=

Nach ~Bütschli~ Taf. 26, Fig. 14.

_A_ In der Ventralansicht des Ceratiums. _B_ In seitlicher Ansicht.

Beide Abbildungen geben nur optische Durchschnitte.

=Fig. 24. Kern einer Bindegewebszelle des Peritoneums einer

Salamanderlarve mit in der Nähe gelegenen Centralkörperchen.= Nach

~Flemming~ Fig. 4.

Figur 24 stellt das +Kerngerüst von einer Bindegewebszelle+

einer Salamanderlarve dar. Dasselbe wird von einem ziemlich engen

Netzwerk feinster Fäden gebildet. In ihm treten hie und da einige

dickere Anschwellungen auf, welche den Farbstoff besonders zäh

festhalten; sie pflegen namentlich an solchen Stellen vorzukommen,

wo mehrere Balken zusammenstossen. Es sind dichtere Ansammlungen

von Nuclein; sie können den aus Paranuclein gebildeten, wahren

Nucleolen in ihrem Aeusseren sehr ähnlich sehen und sind daher, um

sie von diesen zu unterscheiden, von Flemming als +Netzknoten+

bezeichnet worden.

Die Kerne der verschiedenen thierischen Gewebe haben bald ein

feineres, bald ein gröberes Gerüst. In letzterem Fall kann es

zuweilen nur aus wenigen Strängen bestehen, so dass es „den Namen

Gerüst oder Netz kaum verdient“. Im Allgemeinen haben, wie Flemming

bemerkt, die Kerne junger, embryonaler und wachsender Gewebe dichtere

Netze, als solche im gleichen erwachsenen Gewebe.

+Meistentheils ist das Kerngerüst aus 2 verschiedenen Substanzen,

aus Linin und aus Nuclein, aufgebaut+, von denen bei den

gewöhnlichen Kerntinctionen nur das letztere den Farbstoff aufnimmt

und festhält. Beide Substanzen sind gewöhnlich so angeordnet,

dass das Nuclein in gröberen und feineren Körnchen dem sich nicht

färbenden Liningerüst gleichmässig auf- und eingelagert ist. In sehr

feinmaschigen Gerüsten, wie Figur 24 ein solches darstellt, kann die

Unterscheidung beider Substanzen sehr schwierig, ja sogar unmöglich

werden. Leichter gelingt dieselbe bei dem gröberen Netzwerk der Figur

25, welche einen +ruhenden Zellkern aus dem protoplasmatischen

Wandbelag des Embryosackes von Fritillaria imperialis+ wiedergibt.

Nach der Beschreibung von Strasburger sind die feinen Gerüstfäden

im Allgemeinen nicht färbbar; sie bestehen also aus Linin. Ihnen

sind kleinere und grössere sich färbende Nucleinkörner aufgelagert.

Im Gerüst sieht man ausserdem eine Anzahl grösserer und kleinerer

Nucleolen.

Sollte Jemand an der Existenz eines besonderen +Liningerüstes+

zweifeln, so wird er sich von derselben am besten durch das Studium

der +Kerne von Samenmutterzellen des Pferdespulwurmes+ (Fig.

26) überzeugen können. In dem Vorstadium zur Theilung ist hier alles

Nuclein in 8 hakenförmig gekrümmten Stäbchen enthalten, die in 2

Bündeln zusammenliegen. Sie werden im Kernraum gewissermaassen in

der Schwebe erhalten, indem sich farblose Lininfäden sowohl zwischen

ihnen ausspannen, als auch von ihnen sich zur Kernmembran begeben.

Dass die Fäden keine durch Reagentien im Kernsaft hervorgerufene

Gerinnsel sind, lässt sich aus ihrer überaus regelmässigen Anordnung

erschliessen. Ebenso lehrt ihre chemische Reaction und ihr Verhalten

beim Theilungsprocess, dass sie vom Nuclein und Paranuclein etwas

wesentlich Verschiedenes sind.

[Illustration: Fig. 25.]

[Illustration: Fig. 26.]

[Illustration: Fig. 27.]

=Fig. 25. Fritillaria imperialis. Ein ruhender Zellkern.= Nach

~Strasburger~ Fig. 191 _A_.

=Fig. 26. In Vorbereitung zur Theilung befindlicher Kern

von Ascaris megaloc. bivalens mit 8 in 2 Gruppen angeordneten

Kernsegmenten und den 2 Polkörperchen.= ~Hertwig~ II. 19b,

Taf. II, Fig. 18.

=Fig. 27. Structur des Kerns einer Zelle aus der Speicheldrüse von

Chironomus.= Nach ~Balbiani~, Zoolog. Anzeiger 1881, Fig. 2.

Nicht immer ist übrigens das Nuclein in einem Gerüst ausgebreitet.

So ist zum Beispiel in den grossen, +bläschenförmigen Kernen

von Chironomuslarven+ (Fig. 27), wie Balbiani (II. 3) gefunden

hat, ein einziger dicker Kernfaden eingeschlossen; derselbe ist

in verschiedenen Windungen zusammengelegt und lässt im gefärbten

Präparate eine regelmässige Aufeinanderfolge tingirter und nicht

tingirter Scheiben erkennen, was Strasburger (II. 41) auch von

einigen pflanzlichen Objecten berichtet. Die beiden Enden des Fadens

grenzen an 2 Nucleolen an.

In anderen Fällen wieder ist die Hauptmasse des Nucleins zu einem

grösseren, kugligen Körper concentrirt, der wie ein Nucleolus

aussieht, sich aber substantiell von den oben beschriebenen echten

Nucleolen, die Paranuclein enthalten (siehe Seite 36), unterscheidet.

Um Verwechslungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, solche Gebilde

als +Nucleinkörper+ zu bezeichnen. Als Beispiel hierfür sei

der +Kern von Spirogyra+ aufgeführt, mit welchem die Kerne

vieler niedriger Organismen im Bau übereinstimmen. Derselbe stellt

ein Bläschen dar, das sich vom Protoplasma durch eine feine Membran

abgrenzt und ein feines Kerngerüst enthält. Da dieses den Farbstoff

bei Tinctionen nicht festhält, besteht es wohl vorwiegend aus

Linin, dem nur wenige Nucleinkörnchen aufgelagert sind. Im Gerüst

liegt ein grosser Nucleinkörper, der zuweilen auch in zwei kleinere

zerlegt ist. Dass er hauptsächlich aus Nuclein besteht, geht aus

der Art seiner Färbung, vor allen Dingen aber daraus hervor, dass

seine Substanz bei der Kerntheilung in Körnchen zerfällt und die

Kernsegmente liefert.

Aehnliche Nucleinkörper, die in der Literatur gewöhnlich auch unter

dem Namen der Nucleolen gehen, spielen in der +Structur der

Keimbläschen thierischer Eier+ eine grosse Rolle. Ueberhaupt

weichen die Keimbläschen in ihrem Bau von gewöhnlichen Gewebskernen

nach mancher Richtung ab, wie die Figuren 28–30 lehren.

[Illustration: Fig. 28.]

[Illustration: Fig. 29.]

=Fig. 28. Unreifes Ei aus dem Eierstock eines Echinoderms. Das

grosse Keimbläschen zeigt in einem Netzwerk von Fäden, dem Kernnetz,

einen Keimfleck.= ~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 1.

=Fig. 29. Keimbläschen eines noch unreifen, kleinen Froscheies.=

Dasselbe zeigt in einem dichten Kernnetz (_kn_) sehr zahlreiche,

meist wandständige Keimflecke (_kf_); _m_ Kernmembran.

~O. Hertwig~, Entwicklungsgesch. Fig. 2.

Figur 28, das +unreife Ei eines Seeigels+, lässt schon, wenn

es im lebenden Zustand untersucht wird, ein sehr grobes Netzwerk

einzelner, ziemlich dicker Fäden unterscheiden. Diese bestehen,

ihrem mikrochemischen Verhalten nach, hauptsächlich aus Linin.

Die färbbare Substanz ist fast ausschliesslich in einem einzigen,

grossen, kugeligen Körper, dem „+Keimfleck+“, aufgespeichert,

der in einem Knotenpunkt des Gerüstes liegt, in welchem die meisten

Lininfäden zusammentreffen.

In den Riesen-Keimbläschen, durch welche sich die grossen,

dotterreichen Eier der Fische, Amphibien und Reptilien auszeichnen,

nimmt die Zahl der Keimflecke während des Wachsthums der Zelle

ausserordentlich zu -- ob durch Theilung oder in einer anderen

Weise, ist noch nicht genau ermittelt -- und kann sich schliesslich

auf einige Hunderte belaufen. Die Lage der Keimflecke ist zu

verschiedenen Zeiten einem Wechsel unterworfen, meist liegen sie aber

an der Oberfläche des Keimbläschens und sind an der Membran desselben

in gleichmässigen Abständen vertheilt, wie die nebenstehende

Abbildung (Fig. 29) eines Kerns aus einem noch unreifen und ziemlich

kleinen Froschei zur Anschauung bringt.

Die +Form der Keimflecke+ ist eine wechselnde; bald sind sie

kugelig, namentlich wenn sie isolirt auftreten, bald oval, bald etwas

in die Länge gezogen, bald in ihrer Mitte etwas eingeschnürt, bald

unregelmässig contourirt. Wo sie zahlreich vorkommen, zeigen sie auch

in ihrer Grösse erhebliche Verschiedenheiten. Häufig finden sich

in ihrer eigenthümlich glänzenden, stark lichtbrechenden Substanz

einzelne +kleine Vacuolen+, die mit Flüssigkeit erfüllt sind.

Dass diese Vacuolen keine Kunstproducte sind, lehrt die Untersuchung

lebender Eizellen. Doch können auch Vacuolen noch nachträglich beim

Absterben der Eier sich bilden, und die vorhandenen Vacuolen sich

vergrössern, wie Flemming hervorhebt. (II. 10 Seite 151.)

+In ihren chemischen Eigenschaften sind die Keimflecke+ von

den echten Nucleolen, die sich in den gewöhnlichen Kernfarbstoffen

nicht tingiren und aus Paranuclein bestehen, verschieden. Auf der

andern Seite ist aber auch nicht ausgemacht, ob ihre Substanz mit

dem Nuclein des Kerngerüstes vollkommen identisch ist. Zur Zeit

ist dieser Punkt trotz der zahlreichen, über den Kern erschienenen

Untersuchungen noch nicht in befriedigender Weise aufgeklärt. Nur

das Eine können wir als feststehend betrachten, dass die in den

verschiedenen pflanzlichen und thierischen Kernen vorkommenden, mehr

oder minder kugligen Körper, die in der Literatur meist schlechtweg

als Nucleolen zusammengefasst werden, stoffliche Verschiedenheiten

darbieten. Es ist dies durch die Untersuchungen von Flemming (II.

10), Carnoy (II. 8), von mir (II. 19a), von Zacharias (II. 45) und

Anderen über allen Zweifel sichergestellt. Man sollte daher auch

so verschiedene Dinge nicht mit demselben Namen benennen oder,

wenn man blos wegen der Aehnlichkeit in der Form für alle kugligen

Inhaltskörper des Kerns die allgemeine Bezeichnung Nucleolus oder

Kernkörper beibehalten will, sollte man wenigstens im einzelnen

Fall in einem Zusatz noch eine genaue Angabe über die chemische

Natur des betreffenden Nucleolus hinzufügen. Ueberhaupt sollte

man bei allen Untersuchungen des Kernes, wie schon früher bemerkt

wurde, mehr Gewicht auf die chemische Beschaffenheit der einzelnen

Inhaltsbestandtheile, als auf ihre formale Anordnung legen, welche

jedenfalls der ersteren gegenüber das Nebensächlichere ist. Denn ein

Gerüst, welches aus Lininfäden besteht, spielt im Kern eine ganz

andere Rolle, als ein Gerüst, welches aus Nuclein oder gleichzeitig

aus beiden Substanzen zusammengesetzt ist, und ebenso wird die

Aufgabe der Nucleolen, je nachdem sie diesen oder jenen Stoff

enthalten, eine verschiedene sein.

Ich schliesse diesen Excurs über die Nucleolen mit dem Hinweis,

dass es sogar +Keimflecke+ gibt, die sehr deutlich +aus zwei

verschiedenen Substanzen+ aufgebaut sind. Es ist dies Verhältniss

zuerst durch Leydig bei lamellibranchiaten Mollusken beobachtet, dann

durch Flemming (II. 10) an demselben Object und von mir (II. 19)

noch in anderen Fällen genauer festgestellt worden. Ich lasse hier

die Beschreibung des Thatbestandes, wie sie Flemming gibt, folgen.

Bei Cyclas cornea und bei Najaden findet sich im Keimbläschen ein

Hauptnucleus ausser einigen wenigen Nebennucleolen. „Der erstere

besteht aus 2 different beschaffenen Theilen: Fig. 30, einem

kleineren, der bedeutend stärker lichtbrechend und stärker tingirbar

ist, und einem grösseren, blasseren und schwächer chromatischen,

der in Säure stärker quillt. Bei Anodonta hängen die beiden Theile

zusammen, bei Unio sind sie vielfach nur mit einander in Berührung

oder liegen selbst getrennt. Die kleineren Nebennucleolen, die

hier in den Balken des Kerngerüstes lagern, zeigen dieselbe

Lichtbrechung, Quellbarkeit und Tingirbarkeit, wie der grosse Theil

des Hauptnucleolus. Bei Wasserzusatz verschwindet dieser Haupttheil

und die Nebennucleolen nebst den Gerüststrängen; es +bleibt+ der

kleine, stark chromatische Theil des Hauptnucleolus, indem er dabei

noch verschärft wird und etwas schrumpft und einen scharf abgesetzten

Contour bekommt. Zusatz von starker Essigsäure (5% oder mehr) lässt

den grösseren, blasseren Theil des Hauptnucleolus rasch aufquellen

und verschwinden, während der kleine, glänzende zwar auch etwas

quillt, aber erhalten bleibt.“ „Bei Anwendung von Kerntinctionen

färbt sich zwar der starkbrechende Theil der Nucleolen besonders

intensiv, aber in erheblichem Grade auch der andere Theil und die

Nebennucleolen.“ „Solche Differenzirung der Hauptnucleolen in zwei

Theile kommt bei Eizellen vieler Thiere vor. Bei Dreissena polymorpha

ist der stark lichtbrechende und chromatische Theil als Hohlkappe um

den blasseren herumgelagert.“

[Illustration: =Fig. 30.= Nach ~Flemming~ Fig. E¹. S.

104.

_a_ Kern eines Eierstockseies von Unio frisch aus der Zelle

getreten in Ovarialflüssigkeit. Zweibuckliger Nucleolus. Geringe

Theile der Kerngerüste sichtbar. α Ein solcher Kern nach Zufliessen

von Essigsäure 5%. Gerüststränge sind aufgetreten, der grössere

blassere Theil des Hauptnucleolus und die Nebennucleolen sind in

gleichem Grade gequollen und erblasst; der kleinere Haupttheil des

grossen Nucleolus ist ebenfalls, aber schwächer gequollen. _b_

Nucleolus eines Eies von Tichogonia polymorpha; der glänzende

Haupttheil sitzt als Kappe auf dem grösseren, blassen.

β Optisches Durchschnittsbild desselben, schematisch.]

Ich selbst (II. 19) habe die Zusammensetzung des Keimflecks aus zwei

Substanzen ausser bei Anodonta auch bei Helix, bei Tellina und bei

Asteracanthion beobachtet. Letzteres Object (Fig. 31) wird dadurch

von besonderem Interesse, dass die Sonderung in zwei Substanzen

(_pn_, _nn_) erst zu der Zeit deutlich wahrnehmbar wird, wo

sich das Keimbläschen aufzulösen und aus seinen Inhaltsbestandtheilen

die Polspindel zu bilden beginnt.

Endlich ist bei der Beschreibung der Structur des ruhenden Kernes

noch auf einen wichtigen Punkt die Aufmerksamkeit zu lenken.

+Je nach dem Alter oder der Entwicklungsstufe einer Zelle kann

der ruhende Kern in allen seinen einzelnen Theilen, im Aussehen

seines Kerngerüstes, in der Zahl, Grösse und Beschaffenheit

seiner „Nucleolen“ erhebliche Veränderungen erleiden.+ So

ist, wie Flemming (II. 10) bemerkt, „am jungen Eierstocksei der

Lamellibranchiaten die Zweitheiligkeit des grossen Kernkörpers noch

nicht zu finden, sie bildet sich erst am reifen heraus“. Ueberhaupt

erfahren die Keimbläschen der Eier während ihres Wachsthums

erhebliche Metamorphosen, die im Ganzen noch wenig untersucht und

noch weniger in ihrer Bedeutung verstanden sind. Dasselbe gilt

von den Kernen der Samenmutterzellen. Hier habe ich (II. 19b) die

Formwandlungen an einem sehr geeigneten Object, an der Hodenröhre von

Ascaris megalocephala, genauer zu verfolgen gesucht.

[Illustration: =Fig. 31. Ausschnitt aus einem Ei von Asterias

glacialis.= Derselbe zeigt die Rückbildung des Keimbläschens. Dieses

beginnt zu schrumpfen, indem ein Protoplasmahöcker (_x_) mit einer

Strahlung in sein Inneres eindringt und die Membran daselbst auflöst.

Der Keimfleck (_kf_) ist noch deutlich, aber in zwei Substanzen,

Nuclein (_nn_) und Paranuclein (_pn_), gesondert. ~O. Hertwig~,

Entwicklungsgesch. Fig. 12.]

Wie in den Figuren 32 dargestellt ist, geht allmählich die Form _A_ in

_B_ und diese wieder in _C_ im Laufe der Samenentwicklung über. Die

jüngsten Samenmutterzellen (_B_) haben membranlose Kerne mit einem

dichten Nucleingerüst mit oberflächlich gelegenem Nucleolus; daraus ist

bei etwas älteren Zellen (_C_) ein bläschenförmiger Kern mit deutlich

ausgeprägter Membran hervorgegangen. Im Bläschen spannen sich durch

den Kernsaft einzelne Lininfäden aus. Das Nuclein ist in ein oder zwei

unregelmässigen Klumpen angehäuft, zwischen denen ein mehr oder minder

kugeliger Nucleolus liegt. In noch nicht herangereiften Zellen ist

das Nuclein meist an einer Stelle der Kernmembran als dichte Schicht

angehäuft, während kleinere und grössere Körnchen auf der Oberfläche

der Lininfäden aufliegen, die sich spärlich im Kernraum ausspannen.

Aus diesem Zustand geht dann geraume Zeit vor der Theilung wieder das

Nuclein in eine ausgesprochen fadige Anordnung über (_D_). In dem

Lückenwerk des Gerüstes findet sich stets ein Nucleolus.

[Illustration: =Fig. 32.= _A_ Ruhender Kern einer Ursamenzelle von

Ascaris megalocephala bivalens. _B_ Kern einer Samenmutterzelle aus

dem Anfang der Wachsthumszone von Ascaris megalocephala bivalens.

_C_ Ruhender Kern einer Samenmutterzelle aus der Wachsthumszone von

Ascaris megalocephala bivalens. _D_ Bläschenförmiger Kern einer

Samenmutterzelle von Ascaris megalocephala bivalens am Anfang der

Theilzone in Vorbereitung zur Theilung.]

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 1/2) · 第 82 / 170 题