17. April.

Ich wollte meine Reise nach Hamburg über Berlin fortsetzen, allein die

Witterung war so kalt und stürmisch, der Regen strömte so gewaltig,

daß ich den kürzeren Weg einschlug, und auf der Eisenbahn nach

Magdeburg fuhr. -- Wir flogen durch die traurige Ebene an _Halle_,

_Köthen_ und andern Städtchen, von denen ich nur die Häusermassen

sah, vorüber, und grüßten in Eile die _Sale_ und _Elbe_. -- Gegen

10 Uhr Morgens waren wir in _Magdeburg_, und hatten 15 Meilen in 3¼

Stunden zurückgelegt.

Das Dampfschiff nach Hamburg ging erst um 3 Uhr ab; -- ich hatte also

Muße genug mich in der Stadt umzusehen.

Magdeburg ist eine Musterkarte von Gebäuden der ältesten, mittleren

und neuesten Zeit. Besonders merkwürdig ist die, die ganze Stadt

durchschneidende Hauptstraße »_der breite Weg_,« da sieht man

Häuser, welche aus der ältesten Zeit stammen, und alle Belagerungen

und Zerstörungen überstanden haben; Häuser von allen Farben und

Formen; -- die Einen haben Spitzen, auf welchen noch steinerne Figuren

paradiren, die Andern sind wieder mit Arabesken von oben bis unten

überladen, -- ja auf Einem entdeckte ich sogar noch Reste von Fresken.

-- Mitten unter dergleichen Alterthümern prangt wieder ein Haus im

neuesten Styl und Geschmack. Ich wüßte nicht bald eine Straße, die

solch einen besondern Eindruck auf mich gemacht hätte. Das schönste

Gebäude ist aber unstreitig der würdevolle Dom. Ich hatte doch schon

in Italien die schönsten Kirchen in Menge gesehen, -- dennoch blieb

ich überrascht und staunend vor diesem Meisterwerk gothischer Bauart

stehen.

In dieser Kirche ist das Monument mit den zwölf Aposteln ein würdiges

Denkmal des allberühmten Bildhauers Vischer. Um es sehen zu können,

muß man eigens die Erlaubniß des Commandanten dazu haben.

Der Domplatz ist regelmäßig, groß und mit zwei Alleen geziert; er

dient auch zu kleinen Militärübungen. Ueberhaupt fiel mir das viele

Militär auf, das ich hier sah. Man mochte gehen wohin man wollte, stets

begegnete man Soldaten und Officieren, ja wohl ganzen Truppenzügen. Es

könnte in Kriegszeiten kaum ärger sein. Leicht sah man daraus, daß

man sich bereits auf preußischem Boden befinde.

Sehr entstellt wird die Stadt durch die vielen offnen Canäle, welche

aus allen Häusern kommen, und sich längs den Straßen fortziehen.

Nur zu bald ward es halb drei Uhr, und schnell begab ich mich auf das

Dampfboot »Magdeburg« von 60 Pferdekraft, um weiter nach Hamburg zu

kommen. -- Von dieser Tour kann ich weiter nichts sagen, als, daß eine

Fahrt auf einem Fluße, wo die Gegend so schrecklich langweilig ist,

wie von hier nach Hamburg, zu den unangenehmsten Dingen gehört, die es

geben kann. -- Aber noch mehr steigt diese Unannehmlichkeit, wenn man

schlechtes Wetter hat, das Schiff unrein gehalten wird, und man noch

dazu eine Nacht daselbst zubringen muß. -- Hier traf es mich so. --

Das Wetter war schlecht und das Schiff unrein, die Entfernung betrug

23 Meilen, folglich hatten wir die frohe Aussicht auf eine herrliche

Schiffsnachtruhe, und der Reisenden gab es so viele, daß Eines knapp

am Andern sitzen mußte, -- und so saßen wir in himmlischer Geduld,

gafften einander an und seufzten tief. -- Von Ordnung war keine Rede,

-- darnach zu sehen hatte Niemand Zeit; -- den ganzen Tag und die ganze

Nacht wurde recht wacker geraucht und Karten gespielt. Daß es dabei

nicht so ruhig zuging, wie bei einer englischen Whist-Partie, kann

man sich leicht denken. -- Und die Kajüte auch nur auf Augenblicke zu

verlassen, war vor beständigem Sturm und Regen gar nicht möglich.

-- Die einzige Entschädigung die ich hatte, war, daß ich hier

den liebenswürdigen Compositeur _Lorzing_ kennen lernte, eine

Bekanntschaft, die mich um so mehr erfreute, da ich schon früher eine

große Verehrerin seiner schönen, originellen Musik war.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Erster Band. · 第 14 / 27 题