Ich wollte meine Reise nach Hamburg über Berlin fortsetzen, allein die
Witterung war so kalt und stürmisch, der Regen strömte so gewaltig,
daß ich den kürzeren Weg einschlug, und auf der Eisenbahn nach
Magdeburg fuhr. -- Wir flogen durch die traurige Ebene an _Halle_,
_Köthen_ und andern Städtchen, von denen ich nur die Häusermassen
sah, vorüber, und grüßten in Eile die _Sale_ und _Elbe_. -- Gegen
10 Uhr Morgens waren wir in _Magdeburg_, und hatten 15 Meilen in 3¼
Stunden zurückgelegt.
Das Dampfschiff nach Hamburg ging erst um 3 Uhr ab; -- ich hatte also
Muße genug mich in der Stadt umzusehen.
Magdeburg ist eine Musterkarte von Gebäuden der ältesten, mittleren
und neuesten Zeit. Besonders merkwürdig ist die, die ganze Stadt
durchschneidende Hauptstraße »_der breite Weg_,« da sieht man
Häuser, welche aus der ältesten Zeit stammen, und alle Belagerungen
und Zerstörungen überstanden haben; Häuser von allen Farben und
Formen; -- die Einen haben Spitzen, auf welchen noch steinerne Figuren
paradiren, die Andern sind wieder mit Arabesken von oben bis unten
überladen, -- ja auf Einem entdeckte ich sogar noch Reste von Fresken.
-- Mitten unter dergleichen Alterthümern prangt wieder ein Haus im
neuesten Styl und Geschmack. Ich wüßte nicht bald eine Straße, die
solch einen besondern Eindruck auf mich gemacht hätte. Das schönste
Gebäude ist aber unstreitig der würdevolle Dom. Ich hatte doch schon
in Italien die schönsten Kirchen in Menge gesehen, -- dennoch blieb
ich überrascht und staunend vor diesem Meisterwerk gothischer Bauart
stehen.
In dieser Kirche ist das Monument mit den zwölf Aposteln ein würdiges
Denkmal des allberühmten Bildhauers Vischer. Um es sehen zu können,
muß man eigens die Erlaubniß des Commandanten dazu haben.
Der Domplatz ist regelmäßig, groß und mit zwei Alleen geziert; er
dient auch zu kleinen Militärübungen. Ueberhaupt fiel mir das viele
Militär auf, das ich hier sah. Man mochte gehen wohin man wollte, stets
begegnete man Soldaten und Officieren, ja wohl ganzen Truppenzügen. Es
könnte in Kriegszeiten kaum ärger sein. Leicht sah man daraus, daß
man sich bereits auf preußischem Boden befinde.
Sehr entstellt wird die Stadt durch die vielen offnen Canäle, welche
aus allen Häusern kommen, und sich längs den Straßen fortziehen.
Nur zu bald ward es halb drei Uhr, und schnell begab ich mich auf das
Dampfboot »Magdeburg« von 60 Pferdekraft, um weiter nach Hamburg zu
kommen. -- Von dieser Tour kann ich weiter nichts sagen, als, daß eine
Fahrt auf einem Fluße, wo die Gegend so schrecklich langweilig ist,
wie von hier nach Hamburg, zu den unangenehmsten Dingen gehört, die es
geben kann. -- Aber noch mehr steigt diese Unannehmlichkeit, wenn man
schlechtes Wetter hat, das Schiff unrein gehalten wird, und man noch
dazu eine Nacht daselbst zubringen muß. -- Hier traf es mich so. --
Das Wetter war schlecht und das Schiff unrein, die Entfernung betrug
23 Meilen, folglich hatten wir die frohe Aussicht auf eine herrliche
Schiffsnachtruhe, und der Reisenden gab es so viele, daß Eines knapp
am Andern sitzen mußte, -- und so saßen wir in himmlischer Geduld,
gafften einander an und seufzten tief. -- Von Ordnung war keine Rede,
-- darnach zu sehen hatte Niemand Zeit; -- den ganzen Tag und die ganze
Nacht wurde recht wacker geraucht und Karten gespielt. Daß es dabei
nicht so ruhig zuging, wie bei einer englischen Whist-Partie, kann
man sich leicht denken. -- Und die Kajüte auch nur auf Augenblicke zu
verlassen, war vor beständigem Sturm und Regen gar nicht möglich.
-- Die einzige Entschädigung die ich hatte, war, daß ich hier
den liebenswürdigen Compositeur _Lorzing_ kennen lernte, eine
Bekanntschaft, die mich um so mehr erfreute, da ich schon früher eine
große Verehrerin seiner schönen, originellen Musik war.