Die Dresdner Omnibuse kann man als Muster der Bequemlichkeit aufstellen;
da hat man doch gehörig Platz, und weder übermäßige Beleibtheit der
Mitfahrenden, noch deren Pelze und Mäntel zu befürchten. Im Innern des
Wagens ist ein Glockenzug angebracht, und jeder Aussteigende kann so
dem Kutscher ein Zeichen geben. -- Diese Omnibuse fahren bei allen
größeren Gasthöfen vor, halten einen Augenblick an; ist aber der
Reisende nicht schon bereit, so muß er zurück bleiben.
Um halb 6 Uhr früh hielt er vor unserm Gasthofe; ich hatte ihn schon
erwartet, und rollte ganz gemächlich zur Eisenbahn. Von hier bis
Leipzig rechnet man 12 Meilen, welche wir in 3 Stunden zurücklegten.
Die ersten drei Meilen waren sehr angenehm; Gärten, Felder und Wiesen,
Tannen-Gehölze in der Ebene und auf den Hügeln, dazwischen Dörfer,
Bauernhöfe, Landhäuser und einsame Capellen bildeten eine recht
liebliche Landschaft; doch dann hört dieß auf, und die links liegende,
durch ihre Porzellan-Fabrik berühmte Stadt _Meissen_ scheint den
Schlußstein des Schönen zu machen.
Eine einförmige, langweilige Ebene, die nur selten durch Dörfer oder
einzelne Höfe belebt wird, zieht sich bis Leipzig; da ist nichts zu
sehen als ein großer Tunnel und der Fluß _Pleisse_; letzterer (oder
vielmehr die _Elster_) berühmt durch den Tod des Fürsten Poniatowsky.
Die Stadt Leipzig, weltberühmt durch ihre Messen, und ganz besonders
durch ihren ungeheuern Bücherverlag, bietet im Innern ein dem großen
Verkehr entsprechendes Gewühl. Ich fand Straßen, Plätze und Gasthöfe
überfüllt.
Nicht leicht mag es eine Stadt geben, deren Häuser und dadurch auch die
Gassen so entstellt sind durch die unzähligen Ankündigungstafeln, die
in allen Formen und Größen, oft mehrere Schuh hervorragend, an den
Häusern angebracht sind. -- Unter den Gebäuden gefielen mir am besten
das _Augusteum_ und die _Bürgerschule_. Die _Bücherhalle_ hat wohl
ihren Ruf nur dem geistigen Inhalte, nicht aber der Bauart und der
Außenseite zu verdanken. Die Halle selbst ist zwar groß und zieht
sich über das ganze Gebäude hin, dessen untere Räume einige Säle
enthalten, aber Halle, Gebäude und Säle sind einfach und ohne
besondere Ausschmückung. -- Die Tuchhalle ist ein einfaches großes
Haus, deren weite Gewölber nichts als Vorräthe von Tuch enthalten. --
Das Theater steht auf einem sehr großen Platze und zeichnet sich weder
von Außen noch von Innen durch etwas Großartiges aus. Neu war für
mich die Einrichtung, auf der zweiten und dritten Gallerie Reihen von
Sperrsitzen vor den Logen zu sehen. -- Das Orchester hörte ich nur;
-- wo es sich befand, mochten die Götter wissen. Wahrscheinlich war es
hinter den Coulissen angebracht. Man versicherte mich, daß dieß
nur bei ganz außerordentlichen Fällen geschähe, wo man die
Orchester-Plätze in Sperrsitze umwandle. -- Dieß fand nun gerade
heute statt. Man gab das beliebte Stück von Gutzkow »Das Urbild
Tartüff's.« -- Die Darstellung des Stückes war sehr brav.
Im Leipziger Theater hatte ich zum zweitenmal Gelegenheit zu bemerken,
daß, was die Eßlust anbelangt, die lieben Sachsen den so verrufenen
Wienern durchaus nicht nachstehen. Ich bewunderte schon in Dresden im
Theater ein Paar Damen, die neben mir saßen. Diese hatten ein recht
niedliches Säckchen bei sich, und darin einen ganz anständigen Vorrath
von Backwerk, an welches sie sich in den Zwischenakten tapfer hielten.
-- Aber zu Leipzig war es eine kräftigere Nahrung, die eine zarte
Mutter mit ihrem 15-16jährigen Söhnlein verspeiste, -- -- Weißbrod
mit Salami. -- Ich traute meinen Augen nicht und dachte es sei
künstliche Salami, in irgend einer Zuckerbäckerei bereitet;
doch bestätigte mich meine Nase nur zu bald in meinem Anfangs so
widerstrebenden Glauben.
Und beide Begebenheiten ereigneten sich nicht etwa in den höchsten
Regionen des Thalientempels, wo man es wohl auch manchmal bei uns finden
mag, -- nein -- auf Sperrsitzen der zweiten Gallerie.
Um die Stadt Leipzig ziehen sich schöne Alleen. Ich machte auch einen
Spaziergang nach dem Rosenthale, das ebenfalls aus wunderschönen Alleen
und Rasenplätzen besteht. Ein niedliches Kaffeehaus mit einem sehr
hübschen in Halboval erbauten Kiosk, ladet die Ermüdeten freundlich
zur Ruhe und Stärkung ein, und eine angenehme Musik verbreitet Lust und
Heiterkeit.
Die übrige Umgebung Leipzigs bietet nichts als das Bild einer
einförmigen, unübersehbaren Ebene.