11. April.

Schon gestern begünstigte uns die Witterung nicht im Geringsten. -- Bei

Znaim fanden wir die Thäler noch theilweise mit Schnee bedeckt, und oft

überfielen uns Nebel, daß man kaum 100 Schritte weit sehen konnte. --

Doch heute ging es noch ganz anders.

Die Nebel lösten sich in einen sanften Regen auf, der aber von Station

zu Station so viel von seiner Sanftheit verlor, daß bald Alles um uns

her in Wasser stand. -- Aber nicht genug, im Wasser fahren zu müssen,

mußten wir auch im Wasser sitzen, denn das Dach unseres Wagens schien

ein vollkommenes Sieb werden zu wollen, durch das der Regen seinen

Eingang nahm. Wenn es der Raum erlaubt hätte, all unsere Regenschirme

wären aufgespannt worden.

Bei solchen Gelegenheiten bewundere ich immer im Stillen die Geduld

meiner guten Landsleute, die nehmen Alles höchst gelassen auf. --

Wäre ich ein Mann, ich würde ganz anders sein, und gewiß keine

Nachlässigkeit ungerügt lassen. So aber, als Frau schweige ich; man

würde sich nur über mein Geschlecht erzürnen, und es launenhaft

nennen. -- Ueberdieß dankte ich meinem Schutzgeist für diese

Widerwärtigkeiten. Ich nahm sie als Vorbereitungen dessen, was in dem

hohen Norden über mich kommen sollte.

Wir berührten verschiedene Städtchen und Dörfer, und betraten

endlich, gleich hinter Iglau, das böhmische Gebiet. -- Das erste

Kreis-Städtchen, das sich in diesem Königreiche unserm Blicke darbot,

war _Czaslau_ mit einem großen Platze und einigen netten Häusern, die

mit sogenannten Lauben versehen sind, damit man bei dem schlechtesten

Wetter trocknen Fußes um den Platz gehen könne.

Auf der ferneren Reise sieht man einen schönen Dom mit dem dazu

gehörigen Orte _Kuttenberg_, einst berühmt durch Gold- und

Silberminen; -- weiter die große Tabakfabrik _Sedlitz_ und zum

erstenmale die _Elbe_, doch nur auf kurze Zeit, da sie bald wieder

eine andere Richtung einschlägt. Und nun passirt man das Städtchen

_Collin_, und fährt knapp an dem Schlachtfelde vorüber, auf dem der

große König Friedrich im Jahre 1757 die Zeche an die Oesterreicher

bezahlte. -- Rechts auf einer kleinen Anhöhe steht ein Obelisk, der

erst vor wenig Jahren dem Andenken des Generals Daun gesetzt wurde,

-- links breitet sich die Ebene Klephorcz aus, auf welcher die

Oesterreicher aufgestellt waren.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Erster Band. · 第 11 / 27 题