Schon gestern begünstigte uns die Witterung nicht im Geringsten. -- Bei
Znaim fanden wir die Thäler noch theilweise mit Schnee bedeckt, und oft
überfielen uns Nebel, daß man kaum 100 Schritte weit sehen konnte. --
Doch heute ging es noch ganz anders.
Die Nebel lösten sich in einen sanften Regen auf, der aber von Station
zu Station so viel von seiner Sanftheit verlor, daß bald Alles um uns
her in Wasser stand. -- Aber nicht genug, im Wasser fahren zu müssen,
mußten wir auch im Wasser sitzen, denn das Dach unseres Wagens schien
ein vollkommenes Sieb werden zu wollen, durch das der Regen seinen
Eingang nahm. Wenn es der Raum erlaubt hätte, all unsere Regenschirme
wären aufgespannt worden.
Bei solchen Gelegenheiten bewundere ich immer im Stillen die Geduld
meiner guten Landsleute, die nehmen Alles höchst gelassen auf. --
Wäre ich ein Mann, ich würde ganz anders sein, und gewiß keine
Nachlässigkeit ungerügt lassen. So aber, als Frau schweige ich; man
würde sich nur über mein Geschlecht erzürnen, und es launenhaft
nennen. -- Ueberdieß dankte ich meinem Schutzgeist für diese
Widerwärtigkeiten. Ich nahm sie als Vorbereitungen dessen, was in dem
hohen Norden über mich kommen sollte.
Wir berührten verschiedene Städtchen und Dörfer, und betraten
endlich, gleich hinter Iglau, das böhmische Gebiet. -- Das erste
Kreis-Städtchen, das sich in diesem Königreiche unserm Blicke darbot,
war _Czaslau_ mit einem großen Platze und einigen netten Häusern, die
mit sogenannten Lauben versehen sind, damit man bei dem schlechtesten
Wetter trocknen Fußes um den Platz gehen könne.
Auf der ferneren Reise sieht man einen schönen Dom mit dem dazu
gehörigen Orte _Kuttenberg_, einst berühmt durch Gold- und
Silberminen; -- weiter die große Tabakfabrik _Sedlitz_ und zum
erstenmale die _Elbe_, doch nur auf kurze Zeit, da sie bald wieder
eine andere Richtung einschlägt. Und nun passirt man das Städtchen
_Collin_, und fährt knapp an dem Schlachtfelde vorüber, auf dem der
große König Friedrich im Jahre 1757 die Zeche an die Oesterreicher
bezahlte. -- Rechts auf einer kleinen Anhöhe steht ein Obelisk, der
erst vor wenig Jahren dem Andenken des Generals Daun gesetzt wurde,
-- links breitet sich die Ebene Klephorcz aus, auf welcher die
Oesterreicher aufgestellt waren.