Versuch 1. Kaninchen.

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Impfung in die Trachea.

Impfmaterial aus einem kindlichen Larynx.

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Versuch 2.| Kaninchen.

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Impfung in die Nackenmuskeln.

Material aus der Trachea des vorigen Kaninchens.

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Versuch 3.| Kaninchen.

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Impfung in die Nackenmuskeln.

Mat. aus den inficirten Nackenmuskeln d. v. Kaninchens.

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Versuch 4a graue Taube. Versuch 4b schwarze Taube.

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In den M. pect. maj. geimpft. |

Mat. infic. Nackenmuskeln des vor. Kaninchens. |

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Versuch 5a Versuch 5b |

weisses Kaninchen. schwarzes Kaninchen. |

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Impfung in den Schenkel. Impfung in den Schenkel. |

Mat. Muskeln des M. pect. Mat. Muskeln des M. pect. |

maj. der Taube. maj. der Taube. |

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Versuch 6. schwarzes Kaninchen. |

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Impfung in den Larynx. |

Mater. aus den Schenkelmuskeln des |

vor. Kaninchen. /

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Impfung in den Kropf u. in den M. pect. maj.

Mat. Muskelstücke u. seröses Exsudat v. d. v. Kaninchen.

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Versuch 5α Versuch 5β

schwarzes Kaninchen. graues Kaninchen.

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Impfung in den Larynx. Impfung in den Larynx.

Mat. aus dem Kropf und M. Mat. aus dem Kropf u. M.

M. pect. maj. d. v. Taube. pect. maj. d. v. Taube.

Die aus den Experimenten sich ergebenden Schlüsse lasse ich hier mit

_Oertel_’s eigenen Worten folgen:

„In dieser Versuchsreihe hat somit das Contagium mit dem letzten

Experimente bereits sechs Thierkörper, zuerst die Körper von drei

Säugethieren, dann den von einem Vogel, und schliesslich wieder jene

von zwei Säugethieren durchwandert und bis zum letzten sich noch

wirksam erwiesen.

In gleichem Sinne wurden ferner noch zwei Versuchsreihen ausgeführt.

Die erste Versuchsreihe umfasste drei Versuchsthiere, von denen das

erste mit diphtheritischem Contagium aus einer menschlichen Leiche

in die Trachea geimpft wurde; von dem daselbst sich entwickelnden

diphtheritischen Exsudate wurden dem zweiten kleine Stückchen in

die Nackenmusculatur eingebracht und von den Krankheitsproducten

dieses Thieres die Trachea des dritten inficirt. Der Erfolg war

beim ersten Kaninchen ein vollkommener, der zweite Versuch glich in

seinem Ergebniss dem fünften b der vorigen Versuchsreihe, und bei dem

dritten Kaninchen kam es zu keiner Entwicklung einer Pseudomembran in

der Luftröhre, während die allgemeinen Erscheinungen Aehnlichkeit mit

jenen des sechsten Versuchs der vorigen Reihe hatten.

Die letzte Versuchsreihe umfasste vier Thiere und die Impfung geschah

in der Weise, dass das erste Thier von menschlichem Contagium in

die Trachea geimpft wurde, und den übrigen immer diphtheritische

Massen von dem vorhergehenden Thiere, und zwar dem zweiten in die

Nackenmuskulatur, dem dritten in den Oberschenkel, dem vierten wieder

in die Trachea eingebracht wurden. Der Erfolg war bei allen vier

Thieren ein vollkommen günstiger, und beim letzten Kaninchen kam es

zur Entwicklung einer etwa ein Millimeter dicken Pseudomembran in der

Luftröhre, die bis über die Mitte derselben hinabreichte.

_Schluss._

Durch die Möglichkeit, die Diphtherie auf Thiere zu übertragen ist

es, wie ich glaube, auf experimentellem Wege gelungen, die Frage über

den Charakter dieser Krankheit und den Gang ihrer Entwicklung in

erster Linie zu beantworten.

Nach diesen Ergebnissen beginnt die Diphtherie local und verbreitet

sich allmählig in kürzerer oder längerer Zeit über den inficirten

Körper, zerstört immer grössere Parthien seiner Gewebe bis sie durch

allgemeine Blutvergiftung als allgemeine Infectionskrankheit die

Lebensfähigkeit des Organismus aufhebt, den Tod desselben herbeiführt.

Die Krankheit haftet somit zuerst an einer ergriffenen Stelle, dem

Infectionsheerde, wenn wir diese zuerst erkrankte Parthie so nennen

wollen, und breitet sich von da radienförmig über den Körper aus.

Es ist dieses Verhältniss das vollkommene Gegentheil von jener

Ansicht, nach welcher diese Krankheit zuerst als allgemeine

Infectionskrankheit, deren Gift auf irgend eine Weise durch Lunge,

Magen oder Darm ohne örtlich wahrnehmbare Zerstörungen aufgenommen

wurde, den ganzen Organismus durchdringen und schliesslich in

centripetaler Richtung an einer Stelle sich gipfeln und dort sich

localisiren soll.

Wo das diphtheritische Contagium am Körper haftet, erzeugt es

überall zuerst eine locale Erkrankung und von den anatomischen

Verhältnissen der afficirten Theile, ihrer leichtern

Durchdringbarkeit, und ihrem Resorptionsvermögen wird es abhängen,

in welcher Zeit dieses Contagium immer weiter um sich greifen, den

Körper durchseuchen und aus der localen Infection die Erkrankung des

ganzen Organismus, die allgemeine Infectionskrankheit herausbilden

wird. Dieser Fall wird am schnellsten natürlich da eintreten, wo das

diphtheritische Contagium Wunden inficirt, und die durchschnittenen

Saftcanälchen, Lymph- und Blutgefässe ein rasches Aufsaugen des

auf der Wundfläche haftenden und mit rapider Schnelligkeit sich

vermehrenden Giftes vermitteln. So verendeten nicht selten Kaninchen,

welchen diphtheritische Exsudatstückchen in das Unterhautzellgewebe

und in die Musculatur eingebracht wurden, innerhalb 30 Stunden. Es

erklärt sich aus diesen Versuchen die ausserordentliche Gefahr für

Wunden, wenn sie vom diphtheritischen Contagium inficirt werden,

und der Tod tritt bei hochgradigem Umsichgreifen des Processes

unter denselben Bedingungen ein, wie bei jenen unter die Haut

und in die Muskeln geimpften Kaninchen. In diesen Fällen ist der

Krankheitsprocess, der sich aus der Infection der Wunde entwickelt,

identisch mit jenem, welcher durch die Infection der Schleimhäute des

Rachens und der Luftwege überhaupt entsteht, und die so auffallenden

divergirenden Erscheinungen werden lediglich nur durch die

Verschiedenheit der getroffenen Gewebe, ihre Reaction und der durch

den Process gesetzten Functionsstörung und der Rückwirkung dieser

auf den Gesammtorganismus bedingt. Da das diphtheritische Contagium

ohne Zweifel von der atmosphärischen Luft transportirt werden kann,

an verschiedenen Gegenständen, mit welchen unser Körper in Berührung

kommt, zu haften vermag, so ist eine directe Uebertragung von Rachen-

und Kehlkopfsdiphtherie, und das epidemische Vorkommen dieser

Krankheit an einem bestimmten Orte für die diphtheritische Infection

einer Wunde nicht als nothwendig zu erachten.

Durch die Versuche mit Ammoniak wurde gezeigt, dass es durch

Einträufeln einiger Tropfen dieser Flüssigkeit in die Luftröhre

von Kaninchen möglich ist, einen Process zu erregen, welcher mit

der croupösen Entzündung alle anatomischen Charactere theilt,

und dessen Exsudat ähnliche Elemente aufweist, wie sie in einer

diphtheritisch inficirten Trachea gefunden werden. Dagegen fehlte

in allen diesen Versuchen jede Spur jener furchtbaren Zerstörungen,

welche die Diphtherie als allgemeine Infectionskrankheit

charakterisiren, so dass wir nach diesen Experimenten beide Processe

streng auseinanderhalten müssen. Die Diphtherie kann eine croupöse

Entzündung hervorrufen, der Croup kann nie die Grenzen einer localen

Entzündung überschreiten. Wir sind bis jetzt nicht im Mindesten zur

Annahme berechtigt, dass nur das diphtheritische Contagium diese

Entzündung beim Menschen hervorruft, und nicht auch andere schädliche

Einflüsse in der Natur, atmosphärische Verhältnisse u. s. w. dieselbe

Einwirkung auf eine empfängliche Trachealschleimhaut ausüben können.

Die für den diphtheritischen Process eigenthümlichen Zerstörungen

wurden in allen Versuchen durch die Vegetation von pflanzlichen

Organismen, von Pilzen hervorgerufen, die auf verschiedene

thierische Körper übertragbar sind, dort auf der Höhe der Krankheit

in Milliarden den Organismus durchsetzen, immer die gleichen

Erscheinungen hervorrufen, und mit deren Elimination und deren

Verschwinden die Einleitung eines allmähligen Heilungsprocesses

einhergeht. Ich habe diese pflanzlichen Organismen, diese Pilzformen

als Fäulnisshefe, nach dem Vorgang von _Hallier_ als Micrococcus

bezeichnet, und mich enthalten, die rein botanische Frage über ihre

Natur und Abstammung an diesem Orte zu besprechen. Sie gehören einer

Gruppe an, deren Form bei ihrer ausserordentlichen Kleinheit, indem

sie an der Grenze des Sichtbaren stehen, in Beziehung auf ihre

Organisation noch höchst ungenügend bekannt sind, und unter den

Gattungsnamen Vibrio, Bacterium, Zoogloea _Cohn_ etc. zusammengefasst

wurden. _Naegeli_ hat sie als Schizomyceten bezeichnet, welche

morphologisch betrachtet, von den Pilzen auszuschliessen und

den Oscillarien an die Seite zu stellen seien, wenn auch ihr

Vegetationsprocess dem der Pilze gleich sei. _Hallier_ endlich

hält diese pflanzlichen Organismen für die Hefeformen bestimmter

aërophytischer und anaërophytischer Pilze, aus welchen sich letztere

unter bestimmten Verhältnissen entwickelten, so dass aus solchen

kleinsten Zellchen, die oft von einander nicht zu unterscheiden sind,

durch Cultur ganz specifische Pilze herangezogen werden könnten,

und somit jedem Pilze eine eigene wenn auch mikroskopisch nicht im

Vornherein bestimmbare Hefe entspreche. Die endgültige Entscheidung

dieser Fragen wird den späteren Untersuchungen der Botaniker

anheimfallen, für uns sind an diesem Orte die in den obigen Versuchen

aufgefundenen Thatsachen allein von Wichtigkeit.

Ueber die Vegetation der pflanzlichen Parasiten im thierischen

Organismus haben wir zur Zeit nur geringe Kenntnisse gewonnen. Es

wird daher nicht möglich sein, eine auch nur annähernd ausreichende

Erklärung der verschiedenen pathologischen Veränderungen, welche in

einem von Pilzen inficirten Organismus getroffen werden, abzugeben,

die Ernährungs-Störungen und Reactionserscheinungen in den Geweben

zu bestimmen, welche von Flüssigkeiten durchdrungen sind, in denen

durch die Vegetations- und Assimilationsthätigkeit von Milliarden von

Pilzen abnorme Zersetzungsprocesse eingeleitet wurden. Wir müssen uns

daher begnügen, nach den bis jetzt bekannten Erscheinungen, unter

welchen die physiologische Thätigkeit der Pilze und Hefe-Zellen sich

äussert, uns ungefähr eine Vorstellung über ihre mögliche Einwirkung

auf den thierischen Organismus zu bilden.

Bei den mit diphtheritischem Impfstoff inficirten Thieren

verbreiteten sich ausgedehnte Pilzwucherungen weithin über die

Schleimhaut der Trachea, belagerten die Zellen, drangen namentlich

in die jungen Exsudatzellen ein und führten durch ihre Vegetation

eine allmälige Auflösung derselben herbei. Im submucösen und

subcutanen Bindegewebe fanden sich massenhafte Lager von Pilzen,

erfüllten die Saftkanälchen und Lymphgefässe, und bewirkten auf

mechanische Weise eine Aufstauung der abströmenden Gewebsflüssigkeit,

die nothwendigerweise zu seröser Exsudation führen musste. Es mag

hierin eine Ursache der bei allen Versuchen so charakteristischen

weit ausgebreiteten serösen Infiltration des Unterhautzellgewebes

liegen. Auch an den Wandungen der Capillargefässe, innerhalb

derselben und ihnen aussen in Haufen aufgelagert fanden sich

Pilzwucherungen, so dass sie auch hier theils eine Verlangsamung

und Stauung in der Blutcirculation bewirkten, theils durch ihre

Vegetations- und Assimilationsthätigkeit mehr oder weniger

hochgradige Ernährungsstörungen in den Wandungen der Capillaren

und schliesslich bei dem durch gehinderten Blutabfluss erhöhten

Seitendruck eine Zerreissung derselben hervorbringen mussten. Auch

in den Saftkanälchen und Lymphgefässen des Muskelgewebes fanden

sich Anschoppungen von Micrococcusballen, und die Muskelfasern

selbst waren durch die Wucherungen der parasitischen Pilze, die in

Milliarden ihre Nährstoffe aus ihnen aufnahmen, in eigenthümlicher

Weise degenerirt und zerstört. In den Nieren waren in Fällen

hochgradiger allgemeiner Erkrankung ungeheuere Pilzmassen sowohl in

den Harnkanälchen wie in den Malpighi’schen Knäueln angehäuft, die

Zellen der Harnkanälchen mit denselben belagert, capilläre Blutungen

im Parenchym und alle Zeichen einer acuten Nephritis als Folge

der Aufstauung und des Assimilationsprocesses dieser Schmarotzer

vorhanden. Ausserdem zeigte der an Pilzen ausserordentlich reiche

Urin dieser Thiere, dass in den Nieren eine Ausscheidung der

durch das Blut zugeführten pflanzlichen Organismen stattfindet.

Im Blute konnten bei der Unzuverlässigkeit aller bisher bekannten

Untersuchungsmethoden keine so in die Augen fallenden Veränderungen

in seinen Bestandtheilen nachgewiesen werden, die aber bei der

physiologischen Bedeutung des an Sauerstoff reichen arteriellen

und kohlensäurehaltigen venösen Blutes und der von den Botanikern

beobachteten eigenthümlichen Einwirkung der vegetirenden Pilze auf

ihre Nährflüssigkeit gewiss von hoher Wichtigkeit sein werden. In den

schlimmsten Fällen der Infection übertraf die Zahl der schwärmenden

Pilze gewiss weit um das Sechsfache die der rothen Blutkörperchen.

Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass in allen Versuchen die

Impfwunde und die entzündliche Reaction der durchschnittenen Theile

einen günstigen Boden für das Haften des diphtheritischen Contagiums

und für seine Resorption schufen. In dieser Beziehung verhält sich

wohl der menschliche und thierische Organismus in analoger Weise.

Schon _Trendelenburg_ hat eine grosse Reihe von Versuchen angestellt,

in welchen er bestrebt war, das diphtheritische Contagium auf einer

unverletzten Schleimhaut haften zu machen, doch immer mit negativem

Erfolge. Ich habe gleichfalls bei 11 Thieren versucht, die Krankheit

auf die verschiedensten _unverletzten Schleimhäute zu übertragen;

und nur in einem einzigen Falle ist es mir gelungen, in der Vagina

eines Kaninchens durch Einbringung von diphtheritischen Membranen

eine diphtheritische Entzündung mit Membranbildung, Kerninfiltration

des subepithelialen Gewebes, und seröse Infiltration mit zahlreichen

capillären Blutungen im umliegenden Gewebe hervorzurufen_. Das Thier

wurde am dritten Tage nach der Operation getödtet. Beim Menschen

ist es eine wiederholt constatirte Thatsache, dass es Individuen

giebt, welche unter den günstigsten Verhältnissen mit diphtheritisch

Erkrankten zusammenleben, mit ihnen in die innigste Berührung

kommen, und von der Krankheit verschont bleiben, während andere eine

ausserordentliche Empfänglichkeit für die Krankheit zeigen, und

bei der äussersten Vorsicht, wenn sie mit solchen Kranken zusammen

kamen, wiederholt inficirt wurden. Ich behandelte vor drei Jahren

ein Kind an Diphtherie, bei welchem in Folge rasch eintretender

Kehlkopfstenose von Hrn. Prof. _Nussbaum_ der Luftröhrenschnitt

gemacht werden musste, und das nach der secundären Infection der

Trachealwunde an der allgemeinen Erkrankung zu Grunde ging. Von

der Umgebung dieses Kindes erkrankten der Vater, die Mutter, eine

Tante, zwei Wärterinnen trotz der scrupulösesten Beobachtung aller

Vorsichtsmassregeln, und nur eine Wärterin, die ich überraschte, wie

sie allen Warnungen zum Trotz, nachdem die Wunde schon diphtheritisch

geworden, die Tracheotomiecanüle zur Reinigung in den Mund nahm

und ausblies, ist allein von der Krankheit verschont geblieben.

Sie hatte, wie sie nachher eingestand, dieses Manöver zur besseren

Reinigung des Röhrchens während der vier Tage, die seit der

Tracheotomie verflossen waren, immer mehrmals des Tages ausgeführt

und entschuldigte sich damit, dass sie niemals in ihrem Leben an

einer Halskrankheit gelitten habe, und überzeugt war, auch davon

keinen Schaden zu nehmen. Wir müssen annehmen, dass in solchen Fällen

das diphtheritische Contagium mit einer Schleimhaut in Berührung

kommt, die aus uns noch unbekannten Gründen unempfänglich für

dasselbe ist, und wenn wir die Pilze als Ursache der diphtheritischen

Erkrankung ansehen, bei ihrer vollkommen normalen Beschaffenheit

nicht jene Bedingungen gewährt, welche zu ihrem Haften auf derselben

und ihrer weiteren Entwickelung nothwendig sind. Im Gegensatz zu

diesen unempfänglichen Schleimhäuten finden wir andere, auf welchen

sich häufig katarrhalische und auch phlegmonöse Processe auszubilden

pflegen, die im Zustand einer vorübergehenden katarrhalischen

Reizung, einer Auflockerung, oder eines mehr oder weniger

ausgesprochenen chronischen Katarrhs sich befinden, am häufigsten und

selbst wiederholt von diphtheritischer Entzündung ergriffen. Dass in

dieser Weise die klimatologischen Verhältnisse der Länder, rasche

Temperatursprünge, sehr hohe oder niedere Temperatur, nasskalte

Witterung, scharfe Nordostwinde durch Erzeugung katarrhalischer

Processe auf den Schleimhäuten des Rachens und der Luftwege

prädisponirend für die Diphtherie wirken, ist als sicheres Factum

anzunehmen, und bei jedem häufigeren Auftreten dieser Krankheit sind

fast immer katarrhalische Anginen, Nasen-, Kehlkopf-, Brustkatarrhe

auch allgemein verbreitet. Die normale Schleimhaut der Kaninchen und

einer Reihe von Thieren scheint für das Haften des diphtheritischen

Contagium keinen besonders günstigen Boden darzubieten; inwiefern

aber, und bis zu welchem Grade eine entzündliche Reizung derselben

in der Mehrzahl der Fälle für das Gedeihen jener Pilzwucherungen

nothwendig ist, muss einer ferneren Versuchsreihe überlassen werden.

Es ist nicht möglich, so manchen Fragen in Beziehung auf die

Einwirkung der parasitischen Pilze auf den thierischen Organismus in

der Art Rechnung zu tragen, wie es in der Pflanzenpathologie bereits

geschehen. Hier sind vorerst noch eine Reihe von Principienfragen

durch die Botaniker selbst zu lösen, die verschiedenen Hefeformen,

die Fäulnisshefe, der Micrococcus, die Schizomyceten etc., ihr

Zusammenhang mit bestimmten Pilzformen oder ihre selbständige

Individualität und die Bedingungen ihres Vegetationsprocesses werden

noch in umfassender Weise zu erforschen sein, bevor die Möglichkeit

gegeben ist, durch Einimpfung irgendwelcher Pilzsporen einen exacten

pathologischen Versuch anzustellen.

In diesem Sinne suchten nun die vorliegenden Experimente die Fragen

über den Krankheitscharakter der Diphtherie und der Art ihres

Contagiums zu lösen und ich glaube auch deshalb bei der gestellten

Aufgabe auf eine botanische Bestimmung jener pflanzlichen Parasiten

durch Culturversuche und auf Impfungen mit einem auf diese Weise

gezogenen Material vorerst verzichten zu müssen. Ebenso wenig konnte

ich andere interessante Punkte, welche im Gange der Untersuchung noch

hervortraten, näher beleuchten, oder wichtige Fragen über homologe

Krankheiten, über die Empfänglichkeit der verschiedenen Schleimhäute

für pflanzliche Parasiten, über Vegetationsbedingungen derselben

und therapeutische Beobachtungen berücksichtigen, wenn sich die

vorliegende Arbeit nicht weit über den abgesteckten Rahmen hinaus

verbreiten sollte.

Wir erkennen aus dieser Darstellung, dass _Oertel_ die

bacteriologischen Irrthümer seiner Zeit und namentlich auch

seiner näheren Münchener Umgebung theilend, zum Auffinden des

lebenden Krankheitserregers der Diphtherie nicht gelangt ist;

insbesondere ergiebt das Studium seiner sehr genauen Beschreibungen

der makroskopischen und mikroskopischen Sectionsbefunde bei den

Versuchsthieren, dass ihn die in Diphtheriemembranen so häufig

vorkommenden Streptococcen an der parasitologischen Begründung der

Diphtherieätiologie gehindert haben; dagegen darf sein Versuch, durch

Thierexperimente die contagiöse Natur der Krankheit zu erweisen, als

durchaus gelungen angesehen werden. Die bacteriologischen Bemerkungen

_Oertel_’s habe ich nur deswegen hier so ausführlich wiedergegeben,

um gleichzeitig die Schwierigkeiten anschaulich zu machen, welche in

Folge der _Hallier_’schen und _Nägeli_’schen Irrlehre in damaliger

Zeit jeder zu überwinden hatte, der in den Bacterienbefunden bei

Krankheitsprocessen sich zurecht finden wollte.

Wenn demnach _Bretonneau_ durch _epidemiologische_ Studien richtige

Anschauungen über die Natur der Diphtherie, als einer contagiösen

Infectionskrankheit verbreitet hat, so muss _Oertel_ das Verdienst

zugesprochen werden, den _experimentellen_ Beweis für die

Uebertragbarkeit der Diphtherie erbracht zu haben.

Der nächste grosse Fortschritt in der Erforschung der Aetiologie

gebührt dann _Löffler_, welcher in seinem _Diphtheriebacillus_ uns den

alleinigen specifischen Erreger der Krankheit kennen lehrte.

Zwar hat _Klebs_ ein Jahr vor _Löffler_ (1883) auf dem II. Congress

für innere Medicin einen Bacillus demonstrirt, der höchstwahrscheinlich

mit dem _Löffler_’schen identisch gewesen ist. Indessen den Beweis für

die Specificität desselben hat er ebensowenig erbracht, wie für sein

Mikrosporon diphtheriticum, welches nach seiner Schilderung „Stäbchen

und Mikrococcenballen als verschiedene Entwickelungsstadien des

gleichen Organismus producirt“, und das er als die Ursache einer sehr

schwer verlaufenen Diphtherieepidemie in Prag bezeichnete. Weder hat

er Reinculturen der von ihm demonstrirten Bacillen anzulegen vermocht,

noch hat er in Uebertragungsversuchen die Bacillen als Erreger der

gleichen oder einer ähnlichen Krankheit bei Thieren nachgewiesen.

Ueberdies ist die Beschreibung seines Bacillus in wesentlichen Dingen

nicht auf die wirklichen Diphtheriebacillen zutreffend, z. B. wenn

er dieselben als „sporentragend“ bezeichnet. Er sagt darüber (S. 145

der Congressverhandlungen): „Eine ziemliche Anzahl der Bacillen ist

sporentragend, und zwar befinden sich stets zwei endständige Sporen in

je einem Stäbchen. Bei dem Eintrocknen diphtherischer Membranen, wenn

dasselbe allmählich, in gewöhnlicher Temperatur über Schwefelsäure

geschieht, vermehren sich die Sporen sehr bedeutend, und trifft

man dann selten ein Stäbchen, welches keine solchen enthält; viele

enthalten bis vier Sporen.“

Das alles entspricht so wenig den Anforderungen an die Klarlegung der

parasitären Natur einer Infectionskrankheit, dass meines Erachtens

ganz mit Unrecht für _Klebs_ von manchen, namentlich von französischen

Autoren, die Entdeckung des Diphtheriebacillus reclamirt wird. Es

wird ja wohl auch _Klebs_ bei seinen Diphtherieuntersuchungen die

_Löffler_’schen Bacillen thatsächlich gesehen haben, ebenso wie ja

ganz gewiss die mikroskopirenden Untersucher der Choleradärme aus

den 50ger Jahren die _Koch_’schen Kommabacillen in ihren Präparaten

gehabt haben werden und wie nicht wenige Autoren angeben, dass sie

den _R. Pfeiffer_’schen Influenzabacillus vor _Pfeiffer_ gesehen

und beschrieben hätten. Gleichwohl, wenn wir die Entdeckung der

Krankheitserreger in diesen Fällen an bestimmte Namen knüpfen,

dann werden wir stets nur vom _Löffler_’schen Diphtheriebacillus,

vom _Koch_’schen Kommabacillus der Cholera asiatica und vom

_Pfeiffer_’schen Influenzabacillus reden können.

* * * * *

_Löffler_ hat seine erste Darstellung der parasitären Natur der

Diphtherie im Jahre 1884 auf dem Congress für innere Medicin in Berlin

gegeben.

Die Geschichte der Diphtherie · 第 5 / 16 段