erscheinende _Dictionary of arts and science_. Unter den Werken, die
dem Buchhandel und den Buchdruckereien grossen Verdienst bereiteten,
ist Dan. Defoes († 1731) _Robinson Crusoe_, das, abgesehen von den
vielen Nachahmungen, in der ursprünglichen Gestalt, 41 Auflagen
erlebte. Bunyans: The _pilgrim's progress_ wurde fortwährend neu
gedruckt. Shakespeare war noch nicht populär; die erste gesammelte
Ausgabe seiner Bühnenstücke erschien, von zwei Schauspielern
herausgegeben, 1623, in fol. Bis 1664 gab es von seinen Werken nur
zwei Ausgaben, zusammen in kaum mehr als 1000 Exemplaren gedruckt. 1676
erschien _General Catalogue of books 1666-1676_, von Rob. Clavel, nach
Fächern zusammengestellt und bis 1700 fortgesetzt.
* * * * *
Schriftgiesserei.
Dass die englische Buchdruckerei nicht ohne eine entsprechende
Entwickelung der Schriftgiesserei zur Blüte hatte gelangen können, ist
selbstverständlich. Die Zahl der Schriftgiessereien, die, wie erwähnt,
anfänglich auf vier beschränkt war, ist bis heute eine verhältnismässig
kleine geblieben. Von Bedeutung war □Thomas James□. Im Jahre 1710
kaufte er Matrizen in Holland und gründete nach seiner Rückkehr eine
Giesserei. In Verbindung mit Ged hatte er auch in der Stereotypie
experimentiert, was ihm direkt und indirekt Schaden brachte, denn
seine Kunden, die Buchdrucker, betrachteten das Verfahren mit scheelen
Augen als ein ihnen nachteiliges. Nach dem Tode von Thomas James (1736)
vereinigte der Sohn □John□ mehrere ältere Giessereien mit der seinigen
und gelangte dadurch in Besitz einer grösseren Anzahl von Matrizen von
der Zeit Wynkyn de Wordes bis auf die seine. Später erwarb □Rowe Mores□
(geb. 1730) das Geschäft. Er ist bekannt als Verfasser eines Werkes
über Schriftgiesserei und starb 1778 in unglücklicher Lage.
Will. Caslon.
Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war □William Caslon□,
der England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in
Cradley, Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur
und bewies als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit.
Gelegentlich fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben
kamen dem Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und
Genauigkeit derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande
sein würde, den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen,
und er verhiess ihm seine Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine
Schriftgiesserei errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £
und er fing nun mit Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft
bekam er den Auftrag eine arabische Schrift zu schneiden. Als
Unterschrift seiner Firma hatte er sich einiger von ihm geschnittener
Antiqua-Buchstaben bedient, von welchen Sam. Palmer so entzückt war,
dass er ihm auftrug, die ganze Schrift zu schneiden. Später wurde
dies dem Palmer leid, da er gute Gründe hatte, es nicht mit den
anderen Schriftgiessereien zu verderben, die durch Caslons überlegene
Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er suchte deshalb Caslon von
seinem Vorhaben wieder abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang.
Caslon wendete sich an den Buchdrucker William Bowyer den älteren, mit
dessen Hülfe nun seine prachtvolle Antiqua-Garnitur, die an Klarheit,
Leserlichkeit und Gleichmässigkeit nicht viele ihresgleichen hat,
vollendet wurde. In der Zeit von 1720-1780 wurden fast alle Werke von
Bedeutung mit den Caslonschen Schriften gedruckt, die den Vergleich mit
den Meisterwerken der früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen
und von späteren nicht übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766,
74 Jahre alt.
* * * * *
NORDAMERIKA.
Die Presse Nord-
amerikas.
Die Presse Nordamerikas[2], welche in unserer Zeit eine so grossartige
Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern
überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in
Wickeln“.
[2] □Isaiah Thomas□, _The history of printing in America_. 2
Bde. Albany 1874. -- □J. F. Fabricius□, Notizen über die
Einführung und erste Ausbreitung der Buchdruckerkunst
in Amerika. Hamburg 1841. -- □Fr. Kapp□, Der
deutsch-amerikanische Buchdruck und Buchhandel im vorigen
Jahrh. Leipzig 1878.
Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie
in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der
Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische
und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe
darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen
Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der
vielen religiösen Sekten beizutragen, die in Amerika ein Asyl für
das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden
hatten.
Joseph Glover.
Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger
□Joseph Glover□ zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei
in England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe
gründete darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE
(Massachusetts), und das erste Buch, welches aus dieser hervorging,
war _The Freemans Oath_ (1639). Die Offizin ward später nach Boston
übergeführt und die Leitung □Stephan Daye□ übertragen, dem □Samuel
Green□ folgte. Bei der Gründung der frühesten Druckereien in Amerika
war in der Regel das Material Eigentum der Regierung oder einer
Gesellschaft. Ein verantwortlicher Geschäftsführer wurde ernannt, der
unter seinem Namen druckte. Oft blieb in dieser Weise die Leitung einer
Buchdruckerei auf lange Zeit in einer Familie.
Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im
allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt,
vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen
sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte.
1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein
und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen
Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden
sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu
sein.
Boston.
In BOSTON ward □John Forster□ mit der ersten Buchdruckerei belehnt, die
zweite begann der schon erwähnte □Sam. Green□. Sie wurde von seinem
Bruder □Bartholomeo□ fortgesetzt, der 1704 die erste amerikanische
Zeitung _The Boston News Letter_ begann. 1709 erschien bei Green ein
Psalter in indianischer Sprache mit der Bezeichnung: _Boston, printed
by B. Green and F. Printer_. Letzterer, ein getaufter Indianer, war
jedoch nicht Miteigentümer der Offizin, sondern Drucker daselbst, und
sein Name wurde wahrscheinlich nur aus Klugheit auf den Titel gesetzt,
um dem Buch bei den Indianern leichteren Eingang zu verschaffen.
James Franklin.
Im März 1717 kam □James Franklin□, älterer Bruder des berühmten
Benjamin, mit einer Presse und mit Schriften nach Boston. Die Kunst
hatte er in England gelernt, 1719 druckte er für Rechnung des Bostoner
Postmeisters die zweite amerikanische Zeitung: _The Boston Gazette_.
Als ihm der Druck derselben entzogen ward, gründete er selbst _The
New England Courant_. Auf Grund von dessen freisinniger Richtung
sollte dem James Franklin 1723 die Zensur auferlegt werden. Um dies zu
umgehen, sprach er seinen Bruder Benjamin, der bei ihm lernte, los,
und das Blatt erschien nun mit dem Impressum: _Boston, printed and
sold by Benjamin Franklin_. James ging später nach Newport und gab die
_Rhode-Island Gazette_ heraus. Er starb 1735.
Benj. Franklin.
□Benjamin Franklin□, dessen Ruhm ewig leben wird, war am 17. Januar
1706 geboren. Gehört er auch nicht zu den Koryphäen der Typographie in
der Bedeutung, wie ein Aldus, Elzevier, Stephanus, Didot, so werden die
Jünger Gutenbergs ihn doch stets mit wahrem Stolz den ihrigen nennen,
und er war seinerseits auch nicht nur dem Namen nach einer der ihrigen.
Nach der Übernahme des _New England Courant_ scheint eine Spannung
zwischen den Brüdern eingetreten zu sein. Aufgemuntert durch den
Gouverneur von Philadelphia Sir William Keith, auf dessen Kosten dort
eine Buchdruckerei, die Benjamin aus England holen sollte, anzulegen,
ging er nach London. Aber die Kreditbriefe blieben aus und Franklin
war, um zu existieren, genötigt als Gehülfe zu arbeiten. Nach seiner
Rückkehr nach Philadelphia errichtete er zusammen mit einem gewissen
□Meredith□ eine Buchdruckerei, die Verbindung wurde jedoch bald gelöst
und nun entwickelte Franklin seine ganze ausserordentliche Thätigkeit.
Er arbeitete von früh bis spät, schrieb seinen _Poor Richards
almanack_, den er 25 Jahre lang herausgab, und gelangte zu Ansehen und
Wohlhabenheit.
Deutscher
Druck Franklins.
Mit der deutsch-amerikanischen Typographie ist Franklins Name
enger verknüpft, denn seiner Presse entstammt der älteste
aufgefundene deutsche Druck Amerikas, ein Büchlein von 96 Seiten
in Duodez mit Antiqua gedruckt. Der Titel, der zugleich geeignet
ist, eine Vorstellung von der Beschaffenheit der Anfänge der
deutsch-amerikanischen Litteratur zu geben, lautet:
„Goettliche Liebes und Lobesgethoene, welche in den Hertzen der kinder
der Weiszheit zusammen ein und von da wieder ausgefloszen. □Zum Lob
Gottes□ und nun von denen schuelern der himmlischen Weiszheit zur
erweckung und aufmunterung in ihrem Creutz und leiden aus hertzlicher
Liebe mitgetheilet. Dann mit lieb erfuellet sein, bringt Gott den
besten Preisz Und giebt zum singen uns die allerschoenste weisz. Zu
Philadelphia, Gedruckt bey Benjamin Franklin in der Marckstrasz 1730“.
Verdienste
Franklins.
Franklins ausserordentliche Verdienste um die Wissenschaft, seine
Stadt, seinen Staat und die ganze Menschheit können wir hier nur
andeuten. 1752 erfand er den Blitzableiter, wofür die Universität
Oxford ihn zum Doktor ernannte, eine damals seltene Ehre. Im
bürgerlichen und Staats-Leben stieg er von Stufe zu Stufe, bekleidete,
und zwar mit Auszeichnung, selbst den militärischen Posten eines
Obersten in der, besonders durch ihn hervorgerufenen, freiwilligen
Miliz. Als Agent für Pennsylvanien in England legte er der englischen
Regierung, die mit Frankreich in Krieg verwickelt war, einen Plan
zur Eroberung Canadas vor, der auch ausgeführt wurde und vollständig
gelang. Zur Belohnung erhielt sein Sohn den Posten eines Gouverneurs
von New-Jersey. Derselbe wurde jedoch, als er sich später nicht der
Revolution gegen England anschloss, zwei Jahre gefangen gehalten.
Bei Begründung der Konföderation wurde Benjamin als Abgeordneter
Pennsylvaniens zum Kongress und dann zum Präsidenten dieses Staates
gewählt, als welcher er die Universität Philadelphia gründete. In
seiner Eigenschaft als nordamerikanischer Gesandter in Frankreich
leistete er seinem Lande und dessen Unabhängigkeit die grössten
Dienste. Die französische Akademie ernannte ihn zu ihrem Mitglied und
der Präsident derselben, d'Alembert, begrüsste ihn mit dem berühmt
gewordenen: _Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis_[3].
[3] Dem Himmel entriss er den Blitz, den Tyrannen das Szepter.
Bei seinem Tode am 17. April 1790 wurde eine vierwöchentliche
Landestrauer angeordnet und die französische Nationalversammlung legte
seinem Andenken zu Ehren eine dreitägige Trauer an.
Als Franklins Zeit durch die öffentliche Angelegenheit zu sehr in
Anspruch genommen wurde, hatte er erst □David Holl□ zum Teilnehmer
am Geschäft genommen und ihm dann 1766 die Firma Franklin & Holl ganz
übergeben. Hörte er auch damit auf, ein Mitglied des Buchdruckerstandes
zu sein, so beweist doch seine, von ihm selbst verfasste Grabschrift,
dass er demselben im Herzen treu geblieben war. Sie lautet:
Franklins Grab-
schrift.
_The body of Benjamin Franklin, Printer, (like the cover of an old
book, its contents worn out, and stript of its lettering and gilding)
lies here, food for worms! Yet the work itself shall not be lost, for
it will, as he believed, appear once more in a new and more beautiful
edition, corrected and amended by its Author_[4].
[4] „Hier ruht der Leib Benjamin Franklins, Buchdrucker
(gleich dem Deckel eines alten Buches, dessen Inhalt
herausgenommen ist und der seiner Aufschrift und
Vergoldung beraubt wurde), Nahrung für die Würmer.
Doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern
einstens in einer neuen und schöneren, vom Verfasser
durchgesehenen und verbesserten Auflage erscheinen.“ --
Der Gedanke selbst war vielleicht nicht ganz original,
wenigstens hat er grosse Ähnlichkeit mit einem von Joseph
Capen in einem Leichencarmen auf John Foster in Boston
ausgesprochenen.
Baltimore und
New-York.
In BALTIMORE war der erste Buchdrucker □Nikolaus Hasselbaugh□, von
deutschen Eltern in Philadelphia geboren. NEW-YORK erhielt erst 1693
eine Offizin durch □William Bradford□ aus Philadelphia. Die zweite
Buchdruckerei errichtete □Joh. Peter Zenger□ 1726. Dieser gab 1733 _The
New-York weekly Journal_ heraus, das durch seine freisinnige Haltung
Zenger Gefangenschaft eintrug, aus welcher ihn jedoch, nach Verlauf von
acht Monaten, der Spruch der Geschworenen erlöste.
Die deutschen
Einwanderer.
Wesentliche Verdienste erwarben sich die deutschen Ansiedler um die
Presse. Die ersten derselben gehörten zumeist pietistischen Sekten
an, und waren namentlich Anhänger und Freunde Ph. Jacob Speners. Will.
Penn, der auf seinen Reisen dem erwähnten näher getreten war, forderte
zur Einwanderung auf. Die zu diesem Zweck gebildete „Frankfurter
Compagnie“ erwarb ein Stück Land, und der Grund zu Germantown, jetzt
ein Teil von Philadelphia, ward gelegt.
Die deutschen Einwanderer waren jedoch nicht allein der Frömmigkeit,
sondern auch der Thätigkeit ergeben und bei ihren Mitbürgern gut
angeschrieben. Die ersten deutschen Drucke sollen von den in Ephrata
angesiedelten Wiedertäufern stammen, von ihren Büchern ist jedoch
nichts auf uns gekommen, dagegen besitzt die Historische Gesellschaft
in Philadelphia, die um die Sammlung der deutsch-amerikanischen Drucke
sich sehr verdient gemacht hat, ihre Presse.
Christoph Sauer.
Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien eine
schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz alles
zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. Die
grössten Verdienste erwarb sich □Christoph Sauer□ (Saur, Sower),
geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines
Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731
lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown
zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in
Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte.
Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen.
Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne
billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher
bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war
das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat
feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder
Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach
Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es:
„allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“.
Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten
deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische
Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur
und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus
ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das
Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben;
die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals
geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder
Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“.
Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um
die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei
alles wahr, was in der Zeitung stände.
Sauers Bibel-
druck.
Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen
lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst
eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk
von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren vollständig und
in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen
Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer
Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst
1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen
und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland
erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch
gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss
seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet.
Christ. Sauer d. j.
□Christoph Sauer□ d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte
jedoch, wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und
Andachtsbücher. Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern
Bezug auf Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König
Friedrich □ii.□ von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn
der bedeutendste Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die
Bibel druckte er noch in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast
gänzlich von den Soldaten zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der
Freiheitskrieg sich nach Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des
Vaters sowohl als des Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften
und guten Druck aus; auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der
Sohn stand politisch auf Seiten der englischen Regierung und zog zu
seinen Kindern nach Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei
nahmen. Er ward als Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er
nach seiner Rückkehr zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen
Lebensabend verbrachte der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen
Verhältnissen, und starb 1784.
Die späteren
Nachkommen
Sauers.
Zwei seiner Söhne, □Peter□ und □Christoph iii.□, gaben in Philadelphia
das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende
deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn □Samuel□
liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser,
Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der
vierte Sohn □Daniel□ setzte das alte väterliche und grossväterliche
Geschäft in Philadelphia fort.
Sonstige
deutsche Drucker
u. Buchhändler.
Die übrigen deutschen Buchhändler Pennsylvaniens nahmen keinen grossen
Rang ein. Die Gebrüder □Gotthart□ und □Anton Armbruster□ gehörten
zu den bedeutendsten und gaben eine zeitlang gemeinschaftlich mit
Benjamin Franklin die _Pennsylvania Gazette_ heraus. Vor und während
der Revolution blühte das Geschäft von □Heinrich Müller□, der
sich 1760 dauernd in Philadelphia niederliess. Sein wöchentlicher
„Philadelphia-Staatsbote“ war das erste Blatt, welches am 9. Juli 1776
die Unabhängigkeits-Erklärung veröffentlichte. Bei dem Einzug der
Engländer wurde Müllers Offizin verwüstet. Noch verdienen □Melchior
Steiner□ und □Carl Cist□ als Drucker und Verleger genannt zu werden.
Von einem geregelten buchhändlerischen Verkehr war keine Rede, der
Vertrieb wurde durch Hausierer besorgt.
Sonst und Jetzt.
So waren die ersten schwachen Anfänge der amerikanischen Presse, deren
Riesendimensionen jetzt unser Staunen erregen. Was würde wohl der
einstmalige Gouverneur von Virginien Sir Thomas Berkeley sagen, wenn
er heute nach Virginien zurückkehrte, von wo aus er 1671 mit Stolz
und Befriedigung nach London berichtete: „Ich danke Gott, wir haben
hier keine Freischulen und keine Buchdruckereien, und ich hoffe, es
soll noch lange Zeit so bleiben, denn das Lernen hat nur Ungehorsam,
Ketzerei und Sektenwesen in die Welt gebracht; die Buchdruckerkunst
aber war die Dienerin aller dieser Gräuel; Gott bewahre uns vor
beiden“.
[Illustration:Kapitelende]
[Illustration:Kapitelanfang]
XIII. KAPITEL.
DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER.
□Polen.□ □Russland□: Moskau, St. Petersburg. □Die Türkei□:
Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi, Syrien. □Das östliche
Asien, China□, das chinesische Tafeldruckverfahren und die
Papierfabrikation. Europäischer Druck in Asien.
POLEN, im □xv.□ und □xvi.□ Jahrhundert ein blühendes Reich, wo
Wissenschaft und Litteratur begünstigt wurden, förderte auch rüstig
die Buchdruckerkunst. □Johann Haller□ aus Nürnberg (um d. J. 1500),
ein Schüler Kobergers, war ein bedeutender Buchdrucker und Buchhändler
in KRAKAU. Die Juden begannen 1517 den hebräischen Druck zu üben, der
sehr aufblühte. □Paul Helic□ gab 1540 das von einem getauften Juden
ins Hebräische übersetzte Neue Testament heraus. Mit ihm gleichzeitig
wirkte □Hieronymus Victor□ aus Wien (1518-1543).
Der bedeutendste Buchdrucker war wohl □Nikolaus Scharfenberg□.
Berühmt sind seine den Königen Sigismund August, Heinrich von Valois
und Stephan □i.□ gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache und seine
_Constitutiones, statuta et privilegia in comitiis regni etc._, die er
für den Buchhändler □Andreas Lazarsz□ druckte, der, selbst Buchdrucker,
auch eine grosse Anzahl vorzüglicher und hochgeschätzter Werke aus
seiner Offizin lieferte.
Polen.
Einer der angesehensten Männer Polens war □Johann Januszowski□. Früher
Gesandter bei Kaiser Maximilian □ii.□ und Geheimschreiber des Königs
Sigismund August, zog er sich von den Staatsgeschäften ganz zurück, um
nur den Wissenschaften und der Typographie zu leben. Polen hat seiner
Feder und seinen Pressen eine Menge wertvoller Schriften zu verdanken.
Ein berühmter Buchdrucker war □Franz Cäsarius□ (wahrscheinlich ein
Deutscher, Kaiser), der die Lazarszsche Offizin erwarb, welche über 100
Jahre im Besitz der Familie blieb.
Unter den jüdischen Buchdruckern zeichnete sich namentlich
□Isaak-Ben-Aaron Prostitz□ (um 1550) aus. Unter vielen anderen
Schriften druckte er sowohl den babylonischen als den jerusalemitischen
Talmud. In POSEN, WILNA und LUBLIN, wo sich der Sitz der Socinianer[1]
befand, wurde viel gedruckt, ebenso in BRZESC, wo die bekannte _Biblia
swięta_ mit Illustrationen (1563) erschien, die nach dem Kostenträger
gewöhnlich die Radziwill-Bibel genannt wird. In OSTROG kam auf Kosten
des Fürsten Konstantin von Ostrog, Palatins von Kiew, die jetzt sehr
selten gewordene Bibel in altrussischer Sprache heraus. Die Leitung
hatte der Patriarch Jeremias von Konstantinopel übernommen; die Typen
sind genau den slawischen Manuskripten nachgebildet. Der Druck ist
vorzüglich, nur das Papier ist nicht gut.
[1] Unitarier. Vorläufer der Rationalisten.
In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische
Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten
vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten.
PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf
dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin
von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6
Quartbänden drucken (1579-1593).
Ungarn.
In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst
in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt
in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph
und Schriftgiesser dort war □Nikolaus Tótfalu□, der sogar Florenz und
Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.[2]