[2] □J. D. Hoffmann□, _de typographiis eorumque initiis et

incrementis in Regno Poloniae_. Danzig 1740. -- □K.

Ungar□, Neue Beiträge zur alten Gesch. d. Buchdrk. in

Böhmen. Prag 1795. -- □Ch. d'Elwert□, Beitr. zur Gesch.

etc. Mährens. I. Bd. Brünn 1854. -- Etwas von der Buchdr.

des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Ungarn und Siebenbürgen.

(Ungar. Mag. 1788. No. 26.) Pressburg. -- □Joh. Nemeth□,

_Mém. typogr._ Pest 1838.

Russland.

In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der

slawischen Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan

Wassiljewitsch 1553 die erste Buchdruckerei □Synodalnija typografia□

durch den Diakon □Iwan Feodorow□ und □Timoféew Mstislavzoff□ unter

Aufsicht des Dänen □Hans Hannsen□, und hier erschien 1564 der in der

russischen Litteratur so berühmte _Apostol_, in slawischer Sprache

gedruckt, von welchem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek

der Akademie zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte

die Drucker, die es für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in

Wilna und Lemberg fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch'

Regierung wurde eine neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast

nur aus kirchlichen Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre

1643 hatte der Klostergeistliche □Arsenij Suhanow□ den Gebrauch einer

sehr schmalen und schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der

Synodaldruckerei unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im

Jahre 1663 erschien die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel

nach dem Muster der Ostroger v. 1581.

Peter der Grosse.

Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua

anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden

von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. Dieser

erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker □Tessing□ das

Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess auch

Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die

Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland

druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des

Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das

Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm.

Peter der Grosse.

Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von □Jan van

Duren□ derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen

Text enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte

in Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur

das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen

holländischen Gestalt.

Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer □Andrew Johnson□ eine georgische

Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des

gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde,

unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte

in 8 Sprachen ausgeführt sein soll.

St. Petersburg.

Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau,

das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert

1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat

erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche

in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das

Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735

die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730

geliefert.

Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und

dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei.

Die Türkei.

In der TÜRKEI[3] war auf Anordnung des Sultan Bajazet □ii.□ die

Ausübung der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim

□i.□ hatte dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe

druckten jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726

sind manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der

Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist.

[3] □J. Beckmann□, Nachrichten von der Buchdruckerei zu

Konstantinopel (Hann. Mag. 1768). -- □Giamb. Toderini□,

Litteratur der Türken. Aus dem Ital. durch P. W. G.

Hausleutner. □ii.□ Band. 2. Teil. Buchdruckerei der

Türken. Königsberg 1790.

Im □xvii.□ Jahrhundert versuchte □Nicodemus Metaxa□, ein gelehrter

Mönch aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus

Lukaris eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der

Versuch wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt und eine 1698 aus

Venedig eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört.

Ibrahim und

Said Efendi.

Erst 1726 unter der Regierung Achmeds □ii.□ trat die, von der

Regierung erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der

Buchdruckerei ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten

□Ibrahim Efendi□. Besonders thätig war dabei □Said Efendi□, der als

Gesandtschaftssekretär in Paris Geschmack an der Kunst gefunden

hatte und nun die nötigen Schriften anschaffte, und zwar diese

in Konstantinopel selbst schneiden und giessen liess. Nach vielen

Beratungen mit den ersten Staatsmännern und Gesetzverständigen that der

Mufti den Ausspruch, dass es gestattet sein solle, mit Ausnahme der

Religionsbücher, in arabischer Sprache zu drucken, dass es aber gut

sei, wenn vier Oberaufseher ernannt würden, welche wissenschaftliche

Kenntnisse genug besässen, um über den richtigen Abdruck der Bücher

zu wachen. Das erste Buch, welches demgemäss erschien, war Wankulis:

_Kitab Lugat_, arabisch-türkisches Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von

1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher Befehl stellte den Preis auf 35

Piaster fest. Als erstes mit Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte

Holdermanns französisch-türkische Grammatik 1730. Um dieses Jahr

entwickelte sich eine ziemlich lebhafte Druckthätigkeit, namentlich

um geschichtliche und geographische Werke herzustellen, darunter eine

Geschichte von Amerika mit Landkarten und Illustrationen, ein Atlas von

39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der Welt“ u. a.

Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand.

Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen

Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch

unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden

war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke

nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke

noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend

gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die

allen Orientalen gemeinsam ist.

Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des

Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf.

Die Wallachei.

In der WALLACHEI wurde im Kloster SNAGOF, nahe bei Bukarest, auf

Kosten des Woywoden Johannes Konstantin Bessaraba, i. J. 1701 ein

griechisch-arabisches Missal gedruckt. Die dortige Klosterbuchdruckerei

war reich an arabischen, griechischen und illyrischen Schriften.

Syrien.

In SYRIEN bildeten die Klöster des Libanon eine Zuflucht für

abendländische Wissenschaft, wo seit länger als 250 Jahren

gedruckt worden ist. □Paschalis-Elis□ und □Joseph Ibn-Amimas□

arabisch-syrischer Psalter ist 1610 datiert. Aus ALEPPO, wo eine

Buchdruckerei unter der Direktion des Patriarchen Athanasius von

Antiochien bestand, existierten Drucke aus dem Jahre 1706, aus BEIRUT

von 1751; georgische aus TIFLIS von 1701. In DAMASCUS druckten die

Juden schon 1605. Im Jahre 1622 beschloss ein Konzil der armenischen

Bischöfe die Buchdruckerei einzuführen. Ein Mönch aus Eriwan, □Uscan□

oder □Osgan□ (gest. 1676) wurde nach Amsterdam gesandt und druckte dort

die Bibel. 1669 errichtete Uscan eine armenische Presse in Marseille,

die schliesslich nach Konstantinopel übergeführt wurde.

* * * * *

Früher Druck in

China.

Im ÖSTLICHEN ASIEN wurde lange vor Einführung von Gutenbergs Kunst

der Bücherdruck in ziemlichen Umfange getrieben und CHINA[4] ist oft

als die Mutter der Buchdruckerkunst genannt. Nach dem, was wir unter

Typographie verstehen, kann davon, wie auch gleich eingangs bemerkt

wurde, keine Rede sein, aber der chinesische Bücherdruck ist wichtig

und interessant genug, um demselben unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

Wir übergehen alle sich in das Mythenreich verlierenden Erzählungen von

der Entstehung der chinesischen Schrift und der frühesten Verwendung

derselben, und halten uns an die historisch begründete Thatsache, dass

um das Jahr 1000 n. Chr. viele Bücher von Holztafeln gedruckt wurden.

Zuerst waren die Schriften vertieft in Stein oder Holz geschnitten

worden, so dass nach der Einreibung mit Farbe die Schrift weiss auf

schwarzem Grund erschien; man lernte jedoch bald die Vorzüge des

erhabenen Buchstabenschnittes kennen.

[4] □Stan. Julien□, _L'imprimerie en Chine au VI Siècle de

notre ère_. Paris o. J. -- □Stan. Julien□, _Documens

sur l'art de l'impr. etc. en Chine_. Paris 1847. -- □H.

Wuttke□, Die Entstehung der Schrift etc. Leipzig 1872.

Das chinesische Druckverfahren, wie es sich bis auf den heutigen Tag

erhalten hat, ist folgendes:

Das chinesische

Druckverfahren.

Aus hartem Holz, gewöhnlich Kirsch-, Birn- oder Pflaumenbaumholz,

werden, ½-¾ Zoll dicke Tafeln geschnitten, die kleinen Ritzen und

Löcher ausgefüllt und die geglätteten Flächen (man benutzt in der Regel

beide) mit einem Reisteig überzogen. Das Herstellen solcher Platten

ist ein besonderer Geschäftszweig. Der Schönschreiber malt nun genau

und zierlich das zu Druckende auf durchsichtiges Papier und vergleicht

seine Arbeit mit dem Manuskript. Ein Blatt (zwei neben einander

stehende Seiten) enthält gewöhnlich ein halbes tausend Zeichen. Die

beiden Seiten werden mit einem starken Strich umrahmt; ein anderer

Strich durch die Mitte des Blattes bezeichnet die Stelle, wo das, nur

auf der einen Seite bedruckte Blatt, mit der zugemachten Seite nach

aussen gekehrt, beim Heften gefalzt werden muss, ganz wie es bei den

xylographischen Reiberdrucken des □xv.□ Jahrh. in Deutschland der Fall

war.

Uebertragung

der Schrift.

Auf die noch feuchte Klebmasse, mit der das Holz überzogen wurde, wird

das beschriebene Blatt verkehrt aufgelegt und, nachdem es angetrocknet

ist, mit einem benetzten Finger das Papier sorgsam abgerieben. Die

Schrift bleibt deutlich auf dem Holzblock zurück. Damit sie noch besser

hervortritt und das Holz leichter zu behandeln ist, wird die Oberfläche

mit Fett überzogen oder mit Öl getränkt.

Der Schnitt.

Dann geht „der Setzer“ (d. h. der Holzschneider) ans Werk und sticht

alles nicht Beschriebene wie bei der Holzschnittzeichnung weg. Den

durch einen solchen erhabenen Schnitt entstehenden Druck nennt man den

männlichen (_Jangwen_), wird dagegen die Schrift vertieft geschnitten,

so dass sie im Druck weiss auf schwarzem Grund erscheint, so heisst das

Verfahren weiblicher Druck (_Jenwen_).

Der Drucker.

„Der Drucker“ sitzt vor einer Bank, auf welcher der Block so festgelegt

wird, dass er sich nicht rücken und reiben kann, was schon deshalb

vermieden werden muss, weil, wie erwähnt, gewöhnlich beide Seiten der

Platte zum Schnitt benutzt werden. Auf der einen Seite steht ein Haufen

Papier, auf der andern befindet sich der Topf mit der Schwärze, sowie

der Pinsel oder die Bürste. Die Druckerschwärze besteht aus gestossenem

und durch ein Haarsieb geschüttetem Lampenruss, welcher in Branntwein

zu einem Brei aufgeweicht, bis zu einem Zehnteil der Masse mit

animalischem Leim oder Pflanzenöl angemacht, schliesslich mit Wasser

verdünnt wurde.

Reiberdruck.

Das erste Geschäft des Druckers ist, dass er mit dem in die Schwärze

getauchten Pinsel oder der Druckbürste die Tafel zweimal sanft

überfahrt, so dass die erhabenstehende Schrift gleichmässig gefärbt

wird. Dann legt er einen Bogen auf die Schrift, streicht ihn behutsam

mit der Bürste aus, legt einen zweiten Bogen als schützenden Deckel

darauf und fährt mit der Bürste oder einem Reiber aus Palmenrinde ein

paarmal fest darüber weg, dann ist der Druck fertig. Der Farbenanstrich

dient für drei bis vier Abzüge und muss dann erneuert werden. Ein guter

Drucker soll täglich zwei- bis dreitausend Blätter liefern können.

Das Heft.

Die zusammengefalzten, gedruckten Blätter werden zu einem Heft (_pen_)

vereinigt, selten mehr als 50-80 Blätter. Oft erhalten die Hefte einen

obern und untern Deckel, mit Seide oder Brokat überzogen. Die zu einem

Werke gehörenden Hefte werden zusammen in einer Kapsel von Pappe oder

Holz aufbewahrt. Die Kapseln werden auf die Bücherbretter flach gelegt

und über einander geschichtet.

Das Format.

Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen

würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein

„Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat.

Typographische

Einteilung

Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den

semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde

also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede

Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der

allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des

Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern

Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker

an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein

Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite

angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters

mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte

Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig.

Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da

ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung überhaupt den Chinesen

mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk

fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte

Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu

war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke

galten als die vorzüglichsten.

Das Papier.

Das chinesische und japanische □Papier□ wird hauptsächlich aus

Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus

der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der

_Broussonetia papyrifera_), der Schwertlilienpflanze, sowie aus

mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der

Seidenspinnerei gefertigt.

Das Bambus-

rohrpapier.

Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten

chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4

Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in

Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen

bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in

völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke

herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann

gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der

halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen

siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig

ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die

gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen,

endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom

Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände

geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke

versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten

Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese

noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die

Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen.

Der Papier-Maulbeerbaum.

Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des

Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen

bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in

dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf

Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre

werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3

Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der

merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen

Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als

Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später

einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der

innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern,

während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die

Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in

Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art

Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude

nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird

tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und

dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und

beschnitten.

Das Reispapier.

Ein, uneigentlich als Reispapier bezeichnetes Produkt ist das auf der

Insel Formosa aus der _Aralia papyrifera_ gewonnene. Das Mark dieser

Pflanze wird in dünne Blättchen geschnitten und dann noch flacher

gepresst und liefert Stücke von ½-1 Fuss im Quadrat. Die besten Stücke

werden zum Bemalen, die kleinen Stücke zu der Fabrikation künstlicher

Blumen benutzt.

Das Papiergeld.

Zur Fabrikation des Papiergeldes wird in Japan nur der Bast eines

Baumes „Mitsumata“ verwendet, welcher ausdrücklich zu diesem Zweck

kultiviert wird. Der Bast des Kaji-Baumes, der unserer Weide gleicht,

wird namentlich zu _Papiermaché_ verarbeitet, von welchem die

Chinesen und Japanesen wie bekannt eine Unendlichkeit von Gegenständen

herstellen[5].

[5] In der Beschreibung der Herstellung des Papiers

folgten wir dem Spezialkatalog der chinesischen

Ausstellungskommission der Wiener Ausstellung, der in

mehreren Punkten von den älteren Darstellungen, sowie von

einer Beschreibung des Herrn □von Ransonnet□, abweicht.

Die chinesische Ausstellung in Wien enthielt über hundert

verschiedene Sorten von Papier.

* * * * *

Europäischer

Druck in China

und Japan.

EUROPÄISCHE TYPOGRAPHIE IN ASIEN. Um die Einführung der gutenbergischen

Typographie im östlichen und südlichen Asien machten sich die

Jesuiten-Missionäre schon ausgangs des □xvi.□ oder anfangs des

□xvii.□ Jahrhunderts verdient und sie hatten in der Hauptstadt PEKING

verborgene Pressen. Eins der ältesten dort gedruckten Bücher ist

die _Cœlestis doctrinæ vera ratio_ chinesisch aus dem Jahre 1603.

In NANKING gab der Jesuit Nikolas Trigault um 1620 ein chinesisches

Wörterbuch in 3 Bänden heraus, das jetzt zu den grössten Seltenheiten

gehört. In MACAO wurde schon um 1590 gedruckt. Das erste Buch war

der Bericht eines japanesischen Gesandten nach Rom in japanischer und

lateinischer Sprache. In CANTON wurde vieles gedruckt, darunter ist

zu erwähnen die „Bibliothek nützlicher Kenntnisse“ in 100 Bändchen.

Auf der Insel FORMOSA erschien 1661 eine malaische Übersetzung der

Evangelien Johannis und Matthäi.

Das Druckverfahren in JAPAN ist dem chinesischen gleich und wird seit

uralter Zeit geübt. In europäischer Weise gedruckt erschien bereits

1591 in TACACO auf der Insel Nippon ein Leben der Apostel mit einem

angehängten Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten in

AMACUSA. NANGASAKI hatte zu Ende des □xvi.□ Jahrh. schon eine ziemlich

thätige Presse.

Ostindien.

OSTINDIEN. Im nördlichen Teile Ostindiens, in Kaschmir, Thibet und

Kabul, wurde der Holztafeldruck schon seit vielen Jahrhunderten geübt.

Der erste Ort, der 1563 nach europäischer Weise druckte, war GOA auf

einer Insel an der Westküste des Dekan, die früheste Niederlassung

der Portugiesen. Fast gleichzeitig, 1569, erhielt TRANQUEBAR auf

der Koromandelküste seine Presse durch die Londoner Gesellschaft für

Verbreitung des Evangeliums. Zuerst wurde ein schönes Neues Testament,

in Quarto, gedruckt, dann verschiedene Gebetbücher und Katechismen

in portugiesischer, englischer und dänischer Sprache, sowie in

verschiedenen asiatischen Dialekten. Als Tranquebar in dänischen Besitz

kam, war die dänische Mission sehr thätig. □Bartholomäus Ziegenbalg□

und □Heinrich Plutschau□ brachten eine Presse und Schriften aus

Deutschland. Auf Kosten des Königs von Dänemark wurden tamulische

Schriften in der Waisenhausbuchdruckerei in Halle gegossen und durch

J. G. Adler nach Indien gebracht, wo dieser 1714 die vier Evangelien

und die Apostelgeschichte, 1715 die Episteln und die Apokalypse

herausgab. 1723 erschien die _Biblia tamulica_, 3 Teile in Quarto. Am

wichtigsten für die Typographie Indiens ist BENGALEN, es wurde jedoch

die Druckkunst erst 1778 dort eingeführt; demnach gehört die dortige

Pressthätigkeit erst einer späteren Periode an.

Die asiatischen

Inseln.

In dem ASIATISCHEN ARCHIPEL fand die Kunst zuerst auf JAVA eine Heimat.

Die niederländisch-indische Gesellschaft errichtete in BATAVIA zu Ende

des □xvii.□ Jahrhunderts mehrere Pressen.

Von dem Wunsche beseelt, den Eingebornen das Evangelium in der

Landessprache in die Hände zu geben, befahl der Gouverneur von CEYLON

Freiherr □G. W. von Imhof□ 1737 eine Druckwerkstätte in COLOMBO

zu errichten, die später auch manches wissenschaftliche Werk ans

Tageslicht förderte. In der Hauptstadt der Philippinen, MANILLA,

wurde um 1600 gedruckt. Im □xviii.□ Jahrhundert wetteiferten die

katholischen Missionäre hier mit den protestantischen in Tranquebar in

der Verbreitung des Evangeliums.

* * * * *

So war die Kunst Gutenbergs, welche bereits in den ersten hundert

Jahren ihres Bestehens sich über ganz Europa den Weg gebahnt und

eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte, von welcher ungünstige

Verhältnisse sie nur zeitweilig herabzudrängen vermochten, über die

ganze Welt verbreitet. Schon um die Zeit, welche unsere vorläufige

Grenze bildet, galt das, hundert Jahre später ausgesprochene Wort:

„_Über des Oceans Raum in die fernsten Gebiete der Erde

Trägt, Gefeierter! dich Fama, nie rastend im Flug;

Nicht des Gesteines bedarf es für dich, noch gegossenen Erzes,

Denn es verkündet dein Lob jegliche Zeile des Buchs._“

[Illustration:Kapitelende]

[Illustration:Kapitelanfang]

A. NAMEN- UND SACH-REGISTER.

Aa, Peter van der S. 250.

Åbo 158.

Aalst 67.

Abbreviieren 14.

Ablassbriefe 28.

Abschreiben der Bücher 13.

_Academia Veneziana_ 181.

Adler, Aegidius 143.

_Ad insigne Pinus_ 130.

Alcala de Henares 189.

Aldegrever, Heinrich 119.

Älteste Spuren vom Druck 12.

□Aldus-Familie.□

Aldus Manutius 60. 175.

Herkunft 175.

Offizin in Venedig 176.

Griech. u. latein. Ausgaben 177.

Cursivschrift 177.

„Aldinen“ 178.

_Neacademia_ 178.

Geschäftl. Schwierigkeiten 179.

Tod des Aldus 179.

Druckerzeichen 180.

Paul Manutius 180.

Jugendzeit 180.

Ruf nach Rom 181.

Rückkehr nach Venedig 182.

Wiederkehr nach Rom 182.

Tod 182.

Aldus □ii.□ 182.

Jugend 182.

Ruf nach Rom 183.

Aussterben der Familie 183.

_Allemand_-Schrift 65.

Aleppo 282.

Alexandre, Jean 210.

Altdorfer, Albrecht 117.

Amacusa 287.

Amann, Jost 77. 118.

Ammerbach, Johannes 44.

Amstel, Ploos van 247.

Amsterdam 228. 233. 242.

_l'amour de Psyché_ durch J. Janot 200.

Anabat, Guillaume 197.

Andersen, Andreas 265.

Andrae, Hieronymus in. 128.

Andreae, Johann 131.

Andreani, Andreas 189.

Anisson, Jean 211. 213.

-- Jacques 213.

Anopistographischer Druck 19.

Anselm, Theodor 136.

Antiqua-Schrift 59. 65. 161.

Antwerpen 218.

_Apostol_ 279.

Arabische Schrift 61.

Arendes, Stephan 74.

Armbruster, Gotthart 275.

-- Anton 275.

„Armenbibel“, die 21.

Armenischer Druck 186.

_Ars memorandi_ 21.

_Ars moriendi_ 20.

Assen, Walter von 218.

Athias, Joseph 247.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. · 第 27 / 29 段