Mit dem ersten Viertel des □xviii.□ Jahrhunderts hatte London 75

Buchdruckereien, die Provinzen deren 28. In London erschienen an

Zeitungen 3 täglich, 10 dreimal die Woche, 5 einmal wöchentlich. Der

Zeitungsstempel wurde 1712 eingeführt.

Das geistige

Eigentumsrecht.

Mit der Anerkennung des geistigen Eigentums war es auch schlecht genug

bestellt, und das Verlagsrecht wurde eigentlich als ein dem König

gehörendes betrachtet. Erst 1709 wurde das Autorrecht auf vierzehn

Jahre garantiert und, wenn der Autor beim Ablauf dieser Frist am Leben

war, auf noch weitere vierzehn Jahre.

* * * * *

Berühmte Buch-

drucker.

Unter den Ausübern der Buchdruckerkunst in England befanden sich

zwar manche tüchtige Männer und die Kunst machte auch nach ihrer

Einführung durch Caxton rasche Fortschritte; aber von solchen

hervorragenden Familien, wie wir sie in Italien, Frankreich und

Holland kennen gelernt haben, deren Mitglieder gleich bedeutend als

Gelehrte und Kunstjünger waren, hören wir ebensowenig wie von solchen

zeichnenden Künstlern ersten Ranges, wie die, welche eine Reihe von

xylographisch-typographischen Kunstwerken in Deutschland schufen.

Die Vorzüge der Engländer als Buchdrucker treten erst in der spätern

Periode der Kunst, wo die Mechanik eine hervorragende Stelle einnimmt

und die Buchdruckerei sich mehr dem Fabrikbetrieb nähert, in helles

Licht.

Unter den mit Caxton nach England gekommenen Buchdruckern zeichnen sich

namentlich Wynkyn de Worde und Richard Pynson aus.

Wynkyn de

Worde.

□Wynkyn de Worde□ war in Lothringen geboren und ward Mitarbeiter

und Nachfolger Caxtons, den er als Drucker bedeutend übertrifft. Er

vollendete in dem Caxtonschen Lokal mehrere, von diesem unvollendet

hinterlassene Werke, unter welchen die _Canterbury tales_. Später,

wahrscheinlich 1499, bezog er die „Goldene Sonne“ in St. Bride, wo er

eine grosse Anzahl, über 400, sehr sorgsam ausgestatteter Werke aus

allen Fächern, namentlich jedoch grammatikalischen Inhalts, ausführte.

Seine Typen sind ganz verschieden von den bis dahin verwendeten und

zeichnen sich durch Schönheit des Gusses und vorzügliche Zurichtung

aus. Wahrscheinlich war Wynkyn de Worde selbst Schriftgiesser,

wenigstens deutet der Umstand, dass seine Schriften sich in den Werken

anderer Druckereien häufig vorfinden, darauf hin. Selbst, wenn es nicht

der Fall wäre, verdient Wynkyn de Worde als einer der bedeutendsten

Typographen seiner Zeit geschätzt zu werden. Ob er oder Pynson die

Antiqua zuerst in England verwendete, lässt sich nicht bestimmt

entscheiden. Eins seiner schönsten Bücher ist der _Polychronikon_

in Folio, aus d. J. 1495. Er starb hochbetagt 1534, wennauch eine

Ausgabe von „Esop“ aus dem Jahre 1535 noch seinen Namen trägt. In

seinem Druckerzeichen verband er das Monogramm Caxtons mit dem eigenen

Namen. Mit seinem früheren Kollegen bei Caxton, jetzigem Rival, Pynson,

verblieb er in dem besten Vernehmen.

Richard Pynson.

□Richard Pynson□ stammt wahrscheinlich aus der Normandie. Er stand sehr

in Gunst bei Hofe und wurde von Heinrich □viii.□ zum Hofbuchdrucker

ernannt. Mehr als 200 Werke gingen aus seinen Pressen hervor, sie

waren hauptsächlich mit einer, mutmasslich aus Frankreich bezogenen

Art semigothischer Schrift gedruckt, und reicher illustriert, als die

Druckwerke seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Er starb um das Jahr

1529.

Julian Notary.

□Julian Notary□ druckte 1498 zusammen mit □Jean Barbier□, einem

Franzosen und einem der vorzüglichsten Typographen damaliger Zeit. Man

kennt aus ihren Pressen 23 Druckwerke.

Richard Grafton.

Will. Tyndales

Bibel.

Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist □Richard Grafton□, der

wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs □viii.□

geboren ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte.

Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch

ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten

der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name

ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen

Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele

Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit

wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die

Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein

bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte

lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es

William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur

im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des

Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der

ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der

Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb

eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das

Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns

Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene

Vernichtungskrieg wurde so gründlich durchgeführt, dass von 3000

Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale

beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin

Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte

die Rache den Urheber. Kaiser Karl □v.□ liess sich bestimmen, Tyndales

Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher

Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth

kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe

Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche

Übersetzung in grossen Massen nach.

Myles Coverda-

les Bibel.

Zwar änderte Heinrich □viii.□, wenn nicht seine Gesinnung, so

doch seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des

Bandes, welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht

hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine

Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien

die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung

Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph

Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben

glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls □v.□ reichte. Die nach

derselben bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im

Auslande, wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton

in Verbindung mit □Edward Whitchurch□ eine Bibel in Paris drucken, die

aber in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz □i.□

mit Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann

und Abgesandter Heinrichs □viii.□ in Deutschland, heiratete später nach

der Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe.

Cranmersche

Bibel.

Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die

1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder

die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht

Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein

zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex,

interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben,

dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte

auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus.

Eines seiner schönsten Werke ist _Edw. Halles Chronicle_.

In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als

königlicher Buchdrucker nach Eduards □vi.□ Tode die Proklamation Jane

Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage

und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich

eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von

ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker

davon. Er starb um 1572.

John Bydells

Bibel.

Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu

erwähnen die □John Bydells□, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe

der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“

genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine

Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen.

Die autorisierte

Bibel.

Im Jahre 1604 wurden grosse Anstrengungen gemacht, um eine neue

tüchtige Bibelübersetzung zu bewerkstelligen. Ein Edikt Jakobs □i.□

stellte die Ernennung einer Kommission von 54 gelehrten Männern fest,

welche, in 6 Sektionen geteilt, die Übersetzung besorgen und sich

gegenseitig in der Arbeit kontrollieren sollten. Das Werk wurde 1611

durch □George Backer□ fertiggestellt.

George Baker

u. George Lucas.

Teuer sollte diesem und □George Lucas□ ein Druckfehler, die Weglassung

des Wortes „nicht“ aus dem □vii.□ Gebot, in einer von ihnen 1632

gedruckten Bibel zu stehen kommen. Die Auflage wurde konfisciert

und die Drucker zu einer Busse von 3000 £ verurteilt. Dieses Geld

wurde nach Bestimmung des Königs Karl □i.□ grossenteils zum Ankauf

von griechischen Matern und Typen verwendet, welche den königl.

Buchdruckern zur Benutzung überlassen werden sollten, die dagegen

jährlich wenigstens ein griechisches Buch auf ihre Kosten zu drucken

hatten.

John Field.

Durch seine schlecht gedruckten Bibeln zeichnete □John Field□ sich

aus (um 1650). Es wurde ihm sogar nachgesagt, er habe sich von den

Independenten bestechen lassen, eine Stelle nach ihren Ansichten zu

fälschen. In einer seiner Bibelausgaben sind 3600 Fehler nachgewiesen,

man sagt sogar, die Zahl sei eine noch viel höhere.

Thomas Roy-

crofft.

Eine in der englischen Bibeldruckgeschichte epochemachende Erscheinung

ist die von Thomas Roycrofft (geb. 1718) gedruckte Waltonsche

Polyglottbibel in sechs Foliobänden, in welchen neun Sprachen

repräsentiert sind. Der erste Band erschien 1654, der letzte 1657; es

war das erste Werk, welches in England auf Subskription erschien. Das

Exemplar wurde zu 10 Pfund Sterl. geliefert und man sammelte bereits

in zwei Monaten 900 Subskribenten. Sowohl Cromwell als Karl □ii.□

unterstützten das Unternehmen und Cromwell gewährte Steuerfreiheit für

das Papier. Als nach Cromwells Tode König Karl □ii.□ an die Regierung

gekommen war, liess Walton einige Dedikationsblätter, auf welchen er

sich dankend gegen Cromwell ausgesprochen hatte, durch andere, dem

König schmeichelhafte ersetzen, weshalb man von zwei Ausgaben, der

republikanischen und der loyalen, spricht.

Als ein Appendix ist ein anderes grossartiges, durch Roycrofft

gedrucktes Werk, das _Lexicon Heptaglotton_ des Dr. E. Castell, 2 Bände

in Folio 1669, zu betrachten. Der Verfasser setzte leider dabei nicht

allein sein Vermögen von 12000 Pfund Sterl. zu, sondern stürzte sich

auch noch in Schulden. Siebzehn Jahre hatte er täglich 16-18 Stunden

daran gearbeitet und er musste ausserdem noch vierzehn Hülfsarbeiter,

die sämtlich während des Druckes starben, in seinem Hause unterhalten.

An diese beiden Unternehmungen schliessen sich die 1660 in 9

Foliobänden erschienenen: _Critici sacri_ gedruckt von □Cornelius Bee□

als verwandtes drittes.

Reynold Wolfe.

Sehr in Gunst am Hofe Heinrichs □viii.□ stand der Deutsche oder

Schweizer □Reynold Wolfe□ (gest. 1574). Er war der erste Buchdrucker,

der ein Patent erhielt, um lateinisch, griechisch und hebräisch zu

drucken, und wurde überhaupt durch die vorteilhaftesten Privilegien

begünstigt. Er druckte fast alle Schriften des Erzbischofs Cranmer.

John Day.

Als ein sehr tüchtiger Mann zeigte sich □John Day□. Er war in Suffolk

geboren und hatte ein Geschäft von grosser Ausdehnung, das er während

der Jahre 1544-1583 betrieb; doch setzte er seine Wirksamkeit,

wie Grafton und Whitchurch die ihrige, während der Regierung der

Königin Marie aus und gab sich in dieser Zeit mit Verbesserungen und

Erfindungen ab. Seine schönen Schriften verschafften ihm den Namen

des englischen Plantin und er brachte die Antiqua- und Cursivtype zu

einer solchen Vollkommenheit, dass von nun ab die gothische Schrift

(_Black letters_) so gut wie verschwand; auch die griechische Schrift

vervollkommnete er und liess angelsächsische Typen schneiden. Von

seinen Druckwerken nennen wir _Cosmographical glasse_ (1559), mit seiner

schönen Cursiv gedruckt und reich illustriert. Besonders geschätzt ist

sein _Queen Elizabeth's Prayerbook_, eins der wenigen englischen Bücher,

die in der Ausführung sich mit den französischen _livres d'heures_

messen können. Als sein Hauptwerk gilt _Fox's book of martyrs_ mit sehr

guten Illustrationen. Day starb, reich an Jahren und Ehren, 1583. Er

war zweimal verheiratet und hatte mit jeder seiner Frauen 13 Kinder.

Mit Ruhm verdient noch □Thomas Vautrollier□ (1574-1588) aus Paris oder

Rouen genannt zu werden, vorzüglich wegen seiner Ausgaben der Werke

des 1600 in Rom verbrannten Giordano Bruno. Um Verfolgungen deshalb

zu entgehen, zog er eine zeitlang nach Edinburgh, wo er vieles dazu

beitrug, die dortige Buchdruckerkunst auf eine höhere Stufe zu bringen.

Man kennt von ihm 78 Werke.

Thomas Guy.

Mit Dank zu erwähnen, wennauch nicht auf Grund seiner typographischen

Leistungen, die sehr primitiver Natur waren, ist □Thomas Guy□ (gest.

1724). Mit der Universität Oxford schloss er einen Vertrag ab,

nach welchem er den Druck der heiligen Schriften in die Hand nahm.

Hierdurch und durch Spekulationen, die jedoch zu den nicht allzu gut

angeschriebenen gehörten, verdiente er ein kolossales Vermögen, von dem

er aber für sich keinen Gebrauch machte, indem er im Gegenteil ärmlich

und unverheiratet lebte. Mit einem Aufwand von einer viertel Million

Pfund liess er das nach ihm genannte Hospital in London erbauen und

machte ausserdem zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken grosse

Schenkungen.

Sam. Palmer.

Bekannt durch die nach ihm benannte _History of printing_ war □Samuel

Palmer□ (gest. 1732). Dieses Werk rührt jedoch nicht von Palmer selbst

her; der eigentliche Verfasser hiess Palmanazar, und der zweite,

praktische Teil, der noch folgen sollte, musste aufgegeben werden,

weil seitens der Kollegen und der Schriftgiesser sich ein wahrer

Sturm der Entrüstung gegen die durch ein solches Lehrbuch vermeintlich

entstehende Schädigung des Gewerbes und Entwürdigung der Kunst erhob.

John Barber.

Im Jahre 1741 starb □John Barber□, der erste Buchdrucker Londons, der

die Würde eines Lord Mayors bekleidete. Er stand in naher Berührung mit

bedeutenden Männern seiner Zeit wie Lord Bolingbroke, Swift, Pope und

anderen.

S. Richardson.

Bekannt als Schriftsteller, Buchhändler und Buchdrucker ist □Samuel

Richardson□, der berühmte Verfasser der Romane „_Pamela_“, „_Clarissa

Harlowe_“, „_Grandison_“ und anderer Werke. Er war 1689 als Sohn eines

respektablen Tischlers geboren. Obwohl er nur eine ganz gewöhnliche

Erziehung genossen hatte, gab er bald Beweise seines ausserordentlichen

Talentes. In seinem fünfzehnten Lebensjahre entschied er sich aus

Neigung für den Buchdruckerberuf. Nach sieben schweren Lehrjahren

arbeitete er sechs Jahre als Gesell und Korrektor, worauf er selbst

ein Geschäft anfing, in welchem er sich durch seine Pünktlichkeit

und Ordnungsliebe bald Vertrauen erwarb. Er druckte unter anderen die

ersten 26 Foliobände des Journals des Unterhauses. Richardson starb

nach längeren Leiden, 72 Jahre alt, am 4. Juli 1761, nachdem ihm sechs

Söhne im Tode vorausgegangen waren.

Oxford.

Cambridge.

York.

In OXFORD wurde die Buchdruckerei 1478 durch □Theodor Rood□ aus Köln

und □Thomas Hunt□ eingeführt. Von 1486 bis 1585 ist eine vollständige

Lücke in der Druckgeschichte Oxfords mit Ausnahme der Jahre 1517-1519.

Nach der Begründung des _Sheldonian theatre_ im Jahre 1669 wurden

hier durch 50 Jahre viele vortreffliche Werke gedruckt und erst 1759

verschwindet die Bezeichnung _e theatro Sheldoniano_. Die später

so berühmte sogenannte _Clarendon Press_ trat 1713 in Wirksamkeit.

Der Sohn Lord Clarendons hatte das Manuskript seines Vaters zu der

Geschichte der englischen Revolution der Universität geschenkt und

mit dem Erlös aus den gedruckten Exemplaren wurde die Druckerei,

aus welcher eine grosse Anzahl wertvoller Werke hervorgegangen ist,

gegründet. Um die Beschaffung von orientalischen und anderen Typen

machte sich namentlich der Bischof Fell verdient. Im Jahre 1672

wurden 4000 £ zum Ankauf von Typen in Holland, Frankreich und England

bestimmt, da derzeit keine Schriftgiesserei in England im Gange war.

Eine solche erhielt Oxford 1677. Die Universitätsbuchdruckereien in

Oxford und Cambridge erwarben auch das Alleinrecht auf den Druck der

heiligen Schriften und der englischen liturgischen Bücher. In CAMBRIDGE

wurde die erste Presse um 1520 durch □Joh. Siberch□, einen Freund des

Erasmus, errichtet. In YORK druckte □Hewe Goes□ aus Antwerpen, 1509 bis

1516, in welchem letzteren Jahre er nach London übersiedelte.

Schottland.

Nach SCHOTTLAND kam die Kunst 1507 durch □Walter Chepman□, der Kaufmann

war und sich mit einem Praktiker □Andreas Myllar□ verband. Nach Chepman

ruhte die Pressthätigkeit Schottlands fast 30 Jahre lang. Erst im Jahre

1576 wurde die heilige Schrift von □Thomas Bassandyne□ gedruckt; selbst

in diesem Jahre besass Schottland weder griechische noch hebräische

Schriften. Während der Bürgerkriege suchte jede Partei, welche die

Macht hatte, hier wie in England die Presse auf jede mögliche Weise zu

knechten. 1648 wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten,

ohne Erlaubnis des _Committee of Estates_ etwas zu drucken. 1661

erschien die erste Zeitung: _Mercurius Caledonicus_.

1671 erhielt □Andreas Andersen□, in Vertretung auch anderer

Buchdruckereien Edinburghs, soweit gehende Privilegien, dass kein Buch

ohne Andersens Erlaubnisschein gedruckt werden konnte. Später trat

jedoch eine Beschränkung des Privilegs auf Parlamentsakte und heilige

Schriften, so wie auf 41 Jahre ein. Andersen selbst druckte das Neue

Testament so fehlervoll, dass es verboten wurde. Mit □James Watson□,

der sich 1695 in Edinburgh etablierte, lag er in fortwährendem Hader,

da Watson, Andersens Privilegium zum Trotz, druckte was er Lust hatte,

bis ihm die Königin Anna durch ein Patent 1711 das Recht zum Drucken

erteilte. Er veröffentlichte nun eine Reihe tüchtiger und sehr gut

ausgestatteter Werke, von welchen ein Neues Testament aus d. J. 1715

von „unvergleichlicher Schönheit“ war.

Die Stereotypie.

Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege

der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst

konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke

aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne

dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu

stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich

nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in

dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar

nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren

bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da

in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer

Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten

der Buchstaben zusammenlötete, dadurch ging die Schrift aber für jeden

anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und

Joh. Müllers kennen gelernt.

William Ged.

Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt

von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer □William

Ged□ zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen

das Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er

sich mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die

Sache wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging

nun 1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den

Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer

Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged

erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer

Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der

grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen,

unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang

es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des

Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die

sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag

nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören,

sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für

die Praxis vollständig bewähren.

Andr. und Rob.

Foulis.

Bedeutende Buchdrucker waren □Andreas Foulis□ († 1774) und □Robert

Foulis□ († 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche

Ausgaben von Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene

fehlerfreie Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands

errichtete □Alex. Wilson□ und □Bain□ 1742 in St. Andrews. Bei ihrer

zunehmenden Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach

Gamalachie, einem Dorfe bei Glasgow.

Irland.

In IRLAND wurde erst 1551 durch □Humfrey Powell□ gedruckt und es

dauerte lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische

Typen wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh.

Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des □xviii.□ Jahrh. wurden beinahe

alle bedeutenden Werke ausser Landes hergestellt. Später entstand in

dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind.

* * * * *

Zeitungswesen.

Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte

Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf

zu bestehen[1].

[1] □N. Drake□, _Essays etc. of the Tatler, Spectator

and Guardian_. 3 Bde. London 1814. -- □Jul. Duboc□,

Geschichte der engl. Presse nach J. Grant. Hannover 1873.

Zur Zeit des Auslaufens der spanischen Armada (1588) fühlte die Königin

Elisabeth das Bedürfnis, durch Mitteilungen über den genauen Stand der

Sachen dahin zu wirken, dass die Besorgnisse betreffs der wirklichen

Gefahren nicht durch unnötige Furcht vor nicht vorhandenen vermehrt

würden. Sie ordnete deshalb das Erscheinen von _The english Mercurie

published by Autoritie_ an. Es erschienen hiervon 54 Nummern. An

Nachfolgern, unter den Titeln _Mercurius_, _Gazette_, _Diurnal_ etc.,

fehlte es nicht. Darunter waren _Certain news of the present week_,

wahrscheinlich das erste politische Wochenblatt, _Imperial and spanish

news_, das zweite.

Der _Tatler_ und

der _Spectator_.

_Gentlemans

Magazine._

Von den periodischen Erscheinungen, die auch auf Belehrung und

Unterhaltung des Publikums berechnet waren, hatten namentlich der

von 1709 ab dreimal wöchentlich erscheinende _Tatler_ (der Plauderer)

herausgegeben von Rich. Steele, als Pseudonym Isaac Bickerstaff, und J.

Addisons, 1711 begonnener, _Spectator_ (Zuschauer) einen bedeutenden

Leserkreis und grossen Einfluss. Ein Schlag für diese Blätter und die

ganze periodische Presse war der 1712 eingeführte Stempel von einem

halben Penny für Blätter von einem halben Bogen, von einem Penny für

jeden Bogen. Hierdurch wurde der Preis von manchem Blatt verdoppelt,

wodurch die Abnehmerzahl sich verminderte, was wieder zu weiteren

Preiserhöhungen nötigte. Der _Spectator_ war das einzige Blatt, das,

ohne an Verbreitung einzubüssen, den Preis hatte verdoppeln können.

1731 begann das bis auf den heutigen Tag beliebte: _The gentlemans

Magazine_. Von allen konkurrierenden Blättern hatte nur das _London

Magazine_, von einem Consortium Londoner Buchhändler kräftigst

begonnen, eine grosse Verbreitung (10000 Expl.) und einen längeren

Bestand.

Beliebte Werke.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. · 第 25 / 29 段