Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht

gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen

Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem

seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten

Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in

Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der

unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der

Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den

Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere.

* * * * *

Oriental. Druck.

Daniel Bomberg.

Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und

italienischen Druck waren, war □Daniel Bomberg□ für den hebräischen.

Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen

Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt.

Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in

Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete

Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten

rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf

korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf

Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur

besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja

Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten bis auf die

neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel

von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als

ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen

Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen

eigenen Vorteil gesehen haben.

Mechitar.

Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit

dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung

finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der

Armenier □Mechitar□ auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster,

mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck

eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit

Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk.

Greg. Gregorio.

_Congregatio de

propaganda fide._

Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien

geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: _Septem horæ canonicæ_

erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius □ii.□ von

□Gregor Gregorio□ errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient[3]

lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius □iv.□

schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus □v.□

vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation

zur Verbreitung des Glaubens (_de propaganda fide_) 1627 mit ihrem

Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei

verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die

orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders

□Stefanus Paoli□ vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen

Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine

Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln

stand[4].

[3] □E. Carmoly□, Annalen der hebr. Typogr. von Riva di

Trento. Frankf. a. M.

[4] □J. C. Amaduti□, _Catalogus libr., qui ex typ. S. Congr.

etc. variis linguis prodierunt_. 7. Aufl. Rom 1773.

Genua.

In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in

hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei

lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen.

Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker

□Peter Paul Porrus□. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel

in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der

Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die

Worte des □xix.□ Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er

eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war,

dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot.

Padua.

In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni

Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von

Klassikern und übergaben die Leitung dem □Giuseppe Comino□, der sich

durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen

Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer

Ausstattung als Korrektheit berühmt.

[5] □F. Federici□, _Annali d. Tipogr. Volpi-Cominiana_. Padua

1809. -- _Catalogus Stamperia Cominiana._ Padua. -- □G.

Volpi□, _La libreria dei Volpi e la Stamperia Cominiana_.

Padua 1756. -- □V. Fineschi□, _Notizie storiche sopra la

stamperia de Ripoli_. Florenz 1781.

Verfall.

Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und

Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten

litterarischen Kultur ging mit dem Ende des □xvi.□ Jahrhunderts zurück;

mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst,

die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch

spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit

verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte.

* * * * *

Die

Xylographie.

DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse

wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur

Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil

seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden

Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich

wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur

erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit

nachzumachen.

Cesar Vecellio.

Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten

Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene _Hypnerotomachia_

oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen

wurden gewöhnlich □Benedetto Montagna□ zugeschrieben, von einigen

sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt

gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche

Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher □Marc-Antonio

Raimondi□ (geb. 1488, gest. 1546). □Cesar Vecellio□ lieferte seine

berühmten _Habiti antichi e moderni_, 420 Kostümbilder, die von

Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz

geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von

Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen

geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten

Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich

dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider

eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig,

eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der

paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der

vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm

bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in

neuester Zeit □Giovanni Brito□ erkannt worden.

[6] □Vecellius□ nennt □Krieger□, „_Christophe Guerra, mio

amico et excellentissimo intagliatore di legno_“.

[7] □Ambr. Firmin Didot□ gab von dem Werke eine gelungenere

Reproduktion, welche zugleich Veranlassung zu der öfters

erwähnten Schrift _Essai typographique_ gab.

Clair-Obscur-Druck.

In dem farbigen (_Clair-obscur_-)Druck behaupteten die Italiener das

Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind

sie im Unrecht, da deutsche _Clair-obscur_-Drucke aus dem Jahre 1509

von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen

Erfinders □Ugo da Carpi□ erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das

Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere

Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den

Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten

Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen

fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch

die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden

die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels

Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser

Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich

vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen

und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier

während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse,

ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur

Unsicherheit beiträgt.

Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche

Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen □Nicolo

Boldrini□ aus Vicenza und □Andreas Andreani□ (geb. 1540, gest. 1625)

bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen

Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis

ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet,

ist ebenfalls von grosser Bedeutung.

Graf Zanetti

John Jackson.

Noch in später Zeit machte sich der Graf □Anton Marie Zanetti□, geboren

in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen,

den _Clair-obscur_-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem

grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien

nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren

gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte

ein Engländer □John Jackson□, der in Papillons Schule sich ausgebildet

hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von

berühmten italienischen Meistern in _Clair-obscur_-Manier fertigte.

* * * * *

SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS.

In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode

keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des □xv.□ Jahrhunderts

gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in

Frankreich verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des □xvi.□

Jahrhunderts behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen

derjenigen des □xv.□ Jahrhunderts.

Complutinische

Polyglotte.

Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt

ALCALA DE HENARES (_Complutum_) auf. Der Kardinal und Premierminister

Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499

die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von

Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher

für die Studierenden und berief □Wilhelm de Brocario□ aus Pampelona,

der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine

Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte

Complutinsche Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins

der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand,

welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten,

schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete

der Papst Leo □x.□ die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März

1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand

erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, □Johann□, noch

lange nach ihm. Berühmt war auch □Michel de Eguia□. Alfonse de Fonseca,

der Nachfolger Ximenes' bei Karl □v.□, trat ganz in die Spuren seines

Vorgängers und unterstützte die Kunst.

Madrid.

Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker

nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in

Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet.

Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht

schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen,

oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern

müssen wir □Johann de la Cuesta□ nennen, dem die Ehre vorbehalten

blieb, die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke:

_El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha_, zu drucken.

Einen bedeutenden Namen hatte □Antonio Bortazar□ in Valencia. Der

König Philipp □v.□ wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die

Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. In

SEVILLA zeichnete sich □Johann Kromberger□, ein Deutscher, aus. Der

berühmteste Name der spanischen Druckkunst, □Joachim Ibarra□, gehört

der nächsten Periode an.

Süd-Amerika.

Mexico.

Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die

Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle

hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier,

waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich

religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige

geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch

der Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst[8].

Was die Zahl, den Umfang und die Ausstattung der Bücher betrifft, ging

der Süden Amerikas bis gegen das Ende des □xvii.□ Jahrh. bedeutend dem

Norden voran.

[8] □Joach. Garcia Icazbalceta□, _Apuntes para un catálogo de

Escritores en lenguas indigenos de Amerika_. Mexico 1866.

Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten

sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich

fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die

Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um

1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah.

Lange galt die Annahme, dass das _Vocabulario en lingva Castellana y

Mexicana_ (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und

□Antonio de Spinosa□ der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis

wurde 1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste

Teil dieses bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus

162 numerierten Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568

Seiten[9].

[9] Dieses bedeutende Werk ist auf Veranlassung des Herrn

□Dr. Jul. Platzmann□ in Leipzig zugleich mit einer Anzahl

anderer der ältesten grammatikalischen Schriften Mexicos

mit grossem Aufwand in ganz genauen Reproduktionen

herausgegeben. Letztere sind vortrefflich in der W.

Drugulin'schen Offizin in Leipzig ausgeführt. Von Dr.

Platzmann erschien auch ein „Verzeichnis einer Auswahl

amerikanischer Grammatiken etc.“, welche von ihm mit

grosser Sorgfalt gesammelt wurden.

Später ward □Johan Krombergers□ Druck: _Doctrina Christiana_, in dem

Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun

für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar

durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde.

Sein erstes Buch, _Manual de adultos_, von welchem jedoch nur die

letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540;

das zweite: _Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala_,

erschien 1541[10].

[10] Ein Exemplar wurde in Leipzig 1869 in der Versteigerung

Andrade (Bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian

von Mexico, von dem _British Museum_ für 2250 Mark

angekauft.)

Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez

und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico

noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus:

_Escala esperitual para llegar al cielo_ geliefert und □Juan Pablos□

sie gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser _Juan de la Magdalena_,

was sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt.

Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden

Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig

Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten)

Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in

Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den

Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen

Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und

Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos

kann also für Kromberger die erwähnte _Escala esperitual_ um 1537

gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem

Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch

in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb,

denn 1550 kommt auf der _Doctrina Christiana_ seine Firma vor und dann

später öfters.

Südamerika.

Icazbalceta führt 93 in Mexico und 7 in PERU gedruckte Werke aus der

Zeit von 1540-1600 auf. Zeitungen hatten Mexico und LIMA mutmasslich

schon von Ende des □xvii.□ Jahrh. Die Jahrgänge 1728-1730 der

Mexico-Gazette sind noch vorhanden. Ein litterarisches Journal _Gazetta

de literatura_ erschien 1750.

Auf ST. DOMINGO war in der Stadt gleichen Namens eine spanische Presse

zu Beginn des □xvii.□ Jahrh. thätig. Es durfte jedoch nichts ohne

besondere Erlaubnis der Kolonialregierung gedruckt, und von jedem Werk

mussten derselben zwanzig Exemplare abgegeben werden. In PORT AU PRINCE

hatten die Franzosen 1750 eine königliche Druckerei etabliert.

SURINAM erhielt von den Holländern vor 1775 eine Offizin. In dem

portugiesischen Amerika scheint die Presse in den Händen der Regierung

geblieben zu sein und diese erst gegen Ende des Jahrhunderts in

Thätigkeit gewesen zu sein. In CORDOVA bestand bereits im □xvii.□

Jahrh. eine geheime Jesuitenpresse.

[Illustration:Kapitelende]

[Illustration:Kapitelanfang]

X. KAPITEL.

FRANKREICH.

Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. Die Xylographie,

die _livres d'heures_. Anton Verard. Geofroy Tory. Jodocus Badius.

Conrad Néobar. Berühmte Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich

□i.□, Robert □i.□, Heinrich □ii.□, Ende der Familie. Die Gründung

der königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves. Lyon:

Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet. Die Schriftgiesserei.

Die Buchbinderkunst.

Unterstützung

und Bevormun-

dung der Kunst.

WENN auch die Unterstützung der Universität der Einführung der

Buchdruckerkunst in Frankreich grossen Vorschub geleistet und ihr

anfänglich auch materielle Vorteile gewährt hatte, so zeigten sich doch

andererseits bald die Nachteile durch stete Bevormundung und die Kunst

nahm, trotz einer Reihe von ausgezeichneten Druckerfamilien, unter

welchen, wie in Italien, wieder Eine alle anderen überragt, nicht die

freie Entwickelung, wie dort[1].

[1] □P. Dupont□, Histoire de l'imprimerie. 2 Bde. Paris 1854.

-- □A. Tarbouniech□, _Les livres d'heures_. Paris 1865.

-- □J. Renouvier□, _Des gravures en bois dans les livres

d'A. Vérard_. Paris 1859. -- □J. Renouvier□, _Simon

Vostre_. Paris 1862. -- □G. A. Crapelet□, _Des progrès

de l'impr. en France etc._ Paris 1836. -- □A. Bernard□,

_Ant. Vérard_. Paris 1860. -- □A. Bernard□, _Ant. Vitré_.

Paris 1857. -- □A. Vérard□, _Renseignements sur le prix

des miniatures et des imprimés sur velin au XV siècle_.

Angoulême 1859.

Vorteile der

Buchdrucker.

Nicht allein Bücher, sondern selbst das Material, als Schriften

und Farbe, waren abgabenfrei. Aber man wollte als Ersatz für diese

Begünstigungen, dass die Bücher auch äusserlich mit Sorgfalt behandelt

würden; man verlangte, dass sie sowohl mit guter Schrift als auch auf

gutem Papier gedruckt werden sollten, worüber Inspektoren zu wachen

hatten. Buchdrucker, Korrektoren oder Autoren wurden für die Fehler

verantwortlich gemacht und mussten nötigenfalls Cartons drucken lassen.

Wollten sie sich gegen Versehen Anderer schützen, so mussten sie

die, von ihnen korrigierten Bogen kontrasignieren und deponieren. Die

Bücher, die nicht im Besitz der vorgeschriebenen Eigenschaften waren,

wurden vernichtet und die Unachtsamen bestraft.

Auch auf mässige Preise hatten die Inspektoren zu halten, die

anfänglich zwar von den Druckereien aus eigenem Antrieb innegehalten

wurden, später aber nicht. Nicht weniger wurde der Zustand des

Materials überwacht. Das Abspenstigmachen eines Korrektors seitens

der Konkurrenten unterlag einer Strafe. Mit den auf Subskription

ausgegebenen Werken nahm man es sehr streng. Jeder Prospektus musste

von einem Probebogen begleitet sein, welcher ganz genau Format,

Papier und Schrift, sowie Umfang und Preis des Werkes angab. Bei

Übertretungen musste den Subskribenten der doppelte Betrag dessen, was

sie schon gezahlt hatten, vergütet werden, abgesehen von der sonstigen

gerichtlichen Brüche.

Das Zunftwesen.

Um als Buchdrucker oder Buchhändler aufgenommen zu werden war es

notwendig, vier Jahre gelernt und drei Jahre gedient zu haben,

Zeugnisse seiner Fähigkeiten im Lateinischen und Griechischen, seiner

Moralität und seiner Rechtgläubigkeit beizubringen, ausserdem bei

einem Examen zwei Drittel der Stimmen der acht Examinatoren für sich zu

haben. Die Meister waren berechtigt, den guten Arbeitern höher als nach

der Taxe zu zahlen, ohne dass diejenigen, welche diese Vergünstigung

wegen mangelhafter Arbeit nicht genossen, sich beschweren konnten.

Sowohl Lehrlinge als Gehülfen und Korrektoren wohnten in den Häusern

der Meister.

Der Pergament- und der Papierhandel unterlag ebenfalls der Kontrolle,

und der Universität waren in Bezug auf Ankauf Vorrechte eingeräumt.

Später bestimmte ein Reglement für die Papierfabrikation, dass

alles Papier geleimt sein müsse, und setzte strenge Strafen auf das

Untermengen der Masse mit Kalk oder anderen ätzenden Stoffen.

Fesseln verschie-

dener Art.

Aber solche Schutzmassregeln konnten selbstverständlich unter den

zerrütteten politischen und finanziellen Verhältnissen, und in

Ermangelung der Freiheit der geschäftlichen Bewegung und der Presse,

ebensowenig in Frankreich wie anderswo ein Zurückgehen der Kunst

verhindern. Fesseln der verschiedensten Art wurden der Presse angelegt

und das Schwert des Damokles hing fortwährend über den Häuptern der

Buchdrucker und Buchhändler.

Franz □i.□, der Typographie persönlich wohlgesinnt, bestätigte

alle vorhandenen Privilegien und stand, als die Sorbonne 1521 ein

fulminantes Verdammungsurteil über die Lutherische Lehre ausgesprochen

hatte und dadurch Gefahren über manche Buchdrucker und Buchhändler

heraufbeschworen wurden, zuerst auf deren Seite, liess sich jedoch

später verleiten, den strengsten Massregeln zuzustimmen. Zugleich

wurde die Zahl der Buchdruckereien in Paris auf nur 12 festgesetzt. Die

Thätigkeit der 12 auserwählten nahm dafür einen um so grösseren Umfang

an, so dass sogar Mangel an Arbeitern eintrat, was bereits damals

von den Gehülfen benutzt wurde, um einen wohlorganisierten Strike mit

gegenseitigen Unterstützungskassen in Scene zu setzen, welchem erst

1539 durch polizeiliche Massregeln ein Ende gemacht wurde.

Heinrich □ii.□ erliess ein Verbot, theologische Schriften ohne

Autorisation der theologischen Fakultät zu drucken, auch musste der

Name des Autors und des Druckers auf jedes Werk gedruckt werden.

Karl □ix.□ verwehrte 1563 unter Androhung der strengsten Strafe,

überhaupt etwas ohne Erlaubnis zu drucken; alle Bücher mussten von

seinem Geheimrate geprüft werden. Ludwig □xiii.□ erteilte 1616 dem

Grosssiegelbewahrer die Vollmacht, die Zensur jeder tauglichen Person

zu übertragen. Zur Handhabung der inneren Polizei ward ein Syndikat,

bestehend aus fünf Mitgliedern (_les gardes de la librairie_), 1618

errichtet.

Ludwig □xiv.□ und

die Presse.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. · 第 18 / 29 段