dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der eigentlich
Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz zeichnete (riss)
-- eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von einem zweiten
Künstler besorgt wurde --, und der Holzschneider, der selbst und durch
seine Gehülfen den Schnitt ausführte.
Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt beweist
ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage das
Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, dass diese in
Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht seinen Namen
beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals noch nicht den
Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu gelten. Die Aufgabe des
Holzschneiders war nur, die Zeichnung auf das genaueste wiederzugeben;
je sklavischer er hierin arbeitete, je weniger er Anspruch auf
Selbständigkeit machte, ein um so besserer Holzschneider war er.
Abgesehen von den eigenen Äusserungen Dürers, woraus hervorgeht, dass
er sich wenigstens hauptsächlich nur mit der Zeichnung beschäftigt
hat, beweist die grosse Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die
Verschiedenheit in der Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines
einzigen Mannes sein können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten
mancher anderer Künstler der Fall sein.
* * * * *
Die Drucker-
zeichen.
Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in
Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die
„□Druckerzeichen□“[9] mögen hier einige Worte Platz finden.
[9] □Frid. Roth-Scholtz□, _Insignia bibliopolarum et
typographorum_. Nürnberg 1728. -- □C. L. Silvestre□,
_Marques typographiques_. Paris 1853. □Reiffenberg□,
_Marques et devises_. Brüssel 1874. -- □J. Ph. Berjeau□,
_Early Dutch German and English Printers Marks_. London
1866. -- □Jessie E. Ringwalt□ in dem Amerikanischen
_Printers Circular_. 1873.
Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker Gebrauch von
Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die so zu sagen die
Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl ein Ursprungs-Zeugnis
als auch ein Eigentumszeichen bildeten. Bereits Fust und Schöffer
bedienten sich eines solchen; dass jedoch der zweite Zweck des
Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, beweisen schon die Klagen
des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon nicht allein seine Bücher
nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, den weltberühmten Anker von
einem Delphin umschlungen, nachmachten, so dass jedermann glauben
müsse, er sende solche fehlerhafte Drucke in die Welt.
Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde immer mehr
Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung der Druckerzeichen
verwendet. Die Familie der Elzevire wählte den vieltragenden Ölbaum,
welchen die griechische Mythe als das segensreiche Geschenk der
weisen Göttin Minerva an die Menschheit bezeichnete. Die Stephane
nahmen ebenfalls einen Baum, welchem der fromme und gelehrte Heinrich
Stephanus eine Apostelfigur beigab, die mit einem Fingerzeig auf die
herabgefallenen gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel
Paulus: _Noli altum sapere, sed time_ (Strebe nicht zu hoch, sondern
sei besorgt) warnend hinweist.
Die Drucker-
zeichen.
Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, durch
eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto _Labore et constantia_
(durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, von Schlangen
umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, was Erasmus zu dem
Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte Drucker in Wahrheit die
Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt vereinige. Die Familie Marnef
wählte den Pelikan, wie er sich die Brust zerfleischt, um seine Jungen
zu nähren.
Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden
Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu werden
scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn des Colinäus, sowie
das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, keck in die Sonne
schauenden Adler und dem Motto _semper eadem_. Voller Kraft und Grazie
ist auch der Greif der Familie Gryphius und der prächtige Pegasus, auf
dem die Wechel ihrem Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu
werden ist das merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche
Figur auf einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu
gehorchen scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die
Herleitung des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo
gedruckt wurde.
Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft ist der
wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die drei reissenden
Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler Löwe friedlich auf
einem Schild von Blumen ruht.
Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das Wappen
Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem Baumeister davor.
Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet einen Bären baumaufwärts
trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. Froschauer in Zürich mag
für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor finden,
mit welchem sein Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer
auf den Baum klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der
grossen Binse (_grand jonc_). Das Schiff (Galliote) des Galliot du
Pré fährt unter vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults
gewinnt sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass
sie das Elephantentum fortsetzen werde: _Sicut Elephas sto!_
Die Druckerzeichen.
Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, oftmals bis
an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. William Middleton
stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. William Griffith sendet uns
einen Greif mit einer Bartnelke (_Sweet William_) in dem Schnabel.
Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiterhaufen
mit der Umschrift _Cantabo Jehovae, quia beneficit_ (ich will dem
gnadenreichen Gott lobsingen). Thomas Pavier führte als Zeichen einen
arbeitenden Pflastersetzer (_pavier_) mit dem Motto: _Thou shalt
labour, till thou return to dust_ (du sollst arbeiten, bis du wieder
zu Staube wirst). Reynard Wolf lässt seine Namensvettern, Fuchs und
Wolf, Schildhalterdienste bei ihm verrichten. Das Zeichen John Days
(Tag) zeigt eine von der aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im
Vordergrunde ein Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch:
_Arise! for it is Day_ (Steh auf, denn der Tag ist da).
Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen als ein
Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, so gebrauchten
Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger die Erdkugel;
die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, Vascosan, Roigny,
Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., Kreuz, Stern und Anker
wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen verwendet, die Zeit
zeigt sich in allerlei Gestalten, die Schlange windet sich durch eine
Menge von Druckerzeichen, ja selbst in der Benutzung der Kohlköpfe
findet Rivalität statt. Die oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock
spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des
grausam hingeopferten Etienne Dolets.
Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die tonangebenden
Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler wurden, mussten
sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden in den Hintergrund
treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits vielfach Embleme an, in
der Regel jedoch allgemeiner Natur, z. B. eine brennende Lampe, ein
aufgeschlagenes Buch, eine Presse im Strahlenkranze, einen Greif oder
einen Schild mit den Anfangsbuchstaben der Firma u. s. w.
[Illustration:Kapitelanfang]
VII. KAPITEL.
DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN.
□Nürnberg□: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. □Augsburg□:
Hans Schönsperger d. ä. □Frankfurt am Main□: Chr. Egenolff,
Sigism. Feyerabend, die Merians. □Mainz□: Die Nachfolger Schöffers.
□Tübingen□: Der slawische Druck. Cotta. □Strassburg□: Illustrierter
Druck. □Basel□: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus.
□Zürich□: Chr. Froschauer. □St. Gallen□: Leon. Straub. □Wien□: Johan
Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. □Leipzig□: Melch. Lotter,
Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. □Wittenberg.□ □Der Norden.□
□Berlin.□
DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. □Dänemark□, □Norwegen□ und □Island□,
□Schweden□ und □Finnland□.
DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler
durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann
Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche
Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm
deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten.
Nürnberg.
Der Theuerdank.
Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I.
veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus
dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste
Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der
geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und
Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des
Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie
alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige
Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle
die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der
Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner
artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden.
Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht
hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war
eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge
gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier
des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes
zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht
seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere
angesehene Künstler.[1]
[1] Vergl. S. 116, Absatz: □Hans Schaeuffelein□.
Theuerdank-Type.
Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein
Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem
von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche
Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der
Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu
ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes
Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht
bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach
damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so
eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später
in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm
eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher
Dürers gedruckt wurden.
Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von
Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren
Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter
dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i
vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann.
Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz
geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich
leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift
Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der
verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war
man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die
Zieraten, behielt bis in das □xvii.□ Jahrhundert ihre Geltung, sowohl
in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften
bildeten sich nach derselben.
Die Koberger.
Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die
Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der
Sohn □Ant. Koberger□ war damals minderjährig. Der eigentliche Chef
des Hauses scheint □Johannes Koberger□, entweder ein Sohn des älteren
Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein;
das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von
grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden
Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr.
Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543.
Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich □Johann
Petreijus□ aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende □Endter□sche
Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste
deutsche typographische Handbuch (1721).
Schriftgiesserei
in Nürnberg.
Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter
den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die
Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war □Paul Fischer□
bedeutend. Sein Schüler □Johann Neudörffer d. ä.□ war der erste, der
die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den
Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer
starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich □Pancratius Lobinger□, dessen
Schriften noch um die Mitte des □xviii.□ Jahrhunderts beliebt waren[2].
[2] Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im
Mittelalter: □F. Soennecken□, Das deutsche Schriftwesen.
Bonn 1881.
Augsburg.
Hans Schöns-
perger d. ä.
AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es
war □Hans Schönsperger der ältere□, der von 1481 bis 1523 eine Reihe
ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste
Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um
das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite
Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen
Druckwerken war das _Regimen sanitatis_ das erste, das „Neue Testament“
das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck
auszuführen, wissen wir nichts näheres.
Andere Augs-
burger Drucker.
Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: □Erhard
Oeglin□ (_Ocellus_), der zuerst in Deutschland hebräische, und
□Hans Müller□, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. □Hans
Froschauer□ brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch
nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: _Lilium musicae planae_. Auch
Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt □Sigmund Grimm□
und der reiche Kaufmann □Marx Würsing□; ja man lernt selbst eine Art
Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: _Ad
insigne Pinus_, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus
dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und
griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war □Johann Rainmann□
berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten
Typen von ihm bezogen habe.
Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier
erschien auch 1564 der erste Messkatalog.
Frankfurt a. M.
Chr. Egenolff.
FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam,
wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst
1531 eine Buchdruckerei durch □Christian Egenolff□[3] aus Hadamar im
Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann,
der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten
stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen
Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt.
Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften
für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die
Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den
heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne □Sabon□
stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel.
[3] □Dr. H. Grotefend□, Chr. Egenolff, der erste ständige
Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881.
Sigism. Feyer-
abend.
Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt
□Sigismund Feyerabend□ (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte
eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter
Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost
Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen
setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand
Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil
selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius
zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog.
Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens
sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun
Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius,
Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau;
Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten.
Die Merian.
Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten
die Merian, Vater und Sohn. □Matthias Merian□ der Vater (geb. 1593
zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf
eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei
seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry,
und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab.
Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich
als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme
Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn □Matthias Merian d. j.□ (geb. 1621
zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte
die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und
sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4].
[4] □Ed. Heyden□, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861.
And. Wechel.
Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich □Andreas Wechel□, Sohn des
berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete
sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner
Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung
der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im
gleichen Geiste fortgesetzt.
Joh. Andreae.
Die von □Johann Andreae□ 1667 gegründete Buchdruckerei und
Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle
Stelle ein.
Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende
Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren
Rang.
Mainz.
Familie Schöffer.
In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische
Buchdruckerei 1508 auf □Friedrich Hewmann□ aus Nürnberg über. Schöffer
hatte zwei Söhne, Johann und Peter. □Peter Schöffer der jüngere□[5]
druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast
anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und
die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine
Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach
Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528
gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von
1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich
liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn □Ivo□ blieb bei dem Onkel
Johann in Mainz.
[5] □H. Helbig□, _Notice sur P. Schœffer le fils_. Gent 1848.
□Johann Schöffer□, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten
Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge
tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius
mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden
Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten
diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den
Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten
und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung
des Geschäfts folgte ihm sein Neffe □Ivo□, der im Jahre 1552 kinderlos
starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an
das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von
□Balthasar Lips□ über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt.
□Johann Schöffer ii□, der Sohn des obengenannten, etablierte sich
später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796
fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem □Jakob Schöffer□
ausstarb.
Tübingen.
Slawischer
Druck.
Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt,
erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch □Johannes Ottmar□ 1498.
Eine interessante Episode bildet um die Mitte des □xvi.□ Jahrh. der
slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber,
1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden
Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine
Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein
sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in
ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte
er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse
in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich
in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus
Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten
aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm
die □Morhard□sche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs
Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach
Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien
1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments
vollendet, 1560 der zweite.
[6] □C. F. Schurrer□, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg
im □xvi.□ Jahrh. Tübingen 1799. -- □H. C. W. Sillem□,
_Primus Truber_. Erlangen 1861.
Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von
Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber
behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem
Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer
glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen
zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber
Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach
Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu
schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph.
Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien
und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen
nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer
Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins
Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den
Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands □iii.□ nach Rom
in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten
hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen.
Familie Cotta.