den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher er dort mit grossen
Ehren empfangen wurde und mit vielen berühmten Persönlichkeiten in
Berührung kam. Sein Hauptzweck war, den Kaiser Karl □v.□, dessen Einzug
in Antwerpen und Krönung in Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm
vom Kaiser Maximilian ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch,
nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen,
schliesslich in Köln gelang.
Litterarische Ar-
beiten.
Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines Lebens war
die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen Arbeiten, für
welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet hatte. Sein erstes
Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung der Messung, mit
dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien ebnen wnd gantzen Corporen“.
Für Buchdrucker hat das Werk ein besonderes Interesse, weil es
die Verhältnisse der Buchstaben zum erstenmal in Deutschland nach
geometrischen Grundsätzen feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen,
sowie eine Übersetzung in das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein
zweites Werk ist eine „Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525)
führt den Titel: „Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher
Proportion“, und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen.
Dürers Tod.
Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden
Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. In den
Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er nicht wieder los
werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig arbeitete. Er starb
am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt sein Standbild aus Erz den nach
ihm benannten Platz in Nürnberg und die dortigen Künstler begehen zu
seinem Geburtstage jährlich an seinem Grabe eine einfache Feier.
Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme des
durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren Einfluss
des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man im allgemeinen
auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten Arbeiten den
Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch als Schüler in
einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von zweien wissen wir mit
Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ gewesen: Hans von Kulmbach
und Hans Springinklee, und gerade über diese sind die sonstigen
Nachrichten dürftig.
Hans von Kulm-
bach.
Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt □Hans von Kulmbach□, trat, nachdem
er die Malerei bei _Jacopo dei Barberi_ (Jakob Walch) gelernt, 1510 bei
Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische Kunst gezeichnet hat,
ist nicht bekannt. Ein Blatt für den Triumphzug ist noch vorhanden mit
den hineingezeichneten Korrekturen Dürers.
Hans Springin-
klee.
□Hans Springinklee□, geboren zu Nördlingen 1470, entwickelte für die
graphischen Fächer eine grosse Thätigkeit. Er zeichnete 60, durch
seelenvolle Innigkeit sich auszeichnende Bilder zu dem _Hortulus
animæ_, der zuerst 1516 und dann in mehreren schnell auf einander
folgenden Auflagen bei Koberger erschien. Er arbeitete auch mit an den
Illustrationen zu dem Weisskunig und an verschiedenen Unternehmungen
Dürers, dessen Art er sich innig anschloss. Auch grössere Einzelblätter
hat man von ihm.
Erhard Schön.
□Erhard Schön□ war ein Mitarbeiter Springinklees bei dem _Hortulus
animæ_ (ob auch bei Dürers Werken ist nicht bekannt), lieferte auch die
zwölf Apostel und 24 Blatt Heilige. Er war Verfasser eines Lehrbuches:
„Unterweysung der Proportion und Stellung der Bossen (Modellfiguren)“
mit einer Anzahl gut gezeichneter Köpfe und Körper in verschiedenen
Lagen mit Konstruktionsnetzen; geschätzt sind von Sammlern seine
Spielkarten. Er starb zu Nürnberg 1550.
Pencz und die
Beham.
Georg Pencz, Hans Sebald Beham und Barthel Beham sind Namen, die nicht
allein durch die Gemeinsamkeit der Kunstübung, sondern auch durch die
gemeinsamen Schicksale unzertrennlich geworden sind.
Alle drei lernten in Nürnberg und erhielten in jungen Jahren die
Meisterschaft (ob in der Werkstatt Dürers ist nicht bekannt),
jedenfalls gehörten sie alle zu seinen begabtesten Nachfolgern. In
jugendlicher Schwärmerei wurden sie erklärte Anhänger des Thomas
Münzer, der anfangs der zwanziger Jahre nach Nürnberg kam. In einen
Prozess wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer Ansichten
verwickelt, mussten die drei Maler ihrer Vaterstadt den Rücken kehren.
Georg Pencz.
□Pencz□ wurde nach einem Jahr begnadigt und später sogar Ratsmaler.
Er war ein vorzüglicher Kupferstecher in einer neuen Manier, die sich
nicht mit den einfachen Strichlagen Dürers begnügte, sondern nach
italienischen Vorbildern malerische Wirkung durch Licht und Schatten
und durch Abstufung der Töne zu erreichen suchte. Er liebte es,
zusammenhängende Folgen von Blättern zu liefern, z. B. die Geschichte
Abrahams, Josephs; 25 Blatt aus dem Leben Jesu. Vorzugsweise wandte
er sich Folgen aus dem klassischen Altertum zu, als z. B.: „berühmte
Liebespaare“, „Beispiele der Standhaftigkeit“, „unglückliche Frauen“.
Man besitzt von ihm 126 Blätter: Er starb 1550, hinterliess aber, trotz
fleissigen Arbeitens, die Seinen in grosser Dürftigkeit.
Hans Sebald
Beham.
Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, Barthel. Der
ältere □Hans Sebald Beham□ (geb. zu Nürnberg 1500) steht vielleicht von
allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer am nächsten, und übertrifft ihn
als Kupferstecher. Er befindet sich schon vollständig auf dem Boden der
Renaissance. Nach verschiedenen Schicksalen fand er in Frankfurt 1534
eine bleibende Stätte und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele
Werke Chr. Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik
(die in neun Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der
Offenbarung St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament;
ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und einem Buch vom
gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 starb, hinterliess er 270
Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. Seinen Grundsätzen, für die er in
der Jugend büssen musste, blieb er bis an sein Ende treu.
Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des Ross“
brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin eine
widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte und ein
Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, das übrigens von
ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen sei.
Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine Weinschenke
errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, dagegen scheint
jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade aus seinen letzten
Lebensjahren stammen, zu sprechen.
Barthel Beham.
□Barthel Beham□ ging nach München und trat 1527 in den Dienst des
Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten nach Italien
sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf der Höhe seiner
Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf die heutige Zeit
gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen für das
Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. In derselben Richtung
zeichnete sich □Ludwig Krug□ in Nürnberg aus.
Hans
Schaeuffelein.
□Hans Leonhard Schaeuffelein□ (geb. um 1476) lehnt sich sehr an Dürer
an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt zu, dessen Technik
ganz der Richtung seines Geistes entsprach. Wahrscheinlich lernte er
zuerst bei Wolgemut und arbeitete später bei Dürer, bis dieser 1505,
vor seiner Abreise nach Italien, seine Werkstatt auflöste. Im Jahre
1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge von 65 Blatt für das
_Speculum passionis_ des Dr. Pinder. Von ihm rühren 118 Zeichnungen für
die Holzschnitte zu dem Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen
Holzschneider □Jost de Negker□ geschnitten wurden. Bei Schönsperger
erschien ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen
Holzschnitten und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, „Das
Leiden Christi“.
Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra
Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines
Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen:
seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“;
zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen
Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren
religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen Leben
entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben und namentlich
20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl zeichnet sich durch
seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. Breite bei 71 ctm. Höhe,
aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und konnte sich nicht von dem
noch nicht fertigen Standpunkt der Form emanzipieren, auf welchem Dürer
damals, als er nach Italien reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549.
Albr. Altdorfer.
□Albrecht Altdorfer□, wahrscheinlich in Amberg um 1480 geboren, tritt
weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, wenn er ihn
auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte seine Kräfte
nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er nach Regensburg
über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist als Vater der modernen
Landschaftsmalerei zu betrachten und brachte es auch in der Ätzmanier
zur Virtuosität. Die Zahl seiner Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80,
die der Holzschnitte auf 70, die der Radierungen auf 30. Er starb im
Jahre 1538.
Michael Osten-
dorfer.
□Michael Ostendorfer□, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), leistete
als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich bedeutendere Werke
geliefert haben, wenn nicht die Not ihn gezwungen hätte, die Kunst
allein als Erwerbsmittel zu betrachten und allerlei, seinen Fähigkeiten
nicht angemessene Arbeiten zu unternehmen. In der ersten Periode seiner
Thätigkeit sind seine besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau
Maria gewidmet, besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse:
„Die Kirche der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das
Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst mit Eifer
der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein umfangreicher
Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548).
Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von der Mitte
des □xvi.□ Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, unter diesen
besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner und Melchior
Lorch.
Virgil Solis.
□Virgil Solis□, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie eine
besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der schönsten Zierstöcke
für Bücherornamentierung erfand. Von ihm sind 600 Kupferstiche
bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte ist ebenfalls gross, als: 100
biblische Figuren zum Alten Testament; 116 zum Neuen; 67 zur Geschichte
der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; 194 zu Äsops Fabeln. Er starb um
1562.
Jost Amann.
□Jost Amann□[5] war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner
Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine
Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in Zürich
geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für dortige,
besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich für Sig.
Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; _Icones Livianæ_,
Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu Reineke Fuchs;
das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von Bedeutung. Bekannt ist das
1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche Beschreybung aller Stände
auf Erden -- aller Künste und Handwerken“. Wir finden darin auch den
Schriftgiesser, Drucker, Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei
etwas grösserer Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden
diese Abbildungen von grösserem Werte für die ältere Geschichte der
Buchdruckerkunst sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen
Anhaltepunkte. Amann starb 1591.
[5] □C. Becker□, Jost Amann, Zeichner etc. Mit Zusätzen von R.
Weigel. Leipzig 1854. Vergl. auch S. 77.
Peter Flötner.
□Peter Flötner□ aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in erster Reihe
Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den Formenschnitt
thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten zeichnen sich
besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft aus. Von Wert
für die Ornamentik ist noch heute seine Sammlung von 24 Vorlegeblättern
für Goldschmiede und sonstige Metallarbeiter.
Melchior Lorch.
□Melchior Lorch□ aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in
seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen
Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 in Kupfer
stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte grosse Reisen
und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften begleitete,
Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er aus dem Orient mitbrachte,
erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu Hamburg. Später trat Lorch in
den Dienst des Königs Friedrich □ii.□ von Dänemark. Eine, auf zwei
Platten geschnittene figurenreiche Darstellung der Sintflut ist die
grösste der von ihm erhaltenen Kompositionen. Er starb zu Rom 1585.
Jakob Binck.
H. Ladenspelder.
Geschickte Kupferstecher waren □Jakob Binck□ und □Hans Ladenspelder□.
Der erstere, zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. geboren, siedelte 1531 nach
Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir haben ungefähr 150 Stiche
von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) sind etwa 50 Stiche auf uns
gekommen; er neigt sich mehr den Italienern zu.
H. Aldegrever.
□Heinrich Aldegrever□ ist der letzte der Künstler, die mehr oder
weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik und der
Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn oder in Soest
geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die Portraits Luthers
und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft in mehreren Stichen
an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter sind von ihm vorhanden.
In grösseren Bilderfolgen behandelte er biblische Geschichten, z. B.
die Adams und Evas, des barmherzigen Samariters, des keuschen Joseph.
Seine ornamentalen Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte
Vorlagen, namentlich diejenigen Blätter, in welchen er sich an das
einfache Pflanzenornament hält[6].
[6] Sie sind in vortrefflichen Lichtdrucken reproduziert.
Luc. Cranach.
Eine Sonderstellung behauptet □Lucas Cranach□[7], so genannt nach
seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren wurde.
Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich des
Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann dem Beständigen
und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in grosser Gunst stand und
zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg übergesiedelt, kaufte er 1520
dort eine Apotheke, trieb auch Buch- und Papierhandel, beteiligte sich
bei einer Buchdruckerei und lieferte, unterstützt von zahlreichen
Gehülfen, eine Unzahl von Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber
doch keinen Vergleich mit denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch
Zeichenfeder wie durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter
an dem Reformationswerk gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der
Reformatoren allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine
satirischen Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen,
andererseits die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war
er sehr angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit
dem Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober
1553 starb.
[7] □Chr. Schuchardt□, Lucas Cranach des älteren Leben und
Werke. 2 Bde. Leipzig 1851. -- □Jos. Heller□, Lucas
Cranachs Leben und Werke. Nürnberg 1854.
Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein Dutzend;
von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, teils Suiten.
Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ 14 Blatt; die 1509
als _Passio Jesu Christi_ erschienen, und später vielfach benutzt
wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die Marter der Apostel“,
12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, 26 Blatt, wovon 13 je
eine Scene aus dem Leben Christi, diesen gegenüber 13 je eine aus
dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das Papsttum“, 10 Blatt, dann
„Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, 119 Blatt, mit Abbildungen und
Beschreibungen kostbarer Gefässe etc.
Hans Baldung.
In Strassburg lebte □Hans Baldung□, genannt □Grün□, wenige Jahre
nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er sich in
Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein Altarbild
in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach seiner Rückkehr
nach Strassburg widmete er sich besonders dem Holzschnitt und lieferte
auch schöne Blätter in Clair-obscur_-Manier. Grossartig sind seine
Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. Man kennt etwa 150 Blätter von
seiner Hand. Ein wahres Kleinod für die deutsche Kunstgeschichte ist
sein Skizzenbuch, welches in Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im
Jahre 1545.
Urse Graf.
Tobias Stimmer.
Ein besonderer Glücksstern ruhte über Basel. Hier wirkte zuerst
□Urse Graf□ (geb. 1470, gest. 1530), von dessen Zeichnungen manche
nicht hinter denen Dürers und Burgkmairs stehen (Leben Christi in
24 Bl.); dann □Tobias Stimmer□ (geb. zu Schaffhausen 1534), dessen
„Newe künstliche Figuren biblischer Historien“ (1576) Rubens als eine
Schatzkammer der Kunst bezeichnete. Stimmer starb um das Jahr 1590.
Basels grösster Stolz ist jedoch □Hans Holbein der jüngere□ dessen
Vater Hans, ein Maler von Verdienst, aus Augsburg stammend, um das Jahr
1495, in welchem der Sohn geboren wurde, nach Basel zog.
Hans Holbein d. j.
Die erste bedeutendere Holzschnitt-Arbeit Holbeins ist „Mucius
Scävola und Porsenna“. Das Werk des englischen Kanzlers Thomas Morus,
‚_Utopia_ʻ, welches bei Joh. Froben in Basel erschien, war Veranlassung
für Holbein, mit Erasmus in Berührung zu kommen, der ihn dem Kanzler
empfahl, durch dessen Vermittelung er als Hofmaler Heinrichs □viii.□
in das Schloss Whitehall zog, wo er seine unvergleichlichen Bildnisse
malte und zeichnete und 1543 starb. Basel besuchte er in den Jahren
1529 und 1539[8].
[8] □Alfr. Woltmann□, Hans Holbein und seine Zeit. 2. Aufl.
Leipzig 1876. -- □Ambr. Firmin Didot□, _Essai sur
l'histoire de la gravure sur bois_. Paris 1853.
Holbein lieferte, abgesehen von seinen Alphabeten, über 300
Zeichnungen für den Holzschnitt, darunter Randverzierungen,
Titelblätter, Buchdruckerzeichen u. dgl. Seine drei in der Geschichte
der Holzschneidekunst unübertroffen dastehenden Werke sind: „Das
lateinische Totentanzalphabet“, „Der Totentanz“ und „Die Bilder zur
Bibel“.
Das Totentanz-
Alphabet.
„Das Totentanzalphabet.“ Auf Blättern von nur 24 Millimeter in Quadrat
hat es Holbein verstanden in Verbindung mit Initialen Gruppen zu
komponieren, von welchen jede eine Scene darstellt, wie der Tod den
Menschen in jedem Alter und in jeder Lebensstellung erfasst. Die
Zartheit des Stiches, die Reinheit der Linien veranlassten Kenner,
hierin eher Hochschnitte in Kupfer als Holzschnitte zu suchen. Die 24
Vignetten, auf ein Blatt gedruckt, sind nur in ganz wenigen Exemplaren
vorhanden; auf zwei davon wird Hans Lützelburger als der Formschneider
angegeben. Was aus den Originalen geworden, weiss niemand, kopiert sind
sie vielmals. Loedel in Göttingen hat sie vortrefflich nach dem schönen
Exemplar in Dresden gestochen.
Der Totentanz.
„Der Totentanz.“ Noch berühmter ist der Totentanz, der in dreizehn
Ausgaben existiert. Früher hielt man dafür, dass die erste gedruckte
Ausgabe von den Originalstöcken, welche eine Höhe von nur 6 ctm. 5
mm. und eine Breite von 5 ctm. haben, in Lyon erschienen sei, neuere
Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass wenigstens die zwei ersten
Ausgaben aus Basel stammen und dass wahrscheinlich erst die vierte aus
der Offizin der Gebr. Trechsel in Lyon herrührte. Dass die Schnitte
in Basel hergestellt wurden, dürfte ebenfalls zweifellos sein; in
Lyon waren damals keine, dieser Aufgabe gewachsenen Holzschneider.
Man schreibt sie dem, mit dem Namen Holbein so eng verknüpften
Formenschneider □Hans Lützelburger□, genannt □Franck□, zu. Die □iv.□
bis □xi.□ Ausgabe wurde in Lyon; die □xii.□ in Basel; die □xiii.□
wieder in Lyon gedruckt. Die □viii.□ Ausgabe und die folgenden haben
statt 41 Blätter deren 53. In dem Hin- und Herwandern der Holzschnitte
liegt nichts befremdendes; ein solches fand öfters statt.
Die Engländer haben behauptet, dass die Originale für die Holzschnitte
des Totentanzes Gemälde im Schlosse Whitehall, welches 1697 in Flammen
aufging, gewesen seien. Die mit der Feder ausgeführten, und durch
leichtes Aufsetzen von braunen Tinten gehobenen Originalzeichnungen
befinden sich jetzt, nach verschiedenen Schicksalen, in dem
kaiserlichen Kabinet in St. Petersburg. Das Werk ist vielfach kopiert,
in Holzschnitt hat man 48, in Kupferstich 43 Ausgaben. Die von dem
bekannten englischen Kupferstecher Hollar in London 1647 gelieferten
Stiche sind nach den, damals in Besitz des Lord Arundel befindlichen
Originalen gemacht.
Holbein erzielt in diesem Werke, dessen Gedankentiefe, Kraft
und Naivetät man nicht genug bewundern kann, mit den einfachsten
Mitteln die grösste Wirkung. Er schafft keine Schwierigkeit für den
Holzschneider, die Schatten deutet er nur schwach an.
_Icones veteris
testamenti._
Die _Icones Veteris Testamenti_ halten sich in demselben einfachen
Stil. Der Ausdruck ist kräftig und naiv; eine Eigentümlichkeit sind die
etwas kurzen Figuren. Die erste Ausgabe erschien 1538 bei Trechsel in
Lyon. Sie enthält 92 Blätter. Schon 1539 folgte die zweite. Die dritte
Ausgabe druckten die Gebr. Frellon, welche überhaupt fünf Ausgaben
lieferten, nachdem sie die Druckerei von Trechsel erworben hatten.
Wer die Platten geschnitten hat, ist unbekannt geblieben; dass Hans
Lützelburger allein eine so bedeutende Arbeit hätte ausführen können,
ist nicht anzunehmen. Angesehene Kenner haben vermutet, dass die
Schnitte in Paris besorgt sind.
Im Jahre 1830 haben zwei geschickte englische Holzschneider, John und
Mary Blyfield, sowohl diese Zeichnungen, als auch den Totentanz so
getreu nachgebildet, dass sie kaum von den Originalen zu unterscheiden
sind. In demselben Jahre, wo das Original Holbeins in Lyon erschien,
liess Pierre Regnault in Paris eine, jedoch schwache Nachahmung
erscheinen.
Höchste Stufe
d. Holzschnittes.
Mit den Arbeiten Holbeins hatte die Holzschneidekunst ihren Höhepunkt
erreicht. Trotz aller Fortschritte in der Technik, die heute spielend
alle Schwierigkeiten überwindet, giebt es nichts, was den, mit so
einfachen Mitteln und bei so kleinen Dimensionen erreichten Effekt
dieser Kunstwerke übertrifft. Die Vortrefflichkeit der Ausführung
hat Sachkundige veranlasst, in dem Holzschneider den Künstler selbst
erkennen zu wollen. Überhaupt ist die Frage öfters aufgeworfen: „Waren
in der ersten Periode des Holzschnittes Zeichner und Holzschneider
dieselbe Person?“, eine Frage, die unterschiedliche Beantwortung
gefunden hat.
Ueber die eigen-
händigen Holz-
schnitte.
Es mag wohl unzweifelhaft sein, dass die Künstler damaliger Zeit, wo
Kunst und Gewerbe einander weit näher standen, als heutzutage, die
Technik des Holzschnittes innegehabt und öfters selbst die Xylographie
geübt, namentlich die Teile eines Bildes geschnitten haben, die
besondere Sorgfalt erforderten. Ebenso unzweifelhaft ist es aber wohl
auch, dass dies eine Ausnahme war, und dass die Zeichner sich in der
Regel des Formenschneiders bedienten, um die langwierige Arbeit des
Schnittes auszuführen.