Die „Setzkästen“ ruhten zu zweien, einer hüben, einer drüben, auf einem

Pult, das wie ein grosses doppeltes Notenpult konstruiert war. Die

Zahl der Fächer hat auf Grund der vielen Ligaturen eine sehr grosse

sein müssen. Durch letztere wurde die Kunst des Setzens damals eher

schwieriger, als heute. Bei der grossen Ähnlichkeit mancher Ligaturen

unter einander war das korrekte Ablegen sehr erschwert und Fehler kamen

deshalb auch leichter beim Setzen vor. Ob die Fächer der Setzkästen,

wie es nach den Abbildungen den Anschein hat, gleichgross gewesen

sind, lässt sich nicht feststellen. Unwahrscheinlich ist es nicht,

denn die, heute im Satz oft vorkommenden, und deshalb grössere Fächer

verlangenden Buchstaben wurden auf Grund der vielen Ligaturen damals

nicht für sich allein so massenhaft verwendet.

In der Regel wird der Setzer oder die Setzerin sitzend und säuberlichst

angeputzt abgebildet, während die Drucker mit der Toilette es nicht

gar zu ängstlich genommen zu haben scheinen und oft in einem, dem

adamitischen sich sehr nähernden Kostüm dargestellt werden.

Winkelhaken.

Der „Winkelhaken“ war aus Holz, sehr einfach und für wenige Zeilen

und nur für ein Format berechnet. Dass der Setzer öfters mit dem

Winkelhaken in der rechten Hand abgebildet wird, berechtigt nicht zu

dem Schluss, dass viele unter ihnen „links“ gewesen sind. Es beruht

dies allein auf Unachtsamkeit und auf Übersehen des Umstandes, dass

die Zeichnung im Schnitt umgekehrt zu stehen kommt. Ganz im Anfang

hatte man mutmasslich nicht einmal einen Winkelhaken, sondern reihte

die Zeilen gleich in einem flachen Kasten auf, der zugleich als

Rahmen diente. Setzlinien benutzte man nicht, sondern stellte eine

Zeile unmittelbar auf die andere, wodurch natürlich das Ausschliessen

erschwert wurde, da die Schrift sich nicht so leicht auf der doch immer

etwas rauhen Fläche der Typen hin- und herschieben liess. Der Kasten

mit den fertigen Kolumnen liess sich leicht in die Presse stellen. War

der Schluss auch nicht ein besonders fester, so war man bei Benutzung

der Ballen und der leichten Farbe nicht so sehr der Gefahr ausgesetzt,

dass die Buchstaben herausgezogen wurden, wie es jetzt bei den Walzen

mit starkem Zug und der schweren Farbe der Fall ist. Dagegen stiegen

öfters die Ausschlussstücke und verunstalteten den Druckbogen. Stege

und Regletten scheint man nicht gehabt zu haben.

Das Tenakel und

das Manuskript.

Dass das „Tenakel“ frühzeitig gekannt war, geht ebenfalls aus den

Abbildungen hervor, doch darf man annehmen, dass anfänglich dem

Setzer in der Regel nach dem Manuskript diktiert wurde, und dass der

Vorlesende so eingeübt war, dass er gleichzeitig mehreren Setzern aus

verschiedenen Manuskripten diktieren konnte. Abweichungen im Satz

in einem und demselben Werk können kaum anders erklärt werden, als

dass der Satz gleichzeitig von mehreren Setzern nach Diktat gesetzt

wurde. Für die Annahme des Diktierens des Manuskripts glaubt man

eine Bestätigung darin zu finden, dass man auf anderen Abbildungen

den Vorleser mit dem Manuskript in der Hand sieht, während die, um

ihn herum arbeitenden Setzer kein Tenakel mit Manuskript auf ihren

Setzpulten vor sich haben. Doch kann die für den Vorleser gehaltene

Person auch der Besitzer oder Besteller sein und das Fehlen des

Tenakels dem Zeichner zuzuschreiben sein.

Unregelmässig-

keit im Setzen.

An einem geschmackvollen Arrangement des Satzes, einer angenehmen

Abwechselung der Schriften oder einer wohlthuenden Durchsichtigkeit

durch weitere Trennungen der Zeilen und Absätze fehlt es im allgemeinen

sehr und die durch die übermässig gedrängten und stark geschwärzten

Typen hervorgebrachte Unklarheit wird noch durch Versündigungen

gegen die ersten orthographischen Regeln vermehrt. Eigennamen sind

bald mit Versalien, bald mit gemeinen Buchstaben, je nach Laune

des Setzers oder nach dem Schriftenvorrat, gesetzt. Die allein

üblichen Interpunktionszeichen Komma, Kolon, Punktum finden in der

willkürlichsten Weise Verwendung. Krumme, ungleich ausgeschlossene

Zeilen, mangelhaftes Umbrechen kommen ganz allgemein vor. Versetzungen

von Zeilen und Seiten, sogar Weglassungen von ganzen Seiten im Druck

gehören nicht zu den Seltenheiten, Wörter werden in der wunderbarsten

Weise geteilt. Am schlimmsten von allem ist die grenzenlose Willkür

im Abkürzen. Der Setzer dehnt oder drängt die Wörter, bis sie in das

Längenmass der Zeile passen oder hackt nach Belieben ein Glied von

ihnen ab, wenn sie durchaus nicht passen wollen. Oft wird zwar ein

alter Druck auf Grund der Regelmässigkeit des Ausschlusses gelobt,

sieht man jedoch näher hin, so findet man, dass die Regelmässigkeit

gewöhnlich nur durch Eigenmächtigkeit erreicht wurde. Mag man auch

manche gerechte Klagen über das Verfahren heutiger Kunstjünger führen,

eins steht doch fest, dass die Kunst, die Typen derart zu arrangieren,

dass der Sinn des Autors klarer ans Licht tritt, eine Errungenschaft

der modernen Setzerei ist.

Die Korrektur.

Das bei der KORREKTUR befolgte System ist nicht vollständig klar. Es

kommen in verschiedenen Exemplaren desselben Buches sonderbare Fehler

vor, die darauf hindeuten, dass die Setzer selbst die Korrekturen,

und zwar manchmal recht schlecht, lasen. Als Gegensatz muss erwähnt

werden, dass schon Gutenbergs Bibel, wenn sie auch nicht fehlerfrei

wurde, doch sehr sorgfältig korrigiert ist. Auch wissen wir, dass

oft ausgezeichnete Gelehrte die Korrektur besorgten; sie waren in

solchen Fällen nicht sowohl Korrektoren als Redaktoren des Textes.

Im allgemeinen ist es jedoch ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass

die ältern Druckwerke sich durch ihre Korrektheit vor den heutigen

Erscheinungen auszeichnen.

* * * * *

Die Presse.

Auffällig genug ist es, dass die ersten Drucker ihre PRESSEN so

wenig erwähnen. Es scheint fast, als ob man die Presse als eine alte

Erfindung keiner besonderen Aufmerksamkeit wert hielt. Mit Unrecht;

denn ist auch das Prinzip der Presse ein altes, so war doch der

Mechanismus der Druckerpresse neu. Die Vorzüge fallen leicht in die

Augen, wenn man sie mit der Schraubenpresse vergleicht, welche letztere

jedenfalls als Vorbild für die Druckerpresse gedient hat. Die Bibel

Gutenbergs muss unbedingt auf einer Presse hergestellt worden sein,

deren Druck rasch gesteigert und rasch gemindert werden konnte und

die mit einem beweglichen Fundament, einem Deckel und einem Rähmchen

versehen gewesen ist[3]. Die erste Abbildung einer Presse stammt

von Jod. Badius in Paris. Auf dieser Abbildung, wie auch auf allen

anderen, steht die Bank mit den zu bedruckenden und mit den bedruckten

Papierhaufen jenseit des Fundaments und des Karrens. Der Drucker zieht

den Bengel unter grosser Kraftanstrengung mit beiden Händen an, den

rechten Fuss stemmt er gegen den schrägen Tritt an. Und doch war der

Tiegel nur so gross wie die Hälfte der Schriftform; es gehörte demnach

ein zweimaliges Anziehen des Bengels dazu, um eine Form zu drucken.

Der erste Zug erfolgte, wenn der Karren zur Hälfte, der andere, wenn er

ganz eingefahren war.

[3] Der Verlagsbuchhändler und Redacteur □H. Klemm□ in

Dresden, der mit grossen Kosten in einer verhältnismässig

sehr kurzen Zeit eine bedeutende Anzahl typographischer

Seltenheiten sammelte, hat auch die in einem Keller

des früheren Hofes „Zum Jungen“ in Mainz aufgefundenen

Bruchstücke einer Schraubenpresse erworben, von welchen

einerseits (vergl. □K. Klein□, Über Gutenberg und das

im ersten Druckhause aufgefundene Fragment der ersten

Druckerpresse. Mit 2 Abbd. Mainz 1851) angenommen wird,

dass sie der „ersten“, noch aus Strassburg stammenden

Presse Gutenbergs angehörten, was andererseits

angezweifelt wird, und zwar namentlich auf Grund der

Inschrift J. MCDXLI G., die in den erhaltenen Oberbalken

eingeschnitten ist, indem man sowohl an der Jahreszahl

und der ungewohnten Art diese zu schreiben (CD statt

CCCC) als auch an den römischen Buchstaben J. G. Anstoss

nimmt. Herr Klemm hat die Presse nach seinen Annahmen

vervollständigen lassen. Wie nahe er, namentlich in

Betreff des, aus vier Stücken sinnreich konstruierten

Rahmens, der sich leicht für verschiedene Formate

einrichten lässt, der Wirklichkeit gekommen, ist ja nicht

zu entscheiden. Nach H. Klemms Konjektur ist mit den

„vier Stücken“, um deren Auseinandernahme (vergl. S. 25)

man bei Dritzehns Tod so sehr besorgt war, ein solcher

Rahmen gemeint.

Da die Pressen nur aus Holz und von gewöhnlichen Tischlern konstruiert

waren, so blieb vieles zu wünschen übrig. Selten mögen wohl Tiegel und

Fundament eine vollkommen gleichmässige Oberfläche gebildet haben. Die

unten abgesägten Typen hatten nicht ganz genaue Höhe, und das Papier

nicht gleiche Stärke, was die Ungleichheiten vermehrte.

Um alle diese Unebenheiten auszugleichen war eine weiche Lage zwischen

Tiegel und dem Druckbogen notwendig, damit die Schrift tief genug in

das Papier eingedrückt wurde. Unter solchen erschwerenden Verhältnissen

verdienen die damaligen Leistungen des Druckers oft um so grössere

Anerkennung.

Um das Register zu erzielen, bediente man sich anfänglich vierer

Punkturen in den Ecken. Die Plätze für den Rotdruck waren in dem

ersten Schwarzdruck mit niedrigen Quadraten ausgefüllt. Nachdem der

Schwarzdruck vollzogen war, wurden die rot zu druckenden Buchstaben

hineingestellt und durch Unterlagen etwas über die Schrifthöhe erhöht

und dann, nachdem die betreffenden Stellen in einem zweiten Rähmchen

ausgeschnitten waren, gedruckt.

Die Farbe.

Die FARBE der alten Drucke ist von sehr ungleicher Güte. In den Drucken

von Nic. Jenson in Venedig ist sie intensiv schwarz, sammetweich und

glänzend. Die Gutenbergsche Bibel ist mit kräftiger tiefschwarzer aber

glanzloser Farbe gedruckt. In dem Psalter von Fust und Schöffer ist

die Farbe bald glanzvoll, bald matt. In anderen Drucken ist die Farbe

wieder bräunlich oder schmierig, wieder in anderen ohne Konsistenz

und abwaschbar. Nicht selten ist die Schwärze in einem und demselben

Werke bald sehr dick, bald sehr sparsam aufgetragen. Hierbei hat

jedenfalls die grosse Verschiedenheit des Papiers wesentlich Schuld,

sowie die Unregelmässigkeit im Feuchten. Das Pergament ist öfters zu

stark poliert, öfters nicht ganz frei von Kalk oder Fett. Die allgemein

aufgestellte Behauptung, die ältere Farbe sei tiefer und glanzvoller

als unsere, ist nicht ganz korrekt. Sie scheint allerdings tiefer,

weil man sie auf Grund der grossen Typen und des starken Auftrags

massenhafter sieht; hätte man eine neue zarte Antiqua mit derselben zu

drucken gehabt, so würde sie wohl auch weniger schwarz erschienen sein.

Die Einschwärzung der Form geschah mittels Ballen, wie sie noch vor

etwa 50 Jahren im Gebrauch waren.

Wie die Farbe zusammengesetzt wurde, ist nicht gesagt. Hier giebt

das aufgefundene Ausgabebuch der Ripoli-Presse von 1481, welches die

verbrauchten Materialien aller Art nach ihrer Quantität und ihren

Preisen angiebt, einigen Anhalt. Vom Russschwarz ist keine Rede, wohl

aber von Pech. Den ersten Platz nimmt Leinöl ein; Schellack und dünner

Firnis dienten dazu, der Farbe Glanz zu geben, ausserdem sind erwähnt

Cochenille und Harz.

* * * * *

Ausschmückung

der Bücher.

Die „Illuminatoren“ und „Rubrikatoren“ verschwinden nach der Erfindung

der Buchdruckerkunst noch nicht von der Bühne. Die Initialen werden

zumteil nur in Umrissen, zumteil gar nicht eingedruckt und dann

von den Illuminatoren mehr oder weniger kunstvoll ausgemalt und

vergoldet; auch in dem Texte werden die Majuskeln, manchmal auch die

Interpunktionstrennungen mit roten Farbenstrichen hervorgehoben. Da

diese Arbeiten zeitraubend, demzufolge kostspielig waren, so verschob

man sie öfters; man findet deshalb viele Inkunabeln, in denen nur der

Raum für die Initialen gelassen ist, ohne dass diese später ausgeführt

wurden.

Die eigentliche

Illustration.

Die eigentliche ILLUSTRATION wurde von den ersten Buchdruckern

vernachlässigt, wahrscheinlich um nicht den Manuskript-Charakter der

Bücher zu stören. Die nachfolgenden waren jedoch weniger ängstlich.

Abgesehen von dem Mangel an künstlerischem Wert nahm man es mit

dem Sinn und der Wahrheit ziemlich leicht. Oft kommen in einem

und demselben Werk sogar damals lebende Persönlichkeiten in ganz

verschiedenen Auffassungen vor, oft dienen dieselben Holzstöcke als

Konterfeis von einem halben Dutzend historischer Personen von Adam

ab bis auf die damalige Zeit. Städte wurden ebenfalls ganz nach

der Phantasie abgebildet und derselbe Schnitt, selbst in einem und

demselben Werke, bald als Jerusalem, bald als London oder irgend eine

andere Stadt vorgeführt. Ob eine Einfassung im Einklang mit dem Texte

stand oder nicht, war ganz gleich. So kann man um die Seiten von

Gebetbüchern Einfassungen sehen, in welchen Affen ihr tolles Spiel

treiben oder gar anstössige Scenen aus der griechischen Mythologie

vorgeführt werden. Mit den Holzschnitt-Illustrationen wurde schon

frühzeitig Handel getrieben und dieselben zu Ausgaben in verschiedenen

Sprachen benutzt.

* * * * *

Obwohl das Baumwollen-Papier[4] anderthalbhundert Jahre vor der

Erfindung der Buchdruckerkunst in Europa bekannt war, so wurde für die

ersten Druckwerke doch auch von dem PERGAMENT, wenn auch daneben von

dem Papier, Gebrauch gemacht. Teils wollte man dem Gedruckten möglichst

den Charakter des Manuskriptes wahren, teils waren die liturgischen

Bücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass das solidere,

wennauch teurere Material vorgezogen wurde.

[4] □De la Lande□, _Art de faire le Papier. 2. Ed._ Paris

1820. -- □De la Lande□, _Art de faire le parchemin_.

Paris 1762. (Beide Werke auch deutsch.) -- □G. Peignot□,

_Essai sur l'hist. du parchemin et du velin_. Paris 1812.

-- □J. D. F. Sotzmann□, Über ältere Papierfabrikation.

Leipzig 1846 (Serapeum). -- Über Papierzeichen vergl.

die in der Einführung erwähnten Werke von □Sotheby□ und

□Weigel□ sowie □Ames□, _Typogr. Antiquities_, ferner: □G.

Fischer□, Versuch die Papierzeichen als Kennzeichen etc.

anzuwenden. Nürnberg 1804; □La Serna Santander□, _Les

livres impr. dans le XV Siècle_. Brüssel 1803 (Suppl.

zu der Beschreibung der Bibliothek des Verfassers). Über

Papierzeichen in Italien: _Esame sui principii della etc.

typogr._ Lucca 1797.

Die Bearbeitung der Tierfelle als Stoff zum Beschreiben stammt

aus dem grauen Altertum. Schon Herodot berichtet, dass man auf

präparierte Hammel- und Ziegenfelle geschrieben habe. Später spricht

Josephus in seinen jüdischen Altertümern von einem prachtvollen, auf

Ziegenfell ausgeführten Manuskript aus dem Jahre 277 v. Chr. Will man

Plinius glauben, so rührt die Erfindung des eigentlichen Pergaments

(_Charta pergamena_) aus der Stadt Pergamum in Kleinasien, her, als

der ägyptische König Ptolomäus Epiphanes aus Eifersucht über die

Bestrebungen des pergamenischen Königs Eumenes □ii.□ (andere sagen

Attalus □ii.□), eine mit der alexandrinischen wetteifernde Bibliothek

zu schaffen, die Ausfuhr des Papyrus verbot. Später wurde das beste

Pergament, von den Römern gewöhnlich _membrana_ genannt, in Rom

verfertigt.

Das Material für die Anfertigung des Pergaments, soweit es zum

Schreiben oder Bedrucken verwendet wird, sind Lamms-, Schafs-, Ziegen-

und namentlich Kalbsfelle. Das aus letzteren hergestellte Fabrikat

heisst _vellum_ (_Velin_), die Kälber dürfen, wenn das Velin gut werden

soll, nicht älter als sechs Wochen geworden sein; die feinste Sorte

liefern die Felle der ungeborenen Kälber (_velots_).

Die Zubereitung des Pergaments[5] ist eine mühsame und zeitraubende.

Die Felle werden in eine Kalkgrube gethan, von der Wolle, den Haaren,

den Fleisch- und Fettteilen sorgsamst gereinigt, abwechselnd in Wasser

und wieder in Kalk gelegt, auf Rahmen gespannt, geschabt, mit Kreide

und Farbe ein- und mit Bimsstein abgerieben.

[5] Mit dem tierischen Pergament ist nicht zu verwechseln das

Pergamentpapier (vegetabilische Pergament), das in der

neueren Zeit eine ziemlich grosse Verwendung findet.

In Frankreich, wo die Fabrikation lebhaft betrieben wurde, gehörten

die Pergamentmacher unter die Jurisdiktion der Universität. Alles

nach Paris eingeführte Pergament musste nach der Halle der Mathuriner

gebracht werden, um dort von den Universitätsbehörden geprüft und

gestempelt zu werden (_rectorier_). Zu ihren Rechten zählte die

Universität auch den Verkauf auf den zwei grossen Messen zu St. Denis

und St. Ladre.

Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des

BAUMWOLLEN-PAPIERS fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel,

hauptsächlich in Xative, Valencia und Toledo. Anfänglich wurde zur

Fabrikation nur rohe Baumwolle benutzt, dann baumwollene Lumpen,

später baumwollene und leinene gemischt, schliesslich im □xiv.□ Jahrh.

leinwandene allein. Als mit der arabischen Herrschaft in Spanien auch

die dortige Papierfabrikation sank, wendete letztere sich namentlich

nach Italien. Um Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, in

Padua, Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, die

nicht allein Italien, sondern bis in das □xv.□ Jahrh. hinein fast

ausschliesslich den Süden Deutschlands versorgten, ja ihr Fabrikat bis

nach Sachsen sandten, während West- und Niederdeutschland ihren Bedarf

aus Frankreich und Burgund bezogen, welche Länder auch nach England

ihren Absatz hatten. Von den Papiermärkten waren namentlich die in

Brügge, Antwerpen und Köln bedeutend.

Aus dem gesagten geht schon hervor, dass die Fabrikation, wennauch in

Deutschland nicht unbekannt, hier doch nicht genügend fortgeschritten

war, um den heimischen Bedarf zu decken, noch weniger, um an eine

Ausfuhr zu denken.

Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich namentlich aus den

„Wasserzeichen“, Marken der Fabriken, erkennen, welche zugleich, wenn

nicht untrügliche, so doch beachtenswerte Beiträge zur Beurteilung

des Entstehens älterer Druckwerke liefern, untrüglich deshalb nicht,

weil einerseits einige dieser Zeichen, z. B. der Ochsenkopf oder das

Monogramm •P• fast überall verbreitet waren, andererseits, weil

oft Papiere aus verschiedenen Ländern oder Orten stammend und mit

verschiedenen Zeichen versehen in einem und demselben Werke verwendet

wurden. Das Entstehen des Ochsenkopfes und des •P• ist nicht

genügend erklärt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man den

Ochsenkopf wählte, weil St. Lucas, dessen Symbol bekanntlich ein

Ochs ist, der Hauptpatron der Malergilden von Italien bis nach den

Niederlanden war, und zu diesen Gilden gehörten auch die Papiermacher.

Das •P• dürfte auf „Papier“ hindeuten. Es wird dies dadurch um so

wahrscheinlicher, als dieses Zeichen dem italienischen Papier (_Carta_)

fehlt. Doch das alles ist Mutmassung.

Einige Wasserzeichen als Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut,

Bischofsmütze, gekreuzte Schlüssel, sowie die Wappen von einzelnen

Ländern, Städten und Familien deuten zwar mitunter etwas näher auf

einen Abstammungsort des Papiers, sie sind jedoch auch nicht immer

zuverlässige Kennzeichen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen in so vielen

Wappen vorkommen.

Die deutschen Wasserzeichen sind in Bezug auf Bestimmung des Alters

und des Entstehungsortes der Bücher deshalb weniger wichtig, weil die

deutschen Papiere erst zu einer Zeit recht zur Geltung kamen, zu der

die Druckorte, Jahreszahlen und Verleger fast allgemein auf den Büchern

genau angegeben stehen.

Die älteste deutsche Papierfabrik scheint die von U. Stromer in

Nürnberg gewesen zu sein, für welche im J. 1390 Arbeiter aus Italien

berufen wurden. Trotzdem wurden aber doch die ersten Nürnberger

Drucke auf italienischem Papier gedruckt. Basels Bedeutung für die

Papierfabrikation wurde bereits S. 44 erwähnt.

In Augsburg ward 1468, in Kempten 1477 die erste Mühle angelegt. Ein

Hauptplatz der Fabrikation war um die Mitte des □xv.□ Jahrhunderts

die ehemalige Reichsstadt Ravensburg in Schwaben, wo grosse Massen von

Papier, jedoch keins, das mit den vorzüglicheren Sorten des Auslandes

den Vergleich aushielt, geliefert wurde[6].

[6] □D. E. Beyschlag□, Beiträge zur Kunstgesch. von

Nördlingen. Heft IV u. V. Nördlingen 1798-1801.

Das älteste Druckpapier war stark geleimt, kräftig aber hart, und

verschieden in der Stärke, so dass gewissenhafte Druckereien das Papier

nach Stärke, wie auch nach Färbung, sortierten. Die rauhe Oberfläche

war dem Druck nicht günstig und das Satinieren und Glätten war

unbekannt. Man machte bald die Erfahrung, dass das ungeleimte Papier

nicht allein billiger, sondern auch zur Aufnahme der fetten Druckfarbe

zweckdienlicher sei, als das geleimte.

* * * * *

Neue und alte

Drucke vergli-

chen.

Aus dem gesagten geht hervor, dass wir jetzt vollkommenere Werkzeuge

und besseres Material haben. Es wird schneller, billiger und mit

grösserer Akkuratesse und Eleganz, mit mehr Rücksicht auf die

Bequemlichkeit des Lesers und mit weit mehr Abwechselung für das

Auge gedruckt, so dass die alten Drucke im allgemeinen doch nicht den

Vergleich mit den neuen aushalten. Vieles, was bei den alten Drucken

uns fesselt, ohne dass wir uns stets genaue Rechenschaft von dem Grund

ablegen können, beruht sicherlich auf dem Umstand, dass sich in der

ersten Zeit Schriftgiesser, Buchdrucker, Verleger in einer Person

vereinigten. Hierdurch entstand eine einheitliche Durchführung; man

möchte fast sagen, es macht sich eine ausgeprägte Persönlichkeit in dem

Werke geltend, so dass man schon beim Aufschlagen eines Buches sofort

weiss, mit wem man zu thun hat, und sich wie zuhause fühlt.

Sind nun auch die technischen Verbesserungen grossartig, so ist

die Arbeit des Typographen in ihrem Wesen dieselbe geblieben.

Die Druckweise Gutenbergs ist nicht veraltet und weder durch die

Lithographie, noch durch die Photographie, noch durch irgend ein

anderes Verfahren der Neuzeit in Schatten gesetzt; ihr gehört immer

noch die Führung der graphischen Künste, und sie wird ihr wohl auch für

die Zukunft bleiben.

* * * * *

Die Anfänge der

Buchbinder-

kunst.

In engster Verbindung mit der Buchdruckerkunst stand die

BUCHBINDERKUNST[7], und es konnte von einer solchen eigentlich erst

nach der Entstehung des gedruckten Buches die Rede sein. Die ältesten

handschriftlichen Denkmale sind nicht in Bogen-, sondern in Rollenform,

indem man ein Blatt an das andere der Länge nach klebte und das Papier

nur einseitig beschrieb, sie konnten also auch nicht gebunden werden,

sondern mussten als Rolle (_volumen_) behandelt werden. Nach der

Erfindung des Pergaments trat ein anderes Verfahren ein, man faltete

die Pergamentblätter, beschrieb sie auf beiden Seiten und bildete

Lagen, gewöhnlich aus vier Doppelblättern bestehend. Diese wurden

auf schmale Streifen Pergament geheftet und mit einem Stück Pergament

umgeben, von welchem das obere Blatt öfters breiter geschnitten war,

als die anderen Blätter, so dass es wie die Klappe einer Brieftasche

die eingelegten Blätter schützte.

[7] □Rich. Steche□, Zur Geschichte des Bucheinbandes. (Archiv

z. G. d. Buchh. I.) Leipzig 1878. -- □G. Peignot□, _Essai

etc. sur la relieure des livres_. Dijon 1834. -- □J.

Cundall□, _On bookbinding ancient and modern_. London

1880. -- _Monuments inédits ou peu connus, faisant partie

du Cabinet du_ G. Libri. London 1864. -- □M. Michel□, _La

reliure française depuis l'invention de l'impr._ Paris

1880.

Die Diptychen.

Ritualbücher.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. · 第 8 / 29 段