□Erhard Ratdolt□ (1476-1486), der bereits oben unter den Augsburger
Buchdruckern genannt wurde; sein „Euklid“ (1482) in gothischer Schrift
und reich ornamentiert, gilt als ein Meisterwerk ersten Ranges und
verschaffte ihm nach vielen Seiten den ehrenvollsten Ruf. Dieses
Werk ist das erste mit mathematischen Figuren ausgestattete. In den
Prachtexemplaren davon kommt auch zum erstenmale Golddruck vor. Seinen
Kunstsinn zeigte Ratdolt besonders durch Anwendung schön verzierter
Initialen, die unter dem Namen _litteræ florentes_ bekannt sind, und
durch seine sehr fein in Holzschnitt ausgeführten Randverzierungen.
Er war zugleich der erste, der Titelblätter in modernem Sinn allgemein
aufnahm. Auch musikalische Werke mit beweglichen Typen führte er aus.
Im Jahre 1486 folgte er dem Rufe des Bischofs Johann von Werdenberg
und kehrte nach Augsburg zurück, wo er nur bis 1516 wirkte, wenigstens
finden sich nach dieser Zeit keine Spuren einer geschäftlichen
Thätigkeit.
Christoph Val-
darfer.
Noch ist □Christoph Valdarfer□, der später nach Mailand übersiedelte,
zu nennen. In Venedig druckte er noch das _Decamerone_ des Boccaccio,
von welchem ein Exemplar im Jahre 1812 nach dem Tode des Herzogs von
Roxburgh für 2260 £ Sterl. (über 45000 Mk.) verkauft wurde, die höchste
Summe, die je für ein Buch gezahlt wurde.
Aldus Pius
Manutius.
Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern
erster Grösse in Venedig auf: □Aldus Pius Manutius□, dessen Glanz die
nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf
einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das
Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf
nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden,
so macht dies gegen zwei Millionen Bände.
Joh. Numeister.
Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer
typographischen Rolle gekommen. □Johann Numeister□, ein Schüler
Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach
Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis,
veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im
Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes _Divina commedia_.
Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine
gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche.
Mailand.
Florenz.
Bern. Cennini.
MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene.
Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint
jedoch unzweifelhaft, dass sie durch □Philippus de Lavagna□ (1469)
geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, □Bernardo Cennini□, der mit
an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass
Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein
sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging
nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen,
was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder
zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen
Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, ein
von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat[2]. Es dauerte
aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz kamen,
darunter □Nikolas von Breslau□, der 1477 Bellinis _Monte Sancto di
Dio_ druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, da
Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist
seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie _Giunta_
gehört der folgenden Periode an.
[2] □F. Fantozzi□, _Notizie di B. Cennini_. Florenz 1839.
Genua und an-
dere Städte.
Nach GENUA kam als erster Drucker □Matthias Moravus□ („aus Olmütz“,
1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und
Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte □Abraham Colorito□ 1488
eine schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen.
Die erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472
angelegt. In FANO druckte 1514 □Gregor Gregorio□ das erste arabische
Buch.
Fünf Jahre nach der Ankunft Sweynheims und Pannartz' in Subiaco war die
Kunst überall in Italien und zwar fast nur durch Deutsche eingeführt.
* * * * *
Spanien.
SPANIEN[3]. Obwohl die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften in
Spanien hoch in Ehren gehalten wurden, so fand die Einführung der
Buchdruckerkunst doch verhältnismässig spät statt. Sie geschah dort,
wie fast überall, durch Deutsche, die Lehrlinge unter den Eingeborenen
ausbildeten, bis diese nach und nach die Plätze der Lehrmeister
einnahmen.
Valencia.
Trotz aller inneren Kriege und der Strenge der geistlichen Zensur muss
die Buchdruckerkunst doch manche Aufmunterung seitens hochgestellter
und wissenschaftlich gebildeter Männer gefunden haben. Früher wurde
allgemein die _Historia Hispanica_ des Roderic Sanctius de Arevalo,
Erzbischofs von Valencia, als das erste in Spanien gedruckte Werk
betrachtet; es stammt jedoch aus den Pressen von Ulrich Han in Rom.
Nachdem im J. 1470 VALENCIA eine Universität erhalten hatte, liess
die Druckkunst nicht lange auf sich warten. Das älteste dort gedruckte
Buch ist mutmasslich die, 1474 erschienene Sammlung von 36 Gedichten
zur Ehre der heiligen Jungfrau; 1475 folgten ein Sallust und ein
_Dictionarium linguæ latinæ_ in fol.; sämtlich ohne Nennung des
Druckers.
[3] □Francesco Mendez□, _Tipografia española_. 2. Ed. Madrid
1861-66. -- □J. F. Nee de la Rochelle□, _Recherches
historiques et critiques sur l'établiss. de l'art
typographique en Espagne et en Portugal_. Paris 1830.
-- □Vincent Salva□, _Catalogue of Spanish and Portuguese
books_. 2 vols. London 1826-1829. -- Deutsche Buchdrucker
des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Portugal (Augsb. Allgem.
Zeit. 1878, Nr. 49).
Lamb. Palmert.
Der erste datierte Druck ist eine _Biblia sacra_ in fol. von □Lambert
Palmert□ (Palomar), einem Deutschen, begonnen im Febr. 1477, beendigt
im März 1478. Von diesem Werk sind nur die vier letzten Blätter
in einem Exemplar in den Archiven des Domes zu Valencia entdeckt
worden. Wahrscheinlich ist die Auflage nach geistlicher Ordre auf das
gründlichste vernichtet. Als Protektor oder Mitarbeiter Palmerts wurde
der ausgezeichnete Astronom Alfons Fernandes von Cordova genannt.
Palmert druckte bis 1494, um welche Zeit sich nicht wenige deutsche
Drucker in Valencia etablierten.
Saragossa.
Aus SARAGOSSA findet sich ein, 1475 von □Matthias Flander□,
wahrscheinlich einem fahrenden Buchdrucker, geliefertes Buch: _Guidonis
de Monte-Rocherii, manipulus curatorum_ vor. Der erste, fest in
Saragossa etablierte deutsche Buchdrucker war □Paulus Huros□ aus
Constanz (1485-1499).
Sevilla.
In SEVILLA traten die ersten einheimischen Buchdrucker: □Anton
Martinez□, □Bartholomäus Segur□ und □Alphons del Puerto□
zusammenwirkend auf zum Druck eines Sacramentale. 1480 fällt schon der
Name Martinez weg; 1482 ist Alphons del Puerto allein zurück. Später
folgen mehrere Deutsche, als: □Paul von Köln□, und □Joh. Pegnizer□ aus
Nürnberg. Das Tribunal der Inquisition hatte i. J. 1500 eine eigene
Druckerei, aus welcher die Ordonnanzen des Grossinquisitors Didacus
Deca hervorgingen.
Barcelona.
Aus BARCELONA ist mutmasslich: _Th. von Aquino, commentar. in libros
ethicor. Aristotelis_ von □Petrus Brunus□ et □Nicolaus Spindeler□
(1478) das erste Buch. SALAMANCA zeigt trotz seiner berühmten
Universität erst zu Ende des □xv.□ Jahrh. Drucke auf.
Unter Basel wurde bereits mitgeteilt, dass □Friedr. Biel□ nach
BURGOS ging und dort 1485-1517 druckte. Er war ein sehr tüchtiger und
erfahrener Mann.
In dem Kloster auf dem Berge MONSERRAT druckte ein Deutscher □Joh.
Luschmer□ in den Jahren 1499-1500, und ging dann nach Deutschland
zurück. Madrids Buchdruckergeschichte gehört der folgenden Periode an.
Portugal.
PORTUGAL verdankt den Juden die Einführung, den Deutschen die
Fortbildung der Druckerkunst. Die portugiesischen Juden wurden seit
jeher von ihren Stammesgenossen als eine Art Aristokratie betrachtet
und hatten zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts durch ihre Bildung und
Wohlhabenheit eine grosse Bedeutung erlangt.
Der Jude _Mestre_ (_Magister_) □Abraham d'Ortas□ druckte 1484 zu LEIRIA
den _Almanach. perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi_, den ältesten
Druck Portugals. Ob der _Sephar Orach Chaim_ (1485) in Leiria oder in
Ixar in Spanien gedruckt wurde, ist wohl nicht ganz zu entscheiden.
1489 druckten die Rabbis □Eliezer□ und □Samuel Zorba□ in Lissabon des
Rabbi Mosis Nachmanidis hebräischen Kommentar zum Pentateuch und das
_Sepher Thephilod_ (1495). Eliezers Sohn □Zacchäus□ setzte das Geschäft
fort.
Valentin
aus Mähren.
Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein,
liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns □ii.□, die Buchdrucker
□Valentin aus Mähren□ (Valentin de Moravia oder _Valentin Fernandes
Allemão_) und □Nikolaus aus Sachsen□ nach LISSABON kommen. Valentin
wirkte von 1495-1513 und wird _servidor e empremidor de sua Alteza_
genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward
Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und
verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften
über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es
jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich
aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die
umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr
und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die
Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein
mit Nikolaus von Sachsen gedruckte _Vita Christi_ des Karthäusermönches
Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der
königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges
Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen
Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte
Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine
Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist,
ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen.
Hermann von
Kempen
in Setuval.
Im Jahre 1509 hatte sich □Hermann von Kempen□ (_Armão de Campos,
Alemã_) in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit
dem Titel _empremidor_ und _bombardeyro d'El Rei_. Die Bombardiere
bildeten eine aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs,
die viele Vorteile, als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst,
von Einquartierung, ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da
hauptsächlich Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen
konnten, wozu sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt
wurden, so ist Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich
bei seiner Aufnahme bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von
Garcia de Resende herausgegebene _Cancioneiro Geral_, ein berühmtes
Liederbuch, das die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der
Druck ist sauber und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem
Buch sind nur ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der
König, Dom Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem
Stuttgarter Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler
1846-1849 veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der
portugiesischen Nation erhalten hat.
Andere deutsche
Buchdrucker.
Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom
Manuel, □Jakob Kromberger□ aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh
ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen
wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch
den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen
(_christãos velhos_) sein.
Ob □Johann Gerling□, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche
Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war,
lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga,
seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die
Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde,
die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit
Rom fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im
□xvi.□ Jahrhundert □Joãs Blavio de Colonia Agrippina□ (1554) als
Hofbuchdrucker nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke.
Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten
bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner
Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt
109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische.
* * * * *
Paris
Dass FRANKREICH[4], wo die Universität PARIS eine so grosse
Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der
Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den
ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls □vii.□ und
der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs □xi.□ zugeschrieben
werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft
war. So begünstigte er unter anderen auch □Jean Fouchet□ von Tours,
den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in
Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass
der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem
Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von
Interesse für die Kunst.
[4] □P. Lacroix□, □E. Fournier□ et □F. Seré□, _Hist. de
l'impr. et des arts et professions, qui se rattachent à
la typogr. Avec fig._ Paris 1852.
Ulrich Gering.
Buchschriften in
Frankreich.
Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. eine
gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste Wilhelm
Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der sogenannten
Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, nach seinem
Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu bewegen,
für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief demzufolge
seinen Landsmann □Ulrich Gering□ aus Constanz nach Paris. Gering, der
die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte □Martin Crantz□ von Basel
und □Michel Friburger□ von Colmar mit sich und errichtete die erste
Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste
Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di
Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere
Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke
bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner
von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift.
Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin
nach der _rue St. Jacques_ verlegte, nahm er die allgemein beliebte
gothische Type an, die man _Allemand_, oder auch, nach den gebrochenen
Ecken, _lettres de forme_ nannte. Die kleinere Schrift, mit der man
Schulbücher druckte, wurde nach der: _Summa St. Thomæ_, einem solchen
Buche, _lettres de somme_ genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben
hiessen _lettres cadeaux_, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel
_lettres tourneurs_. Die gothische Schrift wurde auch von □Peter
Kaiser□ (_Caesaris_) und □Johann Stoll□, ebenfalls zwei Deutschen, die
sich kaum drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet.
Später bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius
1501 die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die
herrschende blieb.
Gerings Wirken.
Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering
schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde.
Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück
und Gering nahm später □Berthold Remboldt□ zum Teilnehmer, dessen
Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein
Meisterwerk ist sein _Corpus juris canonici_, in fünf Spalten, mit
verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich
ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510)
grösstenteils der Sorbonne.
Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch _Les grandes
chroniques de la France_ stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde
1476 von □Pasquier Bonhomme□ gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten
sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in
Paris 66 bekannt.
Lyon.
Joh. Trechsel.
In LYON führte □Bartholomäus Buyer□ die Kunst (1473) ein. Das erste
Werk war das „Compendium“ des Kardinal Lothar. Der eigentliche Drucker
war jedoch nicht Buyer, sondern □Wilh. Leroy□, trotz des französischen
Namens wahrscheinlich ein Deutscher (König). Mit dem Jahre 1477
verschwindet dieser Name und kommt erst 1488 wieder zum Vorschein.
Einen bedeutenden Platz nimmt □Joh. Trechsel□ ein, der, selbst ein
gelehrter Mann, mit einer grossen Zahl von Gelehrten auf dem besten
Fusse stand. Seine Tochter Thalie, die eine gelehrte Erziehung, wie
es mit den Töchtern der Buchdrucker damaliger Zeit öfters der Fall
war, genossen hatte, war mit dem berühmten Buchdrucker Joh. Badius
verheiratet, der zusammen mit Joh. Lascaris als Korrektor für Trechsel
gewirkt hatte.
Grosse Bedeu-
tung Lyons.
Die Druckkunst nahm in Lyon einen sehr schnellen Aufschwung und die
Stadt hatte zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts schon 50 Buchdruckereien,
aus denen gegen 400 Werke hervorgegangen waren. Viele hunderte von
Setzern, Druckern und Giessern fanden dort Beschäftigung. Die Mehrzahl
der Drucker waren deutschen Ursprungs. Die Papiermühlen produzierten
grosse Quantitäten des vortrefflichsten Papiers. Der Buchhandel in
der freien Messstadt Lyon war ein sehr bedeutender, welches damals
dem Buchhandel das war, was ihm Leipzig heute ist, und mit Ausnahme
von Venedig lieferte keine Stadt dem Buchhandel eine grössere Zahl von
Büchern. Von dem Nachdruck hielt sie sich nicht frei, namentlich hatte
Aldus unter diesem zu leiden.
Nach BORDEAUX brachte □Michel Svirler□ aus Ulm 1486 die Druckerkunst.
* * * * *
Dierik Martens.
Kunstleben in
Brügge.
Der Burgun-
dische Hof.
In den NIEDERLANDEN druckte wahrscheinlich □Dierik Martens□[5] 1473 zu
AALST in Ostflandern das erste Buch, jedoch noch lange erhielt sich die
Anfertigung der Manuskripte neben dem Druck von Büchern, die sich mit
ihren rohen, ungeschlachten Holzschnitten nicht mit den prachtvollen
Miniaturen messen konnten. Ein Zentralpunkt der Manuskriptmanufaktur
war die reiche Handelsstadt BRÜGGE. Kunstlosere Manuskripte wurden zu
sehr billigen Preisen hergestellt, während die kostbar ausgestatteten
einen hohen Wert behielten. Jacques Raponde erhielt z. B. 500
Goldkronen für _La legende dorée, ystorié de belles ystories_. Ein
Werk mit Miniaturen illustrieren, die sich auf den historischen Inhalt
bezogen, nannte man _historier_, die Bilder selbst hiessen _histoires_.
Eine grosse Stütze fanden die Illuminatoren in dem kunstsinnigen
Burgundischen Hofe, namentlich war der mächtige Herzog Philipp der Gute
ein grosser Liebhaber, der überall seine Agenten hatte, um seltene
Bücher zu erwerben; auch unterstützte er die Umarbeitung älterer
Werke in das neuere Französisch. Fraglich ist es sogar, ob er nicht
die neue Kunst zuerst in Belgien einführte. Raoul le Fèvre hatte eine
Bearbeitung der Iliade: _Histoires de Troyes_, geschrieben und 1464 dem
Herzog ein prachtvolles Exemplar überreicht. Es fand so vielen Beifall,
dass die Schreiber und die Illuminatoren nicht genug Exemplare schaffen
konnten, und es ist nicht unmöglich, dass das Werk unmittelbar am Hofe
des Herzogs gedruckt wurde. Karl der Kühne, der Sohn und Nachfolger
Philipps, war zwar auch ein Freund schön ausgestatteter Manuskripte,
aber seine kriegerischen Unternehmungen machten es ihm unmöglich, den
Künsten des Friedens dieselbe Unterstützung zu gewähren, wie es sein
Vater gethan.
[5] □J. de Gand□, _Recherches sur la vie etc. de Thierry
Martens_. Aalst 1845. -- □A. F. van Iseghem□, _Biogr. de
Th. Martens_. 2. Ed. Aalst 1856. -- □J. W. Holtrop□, _Th.
Martens_. Haag 1867.
Colard Mansion.
In Brügge war ein hervorragendes Mitglied der Künstlergilde, □Colard
Mansion□[6], der Gründer der ersten Presse (1476). Er war als
Illuminator, Autor und Drucker thätig und bediente sich in seinen
Drucken einer eigentümlichen, nach französischen Handschriften
gebildeten, semigothischen Type. Die holländischen Schriften damaliger
Zeit waren im ganzen sehr roh. Nur □Richard Paff□ in Deventer zeichnet
sich durch eine schöne nationale Schrift (_Duits_) aus, die den
Leistungen des berühmten Schriftschneiders Fleischmann im □xviii.□
Jahrhundert wenig nachsteht.
[6] □de Praet□, _Notice sur C. Mansion_. Paris 1829. -- _C.
Mansion et les imprimeurs Brugeois du XV siècle._ Brügge
1848.
Die Brüder des
gemeins. Lebens.
In DEVENTER entstand auch die Vereinigung der □Brüder des gemeinsamen
Lebens□, welche um die Verbreitung des Sinnes für Bücherwesen und
Buchdruckerkunst wesentliche Verdienste sich erworben hat. Zu den
Städten, die durch ihre Beteiligung bei dem Bunde der Hansa eine
Bedeutung erlangt hatten und wo ein frisches Leben blühte, gehörten
die drei Hauptorte Oberyssels: Deventer, Zwolle und Kampen. Namentlich
genoss Deventer ein gutes Ansehen.
Hier lebte Gerhard Groote (_Gerhardus magnus_)[7], geboren 1340 aus
einer dortigen Patrizier-Familie. Gerhard bildete sich erst in Paris,
dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit
und Magie und lehrte in uneigennützigster Weise unter einem
ansehnlichen Zulauf. Da fasste er plötzlich den Entschluss der Welt
abzuschwören, ohne jedoch in einen geistlichen Orden zu treten, denn
er wollte „keine Seele eines Menschen auf seine Verantwortlichkeit
nehmen“. Öffentlich verbrannte er seine kostbaren magischen Bücher und
nahm ein einfaches Diakonat an, welches ihn berechtigte öffentlich zu
lehren.
[7] □G. H. M. Delprat□, _Verhandeling over de Broederschap van
G. Groote etc._ Utrecht 1830. In deutscher Bearbeitung
von □Dr.□ G. Mohnike. Leipzig 1840.
Gerh. Groote.
Seine Hauptaufgabe ward es nun, den, das Volk verdummenden Einfluss der
Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer und an anderen
Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die Menge nicht fassen
konnten und er im Freien reden musste. Selbstverständlich war die Wut
der Bettelmönche gegen ihn eine grosse, und es gelang ihnen auch, ein
Verbot gegen das Predigen Grootes zu erwirken. Dieser unterwarf sich
demütig, um durch Übersetzen und Unterweisung der reiferen Jugend zu
wirken. Er lehrte seine Schüler Bücher abzuschreiben und damit etwas
Geld zu ihrem Unterhalte zu verdienen. Bei der steigenden Arbeit hatte
er in Floris Radewynzoon (_Florentinus Radewini_) eine vortreffliche
Stütze. Was dieser mit den Schülern verdiente gab er an Groote ab. „Was
hindert uns“ -- rief Florentinus einmal aus --, „dass wir und diese
Brüder vom guten Willen (_fratres bonæ voluntatis_) die Früchte unserer
Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemeinsamen
Leben (_fratres vitæ communis_) verbinden?“
Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne
klösterliches Gelübde ausgesprochen, um zugunsten der Bildung und
der Wissenschaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine
gemeinschaftliche Kasse niederzulegen, aus welcher die Bedürfnisse
aller bestritten wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete
die Brüder als solche.