[15] □Placidius Sprenger□, Älteste Buchdruckergeschichte von

Bamberg. Nürnberg 1800. -- □H. I. Jæck□, Jubelschrift

1840. Erlangen 1840. Vergl. auch Kap. II, S. 29.

Das Bonersche Fabelbuch (1461) enthält 88 sehr geringe Holzschnitte

und wurde früher für das erste deutsche illustrierte Buch[16]

gehalten. Die Priorität muss jedoch den: „Sieben Freuden Mariä“

und der „Leidensgeschichte Jesu“ (1450-1460) eingeräumt werden, die

in künstlerischer Beziehung über dem Fabelbuch stehen. Ob letztere

beiden Erzeugnisse der Pfisterschen Presse angehören, lässt sich nicht

ermitteln. Unter diesen bleiben noch zu erwähnen: eine „Armenbibel“

deutsch (wahrscheinlich 1462), sowie dasselbe Werk lateinisch.

Es enthält 17 Blätter in Folio mit 170 Holzschnitten. Mutmasslich

hat Pfister keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg gehabt, denn

in neunzehn Jahren, bis 1481, ist kein aus Bamberger Pressen

hervorgegangenes Werk bekannt.

[16] Es ist hiervon nur ein Exemplar, in Wolfenbüttel

befindlich, bekannt.

Johann Sensen-

schmid.

Der von Nürnberg nach Bamberg übergesiedelte □Johann Sensenschmid□

(1482-1490) lieferte ein prachtvolles _Missale ordinis S. Benedicti_

und später im Verein mit □Heinrich Petzensteiner□ (bis 1491) das

_Missale ecclesiæ Ratisponensis_, welches so grossen Beifall fand, dass

der Drucker desselben mit vielen ähnlichen Aufträgen beehrt wurde.

Wien.

In WIEN[17] stand die 1365 begründete Universität in voller Blüte und

der Kaiser Friedrich □iii.□ war der Buchdruckerkunst wohl gewogen.

Er hatte, wie erwähnt, Joh. Mentel in den Adelstand erhoben und die

Kunst durch ihre und ihrer Verwandten Aufnahme in seinen und des

Reiches Schutz und durch Verleihung eines Wappens[18] geehrt. Zu

verwundern bleibt es umsomehr, dass erst 1482 in Wien gedruckt wurde.

Allerdings waren die Zeiten nicht gerade die günstigsten. Im Jahre 1481

führte Matthias Corvinus von Ungarn zum drittenmale seine Heere nach

Österreich; 1482 brach die Pest in Wien aus; 1485 zog Matth. Corvinus

siegreich dort ein und behauptete seine Herrschaft bis 1490.

[17] □M. Denis□, Wiens Buchdr.-Gesch. bis 1560. Wien 1782.

-- □Die österr. Buchdrucker-Zeitung□ 1873, Nr. 9 u. flg.

enthalten sehr detaillierte „Beiträge zur Geschichte der

Buchdruckerei in Wien“ bis auf die neueste Zeit.

[18] Das Buchdruckerwappen ist ein schwarzer Adler auf

goldenem Schild, in der rechten Klaue einen Winkelhaken,

in der linken ein Tenakel haltend; den Helmschmuck

bildet ein Greif in halbem Körper, zwei Druckerballen

an einander drückend. Merkwürdigerweise herrscht

Zweifel, ob der ursprüngliche Adler der zweiköpfige

Reichsadler gewesen oder ein einköpfiger. □E. Bekkers□

Eintreten für den ersteren (in seiner Broschüre „Das

Buchdruckerwappen“. Darmstadt 1837) stützt sich auf

nur schwache Argumente. Von den von ihm angezogenen

Quellen liegt keine weiter zurück als im Jahre 1730. Ein

Frankfurter Messkatalog, also eine offiziöse Erscheinung,

aus d. J. 1662 trägt auf dem Titel den einköpfigen Adler,

ob es mit älteren der Fall ist, ist uns unbekannt. Auch

□Ernestis□ „Wohleingerichtete Buchdruckerei“, 1721,

bildet den Adler einköpfig ab. Der Greif soll erst später

durch Kaiser Ferdinand □i.□ dem Wappen hinzugefügt worden

sein.

Aus dem Jahre 1482 stammen die ersten unbedeutenden Druckerzeugnisse

Wiens ohne Namen und Datum. Bis zum Jahre 1492 zeigt sich keine

weitere Spur vom Druck und erst von da ab kann man eigentlich von einer

Buchdruckerkunst in Wien reden.

J. Winterburger.

In dem zuletzt genannten Jahre druckte □Joh. Winterburger□, aus

Winterburg bei Kreuznach, A. Flacci: _Persij Satire_. Weder dieser

Druck, noch die 1492 gedruckte Leichenrede Bernh. Pergers auf den

Kaiser Friedrich □iii.□ trägt die Firma Winterburgers und nur die Typen

gestatten den Schluss, dass sie von ihm ausgeführt wurden. Da seine

Druckerei damals eine sehr gut eingerichtete war, so ist es nicht

unmöglich, dass sie schon 1482 bestand und dass die Drucksachen aus

jener Zeit von ihm stammen, doch sind keine Beweise dafür vorhanden,

und die lange Pause wäre nicht ganz leicht zu erklären. Erst 1493 kommt

sein Name vor, zum erstenmale auf dem Ceremoniell zu dem „begencknus

Kaiserlicher Maistat“, Friedrich □iii.□ Kaiser Maximilian begünstigte

Winterburger sehr und verlieh ihm die Führung des kaiserlichen

Adlers[19]. Er verdiente aber auch jede Aufmunterung, denn er druckte

kostbare Werke und förderte die Arbeiten nicht allein der Wiener

Gelehrten. Er starb im hohen Alter (1519), in demselben Jahre wie sein

Gönner, der Kaiser.

[19] Auch hierin dürfte ein Beweis gegen den zweiköpfigen

Adler im Buchdruckerwappen liegen; denn, dürfte jeder

Buchdrucker diesen führen, so lag ja darin keine

Bevorzugung Winterburgers.

Köln.

Ulrich Zell.

In den West- und Nordmarken des Deutschen Reiches ist es ganz besonders

KÖLN, das in den ersten Zeiten der Kunst die Aufmerksamkeit auf sich

zieht. Seine Lage machte es zum Mittelpunkte der Verbreitung des

Buchdrucks im Norden Deutschlands und überhaupt Europas, und von

dort gehen auch viele der typographischen Verbesserungen aus, z.

B. die Anwendung der Signaturen, der Pagination, des eigentlichen

Buchtitels und der Kolumnentitel, der kleinern Schriften und Formate.

Viele der Buchdrucker, die mit Ruhm anderswo arbeiteten, erhielten

ihre typographische Bildung in Köln. Schon im frühesten Mittelalter

war es ein Sitz der Wissenschaft und der Kunst, und seine 1388

gegründete Universität bildete einen Hauptsitz der Theologie und der

Philosophie. □Ulrich Zell□, ein berühmter Schönschreiber, Illuminator,

Rubrikator und Schüler der Mainzer Offizin, war der erste Drucker

Kölns. Seine frühesten Werke sind Chrysostomus: _Super psalmo

quinquagesimo_ und die _Bulla retractionum Pii II._, datiert Rom 16.

März 1463. Von seinen vielen Meisterwerken verdient die lateinische

Bibel in zwei Grossfolio-Bänden (wahrscheinlich aus dem Jahre 1470),

besonders erwähnt zu werden. Die erste niederdeutsche Bibel, eins der

berühmtesten und wertvollsten Erzeugnisse der Kölner Presse, gehört

ohne Zweifel dem □Nikolaus Götz□ (1474-1478). Sein Geschäftsnachfolger

war □Heinrich Quentell□ (1479-1500), der berühmteste Typograph Kölns

und Stammvater einer hochangesehenen typographischen Familie.

Heinr. Quentell.

Solange die geistreichen Kombinationen Maddens nicht durch

unwiderlegliche Thatsachen unterstützt werden, kann die von ihm

angenommene grosse Druckanstalt und typographische Ausbildungsschule

der _fratres vitæ communis_ in Köln nicht der Geschichte eingereiht

werden[20].

[20] Vergl. die eingangs erwähnten: □Madden□, _Lettres d'un

bibliographe_, zugleich IV. Kap. S. 68.

Münster.

Auf die erwähnte energische und werkthätige Korporation dürfte die

erste Presse MÜNSTERS[21] zurückzuführen sein. Die Brüderhäuser in Köln

und Rostock standen mit denen zu Münster in naher Beziehung und die

ersten Pressen hier empfingen ihre Hauptnahrung von dem Humanismus.

Der Name des ersten Druckers ist □Johannes Limburgus, Aquensis□ (von

Aachen), und der erste Druck: _Kodri Kerkmeister, Comedia_ (1485). Mit

dem nächsten Jahre verschwindet aber die Presse Münsters und taucht

erst zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. wieder auf. Bei der dort herrschenden

Gelehrsamkeit und Geistesthätigkeit bleibt nur die Vermutung übrig,

dass die mit Münster eng verknüpften Städte Köln und Deventer,

namentlich die letztere, dort Filiale errichtet haben; nur so lässt

sich die grosse Druckthätigkeit Deventers erklären.

[21] □J. B. Nordhoff□, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterschen

Humanismus. Münster 1874.

Die grösste Bedeutung als Drucker in Münster hat der bekannte Humanist

□Theodorik Tzwyvel□. Von seinen vielen Druckwerken sind jedoch

verhältnismässig nur wenige übrig geblieben und die Wiedertäufer,

die seine Druckerei plünderten, haben gründlichst für die Zerstörung

gesorgt.

Lübeck und

Hamburg.

In LÜBECK[22], welches eine tüchtige Pflanzschule für den Norden wurde,

erschien 1498 die erste niederdeutsche Ausgabe des „Reineke de Voss“,

von der das einzige bekannte Exemplar in Wolfenbüttel aufbewahrt wird.

In HAMBURG[23] druckten 1491 die Brüder □Hans□ und □Thomas Borchardus□.

Aus dem □xv.□ Jahrh. ist nur ein einziger Hamburger Druck bekannt:

_Laudes beate Marie virginis_. Das Buch ist zwar sauber ausgeführt doch

in seiner ganzen Ausstattung sehr einfach ja fast dürftig gehalten.

Überhaupt scheinen die ersten dortigen Drucker auf keiner hohen Stufe

gestanden und nicht mit besonderem Glück gearbeitet zu haben.

[22] □J. H. v. Seelen□, Nachricht über die Bchdkst. Lübeck

1740. -- □Deecke□, Einige Nachrichten etc. Lübeck 1834.

[23] □J. M. Lappenberg□, Gesch. d. Bchdkst. in Hamburg. 1840.

Magdeburg.

Ein überaus reges geistiges Leben entfaltete die reiche Stadt

MAGDEBURG[24], wohin die neue Kunst durch □Albert Ravenstein□ und

□Joachim Westfal□, zwei Brüder des gemeinsamen Lebens, gebracht wurde.

Sie lieferten 1483 und 1484 mehrere kleinere Schriften, dann aber auch

ein grösseres, auf Laien berechnetes niederdeutsches Evangelienbuch

in Folio. Westfal, der aus Stendal stammte, zog 1486 oder 1487 mit der

Offizin nach dort; von Ravenstein hört man nichts weiter.

[24] □L. Götze□, Ältere Gesch. d. Bchdkst. in Magdeburg.

Magdeburg 1872. Hierzu ein Supplement.

Eine staunenswerte Thätigkeit entfaltete □Moritz Brandis□, der von dem

damals im Erzstift regierenden kunstsinnigen Erzbischof, Ernst, Prinz

von Sachsen, aus Leipzig berufen wurde. Seine Offizin war mit zwölf

Typengattungen und mit mindestens 9 Suiten von Initialen ausgestattet.

Sein Meisterdruck ist die erste Ausgabe eines _Missale_ in Folio; die

zweite Stelle gebührt dem Halberstädter _Breviarium_ in 8° von 1495.

Die Xylographie

in Magdeburg.

Besondere Beachtung verdient die Magdeburger Xylographie. Schon

die ersten Drucke von dort zeigen Holzschnitte. Moritz Brandis

lieferte 1492 einen Folianten mit vierzig, 1494 einen anderen mit elf

Holzschnitten. Die meisten der, während eines Zeitraumes von siebzehn

Jahren erschienenen Holzschnitte zeigen eine solche künstlerische

Verwandtschaft, dass man auf die Abstammung von einem und demselben

Künstler oder von einer und derselben Kunstanstalt schliessen muss.

Dies wird noch bestätigt durch einen, im Kloster Zinna, dem einzigen

Ort der Mark Brandenburg, ausser Stendal, der im □xv.□ Jahrhundert

eine Presse hatte, gedruckten „Marienpsalter“, ein für damalige Zeit

seltenes Prachtwerk, das auf 116 Blatt in Quart nicht weniger als 189

vortreffliche Holzschnitte enthält[25].

[25] Ein gut erhaltenes Exemplar besitzt die Stadtbibliothek

in Thorn.

Leipzig.

Andr. Friesner.

LEIPZIG[26], das später eine so wichtige Rolle in der Geschichte

der Typographie spielen sollte, erhielt eine Druckerei erst zu einer

Zeit, als manche andere Städte schon Bedeutendes geleistet hatten; ja

es war nicht einmal die erste Stadt Sachsens, die die Kunst in ihren

Mauern aufnahm, denn es giebt bereits Bücher aus dem Jahre 1473 mit

dem Druckorte MERRSBORG[27]. Trotzdem ist die Einführungsgeschichte in

Nebel gehüllt. Thatsache ist nur, dass □Andreas Friesner□, Sohn eines

Ratsherrn in Wunsiedel, ein gelehrter Mann, der mit Sensenschmid in

Nürnberg zusammen gewirkt hatte und 1479 nach Leipzig als Professor

der Theologie berufen wurde, eine Buchdruckerei mit sich brachte. Ob

er jedoch selbst gedruckt hat, oder ob er vielleicht seine Offizin

einem der, als die frühesten bekannten, Buchdrucker Leipzigs übergeben

hat, lässt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1482 bekleidete Friesner die

Stelle eines Rektors der Universität Leipzig. Er starb in Rom im Jahre

1504 und vermachte seine Presse dem Leipziger Predigerkonvent[28].

[26] □J. H. Leich□, _De orig. typogr._ Lipsiensis 1740. -- □J.

J. Müller□, _Incunabula typogr. Lips._ Leipzig 1720.

[27] Die Behauptung, dass dies nicht Merseburg sei, sondern

Mörsburg am Bodensee, hat sich längst als unbegründet

erwiesen.

[28] □Dr. G. Wustmann□ in seiner Schrift: „Die Anfänge des

Leipziger Bücherwesens“, 1879, hält dafür, dass die Kunst

schon ~vor~ Friesner geübt wurde.

Erster datierter

Druck.

Ein datierter Druck ist erst aus dem Jahre 1481 bekannt, er trägt

jedoch keine Druckerfirma. Es ist ein sehr sauber auf gutes Papier

gedrucktes Bändchen in klein Quart, so frisch aussehend, als wäre

es erst vor einem Jahrzehnt aus der Presse gekommen. Es führt den

Titel: _Johāis viterbiēsis: Glosa sup. Apocalipsim_ und das Impressum:

_Lipczk MCCCC LXXXI in pfesto michahelis_. Der Schnitt der, namentlich

durch ihre absonderlich geformten Initialen sich auszeichnenden

halbgothischen Type ist derselbe, mit welchem das erste mit Namen des

Druckers versehene Buch Leipzigs gedruckt wurde: _Albici tractatulus

de regimine hominis_, welches von □Marcus Brandis□ (1487) herrührt.

Nicht weniger gut ist ein _Benedictionale_ des Marcus Brandis aus

dem Jahre 1487. Die Notensysteme sind rot eingedruckt, aber behufs

handschriftlicher Einzeichnung der Noten leer gelassen. Für mit Marcus

Brandis identisch wurde früher □Moritz Brandis□ (1488-1498) gehalten,

der, wie erwähnt, später nach Magdeburg zog.

K. Kachelofen.

□Konrad Kachelofen□, der langezeit für Leipzigs ersten Buchdrucker

angesehen wurde, entwickelte eine grosse Thätigkeit von 1489 ab, in

welchem Jahre er Joh. Widmanns von Eger: „Behende vnd hübsche Rechenung

auf allen Kaufmannschaft“ druckte, ein Lehrbuch der elementaren

Mathematik, in welchem auch einfache Holzschnitte vorkommen. Eine

ausgezeichnete Leistung ist das im Jahre 1495 gedruckte Meissner

_Missale_. 1495 zog Kachelofen, der in Leipzig herrschenden Pest wegen,

nach Freiberg; die Leipziger Stadtbibliothek besitzt jedoch einen

„Leipzig 1513“ datierten Druck von ihm.

Vor dem Schluss des □xv.□ Jahrhunderts konnte Leipzig über 150 datierte

Drucke aufweisen, abgesehen von den vielen undatierten.

[Illustration:Kapitelende]

[Illustration:Kapitelanfang]

IV. KAPITEL.

DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE.

□Italien□: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand. Florenz.

□Spanien und Portugal. Frankreich□: Paris. Lyon. □Die Niederlande□:

Die _Histoires_. Colard Mansion. □England□: William Caxton.

□Skandinavien□: Dänemark. Schweden. □Die slawischen Länder. Ungarn.

Die Türkei.□

Die Verdienste

der Italiener.

VOR allen fremden Ländern gebührt ITALIEN der hohe Ruhm, die

Buchdruckerkunst zuerst aufgenommen, sie wesentlich verbessert,

vervollkommnet und in edelster Weise verwendet zu haben, und mit diesem

Ruhm, den man den Italienern in vollstem Masse zollen muss, könnten sie

wohl zufrieden sein. Wenn sie jedoch noch im Jahre 1868 soweit gingen,

ihrem Landsmann Pamphilo Castaldi als dem Erfinder der Buchdruckerkunst

in seinem Geburtsorte Feltre ein Denkmal zu errichten, so verfielen

sie aus missverstandenem Patriotismus in einen Irrtum, zu dessen

Entschuldigung sich noch bei weitem weniger sagen lässt, als für die

Ansprüche der Holländer.

Wie für die klassischen und bildenden Künste war Italien auch für die

Poesie das gelobte Land und hatte bereits seinen Dante, Boccaccio

und Petrarca hervorgebracht. Es waren namentlich die Höfe der

Mediceer in Florenz und der Herzöge von Este in Ferrara, welche die

Mittelpunkte der Kultur bildeten, an welchen die genannten grossen

Sterne und noch manche zweiten Ranges glänzten. Die nach der Eroberung

von Konstantinopel (1453) nach Italien geflüchteten Gelehrten

nährten noch mehr den Sinn für die klassische Litteratur und fanden

Unterstützung bei den aufgeklärten Fürsten, welche Pflanzschulen

für die Wissenschaften und Bibliotheken gründeten und die Werke der

griechischen Klassiker übersetzen liessen.

So war in Italien wie in keinem andern Lande der Boden für die

neue Kunst geebnet. Bereits im Jahre 1480 hatten vierzig Städte

Buchdruckereien, zumteil hervorragender Art, die namentlich mit der

Herausgabe der Klassiker beschäftigt waren, während in dem Mutterlande

der Typographie noch immer Gebetbücher und trockene Kompendien die

hauptsächlichsten Druck-Erzeugnisse bildeten.

Conrad Sweyn-

heim und

Arnold Pannartz.

□Conrad Sweynheim□ und □Arnold Pannartz□, wahrscheinlich zwei der

überall hin verstreuten Schüler Gutenbergs, gründeten die erste

Druckerei Italiens in dem Kloster SUBIACO. Das Städtchen Subiaco mit

dem berühmten Stammkloster der Benediktiner liegt in unwirtlichster

Berggegend 14 Stunden von Rom. Entfernt von der Stadt auf den höchsten

nackten Felsen ragt das nur mit grossen Schwierigkeiten zu ersteigende

Kloster. Der Kommandaturabt desselben, der Kardinal Johannes a

Turrecremata, ein eifriger Bewunderer der Buchdruckerkunst, veranlasste

durch einige Mönche deutscher Nation die Einberufung Conrads aus

Schweinheim, bei Mainz, und Arnold Pannartz' aus Prag. Sie kamen 1464

an. Zuerst entstand ein Donatus, dann des Lactantius _De divinis

institutionibus_ (1465), des heiligen Augustinus _De civitate dei_

(1467), und wahrscheinlich auch 1465 Ciceros _De oratore_[1].

[1] Nach □Charles Fumagalli□: _Dei primi libri a stampa in

Italia_. Lugano 1875 soll _Cicero_ vor dem _Lactantius_

von Sweynheim und Pannartz gedruckt sein. -- □Ed.

Frommann□: Aufsätze zur Gesch. d. Buchhandels. 2. Heft.

Jena 1881.

Die römische

Schrift.

Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift

gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten

der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der

herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach.

Als die Gothen im □v.□ Jahrh. sich zu Herren Italiens machten,

fingen die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte

Gestalt anzunehmen; die eigentliche kleinere runde Kurrentschrift kam

jedoch erst im □viii.□ Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass

Sweynheim und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem

zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich

die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches

Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen

Augustinus _De civitate dei_, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem

Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die

griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren

Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die

Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros _De officiis_ waren

Holzschnitte.

Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen,

schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher

gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis

von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert

wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet

man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten

des □viii.□ u. □ix.□ Jahrh. vorkommt.

Pannartz und

Sweynheims

Unglück.

In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz

eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die

sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen

hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein _Livius_

(1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt

wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des

grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager

von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie

den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten,

waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der

Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des

Papstes Sixtus □iv.□ Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte

deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass

die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den

populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen

genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim

scheint sich nach der Trennung hauptsächlich mit Schriftschneiderei

beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten

für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um

damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die

Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten

von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473

nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer

gestorben zu sein scheinen.

Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war □Ulrich Han□

(Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han

druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in

Italien, Torquemadas _Meditationes_ (1467).

Venedig.

Nach VENEDIG kam die Buchdruckerei erst 1469, überflügelte jedoch

in dem mächtigen Stapelplatz des Handels, wo zugleich Wissenschaft

und Kunst blühten, bald die aller anderen Städte Italiens. Auch hier

traten Deutsche als die ersten Buchdrucker auf. □Johann von Speyer□

(_Johannes de Spira_) druckte 1469 als erstes, zugleich als Musterwerk,

Ciceros Briefe. Sehr geschätzt ist auch sein Plinius, von dem ein

Exemplar 1781 in Paris für ungefähr 4500 Mk. verkauft wurde. Seine

Type nähert sich der Antiqua; in der Interpunktion wendet er Punktum,

Kolon und Fragezeichen an. In einer Ausgabe des Tacitus, die jedoch

möglicherweise von seinem Nachfolger herrührt, kommen arabische Zahlen

als Pagination vor. Seine Verdienste wurden von dem Dogen, Pasquale

Malipiero, so hoch geschätzt, dass man ihm das Privilegium als

alleinigem Drucker auf venetianischem Territorium erteilte. Von diesem

Privilegium, das glücklicherweise für die Verbreitung der Kunst nur ein

persönliches war, sollte er jedoch keinen Nutzen ziehen, indem er 1470

starb. Sein Bruder □Johann Wendelin□ von Speyer setzte das Geschäft

fort und druckte viele elegante Klassikerausgaben; auch die erste

italienische Bibel. Er verband sich mit □Johann□ von Köln (1471-1487),

der sich wieder später mit Nikolaus Jenson vereinigte.

Nik. Jenson.

Die lateinische

Schrift.

Nach dem Erscheinen der Gutenbergschen Bibel war die Kunst in Paris

nicht unbeachtet geblieben. Auf direkte Veranlassung des Königs Karl

VII. erging am 3. Okt. 1458 eine Ordre an die königlichen Münzmeister,

einen erfahrenen Mann nach Mainz zu senden, der die neue Kunst erlernen

sollte. Die Wahl fiel auf □Nikolaus Jenson□, einen geschickten Graveur,

dem es auch wirklich gelang, die Kunst sich zu eigen zu machen. Er

kehrte jedoch nicht nach Paris zurück, sondern ging nach Venedig, wo

er als einer der berühmtesten Buchdrucker von 1470-1481 wirkte. Er

erkannte sofort die grosse Verwendbarkeit der Römischen Schrift, dabei

jedoch auch die Mängel der vorhandenen Muster. Letztern half er ab,

gab der Schrift noch mehr Rundung und brachte die schöne „lateinische

Schrift“ zustande, die schnell zur allgemeinen Geltung kam und noch

in solcher steht und stehen bleiben wird. Jensons Schrift wurde

erst die venetianische genannt; in den italienischen Schriftproben

heisst sie _lettera antiqua tonda_. Die Italiener behielten den Namen

_Antico_. Deutschland und das nördliche Europa benannten sie _Antiqua_,

Frankreich und Holland _Romain_ (auch _droit_) _Romeyn_, England

_Roman_.

Um dem Geschmack der Zeit Rechnung zu tragen, schnitt Jenson jedoch

auch gothische Schriften, die sich ebenfalls durch ihre Schönheit

auszeichnen. Auch eine griechische Schrift, jedoch ohne Versalien,

rührt von ihm her. Seine Werke sind alle typographische Meisterstücke.

Er starb reich und angesehen im Sept. 1481; selbst der Papst ehrte ihn

und verlieh ihm den Titel eines Pfalzgrafen.

Erhard Ratdolt.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. · 第 5 / 29 段