schmücken das kostbare, der starken Benutzung wegen nur auf Pergament
gedruckte Buch. Eine Hauptzierde ist das, den Text anfangende Initial
•B•. Der eigentliche Körper des Buchstabens bildet ein Viereck
von 9 cm Höhe und Breite, rechnet man jedoch die Ausläufer mit zur
Höhe, so beträgt diese 31 cm. Die Ornamentierung trägt einen maurischen
Charakter und ist wahrscheinlich einem spanischen Manuskripte
nachgebildet. Über die Herstellung dieser farbigen Initialen sind die
Kenner nicht einig. Die vollendete Genauigkeit des Passens schliesst,
bei den damaligen technischen Hülfsmitteln, den Gedanken an einen
Doppeldruck aus. Einige halten dafür, dass die Holzschnitte in einzelne
Teile nach den Farben zerlegt, diese einzeln eingefärbt, und dann, in
einander gefügt, mit Einem Druck hergestellt sind, ganz in der Art des,
zu Anfang unseres Jahrhunderts entstandenen Congrevedruckes. Andere
behaupten, die Holzschnitte seien blind in den Bogen gepresst und
nachher ausgemalt und wollen überhaupt an vielen Stellen des Textes
eine Übermalung weniger gut gedruckter Sätze und Buchstaben entdeckt
haben. Wie dem auch sei, so ist die Ausführung der Doppelfärbung
eine technisch vollendete. Ohne Mängel ist das Werk dennoch nicht,
namentlich ist der Ausschluss ein unregelmässiger und haben die
Zeilen verschiedene Länge; auch Druckfehler, selbst so auffälliger
Natur wie _spalmorum_ statt _psalmorum_ in der ersten Zeile des
Schlusswortes, kommen vor. Merkwürdig ist es überhaupt, dass gerade die
Schlussworte der alten Drucke nicht selten Fehler aufzuweisen haben;
namentlich in Bezug auf Jahreszahlen, was mitunter zu den sonderbarsten
Schlussfolgerungen für die Geschichte der Buchdruckerkunst Anlass
gegeben hat.
Zugegeben, dass die ganze blendende Pracht der Erscheinung die, an
unseren nüchternen Buchdruck gewöhnten Beschauer befangen gemacht
und sie veranlasst hat, die Mängel zu übersehen und alles für
unübertrefflich zu halten, so kann man doch das Psalterium nur als ein
Wunderwerk ansehen, wenn man bedenkt, dass es nur wenige Jahre nach
der Erfindung erschien. Über diesen so schnellen Aufschwung muss man
staunen und bekennen, dass die vier Jahrhunderte, die seit der Zeit
vergangen sind, zwar in der technischen Tüchtigkeit und Korrektheit
des Materials grosse Fortschritte gemacht haben, in der eigentlichen
Kunst jedoch verhältnismässig wenige; ja wir möchten bezweifeln, dass
ein Meisterwerk von heute nach 400 Jahren ein so jugendliches Gepräge
besitzen wird, wie das Psalterium heute zur Schau trägt. Fasst man
ausserdem ins Auge, dass dies Werk kaum 21 Monate nach der Trennung
Fust und Schöffers von Gutenberg ausgegeben werden konnte, so liegt
der Gedanke nahe, dass die Anfänge schon aus der Zeit der Verbindung
stammen, worauf auch die von der sonstigen Schöfferschen abweichende
Schrift und die Ausstattungsart hinweisen.
Bereits im Jahre 1459 erschien eine zweite Auflage in etwas
vergrössertem Format, von der man zwölf Exemplare kennt. Eine dritte
folgte 1490; eine vierte 1502; die fünfte, aus dem Jahre 1516, stammt
aus der Offizin des jüngeren Schöffer.
Weitere Druck-
werke Fusts und
Schöffers.
Am 6. Oktober 1459 vollendeten Fust und Schöffer _Durandi, Rationale
divinorum officiorum_, welches mit neuen Typen Schöffers gesetzt wurde.
Am 25. Juni 1460 erschienen: _Constitutiones Clementi V_. Im Frühjahr
1462 druckten Fust und Schöffer die erste politische Flugschrift in
Brief- (Plakat-)Form, das Manifest Diethers von Isenburg gegen Adolf
von Nassau, welches verhängnisvoll für ihre Druckerei werden sollte.
Die 48zeilige
Bibel.
Das vierte der grossen Mainzer Druckmonumente (vorausgesetzt, dass
die 36zeilige Bibel das erste gewesen), war die, fünf Jahre nach
dem Psalterium erschienene „_Biblia sacra latina_“ („Die 48zeilige“
genannt). Dies Werk bildet zwei Foliobände von je 242 und 239
zweispaltigen Blättern zu 48 Zeilen. Die Exemplare sind teils auf
Pergament, teils auf Papier gedruckt; in die ersteren sind die
Initialen hineingemalt, in den letzteren fehlen sie gewöhnlich. Gegen
siebenzig Exemplare dieses Druckwerkes, welches sowohl durch seine
typographische Schönheit, wie auch als erste vollständig datierte Bibel
einen Hauptrang einnimmt, sind erhalten.
So wenig wie Gutenberg früher den Mut verlor, so wenig war es mit Fust
und Schöffer der Fall, als ihre Offizin in der Nacht vom 27.-28. Okt.
bei der Eroberung von Mainz durch den Grafen Adolf 1462 verwüstet wurde
und in Flammen aufging.
Fust † um 1466.
Schon 1465 ward die Herausgabe von „_Cicero de officiis_“ unternommen,
worin zum erstenmale griechische Schriften, jedoch in Holz geschnitten,
verwendet wurden. Im Sommer 1466 war Fust, um den Verkauf der
Verlagswerke zu betreiben, nach Paris gereist. In dem folgenden Jahre
war er nicht mehr am Leben; wahrscheinlich ist er in Paris, wo damals
die Pest hauste, gestorben.
Schöffer setzte nun das Geschäft allein fort. Unter seinen Druckwerken
ist noch die am 24. Mai 1468 erschienene herrliche Ausgabe von:
„_Justiniani Institutiones cum glossa_“ zu nennen, in deren
Schlussschrift er sich selbst auf Kosten Gutenbergs etwas gar zu
grosssprecherisch hervorhebt.
Schwabacher
Schrift.
Erhard Rewich.
Ob Schöffer auch das Verdienst gehabt hat, die erste rein deutsche
Schrift, die „Schwabacher“, zu erfinden, lässt sich nicht bestimmt
ermitteln. Sie kommt zum erstenmale 1486 in Mainz zum Vorschein in dem
Werke Bernhard von Breydenbachs „Heylige reyssen gen Jerusalem“, das
bei □Erhard Rewich□ gedruckt wurde. Da Schöffer im J. 1492 die Chronik
der Sachsen mit dieser Schrift druckte und man von Rewich aus Utrecht,
der als Maler die Reisen Breydenbachs mitmachte und auf dessen Buche
als der Drucker genannt wird, in letzterer Eigenschaft sonst nichts
kennt, so dürfte die Annahme, dass Rewich nur der Herausgeber und
Peter Schöffer der Drucker und Erfinder der Schrift sei, manches für
sich haben. Andernfalls müsste man annehmen, was ja nicht als einziger
Fall dastehen würde, dass Breydenbach als reicher Mann für dieses Werk
eine eigene Druckerei von Schöffer hätte einrichten lassen. Woher
der Name „Schwabacher“ stammt, ist ebenfalls nicht ermittelt. Die
Anwendung der Schrift als Werkschrift hält sich bis in die Mitte des
□xvi.□ Jahrhunderts und man verwandte sie ebensowohl zu lateinischen
wie zu deutschen Texten. Später unterlag sie mancherlei Änderungen,
die sie der Fraktur näherführten. Als Auszeichnungsschrift findet die
Schwabacher noch bis gegen die Mitte unseres Jahrhunderts Verwendung.
Dann kam sie in Vergessenheit, um in neuester Zeit wieder als
Buchschrift aufzuleben.
Schöffer in Paris.
Bald hätte noch ein neuer schwerer Verlust das Schöffersche Geschäft
getroffen. Das Bücherlager, welches Fust nach Paris gebracht hatte,
wurde, nachdem Schöffers dortiger Faktor Hermann von Stathoen
ebenfalls 1475 gestorben war, als herrenloses Gut vom Fiskus in Besitz
genommen. Zur Wiedererlangung seines Eigentums reiste Schöffer selbst
nach Paris, erreichte auch glücklich sein Ziel und ernannte Conrad
Henlif[3] zu seinem Faktor. Schöffer kann eigentlich als der erste
Sortiments-Buchhändler betrachtet werden, da er nicht allein mit seinen
eigenen Druckwerken Handel trieb, sondern auch die Erzeugnisse anderer
Drucker verkaufte.
[3] □J. Wetter□, Conrad Henlif oder Henekies. Mainz 1851.
Schöffers Tod.
Von 1493 erlahmt seine Thätigkeit. Das letzte Buch mit seinem Namen ist
die schon erwähnte vierte Auflage des Psalterium (21. Dez. 1502). Das
erste Buch mit dem Namen seines Sohnes ist vom 27. März 1503 datiert.
Sonach fällt der Todestag Schöffers, den man nicht genau kennt, in
diese Zwischenzeit. Am 9. Juni 1836 wurde das ihm von seiner Vaterstadt
Gernsheim errichtete Denkmal enthüllt.
* * * * *
Strassburg.
Joh. Mentelin.
Heinr. Eggesteyn.
Kehren wir auf unserer Wanderung[4] nach STRASSBURG[5] zurück, so
begegnen wir als den ersten Buchdruckern dort Johann Mentelin und
Heinrich Eggesteyn. Von beiden existieren Bibeln schon aus dem Jahre
1466; jedoch ohne Nennung des Druckers und des Datums. Die ersten
datierten Drucke aus Strassburg gehören Eggesteyn an (1471) das:
_Decretum Gratiani_. 2 Bde. fol. und die: _Constitutiones Clementi V._,
ebenfalls in fol., in welchen der Drucker sagt, er habe schon unzählige
Bände gedruckt. Dass auch Mentelin um diese Zeit eine grössere
Thätigkeit entwickelt hatte, geht schon daraus hervor, dass er 1471
einen -- den ersten überhaupt existierenden -- Verlagskatalog auf einem
Oktavblatt von 19 Zeilen herausgab[6] und dass Kaiser Friedrich □iii.□
ihn schon 1468 auf Grund seiner Verdienste in den Adelstand erhob.
Eggesteyns Wirksamkeit endigt schon 1472; Mentelin starb 1478 und sein
Begräbnis fand unter grossen Ehren im Dome statt[7].
[4] Wir schlagen den geographischen Weg ein, ohne uns streng
an die chronologische Folge der Einführung der Kunst zu
halten.
[5] □L. de Laborde□, _Débuts de l'impr. à Strassbourg_. --
□J. D. Schöpflin□, _Vindiciae typographicae_. Strassburg
1760.
[6] Die Bibliothek des Börsen-Vereins in Leipzig besitzt
hiervon ein Exemplar.
[7] Nach Madden ist Mentelin aus der Offizin der „Brüder
des gemeinsamen Lebens“ im Kloster am Weidenbach in
Köln 1463 nach Strassburg gekommen. Alle Drucke mit den
absonderlichen R, die man von vielen Seiten Mentelin
zuschreibt, will Madden nach Köln verlegen.
Die ersten Strassburger Drucke sind weit unvollkommener als die
Mainzer, und weisen eine ganz abweichende Type auf. Es war deshalb
nicht so unnatürlich, dass man auf eine selbständige und ältere
Erfindung in Strassburg, der „Wiege der Kunst“, -- jedoch wie Schaab
richtig bemerkt „eine Wiege ohne Kind“ --, schliessen wollte.
Die Schweiz.
Beromünster.
Basel.
B. Richel.
Das benachbarte Basel, das später einen bedeutenden Platz in der
Geschichte der Typographie behauptet, nahm die Kunst bald auf.
Allgemein wird jedoch nicht Basel, sondern der Flecken BEROMÜNSTER
im Canton Luzern, eine Stunde von Sempach, wo am 9. Juli 1386 Arnold
Winkelried durch seine heldenmütige Aufopferung „der Freiheit eine
Gasse brach“, als erster Druckort der Schweiz betrachtet. In dem
dortigen berühmten Chorherrenstift des Erzengels Michael lebte ein,
durch seine Gelehrsamkeit hervorragender Mann Elias Eliae (Helias
Helie)[8] aus dem berühmten Geschlecht derer von Laufen. Derselbe
soll die Buchdruckerkunst durch □Ulr. Gering□, der später als erster
Buchdrucker in Paris wirkte, nach der Schweiz gebracht haben und dort
als erstes Buch den _Mamotrectus_ des Joh. Marchesini, ein beliebtes,
für höhere Schulen bestimmtes Wörterbuch der schwersten Ausdrücke
der Bibel, gedruckt haben. Hiergegen wird jedoch Zweifel erhoben,
und der _Mamotrectus_ soll, inklusive der Jahreszahl 1470, nur ein
Nachdruck einer Mainzer Ausgabe aus diesem Jahre sein und frühestens
1474 gedruckt, dagegen das 1472 erschienene: _Roderici, Speculum
vitæ humanæ_ das erste Buch aus Beromünsters Presse sein. Um diese
Zeit kam auch die Kunst nach BASEL[9] durch □Bartholdus de Basilea□
(eigentlich aus Hanau). Das erste Buch mit Jahreszahl ist Magister
Konrads _Repertorium vocabularum_ von 1473. □Michael Wenssler□ und □Fr.
Biel□ druckten die Briefe Gasparinis von Bergamo ohne Jahreszahl. Eine
handschriftliche Notiz in einem Exemplar in der Baseler Stadtbibliothek
bezeichnet es als im Jahre 1472 gekauft. □Bernhard Richel□ druckte
bis 1482. Bekannt sind seine vier Ausgaben der _Vulgata_. Aus seiner
Offizin stammt auch die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels“, des von
Eyke von Reppgowe zwischen 1215-1230 verfassten deutschen Rechtsbuches.
[8] □J. L. Äbi□, Die Buchdruckerei in Beromünster. Einsiedeln
1870.
[9] □D. A. Fechter□, Beiträge zur ältesten Gesch. d.
B. in Basel. Basel 1863 (B. Taschenbuch). -- □J.
Stockmeyer□ und □B. Reber□, Beiträge zur Baseler
Buchdruckergeschichte. (Herausg. von der Hist.
Gesellsch.) Basel 1840. -- □Streuber□, Neuere Beiträge
zur Baseler Buchdruckergeschichte. Basel 1846.
Bekannt ist ebenfalls □Johannes Bergmann von Olpe□ (1494-1499),
namentlich durch die mit 114 merkwürdigen Holzschnitten geschmückte
Ausgabe von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Die erste Auflage dieses
oft gedruckten und nachgedruckten Buches erschien 1494.
Joh. Ammerbach.
Der berühmteste unter den ältern Buchdruckern Basels war □Johannes
Ammerbach□ aus Reutlingen (geb. 1434). Seine Liebe zu den
Wissenschaften führte ihn nach Paris, wo er sich dem Rektor Joh.
v. Stein anschloss. Dies mag wohl den Anstoss gegeben haben, dass
Ammerbach sich der Buchdruckerei widmete. Als _Magister artium_ kehrte
er nach Deutschland zurück, arbeitete eine zeitlang als Korrektor
bei Anton Koberger. Zwischen 1475 und 1480 eröffnete er seine
Offizin in Basel und liess sich namentlich sorgfältige Ausgaben der
hauptsächlichsten Kirchenväter angelegen sein. Er war der erste Baseler
Buchdrucker, der sich der Antiqua bediente. Unterstützt wurde er in
seinen Unternehmungen von seinen gelehrten Freunden Aug. Dodo, Conr.
Pellicanus, Beat. Rhenanus und Joh. v. Stein, der von Paris nach Basel
gezogen war.
Den Grund, weshalb die Druckkunst in Basel so schnell Wurzel fasste,
muss man namentlich in seiner 1460 gegründeten, frisch aufblühenden
Universität suchen. Mitgewirkt hat vielleicht auch der Umstand, dass
die Papierfabrikation dort in grossem Flor stand. Bereits 1440 besass
Hans Halbysen dort eine Papiermühle. Einen besonderen Aufschwung
erhielt die Fabrikation durch die Brüder Antonius und Michael, die
Gallicianen, welche um 1470 aus Spanien eingewandert waren.
Ulm und seine
Kunstschule.
L. Hohenwang.
ULM[10] war, nächst Augsburg, in der ersten Hälfte des □xv.□
Jahrhunderts die wichtigste Stadt Schwabens und zählte über 50000
Einwohner. Es war nicht allein durch seinen Handel reich, sondern
zeichnete sich auch durch die Pflege der Poesie und der bildenden
Künste aus. Baukunst, Holzbildnerei, Malerei, Formenschneiderei
blühten dort und die Häupter der Schwäbischen Schule Martin Schön,
Bartholomäus Zeitblom und Martin Schaffner hatten einen grossen Ruf.
Neben Anfertigung von Heiligenbildern war das Kartenmachen sehr in
Schwung und grosse Massen dieser Erzeugnisse gingen nach Italien.
Es war deshalb natürlich, dass die Buchdruckerei dort schnell Fuss
fasste. Nächst Augsburg hat Ulm die meisten Wiegendrucke aufzuweisen,
nämlich 136, unter denen 86 datierte. □Ludwig Hohenwang□ aus Elchingen
war einer der ersten Ausüber der Kunst. Er war selbst Zeichner,
Formenschneider, Schriftsteller und Drucker, der mit Holztafeldruck
anfing. Vier Ausgaben der _ars moriendi_ sollen aus seinen Pressen
hervorgegangen sein. Seine keineswegs vorzügliche Type ähnelt der
römischen und seine Bücher zeichnen sich unvorteilhaft durch die
Masse der Abbreviaturen aus, mitunter über 300 auf einer 32zeiligen
Seite. Wahrscheinlich spielte Schriftmangel dabei eine Rolle, denn man
findet, wie öfters in alten Drucken, kleine Buchstaben für grosse, oder
einander ähnliche Buchstaben als Ersatz für einander verwendet, z. B.
ein K für ein R.
[10] Dr. □K. D. Hassler□, Die Buchdrucker-Geschichte Ulms.
Ulm 1840. -- □G. W. Zapf□, Älteste Buchdruckergeschichte
Schwabens. Ulm 1791.
Joh. Zainer.
Scheint es demnach nach neueren Untersuchungen, als müsse □Johannes
Zainer□ dem Genannten den Ehrenplatz als „erster“ Buchdrucker
einräumen, so ist letzterem wenigstens der Ruhm als Ulms bedeutendsten
Druckers und als eines der hervorragendsten in Deutschland gesichert.
Durch einen langen Zeitraum, von dem Anfange der siebenziger Jahre des
□xv.□ bis zur Mitte der zwanziger Jahre des □xvi.□ Jahrh., lieferte er
umfangreiche Druckwerke. Zwar hat man von ihm kein datiertes Werk älter
als 1473 aufzuweisen, da er jedoch um diese Zeit mit einer Anzahl,
zumteil Vorbereitungen aus langer Hand erfordernder Werke auftritt, so
muss er jedenfalls früher als 1473 zu wirken angefangen haben, und die
handschriftliche Notiz des Käufers eines von ihm gedruckten Buches:
„_Albertus Magnus, de adherendo deo_“, dass es 1470 gekauft sei, dürfte
auf Wahrheit beruhen. Wahrscheinlich gebührt ihm, nicht Günther Zainer
in Augsburg, der Ruhm, die Antiqua zuerst in Deutschland eingeführt zu
haben. Ob er ein Bruder des Augsburger Zainer gewesen ist, weiss man
zwar nicht, beide stammen jedoch aus Reutlingen. Überhaupt kennt man
von seinem Privatleben wenig mehr, als dass es eine Kette von Sorgen
war.
Leonh. Holl.
□Leonhard Holl□, Ulms dritter Buchdrucker, besass eine
Spielkartenfabrik. Seine Waren gingen bis nach Konstantinopel. Er war
der erste, der ein Werk mit in Holz geschnittenen Landkarten, worin
zumteil Typen eingesetzt werden konnten, druckte. Es war dies: _Claudii
Ptolomäi Alexandrini Cosmographia_ mit 32 Karten von Johann Schnitzer
von Armsheim ausgeführt. Pekuniären Erfolg hatte Holl davon nicht;
erst musste er das Werk versetzen, später verkaufen. Es kam darauf in
die Hände eines Venetianers Justus de Albano, der durch seinen Faktor
Johannes Reger eine neue Ausgabe druckte.
Augsburg.
AUGSBURGS[11] erster Buchdrucker □Günther Zainer□ (1468-1475) ist
wahrscheinlich ein Schüler Fusts oder Schöffers gewesen. Bei ihm
erschien um 1470 die erste Ausgabe von Thomas a Kempis' „Vier Bücher
von der Nachfolge Christi“, ein Buch, welches nächst der Bibel am
häufigsten aufgelegt worden ist. Eine grosse Anzahl deutscher Bücher
druckte □Johann Bämler□ (1472-1492). □Anton Sorg□ (1475-1498) gab das
erste Wappenbuch heraus, enthaltend die Wappen aller bei dem Konzil von
Constanz anwesenden Herren. Einen hochberühmten Namen erwarb sich der
Augsburger □Erhard Ratdolt□, ein fahrender Buchdrucker, dessen Namen
mit der venetianischen Buchdruckergeschichte rühmlichst verknüpft ist.
Am meisten glänzt □Hans Schönsperger der Ältere□ (1481-1523). Über
diesen sowie über Ratdolt wird später ausführlicher zu sprechen sein.
[11] □G. C. Mezger□, Augsburgs älteste Druckdenkmale. Augsburg
1840. -- □G. W. Zapf□, Augsburgs Buchdruckergeschichte. 2
Teile. Augsburg 1786.
Nürnberg.
Antonius Ko-
berger.
Der Vater der Typographie NÜRNBERGS[12] ist □Johann Sensenschmid□
(1473-1478), ein durch Gelehrsamkeit und Korrektheit seiner Druckwerke
bekannter Buchdrucker, der 1478 nach Bamberg zog. Auch der berühmte
Astronom □Joh. Regiomontanus□ (Joh. Müller aus Königsberg) errichtete
in Nürnberg eine Druckerei und druckte deutsche und lateinische
Kalender. Des grössten Namens als Buchdrucker und Buchhändler erfreute
sich aber □Antonius Koberger□[13] (1473-1513). Er arbeitete mit 24
Pressen und beschäftigte über 100 Gesellen. Man kennt 220 aus seinen
Pressen hervorgegangene Werke, beinahe alle in Folio-Format von
bedeutendem Umfange, von grosser Korrektheit und Eleganz. Allein 19
Bibeln druckte er, darunter eine in deutscher Sprache mit gothischen
Typen und mit denselben Holzschnitten ausgestattet, die bereits in Köln
zu der niederdeutschen Bibel von 1480 verwendet waren.
[12] □G. W. Panzer□, Älteste Buchdruckergeschichte Nürnbergs.
Nürnberg 1789. -- □J. Baader□, Beiträge z. Kunstgesch.
Nürnbergs. 2 Hefte. Nördlingen 1860-62.
[13] □G. E. Waldau□, Leben A. Kobergers. Dresden 1786. -- □Dr.
O. Hase□, Die Koburger. Leipzig 1869.
Der Schatzbe-
halter.
Die Ausführung befriedigte jedoch Koberger nicht und gab ihm
Veranlassung, Schritte zu thun, um künftig auf heimischem Boden
stehen zu können. Wie rasch dies gelang, zeigt der 1491 erschienene
„Schatzbehalter des Reichtums des ewigen Heils“. Die Holzschnitte
sind zwar ungleich, je nach Fertigkeit der Holzschneider, aber die
Zeichnungen, die unzweifelhaft Michel Wohlgemut angehören, sind
durchweg mit Geschmack und künstlerischem Sinn ausgeführt, zugleich
unter Innehaltung der Grenzen, welche die noch nicht vollendete Technik
des Holzschnittes verlangte.
Schedels
Chronik.
Das 1493 sowohl in einer deutschen, wie in einer lateinischen
Ausgabe erschienene „Buch der Chroniken und Geschichten“ des Doktor
Hartmann Schedel ist als illustriertes Werk eins der merkwürdigsten
Presserzeugnisse des □xv.□ Jahrhunderts. Da ein Übereinkommen mit
Wohlgemut und Wilh. Pleydenwurf über die Lieferung der mehr als 2000
in dem Buch enthaltenen Illustrationen (von den zweimal und öfter
vorkommenden abgesehen) erst 1491 getroffen wurde, so sieht man, dass
über bedeutende sowohl xylographische wie typographische Kräfte verfügt
wurde. Zum Schluss des Werkes werden die angesehenen Nürnberger Bürger
Sebald Schreyer und Sebastian Kammermaister als um die Förderung des
Werkes verdient erwähnt, ohne dass jedoch über die Art und Weise etwas
verlautet, vielleicht haben sie als reiche Kunstkenner die Kosten der
Illustrationen getragen.
Bei dem Druck der „Reformation der Stadt Nürnberg“ (1475) wendete
Koberger eine verschönerte halbgothische Schrift an, welche der
nachherigen Fraktur sehr nahe stand und die später auch bei dem grossen
Druckwerke „Leben der Heiligen“ (1488) benutzt wurde.
Kobergers grosse
Thätigkeit.
Die Wirksamkeit Kobergers als Verleger war eine so grosse -- sein
Katalog zählt allein 33 Bibeln auf --, dass die Kräfte der eigenen
bedeutenden Offizin zur Herstellung aller Werke nicht zulangten und
öfters andere Offizinen in Anspruch genommen werden mussten, namentlich
die von Johannes Ammerbach in Basel. Aus Kobergers Briefwechsel[14] mit
diesem zeigt sichs, wie umsichtig er für alles besorgt war, und mit
Recht allgemein den Ruf eines ungemein fleissigen, ordnungsliebenden
und pünktlichen Mannes genoss.
[14] Als Vorläufer einer zweiten Auflage seines Buches über
die Koberger, zugleich als Weihgeschenk zu dem 25jährigen
Jubiläum des, um die Geschichte des Buchhandels
hochverdienten Dr. Albr. Kirchhoff, liess Dr. Hase
(einer der Chefs der Firma Breitkopf & Härtel) ein:
_Brieffbuch der Koberger zw Nurmbergk_, Leipzig 1881
(in 25 Expl.) erscheinen, das namentlich Briefe des
Ant. Koberger an Joh. Ammerbach in Basel enthält. Diese
Briefe erstrecken sich über die Jahre 1493-1509, werden
aber von 1504 ab immer sparsamer und kürzer, der letzte
und einzige Brief aus 1509, „dem Erbern weisen meyster
Hanssen Froben zw bassell meinem Sundern gunstigen guten
Freund“ geschrieben, schliesst, das Obengesagte von der
Fürsorge Kobergers bestätigend: „Lieber meyster Hans jch
bitt euch wollet gute Fass machen lassen Die starck vnd
Dick von holcz sind wan es ist So grawsam wetter bey vnss
von regen vnd von schne Das gleichen kein man gedenkt
Jch hab euch gancz eyllet geschrieben Die furlewt seyn
wegfertig“.
Selbst bei dieser grossen Verlagsthätigkeit ruhte Koberger nicht. Er
trieb zugleich einen ausgedehnten Sortimentshandel, hatte an mehreren
Orten Filialen und Agenten, ja es scheint sogar, als habe er sich
auch mit anderen als buchhändlerischen Geschäften befasst. Diese seine
Thätigkeit brachte ihm Ansehen und goldene Früchte. Auch im häuslichen
Leben war er gesegnet und hatte von seinen zwei Frauen mehr als zwanzig
Kinder, von denen einige ebenfalls eine bedeutende geschäftliche
Wirksamkeit entfalteten. Er starb im J. 1513.
Bamberg.
Albr. Pfister.
In BAMBERG[15] wirkte □Albrecht Pfister□ (geb. um 1420; gest. um 1470),
von vielen für einen selbständigen Erfinder der Buchdruckerkunst
und den Drucker der 36zeiligen Bibel gehalten. Als Beweis wird
die Identität der Typen dieses Werkes mit denen des Bonerschen
„Fabelbuches“ (1461), der „vier Historien“ (1462), sowie des „Belial“,
welche Pfisters Namen tragen, angeführt. Dagegen spricht entschieden
die typographisch sehr niedrig stehende Ausführung sämtlicher
Druckwerke Pfisters. Wer die 36zeilige Bibel gedruckt hat, wird
schwerlich als Künstler so tief sinken. Die Typen kann Pfister ja recht
wohl von Gutenberg erworben haben.