sie am 9. Oktober 1783 an Bord seines Flaggschiffes »Héros« von
Trincomali aus an. In Isle de France ward er von der französischen
Bevölkerung, in Kapstadt von der holländischen auf das höchste geehrt,
besonders aber erfreute ihn die Anerkennung, die ihm die Engländer
zollten. In Kapstadt lagen 9 Schiffe der Flotte =Hughes'=, deren
Kommandanten sich mit dem Kommodore =King= an der Spitze beeilten, ihm
ihren Besuch abzustatten. Am 20. März 1784 erreichte er Toulon nach
einer Abwesenheit von 3 Jahren und 4 Tagen. In der Provence, in Paris
sowie am Hofe ward er durch Feste gefeiert; er hatte Frankreich als
Kapitän verlassen, war nach Porto Praya zum Chef d'Escadre, nach der
dritten Schlacht in Indien zum Lieutenant-Général befördert, und am 4.
April 1784 schuf der König für ihn eine vierte Vizeadmiralstelle, die
nach seinem Tode wieder eingehen sollte. Die Provence überreichte ihm
eine Medaille mit der Inschrift: »Das Kapland beschützt; Trincomali
genommen; Cuddalore gerettet; Indien verteidigt; 6 glorreiche
Schlachten.« Holland ließ ihm durch eine Deputation einen Ehrendegen
überreichen.
Ein kurzer $Rückblick auf den Seekrieg in Indien$ erscheint als Pflicht
gegen den =Admiral Suffren=, dessen Tätigkeit man als die
bemerkenswerteste und verdienstvollste maritime Leistung des ganzen
großen Krieges bezeichnen muß. Es ist darauf hingewiesen, daß sich für
Frankreich in Indien eine besonders gute Gelegenheit bot, England
anzugreifen. Hierzu hätte man aber rechtzeitig eine Flotte hinaussenden
müssen, die imstande war, die Seeherrschaft zu erringen, wodurch dann
auch die indischen Gegner Englands in ihrem Kampfe unterstützt und
ermutigt worden wären, sowie durch Lagern von Vorräten in Isle de France
und rechtzeitige Nachschübe dafür sorgen müssen, daß die Flotte in den
indischen Gewässern stets leistungsfähig blieb.
Dies geschah nicht. Obgleich die Verbündeten von 1779 an in den
europäischen Gewässern den Engländern stets überlegen und in den
westindischen mindestens gewachsen waren, hatte man von Ende 1779 bis zum
Oktober 1781 nur 6 Linienschiffe in Isle de France, die noch dazu an
allem Mangel litten. Der Oberbefehlshaber, =Graf d'Orves=, war nicht der
Mann, unter solchen Umständen den etwa gleich starken Engländern
tatkräftig entgegenzutreten; er machte zwar Anfang 1781 einen schwachen
Versuch dazu, blieb aber dann untätig. Erst nach der Ankunft =Suffrens=
verfügte Frankreich von 1782 an über Kräfte, die der Wichtigkeit des
Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen, und dieser Admiral verstand
es, sie zu verwenden. In dem Bewußtsein, daß alles auf die Beherrschung
der See ankomme, brach er mit der bisherigen französischen Strategie zur
See und schlug mit der Bekämpfung der feindlichen Seestreitkräfte den
einzig richtigen Weg zur Lösung seiner anderen Aufgaben ein. Überzeugt
von der Notwendigkeit, das Geschwader ununterbrochen auf der Station zu
halten, ließ er nicht nur den schlechten Zustand seiner Schiffe, die
Unzufriedenheit seiner Offiziere, sondern sogar den ausdrücklichen Befehl
der Regierung unberücksichtigt, nach Isle de France zu gehen. Trotz
Mangel an Personal und Material hielt er durch außergewöhnliche Maßregeln
die Flotte schlagfertig, schuf sich in Trincomali einen Stützpunkt und
verstand es, die anderen Gegner Englands stets wieder zu ermutigen. Er
hätte es verdient, mehr zu erreichen. Aber er wurde von der Heimat zu
wenig unterstützt, obgleich er nicht einmal um Schlachtschiffe, sondern
nur um Mannschafts- und Materialersatz, sowie um leichte, schnelle
Schiffe bat, mit denen er den Kreuzerkrieg zur Versorgung seines
Geschwaders unterhalten wollte. Ferner führten die französischen Generale
den Landkrieg nicht mit gleicher Tatkraft; =Bussy= machte den Ruhm
zuschanden, den er sich im vorangegangenen Kriege erworben hatte. Endlich
fand der Admiral keine Unterstützung durch seine Kommandanten. Wären
diese Männer gewesen, wie sie später =Nelson= oder auch nur wie sie jetzt
=Hughes= besaß, so würde er voraussichtlich das englische Geschwader
vernichtet haben, solange es noch schwächer war. Ob die allgemeinen
Verhältnisse des ganzen Krieges es zugelassen hätten, die englische Macht
in Ostindien zu überwältigen, dürfte zweifelhaft sein; =Suffrens=
Hoffnung aber war, durch Herstellung eines Übergewichtes auf diesem
Kriegsschauplatze einen günstigen Frieden herbeizuführen.
Der englische Admiral =Hughes= hat in dem langen Ringen stets die
Geschicklichkeit, Überlegung und Voraussicht eines tüchtigen Seemannes
gezeigt, gepaart mit hohem Mute sowie der Entschlossenheit, nicht zu
weichen; er war ein vorzüglicher Vertreter des englischen
Durchschnittsseeoffiziers im 18. Jahrhundert. Als höherer selbständiger
Führer war er aber dem Gegner nicht gewachsen; dessen Genie und richtige
Beurteilung der militärischen Lage fehlten ihm. So ist ihm schon von der
zeitgenössischen Kritik vorgeworfen, auf seiner Fahrt nach Trincomali in
den Tagen vor der Schlacht bei Providien, die französische Flotte nicht
angegriffen zu haben, trotzdem sie stets in Lee gestanden hätte und in so
lockerer Ordnung gesegelt sei, daß er die Schiffe einzeln hätte
überwältigen können. Tatsache ist, daß durch sein Zaudern nach der
Schlacht bei Negapatam Trincomali verloren ging, und daß er nach der
Schlacht vor Cuddalore die Deckung der Stadt aufgab, obgleich sich die
französische Flotte in nicht besserer Verfassung befand als die seine.
Diese Kurzsichtigkeit würde verhängnisvoll geworden sein, wenn der Krieg
fortgeführt wäre. =Suffren= sah das Vertreiben des stärkeren Gegners von
diesem Platze als seine höchste Leistung in Indien an.
Der Kleine Krieg.
In den früheren englisch-französischen Kriegen errang England schließlich
stets die Seeherrschaft und konnte dann seine ganze Kraft zur Vernichtung
des feindlichen Handels einsetzen; selbst wenn Frankreich den Kampf mit
der Flotte freiwillig aufgegeben und seine Seestreitkräfte ganz in den
Dienst des Kreuzerkrieges gestellt hatte, endete dieser doch immer mit
dem völligen Brachliegen des Seehandels für die schwächere Macht. Im
Kriege 1775-1783 behaupteten aber beide Parteien bis zum Ende die See,
und der Handelskrieg spielte infolgedessen keine so hervortretende und
einflußreiche Rolle. Vernachlässigt wurde er aber keineswegs. Die Schläge
gegen größere Konvois traten als militärische Unternehmungen von
Bedeutung hervor, daneben aber bedrohten Kreuzer sowie Freibeuter beider
Parteien die Schiffahrt der Gegner in allen Meeren, und es kam zu
zahlreichen Gefechten zwischen diesen[186]. Leider bringen unsere Quellen
nicht wie bei den früheren Kriegen genauere Angaben über die Zahl der
Schiffe, die sich die Gegner fortnahmen, aber Andeutungen in
französischen wie englischen Werken lassen schließen, daß die Verluste
beider Nationen sehr bedeutend gewesen sind und sich etwa die Wage
gehalten haben; von seiten Hollands wird ausdrücklich zugegeben[187], daß
sein Schaden ungeheuer gewesen sei, und sich die schon im Verfall
begriffene ostindische Kompagnie von ihm nicht wieder erholt habe. Es
wird zwar nirgend ausgesprochen, ist aber wohl sicher anzunehmen, daß die
Störung des Handels mit ihren mittelbaren und unmittelbaren Verlusten zur
Beendigung auch dieses Krieges beigetragen habe.
[186] Die bemerkenswertesten dieser Einzelgefechte, in denen Führer und
Besatzungen ganz besonders Mut sowie Geschicklichkeit zeigen
konnten, sind mit besonderer Vorliebe in den Spezialwerken
geschildert. Vgl.: Clowes, Band IV (Kapitel Minor actions);
Troude, Band II; de Jonge, Band IV, Seite 663 ff. Engländer wie
Franzosen behaupten, gerade in den Kämpfen Schiff gegen Schiff
dem Gegner überlegen gewesen zu sein.
[187] De Jonge, Band IV, Seite 683.
Nur =Laird Clowes= bringt (Band III, Seite 396) eine für sein Werk von
der berühmten Seeversicherungsgesellschaft »Lloyd« -- schon zu jener
Zeit eine Art Börse der englischen Kaufleute, Rheder, Seeversicherer
usw. -- aufgestellte Tabelle über die Verluste Englands und seiner
Gegner in den einzelnen Kriegsjahren. Nach dieser haben die Engländer
in den Jahren 1776-1783 2200 Handelsschiffe sowie 75 Freibeuter
eingebüßt und 1100 bzw. 215 der Feinde genommen. -- Wie in den früheren
Kriegen erklärt die Übermacht des englischen Seehandels den größeren
Verlust, dieser war aber eben deshalb auch leichter zu tragen.
=Der Kreuzerkrieg der Amerikaner=[188] verdient noch eine kurze
Betrachtung, weil sie trotz ihrer geringen Seemacht darin Hervorragendes
geleistet haben. Bekanntlich ließen die einzelnen Kolonien schon von 1775
an kleinere Fahrzeuge an ihren Küsten kreuzen, um dem englischen Heere
die Zufuhren an Kriegsmaterial wegzufangen und diese eigenen Truppen
zuzuführen; aus diesen Anfängen entstand die kleine Marine. Diese ward
dann auch weiter fast ausschließlich im Kleinen Kriege verwendet, zu ihr
traten zahlreiche Freibeuter. Einzeln und in kleinen Verbänden taten die
Schiffe den Engländern an der amerikanischen Küste, aber besonders auch
in den westindischen Gewässern großen Abbruch, wobei sie sich auf
französische, spanische und holländische Häfen stützten.
[188] Eingehend geschildert in =Spears=. -- Vergleiche auch die Angaben
über die amerikanische Marine und ihren Kreuzerkrieg Seite 225
und 241.
Nach amerikanischen Angaben (Spears, Band I, Seite 217) sind in den
westindischen Gewässern sowie an der westafrikanischen Küste bis Ende
1777 173 amerikanische Freibeuter mit 2550 Kanonen und 13 800 Seeleuten
tätig gewesen und haben 559 englische Handelsschiffe im Werte von 2-1/2
Millionen Lstrl. aufgebracht; 34 derselben wurden weggefangen.
Schon im Herbst 1776 trat auch der erste amerikanische Kreuzer in den
europäischen Gewässern auf. Eine Brigg mit 16 Kanonen brachte =Franklin=
nach Frankreich und kreuzte dann in der Biskaya. In den folgenden Jahren
waren mehrere Kriegsschiffe tätig, teils von Amerika herübergekommen,
teils in französischen Häfen beschafft; auch Freibeuter traten auf. Es
ist bemerkenswert, wie sich diese Fahrzeuge auszurüsten und ihre Prisen
zu verwerten wußten, trotzdem Frankreich noch mit England im Frieden war,
wie sie ihre Ausrüstung auf See an Bord nahmen und ihre Prisen vor den
französischen Häfen verkauften. Es waren nur kleine Schiffe, und der
Schaden blieb gering, den sie dem englischen Handel zufügten, aber sie
beunruhigten ihn und bedrohten sogar offene Küstenplätze Schottlands und
Irlands, eine ungeheure Keckheit der großen Seemacht Englands gegenüber.
Am berühmtesten sind die Taten des Kapitäns =Paul Jones=, der durch sie
=ein Nationalheld= Amerikas geworden ist.
$Auftreten des amerikanischen Kapitäns John Paul Jones in den
europäischen Gewässern.$ =Paul Jones=, 1747 in Schottland geboren, kam
als Geschäftsreisender nach den Kolonien, blieb dort, fuhr als
Steuermann auf Sklavenschiffen und ward unter den ersten Offizieren der
neuen Marine am 22. Dezember 1775 als Leutnant 1. Klasse angestellt. Im
August 1776 zum Kapitän ernannt, führte er mit großem Erfolge eine
Brigg in den heimischen Gewässern, erhielt 1777 das Kommando des
kleinen Schiffes »Ranger« (18 Kanonen, 135 Mann) und heißte bei der
Indienststellung am 14. Juni eigenhändig zum ersten Male die eben
eingeführte »Stern- und Streifenflagge« der Vereinigten Staaten. Im
November verließ er Amerika, machte auf der Überfahrt zwei Prisen und
traf am 2. Dezember in Nantes ein. Von dort führte er einige
amerikanische Handelsschiffe nach Lorient, die sich hier einem
französischen nach Westindien bestimmten Konvoi anschließen sollten,
und bei dieser Gelegenheit ward die neue Flagge zum ersten Male von
französischen Kriegsschiffen salutiert. Am 10. April 1778 trat er von
Brest aus eine Kreuzfahrt um Irland an. Auf dieser brachte er
verschiedene Prisen auf, versuchte am 22. die im Hafen von Whitehaven,
südlich vom Clyde, liegenden Schiffe zu verbrennen, wobei er allerdings
nur geringen Erfolg hatte, und landete dann auf der Insel St. Mary im
Solway Firth, um Lord Selkirk in seiner Besitzung aufzuheben und als
Geisel gegen die schlechte Behandlung gefangener Freibeuter durch die
Engländer fortzuführen. Der Lord war abwesend, aber die Amerikaner
erbeuteten dessen Familiensilber; =Jones= kaufte es später seinen
Leuten ab und sandte es dem Eigentümer zurück. Am 24. April zwang er
vor Belfast Lough die englische Sloop »Drake« (20 Kanonen, 154 Mann) in
einem heftigen Gefechte zum Streichen der Flagge und segelte dann
nördlich um Irland nach Brest zurück.
[Illustration: Captain John Paul Jones.]
Eine zweite Fahrt konnte =Jones= wegen Geldmangels erst im Sommer 1779
antreten. Er verfügte jetzt über einen ehemaligen französischen
Ostindienfahrer, »Bonhomme Richard« (42 Kanonen), als Flaggschiff, eine
amerikanische Fregatte, »Alliance« (32 Kanonen), unter einem
französischen Seeoffizier =Landais=, zwei mit 30 und 12 Kanonen
armierte Kauffahrer »Pallas« und »Vengeance« und einen
18-Kanonenkutter. Die Flottille ging am 14. August zusammen mit 2
französischen Freibeutern von Lorient in See. =Jones= besaß aber nur
geringe Machtbefugnisse über die anderen Fahrzeuge, deren Befehlshaber
sich unbotmäßig zeigten. Die Freibeuter verließen ihn gänzlich und auch
Landais ging eigene Wege, sobald es ihm gutdünkte; er hatte seine
Laufbahn in der französischen Marine verfehlt, zeigte ein überspanntes
Benehmen und war empört, daß er nicht den Oberbefehl erhalten hatte.
Die Fahrt ging um Irland und Schottland herum; bis zum 21. September
wurden 17 Prisen gemacht. Die Küstenbevölkerung Schottlands war in
größter Aufregung, aber =Jones= konnte seine Absicht, Leith eine
Kontribution aufzulegen, nicht durchführen, da seine Unterführer den
Gehorsam versagten.
Am 23. September stieß die bis auf den Kutter vereinte Flottille
südlich von Flamborough Head vor der Mündung des Humber auf einen
englischen Ostseekonvoi. Die begleitende Fregatte »Serapis« (44
Kanonen, 264 Mann), Kapitän =Pearson=, sowie ein armierter Kauffahrer
»Countess of Scarborough« (20 Kanonen) traten den Amerikanern mutig
entgegen. =Jones= befahl, die Schlachtlinie zu bilden, aber =Landais=
verweigerte dies ausdrücklich und »Vengeance« war zu weit entfernt; so
kamen nur das Flaggschiff und »Pallas« gegen 7-1/2 Uhr abends ins
Gefecht. Diese zwang nach zweistündigem Kampfe das kleinere englische
Schiff zum Streichen der Flagge.
In dem Kampfe zwischen »Serapis« und »Bonhomme Richard«[189] wurde
dieser durch die überlegene Artillerie des Gegners bald völlig außer
Gefecht gesetzt und das Schiff derartig im Rumpfe durchlöchert, daß es
zu sinken drohte. =Jones= ging deshalb dem Feinde längsseit und errang
in blutigem Kampfe, in dem sein Flaggschiff 116, die »Serapis« 126 Mann
einbüßte, durch seine persönliche Hartnäckigkeit und Kaltblütigkeit
schließlich den Sieg. »Serapis« strich um 10-1/2 Uhr nachts die Flagge
und wurde von den Amerikanern besetzt; »Bonbomme Richard« sank am
folgenden Tage.
[189] Bis in Einzelheiten gehende Schilderungen dieses bemerkenswerten
Gefechtes bringen Spears (Band I, Seite 242) und Clowes (Band IV,
Seite 35).
=Landais= hatte nur den Kampfplatz umsegelt und Breitseiten auf die
englischen Schiffe abgegeben; er hat aber auch auf das Flaggschiff
Jones' gefeuert, und zwar nach eigner Aussage mit Absicht, um es in
Feindeshand fallen zu lassen, dann wiederzunehmen und die »Serapis«
gleichfalls zu erobern.
Der englische Konvoi hatte sich während des Gefechtes retten können,
und =Pearson= wurde deshalb trotz des Verlustes seines Schiffes in den
Ritterstand erhoben.
=Jones= führte seine Flottille nebst den Prisen nach Texel und von dort
Ende Dezember trotz der englischen Kreuzer durch den Kanal nach
Lorient, wo sie aufgelöst wurde. England erklärte ihn für einen
Seeräuber und setzte einen Preis von 10000 Lstrl. auf seinen Kopf. In
Paris überhäufte man ihn mit Ehren, und in Amerika ward er als Admiral
an die Spitze der Marine gestellt, als er 1780 zurückkehrte. 1788 trat
er als Kontreadmiral der baltischen Flotte in russischen Dienst. Da
aber englische Offiziere nicht unter ihm dienen wollten, wurde er zur
Flotte des Schwarzen Meeres versetzt und zeichnete sich hier gegen die
Türken aus. 1789 wurde er jedoch durch Intrigen verdrängt, lebte dann
in Holland und Frankreich, wo er 1792 fast vergessen zu Paris starb. Es
ist ungerecht, =Jones= als einen in französischem Solde stehenden
Verräter an der englischen Sache hinzustellen, wie es einige englische
und auch deutsche Werke tun; er war ebenso amerikanischer Bürger wie
viele andere noch in England geborene Amerikaner. (Biographie Jones'
von =Abbot=, Washington 1875.)
Die kleine amerikanische Kriegsmarine ging in dem Handelskriege zugrunde;
beim Friedensschluß waren nur noch 3 Schiffe mit zusammen 84 Kanonen
vorhanden. Aber durch die von ihr genommenen Schiffe -- nach Spears
während des ganzen Krieges 800 an der Zahl -- sind zum Teil die Mittel an
Kriegsmaterial und Geld zur Durchführung des Landkrieges aufgebracht.
Der Frieden von Versailles.
Bekanntlich setzte die Opposition in England nach der Kapitulation von
Yorktown, dem Verluste verschiedener westindischer Inseln sowie Minorkas
im März 1782 einen Ministerwechsel durch und der Landkrieg in Nordamerika
geriet ins Stocken. Die neue Regierung trat aber auch in
Friedensverhandlungen mit =Franklin= in Paris ein, obgleich der
amerikanische Staatsmann neben der Unabhängigkeit der Kolonien auch die
Abtretung Kanadas forderte; zu Franklin kamen später noch die Agenten
=Adams=, =Jay= und =Laurens=. Die Besprechungen wurden dadurch
erleichtert, daß England die Hände gegen seine europäischen Gegner
freizubekommen strebte, und die Amerikaner erkannten, daß Frankreich sie
nur zum Werkzeug ihrer eigenen Politik machen wollte.
$Frankreich$ wollte die Vereinigten Staaten nicht zu stark werden
lassen, sondern ein Gleichgewicht zwischen ihrer und Englands Macht in
Nordamerika geschaffen sehen. Es war daher gegen die Überlassung
Kanadas, des Gebietes der großen Seen, der Seefischereien und des
Mississippitales an die Amerikaner und arbeitete in diesem Sinne gegen
sie. Das Gebiet des Mississippi wollte es Spanien und damit seinem
eigenen Einflusse sichern, die Fischereien aber als Schule für die
Marine behalten.
Die Amerikaner ließen deshalb ihre Forderung auf Kanada und andere
englische Besitzungen im Norden fallen, bestanden aber auf ihrer
Ausdehnung nach Westen sowie auf ausgedehnten Fischereirechten, und
England gab hierin, sowie in seinen Ansprüchen auf alte Schulden nach. Am
30. November 1782 ward der =vorläufige Frieden zwischen England und den
Vereinigten Staaten= ohne Wissen Frankreichs abgeschlossen. Da sich der
Kongreß früher verpflichtet hatte, Friedensverhandlungen nur mit
Zustimmung Frankreichs zu führen, nannten die Agenten die Abmachungen
»Provisional-Artikel«, die nur dann zu einem endgültigen Frieden führen
könnten, wenn Frankreich an ihm beteiligt sei.
Tatsächlich trat aber Amerika jetzt vom Kriege zurück, und Frankreich,
mit dem England seit dem Amtsantritt =Shelburnes= im Juli gleichfalls in
Verhandlung getreten war, mußte nachgeben. Es hatte bei der Lauheit
Spaniens und der Schwäche Hollands nichts mehr zu hoffen, war überdies in
Finanznöten und ging schon seiner schweren inneren Krisis entgegen. Am
20. Januar 1783 ward =der Präliminarfriede zwischen England und
Frankreich-Spanien= unterzeichnet.
Hierbei ließ Frankreich Holland im Stich, wo man im Vertrauen auf diesen
Verbündeten frühere günstige Anerbieten Englands abgelehnt hatte. Es
wurde nur in den Waffenstillstand eingeschlossen und =der vorläufige
Friede zwischen Holland und England= kam erst am 2. September 1783
zustande.
$Über den Einfluß der Schlacht von Dominica auf den Friedensschluß$
findet man häufig die Ansicht, sie habe die französische Marine so
geschwächt, daß jene nicht mehr um die Seeherrschaft hätte kämpfen
können. Dies ist sehr übertrieben. Anders wäre es gewesen, wenn
=Rodney= seinen Sieg ausgenützt und die französische Westindienflotte
vernichtet hätte, aber diese verlor ja nur 5 Linienschiffe. Die
Niederlage mag wohl dazu beigetragen haben, Frankreich dem Frieden
geneigt zu machen, aber die günstigen Friedensbedingungen, die England
erlangte, waren nicht die Folge einer Demütigung Frankreichs zur See,
sondern seiner finanziellen Notlage. In England rief der glänzende Sieg
bei der augenblicklich ungünstigen Lage zwar großen Jubel im Volke
hervor, aber eine derartige Bedeutung legte man ihm in den leitenden
Kreisen nicht zu. Dies geht aus den Parlamentsverhandlungen im Februar
1783 über die Frage hervor, ob die Friedensbedingungen der
militärischen Lage entsprochen hätten, oder ob es richtiger gewesen
wäre, den Krieg fortzusetzen. Die Regierung führte an, daß England nur
100 Linienschiffe bereit habe, während Frankreich und Spanien 140
aufstellen könnten; auch sei zu befürchten gewesen, daß die Verbündeten
1783 Jamaika erobert hätten, doch war dies nur die Beweisführung einer
Partei, die durchaus den Frieden wünschte. Admiral =Keppel=, der von
seinem Amte als Erster Lord der Admiralität zurücktrat, weil er die
Friedensbedingungen nicht billigte, bestritt die Richtigkeit der obigen
Zahlen für beide Parteien, und auch die englischen Staatsmänner mußten
zu dieser Zeit gelernt haben, die beiderseitigen Marinen nicht nur nach
der Zahl der Schiffe einzuschätzen. So war auch die Gefahr für Jamaika
von seiten der Friedensfreunde übertrieben, aber wahrscheinlich wäre es
England nicht gelungen, mit Waffengewalt die anderen Inseln wieder zu
erobern, die ihm der Friede zurückgab.
$Die Friedensbedingungen.$ =Die Vereinigten Staaten= wurden als
unabhängig anerkannt. Sie erhielten die westlich gelegenen Gebiete
einschließlich des Mississippitales, sowie das Recht, bei Neufundland und
im St. Lorenzgolfe die Fischerei mitzubetreiben, während die Engländer
vom Fischen an der amerikanischen Küste ausgeschlossen wurden.
=Frankreich= gab an England die eroberten westindischen Inseln bis auf
Tabago zurück und erhielt dagegen Sta. Lucia, sowie seine
Handelsniederlassungen in Ostindien, unter den gleichen Bedingungen wie
1763, wieder. Auch behielt es das Recht der Fischerei in den
obengenannten Gewässern sowie die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon
am Eingang zum Lorenzgolfe als Stützpunkte; in Westafrika fiel ihm die
Senegal-, England die Gambiamündung zu. Endlich wurde Frankreich von der
alten demütigenden Verpflichtung entbunden, Dünkirchen nach der Seeseite
unbefestigt zu lassen.
=Spanien= räumte die Bahamainseln und gestand endlich den Engländern das
langumstrittene Recht zu, von der Honduras- und Campecheküste Holz
auszuführen. Es behielt Florida und Minorka, aber von einer Rückgabe
Gibraltars war nicht die Rede. =Holland= bekam zwar Trincomali wieder,
Negapatam gab England jedoch nicht heraus.
Abgesehen vom Verluste seiner amerikanischen Kolonien hat der Krieg
mithin =England= nicht so große Opfer gekostet, als zu erwarten stand.
Der Verlust von Minorka hätte größere Bedeutung gehabt, wenn Spaniens
Seemacht stark genug gewesen wäre, den Platz zu halten; so wie die Dinge
lagen, fiel die Insel im nächsten Kriege doch wieder in Englands Hände.
Frankreichs Gewinn durch den Krieg, der ihm 1200 Millionen Francs
gekostet haben soll, war nur die unbedeutende Insel Tabago und das
Bewußtsein, zum ersten Male England gegenüber die See gehalten zu haben.
=Der endgültige Friede= zwischen den beiden Königreichen, den Vereinigten
Staaten und England ward am 3. September 1783 zu Versailles
unterzeichnet; der zwischen England und Holland fand am 10. Mai 1784 zu
Paris seine Bestätigung.
Schlußbetrachtungen.