der feindlichen Linie finden würde und ordnete an, daß zwei der
überschießenden Schiffe seiner Linie, ein Linienschiff und die
Fregatte, die beiden letzten Engländer von Lee her dublieren sollten.
Aber es kam anders. Um seinem Befehle zum Angriff Nachdruck zu geben,
hatte =Suffren= einen Schuß feuern lassen. Hierin erblickte die
Besatzung seines Flaggschiffes, das auf die anderen wartete und noch
nicht zum Nahangriff abgehalten hatte, das Signal zur Eröffnung des
Kampfes. Es gab seine Breitseite ab, und diesem Beispiele folgten die
anderen Schiffe, obgleich sie noch auf halbe Kanonenschußweite vom
Feinde entfernt waren; in dem Pulverrauche ward es ihnen nun noch
schwerer, die richtigen Posten einzunehmen. Die 7 vordersten Schiffe
hielten bei dem Versuche, auf ihre Gegner zu stoßen, zu weit voraus,
einige drehten auch wohl zu früh auf, und so bildete sich eine
ungeregelte Gruppe vor der englischen Vorhut, die kaum ins Gefecht
eingreifen konnte (Plan B, a).
Eine ähnliche Gruppe entstand in der Mitte, so daß sich hier die
Schiffe gegenseitig maskierten (b). Die beiden Schiffe, die von Lee her
angreifen sollten, unterließen dies, weil die englische Nachhut von
Luward gar nicht angegriffen wurde; sie nahmen den Kampf mit den beiden
letzten Engländern von Luward her auf (c), mußten jedoch bald
abbrechen, weil die Takelage des Linienschiffes in Brand geriet und die
Fregatte allein zu schwach war. So hatte das Flaggschiff (Héros, 74)
und nur 2 andere des Kampf mit 7 Engländern zu führen, die nach und
nach einen Halbkreis um sie bildeten, dessen vorderste und hinterste
Schiffe mittels Abhaltens oder Anluvens auch ihre Breitseiten abgaben.
Sie litten schwer. Nach zwei Stunden hingen die Segel des »Héros« in
Fetzen, das ganze laufende Gut war zerschossen und das Schiff
steuerlos[186], später, um 6 Uhr, ging der Großmast über Bord; ein
anderes Schiff hatte Besansmast und Großstänge verloren, das dritte war
ähnlich beschädigt. Die übrigen kamen nicht zu ernstem Kampfe. Nur
teilweise sind sie damit zu entschuldigen, daß der Wind einschlief; zu
Anfang wäre es wohl möglich gewesen, die Gruppen zu entwirren.
[186] Man erzählt, daß die Flagge des »Héros« auf kurze Zeit
verschwand, weil die Flaggleine abgeschossen war. Empört bei dem
Gedanken, daß man glauben könne, er habe die Flagge gestrichen,
rief =Suffren=: »Weiße Flaggen! (Die Nationalflagge mit den
Lilien.) Weiße Flaggen! Man bedecke mein Schiff mit weißen
Flaggen.«
Um 1/2-6 Uhr setzte Brise von SO ein. Die Engländer halsten, alle
Schiffe zugleich, und fuhren im Kampfe fort. Nach Ansicht des
französischen Stabschefs wären die 3 bedrängten Schiffe verloren
gewesen, wenn die Engländer gewendet und sie dadurch von der übrigen
Flotte abgeschnitten hätten; es ist aber wohl anzunehmen, daß den doch
auch beschädigten Feinden bei dem schwachen Winde das Wenden nicht
möglich war. Da die Franzosen nun auch halsten, vergrößerte sich der
Abstand zwischen den Flotten, und die französische Vorhut, die jetzt zu
Luward stand, bekam die Möglichkeit, sich zwischen die Kämpfenden zu
schieben, bei dem flauen Winde allerdings nur langsam (C). =Hughes=
hielt deshalb gegen Sonnenuntergang nach Norden ab; =Suffren= ließ die
beschädigten Schiffe in Schlepp nehmen und steuerte auf Ceylon zu.
=Die Verluste= der Engländer betrugen 46 Tote, darunter 4 Kommandanten,
und 259 Verwundete, die der Franzosen 82 bzw. 255, von denen 64 Tote
und 178 Verwundete allein auf die drei Schiffe kamen, die hauptsächlich
im Kampf gestanden hatten. Auf beiden Seiten waren 3-4 Schiffe schwer
beschädigt.
=Suffren war wieder entrüstet über seine Kommandanten.= In seinem
Berichte warf er ihnen Unfähigkeit und, »um nichts Schlimmeres zu
sagen«, den Wunsch vor, die Kreuztour in Indien beendet zu sehen.
Dieses Mal traf jedoch auch ihn ein Teil der Schuld, seine übertriebene
Eile. Er hatte eben als Mann von großen Fähigkeiten auch seine Fehler,
und diese kamen seinem bedächtigeren Gegner zugute. Aber hätte er nicht
so schnell angegriffen, so wäre es an dem Tage nicht mehr zum Kampfe
gekommen, und ihm lag an einer Entscheidung, ehe der Feind verstärkt
wurde.
Vier der französischen Kommandanten baten nach der Schlacht, nach Isle
de France zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubt zu werden,
und der Admiral bewilligte es, wie er berichtete, »mit Freuden«.
Die Schlacht brachte nicht die Entscheidung, die =Suffren= mit Hinblick
auf seine Überlegenheit erhofft hatte; beide Flotten mußten längere Zeit
ausbessern. =Hughes= ging hierzu nach Madras, wo er am 9. September
eintraf; =Suffren= suchte Trincomali auf. Beim Ansteuern des Hafens
strandete am 7. September eins seiner größten Schiffe (»Lorient«, 74)
infolge nachlässiger Navigation und konnte trotz aller Bemühungen nicht
wieder abgebracht werden. Der Admiral ließ sorgfältig alles Material,
besonders die Masten und Rundhölzer, bergen und lief dann am 17. mit der
Flotte ein.
$Die Bewegungen der Flotten, ihre Verstärkungen und der Landkrieg bis zur
Schlacht bei Cuddalore, Juni 1783.$ =Suffren= erhielt in Trincomali die
Nachricht vom Tode des Generals =Du Chemin=. Dessen Nachfolger, Oberst
=d'Hoffelize=, schrieb dabei, daß sich das kleine Heer bei Cuddalore kaum
noch halten könne, weil =Haidar Ali= aus Mangel an Lebensmitteln in dem
völlig verwüsteten Carnatic ihm keine Unterstützung zu bringen vermöge;
eine Berennung der Stadt durch =Eyre Coote= stünde bevor.
Wie nach der Schlacht bei Negapatam, so stellte der Admiral auch diesmal
wieder seine Schiffe seefähig her, ging schon am 1. Oktober in See und
erreichte am 4. Cuddalore; beim Ankern strandete hier infolge eines
ungeschickten Manövers ein zweites Linienschiff (»Bizarre«, 64). Die
Verhältnisse fand man nicht so schlecht vor; =Eyre Coote= hatte sich auf
die Nachricht von der Schlacht vor Trincomali zurückgezogen, weil er das
Erscheinen der französischen Flotte voraussah -- gewissermaßen ein Erfolg
der Franzosen durch die Schlacht.
Im Oktober schlägt der Monsun von Südwest nach Nordost um und steht auf
die Koromandelküste zu, die keinen einzigen guten Hafen hat. Die schwere
See macht dann häufig den Verkehr der Schiffe mit dem Lande, also auch
die Unterstützung der Landmacht durch die Flotte unmöglich. Außerdem ist
der Monsunwechsel häufig von Stürmen begleitet; die beiden gegnerischen
Admirale mußten also eine Gegend verlassen, in der ihr Aufenthalt ebenso
gefährlich wie nutzlos erschien. Da Trincomali verloren war, sah sich
=Hughes= genötigt, zum Überwintern nach Bombay zu gehen, um sich dort mit
der erwarteten Verstärkung zu vereinigen. Am 17. Oktober wurde er durch
einen schweren Sturm gezwungen, in See zu gehen, und segelte dann gleich
nach Bombay ab. Vier Tage später traf Kommodore =Sir Richard Bickerton=
mit fünf Linienschiffen vor Madras ein. Er hatte England am 6. Februar
verlassen, war schon in Bombay gewesen, ging jetzt sofort dorthin zurück
und langte am 28. November an, während die Schiffe =Hughes=' erst eins
nach dem andern, teilweise schwer durch den Sturm beschädigt, eintrafen.
Die englische Flotte blieb dann bis zum Frühjahr in diesem Hafen.
=Suffren= hielt Trincomali nicht zum Winterlager geeignet, weil es in
dieser Jahreszeit ungesund war und auch nicht genügende Hilfsquellen bot.
Er wählte Atchin auf Sumatra. Dieser Hafen war gesund, bot alle
Bedarfsgegenstände, und von hier war die Koromandelküste leichter zu
erreichen als von Bombay und auch von Trincomali, sobald bei dem gegen
Ende des Winters weniger stürmischen Nordostmonsum ein Landen dort
leichter würde; auch hatte Suffren die Nachricht erhalten, daß die
Verstärkung unter General =de Bussy= ihn hier treffen wolle, ein
bestimmter Zeitpunkt war jedoch nicht angegeben. Für Trincomali brauchte
der Admiral keine Besorgnis zu hegen, denn die Besatzung zählte 900
Franzosen und Holländer, 600 Sepoys, so wie 600 Malaien und Kriegsvorräte
waren genügend vorhanden.
$Die Verzögerung der französischen Verstärkung.$ Während England auf
die Nachricht von der Schlacht vor Porto Praya ein Geschwader von 6
Linienschiffen unter =Bickerton= entsandte, machte Frankreich
verschiedene Versuche, kleinere Verstärkungen, besonders an Truppen,
nach Indien zu schicken. General =Bussy= verließ heimlich im November
1781 mit 2 Linienschiffen Cadiz, um sich in Teneriffa mit den
Transportern zu vereinigen, die von Brest im Dezember mit dem großen
Konvoi unter =de Guichen= ausliefen. Dieser Konvoi wurde bekanntlich
von den Engländern zersprengt und nur zwei Transporter gelangten nach
Teneriffa. Einen Teil der von ihnen mitgeführten Soldaten ließ =Bussy=
im Kapland zum Schutz gegen =Bickerton=, um dessen Kommen er wußte. Er
erreichte am 31. Mai 1782 Isle de France und sandte von dort die
Linienschiffe mit allen auf den Maskarenen zusammenzubringenden
Mannschaften zu =Suffren=, der mit ihrer Hilfe Trincomali eroberte; er
selber erwartete weitere Verstärkungen in Port Louis. Eine von ihnen
blieb ganz aus; der Konvoi war am 20. April 1782 in der Biskaya vom
Admiral =Barrington= abgefangen. Eine zweite, 4 Linienschiffe unter
Kapitän =de Peynier=, die schon im Februar mit der Flotte =de Guichens=
Brest verlassen hatte, erreichte zwar nach langer Reise im Mai das
Kapland, ward aber dort drei Monate durch eine Epidemie festgehalten.
Die Krankheit herrschte auch noch nach der Ankunft in Isle de France,
und obgleich sie Anfang November erloschen war, ging =Bussy= doch erst
am 26. Dezember 1782 nach Indien ab, wahrscheinlich um vorher noch ein
Schiff auszubessern. Er war selber krank gewesen und überhaupt nicht
mehr der schneidige Führer wie im vorigen Kriege.
Das lange Ausbleiben =Bussys= einerseits und die Ankunft =Bickertons=
anderseits hatten auf =Haidar Ali= einen ungünstigen Eindruck gemacht;
nur mit Mühe gelang es =Suffren=, ihn nochmals zur Weiterführung des
Krieges zu bewegen. Der Admiral hatte dann am 15. Oktober die Küste
verlassen und war am 2. November in Atchin eingetroffen. Am 24. erhielt
er die Nachricht, daß =Bussy= wegen der erwähnten Epidemie seine Abfahrt
auf unbestimmte Zeit verschoben habe. In der berechtigten Furcht, daß der
Sultan nun wieder schwankend werden könne, beschloß er baldigste Rückkehr
nach der indischen Küste, um so mehr, weil er erfahren hatte, daß die
englische Flotte nach Bombay gesegelt sei. Er ging am 20. Dezember in See
und traf am 8. Januar 1783 vor Ganjam an der Orissaküste ein. Hier, 500
Seemeilen nördlich von Cuddalore, hatte er günstigen Wind zur Fahrt nach
dem Süden. Er beabsichtigte, von hier aus die englischen Küstenfahrer und
Niederlassungen anzugreifen, er sandte sogar ein Linienschiff und eine
Fregatte zur Gangesmündung; tatsächlich wurden auch viele Prisen
aufgebracht. Wäre =Bussy= jetzt gekommen -- es wäre möglich gewesen, da
die Epidemie Anfang November erloschen war --, so hätte er bei voller
Beherrschung der See durch =Suffren= im Carnatic mit starker
Überlegenheit auftreten können; wahrscheinlich wäre im Verein mit den
Indern Madras genommen worden, ehe =Hughes= erschien.
Statt dessen hatte inzwischen die französische Sache einen schweren
Schlag erlitten; =Haidar Ali= war am 7. Dezember gestorben. Sobald
=Suffren= dies erfuhr, segelte er am 11. Januar 1783 nach dem Süden, um
mit =Tippu Sahib= in Verbindung zu treten, und erreichte am 6. Februar
Cuddalore. Der neue Sultan hatte seit August den Kampf gegen die
Engländer an der Malabarküste mit Erfolg geführt, eilte aber nach dem
Tode seines Vaters zum Hauptheere im Osten, um seine Herrschaft gegen
etwa untreu werdende Vasallen oder gegen Angriffe der Engländer zu
behaupten; am 27. Dezember übernahm er den Oberbefehl. Der Oberst
=d'Hoffelize= war inzwischen mit französischen Truppen näher an das Lager
Haidars herangerückt, um erforderlichenfalls für Tippu einzutreten; die
Engländer konnten glücklicherweise die Lage nicht zu ihrem Vorteile
ausnutzen, weil Mangel an Proviant sie in Madras zurückhielt. Dagegen
griffen sie von Westen her unter General =Mathews= wieder mit Erfolg an.
Als =Tippu= sich nun dorthin wenden wollte, gelang es =Suffren= wiederum,
durch die Versicherung baldigen Eintreffens der großen Verstärkung ihn
zum Bleiben zu bewegen. Der Admiral segelte dann, auch hier wie vor der
Gangesmündung ein Linienschiff nebst einer Fregatte zum Kreuzen gegen
Handelsschiffe zurücklassend, nach Trincomali, um seine Flotte nochmals
instand zu setzen, ehe die englische zurückkam. Am 23. Februar angelangt,
fand er holländische Schiffe mit Vorräten vor, bald darauf stießen die
abgezweigten Schiffe mit zahlreichen Prisen, wieder zu ihm, und am 9.
März kam endlich =de Bussy= an. Er brachte 3 Linienschiffe, 1 Fregatte
und 35 Transporter mit, auf denen Kriegsmaterial, sowie 2500 Soldaten
eingeschifft waren; er war bereits in Atchin gewesen, denn er hatte die
Abfahrt der Flotte von dort nicht erfahren, weil eine zur Erkundung
vorausgesandte Korvette vom Feinde abgefangen war.
=Bussy= übernahm nun den =Oberbefehl= zu Lande und zu Wasser. Es war die
höchste Zeit für die Ankunft der Verstärkung gewesen, da die Engländer
weitere Fortschritte im Westen machten und =Tippu= sich schon dorthin in
Marsch gesetzt hatte. =D'Hoffelize=, der ihm auf dringende Bitten ein
Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Artillerie mitgegeben, mußte sich
in die Stadt Cuddalore zurückziehen, und es kam nun darauf an, ihn so
schnell wie möglich zu verstärken. Da =Hughes= täglich mit 18
Linienschiffen zu erwarten war, =Suffren= augenblicklich aber nur über 13
verfügte, weil 2 zum Ausbessern gekielholt waren, machte dieser den
Vorschlag, mit seinen 7 gekupferten Linienschiffen, 5 Fregatten, sowie
den schnellsten Transportern die Truppen und so viel Vorräte wie möglich
nach Cuddalore zu bringen. Er ging am 14. März in See, landete die
Soldaten am 16. in Porto Novo, am 17. die Vorräte in Cuddalore und trat
am 4. April die Rückfahrt nach Trincomali an, um die Schiffe weiter
instand zu setzen und um sich bei dem jetzt bald eintretenden
Südwestmonsun zu Luward der englischen Flotte zu halten, wenn diese
anlangte. Er ließ 2 Linienschiffe und 2 Fregatten unter Kapitän =Peynier=
an der Koromandelküste zum Kreuzen gegen einen erwarteten englischen
Konvoi zurück.
Beim Einlaufen in Trincomali, am 10. April, sichtete Suffren die
englische Flotte. Es kam jedoch nicht zum Zusammenstoß, weil =Hughes=
nach Norden weitersegelte in der Hoffnung, die Division =Peynier=
abzufangen; dies gelang ihm aber nicht, und sie erreichte am 20.
unbehelligt Trincomali. Am 12. Mai war hier der Befehl =Bussys=
eingetroffen, ihm mit der ganzen Flotte den Rest der Vorräte zu bringen.
Diese war jedoch in ihrer Gesamtheit noch nicht seeklar, und =Suffren=
wagte nicht, nur einen Teil der Schiffe einzusetzen. Er hatte recht
damit, denn am 24. Mai passierte die englische Flotte Trincomali mit
Südkurs und am 31. wieder nach Norden steuernd; wahrscheinlich
beabsichtigte sie, den Platz anzugreifen, falls die französische ihn
verlassen hätte. =Suffren= rührte sich auch jetzt noch nicht, obgleich er
nun seeklar war. Er hatte aber am 26. Mai ein Linienschiff und 2
Fregatten mit einigen Transportern nach Cuddalore abgesandt, die ihm
Nachrichten über die Lage dort bringen sollten; sie kehrten am 10. Juni
zurück.
$Die Schlacht bei Cuddalore am 20. Juni 1788.$ Die Verhältnisse am Lande
standen trotz Bussys Ankunft für Frankreich nicht günstig. =Sultan Tippu=
war es zwar gelungen, das Heer des Generals =Mathews= im April zur
Ergebung zu zwingen und bis zur Malabarküste vorzudringen, aber er war
nicht imstande, schnell genug wieder im Carnatic zu erscheinen, um hier
der Gefahr entgegenzutreten, die den Franzosen drohte. =Bussy= hatte sich
wenig tätig gezeigt und wurde nun sowohl von den englischen Truppen, die
vor Cuddalore gestanden hatten und dann durch =Hughes= verstärkt waren,
wie auch durch andere bedroht, die von Madras heranrückten. Der General
sandte nun durch die zurückkehrenden Schiffe einen Befehl, der die ganze
Verantwortung auf den Admiral abwälzte; er schrieb nämlich, =Suffren=
solle Trincomali nicht früher verlassen, ehe er nicht davon Kenntnis
habe, daß der General in Cuddalore eingeschlossen und von der englischen
Flotte blockiert sei. Konnte der Admiral mit Sicherheit darauf rechnen,
diese Nachricht rechtzeitig zu erhalten? =Suffren= aber zögerte nicht,
die Verantwortung auf sich zu nehmen. Er ging schon am 11. Juni unter
Segel und seine Fregatten sichteten am 13. die englische Flotte, die 20
Seemeilen südlich von Cuddalore vor Anker lag. Ihre leichten Schiffe und
Transporter befanden sich dicht unter der Küste in der Nähe des
englischen Heeres, von dem Bussy am gleichen Tage in einem, allerdings
sehr verlustreichen, Gefechte in die Stadt zurückgeworfen war. Alles hing
jetzt von dem Kampfe der Flotten ab, und es folgte =die fünfte und letzte
Schlacht zwischen Suffren und Hughes=, vor der es ersterem noch gelang,
die Besatzungen seiner Schiffe durch Soldaten vom Lande aufzufüllen.
$Die Schlacht bei Cuddalore, 20. Juni 1783.$ =Die englische Flotte=
zählte 18 Schiffe in der Linie: 1 zu 80 Kanonen, 5 zu 74, 1 zu 68, 9 zu
64, 2 zu 50; die =französische= 15: 5 zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 1 zu 60,
2 zu 50.
Beim Erscheinen =Suffrens= verlegte =Hughes= seinen Ankerplatz auf etwa
5 Seemeilen an die Stadt heran und der französische Admiral ankerte
südlich von ihm. Am 14. Juli ging =Suffren= wieder unter Segel, kam
aber infolge flauer und umspringender Winde erst am 16. auf etwa 10
Seemeilen dem Gegner nahe. Jetzt lichtete auch =Hughes= Anker und
steuerte bei südlichem Winde in die offene See hinaus; ihm lag mehr
daran, zur Schlacht die Luvstellung zu gewinnen, als die Verbindung des
Feindes mit der Stadt zu hindern. Der folgende Tag ging mit Manövrieren
der Flotten bei westlichem Winde hin, aber =Suffren= ließ sich hierbei
nicht weit von der Küste abziehen. Er bat den General =Bussy= um
Mannschaften zur Auffüllung seiner Besatzungen -- diese zählten meist
nur drei Viertel des Etats und bestanden außerdem noch zur Hälfte aus
Soldaten oder Sepoys -- ankerte am Abend dicht vor Cuddalore und nahm
während der Nacht 600 Soldaten und 600 Sepoys an Bord. Am 18. begann
das Manövrieren um den Wind aufs neue; in guter Ordnung zum Angriff
heranzukommen, gelang der französischen Flotte trotz ihrer Luvstellung
nicht, weil die sämtlich gekupferten englischen Schiffe besser
segelten. Da der Wind wider Erwarten westlich blieb, entschloß sich
=Hughes= endlich am 20. Juli die Schlacht in der Leestellung
anzunehmen; er erwartete den Angriff über Steuerbordbug mit nördlichem
Kurse. =Suffren= führte seine Schiffe in gleicher Lage heran und ließ
um 3-1/2 Uhr nachmittags zum Nahgefecht abhalten. Um 4 Uhr begann der
Kampf auf der ganzen Linie, wie gewöhnlich bei dieser Art des Angriffes
war er zwischen der beiderseitigen Vorhut und Mitte schärfer als
zwischen der Nachhut. Eine französische Quelle (Troude, Band II, Seite
232) schreibt, daß die Engländer während des Gefechtes beständig
abgehalten hätten, um den Feind immer weiter vom Lande abzuziehen, die
Franzosen jedoch auf Signal ihres Admirals stets gefolgt wären, bis es
um 6-1/2 Uhr dunkel wurde und die Schlacht endete.
=Die Verluste= betrugen auf englischer Seite 103 Tote und 434
Verwundete, auf französischer 102 bzw. 386; die Schiffe scheinen bei
beiden Parteien keine besonders großen Beschädigungen erlitten zu
haben.
=Es ist bemerkenswert=, daß =Suffren= den Kampf von einer Fregatte aus
leitete. Er hatte vor wenigen Monaten Befehl erhalten, dies der
besseren Übersicht wegen zu tun, sobald er mehr als 9 Schiffe
befehlige; die gleiche Weisung war auch an andere französische Admirale
ergangen. Er schrieb zurück, er würde danach handeln, falls er es für
nützlich hielte. Wenn er aber annehmen müsse, vom Flaggschiff aus
ebensogut leiten zu können, werde er es nicht aus der Hand geben, auch
durch sein Beispiel im Gefechte zu nützen[185].
[185] Bereits früher (Seite 264) wurde darauf hingewiesen, daß auch der
englische Admiral =Howe= sich am 11. August 1778 vor einer
(voraussichtlichen) Schlacht auf eine Fregatte begab, sowie auf
Mahans Auslassungen über den Platz des Flottenführers.
=Suffren= wich in dieser Schlacht auch vom französischen Brauch dadurch
ab, daß er angriff, aber er wählte dazu die alte englische Form. Er
hatte zwar in Trincomali verschiedene Gefechtspläne bekannt gegeben,
deren einer empfahl, die 5 74-Kanonenschiffe die Nachhut bilden und mit
ihnen die feindliche Linie hinten dublieren zu lassen, während die
übrigen 10 mit weiteren Entfernungen untereinander den Feind von Luvard
aus auf der ganzen Linie beschäftigen sollten. In dieser Formation
segelte die Flotte auch am 14. und 15. Juli, aber später nicht mehr;
=Suffren= hat doch wohl nach den bisherigen Erfahrungen mit seinen
Kommandanten nicht gewagt, ein derartig außergewöhnliches Manöver
durchzuführen. Übrigens klagte er nach dieser Schlacht nicht über seine
Untergebenen.
=Die Schlacht bei Cuddalore war ein voller Erfolg Suffrens.= =Hughes= lag
während der kommenden Nacht bei, ging aber dann nach Madras; als Gründe
hierfür gab er die große Zahl seiner Kranken, Wassermangel und die
Beschädigungen der Schiffe an. Er schrieb, ihm fehlten 1100 Mann, also
fast genau die Zahl, die sein Gegner vor der Schlacht eingeschifft hatte,
weil er ihn ohne Kampf mit dem Lande in Verbindung treten ließ. Er stand
mithin nicht schlechter da als sein Gegner, und es ist wahrscheinlicher,
daß er den Kampf aufgab, weil sein Selbstvertrauen dem tatkräftigen
Feinde gegenüber stark erschüttert war. =Suffren= hatte am 21. Juni
morgens 25 Seemeilen nördlich von Cuddalore geankert und ging am 22. nach
der Stadt zurück, als die englische Flotte nach Norden absegelte. Er
hatte mit geringeren Kräften den Feind zur Aufgabe der Blockade gezwungen
und dann durch die Schlacht ganz vertrieben.
$Das Ende des Krieges.$ Cuddalore war entsetzt und die Aussichten der
belagernden Engländer trostlos. Ihre Transporter, die bei Annäherung der
französischen Flotte das Weite gesucht hatten, konnten nicht wieder
zurückkommen, und die Kavallerie des Sultans bedrohte ihre Verbindungen
am Lande. Am 25. Juni schrieb der kommandierende General: »Ich bin ratlos
seit dem Weggang unserer Flotte, wenn ich den Charakter Suffrens und die
Überlegenheit der Franzosen am Lande bedenke.« Aus dieser Verlegenheit
wurde er aber erlöst, als am 29. eine englische Fregatte von Madras die
Nachricht des Friedensschlusses brachte. Diese beruhte zwar nur auf
nichtamtlichen Briefen, lautete aber so bestimmt, daß die obersten
Behörden beider Völker in Indien schon am 8. Juli vereinbarten, die
Feindseligkeiten einzustellen.
Den Engländern lag viel daran, baldigst die Hände gegen =Tippu= frei zu
bekommen. Die Franzosen versuchten zwar bei den Verhandlungen, für ihren
Verbündeten einzutreten; und die Engländer erklärten sich auch bereit,
mit diesem gleichfalls Friedensverhandlungen anzuknüpfen, lehnten aber
jedes Versprechen betreffs der Bedingungen ab. =Bussy= zog nach Eintritt
des Waffenstillstandes seine Truppen vom Heere des Sultans zurück,
=Tippu= räumte darauf das Carnatic und begann Unterhandlungen. In einem
im März 1784 geschlossenen Vertrage gaben sich beide Teile die gemachten
Eroberungen zurück. =Die Herrschaft Englands in Indien war gesichert.=