$Die Schlacht bei Providien am 12. April 1782.$ =Suffren= bat von Porto

Novo aus sowohl den Marineminister wie den Gouverneur der Maskarenen

dringend um Truppen, diesen ferner um Seeleute. Wenn sich das Geschwader

an der Küste halten und man den Sultan mit Soldaten unterstützen könne,

so würde dieser die Engländer mit Erfolg bekämpfen. Am 23. März ging er

aufs neue in See, um den Feind zu suchen; er hoffte, zwei Linienschiffe

abzuschneiden, die aus England erwartet wurden; dies gelang jedoch

nicht. =Hughes= hatte vierzehn Tage ausgebessert und war dann nach Madras

gesegelt, um von dort Truppen und Material für Trincomali zu holen. Auf

seiner Rückfahrt stießen am 30. März die beiden Schiffe zu ihm. Am 8.

April sichtete er das französische Geschwader, das ebenfalls südlich

steuerte, er setzte jedoch seine Reise fort, um vor allem Trincomali zu

verstärken. Am 10. nahmen die Franzosen ihm zwei zurückgebliebene

Transporter ab und am 12., nicht weit von seinem Ziele, erkannte er, daß

die schnellsten feindlichen Schiffe seine langsamsten einholen würden. Er

mußte sich somit zur Schlacht entschließen. Die Flotten befanden sich auf

der Höhe der kleinen Felseninsel Providien, etwas südlich von

Trincomali[180].

[180] Dieselbe Ursache, die Gefahr des Abschneidens von Schiffen, zwang

am gleichen Tage =de Grasse= zur Annahme der verhängnisvollen

Schlacht bei Dominica.

[Illustration: Die Schlacht bei Providien, 12. April 1782.]

$Die Schlacht bei Providien.$ Die Flotten waren die gleichen wie bei

Sadras, die englische jedoch um 1 74- und 1 64-Kanonenschiff verstärkt.

Es standen also 12 Franzosen gegen 11 Engländer, erstere etwa 6

Seemeilen zu Luward der letzteren bei nördlichem Winde. Um 9 Uhr

vormittags bildete =Hughes= die Gefechtslinie über Backbordbug, Kurs

WNW, =Suffren= tat das gleiche und befahl dann um 11 Uhr, als die

Schiffe gut ausgerüstet waren, zugleich auf Kurs WSW abzuhalten (Plan

A, a); =Hughes= erwartete den Angriff unter kleinen Segeln; =Suffren=

beabsichtigte, seine Linie Schiff gegen Schiff an die feindliche

heranzuführen, nur das überschießende zwölfte sollte das letzte

englische von Lee her dublieren. Es war also ein Angriff nach altem

englischen Brauch und hatte die übliche Folge, daß die Vorhut der

Franzosen, in der außerdem die schnellsten Schiffe standen, früher an

den Feind herankam als die Mitte oder gar die Nachhut, sowie daß

sämtliche Schiffe, sobald sie in Schußweite anlangten, dem

Breitseitfeuer der Gegner ausgesetzt waren, ohne es erwidern zu können.

Die drei vordersten Franzosen gingen nun schon an den Wind, als sie

gegen 1 Uhr die ersten Schüsse erhielten, und nahmen das Feuer auf; sie

blieben auch in diesem Abstande vom Feinde, obgleich der Admiral

befahl, näher heranzugehen.

=Suffren= dagegen segelte ohne zu feuern mit dem Flaggschiff (»Héros«,

74) bis auf Pistolenschußweite an das englische (»Superb«, 74) heran,

heißte das Signal für »Nahgefecht« (1-1/2 Uhr) und drehte auf. Sein

Vordermann, sowie 3 Hinterleute nahmen nach und nach ihre richtigen

Plätze ein, während die zurückgebliebenen vier letzten Schiffe weit vom

Feinde abblieben, da sie gleichzeitig mit dem Flaggschiff an den Wind

gegangen waren; sie hatten den Auftrag nur dem Buchstaben, nicht dem

Sinne nach befolgt, auch sie kamen trotz späterer Befehle nicht näher.

Die französische Flotte bildete so eine Kurve, von der nur 5 Schiffe

ernstlich in den Kampf eintraten (Plan A, b). Das Hauptgefecht entspann

sich beim englischen Flaggschiff. »Héros« hatte wegen Beschädigungen in

der Takelage nicht gleich querab von »Superb« zum Stehen gebracht

werden können, sondern war vorgeschossen und lag neben dessen

Vordermann (»Monmouth«, 64); sein Hintermann »L'Orient« nahm den Platz

neben »Superb« ein. »Monmouth« wurde entmastet und trieb aus der Linie;

da »Héros« unwillkürlich nachdrängte, kam er vor »Superb« zu liegen. So

wurde dieses Schiff durch »Héros« mit den Heckgeschützen von vorn

beschossen, während es mit »L'Orient« und dessen Hintermann, der auf

des Admirals Befehl aufgesegelt war, im Breitseitkampfe lag (Plan B);

es litt schwer. Gegen 3-1/2 Uhr gab =Hughes= den Befehl, zugleich zu

halsen und die Linie über Steuerbordbug zu bilden, weil man sich der

Küste mit ihren Korallenriffen zu sehr näherte. =Suffren= folgte dem

Beispiele und erneute den Befehl zum Angriff mit der besonderen Weisung

an ein Schiff, den »Monmouth« zu nehmen, der hilflos zwischen den

beiden Linien lag. Das Manöver des Halsens wurde von der englischen

Flotte schneller ausgeführt als von der französischen, sie gewann

Vorsprung, und es gelang einem ihrer Schiffe, den »Monmouth« in Schlepp

zu nehmen und in Lee der englischen Linie zu tauen. Zum Nahkampf kam es

nicht wieder. Schwere Gewitterböen gaben den Schiffen genug mit sich

selbst zu tun, namentlich den französischen, die in Unordnung geraten

waren, weil einige das Halsen ungeschickt ausgeführt, andere sogar

gewendet hatten. =Suffren=, der um 5-1/2 Uhr von seinem beschädigten

Flaggschiffe auf ein anderes übergegangen war, gab um 6-1/2 Uhr den

Befehl, das Gefecht abzubrechen.

Nach dem Gewitter wurde es flau und die Nacht brach schnell herein.

Beide Admirale sahen sich wegen der Nähe der Korallenriffe, sowie mit

Rücksicht auf die Beschädigungen der Schiffe zwischen 7 und 8 Uhr

genötigt zu ankern, wo sie waren. »Héros« kam, nach Lee getrieben,

dicht neben die englische Flotte zu liegen; der Versuch einer Fregatte,

ihn wegzuschleppen, mißlang, jedoch entzog er sich in der Nacht bei

umspringendem Winde der gefährlichen Lage.

=Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 137 Tote und 357

Verwundete, auf englischer 137 und 430. Von den letzteren kamen allein

104 bzw. 198 auf »Monmouth« und »Superb«, während sich der französische

Verlust gleichmäßiger auf alle Schiffe verteilte. Auf den fünf

hauptsächlich beteiligten war er natürlich etwas stärker, aber auch die

Schiffe der Vorhut und der Nachhut hatten gelitten; dies ist wohl ein

Zeichen, daß das englische Feuer auf weitere Entfernung wirksamer

gewesen war als das französische[181].

[181] =Chevalier= (II, Seite 409) gibt die Verluste der einzelnen

französischen wie englischen Schiffe an; Troude (Band II, Seite

179) schildert kurz die Beteiligung der verschiedenen

französischen Schiffe am Kampfe. Beide Autoren behandeln die

späteren Schlachten Suffrens in gleicher Weise.

=Die Schlacht blieb unentschieden=; beide Parteien ankerten darauf etwa 2

Seemeilen voneinander entfernt an der Küste und blieben hier 6 Tage

liegen, mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Am 19. April lichtete

=Suffren= Anker und bot dem Gegner den Kampf an, =Hughes= nahm ihn mit

Rücksicht auf ein stark beschädigtes Schiff (»Monmouth«) nicht an; ihn

anzugreifen, wagte aber Suffren nicht. Hierfür gab er in seinem Berichte

verschiedene Gründe an, von denen aber wohl nur der für ihn

ausschlaggebend war, daß er sich nicht auf die Fähigkeit und Tatkraft all

seiner Kommandanten verlassen konnte[182]. Am 20. April segelte er nach

Batticaloa, etwa 60 Seemeilen südlich von Trincomali. Dieses war noch in

holländischem Besitze, und von hier aus konnte er von Europa kommende

französische Zufuhren decken, sowie englische abfangen. =Hughes= lief am

28. April in Trincomali ein.

[182] Suffren führte ferner an: der Ankerplatz der Engländer zwischen

den Bänken sei für einen Angriff zu gefährlich gewesen, drei

französische Schiffe hätten bereits beim Ankern am 12. April

Korallenriffe berührt; es sei nur noch für ein Gefecht Munition

vorhanden gewesen; es habe ihm an Mannschaften sowie an

Reserverundhölzern gemangelt, wofür er Abhilfe in Batticaloa

erwartete. Über seine Kommandanten berichtete Suffren, daß er

nichts leisten könne, wenn nicht 5 oder 6 abgelöst würden.

$Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ =Suffren= fand in

Batticaloa Befehl vor, nach Isle de France zurückzukehren, wo ihm 2

Linienschiffe einen Transport von Frankreich zuführen würden. Obwohl ihm

Mannschaften, Material zum Ausbessern der Schiffe, Tauwerk sowie

Rundhölzer fehlten, und er nur noch für eine größere Schlacht Munition

hatte, obschon ein großer Teil seiner Offiziere Indien gern verlassen

haben würde, nahm er die Verantwortung auf sich, zu bleiben. Zu seinen

Offizieren äußerte er, er wolle lieber seine Schiffe vor den Mauern von

Madras untergehen lassen, als das Feld räumen. Dem Gouverneur der

Maskarenen schrieb er, die Reise nach Isle de France, das Ausrüsten dort

und die Rückfahrt nach Indien würden 6 Monate in Anspruch nehmen, die bei

der Lage der Dinge in Indien für die französische Sache verhängnisvoll

werden würden; er könne an Ort und Stelle die Verhältnisse besser

beurteilen als der Minister in Versailles.

Mit Eifer betrieb er die Instandsetzung der Flotte. Einige

Bedarfsgegenstände erhielt er in Batticaloa, andere beschaffte er von der

dänischen Niederlassung Tranquebar. Während dieser Zeit ließ er beständig

Fregatten kreuzen und hielt eine Division Linienschiffe zum Auslaufen

bereit; fast wäre es dieser am 13. Mai geglückt, einen von Bombay nach

Madras bestimmten englischen Konvoi abzufangen, sie mußte jedoch die

Verfolgung abbrechen, um nicht die englische Flotte in Trincomali

zwischen sich und Batticaloa kommen zu lassen. Am 16. Mai traf auch ein

französischer Transport ein und am 3. Juni war die Flotte wieder seeklar.

=Suffren= segelte nun nach Tranquebar, wo er holländische Schiffe mit

Lebensmitteln vorfand. Von hier aus störte er die Verbindung zwischen

Madras und Trincomali; es glückte ihm, einige englische Transporter

aufzubringen.

Am 20. Juni ging =Suffren= nach Cuddalore, um mit dem französischen

General und =Haidar-Ali= in Verbindung zu treten. Der Sultan äußerte sich

sehr mißbilligend über die schwächliche Unterstützung seitens des

Generals =Du Chemin=; Vorteile, die er den Engländern gegenüber errungen,

seien dadurch wieder hinfällig geworden. Von Suffren dagegen hielt

=Haidar= viel und wünschte deshalb, mit ihm persönlich in Verbindung zu

treten, sobald er von der beabsichtigten Expedition zurück sei. Der

Admiral hatte nämlich erfahren, daß die englische Flotte sich wieder an

der Küste aufhalte, und beschlossen, vor allem den Kampf um die

Seeherrschaft zum Austrag zu bringen; wenn er einen Erfolg erzielt habe,

wollte er Negapatam angreifen. Zu diesem Unternehmen schiffte er 700

Soldaten, sowie 800 Sepoys ein und =Haidar= zog gleichfalls Truppen

zusammen, aber der Kampf zur See blieb in Suffrens Augen die Hauptsache;

die eingeschifften Truppen sollten gleichzeitig zur Auffüllung der

Schiffsbesatzungen dienen.

Beachtenswert ist, wie es der Umsicht des Admirals gelungen war, die

Flotte schlagfertig zu machen. Während er Ende März fast von allem

entblößt war, und obgleich er seitdem eine große Schlacht geschlagen

hatte, konnte er jetzt berichten, daß die Schiffe ohne weitere Zufuhren

sechs Monate lang die See halten könnten; er wies darauf hin, daß das

Aufbringen von Prisen viel hierzu beigetragen habe, und bat deshalb um

größere gekupferte Fregatten für diesen Zweck, falls der Krieg noch

länger dauern würde.

=Hughes= hatte acht Wochen zur Ausbesserung des »Monmouth« gebraucht;

Trincomali war noch nicht lange genug in englischem Besitz, um schon als

vollwertiger Ausrüstungshafen zu gelten. Am 23. Juni segelte er nach

Negapatam. =Suffren= verließ Cuddalore am 3. Juli und sichtete am 5. um 1

Uhr nachmittags den vor Anker liegenden Feind. Dieser ging um 3 Uhr in

See und steuerte südlich, um sich die Luvstellung zu sichern; es war die

Zeit der SW-Monsuns. Am Abend ankerten die Franzosen wegen Windstille,

gingen aber am anderen Tage mit Hellwerden wieder unter Segel, und es kam

zur Schlacht.

$Die Schlacht bei Negapatam am 6. Juli 1782.$ Ein französisches

64-Kanonenschiff hatte am 5. nachmittags in einer Bö die Groß- sowie

die Kreuzmarsstänge verloren und war am 6. noch nicht wieder

kampfbereit; es blieb unter dem Schutz zweier Fregatten in Lee der

Flotte. Es standen so auf jeder Seite 11 Schiffe in der Linie. Beide

Gegner steuerten bei SW-Wind über Backbordbug SO, die Engländer zu

Luward. Um 10-1/2 Uhr vormittags hielt =Hughes= in üblicher Weise zum

Angriff ab und um 11 Uhr lagen die beiden Flotten in parallelen Linien

Schiff gegen Schiff im Gefecht, nur die englische Nachhut war, wie so

häufig bei dieser Angriffsart, etwas weiter vom Feinde entfernt (Plan,

Stellung I). Bald nach Beginn des Kampfes verlor auf französischer

Seite das vierte Schiff von vorn (»Brillant«, 64) den Großmast, mußte

sich in Lee seiner Linie bergen (a) und blieb dann zurück (a'); auf

englischer Seite wurde das Spitzenschiff »Hero«, 64, b) so beschädigt,

daß es sich gleichfalls aus dem Gefecht zog; es segelte nach Negapatam.

Der Kampf war heiß bei Vorhut und Mitte.

Um 1 Uhr nachmittags sprang der Wind plötzlich auf SSO; die meisten

Schiffe beider Flotten fielen nach der dem Feinde abgewendeten Seite

ab, die Engländer nach Steuerbord, die Franzosen nach Backbord; von

ersteren blieben jedoch das 4. und 5. (»Burford«, 70 und »Sultan«, 74),

sowie das 8. und 10. (»Worcester«, 64 und »Eagle«, 64) über Backbordbug

liegen, und von letzteren drehten das 3. (»Sévère«, 64) und der

beschädigt zurückgebliebene »Brillant« nach Steuerbord. Diese 6 Schiffe

lagen also zwischen den beiden Flotten (Stellung II), und es kam zu

Teilgefechten. »Sultan« griff »Sévère« an, woran sich »Burford« auf

weitere Entfernung beteiligte, und das französische Schiff strich auf

Befehl des Kommandanten dem überlegenen Feinde gegenüber bald die

Flagge. Als dann aber »Sultan« und auch »Burford« das Feuer einstellten

und abhielten, heißte der Franzose die Flagge wieder und enfilierte den

»Sultan« von hinten. Offiziere und Mannschaften hatten die feige

Ergebung nicht anerkannt, der erste Offizier übernahm das Kommando; das

Schiff vereinigte sich dann mit seiner Flotte (Stellung III, a).

»Brillant« kam ins Gefecht mit den beiden anderen Engländern, wurde

aber von =Suffren= selber (»Héros«, 74) und »Annibal« (50) befreit (b).

Der französische Admiral hatte bald nach dem Abfallen seine Schiffe

durch Halsen über Steuerbordbug legen lassen, um die Bedrängten zu

unterstützen; wenn die dem »Brillant« am nächsten stehenden »Artésien«

und »Vengeur« (c) rechtzeitig Segel gemehrt hätten, so hätten sie

voraussichtlich den »Eagle« nehmen können. =Hughes= hatte nach dem

Abfallen den Befehl zum Halsen und den zur »Allgemeinen Jagd« gegeben,

da sich aber zwei Schiffe manövrierunfähig meldeten, widerrief er ihn,

sammelte seine Schiffe über Steuerbordbug und führte sie nach Westen.

=Suffren= tat ein gleiches, erreichte aber den Feind nicht mehr; die

letzten Schüsse fielen gegen 3 Uhr. Abends ankerten die Engländer vor

Negapatam, die Franzosen etwa 10 Seemeilen nördlicher.

=Die Verluste= betrugen auf französischer Seite 178 Tote und 601

Verwundete, auf englischer 77 und 223; die englischen Schiffe hatten

wie gewöhnlich mehr in der Takelage gelitten. Der auffallend größere

Verlust der Franzosen ist wohl der Überfüllung ihrer Schiffe mit

Soldaten zuzuschreiben.

[Illustration: Schlacht bei Negapatam, 6. Juli 1782.]

=Die Schlacht bei Negapatam war ein Mißerfolg Suffrens.= Er hatte die

größeren Verluste, ohne den Gegner vernichtet oder wenigstens von

Negapatam vertrieben zu haben. Wieder traf zum Teil einige seiner

Kommandanten die Schuld, und seine Geduld war jetzt erschöpft; er

entfernte drei von ihrem Kommando. Am 7. Juli verlangte =Hughes= durch

einen Parlamentär die Übergabe des »Sévère«, weil er die Flagge

gestrichen habe. =Suffren= hatte sie wohl eine Zeitlang vermißt, dies

aber mit Abschießen der Flaggleine erklärt. Erst jetzt erfuhr er die

Feigheit des Kommandanten und den dadurch verursachten Bruch des

Kriegsrechts. Er gab indessen dem Verlangen des englischen Admirals nicht

Folge, schickte aber den Kommandanten sofort nach Frankreich, wo ihn der

König kassierte. Er entsetzte aber auch die Kommandanten des »Artésien«

und des »Vengeur«, der beiden Spitzenschiffe, am 12. von ihrem Kommando;

der eine hatte schon bei Porto Praya, der andere am 16. Februar versagt.

Der Kommandant des »Ajax«, der vor der letzten Schlacht sein Schiff nicht

schnell genug instandgesetzt, legte sein Kommando freiwillig (?) aus

Gesundheitsrücksichten nieder.

=Suffren= entschuldigte sich in seinem Berichte, daß er nicht schon

früher habe Strenge walten lassen, aber selbst als Admiral sei er nicht

berechtigt, Kommandanten abzusetzen, und er sei nicht Flaggoffizier

(wenigstens wußte er es noch nicht). Der König billigte seine Maßnahmen

und ging durch Dienstentlassung von drei anderen Kapitänen sogar noch

weiter.

=Suffren= hat aber doch wohl zuweilen unter dem augenblicklichen

Eindruck eines Mißerfolges seine Untergebenen zu schroff beurteilt.

Mehrere der Angegriffenen hatten sich während ihrer früheren Dienstzeit

als tüchtig bewiesen, und er selber lobt bei einer Gelegenheit solche,

die er bei einer anderen scharf verurteilt hat und umgekehrt. Wenn sie

seine Absichten nicht durchführten, so lag dies zum Teil wohl daran,

daß sie als Anhänger des alten Brauches kein Verständnis dafür hatten.

$Suffren erobert Trincomali.$ =Suffren= segelte am 8. Juli nach Cuddalore

und stellte hier seine Schiffe mit bewundernswertem Geschick wieder her.

Es fehlten allein 19 Marsstängen, außerdem Untermasten, Raaen, Tauwerk

sowie Segel, und in Cuddalore war kein Material vorhanden. Aber mit den

Rundhölzern der Fregatten und kleineren Schiffen setzte man die

Linienschiffe, mit solchen englischer Prisen die Fregatten instand;

andere Spieren wurden von der Straße von Malakka geholt. Ferner riß man

Häuser nieder, um das Holz zum Ausbessern der Schiffsrümpfe zu verwenden.

Die Arbeiten mußten auf offener Rhede mit häufig schwerer See ausgeführt

werden, aber sie wurden gefördert unter dem Auge des Oberbefehlshabers,

der »trotz seiner Körperfülle« ohne Rast zu angestrengter Tätigkeit

ermunterte. Schon am 18. Juli war die Flotte wieder see- und

gefechtsklar.

Der Admiral hatte erfahren, daß von Isle de France 2 Linienschiffe, 1

Fregatte, sowie Transporter mit Lebensmitteln, Munition und 600 Soldaten

unterwegs seien und daß zwei große Konvois mit 5000 Mann unter General

=de Bussy=, dem Mitstreiter des Gouverneurs Dupleix im Siebenjährigen

Kriege, von Frankreich erwartet würden[183]. Vom Angriff auf Negapatam

sah er wegen der Nähe der englischen Flotte vorläufig ab, beschloß den

Verstärkungen entgegenzugehen und sich Trincomalis zu bemächtigen. Vorher

jedoch fand die beabsichtigte Besprechung mit =Haidar Ali= statt, der mit

einem großen Teile seines Heeres bis in die Nähe von Cuddalore

herangerückt war.

[183] Frankreich schickte Ende 1781 und Anfang 1782 verschiedentlich

Verstärkungen nach Indien, von denen aber mehrere in Feindeshand

fielen. Vgl. z. B. Seite 323 und 345.

$Die Verhältnisse im Landkriege$ gestalteten sich zugunsten Englands.

Die Mahratten hatten im Mai 1782 Frieden geschlossen, der allerdings

erst im Dezember ratifiziert wurde. Infolgedessen drangen die Engländer

von Bombay aus an der Westküste vor und =Haidar= glaubte sich genötigt,

entweder auf den auch ihm angebotenen Frieden einzugehen oder sein Heer

zur Verteidigung des eigenen Landes aus dem Carnatic zurückzuziehen;

von den französischen Truppen konnte er Unterstützung nicht erwarten,

da sie kaum genügten, Cuddalore zu halten. Bei Zusammenkünften am 26.

und 29. Juli, bei denen Haidar dem von ihm hochgeschätzten Admiral

große Ehren erwies, gelang es nun =Suffren=, den Sultan durch Hinweis

auf die Ankunft =de Bussys= zur Fortsetzung des Krieges zu bewegen.

=Haidar= schickte seinen Sohn =Tippu Sahib= zur Malabarküste und blieb

mit der Hauptmacht im Carnatic.

=Suffren= ging dann am 1. August in See und erreichte am 9. Batticaloa;

von Cuddalore hatte er 600 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie

Artillerie mitgenommen. Am 21. stieß die erstgenannte Verstärkung zu ihm,

am 24. segelte er nach Trincomali, in der Nacht vom 26./27. wurden 2300

Mann gelandet, am 27. und 28. Batterien von Schiffsgeschützen errichtet

und am 29. das Feuer gegen die beiden Forts eröffnet, die die Stadt

verteidigten. Schon am 30. August begannen Verhandlungen. =Suffren=, der

die Ankunft =Hughes=' erwarten mußte, bewilligte der etwa 1000 Engländer

und 600 Sepoys starken Besatzung Abzug mit allen Ehren, worauf die Forts

am 31. übergeben und die Abziehenden nach Madras geschickt wurden.

=Suffren= schiffte sofort die von den Schiffen entnommenen Mannschaften

und Geschütze wieder ein, ließ jedoch eine starke Garnison zurück, so daß

er aller Sorge um den Platz enthoben war.

$Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ =Hughes= hatte nach

der letzten Schlacht in Negapatam mit dem Ausbessern begonnen, war aber

am 20. Juli nach Madras gegangen, um mit dem dort vorrätigen Material die

Arbeiten besser auszuführen. Am 12. August waren sie nahezu beendet, es

unterliegt aber keinem Zweifel, daß dies bei der Übung der Engländer

früher der Fall gewesen wäre, wenn der Admiral den gleichen Eifer

entfaltet hätte wie sein Gegner; so ging er auch erst am 20. in See,

obgleich er um die Abfahrt der Franzosen nach dem Süden wußte, und traf

dann am 2. September vor Trincomali ein, um wenige Tage zu spät zur

Rettung dieses Platzes durch eine, wenn auch vielleicht nur

unentschiedene Schlacht. Diese kurze Zeit hätte er sicher erübrigen

können; jetzt gab ihm nicht einmal ein voller Sieg die Gewißheit,

Trincomali wiederzunehmen.

Als die englische Flotte erschien, ging =Suffren= ihr entgegen: zum

Kampfe um die Seeherrschaft, zumal, da er wußte, daß dem Gegner bald eine

ansehnliche Verstärkung in Aussicht stehe.

$Die Schlacht bei Trincomali am 3. September 1782.$ Die französische

Flotte zählte jetzt 14 Linienschiffe, außerdem hatte =Suffren= eine

schwere 36-Kanonenfregatte, einen genommenen englischen

Ostindienfahrer, eingestellt. Die englische bestand aus 12

Linienschiffen; in Madras war ein Schiff der unter Kapitän =Bickerton=

erwarteten Verstärkung zu ihr gestoßen, das in einem Sturme von den

anderen abgekommen war.

Am 2. September nachmittags wurde das Nahen der Engländer in Trincomali

gemeldet; =Suffren= ging am 3. in aller Frühe in See. Die englische

Flotte kam um diese Zeit bei frischem SW-Winde SSO auf den Hafen

zusteuernd in Sicht, drehte aber ab, als sie die französische Flagge am

Lande wehen und die feindliche Flotte aus dem Hafen kommen sah.

=Hughes= hatte keineswegs die Absicht, den Kampf zu vermeiden, obgleich

der Gegner zu Luvard stand, aber er wollte diesen vorher möglichst weit

von dem Hafen abziehen, um etwa in der Schlacht beschädigten Schiffen

die Rückkehr dorthin zu erschweren. Er scheint aber auch darauf

gerechnet zu haben, daß der Feind bei längerem Folgen in Unordnung

geraten und dann übereilt angreifen würde, wenn er ihm erst am

Nachmittage den Kampf anböte; er kannte die ungleiche Segelfähigkeit

der feindlichen Schiffe, von denen nur die Hälfte gekupfert war, sowie

deren Kommandanten, die an Geschicklichkeit den seinigen nicht

gleichstanden.

[Illustration: Schlacht bei Trincomali, 3. September 1782.]

Sein Plan gelang durch vorzügliches Manövrieren. Er zog sich unter

häufiger Kursänderung nach NO zurück, richtete dabei die Fahrt nach den

langsamsten Schiffen ein und benutzte seinen Vorsprung, von Zeit zu

Zeit die Ordnung zu verbessern. Die Franzosen folgten mit vollen Segeln

und kamen tatsächlich bald in Unordnung, obgleich auch =Suffren= durch

zeitweises Anluven dem entgegenzuwirken versuchte. Die lange, mühsame

Verfolgung erregte endlich den hitzigen Admiral, er verlor seine Ruhe.

»Signal folgte auf Signal. Bald luvten die Schiffe an, bald hielten sie

ab, als ob sie unentschlossen wären, was zu tun sei,« berichtete

Hughes. Als =Suffren= um 2 Uhr nachmittags endlich etwa 25 Seemeilen

von Trincomali entfernt auf Gefechtsweite an den Gegner heran war, der

ihn jetzt gut geschlossen und ausgerichtet über Backbordbug mit halbem

Winde erwartete, gab er das Signal, an den Wind zu gehen, um nochmals

die Linie zu verbessern (Plan A). Langsame Ausführung des Befehles und

Fehler dabei machten die Sache jedoch eher schlimmer, und der Admiral,

dem die Geduld ausging, gab um 2-1/2 Uhr Befehl, zum Herangehen auf

Pistolenschußweite wieder abzuhalten.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 54 / 63 段