Wohl mit Recht sagt =Chevalier= (II, Seite 380), =d'Orves= hätte sich

sicher in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der

holländischen Negapatam Proviant für einen Monat verschaffen können,

und Cuddalore wäre, zu Lande und zu Wasser eingeschlossen, sowie von

Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen.

Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel sowie

Krankheiten, und =Eyre Coote= würde genötigt gewesen sein, sich auf

Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader

wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und

anderseits glaubte =Haidar= ihn so geschwächt, daß er seine bisherige

vorsichtige Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto

Novo eine Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine

Niederlage, die ihn zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen

aus Bengalen folgte =Coote= und errang im August weitere Erfolge; ganz

aus dem Carnatic ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben.

Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen, =die Engländer

nahmen= im November 1781 nach kurzer Belagerung =Negapatam= und am 12.

Januar 1782 =Trincomali= auf Ceylon, den einzigen sicheren Hafen an der

Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen bot.

Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder.

=D'Orves= erfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter Kapitän =Suffren=

unterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz

der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es

fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe. =Suffren= traf erst am 25.

Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, die

Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader

instand gesetzt werden. =Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt der Kampf in

Ostindien eine hohe Bedeutung in der Seekriegsgeschichte[177].=

[177] Die Ereignisse in Indien sind in unseren Hauptquellen: Lacour II,

Chevalier II, Mahan I, mit großer Sorgfalt behandelt. Lacour

bringt viele Auszüge aus Briefen und Berichten Suffrens,

Chevalier beschreibt die Schlachten sehr genau und Mahan gibt

eingehende Kritiken in taktischer wie strategischer Hinsicht. Wir

haben versucht, bei möglichster Kürze allen gerecht zu werden.

$Suffren[180] rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie

1781.$ Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der

Kapkolonie bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die

Kapkolonie war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die

französischen Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von

dort. England schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des Admirals

=Darby= auf seiner Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen

nebst 35 teilweise armierten Transportern mit Truppen unter Kommodore

=George Johnstone= ab, und Frankreich schloß der Flotte, die unter =de

Grasse= am 22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8

Transportern unter Kapitän =Suffren= an, auf denen 1000 Mann Infanterie,

sowie eine Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader

trennten sich an der spanischen Küste von ihren Flotten.

[178] =Suffren de Saint Tropez=, Pierre Andrée, Chevalier (später

Bailli) de, war am 17. Juli 1729 auf dem Schlosse St. Cannat bei

Marseille geboren, trat 1743 in die Marine ein, ward Leutnant

1756, Kapitän 1772, Chef d'Escadre 1782, Lieutenant-Général 1783,

Vizeadmiral (in einer für ihn geschaffenen vierten Stelle) 1784,

er starb am 8. Dezember 1788; sein plötzlicher Tod kam nicht

unerwartet, da er zum Schlagfluß neigte, doch tauchte später das

Gerücht auf, er sei in einem Duell gefallen, das durch seine

Tätigkeit in Indien veranlaßt sei. Er erhielt seine Feuertaufe

bei Toulon 1744 und nahm an der Schlacht bei Finisterre teil, im

nächsten Kriege an denen bei Minorka und Lagos. Als

Malteserritter ging er in Friedenszeiten zeitweise zum Dienste

nach Malta und machte hier Züge gegen die Barbaresken mit. In

unserem Kriege fanden wir ihn 1778/79 als hervorragenden Offizier

unter d'Estaing in Westindien und Nordamerika. Seinen höchsten

Ruhm gewann er jetzt in Indien. Seine Taten dort beschreiben Roux

sowie Troublet (vgl. Quellenverzeichnis).

=Johnstone= ankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der

portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant

zu nehmen, und auch =Suffren= lief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl,

seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen

und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten

ausgebessert werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als

er nun am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er

beim Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in

Sicht. Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als

erster zu erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er

die Gelegenheit zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den

Brauch der französischen Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen

Aufgabe unter möglichster Schonung der Schiffe im Auge zu halten,

entschloß er sich zum Kampf, obgleich er seinen Nachrichten gemäß den

Feind für stärker hielt, als dieser war. Er erkannte klar, daß am Kap wie

in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung bringe, und daß danach

gehandelt werden müsse, wo sich eine Gelegenheit zur Schwächung der

feindlichen Kräfte biete.

Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781. =Das englische

Geschwader= zählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3

50-Kanonenschiffe, 3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14-20

Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und 10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen;

=das französische= 2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 und 1 10-Kanonenkorvette.

=Johnstone= hatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich

zwar nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen

Feind, obwohl er von der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben

soll. Die schweren Schiffe lagen in unregelmäßiger Linie, die Fregatten

und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel (Plan a), die

Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das

Flaggschiff (Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark

behindert, und der Kommodore begab sich deshalb beim Nahen des Feindes

auf ein anderes Schiff (»Hero«, 74 Kanonen, Plan c). 1500 Mann des

Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum Fischen oder auf

Urlaub am Lande, als der Feind um 9-1/2 Uhr vormittags in Sicht kam.

[Illustration: Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.]

=Suffren= hatte ein gekupfertes Schiff (»Artésien«, 64 Kanonen)

vorausgeschickt, den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8-3/4 Uhr den

Feind. Der Chef gab kurz entschlossen den Befehl: »Vorbereitung zum

Gefecht vor Anker«. Er kehrte sich nicht an die Neutralität des Hafens,

war er doch selber gefangen genommen worden, als Admiral =de la Clue=

1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt wurde.

Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, die

etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er

hoch beim Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit

nach Lee getrieben sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die

Überraschung voll auszunutzen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff

(zufällig auch »Héros«, 74 Kanonen) an die Spitze der drei anderen

Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m

querab des »Hero«; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas

nach 11 Uhr das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann (»Annibal«,

74) ankerte so nahe vor ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter

auslaufen lassen mußte, wodurch es querab von einem anderen Engländer

(»Monmouth«, 64; Plan d) kam.

Der Kommandant des »Annibal« hatte zum Wassernehmen klarmachen und

Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die

Neutralität achten würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe,

begann er die Vorbereitungen zum Gefecht zu spät, und so konnte sein

Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend auftreten. Das dritte

Schiff, »Artésien«, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer für ein

Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr

Versehen mit dem Leben. Auf »Artésien« war infolge Ausfalles des

Kommandanten der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit

dem Ostindienfahrer aus dem Hafen (Plan e, e' e''), die beiden

zurückgebliebenen Franzosen (»Sphinx« und »Vengent«, 64) rundeten die

Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten dann nicht hoch

genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht (f,

f'). So hatten »Héros« und »Annibal« fast allein das englische Feuer

auszuhalten, an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und

Gewehren beteiligten; sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern.

=Suffren= kappte deshalb gegen Mittag das Ankertau und »Annibal«

folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die Masten über Bord und er

mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der Kommodore

ließ ihn durch »Sphinx« in Schlepp nehmen. =Suffren= bildete dann auf

See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach

dem Kap fortzusetzen.

=Johnstone= berief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den

Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem

Feinde. Eins seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen

Fockmast und »Monmouth« blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück.

Der englische Admiral wagte auch nicht, weit zu folgen, da er dann nur

schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er vergessen, seinem

Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was er in

dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er

1-1/2 Kanonenschußweite vom Feinde bei. Am anderen Morgen war =Suffren=

aus Sicht, und Johnstone ging nach Porto Praya zurück.

=Die Verluste= betragen auf englischer Seite 36 Tote und 130

Verwundete, auf französischer 105 und 204.

$Beurteilung der Führer.$ Nach eigenem Ausspruch wollte =Suffren=

»durch Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der

Wurzel abschneiden und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit

in Indien sichern, aus der vielleicht ein guter Friede hervorgehen

könne«.[179] Er bekundete damit, wie auch später in Indien, sein

Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der

feindlichen Streitkräfte; schon =d'Estaing= gegenüber in Westindien war

er hierfür eingetreten. Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein

Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte ihm Feuer nach beiden Seiten,

und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert hätten, würde er

wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb an

einen Freund: »Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen;

man hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.«

[179] =Suffren= suchte aber doch in seinem Berichte wegen des Bruches

der Neutralität sich zu rechtfertigen. Er schrieb, man könne den

Ankerplatz keinen Hafen, nicht einmal eine Bucht nennen, es sei

ein offener Meeresstrand. Er führte auch die Fälle auf, in denen

die Engländer früher ähnlich gehandelt hätten. Diese

Entschuldigung war nicht nötig, denn trotz der Verwicklungen, die

mit Portugal entstanden, war die Regierung über den Erfolg so

erfreut, daß =Suffren= zum Chef d'Escadre ernannt wurde, doch

erhielt er die Nachricht erst nach fast einem Jahre.

Von den französischen Kommandanten hat der des »Annibal« seine

Nachlässigkeit vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der

Mißgriff des »Artésien« ist durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die

Kommandanten der beiden anderen Schiffe trifft der Vorwurf, daß sie

die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden haben,

aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die

Lage zu übersehen.

=Johnstone= erscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage

überraschen ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem

Kampfe noch später durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder

gut. Er soll wenig praktische Erfahrung gehabt und dies wichtige

Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige Kritiken über die

Admirale =Howe= und =Keppel=, Gegner der Admiralität, veröffentlicht

hatte.

=Suffren= erreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber

er gewann doch einen großen Vorsprung. Während =Johnstone= 14 Tage zum

Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem Kap

fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die

Kapkolonie bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche

seemännische Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen

Weg geschleppt werden. =Johnstone= erschien 14 Tage später vor Kapstadt,

wagte aber nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene

holländische Ostindienfahrer in der Saldanhabucht, die von Kapstadt

dorthin gegangen waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von

hier entschlüpfen zu können, wenn sich das englische Geschwader vor der

Tafelbai zeige. =Suffren= ging zwar in See, als =Johnstone= gemeldet

wurde, dieser hatte aber schon die Heimfahrt nach England angetreten und

3 Linienschiffe nach Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August,

nachdem er sich von der Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt

hatte, nach Isle de France. Hier traf er am 25. Oktober ein und =Graf

d'Orves= ging am 17. Dezember mit der Gesamtflotte nach Indien in See;

auf Transportern wurden 3000 Soldaten, alles was auf den Maskarenen

verfügbar war, unter =General Du Chemin= mitgeführt. Am 22. Januar ward

ein englisches 50-Kanonenschiff genommen und in die Flotte eingestellt;

am 8. Februar starb d'Orves und =Suffren übernahm den Oberbefehl=.

$Die Lage der beiden Flotten in Indien.$ Es standen sich zwei tüchtige

Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes

verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische

Geschicklichkeit der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische

Wissen der Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein

falsches System so lange unterdrückt waren.

=Die französische Flotte zählte= bei Beginn der Unternehmungen 3 74-, 7

64- und 2 50-Kanonenschiffe, =die englische=, zu der inzwischen die von

Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, 2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64-

und 1 50-Kanonenschiff.

=Suffren= war also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch an

Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem Admiral

=Hughes= überlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote,

während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielen

angreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff

erfolgen würde.

Dagegen war =Suffren= ohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen

Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor allem der

wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt

gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen Ort

zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer

gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußte =Hughes= entgegentreten,

er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu machen

oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf nur

unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen Gründen

mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß Trincomali

noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen war.

Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein hervorragendes

Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft.

$Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.$ =Suffren= erschien am 15.

Februar vor Madras, unter dessen Kanonen =Hughes= vor Anker lag,

verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen

Angriff und steuerte südlich; =Hughes= folgte in der Nacht, weil er für

Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die

feindlichen Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen

etwa 12 Seemeilen östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A

a). Er jagte den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische

Prisen, das sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord.

=Suffren= versuchte zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch

nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten

während der Nacht bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar

befanden sie sich auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte

zwischen Madras und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in der

=Suffren= mit der alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil

des Feindes mit Übermacht angriff.

$Die Schlacht bei Sadras.$ Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen

Böen, die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer

(Plan B, a). =Hughes= bildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b);

er rechnete mit einem baldigen Einsetzen der Seebrise, die ihm die

Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind blieb jedoch aus

und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung

besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei,

da der Feind schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug

an den Wind und erwartete den Angriff. Seine Linie war jetzt besser

geschlossen, nur das letzte Schiff »Exeter« stand zurück (c); man kann

nicht recht einsehen, weshalb =Hughes= die Linie nicht über Backbordbug

gebildet hat, dann konnte leicht auf »Exeter« aufgeschlossen werden.

=Suffren= griff um 1/2-4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach

Möglichkeit die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem

Flaggschiff »Héros« an die Spitze, steuerte auf das letzte englische

Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. Beim sechsten

englischen Schiffe stoppte er um 4-1/2 Uhr, signalisierte für das ganze

Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab

drei Schiffen (dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er

beabsichtigte also mit seinen 12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu

dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt. Der

Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich auf

halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern

entgegentreten zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen

wenden sollten; seine Kommandanten verstanden dies aber nicht und

blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. Von den drei dazu beorderten

Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des Feindes;

später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht

oder neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den

»Exeter«, der schon das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte,

sich jedoch wacker wehrte. Beim Herankommen des dritten Gegners fragte

der Master den Kommodore =Richard King=, dessen Stander auf »Exeter«

wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: »Nichts, aber fechten,

bis wir sinken.« Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf alle Schiffe

über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die

Möglichkeit zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel. =Suffren=, der

auch so schon eingesehen hatte, daß der Kampf keine Entscheidung

bringen würde, brach das Gefecht ab. Die Flotten trennten sich;

=Suffren= steuerte nach NO, =Hughes= nach Süden.

=Der Verlust= betrug englischerseits 32 Tote, darunter die Kommandanten

des Flaggschiffes »Superb« und des »Exeter«, und 83 Verwundete,

französischerseits 30 und 100. Die französischen Schiffe hatten wenig

gelitten, von den englischen waren die beiden ebengenannten stark

beschädigt.

[Illustration: Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.]

=Suffren war sehr unzufrieden mit seinen Kommandanten=; diese hätten

näher an den Feind herangehen müssen, wenn der Admiral auch nicht das

Beispiel gab. Den größten Fehler machte der zweitälteste Offizier,

Kapitän =de Tromelin=, der das fünfte Schiff befehligte. Er wiederholte

zwar die Signale des Admirals, sorgte aber nicht für deren Ausführung.

Ferner war sein Schiff unter den nach Lee befohlenen und er kannte den

Plan =Suffrens=. Dieser hatte ihm zehn Tage vor der Schlacht

geschrieben, er beabsichtige, die Nachhut des Feindes mit den

überschießenden Schiffen zu dublieren, wenn er die Luvstellung habe.

Falls dann =Tromelin= die eigene Nachhut führe, solle er die nötigen

Maßregeln ergreifen, da er am besten übersehen könne, wie viel Schiffe

für den Angriff von Lee verfügbar seien. Zum Zweck der Eroberung von

Trincomali und Negapatam sei eine Entscheidungsschlacht erwünscht. Ganz

ohne Schuld ist jedoch auch =Suffren= nicht. Er nahm die Spitze, da

sein Schiff das schnellste war und weil es bei der vorgeschrittenen

Tageszeit wichtig erschien, den Feind bald anzugreifen. Diese

Stellungnahme wirkte zwar nicht notwendig, aber doch sehr

natürlicherweise als Beispiel, und so verleitete sie die nachfolgenden

Schiffe zum Fernbleiben. Für ein derartiges Abweichen vom damaligen

Brauche wären genauere Anweisungen nötig gewesen; Ungeduld und

Kampfeslust haben =Suffren= wohl fortgerissen, wie sich noch mehrfach

zeigen wird.

Admiral =Hughes= durfte sich nicht der Gefahr aussetzen, von Luward

angegriffen zu werden. Daß er hier in diese Lage kam, ist aber zu

entschuldigen. Er hatte über Nacht nach SO gesteuert, weil im Februar

die Seebrise von SO gegen 11 Uhr vormittags einzusetzen pflegt.

Die Schlacht brachte für Suffren nicht die erhoffte Entscheidung. Am

Morgen des 18. Februar waren die Flotten einander aus Sicht. Dies hätte

der Admiral vermeiden können, falls er wieder angreifen wollte, wie

französische Quellen sagen; es ist aber anzunehmen, daß er infolge des

mangelhaften Verhaltens seiner Kommandanten eine sofortige Erneuerung des

Kampfes nicht wünschte. Er segelte zum Schutz seines Konvois und um

Wasser zu nehmen nach Pondichery, wo er am 19. neben letzterem ankerte.

=Hughes= ging zum Ausbessern der beiden beschädigten Schiffe nach

Trincomali.

=Die Schlacht bei Sadras= war aber doch =ein Erfolg Suffrens=, er konnte

mit =Haidar Ali= in Verbindung treten und dessen Tatkraft wieder beleben.

Schon am 19. Februar traf der französische Agent beim Sultan mit der

Nachricht in Pondichery ein, daß die englische Kompagnie sehr günstige

Friedensbedingungen geboten habe, =Haidar= würde aber nicht darauf

eingehen, falls er die lange erwartete Hilfe Frankreichs jetzt erhielte.

Im Lauf der Verhandlungen versprach der Sultan, dem französischen

Geschwader Nahrungsmittel, Geld und andere Bedürfnisse zu liefern, sobald

es sich in seinem Machtbereiche zeige, nach dem Kriege wollte er Land an

Frankreich abtreten. =Suffren=, der am 21. Februar der leichteren

Verbindung mit Haidar halber nach Porto Novo gesegelt war, schiffte nun

am 10. März die Landungstruppen aus. Sie marschierten nach Cuddalore, wo

=Tippu Sahib=, der Sohn Haidars, stand, der soeben bei Tanjore eine

englische Abteilung vernichtet hatte. =Am 4. April kapitulierte

Cuddalore.=

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 53 / 63 段