$Das Unterlassen der Verfolgung$ am 12. April bezeichnete =Hood= als

einen großen Fehler Rodneys. Er war der Ansicht, daß 20 Schiffe hätten

genommen werden können, wenn nach dem Durchbruch »Allgemeine Jagd«

befohlen und man dem Gegner unter vollen Segeln auch während der Nacht

auf den Fersen geblieben wäre; der obengenannte Chef des Stabes

pflichtete ihm bei. Diese beiden erfahrenen Offiziere haben dann auch am

nächsten Tage versucht, den Admiral zur Aufnahme der Verfolgung zu

bewegen, aber er soll freundlich geantwortet haben: »Come, we have done

handsomely as it is.« =Rodney= rechtfertigte später die unterlassene

Verfolgung mit dem Hinweis auf die vielfachen Schiffsschäden und

sonstigen Folgen der heißen Schlacht, auch legte er nahe, daß der Erfolg

in der Nacht zweifelhaft gewesen sein würde, weil der Feind »in einer

geschlossenen Masse von 26 Schiffen« abgezogen sei. Dies war nun

allerdings nicht der Fall, wie sich zeigen wird, und =Hood= hatte wohl

recht, wenn er eine tatkräftige Verfolgung unmittelbar nach der Schlacht

oder doch am nächsten Tage für erfolgreich hielt. Dennoch erscheint es

gewagt, Rodney unbedingt zu verurteilen; Hood war zwar ein hervorragender

Führer und die Folgen gaben ihm recht, aber Rat sowie Kritik sind

jederzeit leicht, und die volle Verantwortung fühlt nur der, auf dessen

Schultern sie ruht.

$De Grasse wurde$ in Frankreich $sehr angegriffen$. Man gab ihm zu, daß

er mit 2246 Kanonen auf 30 Schiffen gegen 2674 Geschütze auf 36 sehr im

Nachteil gewesen sei, aber die Hauptschuld an der Niederlage maß man doch

seinem Verhalten bei.

Die Unterlegenheit geben die Engländer nicht voll zu. =Douglas=, der

sich besonders mit Artillerie beschäftigte, meinte, die Franzosen

hätten nicht nur die besseren Schiffe gehabt, sondern das Gewicht der

Batterien auf ihren 30 Schiffen habe dem der 36 Engländer gegenüber

zwei 74-Kanonenschiffe aufgewogen.

Am 9. April habe er trotz günstiger Umstände mit Rücksicht auf seine

Aufgabe eine Schlacht vermieden und am 12. seine Flotte so geführt, daß

es zu einer solchen unter nachteiligen Verhältnissen kommen mußte. Es

wurden dann die schon besprochenen Fehler aufgeführt: Unnötige Besorgnis

um »Zélée« und das dadurch verursachte Aufgeben des bereits gewonnenen

Luvraumes; Herangehen an den Feind, ehe die Linie gebildet war; Wahl des

falschen Buges. Der Admiral versuchte, die Schuld auf einen Teil seiner

Untergebenen abzuwälzen, die seine Befehle nicht befolgt und ihn später

im Stich gelassen hätten. Erst zu Beginn des Jahres 1784 konnten alle

Angeklagten und Zeugen vor dem Kriegsgerichte erscheinen. Das Ergebnis

der Verhandlungen war, daß fast alle vom Admiral Angeklagten gänzlich

gerechtfertigt hervorgingen und nur einige unter Zugeständnis mildernder

Umstände gelinde bestraft wurden; dem Admiral jedoch legte das Gericht

die genannten Mißgriffe zur Last. =De Grasse= schädigte durch sein

Auftreten nach der Niederlage und nach dem Urteilsspruche selber den

Ruhm, den er sich in Nordamerika zweifellos erworben hatte.

$De Grasse$ ging als Gefangener mit Rodney nach Jamaika und ward im Mai

nach England gesandt. Dort wurde er sowohl von den Seeoffizieren wie

von der Bevölkerung mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit behandelt, die

der Sieger einem immerhin tapferen Besiegten gern erweist. Diese

Behandlung scheint er ziemlich würdelos aufgenommen und auch zu den

Gegnern gehässig über seine Untergebenen geurteilt zu haben. Er tat

dies ferner nicht nur in dienstlichen Berichten, sondern auch in

Flugschriften, die er von England aus durch ganz Europa versandte. So

war es kein Wunder, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich nach seinem

eigenen Ausspruch »keine Hand fand, die sich ihm entgegenstreckte«.

Gegen die Urteile des Kriegsgerichts legte er in einem Briefe an den

Marineminister Berufung ein und forderte eine neue Untersuchung. Der

Minister antwortete im Namen des Königs ziemlich schroff. Nachdem er

die Widersprüche in den Flugschriften mit den Ergebnissen der

Untersuchung besprochen sowie dem Admiral den Vorwurf gemacht hatte,

leichtfertig den Ruf seiner Offiziere gefährdet zu haben, schloß er:

»Seine Majestät ist mit Ihnen sehr unzufrieden und verbietet Ihnen, vor

ihm zu erscheinen; ich füge den Rat hinzu, daß Sie sich in Ihre Provinz

zurückziehen.« =De Grasse= starb 1788.

$Die Folgen der Schlacht bei Dominica.$ =De Vaudreuil= hatte am Morgen

des 13. April nur 11 Linienschiffe um sich, von denen er eins sogleich

nach Cap Français voraussandte. Mit den übrigen kreuzte er einige Tage

bei Haiti, um Versprengte aufzunehmen, und es stießen auch noch 6 Schiffe

zu ihm. Auf der Fahrt sind also niemals mehr als 16 Schiffe vereint

gewesen. Bei seiner Ankunft in Cap Français waren schon 3 Linienschiffe

dort eingetroffen, auch fand der Admiral den Konvoi nebst den zwei

50-Kanonenschiffen, sowie =Solano= mit 15 spanischen Linienschiffen vor;

15-20 000 Mann Landtruppen waren versammelt. In den ersten Tagen des Mai

langte Chef d'Escadre =de Bougainville= mit 5 Linienschiffen an, die er

nach der Schlacht zur Wiederinstandsetzung nach Curaçao geführt hatte.

=Rodney= kreuzte nach der Schlacht mehrere Tage bei Guadeloupe in der

Hoffnung, noch versprengte Franzosen zu fangen. Er war oft durch

Windstille behindert, aber =Hood= behauptet, man würde 50 Seemeilen

westlicher genügend Wind zur Verfolgung gefunden haben. Erst am 17. April

zweigte =Rodney= den Admiral =Hood= mit 10 Linienschiffen nach Norden ab,

während er mit der Hauptflotte nach Jamaika segelte. =Hood= eilte zur

Mona-Passage, zwischen Portoriko und Haiti, und fing hier am 19. die

beiden Linienschiffe ab, die vor der Schlacht die französische Flotte

verlassen hatten; auch zwei diese begleitenden Fregatten fielen in seine

Hände. =Vaudreuil= selber hatte erst am 18. den Kanal passiert; es ist

also anzunehmen, daß die französische Flotte schwer gelitten haben würde,

wenn =Rodney= die Verfolgung mit voller Kraft rechtzeitig aufgenommen

hätte. =Hood= verfehlte nicht, dies in dem Berichte über seinen Fang dem

Oberbefehlshaber nahezulegen. Hier scheint also =Rodney= seine Aufgabe,

Jamaika zu schützen, höher gestellt zu haben, als die Ausnutzung der

Gelegenheit, die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten.

=Jamaika war allerdings gerettet.= Die Führer der Verbündeten sahen von

der Expedition ab, obgleich sie über 40 Linienschiffe in Cap Français

verfügten. Sie unternahmen auch sonst nichts von größerer Bedeutung, nur

ließ der Gouverneur von Kuba am 6. Mai durch 3 Fregatten und 60

Transporter mit Soldaten die =Bahamainseln= besetzen. Auch =der

moralische Eindruck= des Sieges war groß; in England erregte er maßlose

Freude, in Frankreich große Niedergeschlagenheit und hat wohl hier die

Neigung zum Friedensschluß gefördert. Die namentlich früher in

Geschichtswerken viel verbreitete Ansicht, der Sieg habe den für England

günstigen Frieden herbeigeführt, da durch ihn die französische Marine zum

Kampf um die Seeherrschaft unfähig geworden sei, trifft nicht zu; die

Verbündeten blieben im Gegenteil unmittelbar nach der Schlacht in

Westindien noch überlegen. Die Engländer hätten wohl Jamaika behaupten,

aber schwerlich die anderen Inseln mit Waffengewalt wiedergewinnen

können, die ihnen der Friedensschluß zurückgab. Anders wäre es gewesen,

wenn =Rodney= die französische Flotte vernichtet hätte.

$Der Krieg in Westindien war zu Ende$ nicht nur für das Jahr 1782,

sondern überhaupt. =Vaudreuil= sandte von Cap Français über 200

Kauffahrer in 2 Konvois unter starker Bedeckung nach Europa und segelte

am 4. Juli, nur 2 Linienschiffe zurücklassend, mit dem Rest der Flotte,

16 Schiffen, nach Nordamerika; ein Linienschiff nebst 2 Fregatten war

schon kurz vorher abgesandt, um englische Niederlassungen in der

Hudsonbucht zu brandschatzen. Die Spanier gingen nach ihren Stationen

zurück. =Rodney= wurde am 10. Juli durch =Admiral Hugh Pigot= abgelöst.

$Rodney$ fiel als strenger Tory trotz seiner Verdienste dem

Ministerwechsel zum Opfer. Allerdings ward seine Abberufung auf die

Nachricht vom letzten Siege widerrufen, aber die Verfügung traf in

Jamaika erst ein, als der Admiral bereits abgesegelt war. Rodney hat

während der 2-1/2 Jahre seines Kommandos den Gegnern 12 Linienschiffe

abgenommen, darunter den einzigen Dreidecker, der je einem Feinde in

die Hände gefallen ist, und fünf vernichtet; er hat ferner einen

französischen, einen spanischen und einen holländischen Admiral

gefangen genommen. Für seinen letzten Erfolg ward er mit der Peerswürde

und einer Pension belohnt; er starb 1792.

Auch $Hood$ wurde zum Peer erhoben; ihm werden wir im ersten Teile des

nächsten Krieges wieder begegnen, wo er sich die höchste Bewunderung

=Nelsons= erwarb.

=Pigot= segelte mit dem größten Teile seiner Flotte nach New York, um die

französische im Auge zu behalten. Beide Flotten kehrten nochmals nach

Westindien zurück, aber nur im Kleinen Kriege stießen sie noch zusammen.

$Über die Kriegführung in Westindien 1782$ ist nicht mehr viel zu sagen.

Anfangs hatten die Franzosen das Übergewicht, später waren die Engländer

wenigstens jenen allein überlegen. Beide nutzten es nicht aus, um die

unbedingte Seeherrschaft zu erringen. So eroberten die Franzosen zwar

eine größere Zahl englischer Inseln, doch waren diese sämtlich nur von

untergeordneter Bedeutung. Die Engländer vereitelten den Hauptplan der

Gegner, Jamaika zu erobern, da jedoch deren vereinte Seemacht überlegen

blieb und leicht noch verstärkt werden konnte, sahen sie sich weiter auf

die Verteidigung beschränkt und mußten ihre Bewegungen denen des Feindes

anpassen. Zu ihrem Glück haben die Niederlage bei Dominica, der

Fehlschlag des Unternehmens gegen Gibraltar und auch wohl die

Friedensunterhandlungen zwischen England und seinen Kolonien die Tatkraft

der Verbündeten gelähmt.

$In Nordamerika brachte das Jahr 1782 keine Ereignisse von Bedeutung

mehr.$ =Der Landkrieg= war nach der Kapitulation von Yorktown fast

eingeschlafen; die englischen Befehlshaber hatten Weisung erhalten, sich

auf die Behauptung der noch besetzten Plätze zu beschränken, und auch die

Amerikaner nutzten ihren Erfolg nicht aus. Zu einem Angriff auf New York

fühlten sie sich zu schwach.

Die Lage der amerikanischen Finanzen war schlimmer als je. Von 9

Millionen Dollars, die der Kongreß für dies Jahr brauchte, ließen sich

höchstens fünf den Einzelstaaten auferlegen; der Rest mußte durch

Anleihen beschafft werden. Zur Sicherung schlug der Kongreß die

Einführung eines Zolles für alle Kolonien vor, aber mehrere Staaten

lehnten sie ab, und von den fünf Millionen ging nur eine halbe ein.

Zwar traf von Frankreich im Januar 1782 nochmals eine Unterstützung ein

und auch die Anleihe in Holland brachte Gelder, aber alles waren nur

Tropfen auf den heißen Stein. Die Truppen litten Mangel und

=Washington= hatte die größte Mühe, sie zu beruhigen und

zusammenzuhalten.

Auch =zur See= ereignete sich nichts von Bedeutung[174]. =Pigot=, der am

4. September in New York eingetroffen war, ging Ende Oktober nach

Westindien zurück, weil man wußte, daß die Verbündeten den Plan gegen

Jamaika noch nicht endgültig aufgegeben hatten. Er segelte nach Barbados,

ließ aber =Hood= mit 13 Linienschiffen bei Haiti kreuzen. =Vaudreuil=,

der am 10. August in Boston geankert, eine feste Verteidigungsstellung

eingenommen und dann seine Schiffe gründlich überholt hatte, segelte am

24. Dezember nach Puerto Cabello, um sich hier mit der spanischen Flotte

zu vereinigen; er führte 4000 Mann vom Heere Rochambeaus mit sich.

[174] Die kleine französische Flottille, die zur Hudsonbucht gesandt

war, plünderte unter Kapitän La Pérouse, dem später verschollenen

Entdecker, einige englische Pelzhandelsniederlassungen.

Die Friedens-Präliminarien.

Die zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Paris vom 30.

November 1782, und die zu Versailles vom 30. Januar 1783 zwischen England

und den beiden Königreichen vereinbarten Vorbedingungen des Friedens, in

die für Holland wenigstens Waffenstillstand eingeschlossen war, machten

dem Seekriege in den europäischen, sowie den westindischen Gewässern ein

Ende; nur in Ostindien dauerte der Streit noch fort.

=Für das Jahr 1783= hatten die Verbündeten abermals =die Eroberung

Jamaikas geplant=. Man rechnete mit etwa 40 englischen Linienschiffen in

Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen. =Vaudreuil= (22

Schiffe) sollte sich mit =Solano= (12 Schiffe) in Puerto Cabello

vereinigen und =d'Estaing= 15 spanische, sowie 15 französische Schiffe

nebst einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten

Maßnahmen hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren

Durchführung trat der Präliminarfriede in Kraft.

=D'Estaing= erschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember 1782

in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von 7000 Soldaten

an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa

abzusendende Expeditionskorps bilden sollten. =Vaudreuils= Schiffe trafen

von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem 26. Februar

in Puerto Cabello ein, aber =Solano= blieb aus, da ihn der Gouverneur von

Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders nicht abfahren

lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von Puerto

Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auch =Pigot= und =Hood=

segelten nach England.

Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte noch

$ein bedeutsames Ereignis$. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel

auf der Rhede vor Anker lag, erschien eines Tages eine unbekannte

Fregatte. =Vaudreuil= gab einer der seinigen den Befehl zur Jagd, doch

brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das unbekannte Schiff

konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen Flotte

erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte

»Albemarle«, und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß -- =Nelson=!

Der Krieg in Ostindien.

In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine

äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber

erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit

dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen.

$Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges[175].$ Im Pariser

Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durch

=Dupleix= in Indien geschaffenen Macht -- an der Westküste Vorderindiens

Mahé; an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges

Chandernagore -- zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt

werden und waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen

Kompagnie erweiterte sich dagegen beständig, besonders während der kurzen

Zeit, in der =Clive= nochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765

bis Januar 1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten

(Erpressungen, Ausbeutung von Monopolen) einigermaßen abzustellen und

neue Länder zu erwerben. Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren

Schutz seine Einkünfte und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen,

Bahar, Orissa, sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein

ununterbrochenes Gebiet vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so

eine politische und militärische Macht geworden war, für die England

eintreten mußte, und da die Verwaltung immer noch zu wünschen übrig ließ,

wurde im Februar 1773 vom Parlament das »Regulationsgesetz« erlassen, das

die Gesellschaftsrechte einschränkte: die Regierung ernannte von jetzt an

Gouverneure und Verwaltungsräte, setzte ein königliches Obergericht in

Kalkutta ein und beschränkte die Dividende auf 6-8%; der Statthalter von

Bengalen ward zum Generalgouverneur von ganz Britisch-Indien bestellt.

Der erste, der den Posten bekleidete, war =Sir Warren Hastings=

1773-1785.

[175] Im Anschluß an Seite 182 ff. Wie dort und aus den gleichen

Gründen (Seite 182, Anmerkung) sind die Ereignisse am Lande nur

gekürzt gegeben. Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 429 ff.

[Illustration: P. A. de Suffren.]

Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher zu

Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der

allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen

Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren

der Sultan von Mysore, =Haidar Ali=, und die Mahratten, eine Anzahl

kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet

dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im

südwestlichen Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus;

sie drangen jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten

1762-1763 von Bengalen aus mit ihnen Krieg führen. =Haidar Ali=,

ursprünglich ein Offizier des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759

der Herrschaft dieses Landes bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch

Eroberung der kleinen Staaten an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u.

a.) erweitert. Er bedrohte ganz Südindien und die englischen Besitzungen

an der Malabar-, wie die an der Koromandelküste. Die Engländer im Bunde

mit dem Vizekönig vom Dekan, sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher

im Carnatic, erklärten ihm deshalb 1766 den Krieg, wurden aber infolge

der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten zurückgeworfen. =Haidar Ali=

verwüstete den Carnatic und erschien sogar zweimal vor Madras; sie

hielten es daher für ratsamer, 1769 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm

zu schließen. In den Jahren 1773-1776 kam es zu Besitzstreitigkeiten

zwischen der Präsidentschaft Bombay und den Mahratten.

Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich

gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da deren

Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen

Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies trat ein.

$Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich.$ Am 7. Juli 1778

ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt. =Hastings= ließ sofort

die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore

und Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery

zu nehmen. Am 8. August trafen General =Munro= mit 16000 Mann und am 10.

Kommodore =Vernon= mit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie

und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitän

=de Tronjoly= mit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem

Feinde entgegen und es kam zum Gefecht.

$Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778.$ Das englische

Geschwader zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1

zu 18, und das französische 1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3

Ostindienfahrer mit 20-26 Geschützen; die gesamten Seestreitkräfte der

beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen Gefechte,

einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei leichtem

Winde, ohne besondere Erfolge.

Nach unentschiedenem Kampfe segelte =Vernon= nördlich, um den Feind

fortzulocken, =Tronjoly= folgte jedoch nicht. Das englische Geschwader

kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das

französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France.

Pondichery, nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab

sich nach hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen

militärischen Ehren.

Mitte 1779 traf Kontreadmiral =Sir Edward Hughes=[176] mit 5

Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst

wieder im Januar 1781.

[176] =Sir Edward Hughes=, 1748 Kapitän, 1778 Kontre-, 1780

Vizeadmiral, 1793 Admiral der blauen Flagge, gestorben 1794, war

ein tüchtiger Seemann von großer Tapferkeit und Hartnäckigkeit,

der aber an weiterem militärischen Blick und taktischem Geschick

seinem späteren Gegner in Indien, =Suffren=, nicht gewachsen war,

wie sich noch zeigen wird.

Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger

aufzutreten. Anfang 1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen

hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkung =d'Estaings= nach Westindien

gesandt (vgl. Seite 276); ein zweites, im Frühjahr 1780 nach Indien

bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika geschickt (vgl.

Seite 291). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die

Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6

Linienschiffe gebracht. Um diese Zeit übernahm Kommodore =Comte

d'Orves= hier den Oberbefehl, blieb jedoch über ein Jahr lang untätig,

weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren und seine Instruktion ihm

ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon auftrug.

$England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten.$ Französische

Seestreitkräfte hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen

können. Bei Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten

erschienen, um die Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur

Überlassung eines Hafens an der Westküste zu bestimmen. =Hastings=

entschloß sich daraufhin schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus

Truppen gegen die Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die

Präsidentschaft Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe

ward jedoch im Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und

diese Niederlage schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von

Bengalen unter dem tüchtigen Oberst =Goddard=, das im Januar in Surat

ankam, errang zwar 1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch

nicht ausnutzen, da die englischen Truppen an anderer Stelle schwer

bedrängt wurden.

Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen

Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurch =Haidar Ali=, in dessen

Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste

erbittert. Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit

den Mahratten in Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst

starker Artillerie in den Carnatic ein. General =Munro= war so wenig

vorbereitet und traf so schlechte Anordnungen, daß er im September

Kanonen und Troß im Stich lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte;

eine Abteilung von 3000 Mann wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den

ganzen Carnatic in seiner Gewalt und die festen Plätze eingeschlossen;

ganz Südindien wäre so für England verloren gewesen, wenn nicht

=Hastings= von Bengalen Hilfe geschickt hätte. Der von hier am 5.

November in Madras eingetroffene General =Eyre Coote=, ein hervorragender

Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im Januar 1781 vor, um

den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte auch Erfolg, mußte

aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte angekommen und

in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, auf dem

Rückmarsche =Haidar= zur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; der Sultan

folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn

schließlich in Cuddalore fest.

$Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte

d'Orves.$ Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die

gar nicht bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die

Erlaubnis, nach Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das

Geschwader keinen großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl

nicht aufgehoben sei und die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu

schlecht versorgt wären, um etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu

können. =D'Orves= verließ am 14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3

Fregatten Port Louis, traf am 27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte

dann in der Nähe von Pondichery. =Hughes= lag mit dem englischen

Geschwader im Winterlager in Bombay, =d'Orves= hatte mithin freie Hand.

Trotzdem ging er nicht auf den Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam

Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, seine Instruktion verbiete ihm

dies, auch habe er nur noch Proviant für die Rückreise und müsse im April

zur Vereinigung mit einem aus Frankreich kommenden Geschwader in Isle de

France sein. Am 13. Februar segelte er ab und traf am 31. März,

tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in Port Louis ein. Eine

ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren Schlag zu

versetzen, war damit verloren gegangen.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 52 / 63 段