Charleston oder auf Wilmington zu unterstützen. Der Admiral erklärte,
seinem Befehle gemäß möglichst bald nach Westindien segeln zu müssen;
ein Unternehmen gegen erstgenannte Stadt würde zu langwierig werden, zu
einem solchen gegen Wilmington stelle er sich zur Verfügung, wenn es
vor dem 1. November begonnen werden könne. Da jedoch die Amerikaner bis
dahin nicht bereit waren, segelte er mit dem Versprechen ab, im
nächsten Jahre wiederzukommen.
$Die Franzosen erobern St. Eustache zurück, 26. November 1781.$ Der
Gouverneur von Martinique, =Marquis de Bouillé=, hatte erfahren, daß die
Engländer seit der Abfahrt der Flotten nach Nordamerika in St. Eustache
alle Vorsicht gegen einen Angriff außer acht ließen. Er ging am 16.
November mit 2 Fregatten, einer Korvette und 1200 Mann auf einigen
Handelsschiffen in See, landete in der Nacht vom 25./26. etwa 6 Seemeilen
von der Stadt und rückte auf diese vor. Am 26. um 6 Uhr morgens
überraschte er einen Teil der englischen Garnison auf dem Exerzierplatze
und drang mit den Flüchtenden in das Fort ein; die übrigen Engländer
wurden in der Stadt und in den Kasernen gefangen genommen. Außer etwa 700
Soldaten fiel ein Teil der Beute =Rodneys= in die Hände der Sieger, die
sie den Holländern zurückgaben. Von St. Eustache aus bemächtigte sich
=Bouillé= dann auch der Inseln =St. Martin= und =Saba=; nach Fort Royal
zurückkehrend, fand er =de Grasse= dort vor.
$Beurteilung der Kriegführung in Westindien und Nordamerika 1781.$ =In
Westindien= traf =Rodney= zu Anfang des Jahres auf keinen nennenswerten
Widerstand, und so wurde es ihm leicht, sich der holländischen
Besitzungen zu bemächtigen. Zu sehr um die Sicherung der Beute besorgt,
trug er dann aber der Änderung der Lage keine Rechnung, die durch die
Ankunft der großen Flotte nebst Konvoi unter =de Grasse= entstand. Es war
falsch, =Hood= in Lee der Insel Martinique zu stationieren; =de Grasse=
erhielt dadurch Gelegenheit, den Konvoi nach Fort Royal zu führen.
=Rodney= selber würde wohl anders gehandelt haben. =Hood= konnte nur der
erhaltenen Weisung folgen und, als es ihm nicht gelungen war, seine
schwächeren Kräfte in günstiger Lage zum Kampfe zu bringen, seinen
Oberbefehlshaber wieder aufsuchen. Hierdurch ging Zeit verloren, und den
Franzosen glückte die Wegnahme von =Tabago=.
Später war =Rodney= als der Schwächere stets nur imstande, den Gegner in
Schach zuhalten und die anderen Inseln, besonders Barbados, zu decken.
Wenn er endlich nur einen Teil der Flotte nach Nordamerika sandte, auf
die unsichere Annahme hin, der Gegner habe ein gleiches getan, so war
auch dies ein Fehler, ist jedoch damit zu entschuldigen, daß die
englischen Admirale stets der öffentlichen Meinung zuliebe großes Gewicht
auf die Sicherung von Konvois legen mußten.
=De Grasse= trat in Westindien nicht so tatkräftig auf, wie es die Stärke
seiner Flotte erlaubt hätte. Bei Martinique war er =Hood= gegenüber zu
besorgt um den Konvoi, später =Rodney= gegenüber um die Sicherheit der
eroberten Inseln. Es war eben wieder das vorsichtige Handeln der
französischen Führer jener Zeit. Hätte er seine Überlegenheit zur
Erringung der Seeherrschaft eingesetzt, würde er vielleicht sämtliche
Antilleninseln erobert haben; so blieb die feindliche Flotte unversehrt,
und Tabago war der einzige Erfolg. Anders zeigte sich =de Grasse= beim
Antritt seiner Fahrt nach Nordamerika.
=In Nordamerika= waren die Engländer durch die Expedition nach Virginia
in eine gefährliche Lage geraten. Anfangs befanden sie sich hier
allerdings im Vorteil, und auch der erste Versuch der Verbündeten, ihre
Lage zu bessern, schlug fehl, da der französische Admiral =Des Touches=
trotz des im allgemeinen erfolgreichen Zusammenstoßes mit =Arbuthnot=
seine Aufgabe nicht durchführte. Das Vordringen der Engländer in
Virginien erhöhte die schon vorhandene Kriegsmüdigkeit in den Kolonien.
Der Zeitpunkt schien nicht fern, wo der Kongreß den Krieg hätte beenden
müssen, wenn nicht Hilfe kam. Diese sollte die große französische Flotte
bringen und den Umstand benutzen, daß die Engländer zur Verbindung
zwischen den beiden Kriegsschauplätzen ganz auf den Seeweg angewiesen
waren, um sie auf einem derselben überlegen und überraschend anzugreifen.
Ganz richtig wählten =Washington= und =Rochambeau= hierzu Virginien. Hier
war die englische Stellung schwächer als im Norden, man konnte durch
scheinbare Bedrohung von New York den Gegner über den wahren
Angriffspunkt täuschen, bis die Flotte die Verbindung unterbrach. Die
Chesapeakebucht lag außerdem Westindien näher und ihre Wassertiefen
machten sie geeigneter für ein Mitwirken der Seestreitkräfte. Auch =de
Grasse= erkannte die Lage richtig und führte seine Aufgabe mit
Entschlossenheit und Tatkraft durch. Er erhob keine Einwände, die
Verzögerungen gebracht hätten, sondern beschaffte schnell die verlangten
Geldmittel und Truppen und nahm von Seestreitkräften alles mit, was zu
erlangen war, obgleich dadurch ein großer Konvoi zurückbleiben mußte.
=Mahan= (I, Seite 379) sagt hierzu: »Dieser Vorfall beleuchtet eine
Schwäche eines handeltreibenden Volkes mit parlamentarischer Regierung
dem reinen Militärstaat gegenüber. So schrieb ein Offizier jener Zeit,
wenn die britische Regierung eine derartige Maßnahme (d. i.
Zurückhaltung des Konvois) gebilligt oder ein englischer Admiral sie
angeordnet hätte, so wäre die erstere gestürzt und letzterer gehängt
worden.« Wie eben erwähnt, hatte =Rodney= seine Flotte durch
Konvoibegleitungen geschwächt.
So war =de Grasse= rechtzeitig in genügender Stärke zur Stelle,
beschäftigte dann =Graves= mit Kaltblütigkeit, bis Barras zu ihm stieß,
und unterstützte schließlich die Operationen des Heeres. Die französische
Flotte trug in erster Linie zum Falle von Yorktown und damit zur
Beendigung des Krieges in Nordamerika bei.
=De Grasse= fand volle Anerkennung in Amerika. Der Kongreß sprach ihm
seinen Dank aus und schenkte ihm vier der eroberten Kanonen, die der
Admiral später vor seinem Schlosse de Tilly im Departement Seine et
Oise aufstellte. Noch mehr mußte ihn die Anerkennung =Washingtons=
befriedigen, dieses tüchtigen Kriegs- und Staatsmannes, der wie niemand
sonst die Hilfsquellen seines Landes, sowie die Schwierigkeit des
Kampfes kannte. Dieser schrieb ihm nach der Übergabe von Yorktown: »Die
Übergabe...., wofür die Ehre Eurer Exzellenz gebührt, ist unserer
hoffnungsvollsten Erwartung vorausgeeilt.« Er bittet dann um weitere
Unterstützung und fährt fort: »Die Überlegenheit der Engländer zur See
vor Ihrer Ankunft gab ihnen entscheidende Vorteile durch den schnellen
Transport von Truppen und Vorräten, während die Märsche, die unsere
Verstärkungen machen mußten, sie der Gefahr aussetzten, einzeln
geschlagen zu werden. Es hängt von Ew. Exzellenz ab, den Krieg zu
beenden.« Als =de Grasse= diese Aufforderung ablehnte, aber auf das
nächste Jahr verwies, nahm =Washington= dies an und fügte hinzu: »Ich
brauche Ew. Exzellenz gegenüber nicht auf die unabweisbare
Notwendigkeit einer so starken Seestreitkraft zurückzukommen, die Ihnen
die unbedingte Überlegenheit sichert.... Sie werden bemerkt haben, daß
bei allen Anstrengungen des Landheeres der Marine stets das
entscheidende Wort in dem gegenwärtigen Kampfe zufällt.« -- =Mahan= I,
Seite 383-386, bringt weitere Auszüge aus Briefen =Washingtons=, auch
an andere Personen, die bezeugen, welch hohen Wert er der Kriegführung
zur See beimaß.
Der ungünstige Verlauf der englischen Unternehmungen ist zunächst der
Teilung der Kräfte für Westindien und Nordamerika zuzuschreiben, eine
Folge der Strategie Englands, auf allen Kriegsschauplätzen stets einem
Angriffe gewachsen zu sein. Wir wollen hierauf in der Schlußbesprechung
des Krieges eingehen. Schlechte Leitung und wirkliches Mißgeschick traten
hinzu.
=Graves=' Geschwader hätte um einige Schiffe der Jamaikastation stärker
sein können, wenn =Rodneys= Befehle genau befolgt wären. Es waren
unglückliche Zufälle, daß =Graves= die Nachrichten aus Westindien nicht
erhielt, sonst wäre er wohl rechtzeitig vor der Chesapeakebucht gewesen.
Vielleicht war es ein Fehler, daß er selbst mit der ganzen Flotte New
York zu einer Jahreszeit verließ, zu der er auch ohne weiteres die
Flotten aus Westindien erwarten konnte, aber ihm war von England aus das
Abfangen eines französischen Konvois dringend empfohlen.
Als er dann nach der Chesapeakebucht ging, wußte er von =Barras='
Auslaufen und hätte außer Sicht von Land kreuzen müssen, um zunächst
diesen abzufangen. Wäre dies, wie wahrscheinlich, geglückt, so würde das
feindliche Heer vor Yorktown kein Belagerungsmaterial gehabt haben und
die französische Flotte späterhin nicht so überlegen gewesen sein. Daß
=de Grasse= überhaupt schon und in solcher Stärke angelangt war, wußte er
allerdings nicht. Die vor der Bucht stationierten Kreuzer hatten
geankert, statt unter Segel zu bleiben; sie wurden durch die Franzosen
überrascht, einer genommen, der andere in die Bucht gejagt. Sicher hätte
=Graves=, sobald er Nachricht erhalten, sich zuerst gegen =Barras=
gewendet. So wäre vielleicht der schnelle Fall Yorktowns verhindert und
bei dem schon hervortretenden Mißtrauen der Amerikaner gegen Frankreich,
sowie der Kriegsmüdigkeit dieser manches anders gekommen.
Der Krieg in Europa 1782.
=Der Wechsel des Ministeriums in England im März= 1782 brachte den Krieg
in Nordamerika zum Stillstand. Wenn auch der König stets fest
entschlossen blieb, die Unabhängigkeit der Kolonien nicht anzuerkennen
und die Einmischung Frankreichs, sowie Spaniens nicht zu dulden, zeigte
sich doch die öffentliche Meinung durch die ungeheuren Kriegskosten,
durch das zweimalige Erscheinen überlegener feindlicher Flotten an
Englands Küsten und durch mancherlei andere Vorfälle umgestimmt. Die
Staatsschuld war auf 198 Millionen Lstrl. angewachsen, man mußte 300000
Soldaten und Seeleute besolden, sowie große Flotten im Dienst halten; die
Zivilliste war, obgleich stark erhöht, überschritten und es war bekannt,
daß große Summen aus ihr zur Gewinnung von Parlamentsmitgliedern für die
Regierung verwendet wurden. Dabei sah man weder in Nordamerika noch zur
See durchschlagende Erfolge. All dies erweckte im Volk den Wunsch nach
Frieden mit den Kolonien; diese Stimmung wurde von Agenten sowie Freunden
der Amerikaner genährt und ergriff immer weitere Kreise. Zudem traf dicht
vor Eröffnung des Parlaments im Herbst 1781 die Nachricht von der
Kapitulation des Heeres bei Yorktown ein.
Nach allem, was man bisher von dem jämmerlichen Zustande der
amerikanischen Truppen, dem Geldmangel und der geringen Neigung der
Kolonisten gehört hatte, für den Krieg Opfer zu bringen, kam die Kunde
doppelt unerwartet; selbst der Premierminister, =Lord North=, war völlig
niedergeschlagen. Der König verharrte allerdings auf seinem Standpunkte,
und in der Thronrede vom 27. November verlautete nichts über den Frieden,
aber im Volke schwand jede Neigung zum Kriege, wenigstens für den mit den
Kolonien. Als dann noch der Verlust Minorkas und der westindischen Inseln
bekannt wurde, hatte die Opposition im Parlamente freies Spiel. Die
Politik der Regierung, die Verwaltungen des Heeres und der Marine, sowie
die ganze Kriegführung wurden schonungslos angegriffen und die
Einstellung des Kampfes in Nordamerika verlangt. Im März 1782 mußte das
Ministerium einem solchen der Whigs weichen. Dieses stand unter der
Leitung des =Marquis of Rockingham=, und der Admiral =Augustus Keppel=
wurde Erster Lord der Admiralität an Stelle des =Earl of Sandwich=, der
besonders hart, und zwar auch von höheren Seeoffizieren, angegriffen war.
Als am 1. Juli, nach dem Tode Rockinghams, der =Graf von Shelburne=
(Lansdown) an die Spitze trat, kam Sir =William Pitt= (der Jüngere) ins
Kabinett und gewann sofort großen Einfluß, bis er im Dezember 1783
tatsächlich die Leitung übernahm.
Die Opposition erreichte zunächst, daß der Oberbefehlshaber in Amerika
Befehl erhielt, sich auf das Halten der noch besetzten Plätze -- New
York, Charleston, Savannah -- zu beschränken. Da nun auch die Amerikaner
ohne die französische Flotte keinen Angriff wagten, trat =im Landkriege=
eine Art =Waffenstillstand= ein. =Der Seekrieg= gegen die drei
europäischen Mächte, der in England weit populärer war, ward dagegen mit
aller Kraft fortgesetzt; er spielte sich besonders in West- und Ostindien
ab. Schon im Januar segelte =Rodney= mit 12 Linienschiffen nach
Westindien.
$Indienststellungen 1782.$ (Vgl. die Listen Seite 224.) =In England=
waren für 1782 der Marine 100000 Mann, einschließlich 21000
Seesoldaten, sowie etwa 7-1/4 Millionen Lstrl. bewilligt. Im Sommer
befanden sich 129 Linienschiffe im Dienst, von denen 35 in den
heimischen Gewässern und 59 in den westindischen stationiert waren.
=Frankreich und Spanien= verfügten in Europa über wenigstens 50
Linienschiffe und würden auch in Westindien mit 58 dem Feinde gewachsen
gewesen sein, wenn ihre Flotten zusammengewirkt hätten. In Ostindien
standen 22 englische gegen 13 französische Schiffe. =Holland= hatte im
Oktober 16 Linienschiffe in Dienst.
=Der Krieg in den europäischen Gewässern= drehte sich 1782 wie im
Vorjahre um die Seeherrschaft am Eingange des Kanals und um Gibraltar.
Port Mahon fiel schon am 5. Februar den Spaniern in die Hände (vgl. Seite
319), und die hier verwendeten Truppen wurden nun zur Belagerung von
Gibraltar mit herangezogen. Neben der engen Einschließung dieser Festung
von See her planten Frankreich und Spanien auch in diesem Jahre mit ihrer
Hauptseemacht in den nördlichen Gewässern aufzutreten; zu dieser sollten
holländische Schiffe stoßen. Ein Unternehmen gegen die englische Küste
scheint nicht beabsichtigt gewesen zu sein, sondern nur das Abfangen von
Konvois sowie Militärtransporten und das Festhalten der englischen Flotte
zugunsten der Belagerung von Gibraltar.
Schon am 11. Februar verließ Admiral =de Guichen=, sobald die Schiffe
ihre im Dezember erlittenen Beschädigungen ausgebessert hatten, mit 16
Linienschiffen, von denen 2 nur als Flüten armiert waren, und 11
Fregatten Brest. Drei Linienschiffe waren nebst einem großen Konvoi mit
Vorräten für das dortige Geschwader nach Westindien, zwei nach Ostindien
bestimmt; sie trennten sich an der spanischen Küste von der Flotte. Hier
ward auch am 15. Februar =La Motte-Picquet= mit 4 Linienschiffen
abgezweigt, um in der Biskaya und vor dem Kanal zu kreuzen; er machte
einige Prisen, erlitt aber schon am 23. in einem schweren Sturme arge
Schäden und lief am 26. wieder in Brest ein. Am Wiederauslaufen wurde er
bald durch überlegene englische Kräfte gehindert. =Guichen= erreichte am
11. Februar mit 5 Schiffen Cadiz und trat unter den Oberbefehl des
spanischen Admirals =Cordoba=, der hier mit 27 Linienschiffen lag; 11
spanische, sowie 2 französische befanden sich außerdem unter Admiral
=Moreno= bei Algeciras.
Die englische Kanalflotte, die insgesamt nur 35 Linienschiffe zählte,
während sie mit einer feindlichen Macht von gegen 60, einschließlich der
holländischen, rechnen mußte, eröffnete den Feldzug mit vorsichtigen
kleinen Operationen, je nachdem die Schiffe bereit wurden. Den Oberbefehl
führte =Lord Howe=, der durch den Wechsel im Ministerium aus seiner
langen Untätigkeit erlöst war; unter ihm befehligten die tüchtigen
Admirale =Barrington= und =Kempenfelt=. Der erstere kreuzte in der
zweiten Hälfte des April mit 12 Linienschiffen vor dem Kanal, um die
Franzosen in Brest festzuhalten, feindliche Konvois abzufangen und den
eigenen Handel zu schützen. Er hatte einen nicht unbedeutenden Erfolg.
$Barrington vernichtet einen Transport für Ostindien.$ Am 20. April
1782 mittags sichtete der Admiral südwestlich von Ouessant 18
französische Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial für Ostindien,
die durch 3 Linienschiffe (eins als Flüte armiert) nebst einer Fregatte
geleitet wurden, und jagte sie. Die Franzosen flohen zur Küste zurück,
aber das Linienschiff »Pegasus« von 74 Kanonen wurde am Abend vom
Kapitän =Jervis=, dem später berühmten Admiral, mit dem »Foudroyant«
von 80 Kanonen, der den anderen Engländern weit voraus war, eingeholt
und nach einem dreistündigen Nachtgefecht genommen. =Jervis= fing dann
noch 13 Transporter und ein anderes englisches Schiff bemächtigte sich
des als Flüte armierten Linienschiffes. Wie der Verlust des Konvois
überhaupt, so war die Wegnahme dieses Schiffes im besonderen ein
harter Schlag für den in Ostindien schwer ringenden Admiral =Suffren=,
denn es führte Rundhölzer für vier Linienschiffe an Bord. =Jervis=
erhielt für seinen Erfolg den Bathorden, der Kommandant des »Pegasus«
ward aus dem Dienste entlassen. Man war in Frankreich über seine
Niederlage empört, da man sich bisher schmeichelte, in Einzelgefechten
von annähernd gleichstarken Schiffen meist den Sieg davongetragen zu
haben. Der Verurteilte fand aber in der Marine Verteidiger, die auf die
ungünstigen Verhältnisse hinwiesen, unter denen er gefochten habe: »Das
Schiff sei erst am 11. April auf die Rhede gegangen, kaum ausgerüstet
und so mangelhaft bemannt, daß ein junger Unterleutnant die unterste
schwerste, Batterie befehligt habe; der Kapitän habe erst am 13. das
Kommando übernommen und schon am 19. in See gehen müssen.« Es sind dies
wohl zu beachtende Umstände für die Beurteilung der französischen
Marine jener Zeit.
Als =Barrington= Ende April nach Portsmouth zurückgekehrt war, ging
=Kempenfelt= mit 8 Linienschiffen zum Kreuzen in See.
Anfang Mai erfuhr man in England, Holland beabsichtige, in Texel ein
größeres Geschwader zu sammeln, das nach auswärts bestimmte
Handelsschiffe geleiten und sich dann mit der französisch-spanischen
Flotte vereinigen solle. Die holländischen Handelsschiffe für die Ostsee,
die durch die Schlacht auf der Doggerbank im August 1781 zurückgetrieben
waren, hatten bislang nicht segeln können, da man ihnen keine genügende
Begleitung zu geben vermochte, und heimgekehrte West- sowie
Ostindienfahrer warteten in den norwegischen Häfen auf Abholen; der
holländische Handel lag brach, nur den nach Westindien bestimmten
Schiffen war es Anfang April gelungen, durch die Nordsee abzusegeln. Ehe
nun aber das holländische Geschwader -- durch verspätete Fertigstellung
der Schiffe und weiter durch widrige Windverhältnisse aufgehalten --
völlig versammelt war, erschien =Lord Howe= mit 12 Linienschiffen an der
Küste und verhinderte dessen Auslaufen während mehrerer Wochen, bis eine
an Bord der Schiffe ausbrechende Epidemie ihn zwang, nach Portsmouth
zurückzugehen. Hier stieß =Kempenfelt= zu ihm, der seine Kreuztour
aufgegeben hatte, wahrscheinlich weil die große Flotte der Verbündeten
nahte. England hielt aber weiter die Nordsee unter Beobachtung, so daß
die Holländer nicht wagten, ihr Geschwader auslaufen zu lassen, während
die englischen Handelsschiffe unbelästigt die Nordsee passierten; die
holländischen Ostseefahrer segelten später teilweise unter schwedischer
Flagge und durch schwedische Kriegsschiffe geleitet.
$Die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal, Sommer 1782.$ =Admiral
Cordoba= hatte während des Monats April mit seiner Flotte -- 27
spanischen und 5 französischen Linienschiffen -- vor der Straße von
Gibraltar gekreuzt, am 4. Juni trat er die Fahrt nach dem Norden an; die
bislang in Brest blockierten französischen Schiffe sollten sich
anschließen und man rechnete auch auf die Holländer. Am 25. traf die
Flotte auf einen englischen Konvoi von 27 Fahrzeugen, der nach
Neufundland sowie Kanada bestimmt und von 4 Kriegsschiffen geleitet war;
es gelang ihr aber nur, 17 Handelsschiffe zu nehmen. Am 8. Juli stieß =La
Motte-Picquet= bei Ouessant mit 8 Linienschiffen zu ihr; sie war nun 40
Schlachtschiffe stark. In England erwartete man den großen
Westindienkonvoi unter Deckung des bisherigen Chefs der Jamaikastation,
=Sir Peter Parker=, mit nur 3 Linienschiffen und entsandte am 2. Juli
=Lord Howe= mit 22, um ihn aufzunehmen.
Die Gegner sichteten sich am 12. Juli westlich der Scillyinseln.
=Cordoba= suchte den Kampf, aber =Howe= wich aus. Während der nun
folgenden Jagd kam nur =La Motte=, dem ein selbständiges Geschwader von 4
Franzosen und 4 Spaniern unterstellt war, näher an den Feind heran;
während der Nacht verlor man diesen aber aus Sicht und fand ihn nicht
wieder. Die Verbündeten schrieben dies der größeren Schnelligkeit der
englischen, sämtlich gekupferten Schiffe zu, tatsächlich aber hat =Howe=
seine Flotte zwischen den Scillys und Kap Landsend hindurch nach Westen
geführt. Er setzte sich so zwischen den Feind und den erwarteten Konvoi
und lief Ende Juli, als Cordoba durch stürmisches Wetter nach Süden
vertrieben war, mit den Handelsfahrzeugen unbelästigt in den Kanal ein;
auf der Rückfahrt stießen noch 9 Linienschiffe zu ihm, die wahrscheinlich
bei Howes Abfahrt in der Nordsee waren. =Cordoba= kreuzte noch einige
Wochen, hauptsächlich in der Biskaya, und traf dann am 6. September in
Cadiz ein. So war auch in diesem Jahre das Auftreten der großen Flotte
der Verbündeten im Norden ohne jede Bedeutung geblieben. Die
französischen Offiziere klagten mit Recht darüber, daß man die Verfolgung
nicht bis zu den Häfen des Gegners durchgeführt habe; wie die Sache lag,
hätte man ihn sogar von diesen abgeschnitten, und eine Vereinigung mit
den Holländern wäre wahrscheinlich auch möglich gewesen.
$Die Tätigkeit der holländischen Marine 1782$ sei kurz berührt.
(Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 561 ff.) Als man in Holland
Gewißheit hatte, daß die Flotte der Verbündeten vor dem Kanal
erscheinen würde, lief am 7. Juli ein Geschwader von einem Linienschiff
zu 74 Kanonen, 6 zu 60-68, 9 zu 54, sowie 9 schweren Fregatten unter
=Vizeadmiral Hartsinck= von Texel aus. Es geleitete Westindienfahrer
durch die Nordsee, bis sie ihre Reise um Schottland unter dem Schutze
einiger Fregatten voraussichtlich ungefährdet fortsetzen konnten. Es
kreuzte und übte dann in diesem Meere. Prisen fielen ihm nicht in die
Hände, weil England seine Handelsschiffe zurückhielt. Ein abgezweigter
Teil holte die in Norwegen angesammelten Kauffahrer ab, ein anderer
führte solche nach der Ostsee. Mitte August kehrte =Hartsinck= zum
Auffüllen von Proviant nach Texel zurück und ward dann wieder durch die
Engländer blockiert. Als England im September alle verfügbaren Schiffe
nach Gibraltar gesandt hatte, beabsichtigte man, auf Ersuchen
Frankreichs ein Geschwader nach Brest zu schicken, das im nächsten
Jahre mit den Verbündeten zusammenwirken sollte. Der schlechte Zustand
der Schiffe, sowie Uneinigkeit zwischen den beiden großen Parteien im
Lande gerade in betreff dieser Sache verzögerte die Abfahrt, und
schließlich wagte man sie nicht mehr, weil man ein Zusammentreffen mit
der von Gibraltar zurückkommenden englischen Flotte fürchtete.
$Lord Howe segelt mit Zufuhren nach Gibraltar.$ Nach Rückkehr von seiner
Kanalfahrt erhielt der Admiral den Auftrag, eine Expedition
vorzubereiten, um Gibraltar Truppen und Vorräte zuzuführen; die Festung
war seit der Fahrt =Darbys= im April 1781 ohne jede Unterstützung
geblieben. Für diese wichtige und gefährliche Aufgabe wurden die gesamte
Kanalflotte -- 34 Linienschiffe, ein Dutzend Kreuzer, einige Brander --,
sowie 31 Transporter in Portsmouth zusammengezogen. Schon am 11.
September ging die Flotte in See; etwa 100 Kauffahrer, Konvois für alle
fernen Meere, schlossen sich ihr an.