Die Amerikaner setzten =Lafayette= mit 1200 Mann nach Virginien in
Bewegung und =Des Touches= ging am 8. März bei Einbruch der Nacht mit
seinem ganzen Geschwader, sowie 1100 französischen Soldaten in See.
=Arbuthnot=, der seeklar am Eingange der Gardinerbucht lag, folgte
sofort. Da seine Schiffe sämtlich gekupfert waren, von den französischen
nur drei, vielleicht auch infolge größerer seemännischer
Geschicklichkeit, überholte er den Gegner. Am 16. März 6 Uhr vorm.
meldete eine Fregatte, daß dieser 2-3 Seemeilen achteraus stehe; wegen
nebligen Wetters hatte man ihn bislang nicht gesehen. Zu dieser Zeit
lagen die Geschwader etwa 40 Seemeilen nordöstlich vom Eingange der
Chesapeakebucht; der Wind war westlich, so daß sie nicht unmittelbar in
die Bucht einlaufen konnten und das englische Geschwader stand zwischen
der Einfahrt und dem französischen (Plan A, A'). =Arbuthnot= drehte
sofort um und steuerte nach Norden auf den Feind zu; nach einigen
Manövern bei beständig umspringendem Winde kam es bald nach Mittag zur
Schlacht.
$Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 16. März 1781[161].$ Beide
Geschwader zählten 8 Schiffe in der Linie, und zwar das englische ein
Schiff zu 98 Kanonen, 3 zu 74, 3 zu 64, 1 zu 50 und das französische
ein Schiff zu 84, 2 zu 74, 4 zu 64, 1 zu 44; hierzu traten 4 englische
und 3 französische Fregatten. Die Engländer waren also an Geschützen
nicht unwesentlich überlegen.
[161] Nach Clowes III, Seite 489, und Mahan I, Seite 372, deren Angaben
in den Hauptsachen mit den französischen Quellen übereinstimmen.
Bald nachdem die Engländer den Kurs nach Norden aufgenommen hatten,
drehte der Wind nach Nord, wodurch die Franzosen in die Luvstellung
kamen. =Des Touches= bildete nun die Gefechtslinie über Steuerbordbug,
steuerte also östlich; =Arbuthnot= folgte seinem Beispiele. Der Wind
drehte weiter, bis er gegen Mittag auf NO stehen blieb und stürmisch
mit aufkommender hoher See wurde. Die bessere Segelfähigkeit der
englischen Schiffe brachte sie nach und nach näher an die französischen
heran, so daß =des Touches= seine Nachhut bedroht sah (Plan B, B'). Um
dieser Gefahr entgegenzutreten, legte er sein Geschwader über den
anderen Bug und ging dem Feinde entgegen. Da er noch Zeit genug hatte,
führte er das Manöver im Kontremarsch aus. Er wollte nach französischem
Brauche den unvermeidlichen Kampf in der Leestellung aufnehmen, was in
diesem Falle auch den Vorteil bot, daß die Schiffe die untersten
Batterien verwenden konnten, die in der Luvstellung des starken
Überliegens halber die Pforten geschlossen halten mußten. Er zog nun
mit seiner Linie vor der Spitze der englischen vorüber und steuerte
dann westlich.
=Arbuthnot= segelte zunächst weiter, bis er etwa 2 Uhr nachmittags
querab vom Feinde war, halste dann im Kontremarsch (C, C') und ging an
ihn heran. Die Franzosen eröffneten schon das Feuer, während die
Engländer noch ihr Manöver ausführten, und um 2-1/2 Uhr lagen beide
Linien im Gefecht. Der englische Admiral hatte das Signal zum
»Nahgefecht« nicht geheißt, dagegen das für »Gefechtslinie« wehen
lassen. Infolgedessen zögerten die hinteren Schiffe mit dem Nahangriff,
und die bekannten Nachteile der englischen Taktik traten schroff
hervor: die drei vorderen Engländer hatten beim Herangehen schweres
Enfilierfeuer auszuhalten, kamen früher sowie auf nähere Entfernung zum
Kampf als die hinteren (D, D') und litten sehr. =Des Touches= nützte
dies aus. Er befahl seinen vorderen Schiffen, auszuweichen, führte die
übrigen unter lebhaftem Feuer an der englischen Spitze vorüber, halste
im Kontremarsch und segelte nach Osten ab (E'). =Arbuthnot= hatte zwar
die Absicht, ihm zu folgen, aber seine vordersten Schiffe waren
augenblicklich manövrierunfähig, er mußte auf seinem westlichen Kurse
bleiben (E). So endete der Kampf.
=Die Verluste= betrugen auf englischer Seite 30 Tote und 73 Verwundete,
auf französischer 73 und 112.
=Die Schlacht= blieb =taktisch unentschieden=, da sie nicht bis zum
äußersten durchgefochten wurde; doch war sie =ein strategischer Erfolg
der Engländer=. Ihre Flotte lief während der Nacht in die Bucht ein, =Des
Touches= segelte nach Rhode-Island zurück, da sich der Kriegsrat am 17.
dahin entschied, daß man die Landung der Truppen nicht ausführen könne.
In Hinsicht auf $die Seekriegsgeschichte$ ist die Schlacht ein gutes
Beispiel zu unseren fortlaufenden Betrachtungen über die Taktik der
beiden Gegner und die Strategie der Franzosen. =Arbuthnot= war stärker,
tat aber dem Feinde keinen Abbruch. Dies war eine Folge der alten
englischen Angriffsart, die um so mehr hervortrat, als der Admiral das
Signal, die Linie zu halten, hatte wehen lassen. Dies wurde ihm auch zum
Vorwurf gemacht, und es ergibt sich daraus, daß man es in England mehr
und mehr als fehlerhaft erkannte, unbedingt die Ordnung zu wahren. --
=Des Touches= verfuhr seinerseits nach der französischen Defensivtaktik,
er wählte sogar freiwillig die Leestellung und nutzte dann auch die
günstige Lage geschickt aus. Den errungenen Vorteil aber, die Lahmlegung
von drei feindlichen Schiffen, verfolgte er nicht. Hätte er den Kampf
wieder aufgenommen, so würde er wahrscheinlich seine Aufgabe haben lösen
können; die dem französischen Offizierkorps anerzogene Scheu vor
entscheidenden Kämpfen hielt ihn aber davon ab.
Allerdings machte man =Des Touches= Vorwürfe über sein Verhalten, und
weder ihm noch seinen Kommandanten wurde Anerkennung für das geschickt
geführte Gefecht zuteil. Wie tief aber die vorsichtige Kriegführung im
französischen Offizierkorps eingewurzelt war, zeigt der Bericht des
Admiral =Barras=, der kurz nach der Schlacht an =Des Touches=' Stelle
trat und sich für diesen verwandte. Er schrieb, nachdem er den
taktischen Erfolg hervorgehoben hatte: »Daß die Engländer ihre
strategische Aufgabe lösten, war eine Folge ihrer Überlegenheit und
noch mehr des Umstandes, daß dieselbe eine rein defensive war. Es ist
ein Grundsatz im Kriege, viel zu wagen, um die eigene Lage zu
verteidigen, aber sehr wenig, um die des Gegners anzugreifen. Des
Touches' Aufgabe war eine rein offensive, und er tat recht, sie
aufzugeben, da es unwahrscheinlich war, daß er den überlegenen Gegner
nicht nur schlüge, sondern auch völlig vernichte[162].« =Mahan= bemerkt
hierzu (Clowes III, Seite 493) sehr treffend: »=Diese Erhebung der
Defensive über die Offensive, dieses hemmende Rechnen mit
Möglichkeiten, diese Scheu vor Wagnissen erklären die geringen Erfolge
der Franzosen in diesem Kriege.=«
[162] Näheres hierüber vgl. Lacour II, Seite 362 und Chevalier II,
Seite 237.
=Des Touches= erreichte am 18. März die Narragansettbucht, Anfang April
stieß ein Linienschiff mit Munition, sowie 600 Soldaten von Frankreich zu
ihm, und am 10. Mai langte auf einer Fregatte der Chef d'Escadre =de
Barras= an, der den Oberbefehl übernahm. Auch =Arbuthnot= traf bald nach
der Schlacht wieder in New York ein und begab sich auf seine
Beobachtungsstellung in der Gardinerbucht; am 2. Juli wurde er durch den
Kontreadmiral =Sir Thomas Graves= im Kommando abgelöst.
$Virginia wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges, Sommer
1781.$ =Des Touches= überließ durch seinen Rückzug den Engländern die
Chesapeakebucht und =Clinton= sandte sofort (Ende März) den General
=Phillips= mit 2000 Mann dorthin. Dieser übernahm den Oberbefehl, segelte
während des Monats April den Jamesfluß hinauf, landete an verschiedenen
Stellen, trieb die amerikanischen Milizen auseinander und verwüstete das
Land planmäßig. Anfang Mai ging er wieder flußabwärts und erhielt am 7.
Mai von =Cornwallis=, der jetzt aus Carolina herangekommen war, Befehl,
sich mit ihm in Petersburg zu vereinigen. =Lafayette= war =Phillips=
beobachtend gefolgt und versuchte vergeblich, Petersburg vor diesem zu
erreichen, entzog sich aber doch dem Angriff durch =Cornwallis=. Die
Vereinigung der englischen Heere fand am 20. Mai statt, nachdem
=Phillips= kurz vorher einem Fieber erlegen war. Schon am 24. überschritt
=Cornwallis= den Jamesfluß, um =Lafayette= anzugreifen, der vor Richmond
Stellung genommen hatte. Dieser wich jedoch weiter aus und erhielt bald
darauf Verstärkung.
=Cornwallis= blieb bei Williamsburg stehen, um die Halbinsel zwischen dem
James- und dem Yorkflusse zu halten. Hier bekam er Befehl, einen Teil
seines Heeres an =Clinton= zurückzusenden, der sich in New York unsicher
fühlte. Es zeigte sich jetzt also die Folge seines Fehlers, daß er die so
schon kaum genügenden Kräfte auf zwei nur über See in Verbindung stehende
Kriegsschauplätze verteilt hatte. =Cornwallis= wollte nun auf Portsmouth
zurückgehen, um dem Meere näher zu sein. Beim Übergang über den Jamesfluß
wurde er von =Lafayette= angegriffen; der nur noch die Nachhut vor sich
zu haben glaubte und eine schwere Niederlage erlitt. =Cornwallis= erhielt
jetzt mit dem Widerruf des letzten Befehls den Auftrag, sich in Yorktown
am Südufer in Gloucester am Nordufer des Yorkflusses festzusetzen und die
Halbinsel zu behaupten. Er verfügte dazu über etwa 7000 Mann, 1 Schiff zu
50 Kanonen und einige kleinere Fahrzeuge; ihm gegenüber lag =Lafayette=
mit etwa 1800 Regulären und 3000 Milizen (Ende August). Hier sollte sich
der Landkrieg entscheiden, da die Verbündeten bald mit weitüberlegenen
Kräften auftraten.
Mit dem Admiral =Barras= war der Sohn des Generals =Rochambeau= von
seiner Sendung nach Frankreich zurückgekehrt und hatte berichtet, =de
Grasse= habe Befehl, während der Orkanzeit von Westindien nach
Nordamerika Schiffe zu senden. Daraufhin kamen =Washington= und
=Rochambeau= am 21. Mai zusammen, um einen Kriegsplan aufzustellen. Man
zog den Angriff auf New York, sowie eine große Expedition nach Virginia
in Erwägung und entschied sich für letztere, hauptsächlich in der
Annahme, daß =de Grasse= nach den Erfahrungen =d'Estaings= vor New York
lieber in der Chesapeakebucht bleiben würde. Man beschloß, sofort die
französischen Truppen zu den amerikanischen am Hudson heranzuziehen, um
so zu beiden Unternehmungen bereit zu sein, falls =de Grasse= wider
Erwarten den Angriff auf New York vorziehe.
Nach einer zweiten Beratung am 20. Juni ward dann eine Fregatte nach
Westindien gesandt, um dem Admiral Kenntnis von den Plänen zu bringen und
ihn um baldiges Kommen zu bitten. Dieses Schiff nahm auch amerikanische
Lotsen mit; =Barras=, der mit =de Grasse= gleichzeitig Frankreich
verlassen hatte, war von diesem hierzu beauftragt worden. Die Fregatte
traf bekanntlich den Admiral in Cap Français und kam schon am 15. August
mit der Nachricht zurück, daß er Anfang August nach der Chesapeakebucht
unter Segel gehen werde. Inzwischen war Ende Juli die Vereinigung am
Hudson erfolgt, und man verstärkte die Tätigkeit vor New York, um Clinton
über den eigentlichen Plan zu täuschen. Am 19. August traten dann
plötzlich 2000 Amerikaner und 4000 Franzosen den Marsch nach Virginia an
und erreichten am 3. September Philadelphia. Hier erhielt man zunächst
die beunruhigende Nachricht, daß =Hood= von Westindien in New York
angekommen sei, aber gleich darauf erfuhr man =de Grasses= Eintreffen vor
der Chesapeakebucht und stand schon am 5. September mit ihm in
Verbindung.
Das französische Geschwader in der Narragansettbucht, 8 Linienschiffe und
4 Fregatten, ging am 25. August nach der Chesapeakebucht in See; es
führte auf 18 Transportern Truppen nebst einem Belagerungspark mit sich.
=Barras= hatte anfangs Bedenken geäußert: er könne mit =Graves= in New
York, der außerdem noch Verstärkung aus England entgegensehe, oder mit
der aus Westindien sicher zu erwartenden englischen Flotte
zusammenstoßen; =de Grasse= sei aber mit 24 Linienschiffen auch ohne ihn
jedem Gegner gewachsen und habe ihm ja, wohl aus diesem Grunde, freie
Hand gelassen. Da wolle er lieber eine Diversion gegen Neufundland
unternehmen. Er fügte sich jedoch später, nahm aber der Sicherheit halber
seinen Kurs nach Süden weit von der Küste und steuerte die Bucht erst auf
der Breite vom Kap Henry an. So traf er dort unbelästigt, aber erst am
10. September ein, als die Lage in der Hauptsache bereits entschieden
war.
=Barras=' Einwurf war durchaus berechtigt, denn =Graves= war stark
genug, ihn mit seinem Transporte zurückzuweisen, wie es =Arbuthnot= mit
=Des Touches= geglückt war; er traf auch tatsächlich früher vor der
Bucht ein als Barras. Mit Rücksicht auf =Graves=' Stärke hatte man
sogar kurze Zeit vorher daran gedacht, das französische Geschwader nach
Boston zurückzuziehen.
$De Grasse und Hood treffen ein. Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht,
5. September 1781.$ Admiral =Hood= war am 25. August vor der Bucht
angelangt. Da man aber in New York nichts von seinem Kommen wußte, fand
er keine Nachrichten über die Lage vor, segelte weiter und ankerte am 28.
bei Sandy Hook. Am Abend dieses Tages erfuhr man in New York die Abfahrt
der Franzosen von Rhode-Island. Admiral =Graves= kam mit 5 Linienschiffen
und einem 50-Kanonenschiffe, die allein völlig seebereit waren, aus dem
Hafen, übernahm den Oberbefehl und segelte am 31. August zur Verfolgung
ab. Man wußte jetzt, daß das Heer der Verbündeten im Eilmarsch nach dem
Süden zog, auch wollte man versuchen, =Barras= und =de Grasse= einzeln zu
schlagen; letzteren schätzte man, wie auch =Rodney= getan hatte, auf nur
etwa 14 Schiffe.
=De Grasse= erreichte die Chesapeakebai am 30. August und ankerte in der
Lynnhavenbucht hinter Kap Henry. Er ließ trotz des weiten Weges die
mitgebrachten 3300 Soldaten durch die Ruderboote der Flotte nach dem
Jamesflusse befördern und dort landen, auch sandte er 4 Linienschiffe
mit, um diese Überführung zu decken, die englischen Schiffe im Yorkflusse
festzuhalten und um dem englischen Heere unter Cornwallis den Rückzug
über den Jamesfluß zu verlegen.
=Lafayette= wurde durch die Gelandeten auf 8000 Mann verstärkt und rückte
bis Williamsburg vor. Am 5. September früh erhielt =de Grasse= eine
Bitte =Washingtons=, seine Truppen von Philadelphia nach Virginien
überzusetzen; der Admiral bestimmte hierfür auch 7 Linienschiffe, wollte
jedoch zuvor noch die Rückkehr der entsandten Boote abwarten. Um 9 Uhr
vormittags meldete ihm eine Ausguckfregatte das Nahen einer großen
Flotte. Man hielt diese zunächst für das Geschwader Barras' mit den
Transportern, entnahm aber bald aus der Anzahl der schweren Schiffe, daß
es Engländer sein müßten. =De Grasse= beschloß, ihnen vor der Bucht
entgegenzutreten und ging um Mittag in See, als die Ebbe einsetzte.
=Graves= war seinerseits auf das peinlichste überrascht, auf eine
überlegene Flotte zu stoßen, zögerte aber keinen Augenblick mit dem
Angriff. Die Schwerfälligkeit der englischen Methode ließ jedoch seine
Tapferkeit zuschanden werden.
[Illustration: Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.]
$Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 5. September 1781[163].$ =Die
französische Flotte= zählte 24 Linienschiffe und zwar: 1 Schiff zu 104
Kanonen (»Ville de Paris«, das größte und schönste Schiff jener Zeit),
3 zu 80, 17 zu 74, 3 zu 64; die englische Flotte zählte 19 Schiffe: 2
zu 90, 12 zu 74, 1 zu 70, 4 zu 64, 1 zu 50 (dieses stand nicht in der
Linie).
[165] Besonders benutzte Quellen: Clowes III, Seite 497; Bonfils III,
Seite 209; Troude II, Seite 108. Clowes gibt auch Näheres über
die von Hood an der Führung der englischen Flotte später geübte
Kritik.
Die Mündung der Bucht vom Kap Charles bis Kap Henry ist etwa 10
Seemeilen breit; die Haupteinfahrt befindet sich zwischen
letztgenanntem Kap und einer 3 Seemeilen entfernten Bank, dem
Mittelgrunde. Als die englische Flotte gesichtet wurde, segelte sie von
Norden mit südwestlichem Kurse auf die Einfahrt zu und bildete bei der
Annäherung Kiellinie. Der Wind war NNO, viele der französischen Schiffe
mußten beim Inseegehen einige Schläge machen, um das Kap Henry zu
passieren; die Bildung der Linie dauerte infolgedessen längere Zeit,
und sie war anfangs weder gut geschlossen noch ausgerichtet. =De
Grasse= steuerte über Steuerbordbug beim Winde nach Osten; um 2 Uhr
nachmittags stand seine Vorhut querab von der Mitte der Engländer.
Nun halste =Graves= mit allen Schiffen zugleich, so daß die beiden
Linien parallel etwa 3 Seemeilen voneinander entfernt über gleichen Bug
lagen, wartete ab, bis das feindliche Flaggschiff querab von dem seinen
war (Plan: Lage A, A') und setzte sich dann wieder in Fahrt. Um 2-1/2
Uhr gab er dem Spitzenschiff Befehl, auf die Spitze des Gegners
zuzuhalten; da die anderen Schiffe im Kielwasser des Spitzenschiffes
bleiben mußten, näherte sich die englische Linie der feindlichen in
einem spitzen Winkel. Um 3-3/4 Uhr heißte der Admiral das Signal zum
Angriff, ließ aber das für »Kiellinie« wehen. Die Engländer befanden
sich also genau in der Lage (B, B'), die sich bei Betrachtung der
Taktik (Seite 41) als überaus ungünstig herausgestellt hat, und die
Folgen blieben nicht aus. Die vorderen Schiffe kamen früher ins
Gefecht, die folgenden erst nach und nach, ja überhaupt nur bis zum
zwölften; diese zwölf aber hatten längere Zeit Enfilierfeuer
auszuhalten, ohne es ernstlich erwidern zu können. In diesem besonderen
Falle ergab sich hieraus noch ein weiterer Übelstand. Der Admiral,
sowie einige Schiffe vor ihm luvten während der Annäherung zeitweise
an, um ihre Breitseiten abgeben zu können, hierdurch wurde die Ordnung
gestört und die Schiffe behinderten sich gegenseitig, Umstände, die
sich bei anderen Schlachten als eine Folge dieser Art des Angriffs
herausstellten, wenn Schiffe durch Havarien aufgehalten wurden (vgl.
Minorka, Seite 137). Nach dem Schiffsjournal des Flaggschiffes hat
=Graves= mehrere Male das Signal »Kiellinie« niedergeholt, es aber
immer wieder geheißt. Der Führer der Nachhut, =Hood=, hat das
Niederholen um 5-1/2 Uhr, dicht vor Ende des Kampfes, zum ersten Male
erkannt. Die letzten 7 Schiffe kamen überhaupt nicht mehr zum Gefecht,
was =Hood= eben diesem Umstande neben dem zu schrägen Heranführen
zuschrieb. Um die genannte Zeit nämlich gab =de Grasse= seinen
vordersten Schiffen Befehl, langsam abzuhalten, denn er glaubte sie
gefährdet, weil seine hinteren Schiffe ziemlich weit in Lee standen.
=Graves= aber blieb dicht am Winde liegen, und so endete der Kampf
gegen Sonnenuntergang. =Hood= schrieb am nächsten Tage eine Kritik über
die Führung, die auch veröffentlicht wurde. Sie gipfelte in den
erwähnten Punkten und zog den Schluß, daß ohne diese Fehler die
feindliche Vorhut hätte vernichtet werden können.
=Die Verluste= betrugen auf französischer Seite nach eigener Angabe 200
Tote und Verwundete, auf englischer 336; auch waren wie gewöhnlich die
vorderen englischen Schiffe, besonders fünf von ihnen, stark
beschädigt.
Nach vorstehender Schilderung ist auch =diese Schlacht ein besonders
gutes Beispiel für die Taktik der beiden Gegner. Strategisch= war sie
=ein Erfolg der Franzosen=. =Graves= hatte wohl die Absicht, den Kampf zu
erneuern, sah aber wegen der Beschädigung mehrerer seiner Schiffe davon
ab. Er hielt sich bis zum 9. September in Sicht der Franzosen, am 10.
mußte er ein 74-Kanonenschiff verbrennen, da es nicht mehr flott zu
halten war, und als ihm am 13. eine Fregatte meldete, daß die
französische Flotte noch verstärkt in der Bucht läge, segelte er nach New
York ab, wo er am 19. eintraf.
=Hood= war auch mit dem Verfahren nach der Schlacht nicht
einverstanden. Nach seiner Ansicht hätte man unmittelbar nach Abbruch
des Kampfes in die Bucht einlaufen und hier eine Verteidigungsstellung
einnehmen müssen; der Feind würde dann wahrscheinlich von einem
Angriffe abgesehen haben. Als er dann am 13. September von =Graves= um
seine Ansicht befragt wurde, antwortete er, er könne wirklich keinen
Rat in der traurigen Lage geben, in die man sich selber gebracht habe.
=De Grasse= hatte sich während der Tage nach der Schlacht beobachtend und
abwartend verhalten; ihm lag in erster Linie daran, das erwartete
Geschwader =Barras=' sicher aufzunehmen. Am 10. September segelte er nach
der Chesapeakebucht, da er wegen seiner Boote in Sorge war und auch den
Vormarsch des Landheeres unterstützen wollte. Als er am 11. einlief, fand
er die Boote und =Barras= in Lynnhavenbucht vor.
$Cornwallis ergibt sich in Yorktown, Oktober 1781.$ Inzwischen hatten die
Generale am Nordende der Chesapeakebucht alle Fahrzeuge gesammelt, deren
sie habhaft werden konnten und mit ihnen 2000 Mann nach Süden befördert;
der Rest setzte den Marsch zu Lande fort und wurde dann teilweise durch
französische Fregatten von Annapolis aus weitergeführt. Am 25. September
war die ganze Macht der Verbündeten, 14000 Mann, bei Williamsburg vereint
und rückte am 26. gegen Yorktown vor; die Stadt ward eingeschlossen und
auch Gloucester berannt. Um diese Zeit erfuhr =de Grasse=, daß =Graves=
Verstärkungen erhalten habe. Er wollte auslaufen, da er dessen Erscheinen
erwartete, aber =Washington= ersuchte ihn zu bleiben, damit =Cornwallis=
keine Möglichkeit habe zu entschlüpfen. So hielt sich die Flotte nur zum
Inseegehen bereit.
=Cornwallis= war nun auch vom Meere abgeschnitten. Von seinen Truppen --
7250 Soldaten und 850 Seeleute, die in den Werken Schiffsgeschütze der
Flottille bedienten -- lagen ungefähr 1500 Mann krank, Lebensmittel wie
Munition wurden knapp; auch ein Versuch, sich von Norfolk über den
Yorkfluß nach Gloucester zu ziehen, schlug fehl, da ein Sturm die Boote
der Flottille vernichtete. In der Nacht vom 14./15. Oktober nahmen die
Belagerer zwei wichtige Außenforts. Am 18. trat =Cornwallis= in
Unterhandlungen und =übergab= am 19. =Oktober Yorktown=. Das englische
Heer ward kriegsgefangen; 22 Fahnen, 160 Kanonen, 8 Mörser, sowie einige
kleinere Kriegsschiffe fielen den Siegern in die Hände. Um die
»Loyalisten« zu retten, die unter ihm dienten und die von den Amerikanern
als Verräter behandelt worden wären, bedingte sich =Cornwallis= aus, daß
ein Schiff mit ihnen an Bord undurchsucht nach New York segeln dürfte,
von wo es dann zurückkehren und sich den Gegnern überliefern mußte. Noch
größer war der moralische Erfolg des Sieges. Er belebte den gesunkenen
Mut der Amerikaner, gab in England der Opposition und den
Friedensfreunden eine neue Waffe und trug selbst zum Sturz des
Ministeriums bei. =Mit dem Falle von Yorktown war der Krieg in
Nordamerika gewissermaßen beendet.=
$Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück.$ Kurz nach Ankunft der
englischen Flotte in New York stießen Kontreadmiral =Digby=, der den
Oberbefehl der Station übernehmen sollte, von England mit 3
Linienschiffen, sowie die beiden von =Rodney= nach Jamaika entsandten
Schiffe zu ihr. Ein neuer Versuch zum Entsatz Yorktowns wurde
beschlossen. =Graves=, der für das Kommando der Jamaikastation bestimmt
war, behielt vorläufig den Oberbefehl und erschien am 25. Oktober mit 27
Linienschiffen, sowie 6000 Mann bei Kap Henry; auf die Nachricht von
=Cornwallis=' Schicksal kehrte er jedoch nach New York zurück, ohne einen
Angriff auf die französische Flotte gemacht zu haben. Er ging dann auf
seine neue Station; =Hood= segelte am 5. November mit 18 Linienschiffen
nach Westindien und traf am 5. Dezember in Barbados ein.
=De Grasse= ging am 4. November mit seiner ganzen Flotte, einschließlich
des Geschwaders Barras', in See; nur einige Fregatten blieben zurück. Er
zweigte 4 Linienschiffe ab, um die von St. Domingue mitgenommenen
Soldaten wieder dorthin zu führen und dann den bei seiner Abfahrt
zurückgelassenen Konvoi nach Europa zu geleiten. Mit dem Gros traf er am
26. November in Fort Royal ein.