$Die Gefechte bei Martinique am 15. und 19. Mai 1780.$ Am 15. Mai

nachmittags kam =Guichen= etwas näher als gewöhnlich heran; beide

Flotten lagen bei Ostwind über Steuerbordbug mit SSO-Kurs. Schon war

das französische Spitzenschiff etwa querab von der englischen Mitte

imstande, das Feuer zu eröffnen, da drehte der Wind schnell auf SSO, so

daß sämtliche Schiffe etwa SW anlagen. =Rodney= benützte dies, wendete

im Kontremarsch und führte seine Flotte nach Osten; er würde die

feindliche Spitze zu Luward passiert haben, wenn nicht auch =Guichen=

sofort mit allen Schiffen zugleich gehalst und gleichfalls östlich

gesteuert hätte (also in einer Linie, in der sich seine Schiffe etwa

SSO peilten). Die englische Flotte stand somit gewissermaßen windwärts

der französischen, aber noch hinter ihr zurück, und es war nur eine

Frage der Geschwindigkeit, ob sie herankommen würde.

Aber schon nach einer Stunde sprang der Wind auf Ost zurück. =Guichen=

ging nun an den Wind und legte seine Schiffe schnell wieder in

Kiellinie über Steuerbordbug (Kurs SSO); =Rodney=, der die Kiellinie

durch Abhalten im Kontremarsch über Backbordbug (Kurs NNO) bildete,

stieß mit seiner Spitze auf die Mitte der französischen Linie. Die

englischen Schiffe hielten dann nacheinander auf NNW ab, und so glitten

die Flotten aneinander vorüber. Die Engländer hätten vielleicht

Gelegenheit zum Durchbrechen gehabt, doch war die französische Linie

wohl zu gut geschlossen, und so kam es nur zu einem Feuergefecht der

englischen Vorhut mit der französischen Nachhut auf nähere Entfernung,

wobei die Franzosen wie gewöhnlich die feindliche Takelage als Ziel

wählten. Als die Nacht hereinbrach, trennten sich die Gegner.

(Genaueres vgl. Clowes III und Troude II.)

Am 19. Mai nachmittags begegneten sich die Flotten über verschiedenem

Bug liegend, die Franzosen zu Luward, so nahe, daß =Rodney= wiederum

mit seiner Spitze auf das fünfte französische Schiff stieß, und es

folgte ein ganz gleiches Passiergefecht. Nach französischen Angaben

soll =Rodney= dann mit seiner Vorhut, sobald diese das Schlußschiff des

Gegners passiert hatte, die französische Linie hinten zu doublieren

versucht, aber davon abgelassen haben, als =Guichen= Vorhut und Mitte,

alle Schiffe zugleich, wenden ließ, um seiner Nachhut zu Hilfe zu

kommen. Zu einem zweiten Zusammenstoß kam es auch diesmal wegen

einbrechender Dunkelheit nicht. (Vgl. Troude II, Bonfils III.)

=Die Verluste= in diesen beiden Gefechten betragen englischerseits 68

Tote und 213 Verwundete, französischerseits waren sie wahrscheinlich um

so viel größer als die englischen wie in der Schlacht am 17. April.

Der letzte Zusammenstoß am 19. Mai fand etwa 120 Seemeilen östlich von

Martinique statt und beweist sicher, daß =Rodney= nicht vor dem Feinde

gewichen war, denn er hatte ihn um diese Strecke nach Luward getrieben.

Jetzt aber sahen sich beide Flotten genötigt, ihre Unternehmungen

abzubrechen; die französische hatte nur noch für 6 Tage Wasser und

Proviant, von der englischen bedurften mehrere Schiffe einer sorgfältigen

Ausbesserung, endlich waren die Besatzungen durch die fortwährende

Gefechtsbereitschaft sowie die vielen Segelmanöver überanstrengt[151].

=Rodney= sandte am 20. Mai die vier schadhaftesten Schiffe nach Sta.

Lucia und segelte mit den übrigen nach Barbados, =Guichen= ging nach Fort

Royal; sie erreichten ihr Ziel am 22. Beide konnten Erfolge verzeichnen,

aber nur negative. Der erstere hatte Angriffe auf englische Inseln

verhindert, letzterer entscheidende Schlachten vermieden und doch die

feindliche Flotte für einige Zeit geschwächt.

[151] Rodney schrieb an seine Frau, daß Offiziere und Leute 14 Tage

hindurch kaum zum Schlafen gekommen seien; nur das herrliche

Passatwetter habe das Ertragen der Anstrengungen ermöglicht.

=Guichen=, der außerdem am 17. April einen Sohn verloren hatte,

bat um seine Ablösung, da sein Gesundheitszustand es nicht

erlaube, weiterhin derartige Strapazen und andauernde

Verantwortung zu übernehmen.

$De Guichen verläßt Westindien.$ Die Unternehmungen der Flotten waren für

1780 zu Ende, obgleich sich die Lage durch das Auftreten spanischer

Seestreitkräfte scheinbar sehr zugunsten der Franzosen änderte. Anfang

Juni erhielt =Guichen= durch eine spanische Fregatte die Nachricht vom

Nahen der Flotte unter =Don Solano= -- 12 Linienschiffe, einige Fregatten

und 83 Transporter mit 12000 Soldaten, starker Artillerie sowie

reichlichem Kriegsmaterial --, die am 28. April Cadiz verlassen hatte

(Seite 295). Auch =Rodney= hatte hiervon erfahren und sofort eine

Beobachtungskette von Barbados bis Barbuda ausgelegt, auch beschleunigte

er die Instandsetzung seines Geschwaders und ging am 7. Juni mit 17

Linienschiffen in See, um östlich von Martinique zu kreuzen. Er kam

jedoch zu spät. =Solano= war bei seiner Fahrt nach dieser Insel etwa 150

Seemeilen windwärts von ihr auf eine der englischen Fregatten gestoßen,

hatte deshalb den Kurs nördlich um Guadeloupe herum genommen und traf am

9. Juni westlich von Dominika auf =Guichen=, der ihm mit 15

Linienschiffen entgegengekommen war. Die Kriegsschiffe der Verbündeten

ankerten dann in Fort Royal, die spanischen Transporter vor Basse-Terre.

Die Verbündeten verfügten jetzt über 34 Linienschiffe gegen 22 englische,

sowie über eine ungemein starke Truppenmacht. Das englische Westindien

schwebte in großer Gefahr, es schien leicht für den Gegner, Sta. Lucia

und Jamaika zu erobern; der Gewinn dieser Insel war auch wohl Spaniens

Absicht bei Entsendung der Flotte, während Frankreich in erster Linie den

Besitz der Kleinen Antillen erstrebte. Aber die Übermacht wurde nicht

benutzt. Vergebens bemühten sich =Guichen= und =Bouillé=, den spanischen

Admiral zu gemeinsamem Vorgehen zu bewegen. =Solano= erklärte, er habe

Befehl, nach Havanna zu segeln, ja er verlangte, daß die französische

Flotte ihn sicher dorthin geleite. Die spanische Expedition befand sich

allerdings in traurigem Zustande; auf den überfüllten und unreinlichen

Transportern war eine Epidemie ausgebrochen, so daß die Soldaten zunächst

einige Zeit zur Erholung ausgeschifft werden mußten.

=Guichen= sollte im Spätherbst die in St. Domingue sich sammelnden

Westindienfahrer mit seiner Flotte nach Europa geleiten und entschloß

sich, schon früher die Kleinen Antillen zu verlassen, um Solanos Wunsch

zu erfüllen. Er segelte am 5. Juli mit den in Martinique gesammelten

Handelsschiffen ab, geleitete die Spanier bis zum Ostende von Kuba und

ging dann nach Cap Français. Hier fand er Briefe des französischen

Gesandten bei den Vereinigten Staaten, sowie =Lafayettes= und

=Washingtons= vor, in denen er dringend ersucht wurde, nach Nordamerika

zu kommen; er lehnte dies jedoch mit Hinweis auf seine Order ab. Am 16.

August trat er mit dem größeren Teile der Flotte die Heimfahrt nach

Europa an, wohin die Division =La Motte= wenige Tage vorher schon

abgesegelt war, und traf wie diese am 24. Oktober in Cadiz ein (Seite

296). 9 Linienschiffe verblieben in Westindien.

$Rodney segelt nach Nordamerika und kehrt zurück.$ Der englische Admiral

hatte sich nach der Ankunft der Spanier beobachtend verhalten, da er für

Angriffsunternehmungen zu schwach war. Zwar hatte man auch ihm

Verstärkungen zugedacht, sie aber nicht oder doch nicht rechtzeitig

abgeschickt. Ein an Admiral =Arbuthnot= in Nordamerika gegebener Befehl,

Schiffe nach Westindien zu senden, erreichte diesen nicht, da ein Unfall

das überbringende Schiff traf; eine Division von 5 Linienschiffen war

durch widrige Winde drei Monate lang (!?) in England festgehalten und

langte erst am 12. Juli in Sta. Lucia an. Nun rührte sich =Rodney=. Er

ließ 5 Schiffe unter Kommodore =Hotham= als Schutz der Kleinen Antillen

zurück und geleitete selber mit der Hauptflotte (am 17. Juli) den

Sommerkonvoi von Handelsschiffen der Windwardinseln nach St. Christoffer,

von wo diese nebst denen der Leewardinseln unter dem Schutz zweier

Linienschiffe nach England abgingen. Unterwegs erhielt er Kenntnis von

der Fahrt der Franzosen und Spanier nach Kuba, von deren Uneinigkeit und

dem schlechten Zustande der spanischen Expedition.

Da nun =Guichen= den großen Konvoi mit sich führte und die schlimmste

Jahreszeit für Wirbelstürme bevorstand, glaubte =Rodney= annehmen zu

können, daß nur ein kleiner Teil der französischen Kräfte bei St.

Domingue bleiben würde und daß größere Unternehmungen der Verbündeten

nicht mehr zu befürchten wären. Anderseits nahm er aber auch an, daß nur

ein Teil der Franzosen den Konvoi nach Europa geleiten, ein anderer

jedoch nach Nordamerika segeln würde. Er beschloß, gleichfalls während

der Orkanmonate dort zu operieren und wurde hierin durch die Nachricht

bestärkt, daß ein französisches Geschwader (=de Ternay= vgl. Seite 291)

am 12. Juli in der Narragansettbucht eingetroffen sei. Ende Juli sandte

er 10 Linienschiffe zur Unterstützung des Admirals =Sir Peter Parker=

gegen etwaige Vorstöße der Verbündeten von Kuba oder St. Domingue nach

Jamaika und segelte im August mit 12 (14?) nach dem Norden. Auf der Fahrt

trat er mit dem englischen Heere in Charleston in Verbindung und traf

dann am 14. September in New York ein. Diese Teilung der Flotte =Rodneys=

war bei der Ungewißheit über die Bewegungen der Gegner =ein großes=,

durch nichts berechtigtes =Wagnis=; falls =Guichen= mit allen seinen

Kräften gegen Jamaika oder nach Nordamerika gegangen wäre, so wäre keiner

der beiden Teile der englischen Flotte ihm gewachsen gewesen.

In Nordamerika richtete =Rodney= nichts aus, wie wir später sehen werden.

Am 16. November 1780 ging er mit 9 Schiffen wieder nach Westindien unter

Segel und traf am 6. Dezember in Barbados ein. Im Oktober hatten

=schwere Wirbelstürme= Westindien, besonders Barbados, Sta. Lucia sowie

Jamaika heimgesucht; 13 englische Kriegsschiffe -- 2 Linienschiffe, 6

Fregatten, 5 Sloops -- gingen unter, viele andere wurden entmastet und

fast alle Vorräte vernichtet, so daß die Schäden kaum ausgebessert werden

konnten. =Rodney= hörte bei seiner Ankunft, daß auf St. Vincent die

Befestigungen zerstört seien und machte am 15. Dezember den Versuch, sich

dieser Insel zu bemächtigen, fand aber die Nachricht übertrieben. Im

Januar 1781 traf dann ein Geschwader von 8 Linienschiffen unter

Kontreadmiral =Sir Samuel Hood= nebst Transportern bei ihm ein. Jetzt

konnten die beschädigten Schiffe wieder instand gesetzt werden und

=Rodney= verfügte über 21 Linienschiffe -- 2 zu 90 Kanonen, 1 zu 80, 15

zu 74, 3 zu 64 --. Am 27. Januar erfuhr er den Ausbruch des Krieges mit

Holland und erhielt Befehl, gegen dessen Besitzungen vorzugehen.

$Die Eroberung Pensacolas$, die im Herbst 1780 eingeleitet wurde, war ein

=kleiner Erfolg der Verbündeten=. Der Chef d'Escadre =de Monteil=, der

das von der französischen Flotte zurückgelassene Geschwader, 5 Schiffe zu

74 und 4 zu 64 Kanonen, befehligte, hatte Auftrag, bei geeigneter

Gelegenheit mit =Solano= zusammenzuwirken. Die Spanier waren aber zu

größeren Unternehmungen zunächst nicht gewillt oder nicht imstande,

obgleich der französische Admiral mit 5 Linienschiffen nach Havanna kam,

während seine anderen 4 die Station in Martinique übernahmen. Endlich

wurde im Oktober eine gemeinsame Expedition unter =Solanos= Oberbefehl

nach Florida ins Werk gesetzt, um einen Angriff der Spanier von Louisiana

her auf Pensacola zu unterstützen. Das Unternehmen schritt jedoch nur

langsam vorwärts, und erst am 9. Mai 1781 ergab sich die Stadt, ein

Erfolg, der für den Großen Krieg ohne jede Bedeutung war. Die Franzosen

wären besser zum Handelsschutze in den Gewässern von Haiti geblieben.

=Monteil= traf am 10. Juli 1781 wieder in Cap Français ein und trat im

August zu der Flotte des Admirals =de Grasse=, ehe diese nach dem Norden

segelte.

* * * * *

$In Nordamerika$ brachte das Jahr $1780$ keine Ereignisse zur See. Die

Engländer hatten zwar zeitweise ziemlich starke Geschwader dort,

verwendeten sie aber nur zum Festhalten des französischen und im Dienste

des Landkrieges, den wir jetzt kurz weiter verfolgen müssen. Ende 1779

lagen sich die Hauptheere bei New York fast nur beobachtend gegenüber

(Seite 268), und die Engländer hatten im Süden den Angriff auf Savannah

abgeschlagen. Nach diesem Erfolge setzte dann ein kräftiger =Angriff der

Engländer in den Südstaaten= ein. Während im Norden der Winter zur

Waffenruhe zwang, stellte sich =General Clinton= in Person an die Spitze

einer Expedition =gegen Charleston=. Er übergab den Oberbefehl in New

York an den General von Knyphausen und ging am 26. Dezember 1779 mit

einem Geschwader unter =Vizeadmiral Arbuthnot=, dem Chef der

nordamerikanischen Station -- 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 3 zu 64, 1 zu 50,

2 zu 44, 6 Fregatten, Transporter mit 7750 Soldaten --, in See. Infolge

einer langen und stürmischen Überfahrt, auf der die Schiffe auseinander

kamen, war die Expedition erst Ende Januar 1780 in Savannah versammelt.

Hier zog =Clinton= Nachrichten über die Verhältnisse ein, beorderte die

dort befindlichen Truppen zum Vormarsch auf Charleston und ging am 10.

Februar wieder unter Segel. Am 11. und 12. landeten dann die Truppen an

der Mündung des Edistoflusses, etwa 30 km südlich der Stadt, und rückten

vor. Eine regelrechte Berennung folgte, bis der amerikanische General

=Lincoln= am 11. Mai =Charleston= übergab.

$Die Eroberung von Charleston, Frühjahr 1780.$ Während 1776 der Angriff

auf die Stadt (vgl. Seite 231) ganz auf den Seestreitkräften beruhte,

die nach Niederkämpfen der Befestigungen an der Einfahrt gegen

Charleston vorgehen sollten, eröffnete man diesmal die förmliche

Belagerung, während das Geschwader nur unterstützend eingriff. Die

Stadt war gut geschützt. Das Fort Moultrie an der engsten Stelle der

Einfahrt, das 1776 die feindliche Flotte zurückgewiesen hatte, zählte

jetzt 40 Kanonen; bei der Art des diesmaligen Angriffes kam es jedoch

kaum in Betracht, ebensowenig eine kleine Flottille amerikanischer

sowie französischer Kriegsschiffe (Fregatten und kleinere Fahrzeuge),

die bei Ankunft der Engländer bei dem Fort lag. Hinter der engen Stelle

der Einfahrt wendet sich das Fahrwasser nach Westen auf die Stadt zu,

die auf einer Landspitze zwischen den Flüssen Ashley und Cooper liegt;

diese vereinigen sich hier und decken die Stadt auf der Ost- sowie der

Südwestseite. Die Hauptbefestigungen befanden sich im Norden und

Nordwesten auf der Landzunge. Die Küste im Süden Charlestons besteht

aus verschiedenen, durch Creeks und Wasserläufe getrennten Inseln; von

diesen liegt Morris-Island an der engsten Stelle der Einfahrt, an sie

schließen sich westlich bis zum rechten Ufer des Ashley-Flusses, also

der Stadt gegenüber, James-Island und südlich St. Johns-Island.

Die angreifenden Truppen marschierten vom Edisto über diese Inseln

gegen die Stadt. Als die Ausschiffung des Belagerungskorps beendet war,

wurden die schweren Linienschiffe nach New York zurückgesandt, die

übrigen Fahrzeuge passierten die Barre, worauf sich die feindliche

Flottille in den Cooperfluß zurückzog und zum Teil versenkt wurde. Am

29. März überschritt das Heer den Ashley; den Übergang deckten und

ermöglichten die Boote des Geschwaders, die sich durch die Wasserläufe

zwischen den Inseln dorthin begeben hatten. Am 9. April eröffnete dann

=Clinton= die erste Parallele gegen die Nordfront der Stadt. Am

gleichen Tage passierte =Arbuthnot= bei Flut und günstigem Winde mit

den Schiffen die Einfahrt, wobei Fort Moultrie diesen nur wenig Schaden

zufügte, und ankerte im Süden der Stadt nördlich vor der Jamesinsel.

Die Schiffe erhielten zwar Feuer, beantworteten dieses aber nicht,

obgleich die Geschosse sie erreichten, und der Feind schwieg bald, da

er sie außer Schußweite glaubte. Charleston war so bis auf die

Ostseite, den Cooperfluß, eingeschlossen. Ein Versuch, mit den

Schiffsbooten auch in diesen einzudringen, wurde durch Sperren sowie

Batterien verhindert, aber den Landungsabteilungen der Schiffe gelang

es, am 7. Mai Fort Moultrie vom Rücken her zur Übergabe zu zwingen. Die

Belagerung nahm ihren Verlauf, auch der Cooperfluß ward im Norden der

Stadt gesperrt, und nachdem am 6. Mai die dritte Parallele

fertiggestellt war, ergab sich Charleston am 11.

Mit der Übergabe der Stadt wurden gegen 7000 Mann, darunter über 1000

amerikanische und französische Seeleute, kriegsgefangen; 5 amerikanische,

sowie 2 französische Kriegsschiffe fielen dem Sieger in die Hände, 3

wurden vernichtet. =Clinton= segelte am 5. Juni nach New York, 4-5000

Mann unter =General Cornwallis= zurücklassend. Dieser geschickte

Befehlshaber brachte schnell Südcarolina zur Ruhe und entsandte seinen

Unterführer, =Lord Rawdon=, nach Nordcarolina hinein. Jetzt stellte diese

Provinz im Verein mit Virginia 6000 Milizen unter General =Gates= ins

Feld, und von Washingtons Heer traf =Baron von Kalb= mit 2000 Regulären

ein. Infolgedessen und weil sich Rawdon grobe Ausschreitungen,

Erpressungen sowie Verheerungen hatte zuschulden kommen lassen, brach die

Empörung in Südcarolina aufs neue aus. =Gates= drang nun im Juli in diese

Provinz vor, wurde aber von =Cornwallis= am 18. August bei Camden mit

weit geringeren Kräften vernichtend geschlagen (Kalb fiel hier), und

dieser rückte in Nordcarolina ein. Er kam Ende September bis zur Stadt

Charlotte, wurde dann aber durch schwierige Kämpfe mit zahlreichen

kleinen feindlichen Schwärmen, sowie durch Unruhen im Rücken am weiteren

Vorgehen gehindert.

Als endlich am 8. Oktober ein abgezweigter Teil seines Heeres unter

Oberst =Ferguson=, der unvorsichtig in die gebirgige Gegend der Kolonie

vorgedrungen war, bei Kingsmountain teils vernichtet, teils

gefangengenommen war, mußte =Cornwallis= nach Südcarolina in der Richtung

auf Charleston zurückgehen; er traf Ende Oktober bei Winsborough ein und

nahm hier Stellung. Der Kongreß ernannte den sehr tüchtigen General

=Greene= zum Oberbefehlshaber im Süden; dieser sammelte ein Heer und

führte es nach Charlotte. Damit waren die größeren Operationen auf diesem

Kriegsschauplatze für 1780 beendet. =Greene= fühlte sich zum Angriff

nicht stark genug und auch =Cornwallis= sah sich zur Untätigkeit

gezwungen, bis sich seine durch Strapazen und Entbehrungen entkräfteten

Soldaten erholt hatten und Verstärkungen aus New York eingetroffen waren.

Bis dies eintrat, Mitte Dezember, blieb die Macht der Engländer auf

Charleston beschränkt.

=In den nördlichen Kolonien= änderte sich in den ersten Monaten des

Jahres 1780 nichts. =Knyphausen= mußte sich während der Abwesenheit

=Clintons= mit einem Teile des Heeres auf die Verteidigung New Yorks

beschränken, aber auch =Washington= blieb in der festen Stellung bei

Westpoint, da er nach wie vor Mangel an Offizieren, Soldaten, Geld und

Vorräten litt; die Fahnenflucht in seinem Heere war groß. So konnte er

auch die günstige Gelegenheit zu einem Angriff auf New York nicht

benutzen, als im Januar 1780 die Flüsse mit einer Eisdecke belegt waren,

die schwere Artillerie trug und dem Verteidiger eine Unterstützung durch

seine Seestreitkräfte nahm. =Clintons= Rückkehr verstärkte die Macht der

Engländer, aber auch die Amerikaner erhielten eine lang erhoffte

Unterstützung, denn am 11. Juli 1780 traf das französische Geschwader

unter dem Chef d'Escadre =de Ternay= -- 1 Schiff zu 84 Kanonen, 2 zu 74,

4 zu 64, 2 Fregatten -- nebst 6000 auserlesenen Soldaten unter General

=Graf Rochambeau= bei Rhode-Island ein.

$Seegefecht bei den Bermuda-Inseln, Juni 1780.$ =De Ternay= verließ am

2. Mai Brest. Am 20. Juni stieß er bei den Bermudas auf ein englisches

Geschwader unter =Kapitän Cornwallis= -- 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 2 zu

64, 1 zu 50 und eine Fregatte --, das von Jamaika bis hierher

Kauffahrer geleitet hatte. Der französische Admiral näherte sich zwar

in Schlachtlinie dem Feinde, aber nur in der Absicht, diesen von seinen

Truppentransportern abzuhalten; zugleich versuchte er, ein vom

englischen Geschwader getrenntes Schiff abzuschneiden. =Cornwallis=,

der seiner Unterlegenheit halber keinen Kampf wagen durfte, wenn er

auch die Luvstellung hatte, manövrierte, um das bedrohte Schiff zu

retten; als ihm dies gelungen war, brach er das Feuergefecht ab, zu dem

es während des Manövrierens mehrfach gekommen war, und =de Ternay= nahm

seinen Kurs nach Nordamerika wieder auf. Es ist ihm vorgeworfen, daß er

die Gelegenheit nicht ausgenützt habe, und auch seine Offiziere

äußerten ihre Unzufriedenheit darüber, aber er hat in diesem Falle wohl

mit Recht die sichere und schnelle Weiterbeförderung des Transportes

für wichtiger gehalten. (Clowes III, Seite 474, beschreibt das sonst

belanglose Gefecht sehr genau, um die wirklich geschickten Manöver des

englischen Führers hervorzuheben.)

Jetzt zeigte sich der Fehler, den =Clinton= 1779 durch das übereilte

Aufgeben von Rhode-Island gemacht hatte. Das französische Geschwader fand

in der Narragansettbucht einen sicheren Hafen und Stützpunkt, sowie die

beste Gelegenheit, Truppen zu landen und mit Washingtons Heer zu

vereinigen. Aber im Jahre 1780 sollte dies noch keine Folgen haben. =De

Ternay= und =Rochambeau= waren zunächst bemüht, ihre Stellung durch

Ausbau der Befestigungen gegen einen Angriff von See aus zu sichern. Auch

hatte das Landungskorps nach der langen Seereise viele Kranke, und einige

Transporter mit etwa 350 Mann, die vom Geschwader abgekommen waren,

fehlten noch. Die Sicherung der Stellung erwies sich bald als sehr nötig,

denn die englische Flotte erhielt am 13. Juli eine wesentliche

Verstärkung durch Kontreadmiral =Thomas Graves=, der von England mit 6

Linienschiffen in New York anlangte; =Arbuthnot= verfügte in diesem Hafen

jetzt über ein Schiff zu 98 Kanonen, 6 zu 74 und 3 zu 64.

=Admiral Graves= war von Portsmouth fast zu gleicher Zeit wie de Ternay

von Brest mit der Aufgabe in See gegangen, der französischen Expedition

den Weg zu verlegen. Obgleich er durch westliche Stürme 14 Tage in

Plymouth festgehalten wurde, erreichte er doch nur 24 Stunden nach den

Franzosen die amerikanische Küste.

Die Engländer wollten die Franzosen noch vor der Vereinigung mit den

Amerikanern angreifen. Ihre Flotte erschien am 21. Juli zur Erkundung vor

Rhode-Island, vermied aber einen Angriff, und =Clinton= traf

Vorbereitungen, Truppen dorthin zu führen. Hierdurch gewannen die Gegner

Zeit. Die Franzosen verstärkten die Befestigungen weiter; =Washington=

machte die größten Anstrengungen zur Vermehrung seines Heeres, beorderte

Truppen zur Vereinigung mit den Franzosen und entfaltete eine regere

Tätigkeit vor New York. Infolgedessen stand =Clinton= von der Expedition

ab, zu der die Soldaten bereits eingeschifft waren. Die Verbündeten

blieben gleichfalls untätig, wahrscheinlich erwarteten sie die Ankunft de

Guichens oder doch eines Teiles seiner Flotte. =De Ternay= hatte am 3.

August ein Schiff mit der Bitte um Unterstützung nach Cap Français

gesandt; die Botschaft traf aber dort erst ein, als =de Guichen= schon

abgesegelt war, und =Monteil= konnte sie nicht entziffern, da ihm der

Schlüssel fehlte. Als das zurückkehrende Schiff dies meldete, wurde am

28. Oktober der Sohn des Generals Rochambeau nach Frankreich geschickt,

um dort um Hilfe zu bitten.

Am 14. September 1780 traf =Rodney= von Westindien ein, so daß nun die

englische Flotte in New York mehr als 20 Linienschiffe zählte; mit einer

solchen Macht hätte die französische Expedition sicher vernichtet werden

können. Aber Rodney bewies hier nicht seine sonstige Schneidigkeit, wohl

weil er infolge des plötzlichen Klimawechsels ganz besonders schwer unter

der Gicht litt. Er ließ zwar die feindliche Stellung nochmals erkunden,

tat dies aber nicht selbst, sondern begnügte sich mit der Meldung, daß

sie zu stark sei. Der französischen Flotte war es allerdings 1779

gelungen, trotz der Befestigungen in die Narragansettbucht einzulaufen,

aber die Werke waren jetzt auch bedeutend vermehrt und wurden durch 7

Linienschiffe unterstützt, so daß die Franzosen selber ihre Stellung für

uneinnehmbar hielten. Dennoch zeigte diese Schwächen auf, und Admiral

=Graves= war der Ansicht, ein kühner Angriff würde Erfolg haben; er trat

lebhaft für einen solchen ein, drang aber nicht durch[152].

[152] Näheres über die französische Stellung und ihre Schwächen vgl.

Mahan I, Seite 381/82. -- =Graves= war 1801 zweiter im Kommando

unter =Nelson= bei dem ähnlichen, aber noch schwierigeren

Unternehmen gegen Kopenhagen.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 43 / 63 段