englischen und deren Häfen. =D'Orvilliers= beabsichtigte dem Plane für
die Landung entsprechend, den Kanal nach der englischen Flotte bis Wight
abzusuchen, sich in Besitz der Rhede von St. Hellens an der Nordostküste
dieser Insel zu setzen und dann =Cordobas= Geschwader nach Cherbourg zu
senden, um die Überfahrt der Transportflotte zu decken. Er wollte mit der
Hauptmacht den Gegner zur See im Schach halten, ihn schlagen oder in
seine Häfen einschließen. Das französische Landungsheer stand um diese
Zeit für die Einschiffung auf 100 Transportern bereit, während man in
England zur Abwehr neben den Milizen nur über wenig reguläre Soldaten
verfügte, da man eine ansehnliche Truppenzahl zur Unterdrückung von
Unruhen in Irland halten mußte; zudem war die verbündete Flotte auch nach
Abzweigung =Cordobas= noch der englischen weit überlegen. Diese
Gelegenheit, so günstig wie nie zuvor, um endlich einmal die Invasion
wirklich durchzuführen, blieb jedoch unbenutzt. Vor Plymouth erhielt
nämlich =d'Orvilliers= die Weisung, nicht Wight, sondern die Umgegend von
Falmouth als Landungsstelle zu benutzen. Mit Recht wandte der Admiral
dagegen ein, daß die große Flotte dort keinen sichern Ankerplatz habe, um
sich stets zur Deckung der Landung bereit zu halten, und ein solcher sei
um so nötiger, als das günstige Sommerwetter zu Ende gehe. Während er
eine Antwort auf diesen Einwurf erwartete, kam ein mehrtägiger Oststurm
auf und trieb ihn aus dem Kanal. Am 22. August benutzte er ruhiges
Wetter, die Bestände an Wasser und Proviant zwischen den Schiffen
auszugleichen und erhielt so die Flotte in ihrer Gesamtheit bis zum 20.
September verwendungsfähig. Am 25. traf die Nachricht ein, daß die
englische Flotte bei den Scillys kreuze.
Ein Kriegsrat der Flaggoffiziere entschied einstimmig dahin, daß es bei
dem schon fast unhaltbar gewordenen Gesundheitszustande sowie dem
drohenden Proviant- und Wassermangel unmöglich sei, nochmals in den Kanal
einzulaufen. Man beschloß, den Feind zu suchen und zur Schlacht zu
zwingen; wäre dies bis zum 8. September nicht zu erreichen, so sollte das
französische Kontingent nach Brest, das spanische nach Cadiz
zurückkehren. Dementsprechend wurde gehandelt. Am 31. August (nach allen
französischen Quellen, nach Clowes am 29.) sichtete man die englische
Flotte, die auf der Rückfahrt nach dem Kanal begriffen war.
=D'Orvilliers= versuchte heranzukommen, aber =Hardy= wich der fast
doppelten Übermacht aus, wobei ihn die Windverhältnisse begünstigten. Am
1. November konnten die Engländer ihr Einlaufen in Plymouth als gesichert
ansehen und am 3. ankerten sie vor Portsmouth. Noch einmal erschien
=d'Orvilliers= die Aussicht auf einen Teilerfolg. Als er am 31. die
Fruchtlosigkeit einer weiteren Verfolgung erkannte, kamen im Westen 15
Schiffe in Sicht; sofort jagte er sie, aber sie erwiesen sich als ein
Konvoi holländischer Handelsfahrzeuge. Er kreuzte dann noch am Eingange
des Kanals, bis er als Antwort auf seinen Bericht über den Beschluß des
Kriegsrates Befehl erhielt, mit der Gesamtflotte nach Brest zu kommen. Am
14. September traf er dort ein und gab am 21. den Oberbefehl an
Lieutenant-Général =Du Chaffault= ab.
$Der Zustand der französischen Flotte$ war tatsächlich so traurig, daß
die meisten Schiffe wegen Mangels an dienstbrauchbaren Leuten kaum noch
manövrieren konnten. Schon Ende August und Anfang September mußten acht
von ihnen nach Brest geschickt werden. Unter ihnen befand sich das
Flaggschiff, das von 1100 Mann Besatzung 560 Dienstunfähige zählte;
einem 80-Kanonenschiff fehlten von 800 Mann 500; ein Schiff zu 74
Kanonen hatte schon 70 Tote begraben und noch 529 Kranke. Auf vielen
der Schiffe, die bis zuletzt die See hielten, war ein Krankenbestand
von 2-300 Mann. (Nähere Angaben s. Chevalier II. Seite 171.)
=Die Operationen der großen Flotte waren für 1779 beendet.= Die
französische Regierung hatte zwar die Absicht, die Flotte nach Auffüllung
der Besatzungen sowie der Vorräte wieder auslaufen zu lassen, und auch an
General =de Vaux= ergingen neue Erlasse für Unternehmungen, zu denen man
die Flotte zu Anfang Oktober bereit glaubte. Aber ein Kriegsrat der
französischen und spanischen Flaggoffiziere (3. Oktober) stellte fest,
daß man wegen des augenblicklich großen Mannschaftsmangels, hauptsächlich
bedingt durch die vielen Erkrankungen in der französischen Marine, sowie
wegen notwendiger Ausbesserung der spanischen Schiffe nichts unternehmen
könne.
=Cordoba= segelte am 9. November mit dem Beobachtungsgeschwader nach
Spanien. Die übrigen spanischen Schiffe verblieben unter =de Gaston= bis
Januar 1780 in ihren Verbänden der Gesamtflotte; für diese bestand die
Ordre de Bataille weiter, damit sie im nächsten Frühjahr zeitig bereit
wäre. Sie bezog Winterquartiere und die Lager des Landheeres wurden im
November gleichfalls aufgelöst. Der ganze =Erfolg der Kampagne=, die von
den Verbündeten mit Aufbietung aller Kräfte und ungeheuren Kosten ins
Werk gesetzt war und die auch viele Menschenleben gefordert hatte,
obgleich kaum ein Schuß gefallen war, bestand in der Erbeutung eines
Linienschiffes, einiger zwanzig Kauffahrer und in etwa 1100 Gefangenen.
Zwar hatte man England in Schrecken gesetzt und dessen Flotte gezwungen,
das Feld zu räumen, aber von einer Beherrschung des Kanals, deren sich
=d'Orvilliers= in einem seiner Berichte rühmte, kann keine Rede sein.
Dem greisen Admiral =d'Orvilliers=, der seinen einzigen Sohn, einen
Leutnant, an der Epidemie verloren hatte, wurde natürlich von der
öffentlichen Meinung die Hauptschuld an den Mißerfolgen aufgebürdet,
die doch in erster Linie durch andere Gründe bedingt waren. Schwer
gebeugt zog er sich für den Rest seines Lebens in eine religiöse
Anstalt zurück; bei seinem streng christlichen Charakter war ihm der
Ausweg versagt, den =Villeneuve= nach Trafalgar im Selbstmord fand.
$Das Jahr 1780$ brachte in den europäischen Gewässern keine
Unternehmungen der Hauptflotten gegeneinander. Es kam jetzt zur Geltung,
daß die Verbündeten verschiedene Ziele im Auge hatten. Beide wollten zwar
England erniedrigen, aber Frankreich erstrebte dies in Westindien und
Nordamerika, während Spanien Gibraltar und Minorka besonders
berücksichtigte. So kamen sie überein, den Einfall in England vorläufig
aufzugeben, aber den Gegner in Nordamerika und Ostindien im Schach zu
halten, in Westindien angriffsweise vorzugehen, sowie Gibraltar zu
nehmen. Diesem Plane entsprechend gestalteten sie ihre $Rüstungen für
1780[146]$.
[146] Vgl. auch die Tabellen Seite 224 mit dem Hinweis auf ihre nur
bedingte Zuverlässigkeit, besonders was die spanische Marine
anbetrifft.
=Spanien= hatte zu Beginn des Jahres 20 Schiffe in Cadiz unter =Cordoba=,
5 bei Algeciras, 11 kreuzten beim Kap St. Vincent; da man erfahren hatte,
daß England Zufuhren nach Gibraltar senden wolle, rief man auch =de
Gaston= mit seinen 21 Schiffen von Brest zurück. Er verlor hiervon am
16./17. Januar sieben bei St. Vincent und sandte Ende April zwölf unter
Admiral =Solano= nach Westindien, wo sich schon einige Schiffe befanden;
wahrscheinlich waren auch noch verschiedene in den Mittelmeerhäfen
stationiert. Spanien wird somit im Anfang des Jahres etwas über 60
Linienschiffe und nach dem Verluste bei St. Vincent etwas unter dieser
Zahl im Dienst gehabt haben.
=Frankreich= schloß den aus Brest absegelnden Spaniern 4 Linienschiffe
an, sandte Anfang Februar 16 unter =de Guichen= nach Westindien, wo sich
schon 10 oder 12 unter =de Grasse= und =La Motte-Picquet= befanden; im
Mai führte =de Ternay= 7 nebst einer Hilfsarmee nach Nordamerika.
Da sich nun einige Schiffe (2?) in Toulon und schon im Januar von dieser
Station 4 bei der spanischen Flotte in Cadiz befanden, 3 in Ostindien
lagen, 2 nach dort abgingen und endlich 12 unter =Du Chaffault= das ganze
Jahr über in Brest verblieben, während im Laufe des Sommers noch 9 von
hier nach Cadiz segelten, so kann man die Gesamtindienststellung auf
mindestens 70 Linienschiffe annehmen.
Selbstverständlich vermochte Frankreich infolge des großen Abganges an
Toten und Schwererkrankten auf =d'Orvilliers=' Flotte noch weniger als
im Vorjahre für diese Indienststellungen genügend Seeleute
aufzubringen; man mußte noch mehr als früher mit Soldaten aushelfen und
überwies zu diesem Zwecke zwei Regimenter des Heeres an die Marine.
=England= blieb auch 1780 seinem Grundsatz treu, auf allen fernen
Kriegsschauplätzen einem Angriff gewachsen zu sein, in Europa seine
Küsten zu decken und den Kanal im Interesse des Handels zu beherrschen.
Für dieses Jahr waren 7-1/2 Millionen Lstrl. (einschließlich Neubauten,
sowie 1-1/2 Millionen Überschreitung des Vorjahres) und 85000 Mann
(einschließlich 18700 Seesoldaten) bewilligt. Im Sommer befanden sich 102
Linienschiffe im Dienst, deren Verteilung aus der Tabelle Seite 224 zu
ersehen ist.
$Im Mittelmeer$ waren $in den Jahren 1778-1779$ keine Kriegsereignisse
vorgefallen, solange sich nur England und Frankreich gegenüberstanden.
Letzteres war durch sein Vorgehen im Kanal, Nordamerika und Westindien so
in Anspruch genommen, daß England sich in Minorka und Gibraltar nicht
bedroht sah; beide Staaten hielten im Mittelmeere nur geringe Kräfte zum
Schutz des Handels. Als aber Spanien in den Krieg eintrat, begann es
bereits im Juli 1779 =die Belagerung Gibraltars= und ließ diesem Platze
durch einige Linienschiffe, sowie zahlreiche Fregatten von Algeciras aus
die Zufuhren abschneiden. Wie schon erwähnt, war 1780 die Eroberung
Gibraltars die Hauptaufgabe der spanischen Marine und eine große Macht
wurde dafür bestimmt: =Cordoba= hatte in Cadiz 31 spanische und 4
französische Linienschiffe, 5 lagen in Algeciras; =Gaston= sollte mit 21
spanischen und 4 französischen zu ihm stoßen. Aber dennoch glückte es
England, die belagerte Stadt mit Vorräten zu versehen.
$Rodney[147] siegt bei St. Vincent und versorgt Gibraltar. Januar 1780.$
Schon im Oktober 1779 hatte man in England beschlossen, den Admiral =Sir
George Rodney= mit einigen Linienschiffen zur Übernahme des Kommandos
nach Westindien zu senden; da die französische Flotte in Brest
Winterquartiere bezogen hatte, nahm man nun die Gelegenheit wahr, mit der
Ausreise dieses bewährten Führers die Versorgung Gibraltars und Minorkas
zu verbinden. Der Admiral verließ am 29. Dezember mit 22 Linienschiffen,
14 Fregatten und einigen kleineren Fahrzeugen Plymouth. Nur fünf der
ersteren hatte man für Westindien bestimmt, die übrigen gehörten der
Kanalflotte an und waren Rodney nur unterstellt, um einen großen Konvoi
zu decken. Dieser bestand aus Transportern mit Truppen, Kriegsmaterial
sowie Proviant für Gibraltar und Minorka, und aus Handelsschiffen, die
zur portugiesischen Küste oder nach Westindien segeln wollten; die
letzteren zweigten sich am 7. Januar 1780 unter Deckung eines
Linienschiffes nebst 4 Fregatten ab.
[149] =Sir George Bridges Rodney=, 1782 Baron R., geboren 16. Februar
1718, Kapitän 1742, Kontreadmiral 1759, Vizeadmiral 1762, Admiral
1778, gestorben 24. Mai 1792, diente als Kommandant eines
Linienschiffes im österreichischen Erbfolgekriege (bei Finisterre
1747 unter Hawke) und im Siebenjährigen Kriege (bei Louisbourg
1759 unter Boscawen), führte 1759/60 ein Geschwader zur
Blockierung der französischen Kanalhäfen, beschoß Havre, erhielt
1761 den Befehl auf der Antillenstation, nahm 1762 Martinique.
Leichtsinnig in seinem Lebenswandel, hielt er sich bei Ausbruch
des Krieges 1778 wegen seiner Schulden in England in Paris auf.
Der französische Marschall =de Biron= hörte, daß =Rodney= sich
rühme, er würde mit der französischen Flotte schon fertig werden,
wenn er nur nach England könne, und bezahlte in einer Anwandlung
von Ritterlichkeit sowie nationalem Kitzel dessen Schulden. Nun
nach England zurückgekehrt, erhielt Rodney das obenerwähnte
Kommando, und damit begann der glorreiche Teil der Laufbahn
dieses tüchtigen und mutigen Mannes, der damals schon 62 Jahre
zählte und schwer unter der Gicht litt. Seine Schlachten,
besonders in Westindien ausgefochten, sein Geschick als Stratege
und Taktiker und -- sein Glück, werden wir bald kennen lernen.
Biographische Angaben: =Mundy=, The life and correspondence of
the late Admiral R. (London 1830.)
Die Flotte stieß am 8. auf ein spanisches Geschwader -- ein Linienschiff,
4 Fregatten, 2 Korvetten -- nebst 12 Transportern mit Proviant für die
Cadizflotte und nahm nach kurzer Jagd alle Fahrzeuge; das Linienschiff
wurde, mit Engländern bemannt, angewiesen, die genommenen
Proviantfahrzeuge nach Gibraltar zu geleiten. Auf der Weiterreise erhielt
=Rodney= von einem Kauffahrer die Nachricht, daß auf der Höhe von =Kap
St. Vincent= ein spanisches Geschwader kreuze, und als am 16. das Kap
passiert war, kamen um 1 Uhr nachmittags 13 Segel in Sicht; =Rodney=
steuerte sofort in gut gehaltener Formation auf sie zu. Es waren 11
Linienschiffe und 2 Fregatten unter dem Admiral =Don Juan de Langara=,
ein Teil der Cadizflotte, die mit spanischer Sorglosigkeit schlecht
geschlossen fuhren. Ihr Führer verlor die Zeit damit, zu sammeln, die
Gefechtslinie zu bilden, sowie durch Signale die Ansicht der Kommandanten
über weiteres Verhalten einzuholen, und nahm dann erst Kurs auf Cadiz,
wofür der Wind günstig war.
=Rodney= gab nun Befehl zur »Allgemeinen Jagd« mit der Weisung, von Lee
her anzugreifen, um sich so zwischen den Feind und die Küste zu setzen;
das zuerst herankommende Schiff sollte das letzte feindliche angreifen,
das zweite das vorletzte usw. Um 4 Uhr nachmittags schon waren die vier
vordersten Engländer im Gefecht, um 4-3/4 Uhr flog ein spanisches Schiff
von 74 Kanonen auf und um 6 Uhr strich ein zweites die Flagge. Jetzt
wurde es schnell dunkel, aber der Kampf tobte weiter und um 2 Uhr morgens
ergab sich der vorderste Spanier. Nur 4 Linienschiffe und die Fregatten
entkamen; das Flaggschiff von 80 Kanonen, sowie 5 74-Kanonenschiffe
wurden genommen. Auf einem der letzteren überwältigte später die
Besatzung, die zur Bedienung herangezogen werden mußte, die wenigen
Engländer, ein zweites strandete und fiel gleichfalls den Spaniern wieder
zu. Es wehte nämlich während der Nacht bei hoher See so stark, daß selbst
die größeren englischen Schiffe sich nur mit Mühe von den Klippen von San
Lucar freihalten konnten.
Diese Schlacht, die den Siegern nur 39 Tote und 102 Verwundete kostete,
zeigte die Tüchtigkeit =Rodneys=, der gerade an diesem Tage schwer unter
der Gicht litt. Zwar war der Feind sehr unterlegen und wurde überrascht,
aber dennoch blieb es eine kühne Tat, bei dem drohenden Wetter auf einer
Leeküste kurz vor Einbruch der Nacht anzugreifen. Es war um so gewagter,
als man wußte, daß =Cordobas= Streitkräfte in diesen Gewässern 35
Linienschiffe zählten. Dieser hatte auch tatsächlich mit den anderen 24
in Erwartung der Engländer gleichfalls vor der Straße von Gibraltar
gekreuzt und war eben erst in Cadiz eingelaufen, um einige in einem
Sturme beschädigte Schiffe auszubessern. =Rodney= wurde ferner dadurch
vom Glück begünstigt, daß =Gaston=, der ihm von Brest aus entgegentreten
sollte, zu lange im Hafen festgehalten und dann durch die
Witterungsverhältnisse auf der Fahrt gehemmt wurde. =Rodney= erreichte
unbelästigt Gibraltar, konnte aber widriger Winde halber erst am 26.
Januar auf der Rhede ankern. Die fünf spanischen Blockadeschiffe zogen
sich unter die Werke bei Algeciras zurück und die Engländer landeten
ungestört Truppen sowie Vorräte. Die Transporter für Minorka waren schon
vor dem Einlaufen in die Bucht unter Deckung von 3 Linienschiffen
weitergesandt; sobald diese dann wieder eintrafen, ging =Rodney= am 13.
Februar in den Atlantik zurück. Nach drei Tagen entließ er die Schiffe
der Kanalflotte und steuerte selber mit 4 Linienschiffen nach Westindien.
Gibraltar und Minorka waren auf ein Jahr versorgt.
Die unter Admiral =Digby= nach England segelnden Schiffe stießen am 23.
Februar auf 15 französische Transporter, die unter Bedeckung durch 2
Linienschiffe und eine Fregatte nach Ostindien unterwegs waren. Drei
Transporter sowie das Schiff des ältesten Kapitäns, der sich mutig
opferte, wurden genommen, die anderen entkamen während der Nacht.
=Cordoba= rührte sich weder während des langen Aufenthalts der Engländer
vor Gibraltar noch bei deren Rückfahrt durch die Straße. Er mochte wohl
seinen, zur Zeit noch teilweise beschädigten Schiffen nicht allzuviel
zutrauen. Nach der Vernichtung =Langaras= konnte er auch nicht mehr mit
Überlegenheit auftreten, zumal das Geschwader =Gastons= erst am 23.
Februar eintraf; es hatte schweres Wetter in der Biskaya gehabt und
längere Zeit in Ferrol behufs notdürftiger Ausbesserung gelegen.
Der Befehlshaber der vier französischen Schiffe bei der spanischen
Flotte äußerte sich sehr absprechend über diese. Die Besatzungen seien
ungeschickt in der Bedienung der Schiffe und die Offiziere unerfahren,
aber auch nachlässig im Segeln in großen Verbänden. Auch für =Cordobas=
Tatkraft spricht nicht gerade die Erzählung eines spanischen Autors:
Nach diesem traf die Meldung, daß die Engländer Gibraltar wieder
verlassen hätten, den Admiral in der Kirche. Er sagte: »Es ist gut!
Geduld. Gott will es. Diesmal haben die Engländer Glück, ein anderes
Mal werden wir es haben.« Ein Epigramm jener Zeit nannte ihn »el gran
santulario«.
Rodneys Sieg erregte in England große Freude. Der Erste Lord schrieb ihm,
er habe mehr Linienschiffe genommen als in irgendeiner Schlacht der
beiden letzten Kriege erbeutet worden wären. Der Admiral schrieb seinen
Erfolg dem Umstande zu, daß ein Teil seiner Schiffe gekupfert und dadurch
imstande gewesen sei, den Gegner einzuholen und festzuhalten. Er legte
deshalb der Admiralität ans Herz, diese Maßnahme schnell allgemein
durchzuführen, und der Erste Lord antwortete ihm: »Ich höre Sie laut nach
gekupferten Schiffen rufen und bin entschlossen, to stop your mouth; you
shall have copper enough.« Die Kupferung wurde dann auch beschleunigt.
$Der weitere Verlauf des Krieges in Europa 1780.$ Die Versorgung
Gibraltars blieb der einzige englische Vorstoß in diesem Jahre, ja das
einzige hervortretende Ereignis überhaupt, obgleich es schon im Februar
zu Ende war, also zu einer Zeit, in der sonst die großen Unternehmungen
kaum begannen. England, seiner Sorge um Gibraltar ledig, hielt die
schwachen Streitkräfte, 43 Linienschiffe, in den nördlichen Gewässern
zurück und auch die Verbündeten unternahmen nichts Ernstes, obgleich sie
in Cadiz über eine große Zahl von Schiffen verfügten, im Herbst sogar
über eine ungeheure Macht. Die Bewegungen der Gegner seien hier kurz
dargestellt.
Der englische Admiral =Francis Geary=, der im Mai für den verstorbenen
Admiral =Hardy= die Kanalflotte übernommen hatte, trat am 8. Juni mit 30
Linienschiffen eine Kreuzfahrt zum Schutze des Handels im Kanal an.
Anfang Juli stieß er auf einen französischen Konvoi von 30 nach
Westindien bestimmten Kauffahrern, konnte aber wegen einbrechender Nacht
und aufkommenden Nebels nur 12 von ihnen nehmen. Am 18. August war diese
Fahrt beendet und bald darauf ging der Oberbefehl auf Vizeadmiral =George
Darby= über, der ihn auch während des Jahres 1781 führte. Von nun an
kreuzten einzelne Kriegsschiffe, kleinere Verbände, sowie zahlreiche
Kaper im Kanal und hinunter bis zur portugiesischen Küste.
=Die Verbündeten= zogen stärkere Streitkräfte in Cadiz zusammen;
Frankreich suchte Spanien zu einer entscheidenden Unternehmung zu
bewegen, aber dieser Staat versteifte sich auf die Belagerung von
Gibraltar. Das einzige, wozu er sich verstand, war die Entsendung des
Admirals =Don Josef de Solano= mit 12 Linienschiffen, einigen Fregatten,
sowie gegen 12000 Mann nebst starkem Artilleriematerial auf 83
Transportern Ende April nach Westindien. Auch dann blieb =Cordoba= noch
29 Linienschiffe stark und Gibraltar war von Algeciras aus durch 5
solcher unmittelbar blockiert. Da zu diesen noch 8 oder 9 französische zu
rechnen sind und im Juli weitere 5 von Brest eintrafen, so verfügten die
Verbündeten schon Mitte dieses Monates hier über eine große Flotte.
In =Brest= behielt Frankreich das ganze Jahr über 12-15 Linienschiffe
unter Lieutenant-Général =Du Chaffault= als ein Beobachtungsgeschwader;
dies ist jedoch niemals vereint in See gegangen, sondern ließ nur
einzelne Schiffe kreuzen.
=Cordobas Unternehmungen= blieben aber ganz auf die südlichen Gewässer
beschränkt. Erst im Juli erhielt er den Befehl, mit einer größeren Macht
in See zu gehen; er sollte zwischen Kap St. Vincent und Vigo bis auf 150
Seemeilen von der Küste entfernt kreuzen, um dem Treiben englischer
Kriegsschiffe und Freibeuter ein Ende zu machen, die zwischen Ferrol und
Cadiz die Verbindung fast ganz unterbrochen hatten und den
französisch-spanischen Handel störten. Am 31. Juli lief er mit 22
Schiffen aus und hatte das Glück, am 8. August auf 36° 40' nördlicher
Breite und 15° Westlänge (Greenwich) einen englischen Konvoi von 67
Fahrzeugen zu treffen, die nach Ost- und Westindien bestimmt und durch
ein Linienschiff sowie zwei Fregatten gedeckt waren; nur die
Kriegsschiffe und 12 Handelsschiffe entkamen, mit 55 Prisen im Werte von
1-1/2 Millionen Lstrl. und 2865 Gefangenen lief =Cordoba= am 29. August
wieder in Cadiz ein. Der Schlag traf England um so härter, da ein Teil
der Schiffe mit Zufuhren für die Truppen und Schiffe in den Kolonien
beladen waren. Dies blieb aber auch der einzige Erfolg der Verbündeten,
obgleich Frankreich den Vizeadmiral =d'Estaing= nach Spanien sandte, um
mehr Tatkraft in die Kriegführung zu bringen.
$D'Estaings Mission in Spanien.$ Der Vizeadmiral traf im Juni 1780 in
Madrid ein und versuchte mit Unterstützung des französischen Gesandten
dahin zu wirken, daß man die große Flotte nicht nur im Dienste der
Belagerung von Gibraltar belasse, in dem sie nach französischer Ansicht
überhaupt nichts Ausschlaggebendes nützen könnte. Aber lange
Verhandlungen hatten keinen Erfolg. =D'Estaing= traf dann am 26.
September in Cadiz ein, begab sich von dort in das Lager von Gibraltar,
fand die Aussicht auf eine erfolgreiche Berennung der durch ihre Lage
fast uneinnehmbaren Stadt sehr gering und ward in seiner Ansicht noch
bestärkt, daß die Flotte hier nichts nützen könne. Er trat lebhaft für
deren anderweitige Verwendung ein, beispielsweise zu einem Angriff auf
Minorka, aber wieder vergeblich. -- Er hatte Befehl, nach Eintreffen
der französischen Streitkräfte von Westindien, die für die zweite
Hälfte des September nach Cadiz beordert waren, die Gesamtflotte
Frankreichs nach Brest zu führen, falls Spanien bis dahin nicht einer
anderen Verwendung zugestimmt habe.
Am 1. Oktober trafen noch einige Schiffe vor Brest in Cadiz ein und am
24. kamen das Geschwader =de Guichens=, sowie die selbständige Division
=de La Motte-Picquets= von Westindien an; jetzt waren etwa 40
französische Linienschiffe dort vereint. Da es =d'Estaing= nicht gelang,
Spanien zu entschlossenerem Handeln zu bewegen und er keinen Nutzen in
einem längeren Aufenthalt der französischen Schiffe bei Cadiz sah, traf
er Anstalt, diese gemäß der erhaltenen Weisung nach Frankreich
zurückzuführen. Die Jahreszeit war schon weit vorgeschritten, denn die
Schiffe aus Westindien waren über einen Monat später angekommen, als man
erwartet hatte und die meisten hatten eine gründliche Ausbesserung nach
ihrer fast zweijährigen Abwesenheit nötig. Unter =de Guichen= waren 95
Schiffe mit Zucker und Kaffee angekommen. =D'Estaing= ließ von diesen die
ins Mittelmeer bestimmten durch Kapitän =Suffren= mit 5 Linienschiffen
nach Toulon geleiten, während er mit dem Gros der Flotte am 7. November
nach Norden segelte. Er kreuzte noch kurze Zeit beim Kap St. Vincent und
traf am 5. Januar 1781 in Brest ein.
$Bemerkungen zu dem Kriege in Europa 1779/80.$ Während sich 1779 in
Westindien etwa gleichstarke Kräfte gegenüberstanden, befand sich
=England= in den heimischen Gewässern in großer Bedrängnis, als die
Flotte der Verbündeten auftrat; niemals seit Ruyters Zeit war die Gefahr
eines Einfalles so groß gewesen wie jetzt. Zwei Fehler der Regierung
hatten dies verschuldet. Erstens hatte man in den Friedensjahren
versäumt, die Marine einem möglichen, ja wahrscheinlichen Zusammenwirken
der beiden bourbonischen Königreiche gewachsen zu erhalten, zweitens
mußte die Vereinigung der beiden feindlichen Flotten jetzt verhindert
werden. Daß diese Unterlassungen sich nicht rächten, ist nur den
Mißgriffen der Verbündeten zu danken; diese seien hier nochmals kurz
zusammengefaßt.