-- 1 zu 90 Kanonen, 11 zu 74, 1 zu 64 -- und einer Fregatte verlassen.
Stürmische Gegenwinde versprengten auf der Reise die Flotte. Die Schiffe
waren mangelhaft bemannt, schlecht ausgerüstet -- das Tauwerk vielfach
nicht neu, sondern nur umgeschlagen -- und litten in den Stürmen schwer.
Nach 67 tägiger Reise traf das Flaggschiff allein bei Long Island ein und
sichtete hier die auf ihrer zweiten Fahrt nach Rhode-Island befindliche
französische Flotte. Gänzlich ohne Nachricht über die Lage in
Nordamerika, wagte Byron weder New York noch die Narragansettbucht
anzusteuern, sondern segelte nach Halifax; seine Schiffe sammelten sich
teils hier, teils in New York. Seine Ankunft gab nun zwar den Engländern
eine große Übermacht in den amerikanischen Gewässern, aber der Zustand,
in dem sich sowohl Byrons wie Howes Schiffe befanden, schloß größere
Unternehmungen vorläufig aus. =Byron= traf persönlich am 26. September in
New York ein, vermochte aber erst am 18. Oktober mit 16 Linienschiffen in
See zu gehen. Er nahm Kurs auf Boston, seine Schiffe wurden jedoch durch
den Sturm am 2. November aufs neue beschädigt und teils nach New York
teils nach der Narragansettbucht zurückgetrieben. So konnten die
Franzosen segeln.
Das Auslaufen der englischen Flotte sollte anscheinend einer von New York
nach Westindien bestimmten Expedition den Weg freihalten. Da auch der
Landkrieg im nördlichen Amerika während des Winters zum Stillstand kam,
hatte =Clinton= Befehl erhalten, 5000 Mann nach Westindien abzugeben. Mit
diesen verließ ein Konvoi von Transportern am 4. November New York,
gedeckt durch zwei 64-, zwei 50-Kanonenschiffe, zwei Fregatten und ein
Mörserboot unter =Kommodore William Hotham=; diese Expedition segelte
gleichzeitig und parallel mit der französischen Flotte, ohne daß die eine
von der anderen wußte. Auf der Breite der Bermuda-Inseln fielen nach
einem Sturme drei versprengte Transporter den Franzosen in die Hände,
aber die Besatzungen verrieten ihren Bestimmungsort nicht. D'Estaing
nahm Antigua an, kreuzte auf seiner weiteren Reise zwei Tage bei dieser
Insel, ohne etwas von dem Konvoi zu sehen, und traf dann am 9. Dezember
in Martinique ein. Die englische Expedition erreichte am 10. Barbados.
Der Aufenthalt bei Antigua hat vielleicht dazu beigetragen, daß die
französische Flotte die Eroberung der Insel Sta. Lucia durch die
Engländer nicht hindern konnte.
=Byron= segelte am 16. Dezember mit 10 Linienschiffen von der
Narragansettbucht ab und traf am 6. Januar 1779 in Sta. Lucia ein; damit
wurde für das Jahr 1779 Westindien zum Schauplatz des großen Seekrieges,
wo bisher nur geringe Streitkräfte der Gegner tätig gewesen waren.
* * * * *
$Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79$ brachte =in den nördlichen
Staaten= keine Ereignisse von Bedeutung. =Washington= war zwar dem von
Philadelphia abziehenden englischen Heere gefolgt und hatte dann eine
Stellung im Norden und Westen New Yorks bezogen, sah aber von einem
Angriff auf die Stadt ab, als die französische Flotte ihre Unterstützung
verweigerte. Er mußte seine ganze Kraft daransetzen, Rekruten zu werben,
den Kongreß zu Maßregeln zu bewegen, um die Offiziere an die Fahne zu
fesseln, und den Widerstand zu brechen, den ihm einige höhere Führer
entgegensetzten. Der General hielt um diese Zeit die amerikanische Sache
fast für verloren. Aber auch die englische Armee unternahm nichts von
Bedeutung, und so kam es zwischen den Hauptheeren nur zu kleineren
Zusammenstößen. An den Grenzen von Kanada verwüsteten von den Engländern
aufgereizte Indianer und Loyalistentrupps die amerikanischen Gebiete.
Auch 1779 änderte sich nichts; die Gegner lagen sich nur beobachtend
gegenüber. Zu erwähnen sind einige Unternehmungen der englischen
Seestreitkräfte; sie waren gegen die Stellung Washingtons und gegen die
Küstenstädte gerichtet, von denen die amerikanische Freibeuterei ausging.
$Kleinere Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte$ (Näheres
hierüber vgl. Campbell, Band V, Seite 490 ff.). Am 30. Mai 1779 ging
eine Flottille von einem Linienschiff und vier kleineren Fahrzeugen
unter Kommodore =Sir George Collier= -- Befehlshaber der Station von
der Abfahrt Byrons bis zum Eintreffen des Vizeadmirals =Arbuthnot= am
3. November -- den Hudson hinauf und zerstörte die Forts Stoney Point
und Verplanks Neck, die =Washington= an den beiden Ufern des Flusses
zur Sicherung des Verkehrs zwischen den Staaten östlich und westlich
des Hudson erbaut hatte. Washington sah sich dadurch gezwungen, seine
Stellung weiter nördlich in das hüglige Gelände bei Westpoint zu
verlegen. -- Im Juli führte =Collier= eine Expedition gegen die Städte
Newhaven, New London, Fairfield und andere an der Küste von Connecticut
und vernichtete zahlreiche Freibeuterschiffe, die von hier aus den
Verkehr New Yorks unsicher machten, sowie Arsenale und Magazine; einige
Orte wurden völlig eingeäschert. -- Ende Juli berannten die Amerikaner
mit Land- und Seestreitkräften einen starken Posten, den die Engländer
von Halifax aus an der Mündung des Penobscot, fast an der Grenze
zwischen Maine und Neubraunschweig, angelegt hatten. =Collier= erschien
am 13. August mit einem Linienschiffe, drei Fregatten und drei Sloops
zum Entsatz. Die ganze dort befindliche amerikanische Flottille, 3
Schiffe von 24-32 Kanonen, 16 von 10-22 und eine große Zahl von
Transportern, ward vernichtet.
=In den südlichen Staaten= erzielten die Engländer 1779 einige Erfolge.
Wie man von New York Verstärkungen nach Westindien abgezweigt hatte, so
hielt man im Norden die Winterruhe für geeignet, auch den im Jahre 1776
gescheiterten Versuch zur Unterwerfung der Kolonien Carolina und Georgia
zu wiederholen. Am 27. November 1778 segelte =Oberst Campbell= mit einem
Truppentransport von New York, begleitet von einer Fregatte und drei
kleinen Fahrzeugen, unter =Kapitän Hyde Parker=; vier Wochen später ward
=Savannah (Georgia) in Besitz genommen=. Gleichzeitig rückte =General
Prevost= von der treugebliebenen Kolonie Florida vor, vereinigte sich mit
Campbell, übernahm den Oberbefehl und vertrieb die Amerikaner aus ganz
Georgia. Nun verstärkte der Kongreß die Truppen hier, und =General
Lincoln= trat den Engländern entgegen. Er hinderte deren Vordringen in
Carolina und zwang sie, von Charleston, wo sie am 11. Mai 1779 erschienen
waren, auf Savannah zurückzugehen. Dann trat für die heißen Sommermonate
Waffenruhe ein, bis im September =d'Estaing= mit der französischen Flotte
und dem amerikanischen Heere eine erfolglose Belagerung Savannahs
eröffnete, deren Verlauf später zur Darstellung gelangt.
Im Mai 1779 unternahm =Kommodore Collier= eine Expedition =nach
Virginien=, wo die Amerikaner an den Küsten der Chesapeakebucht Material
für den Seekrieg anhäuften. Er verließ am 5. Mai mit einem Linienschiff,
einer Fregatte, einigen kleineren Fahrzeugen, sowie 2500 Soldaten New
York und erreichte am 9. Hampton. Hier blieb das Linienschiff, während
die anderen Fahrzeuge in die südlichen Flüsse der Bucht eindrangen.
Norfolk und Portsmouth, die wichtigsten Plätze, wurden besetzt, aber auch
der James- sowie der Yorkfluß heimgesucht. Eine große Zahl von kleineren
Kriegsschiffen, Freibeutern und Kauffahrern, sowie Vorräte für die
amerikanischen Heere fiel den Engländern in die Hände. Brauchbares ward
mitgenommen, alles übrige sowie Magazine und Arsenale zerstört. =Collier=
schlug vor, in Norfolk einen Waffenplatz zu errichten, um dem Gegner die
Chesapeakebucht als Zufuhrweg zu verlegen, aber =Clinton= scheint das
damals noch nicht für zweckmäßig gehalten zu haben. Er rief die
erfolgreiche Expedition schon Ende Mai zurück, wahrscheinlich hielt er
die obenerwähnten Vorstöße auf dem Hudson und an der Küste von
Connecticut zunächst für wichtiger.
=Mit der Eroberung Georgias und dem Einfall in Virginien= setzte im
Jahre 1780 in den Südstaaten seitens der Engländer eine Kriegführung in
großem Maßstabe ein. Sie schloß mit der Übergabe des englischen Heeres
bei Yorktown (Oktober 1781), und diese Katastrophe beendete den Krieg.
=Mahan= urteilt hierüber (Clowes, Band III, Seite 442): »daß die
Aufnahme des Kampfes in den Südstaaten falsch gewesen sei; es sei
derselbe Fehler, aber in noch größerem Maße, begangen, den General Howe
gemacht, als er 1777 nach dem Delaware zog. Man habe das so schon
ungenügende Heer in zwei Teile gespaltet, die ohne unmittelbare
Verbindung gewesen wären.« Das Urteil ist richtig, denn die Verbindung
war nur gesichert, solange England die See beherrschte, da am Lande der
Feind zwischen den beiden Heeresteilen stand; die Seeherrschaft ward
aber den Engländern mehrfach, und gerade in entscheidenden
Augenblicken, mit Erfolg streitig gemacht.
$Bemerkungen zu der Kriegführung in den nordamerikanischen Gewässern
1778.$ Bei der Beurteilung der Kriegführung in Europa (Seite 257) wurde
dargelegt, daß England selber verschuldet hat, wenn seine Lage in
Nordamerika durch das Erscheinen der französischen Flotte dort mißlich
wurde. Einen weiteren Fehler beging es dadurch, daß es New York und
Newport nicht durch Anlage von Befestigungen gegen jeden Angriff von See
aus unbedingt sicherte, was bei der damaligen Beschaffenheit der Schiffe
möglich war; man hätte sich dadurch sichere Stützpunkte für die eigenen
Seestreitkräfte geschaffen, deren Aufgaben sehr vereinfacht und auch das
Heer entlastet. Wie die Sache tatsächlich lag, hat England es nur der
Wachsamkeit, Schnelligkeit und Erfahrung seines Admirals zu verdanken,
daß es nicht folgenschwere Niederlagen erlitt.
=Howe= erkannte die drohende Gefahr im Mai, einige Wochen nachdem die
französische Flotte Toulon verlassen hatte. Er mußte nun seine auf der
ganzen Küste verteilten Schiffe sammeln, den Troß eines ansehnlichen
Heeres einschiffen und den Delaware hinabführen, nach Sandy Hook segeln
und die Truppen von dort nach New York bringen, endlich eine
Verteidigungsstellung einnehmen. Er löste diese vielseitige Aufgabe,
indem er alles persönlich überwachte und durch seine Gegenwart den Eifer
wie die Leistungen der Offiziere und Mannschaften belebte; mit diesen
Eigenschaften bildete der Admiral einen scharfen Gegensatz zu seinem
Bruder, dem General. Er gewann seinem Gegner beständig Zeit ab. Vor dem
Delaware war =d'Estaing= 10 Tage gegen ihn im Rückstande, bei Sandy Hook
schon 12. Sobald dann die französische Flotte nach Süden segelte, ohne
anzugreifen, ließ =Howe= sie beobachten und rüstete sich schleunigst zu
ihrer Verfolgung; obgleich 6 Tage durch ungünstige Wind- und
Gezeitenverhältnisse in New York festgehalten, erschien er doch nur einen
Tag nach d'Estaings Einsegeln in der Narragansettbucht vor dieser.
Seine Lage hier war vorzüglich. Die vorherrschenden Winde sicherten ihm
die Luvstellung, und schon beim Herauskreuzen wären die feindlichen
Schiffe der Gefahr ausgesetzt gewesen, einzeln angegriffen zu werden.
Mutvoll und auf seine seemännische Geschicklichkeit vertrauend, nahm Howe
auch die Gefahr in den Kauf, daß der Wind dem Feinde günstig sein könne.
Wenn dies auch eintrat, so war das Glück doch dem englischen Admiral
insofern hold, als ihm der Sturm zu Hilfe kam. Dann war seine Flotte
schon nach 10 Tagen wieder see- und gefechtsbereit, obgleich die meisten
der Schiffe seit zwei Jahren auf einer Station in Dienst gewesen waren,
auf der es an leistungsfähigen Werften mangelte. So schlug =Howe= durch
seine Tüchtigkeit =d'Estaing= auf allen Punkten; kaum ein Schuß war
gewechselt und trotzdem hatte die schwächere Flotte entschiedene Vorteile
errungen. Allerdings war der Führer der Franzosen dem englischen gerade
in Seemannschaft nicht gewachsen und ähnlich standen die Besatzungen der
beiden Flotten zueinander. Dies dürfte sich auch daraus ergeben, daß die
französischen Schiffe in den Stürmen mehr litten als die englischen,
obgleich sie weit später die heimischen Werften verlassen und doch Zeit
genug gehabt hatten, sich einzuüben.
Die französische Expedition hätte den schwächern Engländern gegenüber
großen Erfolg haben können, wenn =d'Estaing= schneller und unternehmender
gewesen wäre, aber man darf diesen dennoch nicht zu hart beurteilen.
Inwieweit die lange Überfahrt seine Schuld ist, läßt sich kaum
entscheiden. Der Gegner gebot in Nordamerika immerhin über eine
bedeutende Macht und die französische Flotte mußte unbedingt geschlossen
an ihrem Ziele eintreffen; im Segeln in großen Verbänden hatten aber die
Franzosen keine Übung, da mußte das Zusammenhalten die Reise verzögern.
In welchem Zustande brachte denn =Byron= die Flotte der sonst an
Seemannschaft so überlegenen Engländer über den Ozean? Nur Glück war es,
daß nicht eine Anzahl seiner versprengten Schiffe dem Feinde in die Hände
fielen; allerdings hatte er sehr schlechtes Wetter. =D'Estaings= Zögern
bei Sandy Hook ist gleichfalls zu verstehen, denn er befand sich an einer
Küste, die der französischen Marine völlig unbekannt war. Bei dem
damaligen Stande des Kartenwesens konnte man Lotsen nicht entbehren, und
für solche rechtzeitig zu sorgen, wäre Sache der Amerikaner gewesen.
=D'Estaing= mußte ferner zunächst mit =Washington= über ihr gemeinsames
Vorgehen in Verbindung treten, und da gerade dieser den Angriff auf New
York im Auge hatte, mußte der Admiral einen solchen mit Hilfe von Lotsen
für aussichtsvoll halten, und es kam dann kaum in Betracht, wenn einige
Tage mit den Vorbereitungen verloren gingen. Von dem Angriff sah
=d'Estaing= infolge der Weigerung der Lotsen sowie der Ergebnisse der
eigenen Auslotungen ab; die Annahme ist erlaubt, daß die meisten in
seiner Lage ebenso gehandelt hätten. Bemerkenswert ist, daß sogar ein
Seemann wie =Suffren= -- gleicherweise andere tüchtige Offiziere des
Kriegsrates -- nicht für den Angriff eingetreten ist. Hätte er es getan
wie bei Sta. Lucia 1779 in einer ganz ähnlichen Lage, so würde dies
sicher überliefert sein, zumal da der Admiral unbeliebt war und ihm
gerade Mangel in seemännischer Kenntnis vereint mit Nichtbeachtung
technischer Ratschläge vorgeworfen wurde. Ein =Nelson= und ein =Farragut=
haben allerdings gleich gefährliche Unternehmungen durchgeführt.
Man hat sich gefragt, ob =d'Estaing= zum Aufgeben des Angriffes, der
schwere Opfer kosten und seine Flotte für lange Zeit lahmlegen konnte,
nicht auch durch andere Rücksichten als rein militärische bestimmt
worden sei. New York war der Mittelpunkt der englischen Macht, sein
Fall mußte den Krieg mit den Kolonien schnell dem Ende nähern. Dies lag
aber gar nicht im Interesse Frankreichs, da England dann ihm gegenüber
die Hände freibekommen hätte. Sicher ist, daß die französische
Regierung so dachte, mithin möglich, daß der Admiral geheime Weisungen
in diesem Sinne erhalten hatte.
An der Verzögerung des Angriffes auf Newport war zunächst die
Unfertigkeit der Amerikaner schuld. Daß =d'Estaing= sich dadurch
hinhalten ließ und daß er das kaum begonnene Unternehmen beim Erscheinen
der englischen Flotte wieder aufgab, beruht wohl auf seiner
Unerfahrenheit zur See. Er war zweifellos ein tapferer und unternehmender
Soldat, unterschätzte jedoch hier sowie späterhin die Kraft seiner
Seestreitkräfte. Er wagte die nur schwache Stellung der Engländer ohne
Mitwirkung der amerikanischen Truppen nicht anzugreifen und fühlte sich
auf seinem Ankerplatz unsicher, obgleich ihm kaum eine Gefahr drohte;
tatsächlich hielt ja der erfahrene Seemann =Howe= die Stellung der
französischen Flotte für zu stark. Er hätte sicher seine Aufgabe
durchführen und dann erst bei günstigem Winde ausbrechen können. Auch daß
er nach dem Inseegehen den Gegner nicht zum Gefecht bringen konnte, ehe
der Sturm aufkam, scheint an seinem geringeren seemännischen Geschick
Howe gegenüber zu liegen. Seine spätere Vorsicht und das Absegeln nach
Westindien, als Byron erschien, entsprachen den erhaltenen Weisungen.
Diese englische Verstärkungsflotte hätte Frankreich schon in Europa
festhalten müssen und können (vgl. Seite 257).
Wenn nun auch die französische Expedition nicht die erwarteten Erfolge
brachte, so nützte sie doch den Amerikanern. Sie zwang England zum
Aufgeben der Stellung am Delaware, schaffte dadurch =Washington= Luft und
ließ als ein Zeichen der Schwäche Englands dessen letzten Versuch zur
Versöhnung scheitern. Der Aufenthalt der französischen Flotte an der
Küste hielt ferner =Clinton= von tatkräftigem Vorgehen gegen Washington
ab und erleichterte die Versorgung der Kolonien mit Zufuhren über See.
Der den Engländern zugefügte unmittelbare Schaden -- die Vernichtung
einiger Kriegsschiffe, das Aufbringen von Transportern und
Handelsfahrzeugen -- war dagegen kaum nennenswert.
* * * * *
$In Westindien$ hatten beide Parteien auf ihren zwei Stationen --
England: Hauptstützpunkt Barbados für die Kleinen Antillen und Jamaika;
Frankreich: Martinique für die kleinen Antillen und St. Domingue (Cap
Français)[141] -- nur geringe Streitkräfte, Fregatten und kleinere
Fahrzeuge. In Frühjahr 1778 sandte England die Admirale =Samuel
Barrington=[142] mit zwei Linienschiffen nach Barbados und =Sir Peter
Parker= mit einem solchen nach Jamaika. Diese sollten die
Feindseligkeiten erst auf Befehl beginnen, die Franzosen kamen ihnen aber
zuvor.
[143] Cap Français oder Le Cap vgl. Fußnote Seite 176.
[144] =Samuel Barrington=, geboren 1728, Kapitän 1747, Kontreadmiral
1778, Vizeadmiral 1779, Admiral 1787, gestorben 1800. Als
tüchtiger Seeoffizier von schnellem Entschluß hatte er sich schon
im Siebenjährigen Kriege in verschiedenen Einzelgefechten
ausgezeichnet.
Wie bereits erwähnt, spielten sich die größeren Ereignisse des Krieges
auf der Station der Kleinen Antillen ab. Bei den Großen Antillen wurde
nur der Kleine Krieg geführt, dessen Vorfälle -- Aufbringen von
Handelsschiffen, Einzelgefechte von Kriegsschiffen -- man in den
Spezialwerken der beiden Marinen findet.
Am 17. August 1778 überbrachte eine Fregatte dem Generalgouverneur der
französischen Kleinen Antillen, =Marquis de Bouillé=, mit der Nachricht
von den ersten Gewalttaten der Engländer im Kanal den Befehl zur
=Eroberung Dominicas=. Diese vorher neutrale Insel war 1763 an England
gefallen, Frankreich wollte sich jetzt ihrer bemächtigen nicht nur zur
Erweiterung seines Besitzes, sondern auch um seine militärische Stellung
zu stärken, da sie zwischen den beiden wichtigsten französischen Inseln,
Martinique und Guadeloupe, in Sicht von diesen lag. Ihre Befestigungen
waren zwar stark, die Besatzung aber nur schwach. =Bouillé= segelte am 6.
September mit drei Fregatten, einer Korvette, 1200 Soldaten und 1000
Freiwilligen, Kreolen und Farbigen, in wenigen Stunden von Martinique
nach der Hauptstadt Dominicas, Le Roseau jetzt Charlottetown, hinüber,
und der englische Gouverneur unterzeichnete schon am nächsten Tage die
Übergabe, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Gut gehaltene Werke mit
164 Kanonen sowie 48 Mörsern und reiche Vorräte fielen den Franzosen in
die Hände; sie waren jetzt im Besitz der vier in einer Linie liegenden
Inseln Sta. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe.
$Der Kampf um Sta. Lucia.$ =Barrington= hatte auf ausdrücklichen Befehl
in Barbados auf Weisungen gewartet und auch nichts von dem schnell und
geheim vorbereiteten Unternehmen =Bouillés= erfahren, sonst hätte er es
wohl leicht verhindert, da er über zwei 74-Kanonenschiffe verfügte. Er
erwies sich als tüchtiger und schnell entschlossener Führer. Als am 10.
Dezember 1778 der Kommodore =Hotham= mit 7 Kriegsschiffen nebst dem
Transporte von New York eintraf, beließ =Barrington= die Truppen an Bord,
ging schon am 12. zum =Angriff auf Sta. Lucia= in See und sandte Kreuzer
voraus, um zu verhindern, daß durch Handelsschiffe Nachricht dorthin
gelange. Die Insel, gleichfalls früher neutral und 1763 an Frankreich
gefallen, war strategisch wichtig für England, da man von ihr aus leicht
Martinique mit dem Haupthafen der französischen Antillen, Fort Royal,
beobachten konnte. Sie wurde fast ohne Kampf am 13. und 14. Dezember
genommen.
[Illustration: Samuel Barrington.]
$Eroberung Sta. Lucias durch die Engländer.$ Am 13. Dezember 1778
ankerte =Barrington= in der Bucht Cul de Sac auf der Westseite der
Insel, landete einen Teil der Truppen und besetzte die Batterien am
Strande sowie eine Höhe, die von Norden die Bucht beherrschte; die
schwache französische Besatzung konnte bei Räumung der Werke nicht
einmal die Geschütze vernageln. Am nächsten Tage bemächtigten sich die
Engländer ebenso leicht eines Werkes auf der Höhe Morne de La vierge im
Norden der benachbarten Bucht La Carenage (an der jetzt die Hauptstadt
der Insel, Castries, liegt). wodurch sie auch diesen Ankerplatz
beherrschten, und besetzten gleichfalls die damalige weiter im Innern
gelegene Hauptstadt Morne fortuné. Der französische Gouverneur zog sich
mit einigen hundert Soldaten und Milizen in die Berge zurück.
Aber bereits am 14. Dezember abends erschien =Vizeadmiral d'Estaing= mit
den 12 Linienschiffen, die er von Nordamerika hergeführt hatte, und den
Fregatten de Bouillés. Er war am 9. in Martinique angelangt und hatte den
Oberbefehl zur See übernommen. Er sollte nicht Eroberungen machen,
sondern nur englische Inseln überfallen, deren Befestigungen schleifen,
Kriegsmaterial und Garnisonen hinwegführen. Hätte er nun sofort einen
Aufklärungsdienst angeordnet, wo er wußte, daß =Hotham= angelangt sei,
würde er die Wegnahme Sta. Lucias leicht haben hindern können. So erfuhr
er erst am 13. durch einen amerikanischen Freibeuter die Abfahrt der
Engländer von Barbados. Er ging nun mit etwa 3000 Soldaten und Milizen am
14. in See und sichtete abends das englische Geschwader bei Sta. Lucia,
das er auf dem Wege nach Grenada geglaubt hatte. Trotz seiner großen
Übermacht an Zahl und Stärke der Schiffe (vgl. Seite 260) vermochte er
die Insel nicht zurückzuerobern, da =Barrington= bereits festen Fuß
gefaßt hatte und sich jedem Angriffe zu Wasser wie zu Lande gewachsen
zeigte.
$Erfolgloser Angriff der Franzosen auf Sta. Lucia.$ =Barrington= war
gerade in Besitz der Küste von La Vierge bis zum Südende des Cul de Sac
gelangt und beabsichtigte, seine Schiffe in die sicherere Bucht Le
Carenage zu legen, als eine Fregatte das Nahen der Franzosen meldete
und diese auch von den Höhen gesichtet wurden. Er legte nun während der
Nacht seine sieben Schiffe von über 50 Kanonen (nur zwei zu 74) in eine
Linie am Eingange des Cul de Sac, wobei er die an den Strand sich
anlehnenden Flügel durch Wahl der stärksten Schiffe und durch quer
gelegte Fregatten gegen Umgehung sicherte; die Soldaten setzten die
eben genommenen Werke in Gefechtsbereitschaft. =D'Estaing= steuerte am
15. mit Tagesanbruch in die Bucht Le Carenage, um von hier aus den
französischen Garnisonen Hilfe zu bringen, ein lebhaftes Feuer von La
Vierge belehrte ihn erst, daß auch diese Bucht schon im Besitz des
Feindes sei, und daß es sich nicht um Entsatz, sondern um
Wiedereroberung der Insel handele. Er beschloß, das englische
Geschwader anzugreifen. Um 11-1/2 Uhr vormittags führte er seine Flotte
in großem Abstande an den englischen Schiffen vorüber, wechselte mit
ihnen Schüsse und wiederholte dieses Manöver einige Stunden später;
nennenswerte Verluste oder Beschädigungen erlitt keiner der Gegner, die
Engländer verloren nur drei Tote.