Überlegenheit der französischen Flotte hätte zwar auch jetzt noch
ausgenutzt werden können, aber =d'Estaing= war zu vorsichtig und zu
langsam, fand dagegen in seinem Gegner einen umsichtigen, tatkräftigen
und schnell entschlossenen Führer. =Admiral Sir Richard Howe=[139] hatte
inzwischen seine sämtlichen Schiffe in der unteren Bucht von New York
zusammengezogen, nur 4 Fregatten verblieben vor Newport an der
Narragansettbucht. Brander wurden hergestellt und die nicht vollzähligen
Schiffsbesatzungen durch zahlreich sich meldende Freiwillige der
Transport- und Handelsschiffe sowie des Heeres aufgefüllt. Schiffer und
Steuerleute von Kauffahrern liefen mit kleinen Fahrzeugen aus, um für New
York bestimmte Schiffe zu warnen. Sobald die Truppen Clintons am 5. Juli
nach der Stadt übergeführt waren, ließ der Admiral die Kriegsschiffe nach
einem bereits aufgestellten Plane eine Verteidigungsstellung bei Sandy
Hook einnehmen, die den Feind schon beim Einsegeln in die untere Bucht
mit starkem, enfilierenden Feuer bedrohte und später die ganze eigene
Kraft zur Verteidigung entfaltete.
[139] =Sir Richard Howe=, Viscount (1788 Earl), geboren 1726, Kapitän
1746, Kontreadmiral 1770, Vizeadmiral 1776, Admiral der blauen
Flagge 1782, der weißen 1787, Admiral of the Fleet 1796,
gestorben 5. August 1799, war ein erfahrener Seemann und ein
Admiral, der sich durch seine Eigenschaften --
Entschlußfähigkeit, Tatkraft und Ausdauer -- gerade für die
defensive Kriegführung des Jahres 1778 eignete, indem er jeder
Bewegung des Gegners rechtzeitig entgegentrat. Nicht im
Einverständnis mit dem Ersten Lord (er war Whig und überhaupt
abgeneigt, gegen die Amerikaner zu fechten), ging er nach
Beendigung der Operationen 1778 nach England zurück. Er fand erst
1782 nach dem Wechsel des Ministeriums wieder Verwendung und
verproviantierte Gibraltar. Im nächsten Kriege befehligte er von
1793 an die Kanalflotte und errang am 1. Juni 1794 den glänzenden
Sieg bei Ouessant. Biographie von =J. Barrow=, The life of
Richard, Earl Howe (London 1838).
$Für Howes Stellung vor New York$ (vgl. Plan von New York, Seite 235)
genügt eine kurze Schilderung, da es nicht zum Kampfe kam; sie ist
genau und lesenswert beschrieben in =Elkins=, Naval Battles. Der über
die Barre in die untere Bucht führende Kanal für tiefergehende Schiffe
läuft in der Richtung Ost-West rechtwinklig auf Sandy Hook zu und dicht
unter dieser Landspitze vorbei. =Howe= erbaute auf ihr eine Batterie
und legte seine Hauptmacht, 5 Schiffe zu 64 Kanonen, 1 zu 50 und einen
armierten Transporter, von Sandy Hook nach Westen in Linie. Die Schiffe
lagen jedoch nicht genau in Kiellinie, sondern ein jedes war etwas
nördlicher verankert als sein Vordermann, und hatte vom Heck aus einen
Anker querab Backbord-Bug ausgefahren. Die Franzosen konnten nur bei
westlichem Winde in Kiellinie passieren und den Kanal westwärts
hinaufsegeln, wenn dann die Engländer ihre Springankertaue festhielten
und die Bugankertaue fierten, so schwoiten sie mit der Breitseite nach
Osten und bestrichen sämtlich den Kanal, ohne sich gegenseitig im Feuer
zu hindern. Die Franzosen konnten das Feuer nicht erwidern und mußten
schwer leiden; gelang es ihnen trotzdem, querab von den Engländern zu
kommen, so brauchten diese nur die Springankertaue loszuwerfen, um
wieder die geschlossene Ost-West-Linie herzustellen, die an ihren
Flügeln nicht umgangen werden konnte. Hinter der Linie lagen als
Reserve ein 64-Kanonenschiff nebst einigen Fregatten; auf der Barre
selber, etwa 2-3 Seemeilen von der Landspitze, war ein 50-Kanonenschiff
nebst kleineren Fahrzeugen stationiert, um den Feind schon hier zu
enfilieren und sich dann zurückzuziehen; mit gleicher Bestimmung lagen
vier Galeren im Kanal querab von der Huk. Bei der großen Übermacht der
Franzosen blieb aber die Lage der Engländer immer gefährlich, und sie
mußten eines harten Kampfes, vielleicht der Vernichtung gewärtig sein,
wenn der Gegner zum Nahkampf herangelangte.
Diese Vorbereitungen waren noch nicht beendet, als am 11. Juli die
Nachricht vom Nahen der französischen Flotte eintraf, doch blieb Zeit
genug, sie durchzuführen. =D'Estaing= hatte zwar die Absicht, seiner
Instruktion entsprechend die englische Flotte zu suchen, war aber erst am
10. Juli von der Delawarebucht aufgebrochen und ankerte am 11. abends
etwa 4 Seemeilen südlich von Sandy Hook unter der Küste, um den Angriff
auf =Howe= einzuleiten. Hier trat er mit =Washington= in Verbindung, der
gleichzeitig die Stadt New York angreifen wollte. Die Verhältnisse lagen
also noch günstig genug, um das englische Heer zur Übergabe zu zwingen,
aber =d'Estaing= glaubte, ohne Lotsen nicht in die Bucht von New York
eindringen zu können. Erst am 16. Juli trafen solche ein, erklärten
jedoch, daß ein Passieren der Barre für die schweren Schiffe mit einem
Tiefgange von 23 bis 25 Fuß unmöglich sei, da man selbst unter den
günstigsten Verhältnissen nur auf 22 Fuß Wasser rechnen könne. In den
nächsten Tagen von ihnen unter Aufsicht französischer Offiziere
vorgenommene Lotungen ergaben auch nur 22-1/2 Fuß. Ein am 20. Juli
zusammentretender Kriegsrat der Kommandanten, in dem den Lotsen ohne
Erfolg 150 000 Francs angeboten wurden, beschloß, daß unter diesen
Umständen sowie in Hinblick auf die starke Stellung der Engländer am
Einfahrtskanal von einem gewaltsamen Eindringen abgesehen werden müsse,
daß man sich dagegen im Verein mit dem amerikanischen Heere in Besitz der
Stadt Newport mit der seemännisch und strategisch wichtigen
Narragansettbucht setzen wolle. =Washington= hatte dies vorgeschlagen,
falls der Plan gegen New York nicht auszuführen sei. Am 22. Juli zeigte
sich die französische Flotte vormittags bei Sandy Hook, segelte aber
nachmittags nach Süden ab; =Howe= ließ ihr kleinere Fahrzeuge zur
Beobachtung folgen, da er zunächst nicht glaubte, daß sie den Angriff
aufgegeben habe.
$Englische Berichte über die Lage$ besagen, daß ein Eindringen durchaus
möglich gewesen wäre. Infolge der Gezeiten sei vom 20. Juli an bei Flut
genügend Wasser auf der Barre gewesen, am Nachmittag des 22. bei
Springflut sogar 30 Fuß, und dabei habe der Wind aus günstigster
Richtung zum Einsegeln geweht; spätere Beobachtungen haben
festgestellt, daß genannte Wassertiefe bei Springflut gewöhnlich
vorhanden ist. Schon daß =Howe= nach genauen Lotungen so vorsorglich
seine Verteidigungsstellung einnahm, beweist, daß er ein Eindringen für
möglich hielt. Wenn die Lotsen anderer Ansicht waren, so ist dies
erklärlich, da sie bislang keine Gelegenheit gehabt hatten, mit so
schweren Schiffen zu rechnen, weil nur kleinere englische Linienschiffe
an der Küste stationiert gewesen waren; französische Angaben deuten
allerdings auch an, es seien Männer gewesen, die nicht warm zur
amerikanischen Sache hielten. Die englische Flotte hat am 22. mittags
den Angriff sicher erwartet.
=D'Estaing= verlor so die zweite Gelegenheit zu einem durchschlagenden
Erfolg. Er wählte nun südlichen Kurs, um den Angriff auf Newport
vorläufig zu verschleiern, und setzte ihn bis zur Delawarebucht fort.
Nachdem ihn hier die englischen Beobachtungsfahrzeuge verlassen hatten,
steuerte er nach Norden und ankerte am 29. Juli drei Seemeilen südlich
von Rhode-Island. Er drang auch in die Narragansettbucht ein, sah sich
aber genötigt, sie wieder zu verlassen, ehe es ihm oder den
amerikanischen Truppen gelungen war, die Insel Rhode-Island nebst der
Stadt Newport zu nehmen und sich so festzusetzen.
$Die Narragansettbucht$ an der Küste des Staates Rhode-Island wird nach
See zu durch die Inseln Rhode-Island und Conanicut abgeschlossen, so
daß drei Einfahrten entstehen. Die östlichste zwischen Rhode-Island und
dem Festlande ist oberhalb genannter Insel nicht schiffbar; die
mittlere zwischen den beiden Inseln ist die Haupteinfahrt und vereinigt
sich oberhalb Conanicut mit der westlichen, die durch diese Insel und
das westliche Festland gebildet wird. Die Stadt Newport liegt auf der
Westseite Rhode-Islands etwa 4 Seemeilen vom Anfang der Haupteinfahrt.
Ihr innerer Hafen wird durch die kleine Goatinsel geschützt, deren
Batterien mit denen auf Rhode-Island im Norden und Süden der Stadt die
Haupteinfahrt bestrichen; auf Conanicut befanden sich kleine Werke zur
Beherrschung der Westeinfahrt.
Die englische Stellung an der Narragansettbucht befehligte =General Sir
Robert Pigot=, dem 5-6000 Mann, sowie 5 Fregatten, 2 Sloops und einige
Galeren unterstanden. Als =d'Estaing= vor der Haupteinfahrt geankert
hatte, erhielt er von dem amerikanischen General =Sullivan=, der auf dem
Festlande östlich der Bucht stand, die Nachricht, er sei noch nicht zum
Angriff bereit und erwarte noch Milizen. So ging die Überraschung
verloren und der Admiral mußte sich zunächst auf eine Art Blockade
beschränken, um das Entweichen der englischen Schiffe, sowie das
Einlaufen von Unterstützungen zu hindern. Am 30. Juli sandte er 2
Linienschiffe unter dem Befehle des später berühmten Kapitäns =Suffren=
in die westliche Einfahrt; sie ankerten am Nordende dieser Insel, kaum
behindert von den Batterien auf Conanicut. Gleichzeitig drangen 2
Fregatten, sowie eine Korvette in die östliche Einfahrt und zwangen hier
zwei englische Fregatten, eine Sloop sowie einige Galeren, sich zu
verbrennen, da sie nicht entrinnen konnten. =Pigot= rief jetzt seine
Truppen von Conanicut zurück und zog seine ganze Kraft um Newport
zusammen. Am 5. August durchsegelte =Suffren= die westliche und ankerte
am Nordende der Haupteinfahrt; an seiner Stelle übernahmen zwei weitere
Linienschiffe die Sperrung der Westeinfahrt. Der bei Newport befindliche
Rest der englischen Schiffe war nebst fünf Transportern somit
eingeschlossen; man versenkte sie zur Sicherung des inneren Hafens bei
der Goatinsel, doch nahm man vorher Geschütze nebst Munition an Land, und
die Besatzungen, gegen 1000 Mann, verstärkten die Garnison. -- Am 8.
August erfuhr =d'Estaing=, daß Sullivan zum Angriff bereit sei; er lief
nun mit den ihm verbliebenen 3 Linienschiffen, Schüsse mit den
Befestigungen wechselnd, durch die Haupteinfahrt, ankerte an deren
Nordende außerhalb des feindlichen Feuerbereichs in Linie und traf
Vorbereitungen, sich durch Springanker mit den Breitseiten nach See legen
und einen Angriff der englischen Flotte wirksam empfangen zu können.
=Sullivan= führte in der Nacht vom 8./9. August 10 000 Mann nebst
zahlreichen Feldgeschützen unter Deckung der dort liegenden Fregatten
über die östliche Einfahrt nach dem Nordende von Rhode-Island und am 9.
morgens landete der Admiral 4000 Soldaten sowie Seeleute auf Conanicut;
dieses Landungskorps sollte hier formiert, etwas eingeübt und im
gegebenen Augenblick zum gemeinsamen Angriff nach Rhode-Island gebracht
werden. Das Wetter am 9. war nebelig, als aber die Sonne durchbrach, sah
man die Schiffe vor der Westeinfahrt mit vollen Segeln in diese
einlaufen; die englische Flotte war in Sicht. =D'Estaing= schiffte sein
Landungskorps wieder ein und ließ die Schiffe quer zur Haupteinfahrt
legen.
=Admiral Howe= hatte abermals schnell entschlossen gehandelt, auch war er
inzwischen um vier Schiffe verstärkt. Am 26. Juli war ein
50-Kanonenschiff, zu seinem Geschwader gehörig, von Westindien
eingetroffen, bald darauf stieß ein gleiches von Halifax zu ihm und am
30. Juli ein 74-Kanonenschiff; dieses war von Byrons herannahender Flotte
im Sturm abgesprengt. Zwei Tage vorher war noch ein 64-Kanonenschiff von
Halifax eingelaufen und hatte gemeldet, es habe die französische Flotte
am 27. nach Norden steuern sehen. Alle diese Schiffe hätten also dem
Feinde in die Hände fallen können. =Howe= faßte sofort den Entschluß,
Newport zu entsetzen. Er war auch bereits am 1. August seeklar, konnte
aber erst am 6. morgens die Barre bei Hochwasser passieren und erschien
am 9. vor Rhode-Island. =Seine Flotte zählte= jetzt 1 Schiff zu 74
Kanonen, 7 zu 64, 5 zu 50, 2 zu 44, 4 Fregatten, 3 Sloops, 3 Brander, 2
Mörserboote, 4 Galeren und einige Transporter mit Truppen, Proviant und
Munition. An Zahl der Schiffe von 50 Kanonen aufwärts war er so dem
Gegner gleich, aber dieser gebot doch über weit schwerere. Trotzdem hielt
=d'Estaing= seine Lage für gefährlich, da die vorherrschenden südlichen
Winde einen Angriff der Engländer, besonders ihrer Brander, begünstigten,
als daher der Wind in der Nacht vom 9. auf 10. August ausnahmsweise aus
NO wehte, ließ er um 7 Uhr morgens die Ankertaue kappen, ging in See und
steuerte auf =Howe= zu. Die Fregatten in der Osteinfahrt blieben zurück,
um Sullivans rückwärtige Verbindungen zu sichern. Der englische Admiral
hatte sich am 9. für einen Angriff zu schwach gefühlt und wollte aus
gleichem Grunde jetzt in der Leestellung, in der er seine Brander nicht
verwenden konnte, nicht fechten; er wich aus. Fast zwei Tage vergingen
nun mit Manövrieren. Am Nachmittage des 11. August wäre es beinahe zur
Schlacht gekommen, aber =ein Sturm trennte die Gegner und versprengte
ihre Flotten=.
$Die Manöver der beiden Flotten.$ =Howe= steuerte beim Herauskommen der
Franzosen südlich in der Hoffnung, daß der Wind bald wieder nach Süden
drehen und ihm die Luvstellung geben würde; =d'Estaing= folgte, um den
Kampf zu erzwingen. Der Wind blieb aber ostnordöstlich und der Morgen
des 11. August fand beide Flotten über Steuerbordbug nach SO liegen,
die französische im Nordosten der englischen. =Howe= wollte sich nicht
zu weit von Rhode-Island abziehen lassen und bildete nachmittags die
Schlachtlinie über Backbordbug mit nördlichem Kurse; es ist sehr
bemerkenswert, daß er sein Flaggschiff verließ und sich auf einer
Fregatte einschiffte, um im Fall des Kampfes seine Flotte besser leiten
und so ihre Schwäche durch seine Geschicklichkeit ausgleichen zu
können[140]. =D'Estaing= legte seine Flotte gleichfalls über
Backbordbug (gegen 4 Uhr nachm.) und näherte sich nun schnell der
englischen, da seine schweren Schiffe bei dem zunehmenden Seegange
besser liefen und er auch raumer steuern konnte. Er hat scheinbar
beabsichtigt, an die englische Linie von hinten und von Lee aus
heranzugehen, um so die Zahl der anzugreifenden Gegner bestimmen und
auch seine untersten Batterien verwenden zu können; =Howe= ließ deshalb
eng auf die Mitte schließen.
[140] Dies ist der erste derartige Fall. Die Franzosen ahmten ihn
später nach, aber das Verfahren wurde doch in beiden Marinen
wieder aufgegeben. =Mahan= bringt (Mahan I, Seite 338) eine
lesenswerte Betrachtung über die verschiedenen Plätze eines
Flottenchefs -- ob an der Spitze, in der Mitte oder ganz
außerhalb der Linie -- mit ihren Vor- und Nachteilen und
bezeichnet den hier in Frage stehenden Platz als den
ungeeignetsten, weil er den Admiral wahrscheinlich zum untätigen
Zuschauer des Kampfes mache und ihm die Möglichkeit nähme, durch
sein Beispiel zu wirken.
Aber jetzt frischte der Wind sehr auf und schwere Regenböen setzten
ein. Als die französische Vorhut die englische Nachhut fast erreicht
hatte (gegen 6 Uhr), sah sich d'Estaing genötigt, in einer schweren Bö
mit dem Flaggschiffe beizudrehen. Die anderen Schiffe folgten seinem
Beispiele; die ganze Flotte lag unter Sturmsegeln bei. Bald wehte
schwerer Sturm. In der Nacht verlor das Flaggschiff Bugspriet, Besan-
sowie Fockmast und das Ruder wurde beschädigt; auch die anderen Schiffe
litten sehr und die Flotte wurde auseinandergesprengt. Der Sturm hielt
bis zum Nachmittag des 13. an. Um diese Zeit sah sich das Flaggschiff
ganz allein und wurde von einem unbeschädigten englischen
50-Kanonenschiffe angegriffen; ebenso erging es einem völlig
entmasteten französischen 74-Kanonenschiff. Die Angegriffenen waren in
ihrem wracken Zustande kaum fähig, sich zu verteidigen, da die
beweglichen Gegner sie enfilierten, und nur der Einbruch der Nacht
rettete sie; das Flaggschiff kam seinem Gegner aus Sicht, das andere
erhielt Unterstützung. =D'Estaing= ankerte noch in der Nacht etwa 60
Seemeilen östlich vom Kap May am Eingang zur Delawarebucht und am 14.
trafen die anderen Linienschiffe bei ihm ein, nur eins war nach Boston
gesegelt. -- Auch =Howes= Flotte hatte mit dicht gerefften Marssegeln
beigedreht und wurde gleichfalls auseinandergesprengt. Ein
50-Kanonenschiff sah sich schwer bedrängt von einem französischen
Linienschiff, das jedoch beim Nahen anderer Engländer absegeln mußte;
eine Sloop und ein Mörserboot wurden aber genommen. Der Admiral mit
seiner Fregatte und nur zwei Linienschiffen sichtete am 15. die
Franzosen auf ihrem Ankerplatze und traf dann am 17. bei Sandy Hook mit
den übrigen Schiffen zusammen. Auch die englische Flotte war schwer
beschädigt, aber doch weniger als die französische.
Nachdem =d'Estaing= seine Flotte nahe beim Eingang zur Delawarebucht
wieder gesammelt und die Sturmschäden notdürftig ausgebessert hatte, ging
er am 17. August nach Rhode-Island zurück und traf hier am 20. ein.
=Sullivan= hatte seine Truppen an die englische Stellung um Newport
herangeführt und seine Batterien schon bis auf 1500 Yards an die
feindlichen Werke vorgeschoben. Er bat nun den Admiral dringend, mit den
Schiffen die alte Stellung einzunehmen und aufs neue Leute zu landen, da
er allein zu einem Angriffe zu schwach sei. =D'Estaing= erklärte sich zu
der Landung bereit, aber nur, wenn der Erfolg innerhalb zweier Tage zu
erreichen sei. Er hatte erfahren, daß Byrons Ankunft bevorstehe, ja daß
einige von dessen Schiffen schon in New York angekommen seien, auch
hatten einige seiner Schiffe einen zu Howes Flotte nicht gehörenden
Dreidecker gesehen, wahrscheinlich Byrons Flaggschiff. Da nun ein so
schneller Erfolg nicht sicher stand, erklärte d'Estaing, er dürfe sich
mit seinen Schiffen dem Erscheinen eines stärkeren Feindes nicht
aussetzen, und seine Kommandanten pflichteten ihm bei; dies entsprach ja
auch völlig der Instruktion. =Am 22. segelte er nach Boston=.
$Die Amerikaner ließen den Angriff auf Newport fallen.$ =General
Sullivan= zog zunächst geschickt seine schwere Artillerie auf das
Festland zurück und folgte dann, die Engländer abwehrend, mit den
Truppen; am 31. August war er in Sicherheit. Es war hohe Zeit gewesen,
denn am 1. September kamen von New York über See 4000 Engländer auf
Rhode-Island an. -- Empört über die Abfahrt =d'Estaings= erließ
=Sullivan= später einen Tagesbefehl, der die Bevölkerung der
Nordstaaten, sowie die Milizen aus diesen Kolonien gegen die Franzosen
aufbrachte; er hatte anscheinend vergessen, daß der Mißerfolg
größtenteils durch sein anfängliches Nichtbereitsein verschuldet war.
In Boston wurden sogar infolgedessen bei einem Volksauflauf zwei
französische Offiziere verwundet, von denen einer starb. Der Kongreß
machte diese Vorfälle durch eine Adresse an d'Estaing wieder gut, in
der er der französischen Flotte Dank für die bisherige Unterstützung
aussprach; auch gab man den französischen Offizieren ein großes
Festessen in Boston, ein richtiges Verbrüderungsfest, bei dem 25
Trinksprüche ausgebracht wurden (vgl. Lacour, Seite 174, Fußnote). In
der Adresse wurde auch warm hervorgehoben, daß sich der französische
Admiral bereit erklärt habe, von Boston aus durch gelandete
Mannschaften einen Angriff auf New York zu unterstützen; ein sehr
leichtsinniges Versprechen, wie französische Quellen mit Recht sagen,
denn die Flotte würde die Mannschaften zur Verteidigung ihrer Stellung
in Boston sehr nötig gebraucht haben.
$D'Estaing$ traf am 28. August $in Boston$ ein und ergriff sofort
Verteidigungsmaßregeln. Drei schwer beschädigte Linienschiffe nebst den
Fregatten legte er in den inneren Hafen, die übrigen nahmen in der
äußeren Bucht eine halbmondförmige Stellung mit den Breitseiten nach See
zu ein, die durch bereits vorhandene oder sofort aufgeworfene Batterien,
armiert mit den Geschützen und bemannt durch die Besatzungen der im
inneren Hafen liegenden Schiffe, auf den Inseln an der Einfahrt flankiert
wurde. Schon am 31. war das notwendigste fertig. Es war auch die höchste
Zeit, denn bald darauf erschien der unermüdliche Gegner.
=Admiral Howe= sammelte seine Flotte am 17. August bei Sandy Hook und
ging schon am 22. wieder in See. =Pigot= hatte die Meldung gesandt, er
könne sich gegen die Amerikaner wohl halten, sei aber verloren, wenn die
französische Flotte aufs neue erscheine. Das englische Geschwader war
zusammengesetzt wie beim ersten Auslaufen, nur trat an die Stelle eines
schwer beschädigten Schiffes ein solches von =Byron=. Unterwegs hörte
Howe, daß d'Estaing nach Boston gesegelt sei und folgte ihm. Die
feindliche Stellung dort erschien ihm aber zu stark, und da er mit
Hinblick auf den Zustand seiner Schiffe sowie auf die Wetterverhältnisse
des herankommenden Herbstes auch eine längere Blockade für untunlich
erachtete, kehrte er nach New York zurück. Bei seinem Eintreffen hier am
11. September fand er sechs weitere Schiffe Byrons vor. Bald darauf gab
er sein Kommando an diesen ab.
=Howe ging nach England.= Er hatte schon früher aus
Gesundheitsrücksichten die Erlaubnis hierzu erbeten und auch erhalten,
jetzt nach Byrons Ankunft glaubte er die englische Sache auf diesem
Kriegsschauplatze gesichert. Er kämpfte nur ungern gegen die
Amerikaner, und allein die bevorstehende Ankunft der Franzosen bewog
ihn zum Bleiben. Er war ferner, wie die meisten tüchtigen Seeoffiziere,
empört über die Nachlässigkeiten und Fehler der Admiralität und trat in
England schroff gegen den Ersten Lord auf, weshalb er auch erst nach
dessen Rücktritt 1782 wieder aktiv verwendet wurde.
$D'Estaing segelt nach Westindien. Die Engländer folgen.$ Mit dem
Einlaufen der französischen Flotte in Boston und der Ankunft Byrons in
Nordamerika schlossen die größeren Unternehmungen der Seestreitkräfte auf
diesem Kriegsschauplatze für das Jahr 1778, denen allerdings auch der
Eintritt der schlechten Jahreszeit ein Ende gemacht haben würde.
=D'Estaing= mußte zunächst seine Schiffe gründlich ausbessern, bei dem
Mangel an Material in Boston eine schwierige Aufgabe. Der Kapitän
=Suffren= schlug nun vor, aus einigen gefechtsbereiten Schiffen eine
fliegende Division zu bilden und mit dieser Vorstöße gegen
Neubraunschweig zu machen. Die Instruktion für den Admiral empfahl dies
ja auch, aber doch mehr noch die Verwendung der Flotte in Westindien,
zumal bei Überlegenheit der englischen Flotte; =d'Estaing= entschied sich
hierfür und erwartete eine günstige Gelegenheit zum Segeln. Zunächst
mußte er zwar noch auf einen Angriff gefaßt sein, da es hieß, =Byron= sei
am 18. Oktober von New York in See gegangen, als dieser aber in den
nächsten vierzehn Tagen nicht erschien und ein baldiges Auslaufen auch
dadurch geboten war, daß man in Boston kaum noch Lebensmittel erhalten
konnte, wurden die gelandeten Geschütze sowie Mannschaften eingeschifft
und die Flotte seeklar gemacht. Am 2. November wehte ein schwerer Sturm,
so daß man annehmen konnte, die englische Flotte sei aus der Nähe
vertrieben. Kurz vorher waren amerikanische Freibeuter mit Prisen
eingelaufen, die Lebensmittel für das englische Heer geladen hatten. Die
Flotte wurde so wenigstens für die Reise versorgt und trat diese am 3.
November an.