=Gates= mit 5000 Mann. Das Gefecht blieb zwar unentschieden, aber
=Burgoyne= wurde doch festgehalten und war mit Rücksicht auf die nach und
nach erlittenen Verluste, auf viele Kranke sowie Mangel an Proviant
genötigt, am 9. Oktober den Rückmarsch nach Fort Edward anzutreten. Man
beziffert seine Verluste auf 4000 Mann, worin aber wohl die kanadischen
Milizen eingerechnet sind, die ihn nach Stillwater größtenteils verlassen
hatten; auch die Indianer waren abgezogen. Am 10. Oktober wurde er bei
=Saratoga= mit nur noch 6-7000 Mann, darunter viele Kranke, vom Feinde
eingeschlossen; =Gates= hatte von Washington bedeutende Verstärkungen
erhalten und alle Übergänge über den Hudson vor und hinter den Engländern
besetzt. =Burgoyne= konnte auf Unterstützung von New York her nicht
hoffen; seit drei Wochen waren seine Leute auf halbe Rationen gesetzt und
dadurch erschöpft, der Proviant reichte nur noch auf 5-6 Tage. Er mußte
die Waffen strecken. Besonders wertvoll für den Gegner war die erbeutete
Artillerie.
=Die Kapitulation bei Saratoga am 17. Oktober 1777= wurde dadurch
bedeutungsvoll, daß sie Frankreich auf die Seite der Amerikaner führte.
Sie wog reichlich die Erfolge auf, die Howe auf dem anderen
Kriegsschauplatze erzielte, und sie würde vermieden sein, wenn dieser
General dem Kriegsplane der Regierung entsprechend gehandelt hätte.
$Der Angriff auf Philadelphia 1777.$ Der ausdrückliche Befehl für =Howe=,
den Hudson hinauf vorzudringen und Burgoyne die Hand zu reichen, war zwar
in London ausgefertigt, aber nicht rechtzeitig abgesandt worden[129].
Howe hielt es nun aus politischen Gründen für richtiger, den Angriff auf
Philadelphia als Sitz des Kongresses und wegen der günstigen
Volksstimmung in Pennsylvanien zu erneuern. Aber auch diesen betrieb er
lässig, obgleich =Washington= anfangs nur schwach war.
[129] =Vom Lord Germaine=, der an der Spitze des Kolonialamtes stand
und dem die Leitung des Krieges zufiel, wird wie von Howe gesagt,
daß er seine Pflichten sehr leicht genommen habe; häufig soll er
in Gesellschaften die eiligsten Depeschen ungelesen in die Tasche
gesteckt und dann vergessen haben.
Der Zuzug zu Washingtons Heer blieb zunächst gering und es litt unter
mangelhafter Verpflegung sowie schlechten Quartieren; im März zählte es
nur 4500 Mann. Nun trafen allerdings aus Frankreich Geld, Material und
Menschen ein, so langte im Mai =Lafayette= mit seinen Begleitern an und
wurde sogleich zum amerikanischen General ernannt. Dies schuf aber auch
neue Schwierigkeiten. Die Milizen wollten nicht unter fremden Führern
dienen und viele amerikanische Offiziere traten aus. Es bedurfte großen
Taktes sowie unerschöpflicher Geduld auf seiten Washingtons, hier zu
vermitteln und die verschiedenen Elemente dem Gemeinwohle dienstbar zu
machen.
Bis zum Juni blieb =Howe= in New York; als er dann den Vormarsch beginnen
wollte, war =Washington= gegen 10000 Mann stark geworden und ließ sich
nicht aus seiner festen Stellung zur offenen Schlacht hervorlocken. Trotz
seiner Übermacht von insgesamt 30000 Mann wagte der englische General ihn
nicht anzugreifen, scheute sich aber auch, mit dem Feinde in der Flanke
durch New Jersey auf Philadelphia vorzudringen; er beschloß, über See den
Delaware hinaufzugehen und segelte mit 14000 Mann in etwa 250
Transportern am 23. Juli von Sandy Hook ab. =Admiral Howe= deckte den
Transport mit 5 Linienschiffen (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiffe und
10 kleineren Fahrzeugen; der Rest des Heeres blieb unter =Clinton= in
New York und auf Rhode-Island. =Washington=, der nicht annehmen konnte,
daß Howe von dem Plane der englischen Regierung abgehen würde, hielt die
Bewegung nur für eine scheinbare, um ihn aus der Stellung zu locken, und
rührte sich nicht.
Am 31. Juli stand die englische Expedition vor der Delaware-Bucht; da der
Fluß unterhalb Philadelphias gesperrt war, beschloß man, am Nordende der
Chesapeake-Bucht zu landen. Infolge Gegenwindes und Stillen gelang dies
erst am 25. August und erst Anfang September begann der Vormarsch auf
genannte Stadt. =Washington=, der schließlich doch zu ihrer Deckung
herbeigeeilt war, hatte am =Brandywine=, einem bei Wilmington in den
Delaware fallenden Fluß, mit 14000 Mann Aufstellung genommen, ward aber
hier am 11. September umgangen und völlig geschlagen; das englische Heer
hatte nach seinem Abzuge aus New Jersey Verstärkung erhalten. Abermals
verfolgte Howe seinen Sieg nicht und die Amerikaner konnten sich wieder
sammeln. =Er besetzte= am 26. =Philadelphia=, wobei eine amerikanische
Fregatte vernichtet wurde; =Washington= zog sich in die nahen Wälder
zurück, machte am 3. Oktober noch einen erfolglosen Vorstoß und nahm dann
eine feste Stellung bei Valley-Forge, unweit Philadelphia ein. Auch
=Howe= bezog Winterquartiere.
$Die englischen Seestreitkräfte$ hatten inzwischen auch noch den Delaware
als kürzesten Zufuhrweg für das Heer bei Philadelphia freigemacht.
=Admiral Howe= war nämlich am 14. Dezember mit dem Geschwader und den
Transportern von der Chesapeake-Bucht nach der Mündung des genannten
Flusses gegangen. In diesem hatte der Feind zwei Linien von Sperren
gelegt und durch Batterien am Ufer gedeckt; Howe sandte ein Linienschiff,
2 Fregatten und 2 Sloops den Fluß hinauf. Die unterste Sperre ward leicht
aufgeräumt und die Batterien genommen. Schwieriger war die Überwältigung
der oberen Stellung etwa 10 englische Meilen unterhalb Philadelphias.
Hier befanden sich auf dem Ostufer das Fort Redbank und am Westufer ein
Werk auf einer kleinen Insel, Mud-Island; zwei schwimmende Batterien
sowie eine Anzahl von Galeren und Branderflößen verstärkten die Linie.
Ein Angriff der Engländer am 22. Oktober wurde sowohl zu Lande wie auf
dem Wasser abgeschlagen; das Linienschiff und eine Sloop kamen auf Grund
und wurden verbrannt. Man baute nun Batterien am Lande und armierte sie
mit Schiffsgeschützen. Mud-Island fiel jedoch am 15. November
hauptsächlich dadurch, daß die andere Sloop und eine schwimmende Batterie
mit schweren Geschützen am Westufer entlang segelten und die Kehle des
Werkes bedrohten; in der Nacht räumten die Amerikaner das Werk und gaben
auch Redbank am 21. auf. Die englischen Schiffe drangen nun nach
Philadelphia vor und vernichteten hier eine zweite Fregatte sowie fünf
kleinere Fahrzeuge der eben geschaffenen amerikanischen Marine.
Unter Beihilfe der Kriegsschiffe hatte endlich noch General =Clinton= am
3. Oktober mit einigen Fregatten und 3000 Mann von New York =einen
Vorstoß den Hudson= hinauf unternommen. Er zerstörte leicht alle
Uferbefestigungen, Depots und Fahrzeuge, auch zwei Kriegsschiffe und kam
in einer Woche nach Westpoint; von hier gelangte ein Teil der Truppen auf
kleinen Fahrzeugen bis auf 40 englische Meilen an Albany heran, gerade
als =Burgoyne= von Stillwater den Rückzug antrat. Dieser hatte mehrere
Boten mit der Nachricht über seine Lage an Clinton abgesandt, von denen
allerdings nur einer sein Ziel erreichte. =Clinton= hielt sich aber für
weiteres Vorgehen zu schwach und kehrte nach New York zurück.
Verschiedene Autoren behaupten, er habe die Kapitulation von Saratoga
doch wohl hindern können. Jedenfalls zeigt sein leichtes Vordringen, daß
=Howe= mit seiner ganzen Macht die Vereinigung bei Albany erreicht haben
würde; er hätte es dann zwar auch mit Washingtons Heere zu tun gehabt, im
Besitze des Flusses aber seine Übermacht gut zur Geltung bringen können.
$Der Nutzen der englischen Seestreitkräfte 1777$ war bei sämtlichen
Unternehmungen groß gewesen; sie hatten die Landtruppen an den Ort
ihrer Verwendung gebracht, deren rückwärtige Verbindungen gesichert und
auch in die Kämpfe eingegriffen. Daneben kreuzten einzelne
Kriegsschiffe gegen feindliche Handelsfahrzeuge und Kreuzer, nicht nur
an den Küsten Nordamerikas, sondern auch in den westindischen und
europäischen Gewässern; seit 1776 gab England auch Kaperbriefe aus.
$Die amerikanischen Seestreitkräfte$[130] dehnten den Kleinen Krieg, der
1775 durch Freibeuter der einzelnen Staaten begonnen war, schon 1776 keck
weiter aus. Am 17. Februar 1776 verließ das erste amerikanische
Geschwader von 6 Fahrzeugen (vgl. Seite 225; 2 Schoner blieben zurück)
unter =Kommodore Hopkins= den Delaware und segelte =nach den
Bahama-Inseln=, um dort aufgespeicherte englische Kriegsvorräte
wegzunehmen. Auf der Insel Abaco bemächtigte sich Hopkins der
Küstenfahrzeuge und führte auf ihnen 300 Mann nach New Providence
hinüber, in der Hoffnung, diese Insel zu überraschen. Die Garnison war
jedoch auf ihrer Hut, so daß die Landung unter Deckung durch die größeren
Kriegsschiffe erzwungen werden mußte. Dann wurden die Forts erstürmt,
gegen hundert Kanonen sowie viel Material erbeutet und bei der Rückfahrt,
Mitte März, der Gouverneur nebst angesehenen Einwohnern als Geiseln
mitgenommen, da England alle auf amerikanischen Kaperschiffen gemachten
Gefangenen für Piraten erklärte und sie, wenn auch nicht gerade hängte,
doch sehr schlecht behandelte.
[130] Die kecken Taten der kleinen Marine sind ausführlich und
lesenswert beschrieben in Spears Band I; die wichtigsten Gefechte
mit englischen Schiffen auch in Clowes Band IV, Minor actions
1762-1792. Einiges werden wir bei Betrachtung des »Kleinen
Krieges« am Schluß des Kapitels bringen.
Die Kriegsschiffe, zu denen bald Neubauten oder Neuerwerbungen traten,
wurden einzeln oder in Gruppen zum Kleinen Kriege verwendet, auch die
Zahl der Freibeuter wuchs ungemein. Beide machten den Engländern an der
Küste Nordamerikas und in Westindien viel zu schaffen, 1777 erschienen
sie sogar in der Biskaya und bei England. In Westindien fanden sie
Zuflucht auf den französischen und holländischen Inseln, in Europa
stützten sie sich auf französische Häfen. In diesen verkauften sie ihre
Prisen; um die Neutralität Frankreichs wenigstens scheinbar zu wahren,
ward der Kauf auf offener See abgeschlossen und das Geld dem
amerikanischen Gesandten in Paris ausgezahlt. Dieser Krieg führte zu
vielen Gefechten, in denen auch kleinere englische Kriegsschiffe genommen
wurden, doch büßte die schwache amerikanische Marine im Laufe der
späteren Jahre so viel Schiffe dabei ein, daß sie trotz aller Neubauten
nie größere Macht erlangen konnte. Der englische Handel erlitt jedoch
bedeutenden Schaden. In den Jahren 1776/77 wurden 560 englische
Kauffahrer aufgebracht, während die Engländer nur 60 Handelsschiffe und
24 Freibeuter wegnahmen. Auf den westindischen Inseln trat schließlich
Mangel an Sklaven und an Nahrungsmitteln ein; die Einfuhrartikel stiegen
sehr im Preise, die der Ausfuhr fielen entsprechend; die Versicherung der
Schiffe ging auf 23%. Der Gesamtschaden des Handels durch unmittelbaren
Verlust oder Behinderung betrug in diesen Jahren über 1-1/2 Millionen
Lstrl.
$Das Jahr 1778 brachte bis zur Teilnahme Frankreichs am Kriege nichts von
Bedeutung.$ =General Howe= blieb auch noch im Frühjahr, bis auf kleinere
Vorstöße zur Verproviantierung, untätig in den Winterquartieren, obgleich
=Washingtons= Streitkräfte in traurigster Verfassung waren. Wo die
Engländer standen und wohin sie kamen, wandte sich nämlich die Mehrheit
der Bevölkerung von ihm ab; er erhielt von ihr weder Nachrichten noch
Lieferungen. Sein Heer verlor während des Winters so viel Leute durch
Krankheit und Fahnenflucht, daß es im Februar nur noch 5000 Waffenfähige
neben 4000 Kranken zählte, die kaum die nötigste Kleidung hatten. So
mußte auch er sich darauf beschränken, seine Truppen zu verstärken und zu
verbessern[131].
[131] Hierbei leistete der ehemalig preußische Offizier =von Steuben=,
der im Dezember 1777 eintraf und zum Inspekteur sowie Instrukteur
ernannt wurde, wesentliche Dienste. Ihm ist es hauptsächlich zu
danken, wenn aus den Milizen nach und nach ein leidlich
brauchbares Heer geschaffen wurde.
Anfang Mai bekam er Nachrichten aus England, daß wegen des Erscheinens
einer französischen Flotte die plötzliche Räumung Philadelphias nötig
werden würde. Er zog daraufhin einen Teil seiner Kriegsschiffe in der
Delaware-Bucht zusammen und verlud sämtliche Vorräte der Truppen bei
Philadelphia bis auf den Bedarf für 14 Tage auf Transporter.
=Der Rückzug der Engländer vom Delaware -- General Howe= leitete ihn
nicht mehr; er war am 24. Mai vom General =Clinton= im Oberbefehl
abgelöst und nach England gegangen -- trat tatsächlich schon im Juni als
eine Folge der veränderten politischen Verhältnisse ein. =Frankreich=
trat nach Saratoga offen auf die Seite der Amerikaner und sandte am 13.
April eine längst vorbereitete Flotte ab, die ihnen zunächst am Delaware
Luft schaffte. =England= machte zwar noch einen letzten Versuch zur
Versöhnung mit den Kolonien, jedoch gingen diese nicht mehr darauf ein,
sondern nahmen nach Eintreffen der französischen Hilfe den Krieg mit
erneuter Zuversicht wieder auf.
$Der letzte Versuch Englands zur Versöhnung.$ In England hatte man
bislang sicher gehofft, den Aufstand bald niederzuschlagen. Die
öffentliche Meinung, empört über die erfolgreiche Freibeuterei der
Amerikaner, hieß alle harten Maßregeln der Regierung gut; nur die
strengsten Whigs, damals in heftigem Streit mit der Regierung, traten
für die Kolonien ein, erbitterten aber dadurch die große Menge nur noch
mehr. Die Niederlage von Saratoga führte jedoch einen völligen
Umschwung der öffentlichen Meinung herbei; man fand plötzlich die
Wünsche der Kolonien billig und forderte schleunigen Frieden. Auch der
König und die Regierung wurden nachgiebig, da Schwierigkeiten
finanzieller Art sowie für die Beschaffung weiterer Soldtruppen aus
Deutschland und endlich der Krieg mit Frankreich drohten.
Im Februar 1778 brachte =Lord North= eine Anzahl Bills vor das
Parlament zur Bewilligung früherer Forderungen der Kolonien: Aufhebung
der Verfassungsänderungen sowie des Teezolles; Befreiung von Steuern
und Verwendung der Zolleinkünfte nach den Beschlüssen der Kolonien;
Bevollmächtigte sollten darüber mit dem Kongreß verhandeln. Diese
Beschlüsse verblüfften zwar sogar die Anhänger der Regierung, fanden
aber keinen ernstlichen Widerspruch und wurden am 11. März vom Könige
vollzogen. Doch die Demütigung war umsonst. Zwei Tage später übergab
Frankreich die bekannte Erklärung (vgl. Seite 217) in London und die
Gesandten wurden beiderseits abberufen. Der schwerkranke =Pitt= sprach
bei seinem letzten Auftreten im Oberhause am 7. April kurz vor seinem
Tode in einer gewaltigen Rede gegen die Unabhängigkeit der Kolonien und
entschied den Entschluß, auch mit Frankreich den Krieg aufzunehmen.
Die trotzdem nach Amerika abgehenden Bevollmächtigten trafen im Mai in
Philadelphia ein. Obgleich sie ihre Vollmacht überschritten und
Vertretung der Kolonien im Parlament wie die Verpflichtung anboten, nie
wieder europäische Truppen herüberzusenden, fanden sie kein Gehör. Der
Kongreß hatte den Vertrag mit Frankreich unterzeichnet und bestand auf
der Unabhängigkeitserklärung. Während die Bevollmächtigten noch
unterhandelten, traf der Befehl zur Räumung Philadelphias ein, der ihre
Aufgabe wahrlich nicht förderte, da er den Amerikanern als ein Zeichen
der Schwäche Englands erscheinen mußte und ihnen den Rücken steifte.
Einige Quellen sagen, =North= habe die ganz aussichtslosen
Unterhandlungen nur wieder aufgenommen, um bei den Franzosen Mißtrauen
gegen die Amerikaner zu erwecken.
Mit dem Auslaufen der französischen Flotte nach Amerika sind wir beim
=Beginn des großen Seekrieges= angelangt und wenden uns diesem zu. Den
weiteren Verlauf des Landkrieges flechten wir in die Schilderung des
Seekrieges ein, soweit es zum Verständnis der unmittelbaren Mitwirkung
von Seestreitkräften oder zur Beurteilung der durch ihn hervorgerufenen
Bewegungen großer Flotten nötig ist.
Der grosse Seekrieg[132].
$Über Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen.$ Der
Seekrieg spielte sich wie die letztvorhergegangenen auf vier Schauplätzen
ab: den europäischen, den nordamerikanischen, den west- und den
ostindischen Gewässern. In den früheren Kriegen war der erstgenannte der
wichtigste; der Verlauf hier war für den Krieg auf den anderen
ausschlaggebend. Wir konnten deshalb, ohne die Übersicht zu verlieren,
zunächst die Ereignisse auf diesem zusammengefaßt geben und dann in
gleicher Weise die auf den übrigen folgen lassen. Bei dem jetzt zu
besprechenden Kriege müssen wir einen anderen Weg wählen, da das Ringen
auf den verschiedenen Meeren gleich folgenschwer ist und eng ineinander
greift. Bei einer streng chronologisch durchgeführten Schilderung der
Ereignisse auf allen Kriegsschauplätzen zugleich würde nun aber infolge
des reichen Materials der strategische Faden verloren gehen, und so
bleibt nur eine Verbindung beider Wege übrig. Für eine solche geben =die
militärische Lage, sowie die Ziele der Gegner in den verschiedenen
Weltteilen= einen guten Anhalt.
[132] Besonders benutzte Quellen: Mahan I; Clowes Band III (das
betreffende Kapitel ist auch hier von Kapitän Mahan bearbeitet,
aber später als dessen eigenes Werk, und weicht deshalb zuweilen
von diesem ab); Lacour II, Chevalier II, zwei Werke, die sich
wertvoll ergänzen; Campbell Band V und VII; Troude Band II;
Bonfils Band III. Die kleinen Begebenheiten findet man bei Clowes
erst im Bande IV, Kapitel »Minor actions 1763-1793«.
=In Europa= beschränkte sich England im Gegensatz zu den früheren Kriegen
ganz auf die Verteidigung, da es bei dem Bestreben, auch in allen fernen
Meeren die Herrschaft zu wahren und Angriffen entgegenzutreten, hier den
Gegnern nicht gewachsen war. Diese hatten es auf Einfälle in England
sowie auf die Eroberung von Port Mahon und Gibraltar abgesehen; zum Glück
für England lag die erste Aufgabe Frankreich, die zweite Spanien mehr am
Herzen, und dieses Auseinandergehen der Ziele schwächte das
Zusammenwirken der Verbündeten.
=In Nordamerika= handelte es sich für die Engländer um die Unterwerfung
der Kolonien. Sie waren 1778 im Besitze New Yorks, der Narragansettbucht,
Philadelphias und Kanadas. New York war politisch wertvoll als die größte
Stadt neben Boston und militärisch durch seine Lage am Ausgangspunkte der
Hudsonlinie. Die Narragansettbucht gab den besten Hafen der Küste,
vorzüglich gelegen zu ihrer Beherrschung. Der Besitz von Philadelphia
bildete jedoch eine Schwäche in der englischen Stellung, da das Heer hier
von dem in New York über Land getrennt und auch in Hinsicht auf Zufuhren
ganz auf die See angewiesen war; von dieser abgeschnitten, schwebte es in
der Luft. Hierher richtete denn auch Frankreich den ersten Stoß seiner
Flotte, und England mußte die mühsam errungene Stellung am Delaware
aufgeben, sobald es seine Seeherrschaft bedroht sah. Bei den späteren
Unternehmungen Englands gegen die südlichen Kolonien spielte der Besitz
der Chesapeakebucht eine ähnliche Rolle. Da an dieser keine Befestigungen
lagen, fiel sie der seebeherrschenden Partei zu und wurde deshalb
Streitobjekt für die beiderseitigen Flotten. Kanada zu erobern oder für
ihre Sache zu gewinnen, war den Amerikanern nicht gelungen, sie
versuchten dies auch nach 1777 nicht mehr -- vielleicht trauten sich die
neuen Verbündeten, Frankreich und Amerika, in dieser Beziehung nicht
recht -- und so blieb die Kolonie eine feste Basis für England.
=In Westindien= war der Besitz der Engländer und der Franzosen auf den
Kleinen Antillen ungefähr gleich. Der Kampf entspann sich zunächst um
strategisch besonders wichtige Inseln (Dominica, Sta. Lucia); später
erstrebte Frankreich die Eroberung englischen Gebietes überhaupt, wohl
in der Hoffnung, sich hier ein großes Kolonialreich schaffen zu können.
Dieser Versuch ging auf Kosten des Kampfes in den europäischen Gewässern.
Auf den großen Inseln würde Spanien das Übergewicht gehabt haben, da es
Kuba, Portoriko und mit Frankreich gemeinschaftlich Haiti besaß, während
England nur Jamaika gehörte. Es trat jedoch nicht kräftig auf.
Verschiedene Pläne Frankreichs und Spaniens, zusammen gegen diese Insel
vorzugehen, kamen nicht zur Durchführung, und England hatte anderwärts zu
viel zu tun, um gegen spanische Besitzungen wirksam zu werden. Jamaika
lag außerdem so weit in Lee des Hauptkriegsschauplatzes, daß die Gegner
ungern eine größere Streitmacht dorthin führten. Spaniens Waffen machten
sich nur in dem Gebiete östlich von Mississippi, das damals Florida hieß
und in englischem Besitze war, sowie gegen die Bahamainseln fühlbar. Sein
Auftreten war hier, wie in den europäischen Gewässern das Vorgehen gegen
Gibraltar ein Ausfluß von Sonderinteressen, wodurch der gemeinsamen Sache
nur Kräfte entzogen wurden.
=Die Kriegsschauplätze Nordamerika und Westindien= berührten sich, die
Ereignisse auf beiden griffen ineinander. Nicht nur ihre Nachbarschaft
bedingte dies, sondern auch die Wetterverhältnisse trugen dazu bei. Die
Winterstürme setzten in den nördlichen Breiten den Unternehmungen der
Seestreitkräfte eine Grenze, und in Westindien ließ man sie ungern
während der Orkanzeit; so fanden sie je nach der Jahreszeit an der Küste
der nördlichen Staaten, an der der südlichen oder in Westindien
Verwendung. Deshalb fallen bei Schilderung der Kämpfe diese beiden
Schauplätze zusammen.
=In Ostindien= hatte England seit dem letzten Kriege seine Macht
wesentlich ausgebreitet und gestärkt. Es war aber ständig mit mächtigen
eingeborenen Feinden beschäftigt, und Frankreich hätte bei Ausbruch des
Krieges hieraus Nutzen ziehen können. Es tat dies nicht, während England
sofort mit Erfolg über die französischen Besitzungen herfiel. Die
Seestreitkräfte beider Parteien waren hier anfangs unbedeutend; von 1779
an erhielten die englischen das Übergewicht, und mit ihrer Hilfe wurden
auch die holländischen Besitzungen genommen. Erst 1782 trat Frankreich
überlegen auf (Admiral =Suffren=) und es folgte ein Kampf um die
Seeherrschaft. Da die Ereignisse dieses Schauplatzes ganz für sich
dastehen, können sie und mit ihnen die auf dem Wege nach Indien (Kapland)
am Schlusse für alle Jahre zusammengefaßt betrachtet werden.
$Die Einteilung für den Verlauf des Seekrieges$ wird nach vorstehendem
diese sein:
=Die europäischen Gewässer= 1778. Die Franzosen vor dem Kanal.
=Nordamerika und Westindien= 1778/79. Der Feldzug der ersten
französischen Flotte (d'Estaing).
=Die europäischen Gewässer= 1779/80. Bedrohung der englischen Küste
durch die Verbündeten; Beginn der Belagerung von Gibraltar; die Festung
versorgt (Rodney).
=Westindien und Nordamerika= 1780. Die zweite französische Flotte (de
Guichen) in Westindien; erstes Auftreten Rodneys; die französische
Hilfsarmee in Nordamerika.
=Die europäischen Gewässer= 1781. Gibraltar aufs neue versorgt (Darby);
die Verbündeten vor dem Kanal; Eintreten Hollands in den Krieg.
=Westindien und Nordamerika= 1781. Die dritte französische Flotte (de
Grasse) in Westindien; Kampf um die Chesapeakebucht und Fall von
Yorktown.
=Europa= 1782. Die Verbündeten vor dem Kanal; der große Angriff auf
Gibraltar; Howe rettet die Festung endgültig.
=Westindien= 1782. Rodney und de Grasse; der Krieg beendet.
=Ostindien= 1778-1783.