$Der Verlauf des Angriffes$ war kurz folgender. (Nach Colomb, Seite

417, mit Plan, und Clowes III, Seite 372, dort sehr eingehend.) Die

Haupteinfahrt, der Mainshipchannel, führt zunächst zwischen einer

langgestreckten nur an ihrem Südende passierbaren Barre, und

Morris-Island etwa fünf Seemeilen nördlich und wendet sich dann

zwischen der Nordspitze genannter Insel und Sullivan-Island, nahe unter

dieser, nach Westen der Stadt zu. Diese engste Stelle der Einfahrt ist

noch etwa 4 Seemeilen von der Stadt entfernt und wurde damals nur durch

ein Werk auf Sullivan-Island beherrscht -- später nach seinem jetzigen

Verteidiger =Fort Moultrie= genannt. Das Fort besaß Bastionen auf den

vier Ecken, die Wälle bestanden aus Sand und waren mit zusammengefügten

Palmstämmen bedeckt. Nur die Hauptfront, die nach Süden die Einfahrt

bestrich, und die Westfront waren fertig, die beiden anderen erst

notdürftig gegen Ersteigen gesichert. 28 Geschütze (18- und 9-Pfünder)

waren aufgestellt und zwar 21 in der Hauptfront; eine von Osten nach

Westen laufende Traverse deckte diese gegen Rückenfeuer, doch ein

Schutz gegen Enfilieren war nicht vorhanden und die Munition war sehr

knapp. Letzterer Umstand war jedoch den Angreifern nicht bekannt.

=Parker= ließ die tiefste Stelle der Barre ausloten und ausbojen; dann

erfolgte die Durchfahrt, die Fregatten und die Transporter ankerten am

7. Juni innerhalb der Barre, ein 50-Kanonenschiff folgte erst am 10.,

da es zur Erleichterung Geschütze hatte abgeben müssen, das zweite

50-Kanonenschiff war noch nicht eingetroffen.

Vom 9.-15. landete =Clinton= seine Truppen auf Long Island, einer

Insel, unmittelbar nördlich von Sullivan-Island. Man beabsichtigte, das

Fort aus den Schiffen zu beschießen und vom Lande her zu erstürmen. Die

Wasserrinne zwischen den Inseln war aber selbst bei niedrigstem

Wasserstande noch 7 Fuß tief, und da man keine Mittel zum Überschreiten

hatte, genügte ein kleiner, in niedrigem Gestrüpp liegender Trupp

Amerikaner, jede Mitwirkung der Gelandeten beim Angriff zu verhindern.

Die Verteidiger fanden noch Zeit, ihre Befestigungen zu verstärken,

denn der Angriff erfolgte erst am 28., da das zweite schwere Schiff

nicht vor dem 26. zur Stelle war und am 27. ungünstiger Nordwind wehte.

Am genannten Tage legten sich die 50-Kanonenschiffe sowie 2 Fregatten

um 11 Uhr vorm. auf etwa 330 Meter Entfernung in Linie parallel der

Hauptfront und eröffneten ein schnelles, gutgerichtetes Feuer; sie

wurden durch das Mörserboot unterstützt. Die Entfernung war jedoch zu

groß, um Kartätschen verwenden zu können; die Vollkugeln drangen nicht

durch den Wall, wenn auch zuweilen 3 bis 4 gleichzeitige Breitseiten

diesen so erschütterten, daß die Verteidiger fürchteten, er würde nach

innen fallen; die Bomben des Mörserbootes richteten keinen Schaden an,

da sie entweder tief in den Sand eindrangen oder in einen Morast im

Innern des Werkes fielen. Das Mörserboot wurde überhaupt bald durch

Zusammenbrechen seiner Geschützbettung gefechtsunfähig. Die Amerikaner

unterhielten ein ruhiges, mit Rücksicht auf den geringen

Munitionsbestand sehr langsames Feuer nur auf die 50-Kanonenschiffe,

welche sehr in der Takelage beschädigt wurden und starke

Mannschaftsverluste erlitten. Die beiden anderen Fregatten sowie eine

Sloop hatten das Fort passieren und im Westen desselben ankern sollen,

um die kämpfenden Schiffe gegen Branderangriffe von der Stadt her zu

decken und um die Hauptfront zu enfilieren. Sie liefen jedoch sämtlich

auf einer Bank in der Mitte des Fahrwassers auf; zwei von ihnen kamen

nach einigen Stunden bei steigendem Wasser frei, aber eine Fregatte

mußte verbrannt werden, als der Kampf aufgegeben wurde. Nach Aussage

der Verteidiger würden ihre Leute von den Geschützen vertrieben sein,

wenn diese Schiffe die richtige Stellung eingenommen oder wenn die

anderen Kartätschen hätten verwenden können. So verloren sie nur durch

einige Schartentreffer 37 Tote und Verwundete, während der englische

Verlust 94 Mann betrug; Parker wurde leicht, sein Flaggkapitän tödlich

verwundet. Nach Eintritt völliger Dunkelheit, 9 Uhr abends, brach der

Kommodore den Kampf ab und ging auf seinen Ankerplatz an der Barre

zurück.

=Parker= hat wohl auf einen leichteren Erfolg und auch bis zuletzt auf

Mitwirkung der Gelandeten gerechnet. Es wäre gar nicht nötig gewesen,

das Werk zu nehmen, um nach Charleston zu gelangen. Bei dem Angriff

1780 liefen die Schiffe ohne Schwierigkeit an dem Fort vorbei und auch

bei dieser Gelegenheit hatten die Verteidiger ein Gleiches erwartet.

Der Angriff wurde nicht erneuert, da die Schiffe sehr beschädigt und die

Munitionsvorräte fast erschöpft waren. Es wurde auch sonst kein Versuch

gemacht, sich ohne Rücksicht auf das Fort der Stadt zu bemächtigen; die

Führer erachteten doch wohl das Landungskorps für zu schwach, um sich in

der Kolonie halten zu können, da in dieser zahlreiche Milizen unter

General =Lee= zusammengezogen waren. Die Expedition segelte nach der

nötigsten Ausbesserung der Schiffe wieder ab und traf gerade rechtzeitig

am 4. August vor New York ein, um an der Einnahme dieser Stadt

teilzunehmen.

$Der Angriff der Engländer von Kanada aus, 1776[127]$, hatte mehr Erfolg.

Im April ward =General Carleton= aus seiner gezwungenen Untätigkeit in

Quebec erlöst. Am 12. traf ein kleines Geschwader unter Kapitän =Charles

Douglas= mit einigen Transportern an der Mündung des St. Lawrencestromes

ein. Er preßte seine Schiffe durch das mürbe gewordene Eis den Fluß

hinauf und erschien am 6. Mai vor der Stadt. Die Amerikaner hatten

während des Winters unter Entbehrungen und Krankheiten schwer gelitten

und =Arnold= verfügte nur über 1500 Mann. Carleton drang nun vor und

Arnold wich langsam zurück; er traf am 3. Juli in Crownpoint ein, die

Engländer folgten bis St. Johns. Sie wollten auf der Hudsonlinie bis

Albany vorgehen, um hier dem Vorstoß von New York aus die Hand zu

reichen; dies erschien durchführbar, da das Heer in Kanada mit dem

Eintreffen der großen Verstärkungen aus Europa Ende Oktober fast 13000

Mann betrug, während die Amerikaner nur schwache Kräfte bei Crownpoint

stehen hatten. Aber der Marsch an den Ufern des Champlainsees war wegen

der völligen Unwegsamkeit des Geländes unmöglich, man mußte den Wasserweg

wählen. Dies führte zu einem Kampfe um den See, und hierfür schufen sich

beide Parteien eine Flottille. Bei ihrem Rückzuge hatten die Amerikaner

sämtliche Fahrzeuge vom Norden mit sich genommen, so auch einen

englischen Schoner aus St. Johns; vorläufig beherrschten sie den See.

[127] Eingehender, besonders auch über die Flottillen auf den

Binnenseen, vgl. Clowes III, Seite 357, und Spears I, Seite 84.

$Die Flottillen auf dem Champlainsee.$ =Arnold= hatte durch Briefe

schon während seines Rückzuges den Bau von Fahrzeugen vorbereitet. Er

ließ Schiffszimmerleute, Segelmacher sowie Material von der Küste nach

Crownpoint kommen. Zwei Schoner zu 12 Kanonen waren bereits vorhanden;

nun wurden noch ein Schoner, eine Sloop zu 10 und 3 Galeonen zu 6-8 und

8 Gondolas zu 3-5 Kanonen gebaut. Die 15 Fahrzeuge führten insgesamt 88

Geschütze und waren mit 700 Mann, allerdings meist Nichtseeleuten,

bemannt. Die Galeren und Gondolas waren Ruderfahrzeuge, erstere auch

zum Segeln eingerichtet, und führten ein oder 2 schwerere Geschütze im

Bug. Die anderen Fahrzeuge hatten nur wenig schwere Geschütze (12- und

18-Pfünder), meist nur 4-Pfünder oder 9-Pfünder; die Munition war

knapp. Die Schoner, die Sloop und 5 Gondolas waren Mitte August bereit.

War es für die Amerikaner schwierig, Material und Personal zu

beschaffen, so konnten sie doch in genügend tiefem Wasser bauen. Den

Engländern hingegen standen zwar die genannten Bedürfnisse durch das

Geschwader in Quebec reichlich zur Verfügung, aber die Aufstellung im

See machte Schwierigkeiten. Der Wasserweg von Quebec war für größere

Fahrzeuge nur bis Fort Chambly am Richelieu-River, etwa zehn Seemeilen

unterhalb St. Johns, schiffbar. =Carleton= und =Douglas= ließen nun in

Quebec die Hölzer für zwei Schoner vorbereiten, sowie ein schon

fertiges Vollschiff von 180 tons wieder auseinandernehmen; dieses

Material wurde dann zu Wasser nach Chambly, von dort über Land nach St.

Johns gebracht, um hier die Fahrzeuge zusammenzusetzen. Anfang Oktober

waren bereit: 1 Schiff zu 18 Kanonen (12-Pfünder); zwei Schoner mit 14

oder 12 (6-Pfünder); 1 floßartiges Blockschiff mit 6 (24-Pfünder), 12

(6-Pfünder), 2 Haubitzen, allerdings ein sehr unhandliches Fahrzeug; 1

Gondola und 12 Boote mit je einem Geschütz, 24-Pfünder bis zum

kleinsten Feldgeschütz hinab. Munition war reichlich vorhanden, und

unter der 1000 Mann starken Besatzung der Flottille befanden sich 8

Offiziere nebst 700 ausgesuchten Matrosen der Kriegsschiffe in Quebec.

Schon Anfang September erschien =Arnold= mit 8 Fahrzeugen vor St. Johns,

um den Gegner zu beobachten und das Fahrwasser zu sperren, er konnte sich

aber hier nicht halten, als die Engländer an den Ufern Batterien

errichteten. Er ging deshalb bis etwa 14 Seemeilen südlich des Forts

zurück und nahm hinter der Insel =Valcour= -- zwischen Grand-Island und

dem Weststrande des Sees, wo jetzt Platsburg liegt -- Stellung; hier

sammelten sich nach und nach die 15 Fahrzeuge seiner Flottille. Als am

10. Oktober Meldung vom Nahen des Feindes eintraf, riet der nächstälteste

Offizier, unter Segel zu gehen und ein Rückzugsgefecht zu führen, um

nicht von beiden Seiten angegriffen zu werden; Arnold glaubte jedoch, daß

er dann sicher vernichtet werden würde, da der Gegner durch Größe und

Schnelligkeit der Schiffe überlegen war. In der engen Straße, in der er

sich befand, war er gegen Norden durch eine Untiefe gedeckt, und glaubte

bei einem Angriffe von Süden günstige Aussichten für den Kampf zu haben,

da fast stets nördlicher Wind wehte, der Gegner also aufkreuzen mußte und

seine Fahrzeuge voraussichtlich ohne Ordnung und nur einzeln heranführen

konnte. In der Hauptsache kam es auch so.

$Gefechte auf dem Champlainsee am 11. und 13. Oktober 1776.$ Am 11.

Oktober in der Frühe passierte =Carleton=, als seemännischer Führer unter

ihm Kommander =Pringle= mit der englischen Flottille die Straße zwischen

Grand- und Valcour-Island bei frischem Nordostwinde. Als er die

Amerikaner entdeckte, ging er gegen den Wind zum Angriff vor, aber das

Vollschiff vermochte in der Enge kaum zu manövrieren, und das Blockschiff

sowie die Gondolas kamen überhaupt nicht zum Kampf. =Arnold= ging ihm mit

einem Schoner und den Galeren entgegen, während die anderen Fahrzeuge in

Halbmondformation vor Anker blieben; es entspann sich ein blutiges

Gefecht, das von 10 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit

dauerte. Der vorderste englische Schoner mußte schwer beschädigt

zurückgehen, 3 Kanonenboote sanken, und die Engländer verloren gegen 40

Mann. Die Amerikaner büßten den vorgeschickten Schoner, der auf Valcour

strandete, eine Gondola und 60 Mann ein, doch waren auch die anderen

Fahrzeuge beschädigt und die Munition erschöpft.

Bei Einbruch der Nacht ankerte =Carleton= in einer die Straße im Süden

absperrenden Linie, um am nächsten Tage das Vernichtungswerk zu vollenden

oder die feindlichen Schiffe zur Übergabe zu zwingen. Über Land konnten

ihre Besatzungen nicht entweichen, da die englische Flottille von

Indianertrupps begleitet war, die schon vom Lande her mit Gewehrfeuer in

den Kampf eingegriffen und auf Valcour die Leute des gestrandeten

Schoners unter den üblichen Martern getötet und skalpiert hatten.

=Arnold= aber führte während der dunkeln Nacht und in nebeligen

Morgenstunden seine Schiffe, eins dicht hinter dem anderen, unbemerkt

durch die feindliche Linie und erreichte Schuylers Island, einige Meilen

südlicher, wo er durch Gegenwind zum Ankern gezwungen wurde. Zwar setzte

er noch am selben Tage die Flucht fort, ward aber am 13. Oktober von den

Engländern eingeholt und mußte nach hartnäckiger Gegenwehr eine Galere

und vier Gondolas verbrennen. Er deckte die Ausführung selbst mit einer

Galere und verließ diese erst, als auch sie gut in Brand war; mit den

Besatzungen erreichte er trotz der Indianer glücklich Crownpoint. So war

zwar die amerikanische Flottille nahezu vernichtet, aber das Vorgehen

der Engländer kam doch für dieses Jahr zum Stehen. Die Amerikaner zogen

sich nach Ticonderoga zurück; =Carleton= führte seine Truppen zunächst

nach Crownpoint, ging aber dann wieder nach St. John und bezog hier

Winterquartiere. Er hielt die Jahreszeit nicht mehr für geeignet, die

starke Stellung bei Ticonderoga anzugreifen. Der rechtzeitige Bau der

amerikanischen Flottille, die Schwierigkeit, selber eine solche

aufzustellen, aber auch wohl der hartnäckige Widerstand Arnolds hatten

den Plan der Engländer vereitelt.

$Der Kampf der Hauptheere um New York, New Jersey und die

Narragansett-Bucht (Rhode-Island) 1776$ brachte den Engländern bedeutende

Erfolge. =General Howe= traf mit den Truppen aus Halifax am 29. Juni bei

Sandy Hook ein und landete am 3. Juli auf Staten Island; am 12. kam

=Vizeadmiral Howe= von England an und bald darauf auch die erwartete

große Verstärkung, die das englische Heer auf diesem Kriegsschauplatze

auf 24000 Mann brachte; etwa ein Drittel davon bestand aus Hessen. Am 3.

August stieß =Clinton= mit den 3000 Mann der Charlestonexpedition zu ihm.

=Washington= war von Boston mit 18000 Mann herangeeilt und hatte in der

Stadt New York sowie auf Long Island eine Verteidigungsstellung

eingenommen. Ehe jedoch =General Howe= die Feindseligkeiten eröffnete,

versuchte er nochmals durch ein Manifest an die Bevölkerung sowie durch

Verhandlungen mit dem Kongreß die Amerikaner zum Nachgeben zu bewegen;

vier Wochen gingen darüber hin, erst gegen Ende August schritt man zum

Angriff. =Admiral Howe= hatte gleich nach seiner Ankunft vier

Kriegsschiffe unter Kapitän =Hyde-Parker= 25 Seemeilen den Hudson

hinaufgeschickt, wohl zur gewaltsamen Erkundung; die Schiffe erhielten

schweres Feuer von Befestigungen auf beiden Seiten, ließen sich aber

dadurch nicht aufhalten.

[Illustration: New York und Umgebung.]

$Die Einnahme von Long Island, 22.-29. August 1776.$ Die Stadt New York

nahm damals nur die Spitze der Insel Manhattan ein, die vom Hudson,

hier Northriver genannt, im Westen, dem Eastriver, der Fortsetzung des

Long Island-Sound, im Osten, dem Harlemriver, der Verbindung zwischen

North- und Eastriver, und von der oberen Bucht von New York im Süden

umgrenzt wird; von der letzteren führen die Narrows, die Wasserstraße

zwischen Staten- und Long Island, zur unteren Bucht von New York

zwischen Staten Island und Sandy Hook. Diese Bucht war in den Händen

der englischen Seestreitkräfte, und Staten Island hatte leicht besetzt

werden können, da Washington die Insel wegen Mangel an Kräften nicht

mehr in den Bereich seiner Stellung gezogen hatte. Am Strande von

Manhattan, am North- und am Eastriver waren kleine Forts erbaut und

ebenso kleine Redouten im Norden der Stadt zwischen beiden Flüssen.

Etwa 18 Kilometer nördlich lagen zwei stärkere Werke am Hudson zur

Sperrung des Stromes -- Fort Washington am Ost- und Fort Lee am

Westufer --, die jedoch bei der Verteidigung der Stadt noch nicht in

Betracht kamen. Der Schlüssel der amerikanischen Stellung lag auf Long

Island New York gegenüber, wo der Strand den von Manhattan überhöhte.

=Washington= hatte deshalb hier eine Linie von Schanzen angelegt, die

sich mit ihren Flügeln an die Narrows und an den Eastriver lehnte; in

dieser lag die Hälfte seines Heeres (9000 Mann). Auch Governors Island,

eine kleine Insel in der oberen Bucht zwei Kilometer südlich der Stadt,

war besetzt, sie flankierte diese Linie.

Am 22. August brachte =Howe= unter dem Schutze der Kriegsschiffe 15000

Mann nebst 40 Feldgeschützen von Staten Island nach Long Island

hinüber. Er ging nach seiner Art sehr behutsam vor, so daß die Truppen,

nach und nach auf 25000 Mann verstärkt, erst am 27. der ganzen

feindlichen Linie gegenüber in Stellung waren. Die Amerikaner verloren

während dieser Tage in Scharmützeln gegen 1500 Mann; =Washington= ließ

sie durch 2000 ersetzen, da er einen Sturm erwartete und erhoffte; Howe

leitete aber den förmlichen Angriff ein.

Am 27. versuchte Kommodore =Sir Peter Parker= mit drei schweren

Schiffen und zwei Fregatten in die obere Bucht aufzukreuzen, um die

feindliche Linie flankieren oder gar in den Rücken fassen zu können,

aber es gelang ihm weder an diesem noch an den beiden nächsten Tagen;

am 28. begannen am Lande die Belagerungsarbeiten. Da Washington sich

nicht imstande fühlte, hiergegen die Stellung zu halten, führte er in

der Nacht des 29. August seine Truppen über den breiten und

schnellfließenden Eastriver nach Manhattan und räumte auch Governors

Island; die Soldaten eines aus Fischern gebildeten Regimentes leisteten

dabei treffliche Dienste. Es war heller Mondschein, und wenn auch ein

nebeliger Morgen folgte, so ist es doch kaum verständlich, daß die

Engländer weder am Lande noch auf dem Wasser den Abzug bemerkten.

Dieser Tadel trifft besonders die Schiffe, denn leicht hätten sie durch

Boote mit umwickelten Riemen auch bei Nacht die Wasserstraße beobachten

können. Als der Nebel sich hob, sah man gerade die letzten Boote

hinüberfahren und feuerte noch einige wirkungslose Kanonenschüsse

hinterher.

=Nach dem Rückzuge von Long Island= nahm =Washington= eine Stellung am

Harlemriver ein, die sich mit ihrem rechten Flügel an Fort Washington am

Ostufer des Hudson anlehnte; 4000 Mann blieben in New York. Wieder

unterhandelte =Howe= und traf erst am 13. September Maßnahmen zur

Eroberung der Stadt. Er sandte Schiffe gegen die Werke am North- und

Eastriver, teils als Diversionen, teils um das Übersetzen der Truppen

vorzubereiten; diese litten zwar wie bei der Erkundung im Juli nicht

unbedeutend, aber man konnte doch am 15. auf der Ostseite von Manhattan

landen, und =Washington= gewann die Überzeugung, daß die Befestigungen

Schiffe bei günstigem Winde nicht an der Durchfahrt aufhalten könnten,

und daß daher die Stadt nicht zu halten sei. Wiederum gelang es ihm, die

Garnison während der Nacht am Westrande der Insel unbemerkt zur

Hauptmacht heranzuziehen[128].

[128] =Clowes= sagt, Band III, Seite 385: »Diese Bewegung, eine Meile

vor der Front des Feindes, gelang infolge der Trägheit General

Howes und seiner Vorliebe für eine gute Mahlzeit; er war in

dieser Nacht von einer listigen amerikanischen Dame (a shrewd

lady) eingeladen.« Auch in allgemeinen Geschichtswerken wird dem

General Bequemlichkeit und daraus entsprungene Nachlässigkeit

vorgeworfen im schroffen Gegensatz zu seinem Bruder, dem Admiral.

=Howe besetzte nun New York ohne Kampf=, befestigte sich hier und nahm am

12. Oktober die Offensive wieder auf. Da er die feindliche Stellung für

einen Frontangriff zu stark erachtete, bedrohte er sie durch Vorgehen vom

Long Island-Sound aus im Rücken. Diese Bewegungen nötigten =Washington=

zunächst zu einem Frontwechsel und schließlich, Anfang November, zum

Rückzuge über den Fluß nach New Jersey hinein; zwischen dem Hudson und

dem Sound konnte er sich nicht halten, da beide Wasserstraßen von den

englischen Schiffen beherrscht wurden. Aufs neue waren schwere Fregatten

an den Forts Washington und Lee vorübergelaufen, die Zufuhren über den

Hudson waren aber für sein Heer die wichtigsten. Bei diesem Rückzuge

trafen ihn zwei schwere Mißgeschicke. Sein Befehl, Fort Washington

rechtzeitig zu räumen, war nicht befolgt; das Werk ward am 16. November

vom General =Knyphausen= erstürmt, wobei 2700 Mann in Gefangenschaft

gerieten. Ferner kam auch der Führer einer Heeresabteilung von 7000 Mann

seinem Befehl, über den Fluß zu gehen, nicht rechtzeitig nach, sondern

blieb im Staate New York.

So war =Washington=, mit nur 6000 Mann, nicht mehr imstande, eine gute

Stellung im Hudsontale bei Westpoint einzunehmen, sondern mußte eilig

durch New Jersey bis hinter den Delaware zurückgehen. Um diese Zeit

verließ ihn ein Teil der Milizen, deren Dienstzeit abgelaufen war; ebenso

ging es dem in New York zurückgebliebenen Korps. Als dieses ihn endlich

erreichte und auch noch einige Bataillone von Ticonderoga zu ihm gestoßen

waren, zählte sein Heer wieder nur 6000 Mann. =Howe besetzte New Jersey=

bis an den Delaware.

Die Engländer bemächtigten sich ferner noch der =Narragansett-Bucht=, mit

ihren Inseln Rhode-Island, Conanicut und Prudence, sowie der Stadt

Newport. Am 1. Dezember 1776 ging ein Geschwader von fünf

50-Kanonenschiffen nebst acht kleineren Fahrzeugen unter =Sir Peter

Parker= mit 7000 Mann unter General =Clinton= nach dort ab und besetzte

Newport am 8. ohne Widerstand. Hierdurch ward den Amerikanern ein

wichtiger Ausgangspunkt für ihre Kreuzer gegen die englischen Zufuhren

genommen, die Engländer aber gewannen einen vorzüglichen Stützpunkt für

ihre Seestreitkräfte. Die Narragansett-Bucht war der geräumigste und

sicherste Ankerplatz an der ganzen Küste, zu jeder Zeit ohne Rücksicht

auf Ebbe und Flut zugängig; von ihr aus waren die wichtigsten Städte der

Kolonien -- Boston, New York, Philadelphia -- in wenigen Tagen zu

erreichen.

Das Jahr 1776 hatte den Engländern also wesentliche Erfolge gebracht. Bei

ihrer Überlegenheit kann man diese aber kaum hoch einschätzen, und selbst

englische Quellen sagen, daß der Bathorden, den =Howe= erhielt, nie

leichter verdient war. Und noch im Dezember traten =Rückschläge= ein.

Anstatt die Erfolge auszunutzen und gegen Philadelphia vorzugehen, ließ

Howe Winterquartiere beziehen und erfreute sich selber der

Annehmlichkeiten New Yorks. Der Feind gewann Zeit zur Erholung und

Rüstung.

Der Kongreß hatte eingesehen, daß die Schaffung eines stehenden Heeres

nötig sei, und ordnete als Kern eines solchen die Aufstellung einer

Anzahl Bataillone an, deren Mannschaften sich auf drei Jahre

verpflichteten. Die Offiziere wurden nicht mehr von den Soldaten

gewählt, sondern durch die einzelnen Staaten ernannt. Für Offiziere und

Soldaten wurden Prämien an Geld sowie Grundeigentum ausgesetzt, aber

man verschärfte auch die Dienstvorschriften, und Washington erhielt mit

dem Titel Brigadier-General größere Vollmachten. Doch alle diese

Beschlüsse trugen nur allmählich ihre Früchte, und es fehlte nach wie

vor an Geld.

=Washington= zog bald aus der Sorglosigkeit der Engländer in ihren

Winterquartieren Nutzen. Am 25. Dezember ging er nachts über den

eistreibenden Delaware, überfiel =bei Trenton= drei hessische Regimenter,

machte gegen 1000 Gefangene und zog sich wieder zurück. Acht Tage später

erschien er nochmals am selben Orte; diesmal aber stieß er auf den

tüchtigen General Cornwallis, wich ihm indessen durch einen geschickten

Nachtmarsch aus und überraschte =bei Princetown= vier englische

Regimenter, denen er schwere Verluste beibrachte. Die Folge dieser Siege

sowie weiterer klug berechneter Bewegungen war, daß =Howe= seine Truppen

mehr auf die Stadt New York, bis nach New Brunswick, zurückzog und

=Washington= im mittleren, hügeligen Teile von New Jersey eine gute

Stellung einnehmen konnte, die den Weg von New York nach Philadelphia

flankierte.

Für $1777$ hielt die englische Regierung an dem Kriegsplane des Vorjahres

fest und beauftragte =General Burgoyne=, der an Carletons Stelle getreten

war, wiederum mit einem $Angriff von Kanada aus$. Burgoyne brach Ende

Juni von St. Johns mit 10000 Mann -- 8000 Reguläre, darunter viele

Braunschweiger, der Rest kanadische Milizen und Loyalisten der

Neuenglandstaaten -- nebst einer starken Artillerie sowie Indianerhorden

auf und erschien am 2. Juli vor =Ticonderoga=. Die Amerikaner wurden bald

zum Rückzuge gezwungen, den sie unter großen Verlusten auf dem Wasserwege

antraten und bei dem die englische Seenflottille am 6. Juli den Rest der

amerikanischen vernichtete. Die erstere fand ferner nur noch Verwendung

zur Schaffung und Deckung eines Nachfuhrdepots auf dem Georgesee;

Burgoyne setzte seinen Marsch nicht auf dem Wasserwege fort, sondern

drang durch die Wildnis vor. Dies war fehlerhaft, denn er mußte

angesichts des allerdings nur schwachen Feindes -- anfangs unter

=Schuyler=, später unter =Gates= -- Wege bahnen, Bäume fällen und Brücken

über Flüsse, Moräste, Schluchten bauen. Er gelangte erst am 30. Juli nach

Fort Edward am Hudson, noch etwa 40 englische Meilen von =Albany=

entfernt. Hier mußte er längere Zeit verweilen, um die Verpflegung

sicherzustellen, wobei kleine abgezweigte Abteilungen empfindliche

Verluste erlitten; erst Mitte September drang er weiter vor.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 33 / 63 段