=Englands Seestreitkräfte= (Linienschiffe).

---------+----------+-------------+--------------+---------+---------

Heimische|Mittelmeer|Westindien 1)|Nordamerika 2)|Ostindien|Insgesamt

Gewässer| | | | |

=========+==========+=============+==============+=========+=========

1778: 48| 1 | 14 | 12 | 2 | 77

1779: 43| 2 | 30 | 10 | 8 | 93

1780: 43| 2 | 33 | 17 | 8 | 102

1781: 39| 1 | 44 | 19 | 12 | 115

1782: 35| 1 | 59 | 12 | 22 | 129

1) In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen

(Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit

schwächere.

2) In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch

war auch Halifax besetzt.

=Streitkräfte der Verbündeten.=

------------------------+-----------+---------+-------+------+---------

Brest bzw. |Toulon bzw.|West- | Nord- | Ost- |Ins-

spanische Küste |Mittelmeer |indien 1)|amerika|indien|gesamt 2)

========================+===========+=========+=======+======+=========

1778 Frankreich 32 | 5 | 23 | -- | 2 | 62

1779{Frankreich 30 | 5 | 25 | -- | 2 | 62} 118

{Spanien 38 | -- | 18 | -- | -- | 56}

1780{Frankreich 27 | 4 | 27 | 7 | 5 | 70} 123

{Spanien 35 | -- | 18 | -- | -- | 53}

1781{Frankreich 26 | ? | 29 | 8 | 11 | 74} 124

{Spanien 32 | 3 | 15 | -- | -- | 50}

1782{Frankreich 15(min.)| ? | 36 | -- | 13 |64(?)}109

{Spanien 35 | -- | 20 | -- | -- |55 }(?)

1) Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.

2) Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige

zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782

als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint

allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von

uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.

$Die Vereinigten Staaten von Nordamerika$[121] schufen während des

Krieges eine kleine Marine; der 22. Dezember 1775 gilt als ihr

Geburtstag. Der Kongreß befahl am 5. Oktober 1775 dem General

=Washington=, zwei vor Massachusetts zum Kreuzen gegen Zufuhren der

Engländer ausgerüstete Fahrzeuge in den Dienst der Allgemeinheit zu

nehmen, um zwei mit Waffen und Munition erwartete Schiffe abzufangen, da

dem Landheere besonders Pulver fehlte. Am 13. Oktober wurde dann eine

Kommission eingesetzt, um die Ausrüstung von weiteren vier Fahrzeugen in

die Wege zu leiten, und im November beschloß man, durch Aufbringen von

englischen Kriegs- sowie Handelsschiffen den Krieg auch zur See zu

führen.

[121] Nach Spears, Band 1. Die Flottille, die für die Kämpfe auf dem

Champlainsee gebaut wurde, ist hier nicht berücksichtigt.

Die Kommission ward dann zur festen Behörde für Angelegenheiten der

Marine und erließ organisatorische Bestimmungen für eine solche; am 11.

Dezember ordnete man den Bau von 5 Schiffen zu 32 Kanonen, 5 zu 28, 3 zu

26 an, die im März 1776 seeklar sein sollten. Sechs dieser Schiffe sind

niemals in See gegangen, sie wurden schon in den Bauhäfen von den

Engländern zerstört. Gleichzeitig wurden geeignete Handelsschiffe zu

Kriegszwecken eingerichtet -- 2 Vollschiffe zu 20 und 24 Kanonen, 2

Briggs, 1 Sloop und 2 Schoner -- und am 22. Dezember 1775 die Offiziere

für diese ernannt, nämlich ein Kommodore, 4 Kapitäne, 5 Leutnants I.

Klasse (unter diesen der bald berühmte =John Paul Jones=), 8 II. Klasse.

An einem der nächsten Tage heißte auf dem Flaggschiff »Alfred« der erste

Offizier (=Jones=) eigenhändig die neue Flagge: 13 Streifen, abwechselnd

rot und weiß, mit dem britischen Union Jack[122]. Das kleine Geschwader

konnte jedoch des Eises wegen nicht vor dem 17. Februar 1776 zum ersten

Male in See gehen (zu einer Expedition gegen die Bahamainseln). Die 8

Fahrzeuge führten insgesamt 110 Kanonen, als schwerste aber nur 9-Pfdr.

Zu Offizieren hatte man meist Personen ernannt, die sich schon auf den

kleinen Kreuzern der Küstenstaaten ausgezeichnet hatten, unter den

Mannschaften befanden sich dagegen viele Nichtseeleute, da die

seemännische Bevölkerung den Dienst auf Freibeutern vorzog.

[122] Am 14. Juni 1776 änderte der Kongreß den Union Jack in ein blaues

Feld mit 13 weißen Sternen um, und wieder war es =Paul Jones=,

der die neue Flagge auf seinem Schiffe »Ranger« in Portsmouth

(Newhampshire) zum ersten Male und eigenhändig heißte.

Als die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erfolgte, zählte die

Marine 24 Fahrzeuge aller Größen bis zur schweren Fregatte (32 Kanonen)

mit 422 Geschützen. Während der Kriegsjahre wurde sie nach Kräften durch

Neubau, Kauf und Einstellung genommener Fahrzeuge vermehrt, aber fast

alle Schiffe fielen dem Feinde in die Hände, wurden vernichtet oder

gingen sonst verloren; beim Friedensschluß waren nur noch 3 größere

Schiffe mit insgesamt 84 Geschützen vorhanden. =Der Verlust=[123] betrug

3 Schiffe zu 40-44 Kanonen, 13 zu 28-32, 6 zu 20-26, 11 zu 12-14 und 6 zu

4-10. Rühmend heben amerikanische Quellen hervor, daß kein Kriegsfahrzeug

von englischen Freibeutern genommen sei, während amerikanische Freibeuter

16 englische Kriegsschiffe genommen hätten.

[123] Nach einer Liste Clowes IV, Seite 113, in der die Namen der

Schiffe und der Kommandanten, sowie die Ursache des Verlustes

angegeben sind.

Verwendung fand die Marine nur in Verbindung mit Operationen am Lande

sowie im Kleinen Kriege; die Angaben über die Größe der Schiffe machen

dies selbstverständlich. Nach dem Kriege wurden die noch vorhandenen

Fahrzeuge verkauft, da die öffentliche Meinung gegen jede stehende Waffe

als eine monarchische Einrichtung war und auch deren Kosten scheute. Erst

1794 gaben die Schäden, die der Seehandel durch die Barbaresken erlitt,

Anlaß zur Gründung einer neuen Marine.

Der Krieg in Nordamerika bis 1778[124].

$Das Jahr 1775$ verlief für England ungünstig. Dies hatte in

Friedenszeiten in den Kolonien stets nur wenig Truppen, schwache

Garnisonen in einigen Städten sowie in den kleinen Forts, und selbst als

die Lage bedenklich wurde, sandte man nur geringe Verstärkungen hinaus,

obgleich die Kolonien 1775 schon gegen 2 Millionen weiße Einwohner

zählten. Es war für England auch nicht leicht, sofort größere Kräfte

aufzubieten.

[124] =Hauptquellen=: Schlosser und Zimmermann (vgl. Fußnote Seite

205); Clowes Band III; Spears Band I; Campbell Band V. -- Die

Angaben über die Stärke der Heere auf beiden Seiten in den

verschiedenen Quellen weichen oft sehr voneinander ab. Der Grund

mag darin liegen, daß die Zahlen bei der Unzuverlässigkeit der

amerikanischen Milizen sehr wechselten und daß ein

Kriegsschauplatz häufig dem andern aushalf; englischerseits

darin, daß der eine Autor nur die regulären Truppen zählt, der

andere die Milizen Kanadas und die Truppenkörper der sogenannten

Loyalisten mitrechnet. Wir geben die Zahlen nach sorgfältigster

Abwägung; bei der untergeordneten Bedeutung des Landkrieges für

uns dürften etwaige Irrtümer ohne Belang sein.

Die englische Landarmee betrug 1774 nur 17500 Mann -- die Flotte war

mit 20000 Seeleuten bemannt; für 1775 waren gar nur 18000 ausgeworfen

--, für 1776 bewilligte das Parlament 55000 Soldaten, für die Marine

28000 Mann, von denen die größere Zahl nach Amerika bestimmt war, aber

man vermochte sie nicht aufzustellen, da die Werbungen in

Großbritannien und Irland wenig Rekruten brachten. Nur unter Entblößung

der Heimat konnte man die nötigsten Verstärkungen hinaussenden, und der

Kriegsminister empfahl, die aufständischen Kolonien allein durch

Vernichtung ihres Handels sowie Zerstörung der Küstenstädte mürbe zu

machen. Hiervon wollte jedoch der König nichts wissen, sondern kaufte

für 1776 etwa 18000 Soldaten von den kleinen deutschen Fürsten; in den

nächsten Jahren bis zu 25000 insgesamt. Als Kurfürst von Hannover

sandte er ferner 2300 Hannoveraner nach Gibraltar und Minorca zur

Ablösung englischer Regimenter. Auf diese Weise wurden noch mehr

Truppen aufgestellt, als das Parlament bewilligt hatte, zum Teil aus

Mitteln, die Korporationen und Private zur Verfügung stellten. -- Wie

=Friedrich der Große= über den Menschenhandel in Deutschland dachte,

zeigte sein Ausspruch: »Es sei billig, wenn er für die durch sein Land

ziehenden Soldaten den Viehzoll erhebe, da sie doch wie Vieh verkauft

wären.«

$Gefechte bei Lexington und Bunkershill.$ Als =General Gage= im Frühjahr

den Gouverneursposten in Boston übernahm, hatte er nur etwa 3500 Mann

zur Verfügung, während in Massachusetts schon 12 000 Mann unter Waffen

standen und eifrig weiter gerüstet wurde. Bei Concord, etwa 6 Stunden von

Boston, war ein Magazin eingerichtet; um es aufzuheben, entsandte Gage

Mitte April 800 Mann. Diese Truppe wies zwar auf dem Hinmarsche eine

kleine Abteilung Milizen blutig ab, die sich ihr in den Weg stellte, und

führte ihren Auftrag aus, wurde aber auf dem Rückmarsch durch große

Scharen der durch das erste Blutvergießen erregten Bevölkerung bei

=Lexington am 19. April= angegriffen, verlor 65 Tote, 180 Verwundete

sowie 28 Gefangene und würde vernichtet worden sein, wenn ihr nicht von

Boston 16 Kompagnien zu Hilfe gekommen wären. =Dieses Gefecht gilt als

der Anfang des Krieges=; Gage erklärte das Kriegsrecht, mußte sich aber

in Boston verschanzen, da die Stadt von jetzt an durch die Amerikaner

eingeschlossen wurde.

Am 24. Mai trafen nun zwar die Generale =Howe=, =Clinton= und =Burgoyne=

mit Truppen ein, wodurch das Heer auf 10000 Mann kam, unternahmen aber

noch nichts. Dagegen erlitten die Engländer eine neue Niederlage. Als sie

auf der durch den Charles-River von Boston getrennten Landzunge eine die

Stadt beherrschende Höhe -- =Bunkershill= -- befestigen wollten (jetzt

erst!), kamen ihnen die Gegner zuvor. Die von diesen am =16. Juni=

angelegte Befestigung wurde nun allerdings am =17. Juni= von den

Engländern genommen, aber der Angriff kostete ihnen, trotz Unterstützung

durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe, 1054 Mann, einschließlich 89

Offiziere, an Toten und Verwundeten, während die Amerikaner nur 449 Mann

einbüßten und sich -- wegen Munitionsmangels -- in guter Ordnung

zurückzogen. Nun trat =George Washington= an die Spitze des

amerikanischen Heeres und brachte es auf 20000 Mann, aber die Disziplin

ließ sehr viel zu wünschen übrig, und es mangelte an Kriegsmaterial jeder

Art. Die Engländer, über die im Oktober =Sir William Howe= den Oberbefehl

übernahm, versuchten nicht einmal, die Linie der Belagerer zu

durchbrechen, obgleich diese später kaum 9000 Mann zählten, als die

Milizen heimgingen, die ihren Dienst hinter sich hatten; sie hofften,

durch verschärfte Maßregeln -- Beschlagnahme aller amerikanischen Schiffe

und Waren, sowie Blockade aller Häfen -- die Kolonien zum Nachgeben zu

zwingen.

$Vordringen der Amerikaner gegen Kanada.$ In dem eben begonnenen Kriege

war für beide Parteien die =Hudsonlinie= wichtig, die fast

ununterbrochene Wasserstraße, die durch den Hudson, den George-, den

Champlainsee und endlich den Richelieu-River von New York bis zum St.

Lawrencestrom unterhalb Montreals gebildet wird. In der größtenteils noch

unwegsamen Gegend bot sie den Weg für amerikanische Angriffe auf Kanada

sowie für englische von dort; von den Engländern völlig beherrscht,

setzte sie diese in den Stand, die gefährlichsten Kolonien -- die

Neuenglandstaaten -- von den weniger feindseligen mittleren

abzuschneiden. Deshalb und auch wohl in der Hoffnung, die widerstrebenden

Kanadier doch noch herüberzuziehen, =bemächtigten sich= im Mai die

Obersten =Arnold= und =Allen= von Massachusetts aus mit nur 270 Mann des

=Forts Ticonderoga=, an der Südspitze, und des =Forts Crownpoint= am

Westrande des Champlainsees.

Von hier aus segelte =Arnold= in einem Schoner zur Nordspitze des

Champlainsees bis zu dessen Ausfluß, dem Richelieu-River, und nahm hier

das =Fort St. Johns=. Halten konnte er sich hier allerdings nicht, da

eine starke englische Truppe im Anmarsch war, die der Gouverneur von

Kanada, =General Carleton=, zur Verstärkung der Grenzforts abgesandt

hatte, aber er verbrannte vor seinem Rückzuge alle Fahrzeuge im Norden

des Sees und sicherte sich so Crownpoint und Ticonderoga. Der Kongreß,

der im Mai wieder zusammengetreten war und mit England verhandelte, war

zwar anfangs mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, gab aber später

Washington Befehl, Truppen für einen Einfall in Kanada bereitzustellen.

Am 4. September schiffte General =Montgomery= in Crownpoint 2-3000 Mann

ein, nahm Fort Chambly am Richelieu-River und zwang St. John am 3.

November zur Übergabe. Er zog dann weiter, besetzte am 13. November

=Montreal= ohne Kampf und ging den St. Lawrencestrom hinab gegen =Quebec=

vor; hier traf er auf =Arnold=. Dieser war während des Oktober durch die

Wälder vorgedrungen, wobei er infolge von Strapazen 500 Mann von 1200

verlor, hatte am 13. November oberhalb Quebec den Strom überschritten und

dieselbe Höhe besetzt, die =Wolfe= 16 Jahre früher erklommen; Carleton

zählte nur 1500 Mann und war zu schwach, ihn zu vertreiben. Nach

Montgomerys Eintreffen, Anfang Dezember, ward die Stadt eingeschlossen.

Zu einer regelrechten Belagerung waren aber keine Mittel vorhanden, und

ein Sturm am 31. Dezember, bei dem Montgomery fiel, wurde abgeschlagen.

=Arnold= mußte sich nun begnügen, dem Feinde die Zufuhren vom Lande her

abzuschneiden; von See her tat dies das Eis. Die Kanadier zeigten keine

Neigung, von England abzufallen.

$Das Jahr 1776$ brachte gleichfalls einige $bemerkenswerte Ereignisse zur

See$. Auf die Nachricht von dem ersten Blutvergießen bei Lexington

bemächtigten sich die Einwohner von Machias (Maine) mittels einer Sloop

eines bewaffneten Regierungsschoners, der mit Mastenhölzern beladene

Fahrzeuge nach Boston bringen sollte. Sie armierten mit seinen Kanonen

die besser segelnde Sloop und nahmen dann zwei Kriegsschoner, die von

Halifax zur Verhaftung des Rädelsführers der ersten Gewalttat geschickt

waren. Diese drei Fahrzeuge ließen sie gegen Schiffe kreuzen, die den

Engländers in Boston Proviant und Material brachten. In ähnlicher Weise

wurde bei Rhode-Island ein Kriegsschoner genommen, dessen Kommandant

wegen seiner Schroffheit beim Durchsuchen von Handelsschiffen verhaßt

war. Wie Maine sandten auch Massachusetts und Rhode-Island kleine Kreuzer

gegen die englischen Zufuhren aus; bald nahm der Kongreß diesen

Kaperkrieg in die Hand (vgl. Seite 225). Besonders erwünscht war das

Abfangen von Transportern mit Munition, da die eigenen Milizen hieran

Mangel litten.

Diese Kreuzfahrten hatten mehr Erfolg[125] als man glauben sollte.

Allerdings kamen die englischen Zufuhrschiffe ohne Deckung, und es ist

kaum verständlich, weshalb die Engländer sich nicht besser vorsahen, da

sie doch in Boston ganz auf Zufuhren von See her angewiesen waren. Wie

stark ihre Seestreitkräfte an der Küste waren, ist leider nirgend zu

ersehen, nur Laird Clowes sagt, sie seien weder stark genug noch geeignet

gewesen, ihre Aufgabe zu erfüllen, und erst im Oktober habe der Chef der

Station, Admiral =Graves=, den Befehl erhalten, seinerseits amerikanische

Handelsschiffe aufzubringen. Um diese Zeit wurden schroffe Maßregeln

ergriffen und zu diesen gehörten =Expeditionen gegen Küstenstädte=, die

Feindseligkeiten begangen hatten. So bombardierte Kapitän Mouatt mit 4

Kriegsschiffen am 16. Oktober Falmouth (jetzt Portland; Maine) und legte

es in Trümmer; später wurden noch andere Städte beschossen, z. B. Norfolk

in Virginia, das den Gouverneur vertrieben hatte.

[125] Die Haupttaten dieser Kreuzer, wie auch der spätere

Freibeuterkrieg der Amerikaner sind eingehend und lesenswert

dargestellt in Spears Band I.

Die Kunde von der barbarischen Beschießung der offenen Stadt Falmouth

traf am 31. Oktober gleichzeitig mit der Nachricht in Philadelphia ein,

daß England deutsche Truppen angeworben habe. Beides erhöhte die

Erbitterung in den Kolonien, so daß der Kongreß beschloß, eine Marine

zu schaffen und den Krieg auch zur See zu führen.

$Das Jahr 1776$ brachte zunächst $die Räumung Bostons$. Die bisherige

Untätigkeit der Engländer hatte den Amerikanern Zeit zur Durchführung

ihrer Rüstungen gegeben; durch die von den Freibeutern gemachten Prisen

hatten sie Waffen und Munition erhalten. Im März fühlte sich =Washington=

stark genug, gegen Boston vorzugehen; =Howe= mußte, da Freibeuter und

Winterstürme die Zufuhr an Lebensmitteln abschnitten, am 17. März die

Stadt aufgeben. Er segelte auf 150 Fahrzeugen mit 7-8000 Mann nach

Halifax ab, und etwa 1500 englisch gesinnte Einwohner schlossen sich ihm

aus Furcht vor der Rache ihrer Landsleute an. Er überließ dabei dem

Gegner ansehnliche Kriegsvorräte und später fielen diesem auch noch viele

mit solchen beladene Schiffe in die Hände, die ohne Kenntnis von dem

Abzuge der Engländer einliefen. =Howe= wollte in Halifax die Ankunft

einer großen Verstärkung abwarten, die von England in Aussicht gestellt

war.

=Der Kriegsplan für= 1776 war, mit der Hauptarmee von New York aus den

Hudson hinauf nach Albany vorzugehen, bis wohin der Fluß schiffbar war,

und dort einem von Kanada aus über die Seen geführten Angriff die Hand zu

bieten. Außerdem war ein kleinerer Vorstoß gegen die Carolinastaaten

geplant, da man hoffte, diese beiden südlichen Kolonien mit Unterstützung

der zahlreichen Englandfreunde dort leicht wieder gewinnen zu können; wie

aus Virginia hatten auch aus Nord- und Südcarolina die Gouverneure

flüchten müssen. Im Laufe des Sommers trafen gegen 30000 Mann, darunter

die deutschen Truppen, ein, so daß England einschließlich der kanadischen

Milizen und der Loyalisten über etwa 40000 Mann verfügte. Gleichzeitig

wurden die Seestreitkräfte vermehrt und unter den Befehl des

Vizeadmirals =Sir Richard Howe=, eines Bruders des Generals =Sir

William Howe=, gestellt; an schwereren Schiffen sandte man den

Küstenverhältnissen entsprechend nur kleinere Linienschiffe zu 64 Kanonen

und 50-Kanonenschiffe hinaus. Zahlreich scheint die Verstärkung nicht

gewesen zu sein, denn noch 1777/78 verfügte Howe nur über 7 oder 8 der

ersteren und 6 oder 7 der letzteren an der ganzen nordamerikanischen

Küste einschließlich Kanadas. Vor Darstellung der Begebnisse auf den

verschiedenen Kriegsschauplätzen, auf denen überall Seestreitkräfte

mitwirkten, sei das Nötigste über den =Fortgang der politischen

Verhältnisse= gesagt.

$Die Unabhängigkeitserklärung der Kolonien$ war schon im Mai 1775 auf dem

Kongresse angeregt, und im Februar 1776 wurden sämtliche

Provinzialversammlungen aufgefordert, ihren Deputierten beim Kongreß

Vollmacht zur Zustimmung zu geben, als =Franklin= im Mai von England

heimkam, Nachrichten über die schroffe Haltung des Parlaments sowie der

maßgebenden Kreise dort mitbrachte und Mitglied des Kongresses ward,

wurde es ihm leicht, diese Angelegenheit zu fördern. Die Zerstörung der

Küstenstädte, die Anwerbung deutscher Truppen, maßlose Ausfälle der

englischen Presse hatten die Erbitterung weiter geschürt, während

anderseits die leicht erlangte Räumung Bostons sowie die Aussicht auf

Frankreichs Unterstützung die Zuversicht hoben. Eine Kolonie nach der

anderen entschied sich für die Lossagung vom Mutterlande. Ende Juni waren

zwar die Deputierten von New York, Delaware, Pennsylvanien und

Südcarolina, in welchen Provinzen besonders viele Loyalisten wohnten,

noch nicht gewonnen, aber der Kongreßausschuß, der die Angelegenheit

bearbeitete -- Jefferson, Adams, Franklin, Sherman und Livingston --,

wußte geschickt den Widerstand zu besiegen: Carolina fügte sich; Delaware

sandte noch einen Deputierten, der für den Abfall stimmte; zwei

Abgeordnete Pennsylvaniens blieben der Abstimmung fern.

So erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit Stimmenmehrheit, und die

von =Jefferson= entworfene =Declaration of Independance= ward in

Abwesenheit der Abgeordneten New Yorks =am 4. Juli 1776= einstimmig

angenommen; aber auch die New Yorker unterzeichneten nachträglich. Man

schickte nun die Gesandtschaft nach Frankreich, um sich dessen Beistand

zu sichern, denn ein gewagter Schritt blieb der Abfall immerhin. Zwar

rechnete man auf die Stimmung bei einem Teil des englischen Volkes und

mit der Schwierigkeit der Kriegführung für England in dem schwer

zugänglichen Innern der Kolonien, aber die eigenen Verhältnisse lagen

auch nicht günstig. England hatte noch viele Anhänger und die übrigen

Einwohner waren größerenteils zu Opfern an Gut und Blut wenig geneigt;

für regelrechten Kriegsdienst waren sie weder begeistert noch geeignet,

und als Milizen gingen sie heim, wenn sie ihrer zwölfmonatlichen

Verpflichtung genügt hatten. Es fehlte an Mitteln; bares Geld war an und

für sich wenig im Lande, etwa nur 12 Millionen Dollars, und dem Kongreß

fehlte vorläufig jede gesetzliche Grundlage. Man suchte sich mit

Beschlagnahme des Vermögens von Verrätern und Verdächtigen zu helfen und

gab Papiergeld aus, aber die erste Quelle versiegte schnell und das

Papiergeld fiel bald im Werte[126]. Die Preise aller Waren stiegen; es

fehlte an Kleidung, Waffen und Unterhaltungsmitteln für das Heer.

=Washington= und seine Freunde kamen mehr und mehr zur Erkenntnis, daß

nur die Ausnutzung der weiten, wenig bevölkerten Gebiete und die

Aushungerung der Engländer den Freiheitskampf so lange hinhalten konnten,

bis irgendwelche Hilfe kam. Die meisten dieser ungünstigen Zustände

erhielten sich bis zum Ende des Krieges, und man kann wohl mit Recht

sagen, daß die Freiheit Amerikas nicht durch den Heldenmut des Volkes,

sondern durch die Einsicht, Tatkraft und Aufopferung einer kleinen Zahl

hervorragender Männer sowie durch die Hilfe Frankreichs errungen ist.

[126] Nach Zimmermann, Band III, Seite 409 stand das Papier zum

Metallgelde Ende 1776 wie 2-1/2 : 1; 1778 wie 5-1/2 : 1; 1779 wie

27-1/2 : 1; 1780 wie 55 : 1.

$Der Angriff auf Charleston (Südcarolina) 28. Juni 1776$. Zuerst setzten

die Engländer die Expedition gegen Carolina ins Werk. Im Januar 1776

segelten 2 50-Kanonenschiffe, 4 Fregatten zu 28 Kanonen, 4 kleinere

Fahrzeuge und ein Mörserboot unter Kommodore =Sir Peter Parker= nebst

1000 Soldaten unter =Lord Cornwallis= von England und trafen nach

stürmischer Überfahrt im Mai bei Kap Fear (Nordcarolina) ein. Hier befand

sich bereits General =Sir Henry Clinton=, der von =Howe= im Januar mit

2000 Mann dorthin gesandt war. Bei seiner Ankunft hatten sich die

Loyalisten zu erheben versucht, wurden aber von den Aufständischen

niedergehalten, und Clinton fühlte sich nicht stark genug, in das Land

einzudringen. Bei Ankunft der Verstärkung aus England übernahm er den

Oberbefehl und beschloß, Charleston anzugreifen. Die Expedition segelte

am 1. Juni weiter, ankerte am 4. außerhalb der Barre vor der Einfahrt zur

genannten Stadt, passierte die Barre vom 7. bis 10. Juni, griff am 28.

das Fort Moultrie an, das die Einfahrt deckte, vermochte es jedoch weder

von See her niederzukämpfen noch von Land aus zu erstürmen.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 32 / 63 段