=De Leyrit= hatte Ende 1756 gleichfalls die Nachricht erhalten, daß man
daheim eine große Expedition ausrüste, um die Engländer aus Indien zu
vertreiben; er beschloß, schon vor Eintreffen derselben die Entsendung
der englischen Truppen nach Bengalen zum Vorgehen zu benutzen. Vom April
1757 an bemächtigte er sich verschiedener fester Plätze im Carnatic, und
auch =de Bussy=, der seine Stellung am Hofe des Vizekönigs trotz aller
englischer Umtriebe behauptet hatte, nahm englische Niederlassungen im
Norden genannter Provinz sowie an der Orissaküste fort, hier z. B.
Vizagapatam. De Bussy war dadurch verhindert, dem Rufe des Vizekönigs von
Bengalen Folge zu leisten; als ihm dies 1758 möglich gewesen wäre, wurde
er beordert, seine Truppen zu einem großen Schlage im Carnatic
heranzuführen, da die erwartete Expedition aus Frankreich eingetroffen
war.
$Im Jahre 1758$ =gewinnt die Kriegführung zur See an Bedeutung=. Schon am
6. März 1757 waren 3 Schiffe der französisch-indischen Kompagnie mit 2
Bataillonen von Lorient nach Isle de France gesegelt, hier vereinigte
sich der Gouverneur =Bouvet de Loziers= nebst drei weiteren
Kompagnieschiffen mit ihnen und landete die Truppen im August bei
Pondicherry, ohne Behinderung durch das englische Geschwader in Bengalen
oder eine eben für dieses in Bombay eingetroffene Verstärkung von 3
Linienschiffen unter Kommodore =Charles Stevens=. Er kehrte dann nach
Isle de France zurück, um das Gros der Expedition zu erwarten. Dieses
verließ, durch Änderungen in seiner Zusammensetzung aufgehalten, erst am
2. Mai Lorient. Die Seestreitkräfte bestanden aus einem Linienschiffe und
6 (oder 10?) größeren Schiffen, sowie 2 Fregatten der Kompagnie unter dem
Chef d'Escadre =Comte d'Aché=; eingeschifft waren 1200 Soldaten unter
Generalleutnant =Comte de Lally=, der zum Oberbefehlshaber in Indien
ernannt war.
Infolge ungünstiger Windverhältnisse -- man spricht auch von
Ungeschicklichkeit der Kommandanten --, sowie einer Epidemie an Bord, die
zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt in Rio de Janeiro zwang, erreichte
die Expedition erst am 16. Dezember Isle de France. Der Admiral stellte
hier aus den besten aller versammelten Schiffe ein Geschwader von 11
Segeln zusammen, übte es in den dortigen Gewässern, ging dann nach Indien
und ankerte am 28. April 1758 vor der Stadt Cuddalore; er überraschte
hier zwei englische Fregatten, die genötigt waren, sich auf den Strand zu
setzen und zu verbrennen. Graf de Lally segelte auf 2 Schiffen (einem zu
74 Kanonen und einer Fregatte) mit seinem Stabe nach Pondicherry weiter,
um von hier aus Cuddalore zu Lande anzugreifen.
=Comte de Lally=, Baron de Tollendale, ein Irländer von Geburt, der
England glühend haßte, galt im französischen Kriegsministerium als ein
hervorragender Offizier. Er hatte schon 1755 als einziges Mittel,
Englands Herr zu werden, eine Landung dort oder unbedingte Sicherung
Kanadas oder die Vertreibung des Gegners aus Indien empfohlen -- mit
anderen Worten, die Hauptkraft auf =ein= Ziel zu richten. Lange zögerte
man mit einem Entschlusse, als man endlich überzeugt war, daß England
unbedingt Kanada zu erobern strebte, wurden 3 Linienschiffe, mehrere
Schiffe der Kompagnie nebst 3000 Mann für Indien bestimmt. De Lally
erhielt den Oberbefehl, obgleich er den indischen Verhältnissen ganz
fremd war, auch wurden die an sich schon genügenden dafür bestimmten
Kräfte zugunsten des Krieges in Nordamerika auf die oben angegebene
Stärke von Schiffen und Truppen herabgesetzt. Es trat hinzu, daß
zwischen Lally und Aché das denkbar schlechteste Einvernehmen herrschte
und daß ihr dienstliches Verhältnis zueinander keineswegs genügend
geregelt war.
Was Lallys Stellung in Indien anbetraf, so erteilte man ihm die
weitgehendste Vollmacht und stellte ihm als Hauptaufgabe die
Vertreibung der Engländer und die Hebung des Handels hin; er sollte
nicht etwa die Politik Dupleix' verfolgen, die doch de Leyrit sowie de
Bussy notgedrungen hatten wieder aufnehmen müssen. Da Lally außerdem
von schroffem, wenn auch ehrenwertem Charakter war, kann es nicht
wundernehmen, daß er dem Gouverneur von Pondicherry, sowie den Beamten
und Offizieren sehr ungelegen kam. In der Stadt angelangt, traf er
sofort seine Anordnungen, ohne jemand um Rat zu fragen.
$Die Seeschlacht vor Cuddalore, 29. April 1758.$ Das englische Geschwader
in Indien führte jetzt Vizeadmiral =George Pocock=, da Watson im August
1757 gestorben war; er lag am 24. März in Madras, als die Verstärkung
unter Stevens zu ihm stieß. Am 17. April ging er in See, um Cuddalore vor
dem erwarteten französischen Geschwader zu schützen, traf aber erst am
29. vor der Stadt ein. =D'Aché= lichtete, als die Engländer zu Luward in
Sicht kamen, Anker, bildete die Kiellinie beim Winde -- der Wind war SO
-- über Backbordbug und erwartete den Angriff. Dieser erfolgte genau nach
der englischen Gefechtsinstruktion (vgl. Seite 39) und =die Schlacht=
blieb infolgedessen, wie gewöhnlich, =unentschieden=, wurde =aber ein
strategischer Erfolg der Franzosen=.
$Der Verlauf der Schlacht vor Cuddalore[103].$ Um 2-1/4 Uhr nachmittags
hatte auch =Pocock= etwa drei Seemeilen querab vom Feinde die Kiellinie
beim Winde über Backbordbug gebildet und steuerte nun mit seinem
Flaggschiff schräg auf das feindliche zu, um so sein Geschwader Spitze
auf Spitze und Flaggschiff gegen Flaggschiff auf nahe Entfernung neben
das feindliche zu legen. In den Gefechtslinien traten sich 9
französische Schiffe mit 476 Kanonen und 7 englische mit 404 Kanonen in
folgender Reihenfolge, nach Zahl der Geschütze bezeichnet, entgegen:
Die französische Linie: 58 54 44 56 74 (Flagge) 50 44 36 60
Die englische " 60 50 56 64 (Flagge) 56 50 60
[103] Nach: Mahan I; Bonfils II; Clowes III; Troude I.
Bei der scheinbaren Überlegenheit der Franzosen durch größere Zahl der
Schiffe und Kanonen muß man aber berücksichtigen, daß nur ihr
Flaggschiff der Königlichen Marine angehörte und daß die
Kompagnieschiffe aus verschiedenen Gründen (vgl. Seite 57)
Kriegsschiffen gleicher Größe an Gefechtskraft nicht ebenbürtig waren.
Die Angriffsart brachte für die Engländer die ihr anhaftenden Nachteile
mit sich. Die vordersten vier Schiffe einschließlich des Flaggschiffes
kamen zwar gut an die feindliche Linie heran, hatten aber auf dem Wege
dahin fast deren ganzes Feuer auszuhalten, ohne es erwidern zu können,
bis sich etwa um 3-3/4 Uhr Pocock querab von Aché wieder an den Wind
legte und das Signal zum Nahgefecht gab. Die drei Schiffe hinter Pocock
traten nicht sogleich in dieses ein; sie waren beim Heransegeln etwas
zurückgeblieben, sei es durch Ungeschick, sei es dadurch, daß der
unmittelbare Hintermann des Admirals ein schlechter Segler war. Dies
konnte für die vorderen Schiffe bedenklich werden, doch auch in der
französischen Linie traten Mißstände hervor: das dritte Schiff von vorn
verlor sogleich sein Ruder und verließ die Linie; das kleine Schiff von
36 Kanonen wurde durch eine Breitseite aus ihr vertrieben; das
Schlußschiff zu 60 Kanonen hatte sich von Anfang an nicht auf seinem
Posten, sondern weiter in Lee gehalten. Auf erneutes Signal Pococks
kamen die hinteren Schiffe zögernd näher, besonders das sechste zeigte
sich so langsam, daß das siebente endlich an ihm vorbeisegelte. Beim
Herankommen dieses großen Fahrzeuges scheint das schwache französische
Schiff zu 44 Kanonen etwas aus der Linie gewichen zu sein. Hinter
Pocock war so in der englischen Linie eine Lücke entstanden und sein
Schiff wurde auch vom Hintermann d'Achés beschossen, während es wie
seine Vorderleute unter langsamer Fahrt in scharfem Gefecht
weitersegelte. Gegen 6 Uhr kamen die beiden französischen Schiffe in
Sicht, die Lally nach Pondicherry gebracht hatten.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind die verschiedenen Angaben über den Verlauf
des Gefechtes wohl in Übereinstimmung zu bringen, über das nun folgende
Manöver des französischen Admirals weichen die Meinungen ab. =D'Aché=
erteilte nämlich jetzt den Befehl zum Halsen, wartete jedoch nicht ab,
bis das Signal beantwortet war, sondern führte das Manöver mit dem
Flaggschiff sofort aus. Die Schiffe hinter ihm folgten seinem
Beispiele, wobei sein dichtaufgeschlossener Hintermann Gelegenheit
hatte, dem englischen Flaggschiffe beim Vorbeisegeln nochmals eine
Breitseite zu geben; die Schiffe vor ihm brachen das Gefecht erst etwas
später ab, so daß die Ordnung der französischen Linie gestört war.
Einige Quellen erzählen nun, d'Aché habe durch »gleichzeitiges Halsen«
aller Schiffe schnell die Linie über Steuerbordbug bilden, dann in der
Lücke der englischen Linie durchbrechen und so deren letzte Schiffe
abschneiden wollen; diese Absicht sei durch seine Ungeduld vereitelt.
Andere nehmen an, er habe das Gefecht abgebrochen, um die ausgefallenen
sowie die von Pondicherry kommenden Schiffe an sich zu ziehen und
weiter in Lee aufs neue den Angriff abzuwarten; er habe dazu den Befehl
»im Kontremarsch Halsen« gegeben. Diese Ansicht hat für sich, daß ein
derartiges Manöver fast ganz der späteren Taktik der Franzosen (vgl.
Seite 42) entsprechen würde, auch ist es bei dieser Annahme leichter zu
erklären, daß der Hintermann des Admirals »beim Vorbeisegeln« nochmals
eine Lage auf den englischen Admiral abgeben konnte. Tatsächlich wurde
das Gefecht durch das Manöver abgebrochen und nicht wieder aufgenommen,
denn die Nacht kam herauf. Aber auch sonst wäre =Pocock= zu einem
zweiten Angriffe nicht in der Lage gewesen, da seine vordersten Schiffe
zu sehr beschädigt waren -- eine weitere gewöhnliche Folge der
englischen Angriffsart; der schon gegebene Befehl zur Verfolgung des
Feindes mußte aus diesem Grunde widerrufen werden.
=Der Verlust= der Engländer betrug nur 29 Tote, sowie 89 Verwundete;
der der Franzosen 162 und 360. Dieser große Unterschied war einerseits
die Folge der verschiedenen Taktik -- bekanntlich schossen die
Franzosen auf die Takelage, die Engländer auf den Rumpf --, anderseits
aber auch des Umstandes, daß die französischen Schiffe mit Soldaten
Lallys überfüllt waren.
Erwähnt sei, daß =d'Aché= den Kommandanten seines letzten Schiffes
wegen Lauheit im Gefecht des Kommandos entsetzte, und daß auch von den
drei Kommandanten der letzten englischen Schiffe durch
kriegsgerichtlichen Spruch einer entlassen, ein zweiter vom Kommando
enthoben und der dritte auf ein Jahr im Dienstalter zurückgestellt
wurde.
$Die Franzosen nehmen St. David 1758.$ Nach der Schlacht segelte =Pocock=
nach Sadras, um seine Schiffe auszubessern, gab also den Schutz von
Cuddalore auf. =D'Aché= ankerte zunächst bei Lampraavy, 20 Seemeilen
südlich von Pondicherry; -- hier ging ein Kompagnieschiff zu 74 Kanonen
verloren, das infolge beschädigten Ankergeschirrs strandete -- und
segelte dann nach Pondicherry; er stand also noch immer zwischen
Cuddalore und dem Feinde. =De Lally= hatte aber schon am 29. April
Truppen gegen diese Stadt in Bewegung gesetzt, nahm sie am 3. Mai und
schritt zur Belagerung des Forts St. David. Die Engländer verfügten hier
nur über 619 weiße und 1600 indische Soldaten, die Franzosen fast genau
über dieselbe Gesamtzahl, aber im umgekehrten Verhältnis. Am 16. begann
die Beschießung, bald fielen die Außenwerke, und am 2. Juni ergab sich
das Fort; die Besatzung wurde kriegsgefangen.
Die Engländer räumten kurz darauf auch =Devicotta=; von wichtigeren
Plätzen behielten sie nur noch Madras und Trichinopoly. =Pocock= hatte
versucht, St. David zu entsetzen; er war am 10. Mai von Sadras in See
gegangen, infolge ungünstigen Windes aber erst am 30. bis auf die Höhe
von Pondicherry gekommen. D'Aché erhielt von de Lally den Auftrag, den
Gegner zu schlagen; er ging zwar in See, hielt sich aber zu Luward vom
Feinde und kehrte bald auf Verlangen der Behörden in Pondicherry -- de
Lally war nach St. David abgegangen -- zum Schutz dieser Stadt zurück.
Pocock hatte seinerseits nicht an den Feind herankommen können; als er am
6. Juni die Nachricht von dem bevorstehenden Falle St. Davids erhielt,
segelte er nach Madras, um wenigstens diesen Platz zu schützen.
$Die Schlacht vor Negapatam am 3. August 1758.$ Nach der Einnahme von St.
David wäre es de Lally bei seiner großen Überlegenheit an Soldaten
wahrscheinlich leicht geworden, Madras zu erobern, und er forderte auch
d'Aché zur Mitwirkung hierbei auf; dieser lehnte jedoch mit der
Begründung ab, daß er in Ceylon Vorräte auffüllen müsse und dabei gegen
den englischen Handel kreuzen wolle. =De Lally= zog nun am 18. Juni gegen
Tanjore zu Felde, um hier eine alte Schuldforderung einzutreiben. Er
erreichte die Stadt erst am 18. Juli, wurde dann durch Verhandlungen
sowie kleine Teilzahlungen hingehalten, und als er endlich zum Sturme
schreiten wollte, erhielt er die Nachricht, daß das französische
Geschwader vor Negapatam geschlagen und Karikal, von wo aus sein Heer
allein verpflegt werden konnte, sowie Pondicherry in Gefahr seien. Er
ging deshalb am 10. August auf diese Stadt zurück. Am 17. Juli war
=Pocock= dort erschienen, und =d'Aché=, der so lange untätig gelegen
hatte, ging nun in See, anscheinend, um sich einem Kampfe zu entziehen,
und steuerte, von Pocock gefolgt, südwärts. Die nächsten Tage brachten
nur Manöver der beiden Geschwader, teils in Sicht, teils außer Sicht
voneinander, aber am 3. August erfolgte der Zusammenstoß. Die
Streitkräfte waren dieselben wie bei Cuddalore; französischerseits traten
die damals nach Pondicherry gesandten Schiffe jetzt an die Stelle des
gestrandeten und des kleinsten zu 36 Kanonen; wieder standen 9 Franzosen
gegen 7 Engländer.
$Der Verlauf des Kampfes vor Negapatam.$ Am 3. August um 5 Uhr
vormittags sichtete Pocock den Gegner, der tags zuvor aus Sicht gewesen
war, zu Luward in Gefechtslinie vor Negapatam. Während er sein
Geschwader ordnete, wären infolge flauen Windes und zeitweiser Stille
fast seine beiden letzten Schiffe abgeschnitten. Um Mittag sprang
Seebrise auf, wodurch die Engländer die Luvstellung erhielten, und um
12-1/2 Uhr griff Pocock in der üblichen Weise an. Es kam zu einem
zweieinhalbstündigen Kampfe, der zwar ganz nach Vorschrift begonnen,
aber nicht lange so durchgeführt zu sein scheint. Gleich nach dem
Zusammenstoß fing das vorderste französische Schiff am Kreuzmast Feuer,
mußte diesen kappen und wäre verloren gewesen, wenn sein Hintermann es
nicht gedeckt hätte. Dem französischen Admiralschiff wurde das Ruderrad
zerschossen, es trieb auf ein anderes, und auch hier legte sich ein
drittes zwischen diese beiden und den Gegner; die zwei
44-Kanonenschiffe wurden bald aus der Linie vertrieben. So war die
französische Ordnung schnell gelöst und d'Aché, dessen Schiff gleich
nach Ausbesserung des Ruders in Brand geriet, gab gegen 2 Uhr
nachmittags den Befehl, das Gefecht abzubrechen. Die Schiffe hielten in
Unordnung ab. Pocock gab zwar den Befehl zur allgemeinen Jagd und
führte bis 3 Uhr noch ein laufendes Gefecht, aber die Franzosen
entkamen; einige englische Schiffe waren wieder so in der Takelage
zerschossen, daß man das Überbordgehen der Masten befürchten mußte.
=Der Verlust= der Engländer betrug 31 Tote und 166 Verwundete gegen 250
bzw. 600 der Franzosen; beide Geschwaderchefs waren verwundet.
=Die Schlacht vor Negapatam= muß als taktisch unentschieden bezeichnet
werden und schließt für die nächste Zeit den Seekrieg in Indien, der
französischerseits aufgegeben wurde. =D'Aché= ging nämlich nach
Pondicherry, fand hier auch noch Material zur Ausbesserung seiner
Schiffe, hielt es aber noch für nötig, diese zu kalfatern, was hier bei
Anwesenheit des Feindes nicht angängig war. Obgleich er Befehl hatte,
bis zum 15. Oktober in den indischen Gewässern zu bleiben, lehnte er die
erneute Aufforderung zu einem Angriff auf Madras ab und erklärte, er
dürfe die Schiffe in ihrem jetzigen Zustande weder einem neuen Kampfe
noch den Unbilden der schlechten Jahreszeit aussetzen, er müsse sie, die
so wichtig für Indien seien, erhalten. Trotz de Lallys Einsprache und den
Bitten der Behörden ging er am 3. September nach Isle de France in See.
Wahrscheinlich haben sein schlechtes Einvernehmen mit de Lally sowie die
Überzeugung von der Überlegenheit der englischen Seestreitkräfte zu
diesem Entschluß beigetragen. =Pocock= hatte nach der Schlacht vor
Karikal gelegen und dadurch wohl zum Abbruch der Belagerung von Tanjore
mitgewirkt, blieb aber sonst untätig; schon am 20. August ging er zum
Überwintern nach Bombay. Dies muß befremden, da er nichts von d'Achés
Absicht wußte, Indien zu verlassen, und da doch die englische Sache am
Lande recht ungünstig stand. Alle englischen Quellen übergehen diesen
Punkt! Während er in Trincomali auf Ceylon Wasser nahm, wurde ihm durch
eine Ausguckfregatte das Passieren der Franzosen auf ihrem Wege nach Isle
de France gemeldet; er ging sofort in See, konnte den Gegner aber nicht
mehr erreichen.
$Niederlagen der Franzosen 1759.$ Obgleich von d'Aché im Stich gelassen
und durch Geldmangel gelähmt, gab =de Lally= seinen Plan nicht auf. Nach
Heranziehen de Bussys aus dem Dekan eroberte er im Oktober 1758 Arcot,
die Hauptstadt des Carnatic, um sich Geld zu verschaffen, und wenn er
auch hier fast nichts fand -- seine ganzen Mittel bestanden in 94000
Rupien und das Heer allein kostete im Monat 40000 --, zog er doch Anfang
November mit 2700 Europäern sowie 5000 Sepoys =gegen Madras=, das durch
Major =Lawrence= mit 1760 Engländern nebst 2400 Indern besetzt war. Da
sich die Engländer in die Zitadelle, Fort George, zurückzogen, fiel die
Stadt sogleich, am 12. Dezember, in die Hände der Franzosen, die hier
eine Beute von 15 Millionen Francs gemacht haben sollen, von denen aber
nur 92000 in die amtliche Kasse geflossen sind. Infolge mangelnder
Mannszucht, ja des stillen Widerstandes vieler Offiziere, auch de Bussys,
der über die Abberufung von seiner so wichtigen Mission im Dekan empört
war, sowie der Tapferkeit der Engländer zog sich die Belagerung des Forts
lange hin. Im französischen Lager herrschte bald Mangel, während die
Belagerten trotz der Winterstürme über See aus Bengalen Zufuhren
erhielten.
Am 16. Februar 1759 wollte de Lally einen Sturm wagen, da trafen in der
Stadt zwei englische Fregatten nebst 6 Fahrzeugen mit Soldaten, Munition
und Proviant von Bombay ein, so daß er die Belagerung abbrechen und das
schwere Geschütz im Stich lassen mußte. An der =Orissaküste= errangen die
Engländer gleichfalls Erfolge. Die im Oktober 1758 von Clive aus Bengalen
dort hingesandten Truppen schlugen die Franzosen im Dezember vernichtend
und zwangen im Januar 1759 in Masulipatam ihre Trümmer zur Übergabe. Der
Vizekönig vom Dekan trat jetzt auf seiten Englands, wies die Franzosen
aus seinem Reiche aus und teilte das ihnen früher überlassene Land, diese
wichtige Errungenschaft Dupleix', den Engländern zu.
=De Lally= sah sich auf wenige feste Plätze außer Pondichery beschränkt
und für den Sommer 1759 zur Untätigkeit verdammt; seine letzte Hoffnung
war das Geschwader d'Achés, dessen Rückkehr längst fällig war.
Glücklicherweise vermochte auch der Gegner nichts zu unternehmen, denn
die Kompagnie sandte kein Geld, in der Meinung, daß die bengalische Beute
alles bezahlt mache.
$Die Schlacht vor Porto Novo, 10. September 1759.$ =Pocock= hatte mit
seinem Geschwader am 7. April Bombay verlassen und kreuzte in Erwartung
des Gegners an der Koromandelküste; zu ihm stieß im Juni, von der Heimat
kommend, Kontreadmiral =Charles Stevens= mit 2 Linienschiffen. =D'Aché=
erschien erst im September wieder in Indien. Wenn er somit gerade ein
Jahr vom Felde seiner Tätigkeit entfernt blieb, so ist dies keineswegs
ihm allein zur Last zu legen. Bei seiner Ankunft in Isle de France im
Oktober 1758 fand er zwar 3 Linienschiffe vor, die von Frankreich mit
einigen wenigen Soldaten (90 oder 180 Mann), etwas Munition sowie 800000
Francs für Indien angekommen waren, aber die Zustände auf Isle de France
und Bourbon waren derart, daß er sein Geschwader nur mit Mühe und in
langer Zeit wieder schlagfertig machen konnte.
Auf Isle de France herrschte eine Hungersnot, die durch die Ankunft des
Geschwaders noch fühlbarer wurde. Der Admiral mußte im November 9
Schiffe nach Kapstadt senden, um Nahrungsmittel zu holen; die dort
erlangten Vorräte genügten aber nicht im geringsten, so daß der
Gouverneur den Admiral des öftern bat, mit den Schiffen die Insel zu
verlassen. Es fehlte ferner an Ersatzmannschaften, an Munition sowie an
jeglichem Material; man war genötigt, aus Ankertauen Tauwerk für die
Takelage anzufertigen. Schließlich schleppte man einige Schiffe auf, um
mit deren Personal und Material den anderen auszuhelfen. -- Diese
Mißstände beweisen die Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit, mit denen
Frankreich den Seekrieg führte; man wollte in Indien stark auftreten
und hatte nichts zur Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner Streitmittel
vorgesehen. =D'Aché= schrieb nach seiner Ankunft in Port Louis: »Ich
verließ Indien, da es dort an allem mangelte, ich kam hier an und
geriet in noch größere Not.« Vor seiner Rückfahrt nach Indien
berichtete er: »Ich bin im Begriff, abzusegeln, um meine Besatzungen
vor dem Hungertode zu retten, aber man kann von dem Geschwader nichts
erwarten, wenn keine Hilfsmittel gesandt werden.«
Am 17. Juli 1759 ging =d'Aché= endlich von Port Louis in See, lief
Bourbon sowie Madagaskar an, um sich noch nach Möglichkeit mit Vorräten
zu versehen, erreichte am 30. August Batticaloa auf Ceylon und stieß am
2. September an der Nordostspitze dieser Insel auf das englische
Geschwader. Wieder vergingen einige Tage mit Manövrieren; erst der 10.
September brachte =die dritte Schlacht zwischen Pocock und d'Aché= auf
der Höhe von Porto Novo.
Vom $Verlauf der Schlacht vor Porto Novo$ bringen die Quellen beider
Völker nur Angaben über die Zusammenstöße einzelner Schiffe, jedoch
nichts über die Taktik[104]. Die =Streitmittel= bestanden auf
englischer Seite in 9 Schiffen zu 50-68 Kanonen nebst einer Fregatte,
auf französischer Seite in 4 Linienschiffen zu 64-74 Kanonen, 5
Kompagnieschiffen zu 54-68 Kanonen, nebst 2 Fregatten. Wieder also
waren die Franzosen an Zahl der Schiffe wie der Geschütze überlegen,
und das Verhältnis der Königlichen Schiffe zu denen der Kompagnie hatte
sich günstiger gestaltet als in den beiden früheren Gefechten. Beide
Geschwader lagen in Kiellinie über Backbordbug, und die Engländer
griffen um 11 Uhr vormittags von Luward her an. Der Angriff scheint gut
gelungen zu sein, so daß der Kampf bald auf der ganzen Linie im Gange
war. Etwa um 4 Uhr hielt das französische Flaggschiff auf Befehl des
zweitältesten Offiziers ab -- der Kommandant war gefallen, der Admiral
zum Verbinden einer Wunde unter Deck gegangen -- und die übrigen
Schiffe folgten dem Beispiel in der Annahme, das Gefecht solle
abgebrochen werden. Die Engländer waren aber nicht imstande zu folgen,
da ihre vordersten Schiffe wie gewöhnlich stark beschädigt waren. Die
Nacht über lag das englische Geschwader in Gefechtslinie bei, die
beschädigten Schiffe besserten hinter ihr aus. Am nächsten Tage sahen
sich die Gegner nur auf weitere Entfernung und verloren sich gegen
Abend aus Sicht, da die Franzosen nach Norden aufkreuzten, während die
Engländer nach Süden segelten; letztere hatten dabei drei Schiffe im
Schlepp, waren also wohl nicht imstande, am Feinde zu bleiben. =Der
Verlust= betrug auf englischer Seite 569 Tote und Verwundete, auf
französischer gegen 1500.
[104] So sagt z. B. Clowes, die Schlacht biete nichts taktisch
Bemerkenswertes; Bonfils schreibt, nähere Angaben seien nicht
vorhanden.