der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen
die Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt,
aber er hatte einen =Angriff auf Louisbourg= vorgeschlagen und dafür die
Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von New
York, Kontreadmiral =Sir Charles Hardy=, zum seemännischen Führer des
Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, aber
erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin französische
Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte das
Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit Exerzitien
und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte
Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man
Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu
gehen, so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall.
Es fällt auf, daß =Dubois= diese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits
anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit
wieder den gemessenen Befehl, »Louisbourg nur zu verteidigen; die
feindlichen Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen
sei, daß der Erfolg unbedingt sicher stände«; er hatte außerdem viele
Kranke auf seinen Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich
die Verstärkung unter Vizeadmiral =Francis Holburne= ein, der den
Oberbefehl zur See übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der
Gegner erkunden und daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August
eingeschifft, um sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von
Louisbourg, zu landen. Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die
höhere und richtigere Angaben über die Stärke der Franzosen enthielten,
sah man doch von dem Unternehmen ab; die Truppen wurden wieder
ausgeschifft und teilweise nach New York zurückgeführt.
=Auf den anderen Kriegsschauplätzen= brachte das Jahr 1757 den Engländern
nur Verluste. =Montcalm= hatte schon im Winter versucht, sich des Forts
William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und im August gelang es ihm,
dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die Operationen ein, da
er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, und da unter den
Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die Franzosen Herren
des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch nach Aufgabe des
Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes zu
leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten
Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige
Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die
englische Flotte bald heimsegelte.
=Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm gelitten.= Er war am 26.
August vor Louisbourg erschienen, um in Person die Verhältnisse zu
erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois Miene machte,
herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von 4 Linienschiffen
vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe
brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um Dubois
durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber als die
Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg stand,
kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; die Flotte
wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach Norden
gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte
und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral
sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden;
er folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in
Halifax, die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im
Oktober auch =Admiral Dubois= die Station, er entging dem
Blockadegeschwader Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den
Gesundheitszustand auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er
nach seiner Ankunft 4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine
Epidemie ausbrach, die täglich 50-80 Opfer forderte.
$England erobert Louisbourg 1758.$ In diesem Jahre wandten sich die
Verhältnisse zugunsten Englands: als =Pitt= ans Ruder gelangt war, der
gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die
englische Kriegführung.
=Pitt= änderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun
wurde abberufen; alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten
Maßregeln wurden aufgegeben; den Milizoffizieren bewilligte man
gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt Kriegssteuern zu fordern,
ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung der Kosten so
viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. -- Pitt wandte sich mit
Erfolg an die Vaterlandsliebe der Kolonisten.
=Pitt= entwarf mit =Benjamin Franklin=, der sich gerade in England
aufhielt, einen =Kriegsplan=: Mit einer Hauptmacht, einer starken Flotte
unter Admiral =Boscawen= nebst 12000 (14000?) Mann Landungstruppen,
sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, eine weitere
Expedition unter General =Abercromby= gleichzeitig gegen Crown Point und
eine dritte unter =John Forbes= gegen Fort Duquesne vorgehen. Die Kräfte
der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf 50000 Mann, Reguläre und
Milizen, veranschlagt. Aber auch =Frankreich= hatte in den Wintermonaten
Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen segelten 4 voll armierte
Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten ausgerüstete Linienschiffe,
sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie mit Truppen und
Vorräten nach Louisbourg und Kanada.
Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England
auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000
Soldaten, mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich
7000 Verteidiger insgesamt; =Montcalm= verfügte in Kanada über 6000
Reguläre und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen
verteilt waren, sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr
angriffsweise vorgehen und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe
oder Friedensschluß für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere
Verstärkungen senden, aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der
Rhede von Ile d'Aix am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch
verlor Montcalm den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: »Wir
werden fechten und uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.«
-- Trotz der üblen Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff
auf Louisbourg vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg
erzielt.
$Die Einnahme von Louisbourg[94] 1758.$ Lage sowie Befestigungen der
Stadt sind bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt
besser im Stande als damals, besonders auf der Seefront, aber der
Gouverneur, Kapitän zur See =Chevalier Drucourt=, verfügte nur über
3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen 5 Linienschiffe, davon
3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier kleineren
Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe
hinter der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu
verankert. Die letzte Abteilung der obenerwähnten Verstärkung, Kapitän
=Du Chaffault=, war angelangt, als der Hafen schon gesperrt war; er gab
die für die Festung bestimmten Truppen sowie Vorräte ab und ging nach
Quebec weiter.
[94] Nach Clowes III, Seite 183; Lacour I, Seite 361; Troude I,
Seite 369.
Die englische Expedition unter =Admiral Boscawen= hatte im Februar
Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige
leichtere Schiffe sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit
12000 Mann Landungstruppen. Diese befehligte Generalmajor =Jeffrey
Amherst=, unter ihm stand als Brigadegeneral =James Wolfe=, der spätere
Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch Sturm teilweise versprengt,
fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht wieder
zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen,
erst am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter
heftigem Feuer; an zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht,
an einer dritten setzte Wolfe Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote
kenterten und ihre Besatzungen teilweise ertranken und obwohl fast alle
Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten den Feind mit dem
Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle Truppen
ausgeschifft; -- zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die
Verbindung mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen.
Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man
auch die Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe
hinter der Sperre belästigte die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde
das stärkste von ihnen in Brand geschossen, flog auf und entzündete
noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ Boscawen die beiden
letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen Feuers der
Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das
andere zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur
Entscheidung. Als Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in
den Hafen einzudringen, trat =Drucourt= in Verhandlungen ein und
übergab am 27. Juli die fast in Trümmern liegenden Befestigungen[95];
gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, 1200 lagen krank.
Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden
kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner
der Stadt (wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich.
Die Engländer sollen nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist,
daß es einem französischen Freibeuter gelungen war, während der
Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch wieder zu verlassen.
[95] 1760 zerstörten die Engländer die Befestigungen von Louisbourg
vollständig; sie sind nicht wieder erbaut, aber noch kenntlich.
Mit Louisbourg fiel die ganze Insel =Kap Breton= und auch die
benachbarte, =St. Jean= (englischerseits später =Prince Edwards Insel=
benannt), und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes
offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein
Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der
Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch
vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil der
=General Amherst= durch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby zu
dessen Unterstützung abgerufen wurde. =Admiral Boscawen= ließ nach dem
Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen auf den
Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig zerstören,
die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen
Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile
der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter Kontreadmiral
=Durell= in Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der aus
Kanada heimkehrenden Division =Du Chaffault= zusammenstieß, ist bereits
erzählt (Seite 146).
=Auf dem Landkriegsschauplatze 1758= hatte =General Abercromby= 15000
Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George zusammengezogen, um Fort
Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordende dieses Sees, sowie
dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg nach Montreal zu bahnen.
=Montcalm=, der sich persönlich in Carillon befand, war zwar nur ein
Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen der Engländer auf dem
Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, diesen im Juli eine
Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig abzuschlagen, daß
sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter wagten. Nur
einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, 3000 Mann,
war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte Fort
Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten und mußte
sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg zog den
Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz auf
Frontenac angewiesen war. Brigadier =Forbes=, der Duquesne angreifen
sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren und
war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; von
Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte er
=Washington= mit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen und
aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg
benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst
übernahm den Oberbefehl an seiner Statt.
$England erobert Quebec, 17. September 1759.$ Der teilweise Mißerfolg des
Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das
Parlament bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde
eine neue starke Flotte unter =Vizeadmiral Sir Charles Saunders= mit
Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem
Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien
alle ihre Kräfte auf. General =Stanwix= wurde mit der Unterwerfung des
Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; Brigadier
=Prideaux= erhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen; =Amherst= wies man
an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen; =Wolfe= sollte,
unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. -- =Montcalm= sah
jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach
Louisiana zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat,
was in seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee
mit 2000, die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000
Mann Quebec zu verteidigen.
=Montcalms= Bitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in
Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege
beschäftigt. 1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen
Freibeutern gelang es, 600 Rekruten sowie wenige Vorräte
hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, der König
sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern
gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände
fallen oder, falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada
steigern.
Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall Erfolg.
Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherst nötigte
seinen Gegner, =Bourlamagne=, Carillon sowie Crown Point zu räumen; dann
allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am Flusse
Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe
nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des
Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen.
$Die Einnahme von Quebec 1759.$ Das Gros der Flotte unter Admiral
=Saunders= hatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige
Schiffe unter =Kontreadmiral Holmes= bereits im Januar gesegelt waren,
um in Halifax Vorbereitungen für die Expedition zu treffen; diese
sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß der Schiffe Durells,
die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte 20
Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander
und Mörserboote sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte
General =Wolfe= über 10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien
Artillerie; insgesamt 9200 Mann. Am 1. Juni ging die Expedition nach
dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die Insel Bic, etwa 120
Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die Division =Durell=,
die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß
eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der
Insel Condres, etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell
zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe (wahrscheinlich die
schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß
abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen
Linienschiff (64 Kanonen) und führte die Flotte bis zur Insel
d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den Fluß in zwei Arme
teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen.
=Montcalm= hatte zwar die Bojen und Marken des Fahrwassers entfernen
lassen, sonst aber nichts getan, um dem Gegner an geeigneten Stellen
entgegenzutreten, obgleich Brander und Kanonenboote vorbereitet waren.
Die Stadt, am linken Ufer gelegen, wurde nur durch die Zitadelle und
vor allem durch ein verschanztes Lager auf ihrer Nordostseite
verteidigt; das rechte Ufer war unbesetzt gelassen. Das Lager, in dem
fast das ganze französische Heer, 14000 Mann, stand, konnte der steilen
Ufer wegen vom Flusse her nicht angegriffen werden, auf der anderen
Seite war es durch die Täler der Flüsse Montmorency sowie St. Charles
gesichert; in dem letzteren lagen zwei armierte Hulks zur Verbindung
mit der Stadt. Zwischen Montcalm und dem Gouverneur =Vaudreuil=, einem
Seeoffizier, bestanden andauernd Zwistigkeiten. Montcalm wünschte
Maßregeln für einen etwaigen Rückzug zu treffen, Vaudreuil hielt dies
mit der Begründung für unnötig, daß der Gegner höchstens einige Häuser
der Stadt zerstören könne, wenn die ganze französische Macht vereinigt
sei. So waren außer dem Lager nur die Zitadelle und mehrere Punkte
stromaufwärts der Stadt besetzt, die zu einer Landung geeignet
schienen.
Nach der Landung legte =Saunders= einige Linienschiffe und Fregatten
weiter stromauf der Stadt gegenüber an das rechte Ufer und =Wolfe=
landete dort (bei Point Levis) Soldaten. In der Nacht zum 29. Juni
schickten die Franzosen 7 Brander und Brandflöße gegen die Flotte, doch
diese hatte Vorbereitungen getroffen, und die gefahrdrohenden Fahrzeuge
wurden durch Boote unschädlich gemacht; ebenso mißlang den Franzosen am
1. Juli der Versuch, mit schwimmenden Batterien die bei Point Levis
Gelandeten zu vertreiben. Der Angriff wurde durch das Feuer der dort
liegenden Schiffe abgewiesen. Wolfe baute hier eine Batterie, und in
wenigen Tagen lag der größte Teil der Stadt in Trümmern. Die
hochgelegene Zitadelle war aber nicht unter wirksames Feuer zu nehmen
und ein Sturm auf die Stadt der steilen Ufer wegen ausgeschlossen;
Montcalm ließ sich nicht herauslocken und wartete, daß sich der Feind
eine Blöße gäbe. Wolfe legte nun Batterien am Montmorency an und
beschoß von dort das Lager, doch auch dies blieb ohne Erfolg und zum
Sturm fand sich keine geeignete Stelle. Man sandte einige kleine
Schiffe an der Stadt vorbei, aber ein Landungsversuch dieser ward
abgeschlagen, ebenso ein endlich am 31. Juli doch unternommener Sturm
am Montmorency. Die Angreifer kamen nicht vorwärts, und die Zuversicht
der Verteidiger wuchs so, daß man 3000 von ihnen unter dem fähigsten
Offizier, =de Levis=, nach Montreal sandte, um Bourlamagne zu
verstärken. Montcalm hoffte jetzt, seine Stellung halten zu können, bis
die Herbststürme den Feind zum Abbruch der Belagerung nötigten; er
wurde in seiner Hoffnung durch die Nachricht bestärkt, daß Wolfe
fieberkrank daniederläge.
Aber dieser dachte nicht an Rückzug. Weitere Erkundungen oberhalb der
Stadt wurden vorgenommen und eine derselben, von ihm in Person
geleitet, ließ einen zum Landen geeigneten Punkt im Westen der Stadt
finden. Die Flottille stromaufwärts wurde nun verstärkt und in der
Nacht des 4. September sandte man soviel Soldaten dorthin, als die
vorhandenen flachen Fahrzeuge sowie alle entbehrlichen Schiffsboote der
Flotte fassen konnten; um den Feind zu täuschen, setzte man in den
nächsten Tagen die Erkundungsfahrten fort. In der Nacht vom 12./13.
drangen dann die Boote weiter den Fluß hinauf vor und lockten dadurch
die zur Verteidigung des Ufers bestimmten Franzosen unter
=Bougainville=[96] mit sich. Eine Stunde vor Tagesanbruch aber wendeten
sie plötzlich und ruderten mit aller Kraft, jetzt unterstützt durch die
Strömung und die Ebbe, so schnell stromab zu dem beabsichtigten
Landungspunkte, daß die Franzosen am Ufer nicht folgen konnten. Mit
Tagesanbruch wurde unter Wolfes Führung gelandet, die Wache
überrumpelt, das steile Ufer erstiegen und oben eine kleine Batterie
genommen; bald standen die Engländer auf der Höhe vor den Toren der
Stadt. Jetzt erst erfuhr Montcalm, was geschehen war. Er eilte mit
einigen Truppen über den Charlesfluß herbei und sandte Befehl an
Bougainville, den Gegner im Rücken anzugreifen. Aber dieser konnte
seine Leute nicht schnell genug sammeln und Vaudreuil hielt den
größeren Teil des Heeres im Lager zurück, da die englische Flotte mit
den Seesoldaten in den noch vorhandenen Schiffsbooten eine
Scheinlandung am Montmorency unternahm.
[96] =Louis Antoine de Bougainville=, später als Seefahrer berühmt, war
ursprünglich Jurist und 1755 Gesandtschaftssekretär in London; bei
Quebec Adjutant Montcalms; 1763 Kapitän zur See, umsegelte er
1766-1769 die Erde und entdeckte den Salomons- sowie den
Bismarckarchipel; diente im nordamerikanischen Befreiungskriege
als Chef d'Escadre und wurde 1791 Lieutenant-Général. Während der
Revolution zog er sich zurück; er wurde von Napoleon zum Senator
ernannt und starb 1811.
So hatte Montcalm um 10 Uhr vormittags nur 4500 Mann zur Verfügung; er
griff dennoch Wolfe an, um ihm keine Zeit zur Verschanzung sowie zur
Verstärkung zu lassen. Aber trotz der Tapferkeit des Generals und
seiner Offiziere schlugen die Engländer den Angriff ab; =Montcalm=
selber ward tödlich verwundet, der nächstälteste Offizier fiel und die
an den Kampf im offenen Gelände nicht gewöhnten Kanadier wichen in
Stadt und Lager zurück. Bei der herrschenden Verwirrung hätten die
Engländer mit kräftigem Nachdringen wohl das Lager nehmen können, aber
jetzt erschien Bougainville, und auch bei ihnen ging die Oberleitung
verloren, da =Wolfe= sowie dessen Nachfolger gefallen waren.
Bougainville war aber allein zu schwach zum Angriff, so daß sich die
Engländer in ihrer Stellung verschanzen und die Verbindung zwischen
Lager und Stadt durch den Bau einer Batterie unterbrechen konnten.
=Vaudreuil= gab nach einem Kriegsrate Lager und Stadt auf und zog sich
auf Montreal hin zurück. In Quebec blieben nur 1700 Mann mit dem
Befehl, sich nach Erschöpfung ihrer Vorräte zu ergeben. Dies geschah
schon am 17. September, als die Engländer Miene machten, die
Beschießung vom Lande und von der Flotte aufzunehmen. Den Einwohnern
der Stadt sowie den Milizen war Erhaltung ihres Besitzes und
Religionsfreiheit zugesichert; nur die Soldaten wurden kriegsgefangen.
Vaudreuil traf auf seinem Marsche bald =de Levis=, der nach der Kunde
von dem Geschehenen stehen geblieben war. Dieser übernahm nun den
Oberbefehl und führte das Heer zum Entsatze Quebecs heran, ging aber
nach Montreal zurück, als er die Übergabe der Stadt erfuhr.
Nach dem Falle Quebecs ging =Saunders= mit der Flotte nach England heim;
nur 5 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und Sloops verblieben unter
Kommodore =Lord Colville= in den amerikanischen Gewässern. Als die Flotte
den Lorenzstrom verlassen hatte, entschlüpften einige französische
Freibeuter, die sich vor der Belagerung stromaufwärts der Stadt verborgen
hatten. Diese brachten die Nachricht von den Ereignissen mit neuen Bitten
um schleunigste Hilfe nach Frankreich.