$Der Hauptplan Loudouns für 1757$ ging denn auch durch die Überlegenheit

der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen

die Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt,

aber er hatte einen =Angriff auf Louisbourg= vorgeschlagen und dafür die

Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von New

York, Kontreadmiral =Sir Charles Hardy=, zum seemännischen Führer des

Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, aber

erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin französische

Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte das

Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit Exerzitien

und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte

Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man

Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu

gehen, so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall.

Es fällt auf, daß =Dubois= diese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits

anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit

wieder den gemessenen Befehl, »Louisbourg nur zu verteidigen; die

feindlichen Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen

sei, daß der Erfolg unbedingt sicher stände«; er hatte außerdem viele

Kranke auf seinen Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich

die Verstärkung unter Vizeadmiral =Francis Holburne= ein, der den

Oberbefehl zur See übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der

Gegner erkunden und daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August

eingeschifft, um sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von

Louisbourg, zu landen. Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die

höhere und richtigere Angaben über die Stärke der Franzosen enthielten,

sah man doch von dem Unternehmen ab; die Truppen wurden wieder

ausgeschifft und teilweise nach New York zurückgeführt.

=Auf den anderen Kriegsschauplätzen= brachte das Jahr 1757 den Engländern

nur Verluste. =Montcalm= hatte schon im Winter versucht, sich des Forts

William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und im August gelang es ihm,

dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die Operationen ein, da

er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, und da unter den

Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die Franzosen Herren

des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch nach Aufgabe des

Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes zu

leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten

Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige

Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die

englische Flotte bald heimsegelte.

=Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm gelitten.= Er war am 26.

August vor Louisbourg erschienen, um in Person die Verhältnisse zu

erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois Miene machte,

herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von 4 Linienschiffen

vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe

brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um Dubois

durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber als die

Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg stand,

kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; die Flotte

wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach Norden

gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte

und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral

sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden;

er folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in

Halifax, die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im

Oktober auch =Admiral Dubois= die Station, er entging dem

Blockadegeschwader Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den

Gesundheitszustand auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er

nach seiner Ankunft 4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine

Epidemie ausbrach, die täglich 50-80 Opfer forderte.

$England erobert Louisbourg 1758.$ In diesem Jahre wandten sich die

Verhältnisse zugunsten Englands: als =Pitt= ans Ruder gelangt war, der

gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die

englische Kriegführung.

=Pitt= änderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun

wurde abberufen; alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten

Maßregeln wurden aufgegeben; den Milizoffizieren bewilligte man

gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt Kriegssteuern zu fordern,

ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung der Kosten so

viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. -- Pitt wandte sich mit

Erfolg an die Vaterlandsliebe der Kolonisten.

=Pitt= entwarf mit =Benjamin Franklin=, der sich gerade in England

aufhielt, einen =Kriegsplan=: Mit einer Hauptmacht, einer starken Flotte

unter Admiral =Boscawen= nebst 12000 (14000?) Mann Landungstruppen,

sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, eine weitere

Expedition unter General =Abercromby= gleichzeitig gegen Crown Point und

eine dritte unter =John Forbes= gegen Fort Duquesne vorgehen. Die Kräfte

der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf 50000 Mann, Reguläre und

Milizen, veranschlagt. Aber auch =Frankreich= hatte in den Wintermonaten

Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen segelten 4 voll armierte

Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten ausgerüstete Linienschiffe,

sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie mit Truppen und

Vorräten nach Louisbourg und Kanada.

Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England

auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000

Soldaten, mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich

7000 Verteidiger insgesamt; =Montcalm= verfügte in Kanada über 6000

Reguläre und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen

verteilt waren, sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr

angriffsweise vorgehen und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe

oder Friedensschluß für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere

Verstärkungen senden, aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der

Rhede von Ile d'Aix am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch

verlor Montcalm den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: »Wir

werden fechten und uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.«

-- Trotz der üblen Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff

auf Louisbourg vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg

erzielt.

$Die Einnahme von Louisbourg[94] 1758.$ Lage sowie Befestigungen der

Stadt sind bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt

besser im Stande als damals, besonders auf der Seefront, aber der

Gouverneur, Kapitän zur See =Chevalier Drucourt=, verfügte nur über

3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen 5 Linienschiffe, davon

3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier kleineren

Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe

hinter der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu

verankert. Die letzte Abteilung der obenerwähnten Verstärkung, Kapitän

=Du Chaffault=, war angelangt, als der Hafen schon gesperrt war; er gab

die für die Festung bestimmten Truppen sowie Vorräte ab und ging nach

Quebec weiter.

[94] Nach Clowes III, Seite 183; Lacour I, Seite 361; Troude I,

Seite 369.

Die englische Expedition unter =Admiral Boscawen= hatte im Februar

Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige

leichtere Schiffe sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit

12000 Mann Landungstruppen. Diese befehligte Generalmajor =Jeffrey

Amherst=, unter ihm stand als Brigadegeneral =James Wolfe=, der spätere

Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch Sturm teilweise versprengt,

fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht wieder

zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen,

erst am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter

heftigem Feuer; an zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht,

an einer dritten setzte Wolfe Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote

kenterten und ihre Besatzungen teilweise ertranken und obwohl fast alle

Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten den Feind mit dem

Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle Truppen

ausgeschifft; -- zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die

Verbindung mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen.

Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man

auch die Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe

hinter der Sperre belästigte die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde

das stärkste von ihnen in Brand geschossen, flog auf und entzündete

noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ Boscawen die beiden

letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen Feuers der

Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das

andere zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur

Entscheidung. Als Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in

den Hafen einzudringen, trat =Drucourt= in Verhandlungen ein und

übergab am 27. Juli die fast in Trümmern liegenden Befestigungen[95];

gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, 1200 lagen krank.

Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden

kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner

der Stadt (wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich.

Die Engländer sollen nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist,

daß es einem französischen Freibeuter gelungen war, während der

Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch wieder zu verlassen.

[95] 1760 zerstörten die Engländer die Befestigungen von Louisbourg

vollständig; sie sind nicht wieder erbaut, aber noch kenntlich.

Mit Louisbourg fiel die ganze Insel =Kap Breton= und auch die

benachbarte, =St. Jean= (englischerseits später =Prince Edwards Insel=

benannt), und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes

offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein

Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der

Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch

vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil der

=General Amherst= durch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby zu

dessen Unterstützung abgerufen wurde. =Admiral Boscawen= ließ nach dem

Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen auf den

Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig zerstören,

die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen

Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile

der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter Kontreadmiral

=Durell= in Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der aus

Kanada heimkehrenden Division =Du Chaffault= zusammenstieß, ist bereits

erzählt (Seite 146).

=Auf dem Landkriegsschauplatze 1758= hatte =General Abercromby= 15000

Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George zusammengezogen, um Fort

Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordende dieses Sees, sowie

dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg nach Montreal zu bahnen.

=Montcalm=, der sich persönlich in Carillon befand, war zwar nur ein

Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen der Engländer auf dem

Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, diesen im Juli eine

Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig abzuschlagen, daß

sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter wagten. Nur

einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, 3000 Mann,

war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte Fort

Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten und mußte

sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg zog den

Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz auf

Frontenac angewiesen war. Brigadier =Forbes=, der Duquesne angreifen

sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren und

war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; von

Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte er

=Washington= mit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen und

aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg

benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst

übernahm den Oberbefehl an seiner Statt.

$England erobert Quebec, 17. September 1759.$ Der teilweise Mißerfolg des

Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das

Parlament bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde

eine neue starke Flotte unter =Vizeadmiral Sir Charles Saunders= mit

Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem

Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien

alle ihre Kräfte auf. General =Stanwix= wurde mit der Unterwerfung des

Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; Brigadier

=Prideaux= erhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen; =Amherst= wies man

an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen; =Wolfe= sollte,

unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. -- =Montcalm= sah

jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach

Louisiana zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat,

was in seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee

mit 2000, die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000

Mann Quebec zu verteidigen.

=Montcalms= Bitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in

Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege

beschäftigt. 1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen

Freibeutern gelang es, 600 Rekruten sowie wenige Vorräte

hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, der König

sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern

gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände

fallen oder, falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada

steigern.

Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall Erfolg.

Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherst nötigte

seinen Gegner, =Bourlamagne=, Carillon sowie Crown Point zu räumen; dann

allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am Flusse

Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe

nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des

Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen.

$Die Einnahme von Quebec 1759.$ Das Gros der Flotte unter Admiral

=Saunders= hatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige

Schiffe unter =Kontreadmiral Holmes= bereits im Januar gesegelt waren,

um in Halifax Vorbereitungen für die Expedition zu treffen; diese

sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß der Schiffe Durells,

die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte 20

Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander

und Mörserboote sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte

General =Wolfe= über 10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien

Artillerie; insgesamt 9200 Mann. Am 1. Juni ging die Expedition nach

dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die Insel Bic, etwa 120

Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die Division =Durell=,

die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß

eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der

Insel Condres, etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell

zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe (wahrscheinlich die

schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß

abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen

Linienschiff (64 Kanonen) und führte die Flotte bis zur Insel

d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den Fluß in zwei Arme

teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen.

=Montcalm= hatte zwar die Bojen und Marken des Fahrwassers entfernen

lassen, sonst aber nichts getan, um dem Gegner an geeigneten Stellen

entgegenzutreten, obgleich Brander und Kanonenboote vorbereitet waren.

Die Stadt, am linken Ufer gelegen, wurde nur durch die Zitadelle und

vor allem durch ein verschanztes Lager auf ihrer Nordostseite

verteidigt; das rechte Ufer war unbesetzt gelassen. Das Lager, in dem

fast das ganze französische Heer, 14000 Mann, stand, konnte der steilen

Ufer wegen vom Flusse her nicht angegriffen werden, auf der anderen

Seite war es durch die Täler der Flüsse Montmorency sowie St. Charles

gesichert; in dem letzteren lagen zwei armierte Hulks zur Verbindung

mit der Stadt. Zwischen Montcalm und dem Gouverneur =Vaudreuil=, einem

Seeoffizier, bestanden andauernd Zwistigkeiten. Montcalm wünschte

Maßregeln für einen etwaigen Rückzug zu treffen, Vaudreuil hielt dies

mit der Begründung für unnötig, daß der Gegner höchstens einige Häuser

der Stadt zerstören könne, wenn die ganze französische Macht vereinigt

sei. So waren außer dem Lager nur die Zitadelle und mehrere Punkte

stromaufwärts der Stadt besetzt, die zu einer Landung geeignet

schienen.

Nach der Landung legte =Saunders= einige Linienschiffe und Fregatten

weiter stromauf der Stadt gegenüber an das rechte Ufer und =Wolfe=

landete dort (bei Point Levis) Soldaten. In der Nacht zum 29. Juni

schickten die Franzosen 7 Brander und Brandflöße gegen die Flotte, doch

diese hatte Vorbereitungen getroffen, und die gefahrdrohenden Fahrzeuge

wurden durch Boote unschädlich gemacht; ebenso mißlang den Franzosen am

1. Juli der Versuch, mit schwimmenden Batterien die bei Point Levis

Gelandeten zu vertreiben. Der Angriff wurde durch das Feuer der dort

liegenden Schiffe abgewiesen. Wolfe baute hier eine Batterie, und in

wenigen Tagen lag der größte Teil der Stadt in Trümmern. Die

hochgelegene Zitadelle war aber nicht unter wirksames Feuer zu nehmen

und ein Sturm auf die Stadt der steilen Ufer wegen ausgeschlossen;

Montcalm ließ sich nicht herauslocken und wartete, daß sich der Feind

eine Blöße gäbe. Wolfe legte nun Batterien am Montmorency an und

beschoß von dort das Lager, doch auch dies blieb ohne Erfolg und zum

Sturm fand sich keine geeignete Stelle. Man sandte einige kleine

Schiffe an der Stadt vorbei, aber ein Landungsversuch dieser ward

abgeschlagen, ebenso ein endlich am 31. Juli doch unternommener Sturm

am Montmorency. Die Angreifer kamen nicht vorwärts, und die Zuversicht

der Verteidiger wuchs so, daß man 3000 von ihnen unter dem fähigsten

Offizier, =de Levis=, nach Montreal sandte, um Bourlamagne zu

verstärken. Montcalm hoffte jetzt, seine Stellung halten zu können, bis

die Herbststürme den Feind zum Abbruch der Belagerung nötigten; er

wurde in seiner Hoffnung durch die Nachricht bestärkt, daß Wolfe

fieberkrank daniederläge.

Aber dieser dachte nicht an Rückzug. Weitere Erkundungen oberhalb der

Stadt wurden vorgenommen und eine derselben, von ihm in Person

geleitet, ließ einen zum Landen geeigneten Punkt im Westen der Stadt

finden. Die Flottille stromaufwärts wurde nun verstärkt und in der

Nacht des 4. September sandte man soviel Soldaten dorthin, als die

vorhandenen flachen Fahrzeuge sowie alle entbehrlichen Schiffsboote der

Flotte fassen konnten; um den Feind zu täuschen, setzte man in den

nächsten Tagen die Erkundungsfahrten fort. In der Nacht vom 12./13.

drangen dann die Boote weiter den Fluß hinauf vor und lockten dadurch

die zur Verteidigung des Ufers bestimmten Franzosen unter

=Bougainville=[96] mit sich. Eine Stunde vor Tagesanbruch aber wendeten

sie plötzlich und ruderten mit aller Kraft, jetzt unterstützt durch die

Strömung und die Ebbe, so schnell stromab zu dem beabsichtigten

Landungspunkte, daß die Franzosen am Ufer nicht folgen konnten. Mit

Tagesanbruch wurde unter Wolfes Führung gelandet, die Wache

überrumpelt, das steile Ufer erstiegen und oben eine kleine Batterie

genommen; bald standen die Engländer auf der Höhe vor den Toren der

Stadt. Jetzt erst erfuhr Montcalm, was geschehen war. Er eilte mit

einigen Truppen über den Charlesfluß herbei und sandte Befehl an

Bougainville, den Gegner im Rücken anzugreifen. Aber dieser konnte

seine Leute nicht schnell genug sammeln und Vaudreuil hielt den

größeren Teil des Heeres im Lager zurück, da die englische Flotte mit

den Seesoldaten in den noch vorhandenen Schiffsbooten eine

Scheinlandung am Montmorency unternahm.

[96] =Louis Antoine de Bougainville=, später als Seefahrer berühmt, war

ursprünglich Jurist und 1755 Gesandtschaftssekretär in London; bei

Quebec Adjutant Montcalms; 1763 Kapitän zur See, umsegelte er

1766-1769 die Erde und entdeckte den Salomons- sowie den

Bismarckarchipel; diente im nordamerikanischen Befreiungskriege

als Chef d'Escadre und wurde 1791 Lieutenant-Général. Während der

Revolution zog er sich zurück; er wurde von Napoleon zum Senator

ernannt und starb 1811.

So hatte Montcalm um 10 Uhr vormittags nur 4500 Mann zur Verfügung; er

griff dennoch Wolfe an, um ihm keine Zeit zur Verschanzung sowie zur

Verstärkung zu lassen. Aber trotz der Tapferkeit des Generals und

seiner Offiziere schlugen die Engländer den Angriff ab; =Montcalm=

selber ward tödlich verwundet, der nächstälteste Offizier fiel und die

an den Kampf im offenen Gelände nicht gewöhnten Kanadier wichen in

Stadt und Lager zurück. Bei der herrschenden Verwirrung hätten die

Engländer mit kräftigem Nachdringen wohl das Lager nehmen können, aber

jetzt erschien Bougainville, und auch bei ihnen ging die Oberleitung

verloren, da =Wolfe= sowie dessen Nachfolger gefallen waren.

Bougainville war aber allein zu schwach zum Angriff, so daß sich die

Engländer in ihrer Stellung verschanzen und die Verbindung zwischen

Lager und Stadt durch den Bau einer Batterie unterbrechen konnten.

=Vaudreuil= gab nach einem Kriegsrate Lager und Stadt auf und zog sich

auf Montreal hin zurück. In Quebec blieben nur 1700 Mann mit dem

Befehl, sich nach Erschöpfung ihrer Vorräte zu ergeben. Dies geschah

schon am 17. September, als die Engländer Miene machten, die

Beschießung vom Lande und von der Flotte aufzunehmen. Den Einwohnern

der Stadt sowie den Milizen war Erhaltung ihres Besitzes und

Religionsfreiheit zugesichert; nur die Soldaten wurden kriegsgefangen.

Vaudreuil traf auf seinem Marsche bald =de Levis=, der nach der Kunde

von dem Geschehenen stehen geblieben war. Dieser übernahm nun den

Oberbefehl und führte das Heer zum Entsatze Quebecs heran, ging aber

nach Montreal zurück, als er die Übergabe der Stadt erfuhr.

Nach dem Falle Quebecs ging =Saunders= mit der Flotte nach England heim;

nur 5 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und Sloops verblieben unter

Kommodore =Lord Colville= in den amerikanischen Gewässern. Als die Flotte

den Lorenzstrom verlassen hatte, entschlüpften einige französische

Freibeuter, die sich vor der Belagerung stromaufwärts der Stadt verborgen

hatten. Diese brachten die Nachricht von den Ereignissen mit neuen Bitten

um schleunigste Hilfe nach Frankreich.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 24 / 63 段