$In den atlantischen Gewässern$ waren $1760$ die englischen Streitkräfte

zur Blockade sowie zum Handelsschutz ähnlich verteilt wie im Vorjahre:

Kommodore =Brett= befehligte in den Downs und in der Nordsee; =Rodney=

kreuzte im Kanal; =Hawke= und =Boscawen=[91] bewachten wechselweise die

Quiberonbucht, die jetzt an Stelle Brests als Mittelpunkt des

Blockadebereichs Rochefort, Lorient und Brest angesehen wurde. Außerdem

verstärkte man die ostindische sowie die nordamerikanische Station und

nahm auf der westindischen die nötigen Ablösungen vor. Die Franzosen

hatten alle größeren Unternehmungen aufgegeben, nicht einmal

Verstärkungen nach den Kolonien gingen ab; nur vereinzelt liefen

Kriegsschiffe aus, um gegen den Handel des Gegners zu kreuzen. Die

englische Blockade zeitigte keine großen unmittelbaren Erfolge; sie

hinderte zwar Frankreichs Verbindung mit den Kolonien, brachte aber wenig

Beute, da der französische Handel schon völlig daniederlag; den kleinen

Freibeutern konnte sie das Handwerk nicht völlig legen. Aufzeichnungen

über Zusammenstöße zwischen den Kreuzern beider Parteien bringen die

Spezialwerke (z. B. Troude I und Laird Clowes III, Kap. »Minor Actions«).

[91] Boscawen führte das Kommando vom Frühsommer bis August 1760; er

starb im Januar 1761.

$Der Einfall der Franzosen in Irland 1760$ ist das einzige

bemerkenswerte Ereignis dieses Jahres; er war als Diversion geplant,

die gleichzeitig mit der großen Expedition gegen Schottland ins Werk

gesetzt werden sollte. Man hatte dazu in =Dünkirchen= 1300 Soldaten

unter General =Flobert= gesammelt und eine Flottille von 4 Fregatten

(zu 24-44 Kanonen), sowie 2 Korvetten (18 Kanonen) unter Kapitän

=Thurot= ausgerüstet. Dieser war ein Freibeuter von Ruf, 1726 als Sohn

eines kleinen Gastwirtes geboren, im Jesuitenseminar erzogen, dann als

Apotheker tätig und 1744 als Arzt auf einem Freibeuter in englische

Gefangenschaft geraten. Aus dieser entfloh er, widmete sich ganz der

Freibeuterei und erhielt wegen seiner Verdienste im Österreichischen

Erbfolgekriege ein Offizierspatent (als Transporterkapitän) in der

königlichen Marine. Beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges rüstete er

2 Fregatten und 2 Korvetten aus, mit denen er vom 16. Juli 1756 bis

Februar 1759 ununterbrochen in der Nordsee sowie dem Kanal kreuzte,

mehrere Gefechte bestand und zahlreiche Prisen machte. Ihm war schon

eine Rolle bei dem geplanten Angriff auf die Kanalinseln (s. Seite 142)

zugedacht gewesen, jetzt wurde er mit der seemännischen Führung der

Expedition gegen Irland betraut, wo man mit einer Erhebung der

Bevölkerung rechnete. Er erhielt seine Instruktion am 17. Juni 1759, es

gelang ihm, am 15. Oktober auszulaufen, während das englische

Blockadegeschwader durch Sturm vertrieben war; also gerade zu der Zeit,

als man mit dem Inseegehen der großen Expedition rechnete. Um den Feind

zu täuschen, lief Thurot zuerst Gothenburg, dann Bergen an; auf der

stürmischen Reise wurde eine Korvette versprengt und eine Fregatte

genötigt, wegen Beschädigungen nach Frankreich zurückzukehren.

Am 1. Januar 1760 ankerte er bei den Färöerinseln und erschien dann am

25. bei Londonderry an der irischen Küste. Die Wetterverhältnisse

machten eine Landung unmöglich und auch die zweite Korvette wurde von

der Flottille getrennt, so daß die anderen Kapitäne Thurot beschworen,

das Unternehmen aufzugeben. Aber dieser blieb fest und ankerte nach

einer kurzen Erholung auf der Insel Islay am 19. Februar in

=Belfast-Lough=. Am 21. zwang General Flobert mit 600 Mann die nur

schwach besetzte Stadt Carrickfergus zur Übergabe. Thurot konnte ihn

aber nicht bewegen, gegen Belfast vorzugehen; dies wäre auch wohl ein

hoffnungsloses Wagnis gewesen, man hatte schon 30 Tote und 60

Verwundete eingebüßt. Nachdem man Proviant beigetrieben und einige

kleine Fahrzeuge verbrannt hatte, wurde am 27. die Rückfahrt nach

Frankreich angetreten. Natürlich waren alle benachbarten irischen sowie

schottischen Häfen alarmiert und von Kingsale liefen 3 englische

Fregatten (zu 36 Kanonen) unter Kapitän =John Elliot= aus. Diese

stießen am 28. Februar in der Nähe der =Insel Man= auf die Franzosen;

zwei dieser strichen fast sogleich die Flagge, nur =Thurot= kämpfte mit

seinem Flaggschiff (44 Kanonen) tapfer, bis er fiel und seine Fregatte

dem Sinken nahe war. Er hat selbst bei den Engländern als ein

Freibeuter von ehrenhaftem Charakter gegolten, der stets Edelmut und

Menschlichkeit zeigte.

Die Blockade wurde den Winter über aufrechterhalten, doch scheint man

$1761$ die Geschwader nach und nach verkleinert zu haben, so wurde z. B.

Admiral Rodney nach Westindien befehligt und durch einen Kommodore

ersetzt. Auch =Hawke= verließ im März mit dem größeren Teile seiner

Flotte die Biskaya, doch traf dafür eine neue Flotte mit einer besonderen

Aufgabe ein.

$Die Einnahme von Belle-Ile, April/Mai 1761.$ Schon im Herbst 1760 befand

sich eine Flotte mit Landungstruppen in Ausrüstung, die man anfangs gegen

die Inseln Isle de France und Bourbon, später aber gegen die französische

Küste verwenden wollte. Durch den Tod König Georgs II. (27. Oktober)

traten jedoch Verzögerungen ein und Pitt verlor an Einfluß, so daß man

die Sache für dieses Jahr aufgab. Im Frühjahre 1761 wurde sie mit Erfolg,

allerdings auch mit großem Kraftaufwand, ins Werk gesetzt. Ein Geschwader

von 13 Linienschiffen nebst drei Fregatten wurde vor Brest stationiert,

um jede Störung von dort aus zu hindern, und eine Flotte von 15

Linienschiffen, 8 Fregatten, 3 Sloops, 2 Brandern, 3 oder 4 Mörserbooten

und zahlreichen Transportern mit 10000 Mann segelte am 29. März (einige

der Schiffe etwas später) von St. Helens, Insel Wight, ab, um Belle-Ile

zu erobern. Die Flotte führte Kommodore =Augustus Keppel=, die Truppen

General =Hodgson=. Am 6. April sichtete man die Insel und Keppel zweigte

6 Fregatten ab, um sie von der Verbindung mit dem Festlande

abzuschneiden. Am 7. ankerte die Flotte vor dem Haupthafen Le Palais auf

der Nordostseite der Insel. Diese Stadt wurde durch eine Zitadelle nebst

einigen Außenwerken verteidigt, an anderen Landeplätzen lagen schwache

Forts oder Batterien; Erkundungen ergaben, daß die beste Landungsstelle

in einer kleinen Bucht an der Südostspitze der Insel sei.

Hier warf man am 8. Truppen an Land, nachdem die Batterie niedergekämpft

war, sie fanden aber derartigen Widerstand, daß sie sich wieder

zurückziehen mußten; das Wetter hinderte dann 14 Tage lang einen neuen

Versuch. Dem Kommandanten von Belle-Ile, =Chevalier de Saint-Croix=,

standen nur zwei Regimenter nebst einigen Bataillonen Miliz zur

Verfügung, trotzdem benutzte man die Frist nicht, Verstärkungen vom

Festlande (Lorient) heranzuziehen; auch französische Quellen können nicht

angeben, ob man es nicht wagte oder nicht konnte. Am 22. landeten die

Engländer aufs neue an drei Stellen der Bucht, zwei Landungen waren nur

Scheinangriffe; die Franzosen wurden durch das Feuer der Flotte

vertrieben und mußten sich auf Le Palais zurückziehen. Die Angreifer

schritten nun zur regelrechten Belagerung der Stadt, am 13. Mai wurden

die Außenwerke genommen und vom 16. an die Zitadelle auf das heftigste

beschossen. Als am 7. Juni Bresche gelegt war und zum Sturm geschritten

werden sollte, kapitulierte St. Croix mit allen militärischen Ehren. Die

Angreifer verloren in den Kämpfen 310 Tote und 500 Verwundete, aber

außerdem viele Leute durch Krankheiten.

Die englischen Quellen heben besonders hervor, daß bei diesem Unternehmen

stets völliges Einverständnis zwischen dem Admiral und dem General

geherrscht habe, ein bisher selten vorgekommener Fall. -- Die Insel blieb

bis zum Friedensschluß in den Händen der Engländer, diese hatten damit

einen Stützpunkt für die Blockade der atlantischen Häfen Frankreichs

gewonnen; französische Schriftsteller weisen darauf hin, daß Belle-Ile im

Verein mit den Kanalinseln ihren Gegnern einen Einfall in die Bretagne

möglich gemacht haben würde.

Bald nach der Landung hier hatte Keppel den Kapitän =Sir Thomas Stanhope=

mit 7 Linienschiffen nach der Rhede von =Ile d'Aix= gesandt. Dieses

Geschwader fand dort zwar keine feindlichen Schiffe vor, zerstörte aber

am 21. und 22. Juni die Befestigungen der Insel. Der Versuch der

Franzosen, dies von der Charente aus mit Kanonenschaluppen zu hindern,

schlug fehl, ebenso ein Unternehmen im Dezember, die blockierenden

Engländer mit Brandern zu vertreiben.

Für $das Jahr 1762$ sind keine Ereignisse von Bedeutung =in den

europäischen Gewässern= zu verzeichnen, obgleich Spanien im Januar auf

seiten Frankreichs in den Krieg eintrat. England beschloß, ohne Zaudern

auf das schärfste gegen den neuen Gegner vorzugehen und ihn an seiner

verwundbarsten Stelle, seinen Kolonien, anzufassen. Es sandte sofort eine

bedeutende Verstärkung nach Westindien, zog dort unter =Admiral Pocock=

eine Expedition gegen Havanna zusammen und schickte auch nach Ostindien

Streitkräfte, um die Philippinen anzugreifen. In Europa beschränkten sich

die Maßnahmen außer auf die Verstärkung der Mittelmeerflotte darauf, daß

man den größeren Teil der bisher für die Blockade der französischen

Küsten verwendeten Kräfte unter =Hawke=, später unter Admiral =Hardy=, in

den spanischen Gewässern stationierte. 8000 Mann wurden nach Lissabon

gesandt, mit deren Hilfe Portugal den Angriff der Franzosen und Spanier

zurückwies.

Wie im Mittelmeer, so zeigte sich die spanische Marine auch nicht im

Atlantik. Wohl weil die Blockadegeschwader in der Biskaya schwächer als

bisher gehalten wurden, gelang es in diesem letzten Jahre des Krieges

nochmals zwei französischen Geschwadern, bei Sturm durchzuschlüpfen. Früh

im Jahre verließ der Chef d'Escadre =de Blenac= mit 7 Linienschiffen, 4

Fregatten nebst 7 Bataillonen Infanterie Brest und segelte nach

Westindien; das englische Blockadegeschwader versuchte zwar, ihn

einzuholen, mußte jedoch die Verfolgung aufgeben, da die Proviantbestände

zu Ende gingen, und sich damit begnügen, den Admiral in Westindien von

der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis zu setzen. Im Mai lief

dann der Kapitän =de Ternay= mit 3 Linienschiffen, deren eins als

Transporter (Flüte) diente, 1 Fregatte und 600 Soldaten von Brest nach

Nordamerika aus und erreichte sein Ziel. Diese beiden letzten

Anstrengungen Frankreichs, den Kolonien Hilfe zu bringen, hatten aber auf

den Krieg in den fernen Gewässern keinen Einfluß mehr; dort war schon

alles verloren.

=Pläne für einen Einfall in England= entwarf man auch noch in den Jahren

1761 und 1762. Es befinden sich Arbeiten darüber in den Archiven des

französischen Marineministeriums und ebenso in einem Briefwechsel

zwischen =Choiseul=, der im Oktober 1761 dieses Ministerium übernahm, und

dem Gouverneur der Bretagne, Herzog =d'Aiguillon=, der schon 1759 zum

Chef des Einfallheeres bestimmt gewesen war.

Näheres über einige dieser Arbeiten findet man in Lacour I, Seite 354.

Ein Plan ist bemerkenswert, da er dem gleicht, der den Bestimmungen und

Bewegungen der französisch-spanischen Seestreitkräfte vor der Schlacht

von Trafalgar 1805 zugrunde lag. Aus den verschiedenen französischen

und spanischen Häfen sollten Geschwader zu Vorstößen in den kolonialen

Gewässern auslaufen, um England zur Teilung seiner Kräfte zu verleiten.

Sie sollten sich aber an einem bestimmten Termin in Ferrol vereinigen,

die in Europa verbliebenen Schiffe aufnehmen und dann dem Übergang

eines Heeres über den Kanal den Weg freimachen.

Der Krieg in den Kolonien[92].

$Nordamerika. 1748-1755.$ Hier blieben die englischen und die

französischen Kolonien nach dem Frieden von Aachen 1748 eigentlich im

Kriegszustande, während von ihren Mutterländern Verhandlungen über die

unerledigt gelassenen Grenz- sowie Machtbereichsfragen geführt wurden,

wie es beim Friedensschluß bestimmt war. =Die englischen Kolonien= mußten

Wert darauf legen, daß Neuschottland stärker von Engländern besiedelt und

die nicht zuverlässige alte französische Bevölkerung dort verdrängt

würde. Die englische Regierung sträubte sich anfangs dagegen, sowohl der

Kosten wegen als auch in der Besorgnis, Neuengland könne zu mächtig

werden; sie mußte aber doch nachgeben, bot nun Auswanderern nach

Neuschottland große Vorteile und baute 1749 die Festung =Halifax=.

[92] Im Anschluß an die Ereignisse des Krieges 1744-1748 (S. 93 ff.);

Hauptquellen vgl. S. 131.

Deren erster Gouverneur begann dann sofort, die Indianer auszurotten und

die französischen Ansiedler zum Anschluß an England oder zur Auswanderung

unter Verlust ihres Eigentums zu zwingen. Noch wichtiger war es, dem

Vordringen der Franzosen im Ohiotale Einhalt zu tun, das die Ausdehnung

der Neuenglandstaaten über das Alleghanygebirge nach Westen hin unmöglich

zu machen drohte, während den Nebenbuhlern die Aussicht erwuchs, durch

den Mississippi mit der Kolonie Louisiana in Verbindung zu treten und so

die englischen Kolonien ganz ein- und abzuschließen. Schon 1748 wurde

deshalb in Virginia die Ohiokompagnie gegründet, deren Agenten und

Kolonisten sich im Ohiogebiet zwischen den Flüssen Monongahela und

Kenewka festsetzten.

=Die französischen Gouverneure in Kanada=, de la Gallissonnière (1747),

de la Jonquière (1749), de Menneville (1752), bemühten sich eifrig, die

französischen Interessen zu behaupten.

Ihre Agenten waren im ganzen Hinterlande Neuenglands tätig und bemühten

sich, in Akadien die französischen Sympathien zu nähren; man baute sogar

Befestigungen auf der Landzunge zwischen Neuschottland und

Neubraunschweig, um das Vordringen der Engländer zu hindern, obgleich die

Friedensbedingungen das Gebiet bis auf einen nördlichen noch strittigen

Strich England zugesprochen hatten. Endlich wurde die Kette von Forts,

die sich von Quebec zum Mississippi -- am Ontario- und Eriesee, sowie am

Ohio und seinen Nebenflüssen entlang -- ziehen sollte, in den Jahren 1749

bis 1754 weitergeführt und ausgebaut. Es würde zu weit führen, näher auf

die beiderseitigen Maßnahmen sowie auf die dabei vorgekommenen kleineren

Zusammenstöße einzugehen; von ihnen soll aber derjenige erwähnt werden,

der Frankreich für den Augenblick zum Herrn im Ohiotale machte und zum

Ausbruch des offenen Krieges führte. Bei ihm tritt auch zum ersten Male

=Washington= in der Geschichte auf.

$Der erste Zusammenstoß im Ohiotale 1754.$ Im Jahre 1753 hatten sich

die Verhältnisse bereits soweit zugespitzt, daß die englische Regierung

gestattete, dem Eindringen der Franzosen in das Ohiogebiet mit Gewalt

entgegenzutreten. 1754 führte der =Milizmajor Washington= etwa 500 Mann

mit einigen Kanonen vor, um den Bau eines Forts der Ohiokompagnie am

Zusammenfluß des Alleghany und des Monongahela zu schützen, wo jetzt

=Pittsburg= liegt. Ehe er aber eintraf, hatten die Franzosen den Platz

überfallen und sich dort festgesetzt (Fort Duquesne). Sie sandten dann

Washington eine Abteilung mit der Forderung entgegen, das von

Frankreich beanspruchte Gebiet zu räumen; es kam zu einem Gefechte, in

dem der französische Führer fiel und 21 seiner Leute gefangen wurden.

Washington verschanzte sich nun in der Hoffnung auf Verstärkung, wurde

aber vom Fort Duquesne aus durch 600 Kanadier nebst 100 Indianern

angegriffen und am 3. Juli zur Übergabe gezwungen.

Nach diesem Ereignis, das in ganz Europa Aufsehen erregte, war an einen

friedlichen Austrag der Streitigkeiten nicht mehr zu denken. =England=

brach zwar die Verhandlungen noch nicht ab, rüstete aber stark zur See,

und auf sein Betreiben faßten die nordamerikanischen Kolonien zum ersten

Male den Plan einer Bundesverfassung sowie ein gemeinsames Vorgehen in

ihrem Hinterlande ins Auge. Ende 1754 sandte die Regierung den =General

Braddock= mit zwei Regimentern nach Virginia. =Frankreich= tat zunächst

noch nichts, da die Kassen leer waren; man empfand aber wohl, daß Kanada

den vereinten englischen Kolonien nicht gewachsen[93] war und suchte

durch Fortführung der Verhandlungen Zeit zum Rüsten zu gewinnen.

[93] Kanada zählte 1756 ungefähr 80000 Weiße gegen 425000 in den

Neuenglandstaaten, 457000 in den mittleren und 283000 in den

Südstaaten. Die letztgenannten kamen allerdings bei einem Kriege

nicht in Betracht, da sie der starken Negerbevölkerung wegen keine

Milizen ausrücken lassen konnten. In den mittleren Staaten lebten

gegen 70000, in den südlichen gar 178000 Farbige, in den

Nordstaaten nur 11000.

=Frankreich= erbot sich im Januar 1755, die Verhältnisse dem Aachener

Frieden (1748) gemäß herzustellen, =England= verlangte den Utrechter

Frieden (1713) als Grundlage. Ersteres erklärte sich im Februar bereit,

auch das Ohiogebiet preiszugeben; ernst war es ihm jedoch kaum damit,

denn gleichzeitig wies es seinen Gouverneur an, die englischen Forts am

Kennebec zu nehmen. Die englische Regierung, die dies wußte und zum

Bruche entschlossen war, forderte jetzt, im März, daß Frankreich das

Ohiogebiet räume, die Forts am Niagara schleife, die Neutralisierung

des Ontario-, Erie- sowie des Champlainsees und auch des Südufers des

St. Lawrencegolfes bewillige, endlich den noch strittigen nördlichen

Teil von Neubraunschweig abtrete. Darauf konnte Frankreich nicht

eingehen, setzte aber die Verhandlungen noch fort.

Der offene Krieg brach in Amerika bald aus. =Braddock=, der im Februar

1755 gelandet war, stellte im April im Verein mit den Gouverneuren der

wichtigsten Kolonien einen Kriegsplan auf, nach dem der Gouverneur von

Neuschottland die Gebiete bis zum Lawrencegolf besetzen, die Milizen von

New York und New Jersey, Crown Point (Fort St. Frederic, am Südende des

Champlainsees) nehmen, und der schon aus dem vorigen Kriege bekannte

Gouverneur von Boston, =Shirley=, Fort Niagara (an der Mündung des

Niagara in den Ontariosee) angreifen sollte, während Braddock mit der

Hauptmacht sich die Unterwerfung des Ohiogebietes vorbehielt. In

=Akadien= glückte der Plan. Im Juni wurden die französischen Forts auf

der Landzunge genommen und 7000 Einwohner, die den vollen Untertaneneid

verweigerten, unter Beschlagnahme ihres Eigentums, sowie ohne jede

weitere Fürsorge gewaltsam nach südlicheren Kolonien geschafft.

=Braddocks Zug= gegen das Fort Duquesne schlug jedoch völlig fehl; er

fiel am 9. Juli in einen Hinterhalt und kam mit einigen hundert Mann ums

Leben; ohne Washingtons Geschick wären alle verloren gewesen.

Inzwischen hatten auch die Franzosen Unterstützung erhalten. Im Mai 1755

hatte ein Geschwader unter =Dubois de la Motte= Truppen unter dem

deutschen General =Baron Dieskau= (mit ihm kam als neuer Gouverneur =de

Vaudreuil= nach Kanada) nach Louisbourg und Quebec gebracht, ohne daß das

englische Geschwader unter Boscawen es hatte hindern können. Diese

Verstärkung vereitelte auch die beiden anderen Vorstöße. =Der Zug gegen

Crown Point= war zwar vorgedrungen und hatte am oberen Hudson sowie am

Lake George Befestigungen angelegt, dann aber trat ihm Dieskau entgegen.

Zwar erlitt dieser eine Niederlage, in der er selber fiel, aber auch die

Engländer wurden so geschwächt, daß sie stehen blieben und nur ihr Lager,

Fort William Henry am Lake George, ausbauten. Infolgedessen kam auch =der

Zug gegen Fort Niagara= zum Stillstand. Hier hatte man den Ontariosee

erreicht, begnügte sich aber nun damit, die dort befindlichen englischen

Stationen, Oswego und Ontario, zu verstärken.

=Frankreich= hatte sich also 1755 außer in Akadien überall behauptet,

obgleich es nur 2800 Reguläre und 5000 Milizen gegen 15000 Mann, worunter

etwa 7000 Reguläre, ins Feld führen konnte.

Trotz alledem ward der Krieg noch nicht erklärt. In =England= erwog man

wiederum, ob nicht in den Kolonien bei weiterem Wachsen ihrer Macht

Selbständigkeitsgelüste auftreten würden. =Gouverneur Shirley= erklärte

aber, eine Vereinigung der Kolonien sei bei der Verschiedenheit der

Verfassung, der Interessen sowie der Stimmung in den einzelnen

unwahrscheinlich, auch könnten derartige Bestrebungen leicht durch die

Besatzungstruppen niedergehalten werden; es gelang ihm, die Regierung

zur Vertreibung der Franzosen aus Kanada zu bestimmen. =Shirley=

erhielt nun die oberste Leitung sämtlicher Milizen und faßte den

=Plan=, 1756 Quebec von zwei Seiten anzugreifen, sowie gleichzeitig

alle vorgeschobenen Forts der Franzosen im Westen zu nehmen. Die Mittel

der Kolonien würden jedoch hierzu trotz ihrer Wohlhabenheit und starken

Bevölkerung nicht hingereicht haben; den Milizen mangelten Übung und

gute Offiziere. In England zweifelte man auch an der Befähigung

Shirleys als Führer; man rief ihn deshalb unter dem Vorwande ab, seinen

Rat nötig zu haben, und ersetzte ihn 1756 durch den =Earl of Loudoun=.

Dieser sollte, unabhängig von den Gouverneuren, den Befehl über

sämtliche Streitkräfte übernehmen, aber auch die Eigenwilligkeit der

Kolonien brechen. Zu diesem Zweck erließ man Verfügungen, die in

bestehende Vorrechte eingriffen. Anderseits brachte Loudoun eine

Million Lstrl. mit, um den Kolonien die Kosten des Krieges 1755 zu

ersetzen, sowie Mittel und Offiziere zur Errichtung zweier königlicher

Regimenter.

=Frankreich= hatte zwar nach dem Auftreten des Admirals Boscawen im

Juli 1755 die Verhandlungen abgebrochen, verhielt sich aber sonst doch

friedlich und ergriff nicht einmal Gegenmaßregeln, als England überall

französische Schiffe aufbrachte. Aber nach Nordamerika sandte man doch

Verstärkungen; im April 1756 traf General =Marquis de Montcalm= mit

drei Fregatten und drei Flüten dort ein, die 1500 Mann nebst

Kriegsmaterial und Geldmitteln erhielten. Der neue Oberbefehlshaber

fand ungünstige Verhältnisse vor. Der Feldzug hatte die Kolonie

erschöpft, da die Milizen der Bestellung der Felder entzogen gewesen

waren; zwischen diesen tüchtigen, aber wenig disziplinierten Kriegern

und den Regulären herrschte schlechtes Einvernehmen; die Beamten der

Kolonie wirtschafteten unredlich.

$Das Jahr 1756$ brachte für England nur weitere Rückschläge. =Loudoun=

zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Statt schleunigst zu handeln,

lag er mit 10000 Soldaten und 7000 Milizen untätig in Albany. Die

englischen Seestreitkräfte waren nur schwach; die von Boscawen

zurückgelassenen Schiffe unter =Kommodore Spry= kreuzten zwar in den

Gewässern bei Louisbourg, es gelang ihnen aber nicht, die französischen

Schiffe mit Verstärkungen zu fassen. Der französische Oberbefehlshaber,

=Montcalm=, war dagegen sehr tätig. Von den Forts Crown Point, Frontenac

(am Niagara) und Niagara aus beunruhigte er die vorgeschobenen englischen

Posten und deren Rückverbindungen; er nahm sogar Oswego sowie Ontario,

wobei 1640 weiße Soldaten nebst 113 Kanonen und große Vorräte in seine

Hände fielen. So faßte er festen Fuß am Ontariosee und bereitete weitere

Angriffe vor, während verbündete Indianer die englischen Grenzgebiete

verwüsteten.

Jetzt wäre es für Frankreich an der Zeit gewesen, Kanada mit aller Kraft

zu unterstützen, aber man hatte in Paris mehr Vorliebe für Pläne gegen

England in Europa und für den Krieg in Deutschland. Ganz ohne Erfolg

blieben Montcalms Bitten um Hilfe indessen nicht. Bekanntlich gelang es

im Frühjahr 1757 drei französischen Geschwadern mit Truppen und Material,

die Blockade zu brechen. =Bauffremont= traf am 23. Mai mit 4

Linienschiffen, =Durevest= am 25. mit 4, und =Dubois de la Motte= am 19.

Juni mit 9 in Louisbourg ein; von nun an waren die französischen

Seestreitkräfte den englischen stets gewachsen, zuzeiten überlegen.

Dubois verfügte im Juni über 18 Linienschiffe und 5 Fregatten, während

die Engländer erst im Juli, nach Eintreffen einer Verstärkung, 15

Linienschiffe zählten.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 23 / 63 段