=Die Schlacht= muß wohl =taktisch unentschieden= genannt werden, =aber

der Erfolg= war doch auf =französischer Seite=. Im englischen Kriegsrate

kam man zu der Ansicht, man sei nicht imstande, die französische Flotte

nochmals anzugreifen, ja man würde durch eine neue Schlacht, wenn sie

ungünstig verliefe, sogar die Sicherheit Gibraltars sowie des Handels im

Mittelmeer aufs Spiel setzen. So ging =Byng nach Gibraltar= zurück; der

Entsatz Port Mahons war vereitelt. Die Franzosen fühlten sich jedoch

keineswegs vor dem Wiedererscheinen der dann wohl verstärkten englischen

Flotte sicher. =La Gallissonnière= blieb deshalb in der Nähe der Insel,

bis Port Mahon gefallen war, und drang danach auf schleunige Einschiffung

der Truppen. Diese erfolgte vom 4. bis 7. Juli; am 18. trafen das Gros

der Expedition, am 21. die letzten Nachzügler wieder in Toulon ein.

Tatsächlich erschien auch noch im Juli der englische Admiral =Hawke= bei

Minorka.

$Das weitere Schicksal Port Mahons in diesem Kriege$ sei gleich hier

kurz berührt. Wenn Frankreich im Besitz einer leistungsfähigen Marine

gewesen wäre, so würde dieser Stützpunkt im Verein mit Toulon und

Korsika eine Stellung von Bedeutung gewesen sein. Da man aber den

Seekrieg bald nur schwächlich führte und seine Vorzüge nicht ausnutzen

konnte, so wurde für Port Mahon nichts getan. Man überließ es seinem

Schicksal; der Hafen war meistens blockiert und der Garnison mangelte

oft das Notwendigste; die Engländer hielten eine Wiedereroberung nicht

der Mühe wert. Beide Gegner waren überzeugt, daß Minorka beim

Friedensschluß doch an England zurückfallen würde. Nach Ausspruch eines

französischen Autors (Lacour I, Seite 277), plante man in Frankreich

schon vor Ausführung der Expedition, nach der Einnahme die enge

Einfahrt Port Mahons durch Verschüttung zu sperren, um den Hafen

überhaupt als Stützpunkt unbrauchbar zu machen; es lag wohl stets die

Absicht vor, bei vorteilhafter Gelegenheit Minorka an Spanien

zurückzugeben.

$Die Bedeutung der Schlacht bei Minorka für die Geschichte der Seetaktik$

ist noch größer als die der Schlachten vor Malaga (1704) und vor Toulon

(1744). Sie gibt in geradezu vollkommener Weise ein Bild zu dem, was über

die Taktik des Zeitabschnittes gesagt ist. Der englische Admiral führt

seine Flotte genau nach den Gefechtsinstruktionen zum Angriff und

verharrt, wie seine Kommandanten, in der buchstäblichen Befolgung dieser

Vorschriften, obgleich der Verlauf des Kampfes, selbst nach seiner

eigenen Erkenntnis, ein Abweichen erfordert hätte. Auch die

unvermeidlichen Folgen der englischen Angriffsart, die bei dieser

Gelegenheit wegen des großen Winkels der beiden Gefechtslinien besonders

schwierig war, zeigen sich deutlich in allen Einzelheiten dieser

Schlacht. Die vordere Hälfte der englischen Linie, die in ungünstiger

Lage zunächst allein ins Gefecht eintritt, wird in ihrer

Bewegungsfähigkeit gelähmt; eins ihrer Schiffe bringt die hintere Hälfte

in Unordnung; infolge des Bestrebens, die Ordnung wiederherzustellen,

kommt diese überhaupt nicht zu ernstlichem Kampfe.

Auch die Franzosen verfahren genau nach ihrer Taktik. Ihre vorderen

Schiffe weichen aus, ehe die Gegner zum Nahkampf heran sind; die hinteren

benutzen die Untätigkeit der gegenüberstehenden Feinde und ziehen in

vollster Ordnung unter Ausnutzung ihres Feuers an den schon beschädigten

Engländern vorüber; dann nimmt der französische Admiral außer Schußweite

eine neue Stellung ein und erwartet das Weitere. Der englische Admiral

fühlt sich aber zu schwach und bricht das Gefecht ab. -- Endlich ist auch

das Ergebnis der Schlacht so, wie es theoretisch beim Aufeinandertreffen

der beiden Taktiken sein muß. Die Schlacht bleibt unentschieden; die

Franzosen haben zwar mehrere feindliche Schiffe schwer beschädigt, aber

keins vernichtet oder genommen; die Engländer müssen in Rücksicht auf den

augenblicklichen Ausfall der Beschädigten von einem zweiten Angriff

absehen. (Wenn in diesem Falle ihr Mannschaftsverlust fast ebenso groß

war wie der der Franzosen, so ist dies wohl dem Umstande zuzuschreiben,

daß ihre Schiffe durch die Soldaten für Port Mahon überfüllt gewesen

sind.)

Neuere französische Marineschriftsteller tadeln den Admiral La

Gallissonnière, daß er die Unordnung in der feindlichen Linie und die

dadurch hervorgerufene Trennung der hinteren Hälfte von der vorderen

nicht benutzt habe, mit den ihm folgenden Schiffen durch die Lücken auf

die Luvseite der vorderen englischen Hälfte zu gehen, um sie von beiden

Seiten anzugreifen; seine vorderen Schiffe hätten standhalten müssen und

durften nicht ausweichen. Dafür, daß nicht so verfahren sei, wird von

anderer Seite als Entschuldigung angeführt, die hinteren französischen

Schiffe seien zu sehr beschädigt gewesen, um ein solches Manöver

auszuführen, auch seien die Engländer durch die Soldaten an Bord so stark

bemannt gewesen, daß man französischerseits besser tat, einen Nah- oder

gar Enterkampf zu vermeiden. Der erste Grund muß hinfällig erscheinen, da

die fraglichen Schiffe nur wenig Feuer erhalten haben können; der zweite

hat vielleicht mitgewirkt. Die bestimmende Ursache aber für den Führer

wie den Oberbefehlshaber war die Hinneigung zur Vorsicht und damit zur

Defensive, die sich in allen Orders und Instruktionen von höchster Stelle

jenes Zeitabschnitts ausspricht und die damalige französische Taktik wie

Strategie kennzeichnet. Man strebte mehr danach, sich augenblickliche

Vorteile zu erhalten oder gemachte Eroberungen zu sichern, als durch

kräftiges Vorgehen Errungenes weiter auszunützen und vor allem die

feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten; »niemals wollte man viel aufs

Spiel setzen«.

Dieser zuerst wohl auf strategischem Gebiet als Folge der schwächeren

Marine in den früheren Kriegen erwachte Gedanke hat wahrscheinlich ebenso

zur Ausbildung einer defensiven Taktik beigetragen, wie die Erkenntnis

der Schwächen in der englischen Taktik, die auf eine solche hinwiesen.

Auch bei Minorka hat La Gallissonnière wohl sicher von der Offensive

abgesehen, um seine Flotte zu schonen; daß er nach der Schlacht dem

geschwächten Gegner nicht folgte, um ihm weitere Verluste beizubringen,

geschah nach seiner eigenen Äußerung tatsächlich, um »seiner Instruktion

gemäß« das Landunternehmen nicht aus dem Auge zu lassen und zu dessen

Schutz seine Flotte möglichst stark und schlagfertig zu erhalten.

Bei der allgemeinen Betrachtung des französischen Personals (Seite 43)

wurde betont, daß die Orders unter Louis XV. nicht dazu geeignet waren,

die Offiziere zu schneidigem Handeln zu erziehen. Schon während der

Landung hatte sich der Admiral die Gelegenheit entgehen lassen, die

englischen Schiffe im Hafen abzufangen, und jetzt nach der Schlacht

verfolgte er nicht. Ein französischer Autor (Lacour I, Seite 264) sagt

gerade bei Beschreibung der Minorka-Expedition: »Mais des instructions

trop timides ont souvent paralysé dans notre histoire maritime l'ésprit

d'initiative des chefs les plus capables.«

=La Gallissonnière= fand volle Anerkennung und Billigung seines

Verfahrens; der Erfolg über das seemächtige England erregte in Frankreich

großen Jubel und Begeisterung für die Marine. Er erhielt das Großkreuz

des Ludwigsordens sowie eine hohe Pension; auch seine Ernennung zum

Marschall war in Aussicht genommen, doch starb er schon am 26. Oktober

1756. -- Der Admiral =Byng= dagegen wurde ein Opfer für die Fehler seiner

Regierung, die ihm zu schwache Streitmittel gegeben hatte, und des

Volksunwillens. Er wurde kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und

erschossen.

$Das Kriegsgericht über Byng.$ Nach dem Eintreffen in Gibraltar wurde

der Admiral abberufen und in Untersuchung gezogen. Die

Hauptanklagepunkte waren, daß er nicht mit der ganzen Linie

angegriffen, sondern mit den der »Intrepid« folgenden Schiffen Segel

gemindert habe, um die Ordnung herzustellen. Gewiß wäre dies richtig

gewesen und hätte auch im allgemeinen wohl den Vorschriften

entsprochen, aber man hatte doch nach Toulon den Admiral Mathews

angeklagt, weil er aus der Linie gebrochen war, und ähnlich würde Byng

auch haben handeln müssen. Ferner wurde ihm vorgeworfen, daß er nach

notdürftiger Ausbesserung seiner Schiffe nicht bei Minorka geblieben

sei und alles versucht habe, Port Mahon zu unterstützen. Dies hatte ja

aber der Kriegsrat der Land- und Seeoffiziere für unmöglich erklärt.

Er wurde verurteilt nach dem Kriegsartikel, der mit dem Tode diejenigen

bedrohte, die aus Feigheit, bösem Willen oder Nachlässigkeit es

unterließen, alles daran zu setzen, feindliche Schiffe zu nehmen oder

zu vernichten. Die Verurteilung zeigt, daß die englischen

Gefechtsvorschriften mangelhaft und hemmend waren, sowie daß die

meisten englischen Seeoffiziere dieser Zeit sie nur dem Buchstaben,

nicht dem Sinne nach auffaßten. Das Kriegsgericht empfahl nun zwar den

Angeklagten der Gnade des Königs, da er nicht aus Feigheit, noch mit

Kopflosigkeit gehandelt, sondern, wenn auch irrig, kühl und mit

Überlegung. Das Urteil wurde aber dennoch bestätigt, denn die Regierung

hatte das Mittelmeer vernachlässigt, jetzt war der Schaden da und der

Volksunwille groß; man brauchte einen Sündenbock. Nun hatte gar Byng,

als er auf der Ausreise in Gibraltar die Landung der Franzosen erfuhr,

in einem Bericht an die Admiralität die bisherige Vernachlässigung des

Mittelmeeres sowie die Schwäche seiner Flotte kritisiert. Der mehrfach

angezogene französische Autor (Lacour I, Seite 266) sagt treffend:

»Einen solchen Brief verzeiht man wohl einem siegreichen, aber nie

einem geschlagenen Admiral.«

=Byng= war ein tapferer, see- und diensterfahrener, ehrenwerter Mann,

aber doch wohl kein bedeutender höherer Führer; sein Bericht über die

Schlacht enthielt zu viele Entschuldigungen und zeigte zu wenig

Selbstbewußtsein. Während der Untersuchung und bei seinem Tode trat er

jedoch würdig auf. Am 17. März 1757 wurde er in Spithead auf dem

Achterdeck des Linienschiffes »Monarch« erschossen.[80]

[80] Näheres über Byngs Bericht, das Kriegsgericht und seinen Tod vgl.

Clowes, Band III, Seite 152-160.

Der Krieg In den europäischen Gewässern.

=Am 17. Mai 1756=, wenige Tage vor der Schlacht bei Minorka, als die

Nachricht von der Landung der Franzosen auf dieser Insel eingetroffen

war, =erklärte England den Krieg=.

$Das Jahr 1756$ brachte jedoch $in der Biskaya und im Kanal$ keine

Ereignisse von Bedeutung. $England$ hielt aus Besorgnis vor einer

Invasion seine Hauptmacht, die nach und nach auf über 50 Linienschiffe

sowie gegen 40 Fregatten gebracht wurde, in den Kanalhäfen zusammen. Von

hier aus beobachtete Ende Februar Admiral =Sir Edward Hawke= mit einem

ziemlich starken Geschwader Brest; vorher war es zwei französischen

Divisionen geglückt, nach Westindien auszulaufen. Diese Beobachtung,

später unter den Admiralen =Boscawen= und dann =Knowles=, wurde bis zum

November aufrechterhalten, doch man verringerte die dazu bestimmten

Kräfte allmählich, da im Sommer ein Leutnant durch eine kühne nächtliche

Bootsfahrt in den Hafen von Brest festgestellt hatte, daß dort nur wenige

Schiffe lägen. Bald darauf entschlüpften wieder zwei französische

Divisionen, die eine nach Westindien, die andere nach Westafrika. Die

starke Streitmacht Englands hatte also nicht einmal den Gegner von

seinen Kolonien abgeschnitten. =Frankreich= vermochte indessen, außer den

Entsendungen nach den Kolonien, nichts zu unternehmen.

$Der Plan zu einer Invasion in England$ blieb in Frankreich während der

Jahre 1756-1759 rege, in jedem Jahre wurden Rüstungen dazu angeordnet.

Entweder konnte man aber die Mittel nicht aufbringen oder man betrieb

die Sache nicht ernstlich; die Schiffe, die in Dienst gestellt wurden,

gingen dann größtenteils nach den Kolonien. Im Jahre 1756 trug man sich

auch mit der Absicht, die normannischen Inseln, die so wichtigen

Vorposten Englands im Kanal, zu erobern, jedoch dies kam gleichfalls

nicht zur Ausführung. All diese Gedanken wurden jedoch 1759 aufgegeben,

als man sich stark genug glaubte, aber schon bei den ersten Schritten

zu ihrer Ausführung die schweren Niederlagen von Lagos und Quiberon

erlitt.

$Im Mittelmeer$ verlief der Krieg 1756 schleppend. Admiral =Byng= traf

nach der Schlacht bei Minorka am 19. Juni in Gibraltar ein, fand hier

eine von England gesandte Verstärkung von 5 Linienschiffen und bereitete

die Rückkehr ins Mittelmeer vor. Am 3. Juli langte jedoch =Hawke= mit dem

Kontreadmiral Saunders an und brachte die Rückberufung Byngs sowie

Temple-Wests mit. Er übernahm das Kommando und führte die jetzt 21

Linienschiffe starke Flotte nach Minorka, doch war es zu spät, um Port

Mahon zu retten oder auch nur den Rücktransport des französischen Heeres

anzugreifen. Hawke beschränkte sich darauf, den Hafen zu blockieren und

den Handel im Mittelmeer zu schützen.

Die französische Toulonflotte zeigte sich nicht mehr, obgleich sie nach

Rückkehr von Minorka instandgesetzt wurde und im August 16 Linienschiffe

sowie 6 Fregatten zählte. So ganz unbedingt müssen jedoch die Engländer

die See nicht beherrscht haben, denn es gelang den Franzosen wiederholt,

Port Mahon zu verproviantieren sowie im November 3600 Mann von Antibes

nach Korsika zur Unterstützung Genuas gegen die Aufständischen

überzusetzen; genannte Republik übergab dann alle befestigten Hafenplätze

dieser Insel den Franzosen. Im Dezember kehrte Hawke mit einem Teil der

Flotte nach England zurück und überließ dem Kontreadmiral =Charles

Saunders= den Befehl auf der Mittelmeerstation.

Auch $im Jahre 1757$ bieten die Operationen $im Mittelmeer$ wenig

Bemerkenswertes. Im März gingen 4 Linienschiffe unter Kapitän =Durevest=

von Toulon nach Nordamerika. =Saunders= hatte Nachricht davon erhalten

und lauerte ihnen in der Straße von Gibraltar mit 5 Linienschiffen auf.

Am 5. April um 5 Uhr nachmittags sichteten sich die Gegner; es kam bei

Einbruch der Dunkelheit zu einem zweistündigen Gefechte auf weitere

Entfernung, aber in der Nacht entschlüpften die Franzosen und erreichten

unbelästigt ihr Ziel (15. Juni in Louisbourg). Im Mai wurde die englische

Station unter dem Kommando des Vizeadmirals =Henry Osborne= wieder

verstärkt. Dieser nahm das Kreuzen wie im Vorjahre auf; er erschien im

Juni mit 14 Linienschiffen vor Toulon und landete auch einmal bei Bormes,

einem Küstenplatz östlich der Hyèren, zur gewaltsamen Eintreibung von

Schlachtvieh sowie frischem Proviant.

In Toulon lagen nur 6 Linienschiffe unter dem Chef d'Escadre =de La

Clue=; man beabsichtigte, weitere 8 in Dienst zu stellen, aber es fehlte

an Material wie Mannschaften. Auch de La Clues Division, die über St.

Domingo nach Louisbourg segeln sollte, war erst im Oktober seeklar und

ging am 8. November in See. Der Admiral wagte jedoch wegen Osbornes

Anwesenheit dort nicht, die Straße von Gibraltar zu passieren, sondern

suchte Cartagena auf, um hier Verstärkungen zu erwarten; diese trafen

aber erst im nächsten Jahre ein.

$Im Atlantik$ wurde es $1757$ etwas lebhafter. Obgleich die Engländer das

Kreuzen vor den französischen Häfen im Frühjahr wieder mit verstärkten

Kräften aufnahmen, gelang es doch drei Geschwadern, auszulaufen: Der Chef

d'Escadre =de Bauffremont= verließ am 30. Januar Brest mit 5

Linienschiffen und einer Fregatte und traf am 23. Mai in Louisbourg ein;

Chef d'Escadre =Comte d'Aché= segelte am 4. Mai mit einem Linienschiff

sowie 7 großen Schiffen der Ostindischen Kompagnie nach Ostindien, er war

am 11. Dezember in Isle de France; Lieutenant-Général =Dubois de La

Motte= führte am 3. Mai 9 Linienschiffe nebst 4 Fregatten nach Louisbourg

und erreichte es am 19. Juni. Im weiteren Verlauf des Jahres entwickelte

aber England mehr Tatkraft, was sicher mit dem Eintritt Pitts in die

Regierung zusammenhängt. Es wurden Angriffe auf die feindliche Küste ins

Auge gefaßt, als Gegenstoß gegen französische Invasionspläne, mit denen

man in England immer noch rechnete. Ein =Angriff auf Rochefort= schlug

jedoch gänzlich fehl, was bei den bedeutenden Kosten, die er verursacht

hatte, großen Unwillen im englischen Volke erregte.

$Angriff der Engländer auf Rochefort 1757.$ Man wählte diese Stadt, da

man hoffte, hier leicht die Docks, Magazine, Arsenale und Schiffe

zerstören zu können. Im Jahre 1754 hatte ein Kapitän =Clark=, der von

Gibraltar nach England reiste, die Stadt besucht und mit Erlaubnis der

Behörden sämtliche Anlagen besichtigt. Er fand die Befestigungen

fehlerhaft angelegt und seit sechzig bis achtzig Jahren vernachlässigt,

entwarf danach einen Angriffsplan und legte diesen jetzt, im Juli 1757,

=William Pitt= vor. Da nun ein verräterischer französischer Lotse,

Thierry, die Angaben Clarks bestätigte und weitere über L'Ile d'Aix,

die kleine befestigte Insel vor der Charente, von der die Reede von

Rochefort (gewöhnlich Reede von L'Ile d'Aix benannt), sowie die

Flußmündung beherrscht werden -- sowie über Fouras, ein Fort an der

Flußmündung, hinzufügte, glaubte man, hier leichtes Spiel zu haben.

Insgeheim wurde eine Flotte von 16 Linienschiffen, zahlreichen

kleineren Fahrzeugen sowie Transportern mit 10000 Soldaten ausgerüstet;

die Flotte befehligten Admiral =Hawke=, Vizeadmiral =Knowles= und

Kontreadmiral =Broderick=, die Truppen standen unter Generalleutnant

=Sir John Mordaunt=. Die Expedition segelte am 8. September und

erschien am 20. überraschend in der Durchfahrt zwischen den Inseln

Oléron und Ré. Noch am selben Tage ging Knowles mit 2 Mörserbooten

gegen Ile d'Aix vor, zwei französische Schiffe, die auf der Rhede

lagen, liefen in die Charente ein und alarmierten. Am 23. wurden die

Befestigungen der Insel beschossen, leicht niedergekämpft, besetzt und

zerstört. In der Zwischenzeit suchten kleinere Fahrzeuge einen

geeigneten Landungsplatz auf dem Festlande. Sie fanden jedoch die

Landung überall schwierig, bei Widerstand sogar unmöglich; ein

Kriegsrat am 25. beschloß daher, von dem Unternehmen abzusehen. In

einer zweiten Versammlung am 28. wurde zwar doch der Angriff wieder ins

Auge gefaßt, obgleich der Gegner jetzt manche Verteidigungsmaßregeln

getroffen hatte, aber am 29. wehte heftiger Landwind, und man stand

abermals davon ab. Am 1. Oktober ging die Flotte unter Segel und traf

am 6. in Spithead ein.

Nach französischen Auffassungen hätte das Unternehmen gelingen müssen.

So sagt ein Autor (Lacour I, der die Ereignisse Seite 305 genauer

beschreibt): »Die Macht der Engländer war stark genug, den Erfolg

sicherzustellen. Man fing 1757 eben an, die Insel Aix zu befestigen....

Die Werke Rocheforts waren in dem Zustande, wie sie Clark beschrieben

hatte.... Im Fort Fouras war keine Batterie in Ordnung, und es lagen

nur 300 Mann dort.... Der Marinekommandant und der Intendant dieses

Hafens waren so überrascht und von der Einnahme der Stadt so überzeugt,

daß sie nur an die Rettung der Dokumente und Akten, nicht aber an

Verteidigungsmaßregeln dachten. (Rettung der Kassen wird nicht erwähnt,

in ihnen war wohl nichts?).... Aber was die Verteidiger aus

Kopflosigkeit sowie Kleinmut verfehlten, das hoben die Angreifer durch

Mangel an Tatkraft und schnellem Handeln auf. Der Befehlshaber der

Truppen, Generalleutnant =Langeron=, gewann Zeit, die Garnison von

Fouras zu verstärken, sowie an einigen Stellen am Strande Schanzen

aufzuwerfen, auch verstand er es, seine schwachen Kräfte stärker

erscheinen zu lassen; so wagten die Gegner nicht, etwas gegen das

Festland zu unternehmen.«

Kurz nach der Rückkehr der Expedition ging Admiral =Hawke= am 22. Oktober

aufs neue mit 15 Linienschiffen in See, um die französische Flotte

abzufangen, die unter =Dubois de La Motte= von Louisbourg zurückerwartet

wurde. Seine Schiffe wurden jedoch in der Biskaya durch einen Sturm

zersprengt, und ehe sie sich wieder vereinigt hatten, lief der Gegner am

23. November in Brest ein.

$Im Jahre 1758$ fanden in =England= schon im Winter große

Indienststellungen statt. Im Februar verließ Admiral =Boscawen=

Portsmouth mit einer Expedition von 20 Linienschiffen, 18 Fregatten,

vielen kleineren Fahrzeugen sowie über 100 Transportern mit 12000 Mann

(14000?), die Louisbourg nahm. Kleinere Geschwader gingen nach West- und

Ostindien sowie nach Westafrika ab. Die Admirale =Lord Anson= und =Hawke=

wurden zur Blockade von Brest und zur Beobachtung der Kanalhäfen

entsandt; man sammelte ein kleineres Geschwader unter Kommodore =Richard

Howe= sowie Truppen auf Wight zu Vorstößen gegen die feindliche Küste.

Endlich kreuzte Kommodore =Holmes= mit einigen Schiffen an der

holländischen Küste.

Die Division Holmes griff durch die =Eroberung Emdens= unmittelbar in

den Siebenjährigen Krieg ein. Die Stadt war am 4. Juli 1757 von den

Franzosen besetzt, jetzt wurde sie im März 1758 mit Unterstützung der

Seestreitkräfte zurückerobert.

=Frankreich= gelang es wiederum, von den atlantischen Häfen Verstärkungen

nach Kanada zu senden, und zwar während der Wintermonate, als der Gegner

die Blockade noch nicht in vollem Maße aufgenommen hatte oder sie auch

wegen der Stürme nicht streng durchführen konnte. In drei Abteilungen --

unter Führung der Kapitäne =Des Gouttes=, =Beaussier de L'isle= und

=Comte de Du Chaffault= -- segelten insgesamt 9 Linienschiffe ab, von

denen aber nur 4 voll, die anderen als Flüten armiert waren, 2 Fregatten,

ein schweres Schiff der Indischen Kompagnie, sowie einige Transporter mit

Truppen und Kriegsmaterial. Im April sollte ein weiterer Transport von

Ile d'Aix aus folgen, wurde jedoch durch Hawke festgehalten.

$Angriff auf französische Schiffe bei Ile d'Aix 1758.$ Am 3. April

erschien =Hawke= vor der Insel; auf der Rhede lagen 5 Linienschiffe, 2

Fregatten und etwa 40 Transporter. Als er am 4. nachmittags herankam,

kappten die Franzosen ihre Ankertaue und setzten sich auf Strand. Die

Engländer mußten gleichfalls der geringen Wassertiefe halber ankern und

vermochten sich auch am 5. bei Flut nicht so weit zu nähern, daß sie

die feindlichen Schiffe hätten vernichten können. Die französischen

Kriegsschiffe erleichterten sich dann durch Überbordwerfen der Kanonen

und liefen in die Charente ein; ihre Gegner mußten sich damit begnügen,

die Bojen auf den Kanonen zu entfernen. Immerhin war die Abfahrt der

Verstärkung verhindert, was vielleicht die Eroberung Louisbourgs

erleichtert hat.

Nun folgte =eine Reihe von Angriffen auf französische Kanalhäfen=. Ihr

Zweck war angeblich, zugunsten Friedrichs II. französische Truppen vom

Kriegsschauplatz in Deutschland abzuziehen, doch wollte wohl England, wie

in den früheren Kriegen, hierdurch die Ausgangshäfen der französischen

Freibeuterei vernichten. Der Flotte unter =Anson=, dem =Hawke= als

zweiter im Kommando zur Seite stand, fiel die Aufgabe zu, jede Störung

durch französische Seestreitkräfte von den atlantischen Häfen aus zu

hindern; zur Ausführung war unter =Howe= ein Geschwader von Schiffen

bestimmt, die besonders für die Küstengewässer geeignet waren; die

Landungstruppen, 14000 Mann, befehligte General =Herzog von Marlborough=,

an dessen Stelle im Juli General =Bligh= trat. Da die Ereignisse wenig

Bemerkenswertes bieten, sollen sie nur kurz behandelt werden[81].

[81] Genaueres bieten Clowes III, Seite 192-195; Lacour I, Seite

312-317.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 20 / 63 段