England zu gewinnen, erschien für Friedrich aussichtslos. =Georg= II.

blieb als Kurfürst von Hannover infolge der Machtentwicklung Preußens,

sowie des Streites um Ostfriesland sein Gegner, aber auch mit der

englischen Regierung bestanden Zwistigkeiten, da diese sich weigerte,

Schadenersatz für im letzten Kriege unrechtmäßig aufgebrachte

Handelsschiffe zu leisten. Das Verhältnis zwischen beiden Staaten spitzte

sich so zu, daß sie 1750 ihre Gesandten abberiefen, auch verpflichtete

sich England 1751, Sachsen auf vier Jahre Subsidien zu zahlen, wobei es

hauptsächlich den Schutz Hannovers gegen Preußen im Auge hatte. Während

nun aber der Bund zwischen Österreich, Rußland und Sachsen mit der

ausgesprochenen Absicht, Preußen zu vernichten, immer festere Gestalt

annahm, trat 1755 ein =völliger Umschwung in der Politik Englands und

Frankreichs= und damit in ihrer Stellung zu Preußen ein.

Die Nebenbuhlerschaft dieser beiden Staaten um Seehandel und

Kolonialbesitz war der Anlaß. Nach dem Frieden von Aachen hatten die

Schiffahrt sowie die Kolonien Frankreichs wieder einen bedeutenden

Aufschwung genommen. Der Einfluß der Franzosen in Indien wuchs in einer

für England bedenklichen Weise; in Westindien versuchte Frankreich sich

in den alleinigen Besitz der sogenannten neutralen Inseln (Seite 9) zu

setzen; in Nordamerika wurden die gegenseitigen Beziehungen unhaltbar.

Hier nahmen auf beiden Seiten die Kolonisten ihre Sache selber in die

Hand; schon 1754 kam es zwischen ihnen zu Blutvergießen. Die englische

Regierung hatte nun zwar keine Neigung, wegen der nordamerikanischen

Fragen einen Krieg mit Frankreich zu beginnen[68], als aber dieses in den

Verhandlungen unannehmbare Bedingungen stellte, kam es überraschend

schnell zum Zusammenstoß. Im Frühjahr 1755 entbrannte zwischen den

Kolonien der offene Krieg, beide Staaten sandten starke, schon länger

vorbereitete, See- und Landstreitkräfte hinüber und England griff bereits

im Sommer den französischen Handel in den europäischen Gewässern an. Wenn

auch die Kriegserklärung erst im Frühjahr 1756 erfolgte, nachdem die

Franzosen Port Mahon angegriffen hatten (April), so war doch der $See-

und Kolonialkrieg$ schon im Gange, ehe der Siebenjährige Krieg auf dem

Festlande ausbrach.

[68] Französische Geschichtschreiber sagen dagegen, England habe den

baldigen Ausbruch eines Krieges gewünscht, um sein Ziel, die

Vernichtung der französischen See- und Kolonialmacht, zu

erreichen, ehe die französische Flotte ausgebaut sei. Dies dürfte,

wenn auch nicht der Ansicht der damaligen Regierung, so doch wohl

der eines großen Teils des englischen Volkes entsprochen haben.

England sah sich angesichts dieser Verhältnisse nach Bundesgenossen zum

Schutze Hannovers um. Im September 1755 wurde ein Vertrag mit Rußland

geschlossen, der England gegen Subsidien ein russisches Heer zur

Verfügung stellte. Dagegen ging das alte Bündnis mit Österreich in die

Brüche. Sein Hauptwert hatte für England stets darin gelegen, daß Belgien

(insbesondere Antwerpen) in österreichischem Besitze bliebe; Österreich

zeigte sich jetzt aber geneigt, diese Provinz an Frankreich abzutreten,

um dessen Hilfe gegen Preußen zu gewinnen. Gleichzeitig lockerte sich

auch das gute Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich. Dieses fühlte,

es könne in dem Kriege mit England nicht auf Preußens Unterstützung

rechnen. Friedrich II. durfte sich nicht an einem Kampfe um Hannover

beteiligen, da er dann den sofortigen Angriff Österreichs zu gewärtigen

hatte, zudem erfuhr er von den Verhandlungen Österreichs mit Frankreich.

Unter diesen Verhältnissen machte nun England den Versuch, Preußen

wenigstens bedingungsweise für sich zu gewinnen, und Friedrich ging

darauf ein, als er von dem Abkommen zwischen England und Rußland Kenntnis

erhielt. So schlossen England und Preußen den Neutralitätsvertrag von

Westminster (Januar 1756), in dem beide Mächte sich Frieden und

Freundschaft gelobten und sich verpflichteten, ihre bisherigen

Verbündeten von Angriffen auf Gebiete des anderen -- also Rußland von

Preußen, Frankreich von Hannover -- abzuhalten. Dieses Abkommen sollte

mithin die letztgenannten Mächte einschränken, beförderte aber

tatsächlich $eine neue Gruppierung der Staaten$, auf die Österreich unter

Fürst Kaunitz schon lange hinarbeitete. Es gelang ihm, Rußland, Sachsen,

Schweden, sowie die meisten deutschen Fürsten zu einem Angriffskriege

gegen Preußen, auf dessen völlige Zerstücklung es abgesehen war, an sich

zu ziehen und diesem Bunde die Unterstützung Frankreichs zu sichern. Es

dauerte jedoch geraume Zeit, bis dies erreicht war; erst im Frühjahr 1757

kam die Koalition zustande und erst im Sommer waren die Rüstungen überall

vollendet.

Frankreichs bisheriger Politik widersprach dieses Bündnis völlig,

bezweckte es doch einen Krieg, der das österreichische Kaiserreich

stärken sollte, für dessen Demütigung und Schwächung Frankreich bisher

gekämpft hatte; es wurde auch nur durch die Hofpartei begünstigt. Als

Preis versprach Österreich Belgien; ein Teil dieser Provinz sollte an

Frankreich abgetreten werden, den Rest der in Parma regierende

spanische Infant Philipp gegen Überlassung seines bisherigen Besitzes

an Österreich erhalten. Noch mehr aber förderten persönliche Einflüsse

das Zustandekommen dieses Vertrages. Man benutzte den religiösen

Aberglauben Ludwigs XV., um ihn zu einem Kriege der beiden katholischen

Großmächte gegen die neuentstehende protestantische zu begeistern, auch

wurde die Pompadour, die durch den Spott Friedrichs II. gereizt war,

für den Plan gewonnen. Im Mai 1756 schlossen Österreich und Frankreich

zu Versailles ein Schutzbündnis als Antwort auf den

englisch-preußischen Neutralitätsvertrag, und im Mai 1757 verpflichtete

sich Frankreich, ein Heer nach Deutschland zu schicken, auch erklärte

es gleichzeitig den Krieg an Preußen. -- Bei der Teilung Preußens

sollte =Rußland= Ostpreußen erhalten, an =Schweden= sollte Pommern, an

=Sachsen= der Saalekreis sowie Magdeburg fallen, =Österreich= wollte

natürlich Schlesien behalten. -- Auch Rußland und Schweden erklärten

erst im Sommer 1757 den Krieg, nur das =Deutsche Reich= hatte dies auf

einen Notruf Sachsens schon im Januar getan und zwar an den »Kurfürsten

von Brandenburg«.

=Friedrich der Große= hatte aber schon 1756 den als $der Siebenjährige

Krieg$ bekannten Kampf begonnen. Er war im Juli 1756 durch Holland von

der ihm drohenden Gefahr unterrichtet und hoffte mittels eines schnellen

Stoßes die Koalition zu sprengen, Österreich zu entmutigen, sowie dessen

Bundesgenossen abzuschrecken; 1756 nahm er Sachsen in Besitz und drang im

April 1757 in Böhmen ein. Ehe seine übrigen Gegner im Felde erschienen,

hatte er auch mit England einen festeren Bund geschlossen (Januar 1757).

Im Mai und Juni 1756 hatten England und Frankreich formelle

Kriegserklärungen gewechselt; in dem neuen Vertrage mit Preußen

verpflichtete sich England-Hannover, in Westfalen ein Heer aufzustellen,

eine starke Flotte in die Ostsee zu senden und jährlich eine Million

Lstrl. Subsidien zu zahlen; auch lieferte es Hilfsgelder an die wenigen

deutschen Fürsten, die zu Preußen standen.

Dieser Vertrag war ein Verdienst des älteren =Pitt=, des späteren

Grafen von Chatham, Staatssekretärs des Auswärtigen, des Leiters der

englischen Politik vom November 1756 bis April 1757 und sodann vom Juni

1757 bis Oktober 1761. Er war trotz mancher Gegensätze ein begeisterter

Verehrer Friedrichs II. und rechnete überdies ganz richtig, daß die im

deutschen Kriege angelegten Gelder in Nordamerika, sowie in Ostindien

Zinsen tragen würden. Mit dem Tode Georgs II. (Oktober 1760) schwand

sein Einfluß; Georg III. sah in ihm einen Feind der königlichen Rechte,

bald wurde die Strömung gegen ihn so stark, daß er (5. Oktober 1761)

sein Amt niederlegte, und damit hörten auch die Unterstützungen

Englands an Preußen auf.

Durch dieses preußisch-englische Bündnis tritt =der Seekrieg zwischen

England und Frankreich in Verbindung mit dem Siebenjährigen Kriege=. Der

große König ward in seine gewaltigen Ringen durch englisches Geld sowie

auch durch Truppen wesentlich unterstützt, und Frankreich war genötigt,

neben dem Kampfe gegen Preußen einen See- und Kolonialkrieg zu führen und

seine Küsten gegen englische Angriffe zu schützen. Englands Nutzen aus

dieser Verbindung war jedoch noch größer, denn Frankreich verbrauchte im

Landkriege so viel von seiner Kraft, daß es dem Gegner auf und über See

nicht standhalten konnte. Die Truppen, die es zum Schutz seiner Küsten

zurückbehalten mußte, sowie die Geldmittel, die es notgedrungen und nur

widerwillig für den Seekrieg aufwandte, hätten in dem Kriege mit Preußen

keine ausschlaggebende Rolle gespielt; dagegen muß man allerdings auch

wohl anrechnen, daß Frankreich durch die Vernichtung seines Seehandels

und durch den Verlust seiner Kolonien infolge des Seekrieges stark

geschwächt und dadurch Preußen noch zur rechten Zeit von diesem

gefährlichen Gegner befreit wurde, als es nach Pitts Rücktritt 1761 von

England verlassen war.

=In den See- und Kolonialkrieg trat auch Spanien ein=, allerdings erst

1762. England sowohl wie Frankreich hatten lange versucht, diesen Staat

zu einer engeren Verbindung zu bewegen; letzteres hatte ihm Minorka und

Hilfe zur Rückeroberung Gibraltars angeboten, Pitt sogar die freiwillige

Rückgabe dieses wichtigen Platzes, allerdings zu einer Zeit, 1757, als

die Sache Englands in Nordamerika schlecht stand. Solange Ferdinand VI.

regierte, war jedoch alles vergeblich, anfangs, weil der schwer

gemütskranke König ganz unter dem Einfluß der einsichtigen Königin stand,

dann, weil nach deren Tode alle Geschäfte ruhten. Erst als Karl III. den

Thron bestiegen hatte (1759), gelang es Choiseul, ihn für Frankreich zu

gewinnen und ihn zur Kriegserklärung an England am 1. Mai 1762 zu

bestimmen; England kam dem jedoch durch die eigene Kriegserklärung schon

im Januar zuvor.

$Der Bourbonische Familienvertrag.$ Im ersten Bande ist (Seite 598)

fälschlich ein Defensivbündnis zwischen Spanien und Frankreich schon

mit diesem Namen belegt, während erst das jetzige vom 15. Oktober 1761,

dem auch die spanischen Sekundogenituren Neapel und Parma beitraten,

gewöhnlich so bezeichnet wird. In ihm garantierten sich sämtliche

Herrscherhäuser bourbonischen Stammes ihren gegenseitigen Besitz; der

Vertrag schuf ihnen die Grundlage für eine gemeinsame Politik bis zur

französischen Revolution.

Karl III., bis 1759 König beider Sizilien, war ein Feind Englands, dem

er die Demütigung im Österreichischen Erbfolgekriege (s. Seite 73)

nicht vergessen konnte. Er gab die Neutralität auf, obgleich sie, wenn

auch vielfach von England verletzt, Spaniens Finanzen und Handel zur

Blüte gebracht hatte. Pitt erfuhr frühzeitig von den Verhandlungen und

wollte sofort den Krieg erklären, aber sein Einfluß genügte nicht mehr,

dies durchzusetzen. Als jedoch bald nach seinem Rücktritt die

Silberflotte des Jahres 1761 mit den für einen Krieg nötigen Mitteln

unversehrt eingelaufen war, trat Spanien so anmaßend auf, daß England

sich doch zur Kriegserklärung am 2. Januar 1762 genötigt sah.

=Auch Portugal ward in den Krieg hineingezogen.= Frankreich und Spanien

forderten diesen Staat auf, ihrem Bunde gegen den »Tyrannen der See«

beizutreten und sich dadurch von England freizumachen, das ihm alles Geld

aus dem Lande zöge (vgl. über den englisch-portugiesischen

»Methuen-Vertrag«, Band I, Seite 490). Portugal ging aber nicht darauf

ein in der richtigen Ansicht, daß ein gutes Einvernehmen mit England ihm

nützlicher sei. Frankreich und Spanien fielen nun 1762 in das Land ein,

wurden aber mit englischer Hilfe zurückgeschlagen.

Bei der alten Abneigung zwischen den beiden Staaten der Pyrenäischen

Halbinsel hatte Portugal einen Verbündeten nötig, der zu jeder Zeit

imstande und gewillt zu seinem Schutze, vor allem auch zu dem des so

wichtigen brasilianischen Handels, war. Auf England konnte es sich

verlassen, da für dessen Seemacht die Verfügung über die

portugiesischen Häfen eine große Bedeutung hatte. So blieb Portugal dem

bisherigen Verbündeten treu, obgleich es auch unter Verletzungen der

Neutralität durch England litt. Man gab an, das Bündnis mit England sei

rein defensiver Natur; Frankreich und Spanien erklärten es jedoch für

offensiv, da Englands Flotte nur durch die Benutzung der

portugiesischen Häfen imstande sei, zu allen Jahreszeiten die See zu

halten und dadurch ihren Handel sowie die Bewegungen ihrer Flotten zu

bedrohen.

=Nur Holland blieb neutral= im See- wie im Landkriege. Es war sich seiner

Schwäche zu Wasser und zu Lande bewußt, auch sah es sich nicht bedroht,

da infolge des Bündnisses zwischen Frankreich und Österreich in diesem

Kriege Belgien nicht wie früher Streitobjekt war. Auf Einwirkung

Frankreichs hin band es sich aber auch nicht an den alten Schutzvertrag

mit England, was seinem Seehandel teuer zu stehen kam.

Der Verlauf des Siebenjährigen (Land-)Krieges.

Dieser Landkrieg steht mit unserem Seekriege in keiner näheren

militärischen Beziehung. Wir wollen über seinen Verlauf jedoch soviel

sagen, als nötig erscheint, um bei der Betrachtung des Seekrieges zu

jedem Zeitpunkt den Stand des Landkriegs in Vergleich ziehen, sowie

beurteilen zu können, welche Leistungen er von den Gegnern im Seekriege

verlangte; auch ist dies notwendig für die Beteiligung der schwedischen

und russischen Marinen am Landkriege, die wir später (Kapitel VI,

»Nebenkriege«) behandeln werden.

$1756.$ Friedrich II. wollte durch einen überraschenden Stoß in das

Herz Österreichs hinein die ihn bedrohende Koalition sprengen. Er brach

am 29. August in Sachsen ein, um sich dieses Land als Basis zu sichern.

Am 10. September schloß er das sächsische Heer bei Pirna ein und schlug

ein heranrückendes österreichisches am 1. Oktober bei Lobositz; ein

zweites, das Schlesien bedrohte, wurde durch Graf Schwerin

festgehalten. Die Sachsen ergaben sich am 14. Oktober, das ganze Land

kam nun bald in Besitz des Königs, aber infolge des unerwartet langen

Widerstandes war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten, um den Stoß

gegen den Hauptgegner noch unternehmen zu können; eine verhängnisvolle

Verzögerung, denn im Winter wurden seine Gegner einig und sammelten

ihre Kräfte.

$1757.$ Unter Zurücklassung genügender Truppen zum Grenzschutz brach

König Friedrich mit der Hauptmacht im April in Böhmen ein. Am 6. Mai

wurde ein österreichisches Heer (Karl von Lothringen) geschlagen, in

die Festung Prag geworfen und dort berannt, dann ging Friedrich dem

unter Daun erscheinenden Entsatzheer entgegen, in der Hoffnung, durch

einen zweiten Sieg dem Kriege ein Ende zu machen. Da er aber die

Belagerung Prags aufrechterhielt, wurde er mit seinen unzureichenden

Kräften am 18. Juni bei Kolin geschlagen. Dies war seine erste und

zugleich seine folgenschwerste Niederlage, denn sie machte seinem

Vorwärtsdringen ein Ende; von jetzt an bedrohte man ihn von allen

Seiten, er konnte nur noch um den Bestand seines Staates kämpfen.

Friedrich II. war zu schwach, um allen Gegnern gleichzeitig und gleich

kräftig entgegenzutreten, er strebte deshalb dahin, mit seiner

Hauptmacht stets an der bedrohtesten Stelle zu erscheinen, dann

errungene Vorteile durch die Grenzkorps festhalten zu lassen und sich

selber gegen die nächste größte Gefahr zu wenden. Seine Feldherrnkunst,

die Unterstützung durch tüchtige Generale, die Beherrschung der

kürzeren inneren Linien sowie die erstaunliche Marschfähigkeit seiner

Truppen ermöglichten ihm, die schwierigsten Lagen zu überwinden und die

Gegner schließlich zu ermüden, obgleich auch er schwere Niederlagen

erlitt. Zugute kam ihm, daß die Kräfte der Gegner nicht in einer Hand

und daß ihre Führer oft uneinig waren, endlich auch deren Langsamkeit.

Die Heere waren nach damaligem Brauch bei ihren Bewegungen an Magazine

gebunden; der große König machte sich zuweilen durch unmittelbare

Beitreibungen hiervon frei. Man sagt, er habe den Nutzen dieses

Verfahrens voll gewürdigt, aber nur im äußersten Notfalle davon

Gebrauch gemacht, um es nicht seine Gegner zu lehren, die ihn dann

erdrückt haben würden.

1757 hatten Friedrichs Feinde 500000 Mann aufgebracht, denen dieser nur

250000 (einschließlich seiner Verbündeten und der Festungsbesatzungen)

entgegenstellen konnte. Die Russen drangen in Preußen ein, zwangen mit

Hilfe einer Flotte Memel zur Übergabe (5. Juli), siegten bei

Groß-Jägersdorf (30. August) und bedrohten Königsberg; sie mußten aber

im Herbst zurückgehen, da sie sich in dem verwüsteten Lande nicht

halten konnten. Ein Vorstoß der Schweden in Pommern wurde

zurückgeworfen. Die Franzosen griffen Westfalen an, schlugen die

Hannoveraner (Herzog von Cumberland) bei Hastenbeck (26. Juli) und

breiteten sich in Hannover und Braunschweig aus. Die Reichsarmee im

Verein mit einem französischen Korps unter Prinz Soubise hatte durch

einen Angriff über Thüringen auf Sachsen die Umklammerung Preußens

schließen sollen; ihr galt der erste Stoß des Königs. Er kam von Kolin

mit einem Teil des Heeres durch Sachsen heran -- der andere Teil deckte

Schlesien -- und zerstreute die Verbündeten durch den Sieg bei Roßbach

(5. November); dann befreite er durch die Schlacht bei Leuthen (5.

Dezember) das schon fast ganz verlorene Schlesien bis auf Schweidnitz.

Er hatte also in diesem Jahre seine Staaten sowie Sachsen behauptet.

Das hannoversche Heer wurde im Winter, jetzt auch durch englische

Truppen verstärkt, neu aufgestellt (Herzog Ferdinand von Braunschweig).

$1758$ stellten die Verbündeten 320000 Mann auf. Österreich sollte

gegen Schlesien sowie Sachsen vorgehen, den Russen im Osten, den

Franzosen im Westen die Hand reichen; Friedrich verfügte über 236000

Mann. Ferdinand von Braunschweig trieb im Februar die Franzosen über

den Rhein und siegte am 22. Juni bei Krefeld; wenn er auch dann durch

den Vormarsch eines französischen Korps von Hessen her zum Zurückgehen

gezwungen wurde, so behauptete er sich doch das Jahr über in Westfalen.

Ebenso wurden die Schweden, die fast schon Berlin erreicht hatten, bis

Ende des Jahres nach Stralsund zurückgetrieben. Nur die Russen hatten

im Januar Preußen besetzt und waren dann in Pommern bis Kolberg, in der

Mark bis Küstrin vorgedrungen. Friedrich selber eröffnete den Feldzug

mit der Eroberung von Schweidnitz, rückte in Mähren ein und belagerte

Olmütz. Das seine Verbindungen bedrohende Vorgehen der Österreicher

unter Daun zwang ihn, die Belagerung abzubrechen, doch gelang es ihm,

unbehindert Schlesien zu erreichen, um den Russen entgegenzutreten.

Diese wurden durch den Sieg bei Zorndorf am 25. August aus der Mark

sowie Pommern vertrieben und zogen sich bis hinter die Weichsel zurück.

Der König eilte nach Sachsen, wo Prinz Heinrich von der Reichsarmee und

Daun arg bedrängt war. Er zog diesen, dessen Verschanzungen

unangreifbar waren, durch Bedrohung seiner Magazine nach der Lausitz,

erlitt aber durch den Überfall bei Hochkirch (14. Oktober) eine schwere

Niederlage. Trotzdem entsetzte er das belagerte Neiße und verhinderte

Daun an einem zweiten Vorstoß auf Sachsen. Wieder hatte er seine

Staaten bis auf die Provinz Preußen erhalten und Schwedisch-Pommern

sowie Westdeutschland bis zum Rhein gewonnen.

$1759$ stellten die Verbündeten 392000 Mann, Preußen und

England-Hannover 252000 auf. Die ersteren planten einen konzentrischen

Stoß auf Berlin: Russen und Österreicher von der Oder her, Reichsheer

und Franzosen über Sachsen, die Schweden von Norden, Franzosen über

Hannover; ein zweites österreichisches Heer (Daun) sollte den König im

Süden festhalten. Die vom Süden kommenden Franzosen besetzten schon am

2. Januar Frankfurt a. M. und schlugen Herzog Ferdinand bei Bergen (13.

April). Dieser siegte jedoch bei Minden (1. August) über die von Westen

heranrückenden Franzosen, sowie im November über die Württemberger; er

behauptete das Jahr über Westfalen. Die Schweden breiteten sich in

Schwedisch-Pommern aus. Für Friedrich wurde dies Jahr das

unheilvollste. Er mußte abwarten, wo sein Eingreifen am nötigsten war

oder wo die Gegner sich eine Blöße gäben. Die Russen unter Soltikof und

die Österreicher unter Laudon vereinigten sich bei Frankfurt a. O.; der

General Wedell wurde von den ersteren bei Key (23. Juli) geschlagen.

Als der König dort hineilte, erlitt er die furchtbare Niederlage bei

Kunersdorf (12. August). Dresden ging an das Reichsheer verloren. Da

aber Daun und Soltikof nicht einig waren, versäumten sie die

Gelegenheit, Friedrich zu erdrücken. Prinz Heinrich hielt Daun, der

König Soltikof und Laudon fest, bis letztere im Oktober nach Polen

abzogen; ein Versuch des Königs, Dresden wiederzugewinnen, gelang

jedoch nicht. So blieben ein Teil Sachsens, Schwedisch-Pommern sowie

Preußen in der Gegner Hände; der Feldzug 1759 hatte außerdem des Königs

Heer stark gelichtet.

$1760$ konnte Friedrich II. sein Feldheer nur auf 90000 Mann, dazu

70000 unter Herzog Ferdinand, bringen, während die Verbündeten 430000

zählten; dennoch verlief das Jahr verhältnismäßig günstig. Herzog

Ferdinand behauptete sich, wenn auch mit wechselndem Waffenglück,

weiter, und die Schweden machten keine Fortschritte; die Russen in

Pommern mußten eine Belagerung Kolbergs zu Wasser und zu Lande

aufgeben. In Schlesien und in Sachsen stand es anfangs schlimm; hier

standen Daun und das Reichsheer, dort strebten Russen und Laudon aufs

neue nach Vereinigung. Laudon schlug Fouqué bei Landshut. Der König

wandte sich von Sachsen nach Schlesien, Daun folgte ihm, kehrte dann

aber plötzlich zur Eroberung Dresdens zurück. Da jedoch Laudon Glatz

nahm, Breslau bedrohte, und die Russen gleichfalls im Anmarsch waren,

mußte der König doch nach Schlesien gehen. Unmittelbar rechts vor und

hinter ihm folgten zwei österreichische Korps (Daun und Lascy), während

Laudon ihm entgegenkam; doch der große Feldherr zerriß dieses Netz

durch den Sieg über Laudon bei Liegnitz am 15. August. Auch zu einer

völligen Vereinigung der Österreicher mit den Russen kam es nicht. Nur

eine abgezweigte russische Abteilung drang mit Lascy vereint bis Berlin

vor (Einnahme am 9. Oktober), mußte aber wieder abziehen, als der König

heranrückte; dieser trieb dann Daun, der inzwischen ganz Sachsen

besetzt hatte, durch den Sieg bei Torgau (3. November) wieder auf

Dresden zurück. Friedrich stand mithin nicht schlechter da als zu Ende

1761.

$1761$ waren die Streitkräfte der Gegner etwa die gleichen wie im

Vorjahre und auch der Plan der Verbündeten war nahezu derselbe. Größere

Ereignisse im Felde brachte das Jahr nicht. Der König konnte die

Vereinigung der Russen unter Butturlin und der Österreicher unter

Laudon in Schlesien nicht hindern, wich ihnen jedoch geschickt aus und

bezog endlich eine sichere Stellung im Lager von Bunzelwitz;

Uneinigkeit der feindlichen Feldherren führte zum Abzug der Russen. Es

gelang aber den Österreichern am 9. Oktober Schweidnitz, und den Russen

am 16. Dezember Kolberg zu nehmen; damit hatten sie in Schlesien sowie

Pommern festen Fuß gefaßt.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 17 / 63 段