$Das unmittelbare Eingreifen des Seekrieges in den Landkrieg$ war gering;

es beschränkte sich auf den Kriegsschauplatz in Norditalien. Gemeinsame

Waffentaten von Bedeutung, wie z. B. Angriffe auf Küstenstädte der See-

und Landstreitkräfte, sind jedoch auch hier nicht zu verzeichnen und

kommen nur im Kolonialkriege vor. Mehr tritt die Tätigkeit der Flotten

bei den Versuchen Spaniens und Frankreichs hervor, die Verbindung ihrer

in Italien fechtenden Truppen mit der Heimat aufrecht zu halten, sowie in

dem Bestreben Englands, dieses zu verhindern. Der Einfluß der

Seestreitkräfte auf den Verlauf des Landkrieges ist denn auch zu

bemerken. Eine französisch-spanische Flotte deckte im Winter 1741/42 das

erste Landen der Spanier in Italien. Aber schon das Versprechen Englands,

im Mittelmeere eine starke Flotte halten zu wollen, brachte Sardinien auf

die Seite Österreichs. Englische Geschwader hinderten dann tatsächlich

1742/43 den weiteren Nachschub von Verstärkungen für das spanische Heer

und zwangen Neapel, seine Hilfstruppen zurückzuziehen; dem Vordringen der

Spanier und Franzosen am Lande wurde um diese Zeit ein Ziel gesetzt. Nach

der für Englands Seemacht nicht ruhmreichen Seeschlacht von Toulon (1744)

dagegen, und als 1745 die verminderte englische Flotte im Mittelmeer ihre

Aufgaben nicht voll zu lösen vermochte, beteiligte sich Neapel wieder am

Kriege, und es gelang den Franzosen, ihr Heer in Italien auch über See zu

unterstützen; wir finden die französisch-spanisch-neapolitanischen

Truppen in Piemont und in der Lombardei im Vorteil.

1746 vertreiben die Österreicher ihre Gegner aus Italien und bedrohen

sogar die Provence; allerdings hatten sie durch den Frieden mit Preußen

freiere Hand gewonnen, aber auch die englische Flotte trat in diesem

Jahre wesentlich verstärkt auf. In den meisten Schilderungen des Krieges

wird der Einfluß der englischen Seemacht nur in Hinsicht auf das

Verhalten Sardiniens und Neapels gewürdigt; es dürfte jedoch wohl kein

Zufall sein, daß die Kriegslage überhaupt stets dann für Österreich

günstiger stand, wenn die englische Flotte die See beherrschte. Wir

wollen jedoch nicht behaupten, daß der Einfluß der Seemacht hierbei den

Ausschlag gegeben habe.

$Der mittelbare Einfluß des Seekrieges$ auf den großen europäischen

Landkrieg ist bedeutend gewesen. Alles in allem wurde Frankreich durch

den Mangel an einer starken und leistungsfähigen Marine gezwungen, die im

Landkriege errungenen Vorteile aufzugeben, während England seine Stellung

mit Hilfe der Seemacht rettete, obgleich es nicht einmal den besten

Gebrauch von ihr machte. Um dies zu erweisen, müssen wir zunächst auf

=die Verhältnisse Frankreichs vor dem Kriege= eingehen. In der langen

Friedenszeit hatte dieser Staat aufs neue begonnen, seinen Seehandel und

seinen Kolonialbesitz zu heben. Man behielt aber stets eine europäische

Gebietserweiterung im Auge und ließ sich dadurch bei der ersten

geeigneten Gelegenheit in einen Festlandskrieg verwickeln, obschon ein

gleichzeitiger Seekrieg mit England vorauszusehen war. Bei Ausbruch des

Österreichischen Erbfolgekrieges spielte schon der Kampf auf dem Meere

zwischen England und Spanien, und Frankreich war durch Vertrag gebunden,

Spanien zu decken, außerdem bedrohte die Eifersucht zwischen den

englischen und den französischen Kolonien stets den Frieden. Der große

Landkrieg sog dann die Hilfsquellen des Landes auf; man hatte aber, um

England nicht zu reizen, die Marine verfallen lassen und damit den

Seehandel und die Kolonien, die Haupthilfsquellen, des Schutzes beraubt.

Während des Krieges war man nicht imstande -- auch wohl aus Mangel an

Einsicht für die Bedeutung des Seekrieges kaum geneigt --, die Marine zu

stärken; diese brach schließlich zusammen.

Da ist es kein Wunder, daß der Seekrieg für Frankreich so ungünstig

verlief, daß die Vernichtung des Handels und die dadurch beschleunigte

Erschöpfung des Landes sowie endlich der drohende Verlust der Kolonien

wesentlich zu einem Friedensschluß beitrugen, der bei den Erfolgen im

Landkriege eigentlich demütigend war. Hätte Frankreich eine Marine

besessen, die der englischen entgegentreten konnte, wenn sie dieser auch

nicht gewachsen war, so würde es dank seiner Gewalt über die

österreichischen Niederlande und über Maastricht günstigere

Friedensbedingungen haben durchsetzen können.

$Die Kriegführung Frankreichs zur See$ entsprach der Schwäche seiner

Marine; sie mußte sich auf die Verteidigung beschränken. So finden wir

denn auch nur zwei ernstliche Versuche, zum Angriff überzugehen: das eine

Mal, als man noch vor der Kriegserklärung beabsichtigte, überraschend in

England einzufallen (1744), das andere Mal, als die starke Expedition

nach Nordamerika entsandt wurde (1746). Die Vorbereitung zu einem Einfall

in England (1745), um die Erhebung Schottlands zu unterstützen, ist

wahrscheinlich mehr als eine Demonstration anzusehen. Die Marine

beschränkte sich darauf, den eigenen Handel zu schützen, den englischen

zu schädigen und den Kolonien Verstärkungen zuzuführen. Selbst wenn die

Regierung der Seemacht höhere Aufgaben gestellt hätte und Führer von

hoher Begabung vorhanden gewesen wären, würde ein Kampf um die

Seeherrschaft kaum Erfolge erzielt haben, die von größerem Einfluß auf

den Krieg im allgemeinen sein konnten; wahrscheinlich wäre nur der

Zusammenbruch der Marine beschleunigt worden. Die untergeordneten

Aufgaben hat sie aber einige Jahre hindurch nahezu gelöst.

Zwei neuere französische Marineschriftsteller äußern sich sehr

verschieden hierüber: =Lacour-Gayet= schreibt (Seite 189): »Was fehlte,

um die Führer von Verdienst und die tapfern Schiffsbesatzungen zum

Erfolge zu führen? Der feste Wille der Regierung, die Marine ihren Teil

an der großen Politik nehmen zu lassen! Man benutzte sie zu zwar

bemerkenswerten, aber untergeordneten Unternehmungen, wie die

Kreuzfahrten nach Westindien. Für die entscheidenden Kriegshandlungen

aber, wie den Einfall in England, die Wiedereroberung von Louisbourg,

die Kämpfe in Ostindien, schien man sie nur widerwillig heranzuziehen;

hier bewilligte man nur so ungenügende Mittel, daß das Mißlingen

vorauszusehen war.«

Chabaud-Arnault sagt dagegen (Seite 158; hier gekürzt): »Die meisten

unserer Geschichtschreiber verurteilen den Minister, der die Verwendung

der Marine leitete. Sie gehen viel zu weit! Unsere Marine war infolge

der schändlichen Politik Fleurys völlig ungenügend für ihre wichtige

Aufgabe. Sie konnte nicht um die Seeherrschaft kämpfen und widmete sich

deshalb der einzig möglichen Kriegführung: der Begleitung von Konvois

und der Störung des feindlichen Handels. Hierbei ging sie zugrunde,

aber sie hatte Erfolge, die nicht zu verkennen sind. England wollte uns

die Kolonien nehmen; es ist ihm nicht gelungen und sein Handel ist zum

Teil vernichtet.« Die Auffassung Chabaud-Arnaults dürfte unserem

Erachten nach den Verhältnissen entsprechender sein.

$Die Kriegführung Spaniens$ war durchaus schwächlich. In den europäischen

Gewässern verlautet mit Ausnahme der Truppenüberführung 1741 nach Italien

und der Schlacht vor Toulon 1744 nichts von spanischen Flotten oder

Geschwadern. Der Zustand der Marine muß trostlos gewesen sein. Welch eine

lange Zeit gebrauchte die Flotte in Toulon, um segelfertig zu werden,

obgleich die Franzosen sie mit Material, Mannschaften, ja selbst

Offizieren unterstützten! In Westindien stand es ähnlich. Von den nicht

unbedeutenden Kräften (18 Linienschiffe), die hier 1740 versammelt waren,

wurde nur ein Drittel dazu bestimmt, die bedrohten Besitzungen in

Mittelamerika zu decken; diese Schiffe (6) gingen in Cartagena verloren.

Der Rest lag fast tatenlos, sich gewissermaßen an die Franzosen in Haiti

anlehnend, in Havanna, nur auf den Schutz dieser Stadt und wohl auch auf

den eigenen bedacht. Von hier aus scheinen sie, wie das Zusammentreffen

mit den Engländern (1748) zeigt, in nächster Nähe gekreuzt zu haben, aber

sie machten nicht einmal den Versuch, einzugreifen, als der Feind vor

Santiago de Cuba stand. Infolge der Fehler der Engländer war Spanien

längere Zeit erfolgreich im Kleinen Kriege durch Freibeuter und auch,

besonders in den europäischen Gewässern, durch einzelne Kriegsschiffe;

von diesen fielen jedoch manche den Engländern zum Opfer. In mehreren

dieser Einzelgefechte haben sich übrigens spanische Schiffe tapfer

geschlagen, so auch das Geschwader vor Havanna.

$Die Kriegführung Englands$ entsprach nicht seiner Überlegenheit zur See.

Die englische Marine war 1739 fast dreimal so stark als die spanische.

Trotzdem hatten die Angriffe auf spanische Niederlassungen in Westindien

-- sonst richtig als die geeignetste Maßregel gegen Spanien ins Auge

gefaßt -- keine durchschlagenden Erfolge, im Mittelmeer wurde die

Verbindung Spaniens mit Italien nicht völlig abgeschnitten und selbst im

Kleinen Kriege war England nicht im Vorteil. Überall und besonders in

Westindien hätte man mit stärkeren Streitkräften auftreten müssen, um so

mehr, als man doch damit rechnen konnte und auch tatsächlich rechnete,

daß die Franzosen eingreifen würden. Als der Krieg mit Frankreich dann

wirklich ausbrach, war die Überlegenheit auf seiten Englands zwar nicht

mehr so groß, aber immer noch vorhanden und wuchs fortlaufend

beträchtlich; England trat aber auch weiterhin außerhalb des Kanals nur

selten mit genügender Kraft auf, und so währte es lange, bis die

englische Marine die See beherrschte. Erst im letzten Jahre des Krieges

vermochte England die französische Marine lahmzulegen, die Gegner von

ihren Kolonien sowie von Italien völlig abzuschließen und den Vorteil im

Kleinen Kriege ganz auf seine Seite zu bringen.

Hierdurch wurde nun allerdings Frankreich zum Frieden bestimmt, aber auch

England wünschte ihn, da es seinen Verbündeten, Holland, arg gefährdet

sah und weil der Krieg schon bedeutende Kosten verursacht hatte; das Geld

begann knapp zu werden und jetzt versuchte sogar Holland bei ihm zu

borgen. England hatte in dem langen Kampfe den Handel und die Marinen der

Gegner für den Augenblick vernichtet; es mußte sich aber mit einem

Frieden begnügen, der ihm keine Gebietserweiterungen brachte, ja der

sogar die Hauptursachen des Krieges -- die Entlastung seiner Schiffahrt

von spanischem Drucke in Westindien, die Grenz- und Machtfragen zwischen

seinen und den französischen Kolonien in Nordamerika und in Ostindien --

unerledigt ließ. Bei seiner Überlegenheit zur See hätte man erwarten

können, daß es England gelungen wäre, den eigenen Handel vor größeren

Verlusten zu schützen, den Kampf in Nordamerika und Ostindien zu einem

günstigen Austrag zu bringen, sowie den Gegnern wichtige Besitzungen in

Westindien abzunehmen und mit diesen als Pfand einen schnelleren,

jedenfalls aber vorteilhafteren Friedensschluß zu erzwingen. England

machte jedoch unter einer schwachen Regierung von seiner Seemacht nicht

den richtigen Gebrauch. Weder nach einem klaren strategischen Plane noch

mit voller Kraft wurde die Marine eingesetzt; eine mittelbare Bestätigung

dieser Behauptung wird uns der nächste Krieg bringen, in dem man unter

=William Pitts= Leitung den richtigen Weg einschlug. Hierzu kam, daß auch

die Leistungsfähigkeit der englischen Marine derzeit zu wünschen übrig

ließ.

$Die Gründe für die Lähmung der englischen Marine$ sind also in ihrer

mangelhaften Verwendung und in ihrer derzeitigen geringeren

Leistungsfähigkeit zu suchen; hierüber noch einige Worte. Es zeigte

sich, daß England auf allen auswärtigen Kriegsschauplätzen mit

ungenügenden Kräften auftrat. Dies ist wohl für die ersten Jahre neben

der Abneigung Walpoles gegen den Krieg den unsicheren Zuständen in

England zuzuschreiben. Die Sache der Stuarts war noch lebendig und man

wagte nicht, die Heimat zu sehr von Truppen und Schiffen zu entblößen.

Hierbei sprach wahrscheinlich noch eine falsche Einschätzung der

spanischen und vor allem der französischen Marine mit, gegründet auf

die zahlenmäßige Stärke dieser ohne Rücksicht auf ihren geringen

inneren Wert. Bekannt ist Walpoles Erklärung vor dem Ausbruch des

Krieges 1739, England sei dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht

gewachsen. Außerdem stand für den König Hannover und damit der

Landkrieg im Vordergrund; sein dienstwilliges und schwaches Ministerium

fügte sich hierin, anstatt den Seekrieg in richtige Bahnen zu lenken

und ihn im richtigen Geist zu führen, selbst nicht, nachdem man die

Schwäche der feindlichen Marinen erkannt hatte. =William Pitts=

Auftreten schon in dieser Zeit zugunsten der wahren Interessen Englands

gegen die hannoversche Politik gab den Anlaß, daß der König so lange

zögerte, ihm eine leitende Stellung anzuvertrauen, obgleich die

öffentliche Meinung dies forderte. Seine Neigung, das Augenmerk

vorzugsweise auf den Landkrieg zu richten, wurde dann dadurch bestärkt,

daß Frankreich (seit 1745) den Hauptkriegsschauplatz in die

österreichischen Niederlande verlegte und Holland bedrohte; Länder,

die England ihm seines eigenen Handels wegen unter keinen Umständen

preisgeben wollte. Man erkannte nicht, daß gegen die Erfolge

Frankreichs hier gerade das beste Gegengewicht zu gewinnen war, wenn

man ihm wertvolle auswärtige Besitzungen als Pfand abgenommen hätte.

Aber auch die Marine selber war nach der langen Friedenszeit nicht in

der Verfassung, in der sie hätte sein sollen. Die Verwaltung stand

nicht auf der Höhe. Die Zahl der Schiffe ist zwar ungemein groß und

wird immer größer, aber mehrfach zeigt sich, daß für die fernen

Gewässer bestimmte Geschwader weit später auslaufen, als ursprünglich

geplant war. -- Englische Quellen fügen oft hinzu: »wie gewöhnlich« --

und auch in den heimischen Meeren scheinen die Flotten nicht immer

rechtzeitig bereit gewesen zu sein, so z. B. als im Jahre 1745 ein

Einfall der Franzosen drohte. Ferner war der Nachrichtendienst

mangelhaft, und so konnten französische Geschwader unbelästigt, ja

öfters unbemerkt auslaufen. Auch die anfängliche Überschätzung der

Gegner beruhte wohl hierauf. Die Franzosen waren stets weit besser

unterrichtet, wie schon unter Ludwig XIV. wohl durch die Anhänger der

Stuarts in England. Endlich fehlten im Offizierkorps zu dieser Zeit

vielfach der frische Geist und Schneid, die militärische Vorbildung für

den Krieg, ja sogar teilweise die Disziplin. Beweise hierfür liefern

die Kriegsgerichte über Admiral Lestock und die Kommandanten nach der

Schlacht vor Toulon, über Kommodore Peyton nach dem Gefecht bei

Negapatam und sein Verhalten nach diesem, sowie über Admiral Knowles

nach der Schlacht vor Havanna; ein ähnlicher Fall wie der Peytons

ereignete sich noch 1746 in Westindien, wo ein Kommodore (=Mitchel=)

dem Kampfe mit einem schwächeren französischen Geschwader auswich.

Über diese Schwächen im englischen Offizierkorps haben wir uns schon

früher (vgl. Seite 80 ff.) näher ausgelassen und gleichfalls mehrfach

darauf hingewiesen, daß bei dem englischen Seeoffizier lange Zeit im

18. Jahrhundert das Interesse für die seemännische Seite seines Berufes

die für die militärische überwog; gerade für die Zeit unmittelbar nach

den langen Friedensjahren trifft dies ganz besonders zu. Diese Mängel

haben sicher nicht nur in einzelnen Fällen ihre Wirkung gezeigt,

sondern auch im allgemeinen die Durchführung der Aufgaben der Marine

gelähmt, denn bessere Zustände in der Marine und infolgedessen bessere

Leistungen würden wohl auch die Tätigkeit des Ministeriums dahin

beeinflußt haben, die Seemacht richtiger und kräftiger auszunutzen. Ein

Läuterungsprozeß begann vor der Schlacht vor Toulon; seit 1747 ist ja

auch schon ein Fortschritt zu erkennen, sein Endergebnis kam jedoch

diesem Kriege nicht mehr zugute.

Für die Geschichte der $Entwicklung der Taktik$ (vgl. Seite 36 ff.)

bringt dieser Krieg noch nicht viel Bemerkenswertes; nur zwei rangierte

Schlachten wurden geschlagen: Toulon 1744, Havanna 1748. Diese zeigen uns

aber die beschränkte Auffassung der Taktik in der englischen Marine, nach

beiden werden die Führer kriegsgerichtlich verurteilt, weil sie gegen den

Buchstaben der Vorschrift verstoßen haben. -- Die zwei Schlachten bei

Finisterre gereichen beiden Gegnern zur Ehre. Die englischen Führer

nutzen ihre Überlegenheit richtig dadurch aus, daß sie ohne Ordnung so

schnell wie möglich angreifen und die Melee herbeiführen; die

französischen Admirale halten mit eigener Aufopferung den Gegner fest, um

den ihnen anvertrauten Konvois die Möglichkeit der Rettung zu geben.

$Angriffe auf die feindliche Küste$ fanden in diesem Kriege vielfach

statt und bestätigen die strategischen und taktischen Lehren, die sich

aus den früheren Kriegen ergeben haben[67].

[67] Im ersten Bande auf den Seiten 231, 300, 357, 484. Es ist dabei

auf das sehr lesenswerte Werk des Admirals Colomb »Naval warfare«

verwiesen, in dem »der Kampf um die Seeherrschaft« und »die

Bedingungen, unter denen Angriffe auf Feindesland von See aus

Erfolg haben« an der Hand von Beispielen aus den großen Seekriegen

kritisch beleuchtet worden. Auch nachstehenden Betrachtungen ist

dieses Werk (Kapitel VII, Seite 131, sowie Kapitel XV und XVI)

zugrunde gelegt.

=Zu erfolgreichen Unternehmungen gegen die Seegrenze des Gegners ist

stets die Beherrschung des Meeres nötig.= Der letztbesprochene Krieg

bringt 1744 wieder einen Versuch Frankreichs, ein Heer nach England

überzuführen und hierzu durch die Flotte den Weg freimachen zu lassen.

Als ein vollwertiges Unternehmen, die Seeherrschaft vor der Überführung

zu erringen, kann jedoch dieser Fall nicht gelten; Colomb sagt

bezeichnend: »Es war nicht ein Fall von »Naval warfare«, sondern von

»Naval gambling«.« Denn wenn auch England nicht gerade eine Flotte in

Spithead versammelt hatte und auch nicht genau über den französischen

Plan unterrichtet war, so durfte Frankreich doch nicht annehmen, daß der

Gegner, der schon im Kriege mit Spanien und vor einem solchen mit

Frankreich stand, seine Küsten völlig unbewacht und unbeschützt gelassen

hätte. Zu einem ernsten Kampfe um die Seeherrschaft war aber die

französische Marine zu schwach, und selbst wenn man durch überraschendes

Auftreten Teile der noch nicht zusammengezogenen englischen Streitkräfte

vernichtet hätte, wäre der Erfolg eines Einfalles nicht gesichert

gewesen, da England im Winter vorher zu Wasser und zu Lande stark

gerüstet hatte. Tatsächlich trat ja auch eine überlegene Flotte der

französischen entgegen, und diese konnte von Glück sagen, daß sie heil

davonkam, durch die Witterungsverhältnisse begünstigt. Im Jahre 1745

wurde der gleiche Plan gar nicht ins Werk gesetzt, weil England die See

beherrschte; dieses dagegen unternahm 1746 den aus anderen Gründen

erfolglosen Angriff auf Lorient ganz richtig, als die französische

Atlantikflotte zur Wiedereroberung Louisbourgs abwesend war. -- In den

Kolonien ging man gegen Küstenstädte nur vor, wenn der Angreifer sich vor

feindlichen Seestreitkräften sicher wußte. So nahm =Vernon= 1739/40

Puerto Belo sowie Chagres und beschoß Cartagena, gab aber derartige

Unternehmungen auf, sobald er Kenntnis vom Eintreffen spanischer und

französischer Geschwader in Westindien erhielt.

Als die englischen Seestreitkräfte wesentlich verstärkt waren und die

Franzosen die Station verlassen hatten, folgen in den Jahren 1741-1743

neue Angriffe auf Küstenstädte, dann aber sehen die Engländer wieder bis

1748 (Angriffe auf Port Louis und auf Santiago de Cuba) davon ab, da sie

während dieser Zeit den Gegnern zur See nicht überlegen waren. Die

Ereignisse auf den andern Kriegsschauplätzen liefern gleiche Beispiele.

Die Engländer nehmen (1745) unter dem Schutz eines starken Geschwaders

Louisbourg in Nordamerika. Wäre eine französische Entsatzflotte während

der langdauernden Berennung herangekommen, so würde aus der belagernden

englischen Flotte eine belagerte geworden sein oder sie hätte die

gelandeten Truppen im Stich lassen müssen; die Franzosen wurden aber

durch Blockade in den Heimatshäfen festgehalten. In Ostindien

überwältigen die Franzosen (1746) Madras, weil das englische Geschwader

unter Peyton das Feld räumt -- schon wenn es nur in der Nähe geblieben

wäre, würde es den Angriff verhindert haben, sie müssen das Vorgehen

gegen St. David (1747) aufgeben, als der Gegner wider Erwarten zur See

auftritt; die Engländer greifen Pondichery an (1748), nachdem die

Franzosen die ostindischen Gewässer völlig geräumt hatten.

=Bei der Eroberung von Küstenstädten fällt die Hauptaufgabe den

Landstreitkräften zu=; die Flotte deckt, versorgt und unterstützt diese.

Nach der Zusammenstellung Colombs haben Angriffe durch Seestreitkräfte

allein nur in Ausnahmefällen zur Übergabe eines Platzes geführt, so in

diesem Kriege bei Puerto Belo (1739), Chagres (1739) und Port Louis

(1748). Dabei lagen aber die Verhältnisse besonders günstig für den

Angreifer. Im ersten war die Besatzung schwach und entmutigt, in den

beiden andern konnten die Schiffe auf ganz nahe Entfernung an die

Befestigungen herangehen; in einer solchen Lage hatten aber zu jener Zeit

die Schiffe wegen der ungeheuren Überzahl an Geschützen den Befestigungen

gegenüber einen großen Vorteil. Die Angriffe auf La Guayra (1743), Puerto

Cabello (1743) und Port Louis (1748) durch die Flotte allein führten

nicht zur Übergabe. -- Beispiele eines gemeinsamen Angriffes von Land-

und Seestreitkräften sind die Berennungen von Cartagena (1741), Santiago

de Cuba (1741), Pondichery, Louisbourg und Madras. Besonders in den

beiden zuletzt genannten Fällen nahmen Flotte und Heer die ihnen

zukommende Aufgabe wahr und erzielten einen Erfolg. Wenn solcher in den

anderen Fällen ausblieb, so lag dies an Fehlern oder an mangelnder

Tatkraft bei der Berennung vom Lande her; Uneinigkeit zwischen den

einander gleichgestellten Führern der beiden Waffen sowie ungünstige

Klimaverhältnisse traten hinzu. Das Unternehmen der Engländer gegen

Lorient kann hier nicht herangezogen werden; es war schon in seiner

Anlage verfehlt und ermangelte jeder Energie.

=Ein bemerkenswerter Ausspruch Colombs= sei noch angeführt. Er sagt

(Seite 359 ff., hier kurz zusammengefaßt): »Dieser Krieg bringt uns den

Anfang jener höheren Strategie, nicht an Ort und Stelle und unmittelbar

unsere (Englands) fernen Besitzungen zu schützen und unsere Flotten in

den fernen Meeren zu stärken, sondern mittelbar und in den heimischen

Gewässern dadurch, daß man die wichtigen europäischen Häfen des Gegners

bewacht und diesen hindert, Verstärkungen hinauszusenden. Von 1747 an

geschah dies und mit Erfolg; man hatte wohl eine Lehre aus dem Fehler

gezogen, den man 1746 begangen, indem man die große französische Flotte

nach Nordamerika auslaufen nach Nordamerika auslaufen ließ «.

[Illustration]

* * * * *

[Illustration]

Viertes Kapitel.

Der Siebenjährige See- und Kolonial-Krieg zwischen England und

Frankreich (Spanien) 1756-1763.

Die politischen Verhältnisse vor Ausbruch des Krieges.

Die Friedensschlüsse von Dresden (1745 zwischen Österreich und Preußen)

und von Aachen (1748 zwischen den übrigen Gegnern im Österreichischen

Erbfolgekriege) trugen den Keim zu neuen Kämpfen in sich.

=Österreich= wollte weder auf Schlesien verzichten noch Preußens

Großmachtstellung anerkennen; von gleichen Gefühlen der Eifersucht war

=Rußland= erfüllt. Besonders von ihm, wo seit der Thronbesteigung

=Elisabeths= die altrussische Partei am Ruder war, ging der Anstoß zu

einem neuen Kriege aus, schon 1749 versuchte man, Österreich, Sachsen,

sowie England zum Angriff auf Preußen zu bestimmen. Standen diese Mächte

auch seit 1748 im Bündnis unter sich und mit Rußland, so hatten sie doch

zunächst noch keine Neigung, sich aufs neue in einen Krieg zu stürzen.

=Friedrich= II. mußte in Frankreich seinen einzigen Bundesgenossen sehen,

er blieb deshalb nach 1748 in enger Verbindung und schloß noch 1753 einen

Handelsvertrag mit ihm.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 16 / 63 段