$Gefecht bei Negapatam, 7. Juli 1746.$ Das französische Geschwader

zählte 1 Linienschiff zu 74 Kanonen und 8 Kompagnieschiffe: 1 zu 38, 1

zu 36, 6 zu 30 Kanonen. Es ist schon früher erklärt (Seite 57), weshalb

man die Schiffe der Kompagnie trotz ihrer Größe nicht als vollwertige

Schlachtschiffe ansehen kann; an Zahl und Kaliber der Geschütze waren

sie weit unterlegen, dagegen hatte sie Labourdonnaye stark bemannt und

besonders auf Entern eingeübt. =Peyton= verfügte über 1 Schiff zu 60

Kanonen, 3 zu 50, 1 zu 40 und 1 zu 20 Kanonen. =Labourdonnaye= lag am

7. Juli vor Negapatam, einer holländischen Ansiedlung, zu Anker, und

ging sofort in See, als das englische Geschwader bei nördlichem Winde

zu Luward in Sicht kam. Er hatte die Absicht, den Enterkampf

herbeizuführen, konnte aber nicht herankommen, da sich =Peyton= mit

seinen besser segelnden Schiffen dicht am Winde hielt. So entspann sich

nur von 4 bis 7 Uhr nachmittags ein Feuergefecht auf mittlere

Entfernungen, in dem die Engländer etwa 60 und die Franzosen gegen 70

Tote und Verwundete einbüßten; die Schiffe wurden wenig beschädigt.

=Peyton= räumte während der Nacht das Feld; er wurde später durch

seinen Nachfolger unter Arrest nach England gesandt, aber dort nicht

weiter zur Verantwortung gezogen.

Das englische Geschwader gab dem französischen nicht nur den Weg nach

Pondichery frei, es ließ sogar Madras ohne Schutz, indem es nach Ceylon

segelte. =Labourdonnaye=, der auf seinen Schiffen bedeutende Gelder und

Vorräte für Pondichery an Bord hatte, ging nach diesem Hafen und trat mit

=Dupleix= über weitere Maßnahmen in Beratung.

Von jetzt an wurde das Verhältnis zwischen den beiden Führern gespannt.

=Labourdonnaye= wollte vor allem die englischen Seestreitkräfte

vernichten. Er bat zu diesem Zweck um Überlassung von 60 schweren

Geschützen für seine Schiffe; Dupleix gab ihm nur leichte, weil er die

Werke der Stadt nicht zu sehr schwächen wollte. Das Geschwader lief am 4.

August aus, um die Engländer zu suchen. Die Gegner sichteten sich auch,

wieder vor =Negapatam=, am 17.; es kam aber zu keinem Zusammenstoß,

obgleich sie drei Tage in Sicht voneinander blieben, da =Peyton=

beständig auswich. Dieser ging dann auf die Rhede von Pulicat (nördlich

von Madras), lag dort längere Zeit untätig und segelte schließlich sogar

Anfang September nach Bengalen (bei den vorherrschenden Winden nach

Lee!), obgleich Madras inzwischen bedroht war.

Labourdonnaye hatte bei seiner Rückkehr nach Pondichery den Vorschlag

gemacht, das Fort St. David anzugreifen; Dupleix hielt diesen Platz für

zu unwichtig und verlangte die Vernichtung des englischen Geschwaders

oder einen Angriff auf Madras; hiergegen wandte der Admiral wieder ein,

die Engländer wichen ihm zur See stets aus, so lange sie jedoch

gegenwärtig wären, sei ein Unternehmen gegen Madras zu gewagt -- es

scheint, als ob er doch die besseren Schiffe des Gegners gefürchtet habe.

Durch den Gouverneur mit seinem Rat vor die Wahl gestellt, entweder eine

der geforderten Aufgaben zu übernehmen oder sein Kommando niederzulegen,

entschloß sich Labourdonnaye endlich Ende August zum Angriff auf Madras.

Kurz vorher waren seine Schiffe -- er selber lag krank -- vor Madras

gewesen und hatten die Stadt kurze Zeit beschossen; da nun Peyton selbst

daraufhin nicht erschien, ja sogar nach Bengalen ging, von wo er des

Windes halber so leicht nicht zurückkommen konnte, brauchte Labourdonnaye

mit ihm nicht mehr zu rechnen.

$Die Einnahme von Madras$ durch die Franzosen. 21. September 1746. Am 12.

September ging die Expedition von Pondichery ab, am 14. wurden 2000 Mann

(1000 Europäer und 1000 Indier) gelandet. Madras war in keiner Weise auf

eine Belagerung vorbereitet. Als das französische Geschwader in

Pondichery eintraf, bat der Gouverneur, =General Morse=, den Nabob von

Carnatic um Beistand, wie es vor zwei Jahren die Franzosen getan hatten;

der englische Agent verstieß aber derartig gegen die üblichen Formen, daß

er nur eine ausweichende Antwort erhielt und vom Nabob kein Verbot an die

Franzosen erging. Dennoch, obgleich auch das Fort St. Georg nur 300 Mann

Besatzung hatte, und man von den Seestreitkräften im Stich gelassen war,

lehnte der Gouverneur eine Übergabe zunächst ab und kapitulierte erst

nach mehrtägiger Beschießung am 21. September. Die Garnison und sämtliche

Engländer wurden kriegsgefangen, alle Waren und Güter wie Fort und Stadt

Eigentum der Franzosen. Aber bei Abschluß des Übergabevertrages hatte

Labourdonnaye durchblicken lassen, daß er geneigt sei, die Stadt gegen

ein Lösegeld zurückzugeben; nach der Übergabe begann er darüber mit Morse

zu verhandeln, trotzdem Dupleix und sein Rat in Pondichery dem Gedanken

auf das schärfste entgegentraten. =Diese Angelegenheit führte zum

völligen Bruch zwischen Labourdonnaye und Dupleix.=

=Dupleix= hatte gerade am 21. September vom Nabob von Carnatic die

Weisung erhalten, die Belagerung sofort aufzuheben, widrigenfalls

dieser eingreifen würde. Er antwortete, er wolle Madras, sobald es

eingenommen sei, dem Nabob ausliefern; hiervon gab er dem Admiral

Kenntnis. Dieser hatte inzwischen dem Gouverneur den Sieg gemeldet und

hinzugefügt: »Wenn man die Stadt zerstöre, würden sich die Engländer an

einem anderen Platze niederlassen; sie zur französischen Kolonie zu

machen, verböte seine Instruktion von 1741, nach der er keine

Eroberungen behufs dauernder Inbesitznahme machen dürfe. Er sei für ein

Lösegeld; dieses wäre für die Kompagnie und auch für den siegreichen

Führer sowie seine Offiziere und Soldaten(!) ein großer Vorteil, und

der englische General sei bereit, es in Wechseln auf England zu

erlegen.« Dupleix wollte hiervon nichts hören. Er mußte fürchten, daß

England die Wechsel nicht einlösen und daß die nächste englische Flotte

die Stadt zurückerobern würde. Er wollte also diese zerstören und durch

Zurückgabe ihrer Trümmer dem Nabob gefällig sein, sowie den Engländern

schaden. Labourdonnaye setzte aber seine Verhandlungen fort, obgleich

Dupleix immer schärfere Sprache brauchte und sogar eine

neueingetroffene Verfügung der Kompagnie sandte, nach der der Admiral

zwar eine Stimme im Rat haben solle, aber verpflichtet sei, die

Beschlüsse dieser Körperschaft durchzuführen. Der Admiral erklärte

hierauf, er nähme nur Befehle vom Minister an; die Beamten, die der

Gouverneur zur Übernahme der Geschäfte in Madras gesandt hatte, setzte

er gefangen[64].

[64] Genaueres über diesen Streit, der schon während der Belagerung

begann und bis zum 18. Oktober dauerte, vgl. Zimmermann, Band II,

Seite 303 ff., und Band IV, Seite 177 ff.

Abgesehen von der Meinungsverschiedenheit über das Schicksal der Stadt

und die Art der Kriegführung, haben sicher auch persönliche Beweggründe

zum Bruch zwischen den Führern beigetragen. Der Admiral wollte sich

nicht unter den Befehl des Rates stellen; der Gouverneur sah sich durch

Labourdonnaye in seiner Würde sowie in seinen Rechten verletzt und

seine ganze Politik dem Nabob gegenüber in Frage gestellt; auch ging

das Gerücht, der Admiral sei von den Engländern bestochen.

=Dupleix= hatte nicht die Macht, seine Ansicht durchzusetzen, da die

Offiziere der Expedition zum Admiral hielten und auch die dreier

Linienschiffe, die am 8. Oktober von Frankreich ankamen, sowie die von

verschiedenen Kompagnieschiffen, die bisher bei Sumatra gekreuzt hatten,

auf dessen Seite traten. =Labourdonnaye= schloß am 27. September den

Vertrag über ein Lösegeld von 421 666 Lstrl. ab, der am 18. Oktober

bestätigt und dahin ergänzt wurde, daß Madras am 1. Januar 1747

zurückzugeben sei. Der Admiral hatte sich beeilen müssen, da er der

Jahreszeit halber nicht länger an der Küste bleiben konnte; schon am 13.

Oktober waren in einem Sturme drei Schiffe gesunken und mehrere schwer

beschädigt. Nach notdürftiger Ausbesserung traf er dann am 27. Oktober

vor Pondichery ein; er war durch die erwähnten Verstärkungen trotz der

Verluste immer noch in der Lage, den Beschlüssen des Gouverneurs und des

Rates zu trotzen. Die Uneinigkeit dauerte fort. Um im nächsten Jahre dem

Feinde zur See wieder kräftig entgegentreten zu können, verlangte

Dupleix, die Schiffe sollten in Atchin überwintern; Labourdonnayes Plan

war, sie in Goa gründlich auszubessern und dort noch einige zum

Kriegsdienst auszurüsten. Da ihm der Gouverneur Geldmittel, Geschütze und

Leute zu diesem Zweck verweigerte, ging er mit den Schiffen seines

ursprünglichen Geschwaders über Isle de France nach Frankreich

zurück[65]. Die neu herausgekommenen Linienschiffe begaben sich zum

überwintern nach Atchin.

[65] =Labourdonnaye= wurde in die Bastille gesetzt, aber nach drei

Jahren freigelassen. Die Bestechung konnte man ihm nicht

nachweisen; in England ist sie später aktenmäßig festgestellt

(40000 Lstrl.; vgl. Zimmermann, Band II, Seite 303). In einer

Verteidigungsschrift regte L. noch die öffentliche Meinung gegen

Dupleix auf. Er starb 1753.

=Dupleix= war jetzt Herr des eroberten Madras und blieb es während der

Dauer des Krieges trotz verschiedener Bedrohungen. Schon Ende des Monats

Oktober sandte der Nabob von Carnatic, durch die Engländer veranlaßt, ein

Heer von 10000 Mann, da die Franzosen keine Miene machten, die Stadt

auszuliefern; Dupleix würde dies getan haben, wenn Labourdonnaye die

Befestigungen geschleift hätte, so aber fürchtete er, daß sie wieder in

die Hand der Engländer fielen. Er befahl indes, einen Zusammenstoß mit

den Indern zu vermeiden. Als diese dann aber eine französische

Verstärkung von 1000 Mann auf ihrem Marsche von Pondichery nach Madras

angriffen, wurden sie am 4. November blutig zurückgewiesen; dies war der

erste entscheidende Sieg von Europäern über Truppen des Mogul. Nun fühlte

sich Dupleix sicher in Madras; er erklärte den Vertrag Labourdonnayes für

ungültig, beschlagnahmte aufs neue Vorräte und Waren und wies die

Engländer aus, die Frankreich nicht huldigten. Diese zogen nach Fort St.

David ab.

$Angriff der Franzosen auf Fort St. David 1747.$ Hier und in der

benachbarten Stadt Cuddalore befand sich jetzt die englische Verwaltung

der Koromandelküste, und von hier aus wurde weiter gegen die Franzosen

beim Nabob intrigiert. =Dupleix= wollte deshalb diese letzten englischen

Plätze nehmen. Er sandte im Dezember 1746 von Pondichery 1600 Mann mit 12

Geschützen ab; wider Willen mußte er den Befehl dem =General de Bury=,

als dem dienstältesten Offizier, übertragen, einem wenig befähigten und

überalterten Manne. Die Engländer verfügten nur über 300 Europäer und

1000 Inder; sie würden wohl unterlegen sein, aber de Bury ließ sich durch

den Nabob überfallen und zum Rückzug nötigen.

Als $im Januar 1747$ die Schiffe von Atchin zurückkamen, hätte ein

Angriff wohl Erfolg gehabt, Dupleix sah aber, wohl im Hinblick auf die

geringe Befähigung seines Generals, vorläufig davon ab. Er benützte

zunächst die Anwesenheit der Schiffe zur Einschüchterung des Nabobs.

Dieser, trotz des letzten Erfolges entmutigt und des Krieges müde, ließ

sich auch bestimmen, auf die Rückgabe der Stadt Madras zu verzichten und

sich von den Engländern loszusagen. Nun erst beschloß Dupleix,

vorzugehen. Die Schiffe, die den englischen Seestreitkräften doch nicht

gewachsen gewesen wären, schickte er zwar nach Goa, aber er setzte beim

Rate die Ernennung eines jungen und befähigten Offiziers -- des Schweizer

=Paradis=, von Beruf Ingenieur -- zum Oberbefehlshaber durch und ließ ihn

am 13. März gegen St. David marschieren. Der günstige Augenblick war

jedoch verpaßt. Als die Truppen vor dem Fort erschienen, fanden sie auf

der Rhede ein starkes englisches Geschwader -- 3 Schiffe zu 60, 3 zu 50,

3 zu 40, 1 zu 20 Kanonen -- vor; zu den Schiffen in den bengalischen

Gewässern war nämlich kurz vorher eine Verstärkung unter =Kontreadmiral

Thomas Griffin= gestoßen, der auch den Oberbefehl an Peytons Stelle

übernommen hatte. Paradis mußte nach Pondichery zurück, das nun selber

bedroht schien. Die Engländer fühlten sich jedoch zu einem Vorgehen auf

dem Lande zu schwach und begnügten sich damit, die französischen

Besitzungen von der See abzuschneiden. Dupleix beorderte seine Schiffe in

Goa nach Isle de France, um dort Verstärkungen zu suchen. So verging das

Jahr 1747 ohne besondere Ereignisse.

$Im Juni 1748$ erschien ein französisches Geschwader, 9 Schiffe stark,

von Isle de France an der Koromandelküste; es bestand aus den bei der

Insel bereits befindlichen Schiffen und den fünf, die unter dem Befehl

des Kapitäns =Bouvet de Lozier= der Vernichtung bei Kap Finisterre (vgl.

Seite 88) entgangen waren. Wieder überwog das englische Geschwader an

Gefechtswert, aber Bouvet gelang es, durch geschickte Manöver, den

englischen Führer =Griffin= zu täuschen. Er landete unbelästigt 300 Mann,

Vorräte sowie eine größere Geldsumme in Madras und kehrte dann nach Isle

de France zurück, weil er Kenntnis von der bevorstehenden Ankunft eines

weiteren starken englischen Geschwaders hatte. Während =Griffin= in See

gewesen war, um Bouvet zu treffen, hatte =Dupleix= den Versuch gemacht,

St. David zu überrumpeln; er mißlang, da der neue Kommandant, Major

Lawrence, kurz zuvor mit geringen Verstärkungen aus England eingetroffen,

auf seiner Hut gewesen war.

$Angriff der Engländer auf Pondichery 1748.$ Jetzt wurde die Lage der

Franzosen in Indien bedenklich. Sie waren von Frankreich abgeschnitten

und konnten bei dem Zustand der Marine keine Verstärkung ihrer

Seestreitkräfte mehr erwarten; der Gegner beherrschte die See und sah

neuem Zuzug entgegen. Wäre der letzte Überfall auf St. David gelungen, so

hätten die Engländer wenigstens keinen Stützpunkt am Lande gehabt. Aber

=Dupleix= verlor den Mut nicht. Er befestigte Pondichery weiter und schuf

zwei Meilen von der Stadt einen wichtigen Außenposten, Ariancopan, den er

Paradis unterstellte.

In England hatte der Fall von Madras Empörung erregt und nicht nur die

Kompagnie, sondern auch die Regierung zu großen Aufwendungen veranlaßt.

Ende 1747 ging =Kontreadmiral Boscawen= mit 10 Linienschiffen sowie 11

Schiffen der Kompagnie, die viele Vorräte und 1500 Soldaten an Bord

hatten, in See; am Kap der Guten Hoffnung schlossen sich 6 Schiffe der

holländisch-ostindischen Kompagnie mit 400 Mann an. Eine derartig große

europäische Flotte hatte der Osten bisher noch nicht gesehen.

=Boscawen sollte zunächst die Inseln Isle de France und Bourbon

wegnehmen.= Er erschien am 4. Juli 1748 vor Isle de France, da er jedoch

nach seinen Erkundungen die Insel für zu stark befestigt und besetzt

hielt, segelte er drei Tage später nach Indien weiter, zumal da die

Jahreszeit für Unternehmungen an der Koromandelküste schon reichlich

vorgerückt erschien. Allerdings hatte man in Isle de France alles

mögliche für die Befestigungen getan, aber es standen nur 500 Soldaten

und 1000 Seeleute zur Besetzung bereit; ein Angriff wäre mithin nicht

aussichtslos gewesen. Am 11. August erreichte die Flotte St. David und

vereinigte sich mit dem dort schon befindlichen Geschwader. Nachdem man

einige Schiffe von diesem, die schon lange draußen waren, heimgesandt und

einige andere zu besonderen Zwecken abgezweigt hatte, verfügte =Boscawen=

an Kriegsschiffen über 1 zu 74, 1 zu 64, 4 zu 60, 4 zu 50, 4 zu 8-24

Kanonen und mit den vielen armierten Ostindienfahrern insgesamt über 30

gefechtsfähige Segel. Am Lande standen, einschließlich der Seesoldaten

der Schiffe, gegen 5200 Mann Fußtruppen (darunter 3700 Europäer) und etwa

2000 eingeborene Reiter. =Dupleix= hatte nur 1800 Europäer und 3000

Inder. Trotzdem wurde =der Angriff auf Pondichery= abgeschlagen.

=Admiral Boscawen= leitete den Angriff am Lande. Am 18. August rückten

die Truppen von St. David gegen Pondichery vor und schlossen die Stadt

ein, die durch die Flotte unter =Kapitän Lisle= blockiert wurde.

=Dupleix= verteidigte sich mit größter Bravour und verlor auch den Mut

nicht, als Truppen des Nabob zu den Engländers stießen (wohl die schon

erwähnte indische Reiterei). Ein Angriff auf das Außenwerk Ariancopan

wurde blutig zurückgeschlagen und bei einem Ausfall aus ihm sogar der

tüchtigste englische Offizier, Major =Lawrence=, gefangen genommen;

leider fiel auch Paradis dabei. Das Fort mußte dann allerdings infolge

einer Explosion geräumt werden; die weitere Berennung der Stadt machte

jedoch keine Fortschritte, obgleich sich noch die Flotte an der

Beschießung beteiligte. Die Schiffe konnten des flachen Wassers halber

nicht nahe genug herankommen; die englischen Quellen schieben die

Schuld im übrigen auf die Unfähigkeit der Landoffiziere, insbesondere

der Ingenieure. Als die Regenzeit einsetzte und die Truppen schwer

unter Krankheit litten, mußten die Engländer die Belagerung aufgeben;

sie gingen am 14. Oktober nach St. David zurück. Die Franzosen hatten

200 Europäer und 50 Eingeborene verloren, die Engländer büßten 1065

Tote ein. Bemerkenswert ist, daß bei dieser Belagerung der =Fähnrich

Clive=, der später so berühmte Gouverneur von Indien, zuerst von sich

reden machte.

=Dieser Mißerfolg war ein großer Schlag für die Engländer.= Das Ansehen

der Franzosen, insbesondere des Generalgouverneurs Dupleix, wuchs bei den

eingeborenen Fürsten ungemein; viele dieser sandten Glückwünsche.

=Dupleix= rüstete nun seinerseits wieder zum Angriff. Zu Anfang $des

Jahres 1749$ trafen 200 Soldaten sowie einige Geldmittel von Frankreich

ein, auch kamen 7 Schiffe von Isle de France nach Madras; ehe jedoch die

Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, erhielt man Kenntnis vom

Friedensschluß. Die englische Flotte, die nach der Belagerung von

Pondichery während der schlechten Jahreszeit nach Atchin und Ceylon

gegangen war, kehrte im Januar 1749 gleichfalls nach St. David zurück;

sie beschränkte sich jedoch, von dem Frieden schon unterrichtet, auf die

Beobachtung des französischen Geschwaders in Madras.

Im Frieden zu Aachen wurde, wie schon bekannt, =Madras gegen Louisbourg

an England ausgeliefert=. Die Übergabe erfolgte im August 1749 und war

ein schwerer Schlag für Dupleix, der schon bedeutende Mittel für bessere

Befestigung aufgewendet hatte. Die Engländer ernteten nun die Früchte

seiner Arbeit und besetzten auch sogleich noch den ehemalig

portugiesischen Platz Sao Tomé, vier Meilen südlich von Madras gelegen.

$Im übrigen Indien$ waren kriegerische Ereignisse nicht vorgekommen. In

=Bengalen=, wo beide Völker Niederlassungen in naher Nachbarschaft

besaßen, hatte dies der Nabob des Moguls verhindert; er erhob von beiden

Seiten Kontributionen, von den Engländern etwa 100000 Lstrl. =Der Handel

der englisch-ostindischen Kompagnie= hatte sich während des Krieges sogar

gehoben, da die englischen Seestreitkräfte den der anderen Staaten

lahmlegten. Die englische Ausfuhr nach Indien stieg von 568000 Lstrl.

(1745) auf 834000 Lstrl. (1748).

Der Kleine Krieg.

Über den Kampf um den Handel -- Schutz des eigenen, Schädigung des

feindlichen -- im Österreichischen Erbfolgekriege enthalten die Quellen

nicht so genaue Angaben wie bisher. Gelegentliche Andeutungen rufen den

Eindruck hervor, als ob diese Art der Kriegführung nach der langen

Friedenszeit auf beiden Seiten nicht mit der gleichen Tatkraft betrieben

worden sei wie in den früheren und auch wieder in den nächstfolgenden

Kriegen[66]. In Frankreich fehlt das planmäßige Vorgehen mit eigens dazu

gebildeten Divisionen, wie es die Minister Pontchartrin, Vater und Sohn,

in den Kriegen 1688-1697 und 1702-1713 vorbereitet hatten; die Marine war

bei ihrer jetzigen Schwäche durch die Bestrebungen zum Schutze der

Kolonien vollauf in Anspruch genommen.

[66] Auch =Mahan=, der (Band I, Seite 126, 188 und 526) für seine

Betrachtungen »über den Wert des Kreuzerkrieges«, die wir in

unserem ersten Bande (Seite 304 und 471) teilweise wiedergegeben

haben, die sämtlichen früheren sowie späteren Kriege benutzt,

zieht hierbei den Österreichischen Erbfolgekrieg nicht heran.

Auch England leistete im Kleinen Kriege nicht das, was man bei seiner

Überlegenheit zur See hätte erwarten können; hier lag der Grund wohl in

der zur Zeit herabgesetzten Leistungsfähigkeit der Marine. Der Kampf um

den Handel in Westindien wurde, wie erwähnt, englischerseits nicht mit

genügender Kraft durchgeführt, weil man bis 1744 die Seestreitkräfte zu

schließlich doch unfruchtbaren Unternehmungen gegen spanische

Niederlassungen zusammenhielt und weil man nach diesem Jahre den

vereinigten Gegnern nicht überlegen genug war, um die See zu beherrschen.

Aber auch in den europäischen Gewässern waren die englischen

Seestreitkräfte sowohl während des Krieges mit Spanien allein, wie später

an der spanischen Küste und im Mittelmeer nicht imstande, den eigenen

Handel genügend zu schützen; im Kanal und in der Biscaya war dies ja bei

der günstigen Lage französischer Häfen als Stützpunkte für Kreuzer und

Freibeuter auch früher schon schwierig gewesen. Erst von 1747 an wurde es

überall leichter, als die Marine Frankreichs vom Meere verschwunden und

auch seine Kaper größtenteils weggefangen waren. »20000 Matrosen, die

Besatzungen der Freibeuter,« sagt Bonfils, »schmachteten in englischen

Gefängnissen.« Andrerseits war nach und nach frischeres Leben in die

englische Marine gekommen und man hatte die Zahl der für den Kleinen

Krieg besonders geeigneten Schiffe wesentlich vermehrt.

Damit soll nun aber keineswegs gesagt sein, daß der Kampf um den Handel

keine bedeutende Rolle in diesem Kriege gespielt habe. Bei der

Schilderung der kriegerischen Ereignisse sind die Operationen und Kämpfe

um größere Konvois bereits zur Sprache gekommen. Von beiden Seiten

kreuzten außerdem zahlreiche Kriegsschiffe und Freibeuter, und in

Frankreich wurden, wie schon in den früheren Kriegen, Schiffe der

königlichen Marine Privatpersonen zu diesem Zwecke überlassen. =Die

Verluste an Handelsschiffen= bezeugen den bedeutenden Umfang des Kleinen

Krieges. =Es verloren=: die Spanier 1249, die Franzosen 2185 = 3434

Schiffe. Die Engländer durch Spanier 1360, durch Franzosen 1878 = 3238

Schiffe. Man darf jedoch aus diesen Angaben weder schließen, daß die

Gegner Englands tätiger gewesen seien, noch daß der englische Handel im

großen ganzen ebenso gelitten habe wie der seiner Feinde. Da

die Schiffahrt Englands weit bedeutender war, bot sie mehr

Angriffsgelegenheit, und aus gleichem Grunde steht die Zahl der

verlorenen Schiffe für England in einem ganz anderen Verhältnis zur

Gesamtzahl der Handelsfahrzeuge, als bei Spanien und Frankreich. Die

Schiffahrt dieser Länder war durch den Verlust nahezu lahmgelegt, ihr

Handel vernichtet, der englische durchaus nicht. Da ferner viele den

Spaniern abgenommene Schiffe einen ungeheuren Wert hatten, war der durch

die Prisen gemachte Gesamtgewinn Englands größer als sein Gesamtverlust;

man nennt einen Überschuß von 2 Millionen Lstrl. Ferner hemmte der

Ausfall der verlorenen Schiffe keineswegs den Handel des Landes; dieser

nahm sogar zu, je mehr der der andern Völker abnahm. Nach Zimmermann

(Band II, Seite 311) hatte der Gesamthandel Englands 1744 einen Wert von

17791000 Lstrl., im Jahre 1748 aber einen solchen von 20487000 Lstrl.

Die Ergebnisse des Kleinen Krieges haben sicher dazu beigetragen, beide

Parteien dem Frieden geneigter zu machen. In Frankreich verschlechterten

sie die ohnehin schon bedenkliche Finanzlage noch wesentlich, aber auch

in England wurden trotz der günstigen Bilanz zwischen Gewinn und Verlust

sowie der Zunahme des Handels im allgemeinen die betroffenen Kreise des

Krieges müde.

Schlußbetrachtungen.

Der besprochene Seekrieg ist der Anfang einer fast ununterbrochenen Reihe

von Kämpfen zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert, aus denen

England schließlich als Alleinherrscherin auf dem Meere und als erste

Kolonialmacht hervorging. Er brachte in letzter Beziehung noch keine

Ergebnisse von Bedeutung, wie denn der Österreichische Erbfolgekrieg

überhaupt nahezu ergebnislos blieb. Auch die Kriegführung selber in ihm

erweckt nicht das gleiche Interesse wie in den anderen großen

Seekriegen. Er regt aber doch zur Betrachtung verschiedener Punkte an,

die in geschichtlicher, insbesondere seekriegsgeschichtlicher Hinsicht

bemerkenswert und lehrreich sind. Im Nachstehenden soll versucht werden,

diesen kurz gerecht zu werden.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 15 / 63 段