den Hafen blockierten und jede Zufuhr abschnitten. =Warrens= Kräfte
bestanden bald aus 3 Schiffen zu 60, 1 zu 50, 3 zu 40 Kanonen und
mehreren kleineren, so daß er unbedingt Herr der See war. Er nahm
verschiedene Schiffe, so auch ein Linienschiff zu 64 Kanonen, das
Kriegsvorräte in die Stadt werfen sollte; dies war das einzige
Kriegsschiff, das zur Unterstützung von Frankreich kam, nachdem die
entsandte Fregatte die Nachricht vom Angriff dorthin überbracht hatte.
Wahrscheinlich sah man sich außerstande, mehr zu senden, teils weil die
Heimatshäfen blockiert wurden, teils weil in diesem Jahre zwei größere
Divisionen nach Westindien abgegangen waren.
Warren versuchte, die Batterie auf der Insel mit Booten zu nehmen, aber
der erste Angriff scheiterte infolge von Nebel und der zweite wurde
blutig abgeschlagen, da die Franzosen die Besatzung beträchtlich
verstärkt hatten. Dagegen erbaute die Flotte gegenüber der Stadt an der
nur eine Seemeile breiten Einfahrt eine die Insel beherrschende
Batterie, und die Truppen nahmen einige Werke der Landseite ein. In der
Festung begannen Munition und Proviant knapp zu werden, auch erfuhr
man, daß auf eine Unterstützung von der Heimat nicht zu rechnen sei,
während die Belagerer Zufuhr an allem Nötigen erhielten. So
kapitulierte denn die Stadt am 26. Juni, als die Belagerer nach
wirksamer Beschießung einen allgemeinen Sturm vorbereiteten. Die
Berennung hatte 44 Tage gedauert, 600 Bomben und 9000 Kugeln waren
verfeuert; die Franzosen erlitten einen Verlust von 240 Toten, während
die Engländer nur 100 Mann einbüßten.
Um Louisbourg besser als eigenen Stützpunkt verwerten zu können,
entfernten die Engländer die gefangenen Soldaten sowie die Einwohner,
schifften sie ein und landeten sie einige Monate später an der Küste
der Bretagne. -- In Anerkennung des Erfolges ward =Pepperel= die Würde
eines Baronets verliehen und Kommodore =Warren= zum Kontreadmiral
befördert.
=Die Einnahme von Louisbourg= gilt als eins der besten Beispiele für
richtiges Zusammenwirken von Land- und Seestreitkräften bei Berennung
einer Küstenstadt. Jede Waffe blieb in ihrem Wirkungskreise: die
Landtruppen übernahmen die Hauptaufgabe; die Flotte versorgte, deckte und
unterstützte sie. Der Fall der Festung hatte =wichtige Folgen=. Für
England war es von großer Bedeutung, den Ausrüstungshafen für die
Freibeuter, den Stützpunkt zur Beherrschung des Eingangs in den
Lorenzgolf, genommen zu haben. Unter dem Eindruck des Erfolges
bewilligten nun auch die Mittelstaaten reiche Geldmittel für den Krieg;
das englische Parlament gestand den Kolonien den Ersatz ihrer Kosten für
das Unternehmen zu und zeigte sich jetzt geneigt, einen Angriff auf
Kanada tatkräftig zu unterstützen. Frankreich verlor mit der Stadt die
ganze Insel Breton, auch fiel eine große Zahl von Handelsschiffen, die
ohne Kenntnis der Ereignisse von Westindien nach Louisbourg kamen, in die
Hände des Gegners, eine Beute von 25 Millionen Lstrl. Quebec befand sich
in ernster Gefahr, seine Befestigungen wurden in Eile vervollständigt,
sowie Bündnisse mit Indianerstämmen abgeschlossen, auch bat man dringend
in Frankreich um Hilfe.
Wie bereits erwähnt, führte die Absicht auf der einen Seite, den Erfolg
auszunützen, auf der andern, die Scharte auszuwetzen, $im Jahre 1746$ zu
Rüstungen in den Marinen Englands und Frankreichs. Während aber die
englische Unterstützung nicht abging, entsandte Frankreich, allerdings
verzögert, eine große Expedition. Unter dem Befehl des =Herzogs
d'Anville= verließen Ende Juni 1746 7 Schiffe zu 64 Kanonen, 4 zu 50-56,
3 Fregatten, 2 Korvetten und 52 Transporter mit 3500 Mann und reichem
Kriegsmaterial Frankreich; man wollte Louisbourg wiedererobern, mit Hilfe
der Kanadier ganz Akadien (vor allem Annapolis) wegnehmen und endlich
Boston angreifen. Als Sammelplatz der gesamten See- und Landstreitkräfte
war Chibouctu (das jetzige Halifax) bestimmt. Infolge verschiedener
Umstände schlug das Unternehmen fehl; zwei vorausgesandte Kriegsschiffe
trafen im Juli auf dem Sammelplatz ein, aber die große Flotte ließ lange
auf sich warten und war dann leistungsunfähig.
$Die Expedition d'Anvilles nach Kanada 1746.$ D'Anville war wohl nicht
der geeignete Mann hierzu; zur Galerenflotte gehörig, deren Chef er
zuletzt gewesen war, stand er der Hochseeschiffahrt fern. Die
Ausrüstung der Expedition war sehr schlecht, teils infolge Geldmangels,
teils weil sie dem Intendanten übergeben war, der durch seine
Unzuverlässigkeit die erwähnte Meuterei in Louisbourg verschuldet
hatte. Die Flotte verließ am 22. Juni Frankreich, erreichte aber erst
am 10. September die Küste Neuschottlands. Hier wurde sie am 13. durch
einen schweren Sturm zerstreut, der zwei Fregatten bis in die Mitte des
Atlantiks trieb, von wo sie nach Frankreich zurückkehrten, einige
Schiffe wurden bis zu den Antillen verschlagen. Die übrigen ankerten am
27. September vor Halifax. Sie befanden sich in traurigem Zustande; 800
Soldaten und 1500 Matrosen lagen krank an Skorbut und Pocken, der Rest
konnte nicht vollen Dienst tun. =D'Anville= war am 25. einem Schlagfluß
erlegen, unter seinem Nachfolger =d'Estournelle= wurde zunächst in
einem Kriegsrate erwogen, ob man den Angriff auf Louisbourg durchführen
oder die Kräfte zu einem solchen auf Annapolis sowie zur Deckung von
Quebec teilen solle; der Streit hierüber erregte den erkrankten Chef
derart, daß er in Irrsinn verfiel und einen Selbstmordversuch machte.
Der auf ihn folgende Oberbefehlshaber =de la Jonquière= raffte sich
dann auf und führte Ende Oktober 4 Kriegsschiffe nebst einigen
Transportern mit 1100 Mann gegen =Annapolis=. Als er aber Kap Sable
umsegelte, litten die Schiffe sehr durch einen Sturm; er gab nun jede
weitere Unternehmung auf und ging nach Frankreich zurück, wo nach und
nach sämtliche Schiffe der Expedition, überfüllt mit Kranken,
eintrafen.
Wenn so die Pläne Frankreichs scheiterten, Louisbourg wiederzunehmen und
in Akadia einzudringen, hatte doch auch England mit seinen Absichten für
das Jahr 1746 kein Glück. Unter Hinweis auf den allgemeinen Wunsch der
Neuengländer, Kanada zu erobern, war es dem Gouverneur =Shirley=
gelungen, die Kolonien und das Mutterland zu entschiedenem Vorgehen zu
bewegen; die Nachrichten über Frankreichs Rüstungen, sowie über Angriffe
der Kanadier auf die Grenzen hatten ihn dabei unterstützt. England
versprach die Entsendung einer starken Flotte mit Truppen, um Quebec
anzugreifen, gleichzeitig sollten die Milizen der Kolonien von New York
aus zu Lande gegen Kanada vorgehen. Aber die Flotte blieb eben aus, nur
einige Schiffe von Westindien unter Vizeadmiral =Townsend= trafen im
Frühjahr ein; =d'Anville= würde diesem weit überlegen gewesen sein, wenn
seine Flotte schlagfertig geblieben wäre. Als nun die französische
Expedition erschien, sahen sich die Kolonien genötigt, die bei Albany am
Hudson zum Vorstoß auf Kanada zusammengezogenen Milizen (10000 Mann) nach
Akadia und nach Boston zu werfen. Man vermochte aber trotzdem nicht, die
Kanadier völlig aus Neuschottland zu vertreiben, und mußte es außerdem
hinnehmen, daß die Grenzgebiete der Staaten New York, Connecticut und
Massachusetts durch die Franzosen sowie deren Indianerhorden fürchterlich
heimgesucht wurden.
So war $im Frühjahr 1747$ die Lage für die Franzosen trotz ihrer geringen
Zahl und trotz des Fehlschlagens der großen Expedition nicht ungünstig;
kam jetzt rechtzeitig Hilfe aus Frankreich, so konnten die Pläne des
Jahres 1746 noch ausgeführt werden. Bekanntlich war man in Paris hierzu
entschlossen, aber das Geschwader =de la Jonquières= wurde bei Kap
Finisterre durch Anson vernichtet (14. Mai). Später war dann Frankreich
nicht mehr imstande, etwas für seine Kolonien zu tun, und Kanada hätte
einem ernstlichen Angriff nicht widerstehen können, aber ein solcher
erfolgte nicht; es kam in Nordamerika überhaupt nicht mehr zu größeren
Feindseligkeiten. Die Kolonien waren nach dem Verrauchen ihres ersten
Eifers ergrimmt über den Mangel an Unterstützung seitens des
Mutterlandes. Sie beschuldigten dieses sogar, die Eroberung von Kanada
gar nicht ernstlich zu wollen; tatsächlich scheint man in England durch
die ungünstige Lage der Dinge in Indien zu sehr in Anspruch genommen und
zum Frieden geneigt gewesen zu sein, um für Amerika noch weitere
Aufwendungen zu machen.
Die Bedingungen des =Friedens zu Aachen= erregten die Entrüstung der
englischen Kolonisten, da das durch ihre Milizen eroberte Louisbourg
zurückgegeben wurde und nicht einmal die Grenzfragen Erledigung fanden.
Sie sahen den Frieden geradezu als auf ihre Kosten geschlossen an; es
soll allerdings in England die Ansicht laut geworden sein, daß nur die
Furcht vor der Nachbarschaft der Franzosen die Kolonien noch an das
Mutterland fessele, und daß man deshalb gut tue, sie nicht durch die
Eroberung Kanadas noch mächtiger und übermütiger zu machen.
$Westindien.$ Wie bereits erwähnt (Seite 70), behielt Westindien nach
Ausbruch des förmlichen Krieges zwischen England und Frankreich 1744 als
Kriegsschauplatz nicht mehr die Bedeutung, die es während des Krieges
zwischen England und Spanien allein gehabt hatte. Engländer wie Franzosen
sandten zwar des öfteren nicht unbedeutende Seestreitkräfte in diese
Gewässer, doch hatte keine Partei jemals eine derartig überlegene Flotte
draußen, um größere Schläge zu planen. Es muß besonders für England
wundernehmen, daß es in den nächsten Jahren nicht imstande gewesen ist,
die volle Seeherrschaft zu erringen. Aber die Streitkräfte der
Jamaikastation waren meistens denen der Spanier bei Kuba und denen der
Franzosen bei Haiti nur eben gewachsen und die Antillenstation war häufig
sogar schwächer; von dieser wurden in den Jahren 1745 und 1746 mehrfach
Geschwader zur Verwendung in Nordamerika abgezweigt.
So beschränkten sich denn die Gegner darauf, die eigenen Besitzungen,
sowie abgehende und ankommende Konvois zu decken und den Verkehr des
Feindes zu stören. Die Engländer waren wohl häufiger die Angreifer, und
es gelang ihnen auch zuweilen, größere französische Konvois zu nehmen
oder doch zu zerstreuen, mehrfach aber glückte es auch den Franzosen,
Handelsgeschwader hinaus- oder heimzuführen. Hierin zeichnete sich
besonders der Kapitän =de Conflans= aus; 1745 machten sie sogar einen
Angriff auf die Insel Anguilla und landeten 600 Mann, die jedoch von den
Einwohnern selber zur Wiedereinschiffung gezwungen wurden, obgleich diese
nur über 100 Bewaffnete geboten. Auf die Bewegungen der kleinen
Geschwader und der Konvois sowie auf die unbedeutenden Zusammenstöße
näher einzugehen, würde ermüden; man findet sie in den Spezialquellen (z.
B. Clowes, Band III, Troude, Band I, Lacour, Band I). =Der Kleine Krieg=,
die Schädigung des feindlichen Handels durch Freibeuter und einzelne
Kriegsschiffe, dürfte -- wie es bis 1744 der Fall gewesen, weil die
Engländer ihre Kräfte damals zu den Unternehmungen gegen spanische Städte
zusammenhielten -- weiter zu ihrem Nachteil ausgefallen sein, solange
sich die Seestreitkräfte der Gegner ungefähr die Wage hielten, da der
größere englische Handel eben mehr Angriffsgelegenheiten bot.
Erst im letzten Jahre des Krieges wurde es anders, als die Marine
Frankreichs lahmgelegt war. =Das Jahr= 1748 bringt denn auch größere
Unternehmungen der Engländer, und zum ersten Male seit langer Zeit läßt
die spanische Flotte wieder von sich hören, und zwar Günstiges.
$Angriffe der Engländer auf Port Louis und Santiago de Cuba.$ Im Februar
1748 verließ =Kontreadmiral Knowles= mit 7 Linienschiffen, 1 Schiff zu 50
Kanonen und 2 kleineren Jamaika, um Santiago de Cuba anzugreifen.
Andauernde nördliche Winde hinderten ihn jedoch, dieses Ziel zu erreichen
und er wandte sich gegen =Port Louis= an der Südküste Haitis. Hier
konnten die Schiffe auf Pistolenschußweite an die Befestigungen
herangeführt werden und kämpften diese bald nieder. Den 257 Kanonen einer
Breitseite des englischen Geschwaders standen nur 78 in den Werken
gegenüber; der Angriff eines spanischen Branders wurde durch Boote
abgeschlagen, zwei andere Fahrzeuge dieser Art vernichtete man auf ihren
Liegeplätzen, ehe sie zum Angriff kamen. Die Stadt kapitulierte am 8.
März; die Angreifer hatten 70 Tote und Verwundete verloren, die Spanier
160 von den 600 Mann der Garnison. Dann segelte Knowles nach =Santiago de
Cuba=. Dies war stärker befestigt als zur Zeit der Berennung durch
Vernon. Trotzdem wollte Knowles die Einfahrt erzwingen, mochte auch
Vernon der Windverhältnisse wegen einen derartigen Versuch für
aussichtslos gehalten haben. Als jedoch die dazu bestimmten Schiffe
festgestellt hatten, daß die Einfahrt mittels einer Floßsperre und
dahinter bereitgehaltener Brander verteidigt war, gab man die Angriffe
auf und kehrte nach Jamaika zurück.
$Das Gefecht vor Havanna, 1. Oktober 1748.$ Später erfuhr =Knowles=, daß
in Havanna die Silberflotte von Vera Cruz erwartet würde. Er ging mit 5
Linienschiffen in See und kreuzte bei den Tortugasbänken. Kurz vorher
hatte ein nach England bestimmter Konvoi, gedeckt durch ein Linienschiff,
Jamaika verlassen und war wegen der Windverhältnisse gleichfalls durch
die Floridastraße gesegelt, anstatt wie üblich durch die Windwardpassage.
Dieser Konvoi traf am 29. September auf ein spanisches Geschwader; der
Führer des Linienschiffes befahl seinen Schutzbefohlenen, sich zu
zerstreuen, während er selber Knowles aufsuchte und auch schon am
nächsten Tage fand. Das englische Geschwader -- 1 Schiff zu 80 Kanonen
(das Flaggschiff), 1 zu 70, 4 zu 60, 1 zu 50 -- stieß am 1. Oktober
zwischen den genannten Bänken und Havanna auf das spanische -- 2 Schiffe
zu 74 Kanonen, 4 zu 64, 1 Fregatte zu 36 unter =Kontreadmiral Spinola= --
griff sofort an und trug den Sieg davon.
Die Spanier nahmen den Angriff in guter Ordnung, Kiellinie beim Winde,
auf, während von den Engländern zwei Schiffe noch zurückstanden; als um
2 Uhr nachmittags das Nahgefecht begann, scheint der Kampf anfangs
nicht günstig für die Engländer verlaufen zu sein. Das englische
Flaggschiff wurde von dem spanischen so warm empfangen, daß es schon
nach einer halben Stunde die Linie verlassen mußte. Während es
ausbesserte, trieb durch Zufall auch ein beschädigtes spanisches Schiff
(64 Kanonen) in seine Nähe und wurde nun nach hartnäckiger Verteidigung
durch das weit überlegene englische genommen. Dieser Erfolg wird
besonders dem Umstande zugeschrieben, daß der Spanier dreimal durch
Mörserfeuer[61] des Engländers in Brand geschossen wurde. Inzwischen
hatten die zurückgebliebenen englischen Schiffe in den Kampf
eingegriffen und der spanische Admiral brach um 8 Uhr abends das
Gefecht ab. Die Spanier verloren 86 Tote und 197 Verwundete, die
Engländer 59 und 120. Erstere erreichten Havanna, büßten aber noch ein
zweites Schiff ein, das wegen seiner Beschädigungen vor dem Hafen
ankern und zwei Tage später verbrannt werden mußte, als sich die
Engländer näherten.
[61] In einigen seltenen Fällen führten die englischen Schiffe einige
kleine Mörser -- »Coehorns« benannt nach ihrem Erfinder van
Coehoorn, einem holländischen Ingenieuroffizier, geb. 1641, gest.
1704 -- so hatte auch hier das Flaggschiff acht derselben an Bord.
Der Sieg war aber bei etwa gleichen Kräften für die Engländer ungewohnt
schwer zu erringen gewesen. =Admiral Knowles wurde= denn auch =vor ein
Kriegsgericht gestellt= unter der Anklage, angegriffen zu haben, ehe sein
Geschwader zusammen und in der vorgeschriebenen Ordnung gewesen sei (also
ähnlich wie =Mathews= bei Toulon). Er kam aber mit einem Verweise davon,
obgleich man ihm auch noch vorwarf, daß er nach dem Ausfall seines
Flaggschiffes nicht auf ein anderes Schiff übergegangen sei.
Nach dem Gefecht kreuzte das Geschwader weiter, um die Silberflotte
abzufangen, bis der Befehl eintraf, die Feindseligkeiten wegen
bevorstehenden Friedensschlusses abzubrechen.
$Ostindien$[62]. Hier stand Frankreichs Sache vor Ausbruch des Krieges
sehr günstig. Die französische Kompagnie schien der englischen den Rang
ablaufen zu wollen; um 1740 beschäftigte sie 40 Schiffe, und auch der
Handel mit China hatte bedeutend zugenommen. Ihr Besitz bei Pondichery
war unter dem Gouverneur =Dumas= in den Jahren 1739-1741 auf friedlichem
Wege durch Gewinnung der Stadt Karikal bei Negapatam sehr erweitert; die
Station Chandernagor am Ganges hatte unter =Dupleix= große Fortschritte
gemacht; die Inseln Isle de France und Bourbon waren unter
=Labourdonnaye= leistungsfähige Stützpunkte auf dem Wege nach Indien
geworden. 1741 übernahm Dupleix an Stelle des erkrankten Dumas die
Station Pondichery; in ihm und Labourdonnaye besaß Frankreich bei
Ausbruch des Krieges zwei hervorragende Männer in Indien. Wenn diese in
richtiger Weise zusammengearbeitet hätten und von der Heimat genügend
unterstützt worden wären, so hätten sie die englischen Niederlassungen
vielleicht zugrunde richten können, beides aber traf nicht zu.
[62] Siehe die Anmerkung Seite 93.
Bertrand François =Mahé de Labourdonnaye=, Offizier der ostindischen
Kompagnie und seit 1735 Gouverneur der Maskareneninseln, befand sich
1740 in Frankreich. Da der Krieg mit England vorauszusehen war, stellte
er der Regierung vor, wie wichtig es sei, sich bei dessen Ausbruch mit
starken Seestreitkräften sofort die Herrschaft in den indischen
Gewässern zu sichern, um den Handel Englands lahmzulegen und die
englischen Besitzungen wegzunehmen. Die Regierung ging hierauf ein und
bewirkte, daß ihm die Kompagnie bei seiner Rückreise (April 1741) fünf
große wohl ausgerüstete Schiffe mit 1200 Seeleuten zur Verfügung
stellte. Dieses Geschwader sollte auch alsbald nützlich werden; mit
seiner Hilfe wurde im Dezember 1741 =Mahé= befreit, das auf Betreiben
der Engländer durch einige indische Fürsten bedroht war. Als aber
Labourdonnaye dann wieder in Isle de France eintraf, erhielt er Befehl,
die Schiffe nach Frankreich zurückzusenden. Die Kompagnie war nämlich
dem Kriege abgeneigt. Sie hoffte, sich mit der englischen Kompagnie
über Neutralität zu einigen; sie fürchtete auch wohl, von der eigenen
Regierung zu abhängig zu werden, wenn die Gouverneure, wie es bei
Labourdonnaye geschehen war, zuviel Gewalt über die Beamten der
Kompagnie erhielten. Die Regierung, schwankend, wie sie unter Ludwig
XV. stets war, ließ sich davon überzeugen, daß sich bei dem Interesse,
das beide Kompagnien am Frieden hätten, ein Kampf in Indien sicher
vermeiden lassen würde. So sah sich =Labourdonnaye= bei Ausbruch des
Krieges auf seine eigenen Kräfte angewiesen.
Der Gouverneur =Joseph François Dupleix=, Sohn eines Direktors der
Kompagnie und in deren Verwaltungsdienste aufgewachsen, hatte
gleichfalls große Pläne. Er beabsichtigte, ohne die Handelsbeziehungen
außer acht zu lassen, in Indien ein Reich zu gründen, in dem Frankreich
über eine große Anzahl eingeborener Vasallenfürsten herrschen sollte.
Aber auch dieser Plan fand keinen Anklang bei der Kompagnie. Sie wollte
sich möglichst auf den Handel beschränken und fürchtete auch wohl, daß
ein derartiges Vorgehen die Erhaltung des Friedens unmöglich machen
würde. 1743 erhielt Dupleix den Befehl, alle Ausgaben für Bauten,
Befestigungen usw. tunlichst einzuschränken. So war auch er auf eigene
Kraft allein angewiesen; die von ihm auf höhere Anordnung 1744
eingeleiteten Unterhandlungen mit dem englischen Gouverneur in Madras
behufs eines Neutralitätsabkommens wurden abgelehnt, da die Engländer
eine Flotte erwarteten.
=Labourdonnaye und Dupleix= gerieten im Verlauf der Ereignisse durch eine
ernste Meinungsverschiedenheit über die Maßregeln zur Durchführung des
Kampfes in =Zwiespalt=. Labourdonnaye sah als Seeoffizier den Kampf um
die Seeherrschaft als die erste und wichtigste Aufgabe an, Dupleix hatte
mehr die Eroberungen am Lande im Auge. Es ist wohl sicher, daß die
Seeherrschaft nicht nur für den Krieg, sondern auch für die großen Pläne
Dupleix' überhaupt nötig war; auch ein französischer Autor, der sonst
diese Pläne hoch einschätzt, Henry Martin, sagt in seiner »Histoire de
France«: »Schwäche zur See war der Hauptgrund, der die Fortschritte
Dupleix' hemmte.«
Anfangs waren beide Männer von feurigem Patriotismus beseelt, einig, und
beide bereiteten sich mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf den
Krieg vor. =Dupleix= befestigte auf eigene Faust und zum Teil auf eigene
Kosten Pondichery und knüpfte enge Verbindungen mit indischen Fürsten.
Der =Nabob von Carnatic= erklärte infolgedessen, daß Pondichery unter dem
Schutz des Mogul stehe und daß dieser jeden Angriff der Engländer auf
französische Besitzungen an der Koromandelküste verbiete, aber allerdings
auch die Franzosen hindern werde, gegen die englischen Niederlassungen
vorzugehen. =Labourdonnaye= hielt in Isle de France alle Schiffe an,
rüstete die dazu geeigneten so gut wie möglich zum Kriegsdienste aus und
bildete sich aus den Besatzungen Kriegsschiffsmatrosen sowie Soldaten
heran. Da dies jedoch geraume Zeit erforderte und da auch die Engländer
sich vorläufig noch nicht stark genug zum Angriff fühlten, verliefen $die
Jahre 1744 und 1745$ ohne besondere Ereignisse. Die englische Kompagnie
hatte wohl die Absicht gehabt, gegen Pondichery vorzugehen, gab sie
jedoch infolge der Drohung des Nabob von Carnatic auf; ein englisches
Geschwader unter =Kommodore Barnet=, das 4 Linienschiffe und 2 Fregatten
stark 1744 eingetroffen war, begnügte sich damit, im Golf von Bengalen
französische Schiffe aufzubringen und Pondichery von der See
abzuschneiden.
Als =Anson= nach England zurückgekehrt war, sandte man =Barnet= den
Befehl, wenn möglich auch 1744 die spanische Galeone wegzufangen, die
jährlich zwischen Manila und Mexiko fuhr, wie es ersterem 1743
geglückt. Die Verhältnisse in Indien gestatteten aber dem Kommodore
nicht, sich so weit zu entfernen, jedoch es gelang ihm im Januar 1745,
in der Bankastraße drei große Schiffe der französischen Kompagnie zu
nehmen, deren bevorstehende Rückkehr von China man erfahren hatte.
$Im Jahre 1746$ aber fühlte sich =Labourdonnaye=, zu dem im Januar ein
Linienschiff und mehrere Schiffe der Kompagnie gestoßen waren, stark
genug zum Handeln. Im April verließ er Isle de France; in einem Zyklon
wurden seine Schiffe zwar übel zugerichtet, das Linienschiff völlig
entmastet, aber er besserte sie in der Bucht von Antougill auf Madagaskar
aus und erschien Ende Juni an der Koromandelküste. Hier kreuzte seit
einiger Zeit das englische Geschwader unter =Kommodore Peyton=, der nach
Barnets Tode den Befehl übernommen hatte, zwischen dem Fort St. David[63]
und Negapatam. Labourdonnaye beschloß, anzugreifen, obgleich seine
Schiffe, wenn auch zahlreicher, an Gefechtskraft weit zurückstanden, und
schlug den Gegner aus dem Felde.
[63] Fort St. David deckte die Stadt Kudalur (englisch Cuddalore),
zwischen Pondichery und der neuen französischen Besitzung Karikal
gelegen; hier hatten die Engländer in einem der letzten Jahre eine
neue Niederlassung gegründet.