insgesamt etwa 30 Linienschiffe, die See und unterstützten das
österreichisch-sardinische Heer bei der Einnahme von Genua und dem
Vordringen in die Provence. Eine Flottille leichterer Fahrzeuge deckte im
Dezember den Übergang über den Grenzfluß =Var=, die gegen 20
Linienschiffe starke Flotte zwang die =Lerinischen Inseln= zur Übergabe
und beschoß die Stadt =Antibes=, die vom Heere berannt wurde. Die
Franzosen setzten schleunigst die sehr vernachlässigte und nur schwach
besetzte Stadt Toulon in notdürftigen Verteidigungszustand.
$Im Jahre 1747$ kam das Vordringen des verbündeten Heeres allerdings bald
zum Stehen, da sich =Genua= in ihrem Rücken wieder empörte. Der
=Marschall Belle-Isle= entsetzte dann am 3. Februar Antibes und trieb die
Gegner über den Var zurück. Auch gelang es, trotz der englischen Flotte
die Lerinischen Inseln im Mai wiederzunehmen, sowie einige Male über
Corsica auf kleinen Fahrzeugen nach Genua Unterstützung zu bringen. Im
allgemeinen blieben jedoch die Engländer bis zum Ende des Krieges
($1748$) Herren der See im Mittelmeer und hielten die spanischen und
französischen Kriegsschiffe in ihren Häfen fest. Zur Unterbindung des
Verkehrs zwischen Frankreich und Italien rüsteten sie eine große Anzahl
kleinerer Fahrzeuge aus, die dicht unter der Küste kreuzten. Die Marinen
ihrer Gegner unternahmen im Mittelmeer nichts. Französische Quellen
sagen: »1748 =war die Erschöpfung an Schiffen, Ausrüstungsgegenständen
jeder Art, sowie an Personal in Toulon vollständig=.«
$Die beiden Seeschlachten bei Kap Finisterre 1747$[56]. Auch in den
atlantischen Gewässern wurde die französische Flotte in diesem Jahre
völlig lahmgelegt. Die englische Admiralität scheint von nun an über die
Absichten und Bewegungen des Feindes besser unterrichtet zu sein als
bisher und war auch imstande, ihm kräftig entgegenzutreten. Zunächst
hatten die Franzosen zwei Geschwader ausgerüstet, von denen das eine, 3
Linienschiffe, 2 Fregatten, unter dem Chef d'Escadre =de la Jonquière=
etwa 30 Transporter von Brest nach Kanada begleiten, das andere, 3
Linienschiffe und einige größere Schiffe der ostindischen Kompagnie unter
=Grout de St. George=, einem Offizier genannter Kompagnie, mit einigen
Kauffahrern von Lorient nach Ostindien segeln sollte.
[56] Nach Clowes, Band III; Troude, Band I; Bonfils, Band II; Lacour,
Band I.
Beide Geschwader gingen im März 1747 in See, wurden jedoch durch Sturm
genötigt, auf der Rhede von l'Ile d'Aix, zwischen der Mündung der
Charente und der Insel Oléron, einem beliebten Anker- und Sammelplatz für
größere Verbände, zu ankern. Sie beschlossen, der größeren Sicherheit
halber, von hier aus vorläufig gemeinsam weiter zu segeln und liefen am
10 Mai aus. Ein Linienschiff unter Kapitän =Bouvet de Lozier= und 4
Ostindienfahrer des zweiten Geschwaders, die im Sturm abgekommen waren,
hatten die Reise fortgesetzt und erreichten Indien. Von England waren
Mitte April Vizeadmiral =George Anson= und Kontreadmiral =Peter Warren=
mit 17 Schiffen in See gegangen; sie kreuzten auf der Höhe von Kap
Finisterre und stießen am 14. Mai etwa 75 Seemeilen nordwestlich des Kaps
auf die Gegner. Auffallenderweise haben die sonst bisher stets so gut
unterrichteten Franzosen keine Kenntnis von der Anwesenheit Ansons in
den spanischen Gewässern gehabt und in dem nun folgenden, höchst
ungleichen Kampfe wurden sie vernichtend geschlagen.
$Die erste Schlacht bei Kap Finisterre, 14. Mai 1747.$ Als die Gegner
einander sichteten, standen die Engländer bei nördlichem Winde östlich
von den Franzosen. =De la Jonquière= ließ durch eine Fregatte die
Stärke des Feindes feststellen und befahl dann den Kriegsschiffen sowie
den armierten Schiffen der Kompagnie, die Schlachtlinie zu bilden, der
Konvoi sollte unter Deckung der einen Fregatte, eines kleineren
Kriegsschiffes und eines Kompagnieschiffes mit raumem Winde das Weite
suchen. Seine Linie bestand aus einem Schiffe zu 74 Kanonen (dem
Flaggschiff Grouts), 1 zu 64 (das eigene Flaggschiff), 1 zu 52, 2 zu
50, 1 zu 40 und 5 Kompagnieschiffen zu 18-30 Kanonen.
Auch =Anson= hatte die Schlachtlinie angeordnet, sobald er aber die
Schwäche des Feindes erkannte, befahl er »allgemeine Jagd«; seine
Flotte -- 1 Schiff zu 90, 1 zu 74, 9 zu 60-66, 3 zu 56, 1 zu 40 Kanonen
sowie einige kleinere -- ging nun ohne besondere Ordnung so schnell wie
möglich an den Feind. Dieser blieb nicht lange in Ordnung; 2
Kompagnieschiffe brachen sofort aus, 2 andere sowie auch ein
50-Kanonenschiff strichen schon nach kurzem Kampfe die Flagge. So wurde
es den Engländern leicht, die feindliche Linie an verschiedenen Stellen
zu durchbrechen und den Rest der Franzosen von beiden Seiten
anzugreifen. =De la Jonquière= gab nun den Befehl zum Rückzug mit
raumem Winde; es folgte ein laufendes Gefecht in der Melée, in dem nach
bewundernswerter Gegenwehr innerhalb von drei Stunden sämtliche
französische Schiffe der Übermacht erlagen. Um 7 Uhr abends drehte
=Anson= bei, ließ aber bis zur völligen Dunkelheit durch drei Schiffe
den Konvoi verfolgen, wobei noch die beiden ausgebrochenen
Kompagnieschiffe, das kleine Kriegsschiff und 6 Fahrzeuge des Konvois
genommen wurden.
=Der Verlust= der Franzosen betrug also 5 Linienschiffe, 1 Fregatte, 1
Kriegsfahrzeug und 5 große Kompagnieschiffe. Von der tapferen Gegenwehr
zeugten die großen Beschädigungen der Schiffe und der Verlust von 800
Toten und Verwundeten, unter den letzteren der Admiral und sein
Flaggkapitän. Auch die Engländer büßten 520 Mann ein, aber die auf den
feindlichen Schiffen gemachte Beute hatte einen Wert von 300 000 Lstrl.
Die zweite Schlacht erfolgte im Herbst. Am 6. Oktober 1747 verließen 250
nach Westindien bestimmte Kauffahrer die Rhede von l'Ile d'Aix; sie
wurden gedeckt durch ein Brestgeschwader von 8 Linienschiffen, 1 Fregatte
unter dem Chef d'Escadre =de l'Etanduère=[57]. Von England war am 20.
August eine Flotte, 14 Linienschiffe und einige Fregatten, unter
Kontreadmiral =Edward Hawke=[58] zum Abfangen des Konvois ausgesandt und
sichtete ihn in der Biscaya am 25. Oktober -- etwa 270 Seemeilen nördlich
vom Kap Finisterre auf 47° 49' Nordbreite. Der französische Admiral nahm
den Kampf gegen den weit überlegenen Gegner auf, opferte seine
Kriegsschiffe und rettete dadurch den Konvoi.
[57] =Les Herbiers, Marquis de l'Etanduère=, geb. 1682, Gardemarine
1697, Lieutenant 1705, Capitaine 1727, Chef d'Escadre 1745,
gestorben 1750. Er hatte unter den tüchtigsten Führern gedient:
Pointis, du Casse, Guay-Trouin (Zug nach Rio), 1741 in Westindien
mit Auszeichnung, 1744 bei Toulon.
[58] =Sir Edward Hawke=, geb. 1705, Kapitän 1734, Kontreadmiral 1747,
Vizeadmiral 1748, Admiral 1757, Admiral of the Fleet 1768, vom
Dezember 1766 bis Januar 1771 Erster Lord der Admiralität,
gestorben als Vizeadmiral von England 1781. Tat sich schon als
Kommandant der »Berwick« bei Toulon hervor und zeichnete sich
später im Siebenjährigen Kriege als Flottenführer aus: Sieg bei
Quiberon über de Conflans 1759. Vielfach kommandierte er die
englische Hauptflotte vor der französischen Atlantikküste, und er
hat wohl den Grund für die strikte Durchführung der Blockade
gelegt, die in den napoleonischen Kriegen so großen Erfolg
davontrug.
$Die zweite Schlacht bei Kap Finisterre, 25. Oktober 1747.$ =De
l'Etanduère= wußte um die Anwesenheit der englischen Flotte in der Nähe
von Kap Finisterre. Er steuerte deshalb nach Verlassen der
französischen Küste zunächst nordöstlich, um das Kap auf weitere
Entfernung als sonst üblich zu umsegeln, wurde jedoch von zwei
versprengten oder abgezweigten englischen Schiffen gesehen; diese
riefen =Hawke= herbei. Als sich die Gegner am 25. Oktober in der Frühe
sichteten, segelte der Konvoi mit raumem westlichen Winde zwischen zwei
deckenden Kolonnen, von denen die eine in Lee aus den 8 Linienschiffen,
die andere zu Luward aus einem 64-Kanonenschiff der westindischen
Kompagnie, der Fregatte und 6 gut segelnden Kauffahrern bestand; diese
Kolonnen sollten also wohl nur die große Zahl der Fahrzeuge
zusammenhalten. Der Admiral gab dem Konvoi und der Luvkolonne den
Befehl, sich in Lee der Linienschiffskolonnen zu begeben und dann nach
NO hin auszuweichen; mit den Linienschiffen bildete er die
Schlachtlinie über Steuerbordbug.
Bei der großen Zahl der Kauffahrer erforderte dies Manöver längere
Zeit; die Linienschiffe mußten ihre Entfernungen voneinander erweitern,
um die Kauffahrer durchzulassen, und dann wieder schließen. So fanden
die Engländer Zeit, heranzukommen. =Hawke= hatte zuerst allgemeine Jagd
befohlen, bildete dann aber vorsichtshalber die Schlachtlinie, da man
viele große Schiffe sah; als er näher herankam und die geringe Zahl der
Kriegsschiffe erkannte, gab er wieder den Befehl zur allgemeinen Jagd.
Die Franzosen nahmen den Angriff unter Marssegeln auf, ihre vordersten
Schiffe braßten sogar back, um den hintern das Aufschließen zu
erleichtern. Die englische Flotte kam von hinten auf, ihre Schiffe
verteilten sich nach eigenem Gutdünken auf beide Seiten der
wohlgeordneten französischen Linie, bis diese in ihrer ganzen Länge
zwischen zwei Feuer genommen war. In der Linie lagen 1 Schiff zu 80
Kanonen (das Flaggschiff), 4 zu 74, 2 zu 64 und 1 zu 50, während die
englische Flotte 1 Schiff zu 74, 1 zu 70, 10 zu 60-66 und 2 zu 50
Kanonen zählte. Gegen diese Übermacht fochten die Franzosen mit einer
Ausdauer, die auch beim Gegner höchste Anerkennung fand. -- Gegen
Mittag hatten die vordersten englischen Schiffe das Feuer auf die
feindlichen Schlußschiffe eröffnet, erst um 4 Uhr nachmittags strich
das erste französische Schiff die Flagge, und es war 7 Uhr abends, als
6 Schiffe, zerschossen und entmastet, genommen waren; dem Flaggschiff
und dem Vierundsiebziger gelang es sogar, sich aus dem Gefecht zu
ziehen und unbelästigt Brest zu erreichen, wobei das Flaggschiff
zeitweise von seinem Kameraden in Schlepp genommen wurde.
=Der Verlust= an Mannschaften betrug auf französischer Seite 800, auf
englischer 712 Mann. Nach französischen Angaben haben die Franzosen
1842 Schuß, die Engländer gegen 4000 abgegeben. Diese sollen viel
Kartätschen und Kettenkugeln (besonders wirksam gegen die Takelage),
verfeuert haben, Geschoßarten, von denen die Franzosen nur wenig an
Bord hatten. Die englischen Schiffe hatten gleichfalls so gelitten, daß
sie nicht daran denken konnten, den Konvoi zu verfolgen. =Admiral
Hawke= sandte jedoch sofort einen Schnellsegler nach Westindien, um
dort den Stationschef von der bevorstehenden Ankunft des Konvois zu
benachrichtigen, und so wurden immerhin durch Kriegsschiffe noch 20
Kauffahrer (im Wert von 100 000 Lstrl.) und von Freibeutern weitere
zehn aufgebracht.
=In den eben geschilderten Schlachten Ansons und Hawkes= siegten die
Engländer durch ihre Überlegenheit an Zahl, und die Führer handelten
richtig, wenn sie allgemeine Jagd anordneten. =Mahan= sagt hierzu: »Wenn
sich der Feind infolge einer Schlacht oder erheblicher Unterlegenheit zur
Flucht genötigt sieht, so soll man die Rücksicht auf eigene Ordnung bis
zu einem gewissen Grade außer acht lassen; der hierin vom Admiral
=Tourville= nach der Schlacht bei Beachy Head 1690 gemachte Fehler ist
dort erwähnt« (auch von uns, vgl. Band I, Seite 439). »Es kommt dann
darauf an, den Gegner zu überholen oder festzuhalten, und dies kann mit
Sicherheit nur erreicht werden, wenn man die schnellsten oder die zur
Verfolgung in günstigster Lage befindlichen eigenen Schiffe ihren Vorteil
ausnutzen läßt; diese werden die langsamsten Schiffe des Gegners
einholen, die dann verloren sind oder die Gesamtstreitmacht nötigen, sich
zu stellen.«
Auch die französischen Admirale verfuhren in beiden Schlachten richtig,
wenn sie sich mit den Kampfschiffen zwischen ihre Schutzbefohlenen und
den Feind legten. =Jonquière= erreichte seinen Zweck nicht ganz, weil er
von verschiedenen Schiffen im Stich gelassen wurde; der glänzenden
Verteidigung =l'Etanduères= aber war die Rettung des wertvollen Konvois
zu danken. -- Daß die deckenden Geschwader so klein bemessen waren,
spricht nicht für die Leitung der französischen Marine oder bezeugt ihre
Schwäche. Im ersten Falle handelte es sich allerdings nur um kleine
Unterstützungen für die fernen Kriegsschauplätze, und solche waren in den
letztverflossenen Jahren häufig dem Gegner entgangen; im zweiten Falle
aber hätte man, durch den ersten Verlust gewitzigt, dem ungeheuer großen
Konvoi, der viel schwerer unbemerkt durchschlüpfen konnte, doch einen
stärkeren Schutz zuteil werden lassen müssen.
Das Jahr 1747 brachte zwischen beiden Schlachten noch $weitere
bemerkenswerte Verluste der Franzosen$. Am 1. Juli 1747 stieß Kapitän
=Fox= mit 4 Linienschiffen und 2 schweren Fregatten in der Bucht von
Biscaya auf einen großen Konvoi heimkehrender französischer
Westindienfahrer, dem er schon seit Mai auflauerte. Der Führer der
Bedeckung (3 Linienschiffe und 1 Fregatte), Kapitän =Dubois de
Lamotte=, machte zwar zunächst Miene, durch Aufnahme des Kampfes den
Feind festzuhalten, führte diese Absicht aber nicht durch, sondern gab
den Kauffahrern den Befehl, sich auf eigene Faust zu bergen. Er räumte
mit seinen Kriegsschiffen das Feld und führte diese wohlbehalten nach
Brest, aber 47 seiner Schutzbefohlenen fielen den Engländern in die
Hände. -- Wenige Tage später jagte Admiral =Warren=, zweiter Admiral
auf Ansons Flotte, ein französisches Kriegsschiff nebst 5
Handelsschiffen bei Kap Finisterre auf den Strand und nahm oder
verbrannte sie.
Nach dem Verlust von 11 Linienschiffen in den beiden Schlachten scheint
=Frankreichs Marine auch im Atlantik erschöpft= gewesen zu sein, und es
zeigen sich dort keine Seestreitkräfte von Bedeutung mehr. Man hört nur
-- es klingt fast wie ein Scherz -- von der Indienststellung eines zwei
Fregatten starken »fliegenden Geschwaders« zum Schutz der atlantischen
Küste. Diese kleine Macht fing zwar einige Freibeuter und bestand sogar
ein Gefecht mit stärkeren Kriegsschiffen, konnte aber selbstverständlich
nicht hindern, daß die eigenen Kaper genommen und der Handel schwer
geschädigt wurde. Nach der zweiten Schlacht bei Finisterre kreuzten
nämlich in den Jahren 1747 und auch $1748$ bis zum Friedensschluß stets
mehrere englische Geschwader, von Flandern bis Gibraltar verteilt, vor
der französischen und spanischen Küste.
$Die Beteiligung der holländischen Marine am Kriege$ beschränkte sich
auf die europäischen Gewässer und bot tatsächlich kaum eine
Unterstützung für England[59]. Beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich
1744 war dies berechtigt -- insbesondere infolge des französischen
Versuches, in Großbritannien zu landen --, auf Grund des alten
Vertrages von 1678 von Holland 23 Kriegsschiffe zur Unterstützung zu
fordern. Die Generalstaaten wollten dem Verlangen zwar entsprechen,
aber der traurige Zustand der Marine und der Geldmangel bei den
Admiralitäten erlaubten dies zunächst nicht. Erst Anfang August gingen
8 Linienschiffe -- 1 zu 72, 1 zu 64, 6 zu 54 Kanonen -- unter dem
Leutnant-Admiral =Grave=, 2 Vize- und einem Kontreadmiral nach
Spithead; 4 Fregatten, die noch bereit waren, mußten in die Nordsee
gesandt werden, um die zurückerwarteten Ostindienfahrer aufzunehmen.
[59] Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 182 ff. -- Den traurigen
Zustand der holländischen Marine um 1744 haben wir schon
geschildert. Vgl. Seite 59 und Band I, Seite 500.
Kennzeichnend für die jetzige Bedeutungslosigkeit der holländischen
Marine ist, daß die Schiffe die englische Gösch auf dem Bugspriet
führten; allerdings sagte man, es geschehe nur, um Frankreich gegenüber
ausdrücklich hervorzuheben, die Schiffe seien ein vertragsmäßiges
Hilfsgeschwader, nicht aber Streitkräfte einer selbständig
kriegführenden Macht. (Also ein ähnliches Verhältnis wie das der
französischen Schiffe vor 1744 zu Spanien.) Die Linienschiffe machten
1744 die Reise des Admirals =Balchen= in die spanischen Gewässer mit,
doch fielen drei bald aus, da sie wegen ihres schlechten Zustandes und
Krankheit an Bord Lissabon als Nothafen anlaufen mußten. Im Laufe des
nachfolgenden Winters wurde das holländische Kontingent nach und nach
wirklich auf 15 Linienschiffe und 5 schwere Fregatten gebracht, der
Zustand der Schiffe war jedoch derart, daß sie sich nur einige Male und
noch nicht vollzählig an den Kreuzfahrten der englischen Geschwader
beteiligen konnten; meist lagen sie untätig in den Häfen, und schon im
April 1746 wurden mit Bewilligung Englands 8 Schiffe wieder
zurückgezogen.
Das Verhältnis zwischen England und Holland in maritimen
Angelegenheiten war schlecht. Holland erhob Klage, daß die Engländer in
den auswärtigen Gewässern bei ihrer Jagd auf französische und spanische
Kauffahrer auch holländische belästigten; die holländischen
Seeoffiziere waren empört, daß ihre älteren Flaggoffiziere unter
jüngere englische gestellt wurden und warfen ihrem Chef zu großes
Entgegenkommen vor. Im Winter 1745/46 kehrte der Rest der Schiffe nach
Holland zurück und damit unterblieb die Gestellung eines
Hilfsgeschwaders vorläufig ganz, weil man die schwachen Kräfte
notwendig selber gebrauchte. -- Schon von 1745 an waren ältere
Linienschiffe (sogenannte »Ausleger«, d. i. wohl »Wachtschiffe«) nebst
kleineren Fahrzeugen in der Schelde stationiert, hier unter
österreichischer Flagge, wiederum nur als Hilfskräfte; als 1746 die
Franzosen näher an Holland herankamen, wurden diese vermehrt, nur unter
holländischer Flagge. Die anderen Küsteneinfahrten besetzte man
ähnlich; man zog dazu auch noch Schiffe der ostindischen Kompagnie und
sonst geeignete Kauffahrer heran.
An eigentlichen Kriegsschiffen sind in den Jahren 1746 und 1747 einige
zwanzig im Dienst gewesen, von denen aber der größere Teil zum Schutze
des Handels in auswärtigen Gewässern Verwendung fand. An der eigenen
Küste kreuzten nur wenige (3 oder 5), so daß man sich genötigt sah,
1747 England um Unterstützung durch ein Geschwader zu bitten, als man
einen französischen Angriff von Sas van Gent aus gegen Walcheren
befürchtete. =De Jonge= klagt: »Fremde Schiffe mußten herbeigerufen
werden, um Vlissingen, den Geburtsort unserer großen Admirale Ruyter,
Evertsen, Bankers, zu schützen!« Im Juli 1747 und im Januar 1748
wurden nochmals kleine Geschwader von 6 Schiffen nach England gesandt,
die sich an Kreuzfahrten beteiligten.
Der Krieg in den Kolonien 1744-1748[60].
$Nordamerika.$ Mit der Kriegserklärung zwischen England und Frankreich
entbrannten sogleich wieder die Kämpfe unter ihren Kolonien in
Nordamerika. Die Franzosen waren hierbei die ersten auf dem Platze,
obgleich um 1744 Kanada nur 50000 weiße Einwohner gegen eine Million --
in den vier Neuenglandstaaten allein schon 400000 -- in den englischen
Kolonien zählte. Auch die militärische Macht Frankreichs war gering. Der
Generalgouverneur von Kanada verfügte nur über 600 Soldaten und 1200
Milizen; die Grenzforts hatte man zwar verstärkt, aber ernsten Angriffen
konnten sie kaum standhalten. Die Befestigungen Quebecs waren noch nicht
vollendet. Als wirklich starke Festung konnte nur Louisbourg auf der
Insel Breton gelten; hier standen 650 Soldaten und 800 Milizen.
[60] Quellen vgl. Fußnote Seite 59; hierzu treten Zimmermann, Band II
und IV. -- Über die Stellung der kriegführenden Mächte in den
Kolonien um 1740 vgl. Seite 7 ff.; die Geschichte der Kolonien bis
1740 vgl. Band I, Kapitel XII.
Da aber die Kriegserklärung in Kanada weit früher bekannt wurde als in
Neuengland, glaubte der Kommandant von Louisbourg, =Duquesnel=, dem
Gegner durch Überraschung einen empfindlichen Schlag beibringen zu
können. Er ließ im Mai 1744 den englischen Militärposten =Canseau auf
Neuschottland= durch 400 Mann überrumpeln und die dortigen
Fischereianlagen zerstören; der Versuch, sich auch der Stadt Annapolis,
des ehemaligen Port Royal, zu bemächtigen, mißlang, die kleine Truppe
mußte abziehen, als ein englisches Kriegsschiff sowie Verstärkungen aus
Boston herankamen. Immerhin aber schien Neuschottland gefährdet, dessen
Kolonisten vielfach zu Frankreich neigten, und auch die Wegnahme
verschiedener englischer Handelsschiffe und Fischerfahrzeuge durch
französische Freibeuter erregte die englischen Kolonien. Sie hatten
anfangs keine kriegerischen Absichten und wären unter dem Einfluß
religiöser Streitigkeiten, Zwiste der Kolonien mit den Gouverneuren sowie
untereinander lieber neutral geblieben. Nur der Gouverneur von
Massachusetts-Maine (Hauptstadt Boston), =Shirley=, hatte in Voraussicht
eines Krieges Vorbereitungen getroffen und brachte jetzt auch die übrigen
Neuenglandstaaten zu einem =Angriff auf Louisbourg= zusammen. Man bat die
Regierung in England um Unterstützung durch Seestreitkräfte und zwar des
schnelleren Eintreffens wegen durch die in Westindien stationierten;
diesem Wunsche wurde entsprochen.
$Die Einnahme von Louisbourg, Mai-Juni 1745.$ =Louisbourg= liegt am
Eingange eines kleinen vorzüglichen Hafens an der Ostküste der Insel
Breton. Die Umwallung der Stadt war für 148 Kanonen eingerichtet, von
denen man jedoch nur 64 aufgestellt hatte. Dazu traten 2 Batterien mit
10 und 6 Mörsern, 2 Außenwerke mit 16 und 30 Kanonen (24-Pfünder), die
auch den Landzugang deckten, sowie 2 Batterien zu 35 und 34 Kanonen
(42-Pfünder), die den Hafen und seinen Eingang bestrichen und deren
eine auf einer kleinen Insel lag. Aber die Befestigungen auf der
Landseite waren noch nicht ganz fertig, und das schlechte Material
ihres Mauerwerkes konnte einer andauernden Beschießung nicht genügend
widerstehen.
Die vier Neuenglandstaaten sammelten in Boston 4000 Mann Milizen unter
dem Befehl =Sir William Pepperels=, eines reichen Kaufmanns in Maine,
und führten diese, sobald die Nachricht vom Nahen eines Geschwaders
eingetroffen war, Anfang April 1745 auf 80 Fahrzeugen, gedeckt durch 11
Freibeuter (zu je 20 Kanonen) nach Canseau. Hier wurden die Truppen
eingeübt, bis zu Ende des Monats Kommodore =Warren= mit 4 Schiffen (1
zu 60, 3 zu 40 Kanonen) eintraf, zu denen im Laufe der Operationen noch
einige stießen. In den ersten Tagen des Mai landeten dann die Engländer
etwa vier Seemeilen südwestlich von Louisbourg in der Gabarusbucht; sie
wurden nicht weiter belästigt, nachdem das Feuer ihrer kleineren
Schiffe schwache feindliche Abteilungen vertrieben hatte.
Die Verhältnisse lagen für die Franzosen sehr ungünstig. Zunächst
scheinen sie überrascht worden zu sein. In Frankreich hatte man zwar
von dem beabsichtigten Angriff Wind bekommen und sofort eine der
schnellsten Fregatten zur Benachrichtigung nach Louisbourg abgesandt,
aber diese wurde durch die Freibeuter Pepperels gehindert, die Festung
zu erreichen und ging nach Frankreich zurück. Ferner war einige Monate
vorher infolge schlechter Behandlung und ungenügender Löhnungszahlung
unter den französischen Soldaten eine nur mühsam unterdrückte Meuterei
entstanden; der Kommandant wagte nicht, die unzuverlässigen Leute dem
Feinde entgegenzuführen, um diesen am Landen und Festsetzen zu hindern.
Endlich befanden sich auch die Befestigungen der Stadt -- von den
Franzosen stolz das »amerikanische Dünkirchen« genannt -- keineswegs in
der Verfassung, die man nach den ungeheuren Ausgaben dafür (30
Millionen?) hätte erwarten müssen. Die beiden letzten Umstände waren
dem Gouverneur Shirley bekannt und hatten ihn in seinem Plane bestärkt.